| Autriche 1918 – 1945 |
"Mitteilungs-Blatt", édité par le SDAPDÖ, 17 juillet 1927.
Titre :
"Kommunisten und Plattenbrüder* überfallen den Schutzbund"[1]
Eine Bande jugendlicher Kommunisten und anderes Gesindel terrorisierten in den Nachmittagsstunden [Samstag 16. Juli] die äußeren Gegenden von Hernals. In kleinen Gruppen zogen die verantwortungslosen Burschen durch die Straßen und entfesselten, wo sie hinkamen, einen Wirbel. Oftmals von der Polizei zerstreut, rotteten sie sich immer wieder zusammen und versetzten den Bezirk in heftige Erregung. In der Kinderfreundebaracke in der Hernalser Hauptstraße war der Hernalser Schutzbund untergebracht. Die Strolche stürmten gegen die Einfriedung los, zertrümmerten das Gitter, schlugen Fenster und Türen ein und gingen gegen den Schutzbund los. Um neues Blutvergießen zu vermeiden, zogen sich die Ordner in das Bezirkssekretariat in der Rötzergasse zurück. Die wilde Horde versuchte nun die schon gestern ausgebrannte Wachstube Rasensteingasse neuerlich in Brand zu stecken. Von Polizisten im Auto verjagt, zogen sie sich zurück, errichteten zwischen dem Viadukt der Vorortelinie und der Rosensteingasse Barrikaden aus Eisenschienen und Gartenbänken von denen sie immer wieder hervorbrachen. Dabei kam es fortwährend zu Schießereien zwischen der Wache und den Plattenbrüdern, deren Opfer friedfertige Menschen wurden. Die Wache fuhr in Gesellschaftswagen durch die Straßen, hatte an den Wänden rechts und links die Gewehre in Anschlag und schoß. Dabei wurde ein braver Hernalser Schutzbündler Franz Müller, der, eben vor den exzedierenden Kommunisten flüchtend, nach Hause gehen wollte, tödlich getroffen. Außerdem wurde ein Straßenbahner und eine Frau, die zum Fenster ihrer Wohnung herausschaute, erschossen. Ein Wachinspektor wurde von den Radaubrüdern erstochen, ein anderer erschossen. Insgesamt gab es sechs Tote. Viele Verletzte wurden in die Spitäler geschafft.
* "Die Platte" (féminin) est une expression dialectale en Autriche pour "bande de criminels, bande". Le membre d’une "Platte" est appelé "Plattenbruder" ou "Plattner".
Nationalrat, 26 juillet 1927. À l’ordre du jour figurent les évènements des 15, 16 et 17 juillet.
Otto Bauer dépose une motion visant à créer une commission d’enquête, ainsi qu’une motion visant à retirer sa confiance au gouvernement.
Intervention de Bauer (extraits)[2] :
[…] Aber, meine Herren, begreifen Sie einmal, warum wir diese Forderung stellen. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vergegenwärtigt haben, was heute in der Seele von hunderttausend Menschen lebt. Denken Sie einmal nach, Sie haben es am 15. Juli doch erlebt, welche entsetzliche Gefahr es ist, wenn sich in der Seele breiter Menschenmassen der Haß, die Erbitterung über erlittenes Unrecht, über Verweigerung des Rechtes einnistet. Nun denken Sie einmal nach, in welcher Stimmung diese Menschen, die damals schon so aufgeregt waren, heute erst sind. An diesem Tage sind doch zwischen das Feuer der Polizei Tausende und aber Tausende Menschen gekommen, nicht nur Demonstranten, sondern neugierige Zuschauer, zufällige Passanten, alles mögliche. Sie haben ja gar keine Vorstellung, was das hervorgerufen hat. Jeder, der dieses Davonlaufen vor den Gewehren, der diese Flucht vor dem Tod, diese Flucht in der schrecklichsten Angst einmal mitgemacht hat, in dem lebt noch jetzt ein Gefühl der Erniedrigung, ein Gefühl der Demütigung, ein Gefühl der Verbitterung, ein Gefühl des Hasses, und ich fürchte, meine Herren, in vielen Fällen das Schlimmste : nämlich ein Gefühl der Rachsucht. Diese Menschen gehen jetzt stumm dahin, sie gehen früh in die Fabrik, wenn sie Arbeit haben, und abends nach Hause und leben ihr kärgliches Leben weiter, sie stehen in den Arbeitsvermittlungsämtern herum, wenn sie arbeitslos sind, und tragen diese Not weiter, stumm, und fressen diesen Haß, diese Erbitterung und dieses Gefühl der Demütigung in sich hinein. Und nun denken Sie einmal, meine Herren, was kommen wird. Dann werden, wenn Sie nicht mit einer Amnestie vorgehen, die Prozesse kommen, nicht etwa nur die Prozesse gegen Plünderer, Brandstifter oder Totschläger, nein, die ganzen anderen Prozesse. Da werden jetzt jeden Tag Menschen verhaftet und werden Menschen angeklagt deswegen, weil sie Wachleuten, die auf die flüchtende Menge geschossen haben, "Pfui!" zugerufen haben. Da werden jetzt jeden Tag Menschen angeklagt und verurteilt werden deswegen, weil sie einem Wachmann in dem Gedränge, dort, wo es um Menschenleben ging, einen Stoß versetzt haben. Da werden Menschen jetzt wegen dieser Delikte, wie Auflauf u. dgl., verurteilt werden. Jetzt stellen Sie sich die Situation vor, denken Sie doch ein bißchen daran, daß es sich um Menschenleben, um Menschenschicksale handelt, und denken Sie, wenn Sie nicht menschlich denken wollen, rein vom Standpunkt der Staatsräson : Ist es wirklich nützlich, Menschen, die ohnehin in diesem Zustand der Erbitterung und des Hasses sind, nun auch monatelang durch solche Prozesse zu reizen, durch Prozesse zu reizen, wo jeden Tag jeder dieser unglücklichen erbitterten Menschen das Gefühl haben wird : Den Bruder haben sie ihm erschossen und dafür sperren sie ihn noch ein; die Mörder von Schattendorf haben sie freigelassen, aber den, der "Pfui!" gerufen hat, sperren sie ein. Glauben Sie, meine Herren, daß das im Interesse des Staates ist? Glauben Sie, daß das Gefahren mildern heißt, wenn man so verfährt? […] Aber daß der Herr Bundeskanzler irgendwie die Verpflichtung fühlen wird, dieses unermeßliche menschliche Leid auch irgendwie zu lindern, um eine gewisse Beruhigung zu schaffen, das habe ich gehofft. Nicht aus Mitleid. Ich weiß, Mitleid ist nicht die Tugend eines Staatsmannes. Nicht aus Humanität. Ich weiß : Autorität, nicht Humanität ist Ihre Parole. Nicht aus irgendwelcher religiöser Überzeugung. Ich weiß : Davon darf man sich nicht irremachen lassen, denn die Pflicht ist, fest zu sein. Nein, nur aus bloßer Staatsräson, meine Herren, nur aus der bloßen Staatsräson, daß man nicht zuviel Erbitterung in den Tiefen der Gesellschaft lassen soll. Gewiß, die Gemeinde Wien hat schon und wird auch weiter ihre Pflicht erfüllen. Aber begreifen Sie : Es handelt sich hier nicht um die Frage des Geldes, es handelt sich um eine moralische Frage, um die Frage, Beruhigung zu schaffen durch eine Gebärde wenigstens des Fühlens für dieses menschliche Leid. […] Der Herr Bundeskanzler hat uns eingeladen, wir sollen den Trennungsstrich ziehen zwischen uns und den Plünderern, Brandstiftern usw. Das haben wir nicht notwendig. Es hat eine Zeit gegeben in der österreichischen Arbeiterbewegung, wo eine Gruppe, eine zeitweilig einflußreiche Gruppe, vorhanden war, die mit solchen Mitteln, mit Plünderung und Brandstiftung und Raub und Mord glaubte, die Befreiung der Arbeiterklasse erkämpfen zu können. Diese Gruppe, die Gruppe der Anarchisten, der Radikalen, wurde niedergerungen, nicht durch die Polizei, sondern durch die Sozialdemokratie unter Viktor Adlers Führung. Wenn heute Unglückliche in die Irrtümer dieser Gruppe von einst verfallen, in Stunden großer Erregung, so werden wir nicht den Trennungsstrich ziehen zwischen ihnen und uns, sondern diese Unglücklichen zu belehren und zu erziehen suchen zu sozialdemokratischem Denken. Daß wir aber, wie der Herr Kanzler sich vorstellt, etwa in der Stunde, wo seine Polizei in diese Menschen hineingeschossen hat, in der Stunde, wo diese Menschen verwundet in den Spitälern liegen und ihre Witwen an Gräbern klagen, in der Stunde, wo man Massenverhaftungen unter diesen Menschen vornimmt, daß in dieser Stunde, wo diese Menschen sich bedrückt und erniedrigt fühlen und sich haßerfüllt auflehnen gegen die Ordnung, die ihnen auferlegt ist, daß wir in dieser Stunde den Trennungsstrich ziehen zwischen diesen Menschen und uns, nein, Herr Kanzler, das werden wir nicht tun, wir ziehen keinen Trennungsstrich zwischen leidenden Menschen und uns, und je schwerer sie leiden, in je schwereres Leid Unrecht sie gebracht hat, desto mehr ist unser Gedanke, nicht uns zu trennen von diesen Menschen, sondern im Gegenteil, für sie zu arbeiten und sie in eine wirtschaftliche Lage zu heben, daß sie leichter so weise werden können, wie der Satte ist, und ihnen Belehrung und Erziehung zu bringen und ihnen, selbst wenn sie irren und selbst wenn sie fehlen gegen die Gesellschaft, deren Opfer diese Menschen sind, nichts zu sein als die treuen und unermüdlichen Anwälte dieser arbeitenden und leidenden Menschen. […] Täuschen Sie sich nicht über die Tiefe des Grolles da unten und glauben Sie nicht, meine Herren, daß der Staat, daß die Republik Gefahren, die ihr drohen können, entrinnt, wenn Sie diesen Groll nicht beachten, nicht sehen wollen, wenn Sie diesen Menschen gegenüber nichts haben als den Wunsch der festen Gebärde, wie der Herr Bundeskanzler gesagt hat. […] Wie ich heute diese Versammlung, die Mehrheit dieses hohen Hauses, hier gesehen habe, wie ich insbesondere den Herrn Bundeskanzler reden gehört habe, da habe ich immer das Gefühl gehabt, ja, die sind blind, die wissen nicht, was in den Tiefen der Volksseele heute lebt, die lachen [sic! "Lacken"?] unerhörten Grolls und unerhörten Hasses, der sich da ansammelt, die ahnen gar nicht, wie gefährlich das ist, die ahnen nicht, die verstehen nicht, daß heute nicht Humanität, nicht Sentimentalität, sondern die primitivste Staatskunst nichts anderes suchen müßte, als die wildesten von den Leidenschaften, die leicht das Werkzeug von Dämonen werden können, wenigstens zu beruhigen, zu zähmen. Dazu weisen wir Ihnen den Weg. Suchen Sie nicht die falsche Gebärde der Festigkeit, geben Sie diesen Menschen, die so tief verwundet sind, geben Sie ihnen das Stück Genugtuung, das in einer strengen Untersuchung, das in der Amnestie, das in der Sorge für die Hinterbliebenen der Opfer und in der Sorge für die Krüppel liegt; geben Sie ihnen das – es ist wenig genug, nach dem was geschehen ist. Wenn Sie auch das nicht geben, wenn Sie den Groll da anwachsen lassen, ohne den geringsten Versuch zu machen, ihn durch eine Gebärde zu beruhigen, dann kann ich nur sagen, daß Sie wirklich handeln, ohne zu wissen, was die Wirkungen Ihrer Handlungen sind. Meine Herren! Stellen Sie sich doch einmal vor, wie sich das den Menschen darstellt. So sieben Jahre – wenn auch unter wechselnder Firma – regiert jetzt der Herr Bundeskanzler, und das Ergebnis dieser sieben Jahre, das sind diese 100 Toten. […]
5. Reichskonferenz des Republikanischen Schutzbundes,
15.-16. Oktober 1927 im Favoritner Arbeiterheim.
