Österreich 1918 – 1945
Historische Anmerkungen :
Béla Kun

 

Béla Kun wurde 1886 in Transsylvanien geboren. Ab 1902 in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung tätig, war er 1913 Delegierter der Klausenburger Parteiorganisation am 20. Kongreß der "Ungarländischen Sozialdemokratischen Partei" (Magyarországi Szociáldemokrata Párt, MSZDP) und ging knapp vor dem Ersten Weltkrieg nach Budapest, wo er einen Posten in der Redaktion der "Népszava" (Volksstimme), dem Organ der Partei, bekleidete. Während des Krieges befand er sich als Reserveoffizier an der Ostfront und geriet 1916 in russische Gefangenschaft. Hier trat er in die SDAPR(b) ein und organisierte eine revolutionäre Gruppe im Kriegsgefangenenlager in Tomsk. Er war ab März 1918 Leiter der ungarischen Gruppe der KPR(b), und gab die revolutionäre Zeitschrift "Szociális Forradalom" (Soziale Revolution) heraus. Er wurde im Mai auch Vorsitzender der "Internationalen Föderation der sozialistischen Kriegsgefangenen". Als Mitorganisator der internationalen Einheiten der "Roten Armee" kämpfte er an der Perm-Front gegen die "Weißen"

Am 24. November 1918 hielten die nach Ungarn zurückgekehrten Mitglieder der Ungarischen Föderation der KPR(b), darunter Kun, zusammen mit ehemaligen Mitgliedern der MSzdP sowie mit den anarcho-syndikalistischen Revolutionären Sozialisten, die sich im Herbst 1917 konstituiert hatten, den Gründungskongress der "Ungarländische Partei der Kommunisten" (Kommunisták Magyarországi Pártja, KMP) ab. Wenig später begann die KMP die Herausgabe der "Vörös Újság" (Rote Zeitung). Wegen revolutionärer Betätigung wurde Kun am 21. Februar 1919 verhaftet.

Am 21. März 1919 vereinbarte eine Kommission der MSzDP mit Vertretern der MKP im Zentralgefängnis die Vereinigung der 600.000 Sozialdemokraten und der 200.000 Kommunisten zur "Magyarországi Szocialista Párt" ("Ungarländische Sozialistische Partei", MSzP) sowie die Bildung einer Räteregierung. Die inhaftierten Kommunisten wurden freigelassen. Auf der ersten Tagung des gemeinsamen Parteivorstandes noch am selben Tag wird ein "Revolutionärer Regierender Rat" (Forradalmi Kormányzótanács) gebildet. Kun übernahm das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten und Kriegswesen. Infolge des Zusammenbruchs der Räterepublik floh er am 1. August 1919 mit führenden Personen des Regimes nach Österreich, wo er zunächst auf Burg Karlstein (Niederösterreich) und später in Wien interniert wurde. Schließlich konnte er im Juli 1920 nach Sowjetrußland reisen.

Von der Sowjetunion aus versuchte er am Aufbau einer neuen illegalen kommunistischen Organisation in Ungarn mitzuwirken; er nahm auch am 1. Parteitag der neugebildeten KP Ungarns im August 1925 in Wien sowie im Februar 1930 am 2. Parteitag in Aprelevka (Sowjetunion) teil. Bei seinen wiederholten Aufenthalten in Wien wurde er 1928 verhaftet, jedoch trotz eines Auslieferungsbegehrens der ungarischen Regierung wieder in die Sowjetunion abgeschoben. Von hier aus wirkte er weiter bis 1936 als Mitglied des Zentralkomitees der illegalen ungarischen KP.

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Im Februar 1921 wird Kun Mitglied des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale; am 13. Juli, im Zuge des 3. Kongresses der KI, wird er zu diesem Posten wiedergewählt, und während des Jahres nimmt er an den Sitzungen des EK teil. Am 2., erweiterten, Plenum des EK im Juni 1922 ist er nicht anwesend. Am 2. Kongress der KI im November desselben Jahres legt er einen Bericht über den 5. Jahrestag der Russischen Revolution und die Perspektiven der Weltrevolution vor. Er ist nicht mehr Mitglied des EK. Am 3., erweiterten, Plenum des EK im Juni 1923 ist er nicht anwesend. 1924 ist er Verantwortlicher der Agitprop-Sektion der KI. Im Zuge des 5. Kongresses der KI im Juli desselben Jahres zählt er zu den ernannten Kandidaten des EK. Am 5., erweiterten, Plenum des EK im März 1925 wird er Mitglied des Organisationsbüros. Am 7., erweiterten, Plenum im Dezember 1926 zählt er zu den ernannten Kandidaten des Präsidiums des EK. Am von Juli bis September 1928 abgehaltenen 6. Kongress der KI wird er in seinen Funktionen im EK bestätigt. Am 10. Plenum des EK im Juli 1929 trägt er zu den Debatten bei; er wird beauftragt, das Sekretariat für den Balkan zu leiten. Am 11., erweiterten, Plenum im März-April 1931 wird er Mitglied des Präsidiums des EK. Er trägt zu den Debatten auf den Plenums des EK von August-September 1932 und Dezember 1933 teil. 1934 ist er Mitglied der mit der Vorbereitung des 7. Kongresses der KI beauftragten Kommission. Im Zuge dieses Juli-August 1935 abgehaltenen Kongresses wird er zum Mitglied des EK gewählt.

1937 wird er wegen "trotzkistischer Verschwörung" verhaftet, aller seiner Ämter entkleidet und in verschiedene Gefangenenlager gebracht, wo er angeblich am 30. November 1939 umkam.