Interner Bericht (Auszüge)[3] :
Vertrauliche Sitzung. Referent Heinz. […] Am 14. Juli [1927] hielt die Z.L. [Zentralleitung] 11 Uhr abends eine Sitzung ab und ersuchte die Partei um Genehmigung zu einer Bereitschaftsanordnung, wurde verweigert. Um 9 Uhr vormittag den 15. erhielt die Z.L. vom Parteivorstand Alarmierungsbefehl, erklärte sich sofort in Permanenz, verlegte den Sitz ins Parlament. Die alarmierten Bezirksgruppen erhielten Weisung, sofort zum Rathaus marschieren und Stand bei Gen. Heinz zu melden. Die abmarschierenden Abteilungen auf Waffen untersuchen. […] Auf diese Weise standen bis 1 Uhr 2.400 Mann im Dienst. […] Auch soll festgestellt werden, daß viele Schutzbündler dem Alarmierungsbefehl nicht Folge leisteten, sondern weiter unter den Demonstranten blieben und gegen die im Dienst Stehenden Stellung nehmen. […] Nachdem mit der Polizeidirektion Vereinbarung getroffen worden war, daß Wache zurückgezogen wird und Schutzbund die Ordnung wieder herstellen wird, erteilte die Z.L. an die in und um das Rathaus verteilten Formationen den Befehl zur Säuberung. Während es der unter dem Kommando des Gen. Hendl [Heinrich Heindl, Bezirkskommandant des Alsergrunder Schutzbundes] stehenden Gruppe gelang, die Lichtenfelsgasse zu säubern und der Feuerwehr den Weg freizumachen, konnte die Hauptgruppe unter Führung des Gen. Pokorny das Gelände vor dem Justizpalast nicht räumen und die Brandlegung nicht verhindern. Es gelang jedoch einer Alsergrunder Kompagnie, ich halte es für meine Pflicht ihrer hier lobend zu gedenken, unter Führung des Gen. Kersch in den Justizpalast einzudringen und nach den Anweisungen des Gen. Kömer das Gebäude zu räumen und Plünderungen zu verhüten. Da die Situation sich immer mehr verschärfte, entschloß sich die Z.L. zu einem Generalangriff gegen die Demonstranten vor dem Justizpalast und zog die inzwischen frei gewordene Gruppe des Gen. Hendl und die inzwischen eingetroffene Abteil, der Hauptwerkstätte der Straßenbahn heran und unter persönlicher Führung Deutsch wurde der Angriff unternommen, der auch zum Ziel geführt hätte, wenn nicht in diesem Augenblick der Gewehrangriff der Polizei erfolgt wäre.
Julius Deutsch, rétrospectivement[4] :
Die Ereignisse des 15. Juli 1927 […] An diesem unglückseligen Tag hatte es sich gezeigt, daß Polizei und Gendarmerie wie in der dunkelsten Zeit der Habsburger gegen das Volk eingesetzt werden konnten. Ein unbedeutender Straßenkrawall war zum Anlaß genommen worden, um "einzuschreiten".
[1]. Daniel Karl Rosenbaum, Walter Schneider, Elisabeth Thury : Die Schreckenstage von Wien – Geschichte und Darstellung der Wiener Julirevolte 1927; Wiener Allgemeine Zeitungs- und Verlags-Aktiengesellschaft, 1927; S. 36.
[2]. Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Nationalrates, III. Gesetzgebungsperiode; S. 147‑149.
http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=spe&datum=0005&page=523
[3]. Wolfgang Maderthaner (Hrsg.) : Archiv – Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, Jg. 3, 1987, S. 170.
[4]. Julius Deutsch : Alexander Eifler, ein Soldat der Freiheit; Wien, Wiener Volksbuchhandlung, 1947; S. 15.
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Autriche 1918 – 1945 |
Le texte de Béla Kun, "Les combats de février en Autriche et leurs enseignements", aborde le sujet sous une double perspective : d’une part, le récit du déroulement des évènements (faits et suppositions), d’autre part, l’analyse d’un point de vue marxiste-léniniste.
Le récit des évènements ‑ établi au mois de mars suivant ‑ est forcément approximatif et incomplet dans les circonstances données. Même si Kun avait été un témoin oculaire direct, il ne pouvait en être autrement. Des études rétrospectives ultérieures fournissent des informations et des considérations utiles qui aident à affiner l’évaluation.
Nous reproduisons ci-dessous quelques éléments intéressants en ce sens. Les sources utilisées sont, d’une part, Otto Bauer ‑ proche collaborateur du président du SDAP, Victor Adler ‑ et Julius Deutsch ‑ dirigeant du Republikanischer Schutzbund (Ligue républicaine de protection) ‑, et, d’autre part, un ouvrage de l’auteur Arnold Reisberg, publié par le Parti communiste autrichien (KPÖ)[1].
Linz, 11 et 12 février
Reisberg
Lettre de Richard Bernaschek, secrétaire du parti SDAP et dirigeant du Schutzbund de Haute-Autriche, à la direction du parti à Vienne [2]
Le dimanche après-midi (11 février), Bernaschek a envoyé une lettre à Vienne. Le conseiller municipal de Vienne, Alois Jalkotzy, se chargeait de le transmettre. Il était venu à Linz pour la fin de semaine en lien avec des raisons professionnelles et avait participé à une réunion de la direction du Schutzbund local. Il y avait tenté en vain de calmer les esprits agités et partait immédiatement pour Vienne.
Dans la lettre de Bernaschek, on pouvait lire entre autres :
"Je me suis entretenu ce matin avec cinq camarades consciencieux et dévoués au parti et j’ai pris avec eux, après une réflexion décidément mure, une décision irréversible. […] En application de cette décision, nous allons préparer cet après-midi et cette nuit toutes les armes dont nous disposons, et ce dans toute la Haute-Autriche, de manière à ce que les ouvriers encore décidés aujourd’hui à la résistance les aient immédiatement à portée de main. Si demain, lundi, une recherche d’armes est entamée dans une ville de Haute-Autriche ou si des hommes de confiance[3] du parti respectivement du Schutzbund sont arrêtés, une résistance par la force sera menée et, dans la continuité de cette résistance, nous passerons à l’attaque. […] Nous attendons que, suite à notre communication téléphonique à Vienne [avec le mot-clé prévu “la recherche d’armes a commencé”], tu donnes aux ouvriers viennois et à l’ensemble des ouvriers le signal de la riposte. […] Si les ouvriers viennois nous abandonnent, honte à eux. […]"
Lorsque Bernaschek demandait ce qu’il fallait faire si le comité directeur du parti social-démocrate refusait à nouveau d’appeler à la lutte, il a été décidé de "trancher aussi contre le comité directeur du parti".
Réponse d’Otto Bauer [4]
Otto Bauer n’a pu être joint qu’après minuit, alors qu’il rentrait avec sa femme d’un cinéma où il avait vu un film avec Greta Garbo. Il était horrifié par la lettre. Lundi 12 février, à deux heures du matin, le secrétariat social-démocrate de Haute-Autriche recevait à Linz à l’hôtel "Schiff" un message téléphonique [négligemment codé] de Vienne[5] : "Ernst et Otto gravement malades, report de l’entreprise".
Linz – Police et Militaire contre le Schutzbund [6]
Lorsque Bernaschek reçoit la réponse négative d’Otto Bauer, il ne peut se résoudre à prendre une décision, tiraillé qu’il est entre la discipline de parti qu’il s’impose depuis des années et sa prise de conscience du caractère néfaste de la politique social-démocrate menée jusqu’à présent. Il n’annule pas l’entreprise; ne donne plus de contre-ordre. Mais il ne donne pas non plus d’autres ordres pour défendre la maison du parti. Le service de garde prévue à cet effet est partie après minuit et ne doit revenir qu’à neuf heures du matin. Seuls 38 hommes, quelques sous-chefs du Schutzbund, des plantons et des messagers, sont assis et couchés sur les fauteuils et les tables. Après deux nuits blanches, Bernaschek s’accorde lui aussi à quatre heures dans son bureau une courte pause-sommeil d’une heure et demie, sans faire enlever les armes qui ont été transportées sur son ordre à l’étage supérieur et qui sont prêtes pour tirer.
Mais contrairement à ses attentes, une éventuelle opération de police ne commencerait qu’après le début des heures de bureau ‑ un transport d’armes pour le Schutzbund était encore organisé pour sept heures du matin ‑, un détachement de police composé de dix agents de garde et de dix agents de police judiciaire se présente devant l’hôtel "Schiff" avant sept heures du matin. Bernaschek est brusquement tiré de son sommeil par le garde posté à l’entrée. Après avoir jeté un coup d’oeil par la fenêtre vers la cour, il donne l’ordre aux membres du Schutzbund présents de se précipiter vers les armes. Cependant, ils doivent constater en jurant que les portes des chambres où se trouvent leurs armes sont verrouillées et que les clés ont été retirées. De précieuses minutes s’écoulent avant que quelqu’un puisse ouvrir la porte en fer de l’extérieur.
Mais Bernaschek ferme sa chambre à clé et prend le téléphone en position courbée, pour ne pas être vu par les policiers qui se trouvent déjà dans la cour de l’hôtel. Même à ce tout dernier moment, son éducation sociale-démocrate prend le dessus : il tente de convaincre le gouverneur chrétien-social de Haute-Autriche, Josef Schlegel, d’intervenir. Schlegel, qui avait dormi tranquillement, ne sait soi-disant rien, promet de se renseigner. Bernaschek n’a plus que le temps d’appeler la Chambre des travailleurs de Linz, où ‑ comme convenu ‑ des hommes de confiance attendent un éventuel appel d’alarme, pour donner par téléphone les mots d’ordre aussi aux instances les plus importantes : "Appeler immédiatement des secours! Déclarer la grève générale! Transmettre immédiatement à Vienne ! Transmettre à Steyr!"
Déjà la porte est enfoncée, Bernaschek ne tire pas sur les policiers qui font irruption, mais se rend et est emmené sous des coups de poing et de pied.
La police s’attaque alors aux membres du Schutzbund retranchés dans l’arrière-bâtiment. Mais cette fois, elle se heurte à une résistance armée.
Comme la police s’avère impuissante, une assistance militaire est demandée.
Vers 11h45, les courageux défenseurs se sont rendus, car leurs réserves de munitions s’épuisent. La police a été surprise de constater qu’ils n’étaient que 38, alors que, vu l’intensité du feu, elle s’attendait à ce qu’ils soient au moins une centaine.
La question de la grève générale, 12. Februar
Kun
Premier jour des combats (12. Februar)
Dès le début des combats, un rapport a été envoyé de Linz à la direction du parti social-démocrate. Les membres du Schutzbund de Linz demandaient la solidarité : Proclamation de la grève générale, puisque la situation dans laquelle, selon la décision du congrès extraordinaire du PS d’Autriche d’octobre 1933, la grève générale doit être déclarée, se soit produite.
"Attendre", telle fut la réponse.
Le comité directeur du parti social-démocrate envoyait à Dollfuß deux intermédiaires chrétiens-sociaux, qui devaient le prier de poursuivre les négociations.
Les comités d’entreprise des usines électriques et gazières de Vienne furent également informés directement de Linz du début des combats armés. Les ouvriers de ces usines se mettaient alors en grève.
À Linz, la grève générale avait déjà été déclarée spontanément avec une force élémentaire, à l’initiative des cheminots.
À Vienne, les employés des tramways et d’autres travailleurs municipaux se joignaient à la grève des travailleurs de l’électricité et du gaz entre 12 et 13 heures.
Les ouvriers attendaient l’appel à la grève générale, les membres du Schutzbund l’ordre au combat.
La direction de l’Union syndicale, par l’intermédiaire de ses organes, lançait alors le contre-mot d’ordre : "Attendre! Continuer le travail".
[…]
Deuxième jour des luttes (13 février)
À Vienne la grève politique de masse prévalait sous la forme d’une grève partielle, tandis que dans les centres provinciaux des grèves générales éclataient. Toutes les grèves étaient des mouvements spontanés. Dans de nombreuses usines, le personnel se trouvait sur le lieu de travail, mais ne travaillait pas. Les journaux bourgeois paraissaient.
[…]
Le soulèvement, qui a éclaté en deux jours dans presque tous les centres politiques et industriels importants du pays, n’a pas été précédée d’une grève générale. Le Parti communiste autrichien a appelé à la grève générale, mais les directions syndicales s’y sont opposées. La grève générale projetée est restée une grève partielle jusqu’à la fin. Là où les dirigeants syndicaux le pouvaient, ils ont demandé aux grévistes de reprendre le travail pendant la révolte. En Carinthie, il n’y a pas eu de combats armés du tout, de même dans le Vorarlberg.
Winfried R. Garscha [7]
Début février, Leopold Hornik a été chargé par la direction du Parti [le KPÖ] de rédiger, en collaboration avec le syndicaliste communiste de Basse-Autriche Franz Honner, un "appel à la grève générale" qu’il présentait le 7 février au secrétaire syndical social-démocrate Johann Schorsch ‑ comme proposition d’appel commun du SDAP, des syndicats libres et du KPÖ. L’appel ne contenait pas de revendications communistes, mais faisait référence à la destitution par le gouvernement Dollfuss d’administrations municipales social-démocrates démocratiquement élues, aux actes de violence des Heimwehren contre les institutions sociales-démocrates dans les Länder et à l’occupation par la police du siège du Parti social-démocrate à Wienzeile, et appelait à l’élection de directions de grève pour organiser la lutte défensive contre les attaques fascistes.
Schorsch répondit qu’il avait déjà plaidé à plusieurs reprises pour une grève, mais qu’il n’avait jamais obtenu gain de cause; de plus, à lui seul il n’avait pas de droit de décision. Le KPÖ complétait alors l’appel par une critique (plutôt douce par rapport aux formulations précédentes) de l’orientation de capitulation de la direction du parti et des syndicats social-démocrates et l’a diffusé en son nom propre dans les entreprises sous la forme d’un numéro spécial du "Rote Fahne" daté du 10 février 1934.
Reisberg [8]
La nouvelle des combats armés à Linz arrivait en quelques minutes à Vienne. Les ouvriers de Linz et de Vienne avaient toujours entretenu des liens étroits, et des réunions entre les hommes de confiance de Vienne et de Linz avaient eu lieu à plusieurs reprises au cours des dernières semaines. Il était donc naturel que les linzois informent immédiatement leurs camarades viennois de ce qui s’était passé et les engagent à faire preuve de solidarité. Effectivement, des arrêts de travail spontanés ont eu lieu dans certaines entreprises viennoises, notamment à Floridsdorf, le 21e arrondissement de Vienne, où l’émoi avait déjà été attisée par l’arrestation, la veille, de Stockhammer, président du comité d’entreprise des usines Fiat et commandant du Schutzbund. Dans d’autres grandes entreprises viennoises, les ouvriers voulaient également cesser spontanément le travail afin de provoquer la grève générale. On peut supposer que si cette intention avait abouti, les évènements qui ont suivi auraient pris une autre tournure.
Mais même dans ces moments décisifs, les conseils d’entreprise social-démocrates ont réussi, quoique avec beaucoup de difficultés, à retenir les ouvriers et à les inciter à attendre un mot d’ordre "d’en haut". Des délégations se sont rendues auprès du comité directeur du Parti social-démocrate et des directions syndicales pour obtenir des directives.
Le comité directeur du Parti social-démocrate n’était plus joignable. Après l’occupation de la maison du parti sur la Rechte Wienzeile le 8 février[9], un comité exécutif plus restreint avait été mis en place, habilité à prendre les décisions ultérieures sous sa propre responsabilité. En faisaient partie, outre Otto Bauer, aussi Johann Schorsch (président de la Commission syndicale autrichienne), Berthold König (secrétaire du syndicat des cheminots), Karl Weigl (secrétaire dirigeant de la Fédération des travailleurs du commerce, des transports et de la circulation), Stephan Huppert (président du syndicat des travailleurs de l’alimentation et des brasseurs de bière), Robert Danneberg (conseiller municipal de Vienne) et le responsable politique du Republikaner Schutzbund, Julius Deutsch. Ce dernier, pour se soustraire à l’arrestation attendue, avait déjà passé plusieurs nuits non pas dans son appartement, mais dans un hôtel. Le matin du 12 février, il appelait le responsable de la permanence du Schutzbund et apprenait qu’Otto Bauer avait convoqué la réunion pour 9 heures dans l’appartement de la sœur de Julius Deutsch dans la Gumpendorferstraße, comme convenu auparavant. Lorsque Deutsch y arrivait, Otto Bauer l’informa que, face au déclenchement des combats, l’exécutif avait décidé à une voix de majorité de déclarer la grève générale et de mobiliser le Schutzbund. Une direction de combat avait également été improvisée avec Otto Bauer et Julius Deutsch.
Lors de cette réunion, les dirigeants syndicaux Schorsch et Huppert s’étaient prononcés en faveur de la grève générale; König avait exprimé de sérieuses réserves, craignant que les cheminots ne se mettent pas en grève après leur défaite de l’année précédente[10]. L’ancien dirigeant du Schutzbund, le général Theodor Körner, estimait qu’un soulèvement du Schutzbund à ce moment-là n’avait aucune chance d’aboutir, et Julius Deutsch considérait qu’il n’était possible qu’en lien avec une grève générale réussie. Le dirigeant du parti social-démocrate de Basse-Autriche et représentant du gouverneur du Land, Oskar Helmer, s’était prononcé contre la lutte armée et pour des négociations avec les chrétiens-sociaux. La décision de déclencher la grève générale n’était pas volontaire. Les dirigeants du parti social-démocrate savaient que certaines entreprises de Floridsdorf étaient déjà entrées en grève, même sans leurs instructions. Ils savaient également que les ouvriers de la centrale électrique de Vienne étaient fermement décidés à cesser également le travail, ce qui serait le signal pour les membres du Schutzbund. C’est sous cette contrainte que la décision a été prise.
Otto Bauer et Julius Deutsch se rendaient à Favoriten, où la direction centrale des combats devait avoir son siège. Pas même il a été possible de faire passer le mot d’ordre de grève générale dans toutes les entreprises. Le secrétaire syndical Svitanic* a répondu pendant deux heures à toutes les demandes téléphoniques des entreprises qu’il n’était pas au courant d’un mot d’ordre de grève générale. De nombreux travailleurs n’ont été alertés que lorsque le courant électrique a été brusquement coupé dans toute la ville de Vienne à 11h46. Un groupe d’ouvriers déterminés, dirigé par Franz Schuster, employé des centrales électriques municipales, parvenaient à couper les installations après avoir surmonté les grandes difficultés mises sur leur chemin par la direction et quelques ingénieurs. Vienne se retrouvait ainsi sans lumière ni électricité.
Les lumières s’éteignaient dans toute Vienne, les horloges électriques s’arrêtaient dans toute la ville. Les tramways électriques s’arrêtaient là où ils se trouvaient, les conduites d’eau ne fonctionnaient plus. C’était le signal, déjà annoncé auparavant aux hommes de confiance, du début de la grève générale et de l’armement du Schutzbund. Mais même maintenant, beaucoup ne savaient pas s’il s’agissait d’une panne technique, d’un acte de sabotage ou du signal de combat convenu. Autre signe de l’étourderie de la direction social-démocrate : le "Manifeste au peuple autrichien", rédigé par le rédacteur social-démocrate Julius Braunthal à la demande d’Otto Bauer et appelant à la grève générale et à la résistance armée contre le coup d’État fasciste, n’a pas pu être imprimé. En effet, la grève des ouvriers de l’électricité a également mis à l’arrêt les machines de l’imprimerie prévue, mais on n’avait pas pensé à un équipement de remplacement.
*) Relatif à Alois Svitanic, secrétaire de l’Union syndicale autrichienne
Joseph Buttinger (alias Gustav Richter, membre de l’organisation "Revolutionäre Sozialisten" fondée après février 1934, dont il devint le président en 1935) mentionne ce point dans son livre "In the Twilight of Socialism" [11]
Schorsch [Friedl Schorsch] travaillait comme employé dans une grande banque viennoise. Il était délégué syndical et occupait des postes importants au sein de son syndicat et du parti. En outre, il était sousofficier dans le Schutzbund. Lorsque les tramways s’arrêtaient le 12 février, Schorsch appelait l’Association nationale des employés de banque pour s’assurer qu’une grève générale a été déclenchée, puis il se rendait directement de son travail au bureau central du syndicat. Il y trouva le président du syndicat, Allina, membre du Nationalrat [Heinrich Allina, SDAP, Mitglied der Gewerkschaftskommission], qui faisait les cent pas dans la pièce, un cigare à la main. "Je dois savoir ce que vous allez faire? C’est plutôt à toi de décider!" Allina hurle à son jeune collègue, qui a osé demander des instructions à son supérieur à ce moment critique. Schorsch quittait le syndicat en courant pour se rendre à la chambre du travail, et tombait directement dans les bras d’une vieille connaissance du mouvement de jeunesse Favoriten. Le secrétaire Svitanic de la centrale syndicale avait été informé le matin de la décision des dirigeants du parti, mais pendant deux heures, il avait répondu à toutes les demandes téléphoniques venant des usines qu’il ne savait rien d’un appel à la grève générale. Schorsch ne le savait pas, bien sûr, et ses questions véhémentes n’ont suscité qu’un balbutiement embarrassé de la part de Svitanic : "A la Chambre des Travailleurs, je ne suis pas une institution politique ‑ on ne peut pas attendre de moi que je…" Schorsch faisait demi-tour et sortait en trombe en criant par-dessus son épaule : "Non, tu n’es pas une institution politique, tu es un imbécile!"
Deutsch [12]
Lorsque le matin du 12 février 1934, c’était un lundi, les ouvriers de Vienne se rendaient dans leurs entreprises, des rumeurs nourries et affolants circulaient dans la ville. On se racontait que la veille, tous les chefs de district du republikanischer Schutzbund, dissout, avaient été arrêtés et que d’étendues recherches d’armes étaient en cours dans les districts prolétariens. Ces deux informations se sont avérées exactes.
Les ouvriers de quelques grandes entreprises voulaient alors cesser immédiatement le travail. Ce n’est qu’avec beaucoup de difficultés que les comités d’entreprise réussirent à dissuader les ouvriers de faire ce pas, et à empêcher dans un premier temps le déclenchement de la grève.
Mais alors que des négociations sur les évènements de Vienne étaient encore en cours, une nouvelle est soudain tombée, qui a fait l’effet d’une étincelle jetée dans un baril de poudre : "À Linz on tire!"
[…]
Les entreprises de Vienne ont cessé le travail les unes après les autres. L’éclairage et les tramways ne fonctionnaient plus, l’usine à gaz de la ville a également cessé de fonctionner, la grève générale était là. Les membres de l’ancienne Republikanischer Schutzbund se rassemblaient dans les lieux de rassemblement qui leur avaient été indiqués en cas de grève générale. Ils n’étaient pas encore armés. Ils restaient dans l’expectative, laissant la grève générale, mesure de lutte économique de la classe ouvrière, faire son effet, et attendaient. Une fois de plus, c’est le gouvernement qui a mis le feu aux poudres.
Direction du côté du parti
Kun
De même, en Tchécoslovaquie, le chef du Schutzbund, Julius Deutsch, faisait savoir au même correspondant de "Südost" : "Alors que le combat avait déjà commencé à Linz, les socialistes à Vienne essayaient encore de maintenir le calme".
[…]
Encore pendant le soulèvement, un dirigeant anonyme[13] de la social-démocratie autrichienne publiait dans l’"Internationale Information", le service d’information de la 2e Internationale, un article dans lequel on peut lire :
"Malgré cela (c’est-à-dire malgré l’état d’esprit des ouvriers, et du Schutzbund en particulier), la direction du parti s’en tenait encore maintenant à sa ligne. Il estimait nécessaire que les ouvriers attendent les résultats des négociations prévues pour le lundi 12 février entre le chancelier fédéral et les gouverneurs des Länder sur les revendications de la Heimwehr et qu’ils ne se mettent pas en mouvement tant que ne soit pas, éventuellement, survenu l’un des quatre cas dans lesquels, selon la décision du congrès, une lutte défensive pour la protection de l’ordre constitutionnel serait inévitable. Dimanche encore, des fonctionnaires de la direction du parti ont instruit dans ce sens les camarades qui rendaient compte de l’état d’esprit excité des ouvriers et les ont mis en garde contre toute riposte de leur propre chef".
Reisberg [14]
La direction social-démocrate mobilisa le Schutzbund, mais lui donna la consigne stricte de ne pas entreprendre d’actions offensives, de ne commencer le combat que là où il serait attaqué. Ainsi, tout combat mené par des sections du Schutzbund, ‑ aussi héroïque que soit la conduite déployée ‑, était voué à l’échec. Cette attitude hésitante était la preuve la plus évidente de la désunion dans les rangs des dirigeants du parti social-démocrate et du manque de confiance en la force des ouvriers qui les dominait tous. La grève générale et l’armement du Schutzbund n’avaient pas pour but d’abattre le fascisme autrichien, mais seulement de faire pression sur le gouvernement pour l’obliger à négocier. En outre l’autorisation donnée simultanément à différents dirigeants du parti de mener des négociations avec des dirigeants chrétiens-sociaux a eu un effet fatal sur l’issue des combats. Helmer [Oskar Helmer, député du Landtag de Basse-Autriche] se rendait à la Landhaus (conseil) de Basse-Autriche, à Vienne dans le district Innere Stadt, et prenait contact, avec son ami de conviction Heinrich Schneidmadl [Heinrich Schneidmadl, membre du gouvernement du Land de Basse-Autriche], avec le gouverneur chrétien-social Josef Reither. Ils lui proposaient de prendre la place de Dollfuß et de former un gouvernement de coalition avec Karl Renner comme vice-chancelier. Reither déclinait l’offre, mais se déclarait prêt à intervenir auprès de Dollfuß. Danneberg tenta également de négocier avec le ministre des Finances Karl Buresch (Parti chrétien-social). Ces efforts restèrent vains. Dollfuß n’était pas disponible. L’entreprise des négociateurs social-démocrates se termina lamentablement : ils ont tous été arrêtés à leur retour.
[…]
Ce n’est que progressivement que les membres du Schutzbund pouvaient être alertés. Ils se rendaient à leurs points de rassemblement où ils devaient être armés.
Deutsch [15]
Dans une situation tendue à l’extrême, où il était clair pour tout le monde que la moindre imprudence devait mener à la catastrophe, le gouvernement intervenait brutalement. Il faisait intervenir la police contre les grévistes.
Même maintenant encore, les députés social-démocrates ont tenté une médiation. Le gouverneur adjoint de Basse-Autriche, Oskar Helmer, s’adressait au gouverneur chrétien-social Josef Reither et le conjurait de faire une tentative de dernière heure en vue d’un règlement pacifique du conflit. Reither le faisait, il s’adressait personnellement au chancelier fédéral et au président fédéral. Mais l’obstination du gouvernement a fait échouer cette dernière tentative de sauvetage.
Strategie und Taktik
Kun
L’insurrection armée a éclaté contre la volonté des instances et de la direction de l’opposition "de gauche" de la social-démocratie, la social-démocratie n’a fait que lui donner l’empreinte qui pendant les combats sur le plan stratégique et tactique s’est révélée désastreuse, ‑ l’empreinte d’une défensive.
Reisberg [16]
Peu après midi, des détachements de l’armée fédérale sont sortis des casernes au pas de charge, ont occupé les ponts sur le canal du Danube et, environ une heure plus tard, en compagnie de policiers, ont barré le Innere Stadt avec des barbelés. Des mitrailleuses ont été mises en place, les ardes ont été renforcées aux carrefours. La circulation n’a pas été interrompue, mais le contrôle le plus stricte a été imposé à huit points d’accès maintenus ouverts. Des patrouilles armées sillonnaient la ville; la police, qui avait disparu des rues en un éclair après l’arrêt de la distribution d’électricité, revenait désormais dans les rues avec le casque d’acier, troquant la inoffensive matraque en caoutchouc contre la carabine. Jusqu’alors, le district Innere Stadt avec le siège des autorités fédérales et des principaux services gouvernementaux, était resté sans forces de défense suffisantes, exposé à toute attaque. Une offensive énergique des ouvriers à partir des districts extérieurs aurait créé une situation dangereuse pour le gouvernement. Même le rapport officieux du gouvernement l’admettait retrospectivement : "Les premières heures de l’après-midi représentent une certaine période de faiblesse qui s’étend jusqu’à 14h30 environ et qui n’est comblée qu’au moment où, à l’heure indiquée, les trois bataillons disposant de véhicules automobiles sont prêts à être utilisés dans la caserne de Roßau." [Der Februar-Aufruhr 1934 : Das Eingreifen des österreichischen Bundesheeres zu seiner Niederwerfung. Nur für den Dienstgebrauch. Im Auftrage des Bundesministeriums für Landesverteidigung als Manuskript gedruckt (Wien) 1935, S. 44/45.]
Cependant le Schutzbund, qui se rassemblait aux endroits prévus, avait, comme l’écrivait le chef du Republikanischer Schutzbund, Julius Deutsch, lui-même, "certes distribué les armes à ses membres, mais n’avait rien entrepris d’autre" (Julius Deutsch : Ein weiter Weg. Lebenserinnerungen, Wien 1960, p. 207), mais, lié par la directive fatale d’attendre l’attaque des troupes gouvernementales, il laissait à l’exécutif suffisamment de temps pour faire ses préparatifs, lui laissant l’initiative si décisive. Au lieu d’entreprendre l’offensive nécessaire et attendue sur le centre-ville, les divisions du Schutzbund, y compris pour autant qu’elles recevaient des armes de leurs commandants, attendaient dans les banlieues l’attaque de la police soutenue par les Heimwehren fascistes. Celle-ci encerclait systématiquement les foyers ouvriers, les cités et les complexes résidentiels de la commune de Vienne afin d’occuper les points où, selon ses informations et ses suppositions, les membres du Schutzbund devaient se rassembler pour recevoir des armes. Cependant, ici, les ouvriers sont dans un premier temps encore plus forts que leurs adversaires.
[1] Arnold Reisberg, Februar 1934 – Hintergründe und Folgen; Wien, Globus Verlag, 1974.
[2]. Reisberg, op. cit., p. 2.
[3]. À partir des années 1890, les syndicats en Autriche ont pu mettre en place un système de "Vertrauensmänner" ("hommes de confiance", agissant comme délégués du personnel) dans de nombreuses entreprises. Au cours de la première décennie du 20e siècle, la reconnaissance des hommes de confiance au sein des entreprises a pu être progressivement garantie par des conventions collectives.
[4]. Reisberg, op. cit., p. 1.
[5]. Des textes de teneur variée sont cités dans différentes présentations ; ici la présentation du destinataire R. Bernaschek dans son rapport "Die Tragödie der österreichischen Sozialdemokratie", rédigé quelques semaines après les évènements, fin avril 1934. Publié dans :
Autorenkollektiv (Romain Rolland,; Jean-Richard Bloch,; Richard Bernasek), Österreich – Brandherd Europas; Zürich, Universum–Bücherei, 1934.
[6]. Reisberg, op. cit., p. 4‑6.
[7]. Winfried Garscha/Hans Hautmann, Februar 1934 in Österreich; Berlin, Dietz Verlag, 1984; p. 109.
[8]. Reisberg, op. cit., p. 7‑9.
[9]. La date est erronée. Le 12 février 1934, la dissolution du parti social-démocrate a été déclarée et la maison du parti a été occupée.
[10]. Ende Februar 1933 fanden Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Bundesbahnendirektion über Lohnfragen statt. Im Zuge der Verhandlungen drohten die Gewerkschaften mit Streik, und am 1. März wurde zunächst ein Warnstreik zwischen 9 Uhr und 11 Uhr vormittags abgehalten. In den Nachtstunden vor Beginn des Streiks wies die Bundesregierung die Bundesbahn an, gegen streikende Eisenbahner die "Kaiserliche Verordnung vom 25. Juli 1914 über die Bestrafung der Störung des öffentlichen Dienstes oder eines öffentlichen Betriebes und der Verletzung eines Lieferbetriebs" anzuwenden. Die Nutzung einer kriegsrechtlichen Bestimmung aus der Mobilisierungsphase des 1. Weltkriegs nahmen die Sozialdemokraten zum Anlaß einer Sondersitzung des Nationalrats am 4. März. Drei Anträge wurden eingebracht, von den Sozialdemokraten, den Großdeutschen, und dem Abgeordneten Kunschak von den Christlich-Sozialen. Die Abstimmung führte zu prozeduralen Streitfragen. Der Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wandte auf die Geschäftsordnung Bezug nehmende Vorwände an und erklärte, das Parlaments. habe "sich selbst aufgelöst".
[11]. Joseph Buttinger, In the Twilight of Socialism – A History of the Revolutionary Socialists of Austria; Praeger, 1953; p. 16 17.
[12]. Deutsch, op. cit., p. 26.
[14]. Reisberg, op. cit., p. 8‑9 und 10.
[15]. Deutsch, op. cit., p. 27‑28.
[16]. Reisberg, op. cit., p. 12‑13.
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Autriche 1918 – 1945 |
Julius Deutsch : Der Bürgerkrieg in Österreich (Extrait) [1]
Als am Morgen des 12. Februar 1934, es war ein Montag, die Arbeiter Wiens in die Betriebe gingen, flogen wilde, aufregende Gerüchte durch die Stadt. Man erzählte sich, daß tags vorher sämtliche Bezirksführer des aufgelösten republikanischen Schutzbundes verhaftet worden seien und daß eben jetzt große Waffensuchen in proletarischen Bezirken im Gange wären. Beide Nachrichten erwiesen sich als richtig.
Daraufhin wollten die Arbeiter einiger Großbetriebe die Arbeit sofort einstellen. Nur mit großer Mühe gelang es den Betriebsräten, die Arbeiter von diesem Schritte abzuhalten und den Ausbruch des Streiks fürs erste zu verhindern.
Während aber noch über die Wiener Ereignisse verhandelt wurde, platzte plötzlich eine neue Nachricht herein, die wie ein in ein Pulverfaß geschleuderter Funke wirkte, die Nachricht : In Linz wird geschossen!
Was war geschehen? Eine Abteilung Polizei und Bundesheer war in das Linzer Parteihaus, das "Hotel Schiff", eingedrungen, um dort nach Waffen zu suchen. Die im Parteihaus anwesenden Schutzbündler widersetzten sich; es kam zu einem blutigen Zusammenstoß. Die ersten Todesopfer fielen. Nun gab es kein Halten mehr. Den Kämpfen im "Hotel Schiff" folgten Zusammenstöße in der ganzen Stadt.
Wien wurde von den Linzer Ereignissen telephonisch verständigt. Zwischen den Arbeitern der beiden Städte hat es seit jeher eine enge Verbindung gegeben, und so war es nur selbstverständlich, daß die Linzer ihre Wiener Genossen sofort von dem, was geschehen war, in Kenntnis setzten. Dies um so mehr, als in den dem 12. Februar vorangegangenen Tagen wiederholt Besprechungen zwischen Wiener und Linzer Vertrauensmännern stattgefunden hatten, die sich mit der Abwehr der fortgesetzten Provokationen und Verfolgungen durch die Regierung beschäftigten. Die Linzer Vertrauensmänner berichteten über die Stimmung in den Kreisen der oberösterreichischen Arbeiter, die das "Bremsen" der Parteileitung nicht mehr verstünden. Immer wieder sagten sie, daß beim nächsten Angriff der Regierung die Arbeiterschaft nicht mehr zu halten sein würde. Ob nun die Parteileitung wolle oder nicht, werde es zu einem Zusammenstoß kommen, weil die Maßnahmen der Regierung darauf angelegt seien, ihn herbeizuzwingen.
Nun war es tatsächlich zu dieser Situation gekommen, die Lawine war im Rollen und nichts vermochte sie aufzuhalten. Ob nun die Arbeiterschaft eine noch größere Lammsgeduld bewiesen oder ob der Parteivorstand noch energischer "gebremst" hätte das alles vermochte die Entwicklung, die durch die Maßnahmen der Regierung zwangsläufig gegeben war, nicht zu ändern. Jetzt galt es, aus der der österreichischen Arbeiterklasse aufgezwungenen Lage die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, mochten daraus welche Folgen immer entstehen.
Für das Ehrgefühl der Wiener Arbeiter war es schlechthin untragbar, ihre Linzer Genossen, die wahrlich nicht durch eigene Schuld in einen tragischen Konflikt verwickelt waren, im Stiche zu lassen. Abgesehen von dem moralischen Moment der Treue, die zu halten sich die Wiener Arbeiter verpflichtet fühlten, mußte sie auch eine kühl abwägende, verstandesmäßige Ueberlegung an die Seite der Linzer Genossen führen. Jeder Wiener Arbeiter wußte, daß die blutige Niederwerfung der Linzer eine rücksichtslose Strafexpedition im ganzen Bundesgebiet der Republik zur Folge haben würde. War Linz von der Soldateska geschlagen, dann kamen unweigerlich die anderen Städte daran. So war denn das Geschick des österreichischen Proletariats untrennbar mit dem der Linzer Arbeiter verknüpft.
Ein Betrieb in Wien nach dem anderen stellte die Arbeit ein. Licht und Straßenbahn funktionierten nicht, auch das städtische Gaswerk stellte den Betrieb ein, der Generalstreik war da. Die Mitglieder des ehemaligen Republikanischen Schutzbundes sammelten sich an den ihnen für den Fall eines Generalstreikes angewiesenen Sammelplätzen. Noch waren sie nicht bewaffnet. Sie standen abwartend, ließen den Generalstreik, die wirtschaftliche Kampfmaßnahme der Arbeiterklasse, seine Wirkung tun und warteten. Wieder war es die Regierung, die den Stein ins Rollen brachte.
In der aufs äußerste gespannten Situation, in der es jedem Menschen klar war, daß die kleinste Unvorsichtigkeit zur Katastrophe führen mußte, fuhr die Regierung mit brutaler Faust drein. Sie setzte Polizei gegen die Streikenden in Bewegung.
Auch jetzt noch versuchten sozialdemokratische Abgeordnete zu vermitteln. Der Landeshauptmannstellvertreter von Niederösterreich, Oskar Helmer, wandte sich an den christlichsozialen Landeshauptmann Josef Reither und beschwor ihn, in letzter Stunde einen Versuch zu friedlicher Bereinigung des Konfliktes zu machen. Reither tat es, er wandte sich persönlich an den Bundeskanzler und an den Bundespräsidenten. An dem Starrsinn der Regierung scheiterte aber auch dieser letzte Rettungsversuch. Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Noch bevor es in Wien zu irgend einer Gewaltmaßnahme gekommen war, verhängte die Regierung über die Stadt das Standrecht. In der amtlichen Publikation, die am Montag, den 12. Februar, nachmittags erschien, heißt es : "In Wien haben Teile der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke die Arbeit niedergelegt. Deshalb wurde auch in Wien das Standrecht verhängt. Die Bundesregierung hat unter Bereitstellung des gesamten Machtapparates alle Maßnahmen getroffen, um diese planmäßigen verbrecherischen Anschläge bolschewikischer Elemente im Keime zu ersticken." Aus dieser amtlichen Verlautbarung ist der Verlauf der Ereignisse mit voller Deutlichkeit zu erkennen. Die Regierung war es, die zum Angriff überging. Sie beantwortete einen bloßen Streik mit der Verhängung des Standrechtes! Man vergegenwärtige sich, um die Frevelhaftigkeit dieses Beginnens in seiner ganzen Größe zu ermessen, daß am gleichen Tage auch in Frankreich ein Generalstreik durchgeführt wurde, ohne daß die französische Regierung deshalb gleich das Standrecht proklamiert hätte. Dabei war nach den Behauptungen der österreichischen Regierung der Streik in Wien gar kein vollständiger, sondern wie man amtlicherseits immer wieder versicherte nur ein Teilstreik. Wenn dem so war, wozu also die sofortige Verhängung des Standrechtes? Es war offenbar, daß Dollfuß und Fey den Streik als eine Gelegenheit erachteten, um nun, wie Fey sich ausdrückte, "ganze Arbeit" zu tun. Dieser Absicht entsprachen die weiteren, sofort eingeleiteten Maßnahmen der Regierung. Schon in den ersten Nachmittagsstunden begann die Polizei mit der Verhaftung aller sozialdemokratischen Mandatare, derer sie habhaft werden konnte. Nationalräte, Bundesräte, Stadträte und andere Gemeindefunktionäre wanderten ins Polizeigefangenenhaus. Das Rathaus wurde von Militär umstellt und alsbald auch der Bürgermeister Karl Seitz gewaltsam aus seiner Kanzlei geschleppt.
Nicht nur in Wien, sondern im ganzen Gebiete der Republik erfolgte gleichzeitig die Verhaftung aller Mandatare. Selbst in den entlegensten Orten wurden schon zwischen ein und zwei Uhr mittags die Abgeordneten festgenommen. Was ein weiterer Beweis dafür ist, daß die Regierung den Schlag vorbereitet hatte. Es wurde zum Beispiel in Dornbirn in Vorarlberg, wo es überhaupt zu keinem Streik und auch zu keiner anderen Aktion der Arbeiter gekommen war, der dortige Hauptvertrauensmann, Bundesrat Anton Linder, um 13 Uhr 50 von der Gendarmerie aus seiner Wohnung geholt. Mit ihm auch alle anderen Funktionäre der Arbeiterbewegung Vorarlbergs.
Wohlgemerkt, bevor noch ein Schuß in Wien gefallen war, auf die bloße Ankündigung des Generalstreiks hin, setzte die Regierung mit den schärfsten Repressalien ein, mit der Verhängung des Standrechtes und der Verhaftung der Vertrauensmänner im ganzen Bundesgebiet.
Zugleich rückten Militär- und Polizeiabteilungen, bis an die Zähne bewaffnet, in die Wiener Vorstädte ein. Ueberall, wo die Polizei Schutzbündler vermutete, wurden die Häuser umstellt. Die Exekutivorgane drangen ein, suchten die Schutzbündler zu verjagen, wobei von der Waffe rücksichtslos Gebrauch gemacht wurde. Die Schutzbündler setzten sich zur Wehr, die ersten Schüsse fielen. Das blutige Ringen begann.
[1]. Julius Deutsch, Der Bürgerkrieg in Österreich – eine Darstellung von Mitkämpfern und Augenzeugen; Karlsbad, Verlagsanstalt Graphia, 1934; S. 26.
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Autriche 1918 – 1945 |
À la mi-avril 1933, le SDAPDÖ organisait un congrès extraordinaire sous le titre de "conférence du parti du Reich". Lors des délibérations sur la tactique et l’attitude fondamentale à adopter face à la situation de crise, les représentants de Basse-Autriche adoptaient une position particulière, qu’ils défendaient avec vigueur au sein du parti dans son ensemble. À leur tête se trouvaient Oskar Helmer, Heinrich Schneidmadl, Franz Popp, Leopold Petznek, Pius Schneeberger et Felix Stika. Partageant les mêmes idées, certains Viennois et des représentants d’autres partis régionaux entretenaient des liens étroits avec eux, notamment Karl Renner, Theodor Körner, Karl Weigl et Ernst Koref. Ils estimaient que toutes les possibilités d’une solution pacifique à la crise devaient être épuisées.
Lors du congrès du parti en octobre 1933 au foyer des travailleurs à Favoriten, Helmer, Schneidmadl et Popp[1] ont présenté leur point de vue, et la résolution adoptée à une large majorité en a tenu compte. Le congrès du parti a décidé de créer un "conseil du parti social-démocrate autrichien", dans lequel les organisations du parti des 9 Länder étaient représentées. Le 2 décembre 1933, ce conseil du parti se constituait et se présentait au public avec une déclaration adoptée lors de la conférence.
Le 7 janvier 1934 se tenait une réunion du comité directeur du SDAPDÖ. Helmer déclarait que le parti devait mener une politique différente de celle des nationaux-socialistes, qui se plaçaient comme opposants, et s’associer au gouvernement pour lutter contre la menace nationalsocialiste. Il a été décidé d’entamer des négociations avec le gouvernement. Il était prévu de charger Robert Danneberg de mener ces négociations, mais le parti apprenaitt qu’E. Dollfuß serait plus disposé à s’entretenir avec des responsables du parti de Basse-Autriche. La délégation était donc composée de Helmer, Schneidmadl, Popp et Schneeberger.
Directives du comité directeur du SDAPDÖ concernant les négociations avec E. Dollfuß, 7 janvier 1934 [2] :
1) Die österreichische Sozialdemokratie steht treu zum Staat und ist bereit, seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Sie ist bereit, im Falle ernster Bedrohung des Staates ihre wehrfähigen Kräfte unter dem Kommando staatlicher Organe in den Dienst der Verteidigung zu stellen. 2) Die Sozialdemokratie hält die schleunigste Rückkehr zur Verfassungsmäßigkeit und Legalität für unerläßlich. Sie gibt sich anderseits keiner Täuschung darüber hin, daß die Rückkehr zu den normalen parlamentarischen Verhältnissen derzeit nicht möglich ist und daß die Regierung in einer Zeit außerordentlicher Bedrohung des Staates außerordentlicher Vollmachten bedarf. Daher schlägt sie vor, daß das Regime der Notverordnungen auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes, das die Grenzen der Verfassungsmäßigkeit weit überschritten hat, und nur durch die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes haltbar ist, durch ein verfassungsmäßiges Ermächtigungsregime ersetzt werde. Dies kann entweder ohne Einberufung des Parlaments im Sinne des Artikels 18 der Bundesverfassung unter Mitwirkung des Unterausschusses des Hauptausschusses oder durch ein vom Parlament zu beschließendes Notstandsermächtigungsgesetz geschehen. 3) Zugleich müssen die Vorbereitungen zur Schaffung einer neuen endgültigen Verfassung, die auf verfassungsmäßigem Wege beschlossen werden muß, fortgesetzt werden. Die Sozialdemokratie kann an einer solchen Verfassung nur unter der Voraussetzung mitwirken, daß die gesetzgebende Gewalt im Bunde und in den Ländern in den Händen von Volksvertretungen, die auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählt werden, bleibt. Die Sozialdemokratie ist jedoch bereit, im Rahmen einer solchen demokratischen Verfassung die Stellung des Bundespräsidenten und der Bundesregierung durch schärfere Durchführung des Prinzips der Trennung der gesetzgebenden und der vollziehenden Gewalt zu verstärken und dem Einbau berufsständischer Einrichtungen in eine solche Verfassung zuzustimmen, soferne es sich um wirkliche berufsständische Selbstverwaltung und nicht um faschistische Zwangskorporationen handelt. Die Sozialdemokratie hält es anderseits im Interesse der Festigung der Demokratie für geboten, daß in die Verfassung plebiszitäre Einrichtungen nach dem Vorbilde der Schweiz eingebaut werden.
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Josef Reither[3] joua notamment le rôle de médiateur auprès du gouvernement. Schneidmadl, quant à lui, prit également contact avec d’autres responsables chrétiens-sociaux, tels qu’Edmund Weber de la Chambre d’agriculture, le catholique de gauche Ernst Karl Winter, le vice-gouverneur Sturm, le conseiller régional Prader et surtout le maire Josef Kollmann de Baden. Kollmann était en contact permanent avec le président du parti Leopold Kunschak et avec l’aile du groupe parlementaire chrétien-social prête au compromis.
Une série d’entretiens a eu lieu.
Franz Popp, Um ein besseres Niederösterreich – 40 Jahre Politik im "Kernland" (Extrait)[4] :
12 janvier 1934. Entretien avec le gouverneur Reither. Présents : Helmer, Popp, Schneidmadl. Présentation en tant que représentants officiels du parti; communication du contenu de l’habilitation; demande d’organisation d’un entretien avec le chancelier Dollfuß au vu de la situation politique tendue. Le gouverneur Reither a accepté d’intervenir auprès du chancelier Dollfuß en faveur de cet entretien. Il donnera sa réponse le 13 ou le 14 janvier; il nous dira honnêtement si d’autres efforts dans le sens de nos propositions de solution pacifique ont encore un sens. Pour conclure, Reither fait la déclaration solennelle de ne jamais laisser porter atteinte aux droits de la grande masse des paysans et des ouvriers.
13 janvier 1934, 11 h 25 : discussion entre Reither et Popp. Reither : apporte la confirmation que le chancelier fédéral Dollfuß est prêt à négocier avec les quatre messieurs; la situation actuelle (tensions avec les nationaux-socialistes) y a largement contribué. La réunion doit rester strictement confidentielle. La date et le lieu seront communiqués ultérieurement, car il (Reither) doit rencontrer à nouveau le chancelier fédéral Dollfuß aujourd’hui.
14 janvier – Le député Pius Schneeberger rend visite au chancelier Dollfuß. Comme convenu avec le gouverneur Reither, le chancelier Dollfuß confirme sa disposition à discuter avec les quatre hommes. La date et le lieu seront communiqués ultérieurement.
D’autres discussions sont menées au cours de ces semaines jusqu’au 12 février 1934 par différents hommes : Schneidmadl avec le maire Kollmann (Baden) et le secrétaire d’État Karwinsky, désigné par BK Dollfuß comme son représentant. Popp avec le Dr [Emmerich] Czermak, dernier président du Parti chrétien-social; dernière discussion le 9 février de 12 h à 13 h dans son bureau du Conseil scolaire régional de Basse-Autriche, Herrengasse 23; puis rapport personnel sur les résultats au Dr Otto Bauer dans son appartement à Vienne VI.
Le 10 février 1934, Popp eut encore un entretien avec Czermak, dont je fis part le jour même à Otto Bauer dans son appartement. Lorsque les premiers coups de feu retentirent à Linz le 12 février, une dernière discussion eut lieu au Landhaus afin de déterminer si et comment le malheur qui s’annonçait pouvait être évité. Les participants étaient Reither, Czermak, Prader et Kollmann pour les chrétiens-sociaux, Helmer, Petznek et Popp pour les sociaux-démocrates. Renner et Körner les rejoignirent plus tard. Reither se chargea de négocier avec Dollfuß, qu’il devait rencontrer vers midi lors d’une messe commémorative à l’église Saint-Michel[5]. Il était prévu de se revoir à 14 heures. Tout cela fut vain. Reither rendit compte, complètement abattu, de son échec. Dollfuß l’avait menacé de ne pas s’en mêler, sinon il en paierait également les conséquences.
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Début février 1934, le SDAPDÖ diffuse un numéro de la publication "Der Ruf – Wochenschrift für österreichische Politik" (L’appel – hebdomadaire consacré à la politique autrichienne) qui pose la question "Comment pouvons-nous vaincre?" et expose le point de vue de la direction du parti sur ce sujet. En voici quelques extraits.
Der Ruf, 8. Jänner 1934 [6]
Wie können wir siegen?
Verzweifelte, erbitterte Arbeiter wenden sich an die Parteisekretariate, an die Gewerkschaftssekretariate, an die Arbeiterblätter, an die Vertrauensmänner : "Wie lange soll das noch so weitergehen?"
[…] In der Tat, es geht der Arbeiterklasse in der ganzen kapitalistischen Welt immer schlechter. Von San Franzisko bis Tokio ist der Kapitalismus in Krise und Zersetzung. 30 Millionen Menschen sind in der ganzen Welt arbeitslos. Der Kapitalismus beweist jetzt allen Arbeitern die alte marxistische Erkenntnis : töricht, zu glauben, daß die Arbeiterklasse ihre Lage innerhalb der kapitalistischen Welt dauernd verbessern könnte! Wir müssen den Kapitalismus selbst zerschlagen, ehe es dauernd allen Menschen besser gehen kann. […]
"Man nimmt uns ein Recht nach dem anderen weg. Man will uns völlig niederwerfen. Sollen wir uns all das gefallen lassen?" Nein, wir sollen es uns nicht gefallen lassen. Wir müssen die faschistische Gefahr abwehren. Aber wie können wir das tun?
Täuschen wir uns nicht darüber : die alten Kampfmittel sind uns teils entrissen, nicht mehr wirksam. Wenn es so weitergeht wie bisher, wenn nicht die inneren Gegensätze innerhalb des gegnerischen Lagers sehr bald eine Wendung und Umkehr herbeiführen, dann wird uns nichts anderes übrig bleiben, als den Entscheidungskampf um Sein oder Nichtsein aufzunehmen.
Aber was ist das, – der Entscheidungskampf? Das ist zunächst : der Generalstreik. Aber der Generalstreik würde zwangsläufig zur gewaltsamen Entscheidung mit Waffen führen.
Wollt Ihr der Partei einen Vorwurf daraus machen, daß sie das Signal zu einem solchen Kampf nicht längst schon gegeben hat, nicht heute gibt?
Denket einmal nach! Wir wollen doch nicht nur kämpfen. Wenn es zum Kampfe kommt, wollen wir, müssen wir siegen. Deshalb müssen diejenigen, die das Zeichen zu diesem Kampfe geben sollen, vorher nüchtern und verantwortungsbewußt erwägen : wie stark sind wir und wie stark ist der Gegner? Über welche Waffen verfügen wir und über welche Waffen verfügt der Gegner? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit wir siegen können?
Der Generalstreik allein genügt nicht. In einer Zeit, in der so viele Betriebe überhaupt stillstehen, so viele Betriebe nur mit ganz kleinem Arbeiterstand arbeiten, so viele hungernde und verzweifelte Arbeitslose vor den Fabrikstoren stehen, kann der Generalstreik allein nicht siegen.
Und der gewaltsame Kampf? Wir stünden in einem solchen Kampfe einem mit allen modernen Kriegsmitteln ausgerüsteten Heer, überdies der Polizei, der Gendarmerie und den Heimwehren gegenüber. Täuschen wir uns nicht über die Stärken des Feindes!
Und dazu noch Eines : Wenn wir mit der Staatsgewalt in Kampf geraten, dann stehen abseits als dritte Macht die Nazi , darauf lauernd, in den Kampf einzugreifen und ihn zu ihren Gunsten zu entscheiden! Wenn zwei sich streiten, hat der Dritte den Vorteil. […]
Ein Kampf auf ein Signal von oben her begonnen, wäre ein Putsch. Er kann nicht gelingen. Ein gewaltiger Ausbruch des aufgehäuften Zornes des ganzen Volkes ist eine Revolution. Revolutionen kann man nicht beliebig machen; sie entstehen, wenn die Zeit reif geworden ist. Nicht ein Putsch, nur eine Revolution kann siegen.
Noch ist die Zeit nicht reif geworden. Aber was können wir tun, damit sie es werde?
Wer die Unzufriedenheit der Massen gegen die Partei oder gegen die Gewerkschaften lenkt, der besorgt nur, ohne es zu wissen, die Geschäfte des Feindes. […] Als Napoleon I. das große Rußland angriff, hat sich ihm die russische Armee nicht zum Kampf gestellt. Denn wenn sie sich an der russischen Grenze zum Kampf gestellt hätte, wäre sie besiegt und geschlagen worden. Sie ist dem Kampf ausgewichen. Sie hat sich immer weiter zurückgezogen. Sie hat den Feind selbst Moskau, die russische Hauptstadt, besetzen lassen. Und erst als sich seine Kräfte immer tiefer nach Rußland hineingewagt hatten und die feindliche Besetzung die Leidenschaften, den Zorn, den Widerstandswillen des russischen Volkes immer mehr gesteigert hatte, erst dann sind die Russen zum Gegenangriff übergegangen, dann haben sie die große Armee des großen Eroberers vernichtend geschlagen, ihn aus ihrem Lande hinausgeworfen und seinen Sturz herbeigeführt.
*
Le 11 février 1934 paraît un numéro de cette publication, désormais appelée "Ruf der Freiheit", dont le titre annonce : "Plans de coup d’Etat à Vienne et Innsbruck". L’article donne un aperçu de la manière dont Dollfuss a planifié la mise en scène de l’attaque dirigée contre les sociaux-démocrates, qui a ensuite été rapidement menée à son terme. En voici des extraits.
Ruf der Wahrheit, 11. Februar 1934 [7]
Staatsstreichpläne in Wien und Innsbruck.
Der Bürgerkrieg unmittelbar vor dem Ausbruch.
Ein Schritt des englischen und französischen Gesandten bei Dollfuß.
Oesterreich ist in den letzten Tagen hart an der Katastrophe des Bürgerkrieges vor- beigegangen. Ein Staatsstreich drohte in Wien und in Innsbruck, drohte einer ahnungslosen Bevölkerung, deren Presse unterdrückt, deren Wort geknebelt und die darum unvermögend ist, die Gefahren zu alarmieren.
Wir aber, die wir frei sprechen könnten, wollen die fünf kritischen Tage vom 1. bis 5. Februar darstellen, jene fünf Tage, da jeder Abend voll Ungewißheit war, ob der Morgen nicht das Entsetzen des Bürgerkrieges entfeßle. […]
Der Plan der Herren Dollfuß und Fey war also dieser :
1. Die Bevölkerung in die Panikstimmung versetzen, daß am 30. Jänner die Nazi losschlagen würden. 2. Die Panikstimmung zum Vorwand für die Zusammenziehung und Bewaffnung der Heimwehr auszunützen. 3. Die aufgebotene und bewaffnete Heimwehr zunächst in Tirol "revoltieren", durch sie dort den Staatsstreich unternehmen zu lassen, den Landtag auseinanderzujagen, die verfassungsmäßige Landesregierung abzusetzen und die Macht im Lande in den Händen der Heimwehr zu konzentrieren. 4. Nachdem dieser Staatsstreich in Tirol sich vollzogen, sollte sich diese "Volksbewegung" "unwiderstehlich" von Land zu Land bis nach Wien wälzen. 5. Gleichzeitig sollte aber in Wien der Schlag gegen das Rathaus geführt, das Rathaus besetzt und die verfassungsmäßige Wiener Regierung verjagt werden.
[…]
Es erhebt sich die Frage, warum gerade die Zeitspanne vom 27. Jänner bis 5. Februar vom Herrn Dollfuß für den Staatsstreich gewählt wurde.
[…]
Am 26. Jänner wurde bekannt, daß der Sturz der Regierung Chautemps unmittelbar bevorstünde. An diesem Tage faßten Dollfuß und Fey den Plan, die französische Regierungskrise zum Staatsstreich in Oesterreich auszunützen. Am nächsten Tag hielt Fey die alarmierende Rede, am Tage darauf erfolgte das Heimwehraufgebot, zwei Tage später kam der Aufruf des Dollfuß’ und die Absetzung der autonomen Sicherheitsorgane und am Tag darauf die "Revolte" in Tirol. […]
*
Le lien entre l’action de Dollfuss et la crise gouvernementale en France ressort d’une information parue dans le Prager Tagblatt.
Prager Tagblatt, 3. Februar 1934 [8]
Paris über Tirol Beunruhigt
Anfragen an Dollfuß
Wien. Gestern sprachen der englische und der französische Gesandte beim Bundeskanzler vor, um ihn über die Vorfälle in Innsbruck zu befragen. Gegenüber dem französischen Gesandten soll sich Bundeskanzler Dr. Dollfuß geäußert haben, daß er sich angesichts der geänderten politischen Lage in Frankreich nicht mehr durch die Verpflichtungen gebunden fühle, die er seinerzeit dem damaligen französischen Außenminister gegenüber eingegangen sei, nämlich keine entscheidenden Maßnahmen gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen. Der französische Gesandte Puaux soll dieser Auffassung des Bundeskanzlers entgegengetreten sein und gemeint haben, daß der Regierungswechsel in Frankreich kein Anlaß sei, diese Zusicherung zurückzunehmen. Jedenfalls ist vorgestern um halb zwölf Uhr nachts der sozialdemokratischen Parteileitung in Innsbruck von der Landesregierung mitgeteilt worden, sie möge die Forderung der Heimwehr auf Auflösung der sozialdemokratischen Partei als nicht gestellt betrachten.
*
Rétrospectivement, les évènements peuvent être présentés comme suit.
Kurt Bauer, Der Februaraufstand 1934 – Fakten und Mythen (Extrait)[9] :
Ausgelöst durch einen Finanzskandal und angeheizt durch die Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit kam es am 6. und 7. Februar 1934 in Paris zu schweren Straßenschlachten mit zahlreichen Toten und Verletzten. Auf die Linksregierung Daladier folgte ein Kabinett unter dem Konservativen Doumergue. Für Montag, den 12. Februar war ein Generalstreik angekündigt. Frankreich als stärkste Schutzmacht der österreichischen Sozialdemokratie war handlungsunfähig. Überlegungen, das Dollfuß-Regime habe die chaotische Lage in Frankreich genützt, um den Druck auf die Sozialdemokraten weiter zu verstärken, sind plausibel.
Am 9. und 10. Februar druckten sämtliche Blätter die amtlichen Mitteilungen über die Waffensuchaktionen in sozialdemokratischen Parteihäusern und die Verhaftungen von führenden Funktionären des Schutzbundes. Es hieß, daß die Polizei ihre Nachforschungen weiter betreiben würde und es nicht ausgeschlossen sei, daß diese Aktionen zu "bisher nicht abzusehenden politischen Weiterungen" führen könnten. Die Arbeiterschaft werde davor gewarnt, sich zu "Demonstrationen irgendwelcher Art" verleiten zu lassen. Es folgte der Verweis auf eine Ende April 1933 erlassene Verordnung, die hohe Strafen für die Teilnahme an Streiks vorsah, die nicht der Erreichung günstigerer Arbeitsbedingungen dienten. – Was läßt sich daraus schließen? Der Regierung war klar, daß das massive Vorgehen gegen den Schutzbund über kurz oder lang zu einer Eskalation führen mußte. Man wußte ebenso, daß jeder bewaffnete Aufstand des Schutzbundes, wenn überhaupt, nur bei einem lückenlosen Funktionieren eines gleichzeitig angesetzten Generalstreiks erfolgreich sein konnte. Daher die deutliche Warnung an die Arbeiter, sich an einem derartigen Streik zu beteiligen.
Am Sonntag, dem 11. Februar, erschien auf der ersten Seite der katholisch-konservativen Reichspost ein Leitartikel mit dem Titel "Vor nahen Entscheidungen". Bundeskanzler Dollfuß habe den Chefredakteur des Blattes zu einem Gespräch empfangen und sich dabei "zur gegenwärtigen Lage" geäußert. Die Vorarbeiten zum Umbau des Staates seien bereits "sehr weit" gediehen und er, Dollfuß, wolle diesen Umbau in "möglichster Raschheit" vollziehen. Alle, die daran mitwirken wollten, seien willkommen. Das Weitere : ein einziger Angriff auf die Sozialdemokratie und der neuerliche Appell an die Arbeiter, sich von ihr zu lösen. Was konnte das nach alledem, was in den letzten Tagen und Wochen geschehen war, bedeuten? Der Schluß liegt nahe, daß eine finale Aktion ‑ in welcher Form auch immer ‑ gegen die "marxistisch-bolschewistische Ideologie" bevorstand.
Jene vielzitierte Rede, die Sicherheitsminister Fey am Vormittag des 11. Februar vor martialischer Kulisse hielt, mutet geradezu wie eine Ergänzung zu Dollfuß’ kryptischen Andeutungen an. Dollfuß hatte nahe Entscheidungen angekündigt und Fey wollte am nächsten Tag "an die Arbeit" gehen. Welche Arbeit? Da konnten doch nur die von Dollfuß angekündigten "nahen Entscheidungen" gemeint sein. – Man bedenke, mit welcher Härte Fey in der vorangegangenen Woche gegen die Sozialdemokratie und den Schutzbund vorgegangen war. Da braucht es nicht viel, um nachvollziehen zu können, daß Sozialdemokraten und Schutzbündler die dunklen Ankündigungen Feys als ultimative Drohung an ihre Adresse verstehen mußten. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß Fey genau das mit seinen vagen Worten bezweckte : bei den Sozialdemokraten weitere Unruhe stiften, möglichst bedrohlich wirken und die Schraube der Eskalation noch eine Windung weiterdrehen.
Der Vertreter des Völkerbundes in Österreich, der Niederländer Meinoud Marinus Rost van Tonningen, traf in den Jahren 1933/34 regelmäßig mit Dollfuß zusammen. So auch am Samstag, dem 10. Februar 1934. Rost kam gerade von einer Audienz bei Mussolini und übermittelte Dollfuß ‑ wieder einmal ‑ dessen dringendsten Wunsch : "Der Kanzler möge endlich die sozialistisch-marxistische Machtposition in Österreich liquidieren." Tags darauf, Sonntag, 11. Februar, wurde Rost von Dollfuß zu einem Abendessen im kleinen Kreis gerufen. Erst ging es um eine aktuelle Demarche Österreichs beim Völkerbund gegen den anhaltenden NS-Terror im Land. Später berichtete der Kanzler der Runde, daß er den Sozialminister [Bundesminister für soziale Verwaltung] Richard Schmitz zum "Liquidations-Kommissar der sozialistischen Positionen in Wien" ernannt habe und daß er am nächsten Tag sozialdemokratische Überläufer aus Kärnten erwarte. Spätabends notierte Rost in seinem Tagebuch ein Resümee des Gesprächs : "Ich habe jetzt stark den Eindruck, daß der Angriff auf die Sozialisten bevorsteht."
[1]. Karl Renner était en contact étroit avec les habitants de la Basse-Autriche. Dès 1907 ‑ et également en 1911 ‑ il a été envoyé au Reichsrat par la circonscription électorale de Neunkirchen en Basse-Autriche. Depuis 1908, il représentait également Neunkirchen au Landtag. Après la dissolution de l’Autriche et de la Hongrie, il fut membre de l’Assemblée provisoire du Land. Lors de l’élection du Landtag commun le 4 mai 1919, il a été tête de liste du parti social-démocrate pour la circonscription de Wiener Neustadt, tout comme lors de l’élection du premier Landtag indépendant le 24 mai 1921. En tant que président du groupe parlementaire du Landtag, il a introduit les jeunes députés, qui occupaient presque tous pour la première fois une fonction publique, dans leur domaine de compétence. Il est resté conseiller permanent du club jusqu’en 1934, même après avoir quitté le parlement régional. Les liens furent particulièrement étroits durant les années de crise 1933/34.
[2]. Parteivorstandssitzung der SDAPDÖ vom 7. 1. 1934, S. 1 ff.; Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, 17.040.
Die Partei, die Republik und der Mann mit den vielen Gesichtern – Oskar Helmer und Österreich II : eine Korrektur (Auteur : Wilhelm Svoboda); Böhlau, 1993; p. 14‑15.
[3]. Josef Reither : pour la Basse-Autriche, vice-gouverneur (1925-1931 et 1932-1933) puis gouverneur (du 1er juillet 1931 au 21 mai 1932, du 18 mai 1933 au 30 octobre 1934 et du 22 novembre 1934 au 12 mars 1938). Du 30 juillet 1934 au 17 octobre 1935, il était ministre fédéral de l’Agriculture et des Forêts dans le cabinet Schuschnigg I. À partir du 24 octobre 1935, il était représentant de la Basse-Autriche au Conseil des Länder et membre du Bundestag. Entre le 8 novembre 1935 et le 6 mai 1936, il occupait le poste de troisième vice-président du Bundestag. Parallèlement, il jouait un rôle de premier plan dans le mouvement coopératif au niveau régional et national et était président de la NÖ. Brandschaden Versicherungs AG (compagnie d’assurance contre les incendies de Basse-Autriche) ainsi que membre du conseil de surveillance ou d’administration de différentes entreprises.
[4]. Franz Popp, Um ein besseres Niederösterreich – 40 Jahre Politik im "Kernland"; Europaverlag, 1976.
[5]. Voir : Arnold Reisberg, Februar 1934 – Hintergründe und Folgen; Wien, Globus Verlag, 1974; S. 8.
Helmer fuhr in das niederösterreichische Landhaus in der Inneren Stadt und setzte sich zusammen mit seinem Gesinnungsfreund Heinrich Schneidmadl mit dem christlichsozialen Landeshauptmann Josef Reither in Verbindung. Sie boten ihm an, er solle an die Stelle von Dollfuß treten und eine Koalitionsregierung mit Karl Renner als Vizekanzler bilden. Reither lehnte das Angebot ab, erklärte sich aber bereit, bei Dollfuß zu intervenieren. Auch Danneberg versuchte mit Finanzminister Buresch zu verhandeln. Die Bemühungen blieben vergebens.
[6]. Der Ruf. Wochenschrift für österreichische Politik. 8. Jänner 1934.
Cité d’après : Robert Kriechbaumer, Die Dunkelheit des politischen Horizonts – Salzburg 1933 bis 1938 in den Berichten der Sicherheitsdirektion – Band 1 – Gewitterwolken – Vom März 1933 bis Februar 1934; Böhlau Verlag, 2019; S. 385.
[7]. Cité d’après : Julius Braunthal, Geschichte der Internationale, Band 2; Dietz, 1963; S. 429.
[8]. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19340203
[9]. Kurt Bauer, Der Februaraufstand 1934 – Fakten und Mythen; Wien, Böhlau Verlag, 2019; S. 111-113.
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Autriche 1918 – 1945 |
À l’époque de l’Empire autrichien, le SDAPDÖ disposait de ce que l’on appelait des "Ordnerschaften", qui assuraient des services d’ordre lors des manifestations et des rassemblements. Au cours des évènements de novembre 1918, des "Arbeiter-Wehren" et des "Ordnergruppen des Arbeiterrates" sont créés, dans lesquels les unités de "Ordner" existantes sont intégrées. Après les élections du Conseil national d’octobre 1920, le SDAPDÖ ne participe plus au gouvernement. Comme le traité d’État de Saint Germain oblige l’Autriche à abandonner la Volkswehr, tous les soldats de la Volkswehr qui ne se portent pas candidats à l’"armée fédérale" sont licenciés à la fin mai 1920. Les associations de Volkswehr se voient confier des missions de service intérieur. Le SDAPDÖ décide d’élargir les Ordnerschaften du conseil ouvrier ainsi que les milices ouvrières et d’usine des années 1918 et 1919. En 1920, le Conseil ouvrier du Reich nouvellement élu demande la mise en place de "Heimwehren". Le 24 octobre 1921, une réunion des Vertrauensmänner des ouvriers viennois a lieu.
Assemblée des hommes de confiance des travailleurs viennois, 24 octobre 1921, décision (Auszug) [1] :
Die Vertrauensmännerversammlung der Wiener Arbeiterschaft wendet sich mit Entrüstung gegen den neuerlichen Versuch Karl Habsburgs, sich der ungarischen Königskrone zu bemächtigen. Ein Habsburger auf dem ungarischen Thron bedeutet die stärkste Bedrohung der österreichischen Republik, bedeutet den Ausbruch eines blutigen Krieges in Mitteleuropa. Die Vertrauensmännerversammlung bekundet ihre Entschlossenheit, jeden Versuch einer habsburgischen Restauration in Österreich mit allen der Arbeiterschaft zu Gebote stehenden Mitteln abzuwehren. Niemals mehr wird die österreichische Arbeiterschaft die Herrschaft eines Mitgliedes des blutbefleckten, völkermordenden Habsburgergeschlechts dulden. Zur Abwehr des Abenteurerstreiches Karl Habsburgs ist es notwendig, die Kampfkraft der deutschösterreichischen Wehrmacht zu erhöhen. Die ledigen Arbeiter, die militärisch ausgebildet sind, werden aufgefordert, sich sofort zum Eintritt in die Wehrmacht zu melden. Keiner darf sich jetzt der Pflicht entziehen, unsere Republik, unsere Freiheit mit der Waffe in der Hand zu verteidigen! Einen wirksamen Schutz gegen monarchistische Putschversuche erblickt ferner die Vertrauensmännerversammlung in dem raschesten Ausbau und der Verstärkung der proletarischen Ordnerorganisation. Allen Arbeiterorganisationen wird die tatkräftigste Unterstützung der Ordnerorganisation zur Pflicht gemacht.
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Les Ordnerschaften sont d’abord une association informelle, au sein de laquelle se forme cependant un groupe d’officiers qui, en 1922, pousse à une extension militaire. Ce groupe comprend notamment le major Alexander Eifler, le capitaine Rudolf Löw et le général Friedrich Mayer. Le 8 décembre 1922, une conférence nationale réunissant des représentants des conseils ouvriers et des organisations d’officiers se réunit à Vienne et se penche sur l’extension organisationnelle du système d’officiers[2]. Il a été décidé de maintenir la situation organisationnelle actuelle, à savoir que l’organisation des Ordner est une partie de l’organisation des conseils ouvriers, et une direction centrale de l’organisation des Ordner a été élue pour l’ensemble du territoire fédéral. Le "Republikanischer Schutzbund" a été fondée, il a d’abord été déclaré en tant qu’association auprès du gouvernement du Land de Vienne avec un champ d’activité à Vienne (l’autorisation administrative a été accordée le 16 février 1923) et s’est constituée le 19 février 1923. Le 12 avril 1923, après l’approbation des statuts pour la commune de Vienne, les statuts du Republikanischer Schutzbund ont été approuvés par le ministère fédéral de l’Intérieur et de l’Éducation pour l’ensemble du territoire fédéral. Depuis lors, l’organisation des Ordner agit dans le cadre du Republikanischer Schutzbund, sans que les relations étroites avec l’organisation des conseils ouvriers et du parti n’aient subi le moindre changement.
Republikanischen Schutzbund, statuts, § 3 (Extrait) [3] :
Sicherung der republikanischen Staatsverfassung; Schutz von Personen und Eigentum jener Vereinigungen, welche auf dem Boden der republikanischen Staatsordnung stehen; Unterstützung der bestehenden Sicherheitsorganisationen bei der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und Abwehr einer gewaltsamen Störung oder eines Putsches; Eingreifung bei Elementarereignissen; Mitwirkung und Unterstützung zur Sicherung von Veranstaltungen und Kundgebungen republikanischer Organisationen. Die Vereinigung ist eine nichtmilitärische private Einrichtung zum Wohle und Aufrechterhaltung der Republik.
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Le 7 mars 1923, le comité directeur se réunit pour la première fois. Le député Julius Deutsch est élu président et les députés Friedrich Adler et Johann Pölzer sont élus vice-présidents. Karl Heinz est le secrétaire politique, le capitaine à la retraite Rudolf Löw le secrétaire militaire. Le pouvoir de commandement sur l’ensemble du Schutzbund est exercé par la direction centrale fédérale, élue par une conférence du Reich qui se réunit tous les deux ans. Cette direction centrale se compose d’un président, de ses deux adjoints, d’un trésorier, d’un secrétaire et de vingt-cinq membres au maximum. La direction dite "technique" (l’état-major militaire) est subordonnée à la direction centrale. Otto Bauer est membre de la direction centrale. En 1924, Theodor Körner s’y ajoute en tant que conseiller (après l’effondrement de la monarchie des Habsbourg, Körner est nommé par le sous-secrétaire d’État Deutsch à l’Office d’État de l’armée; il est nommé inspecteur de l’armée en 1923; en 1924, il est mis à la retraite avec le grade de général, il adhère au SDAPDÖ et est envoyé au Conseil fédéral pour le Land de Vienne). En 1927 et 1928, le nombre de membres du Schutzbund s’élève à environ 80.000, dont plus de 20.000 à Vienne. Au congrès de Salzbourg du SDAPDÖ (31 octobre – 3 novembre 1924), la décision est prise de dissoudre les conseils ouvriers, dont les formations militaires seront intégrées au Schutzbund. Ainsi, le Schutzbund devient une partie de l’organisation du Parti social-démocrate.
Lors du congrès du SDAPDÖ, qui s’est tenu du 30 octobre au 3 novembre 1926, un nouveau programme du Parti est adopté, qui aborde notamment en détail la question du recours à la violence.
En octobre, une conférence du Reich se tient, dont le déroulement est particulièrement influencé par les événements de juillet de la même année. Le 30 janvier 1927, à Schattendorf, une localité du Burgenland, un groupe de vétérans de guerre monarchistes ouvre le feu sur un cortège de la Republikanische Schutzbund. L’affaire est jugée le 14 juillet à Vienne et les auteurs sont acquittés. Le 15, une grève générale spontanée éclate et provoque des affrontements aux alentours du palais de justice. La police fait usage d’armes à feu. [Voir ► et ►.]
Extrait du livre "Der demokratische Bolschewik – zur Theorie und Praxis der Gewalt", de Ilona Duczynska [4]
Drei Monate nach dem Blutbad des 15. Juli trat die Fünfte Reichskonferenz des Republikanischen Schutzbundes zusammen, um aus den Juli-Ereignissen die Konsequenzen zu ziehen. Sie waren eindeutig. Im Juli hatten die Schutzbündler im Niemandsland zwischen den Arbeitern von Wien und der Polizei von Wien gestanden. Es blieb ihnen versagt, sich zum Schutz ihrer Arbeitskollegen den mordenden Polizisten entgegenzuwerfen; sie waren und blieben ohne Waffen.
Abhilfe für die Zukunft wurde in dem nun eingetretenen "Zustand ausgesprochener Verteidigung" in zwei Richtungen gesucht : Spontane politische Regungen, Kundgebungen, Demonstrationen sollten von vornherein unterbleiben und gegebenenfalls unterbunden werden. Wenn sie sich aber dennoch ereigneten, sollten sie vom Schutzbund aufgefangen und in Ordnung an ihren Ausgangspunkt zurückgeleitet werden. Der Schutzbund sollte diszipliniert, militarisiert und entpolisiert werden, um allen ihm erwachsenden Aufgaben, welcher Art sie auch immer sein mochten gerecht zu werden als ein unbedingt zuverlässiges Instrument der politischen Leitung.
In ihrer Resolution zur politischen Lage[5] sagt die Reichskonferenz zum Ersten :
"Den Schutz der demokratischen Republik gegen jeden monarchistischen oder faschistischen Anschlag, den Schutz der Rechte, die die demokratische Republik der Arbeiterklasse gesichert hat, gegen jede Vergewaltigung, hat die sozialdemokratische Arbeiterschaft dem Republikanischen Schutzbund übertragen".
Zum Zweiten :
als Protest gegen den faschistischen Verleumdungsfeldzug, der den Schutzbund als Feind der gesetzlichen Ordnung in der Republik hinstellt, wird festgestellt, daß in den Tagen des Umsturzes "allein und ausschließlich die Sozialdemokratische Partei das zusammengebrochene Land vor blutigem Bürgerkrieg und blutiger Schreckensherrschaft bewahrt" hat.
"Im Frühjahr 1919, als in München und in Budapest die Rätediktatur bestanden hat, haben die Arbeiterräte die demokratische Ordnung in Österreich aufrecht erhalten. Das wichtigste Werkzeug der Arbeiterräte bei der Rettung der Demokratie waren die Ordnerformationen, die später zum Republikanischen Schutzbund zusammengefaßt worden sind".
Zum Dritten :
es darf "in Zukunft nicht mehr kleinen Gruppen erlaubt sein, die ganze Arbeiterklasse in Kämpfe zu ungünstigen Bedingungen zu verwickeln. Strengste proletarische Disziplin ist notwendiger denn je. Sobald der Schutzbund in Aktion tritt, muß er die Befehle der verantwortlichen Leitung mit strengster Disziplin durchführen, und zwar auch dann, wenn er sich dabei gegen Proletarier wenden muß, die sich gegen die Notwendigkeiten der Gesamtheit der Arbeiterklasse, gegen proletarische Disziplin und Ordnung auflehnen und dadurch die Gesamtheit der Arbeiterklasse in Gefahr bringen."
Auch für die Zeitgenossen ‑ von der Nachwelt ganz zu schweigen ‑ wäre es nicht leicht gewesen, aus diesen Texten zu entnehmen, daß es sich am 15. Juli um nicht mehr und nicht weniger als um die gleichzeitige und allgemeine Erhebung der gesamten industriellen freigewerkschaftlich und sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft von Wien gehandelt hat, im noch ungebrochenen Bewußtsein ihres Aufstiegs, in ihrem eigenen Namen und zu eigenem Recht, zu ihrem eigenen Schutz gegen eine ungesühnte faschistische Bluttat – den Schattendorfer Mord an einem Kind und einem Arbeitslosen. Hatte diese Arbeiterklasse ihr ius resistendi zu irgendeinem Zeitpunkt von irgendwem "übertragen"? Keinesfalls!
Die einschneidenden internen Maßnahmen, die vorgesehen wurden für den Fall, daß sich Schutzbündler auch gegen Proletarier wenden müßten, deuteten nicht auf "kleine Gruppen" hin, sondern auf mögliche spontane politische Kundgebungen in der breiten eigenen Gefolgschaft. (Unter kleinen Gruppen hätte man füglich Kommunisten verstehen können : sie waren jedoch völlig belanglos). Das Dokument, das den handschriftlichen Vermerk von Julius Deutsch trägt "Nicht hinausgeben! Für die Zentrale als Richtschnur", ist betitelt "Maßnahmen für den Fall einer plötzlichen Arbeitsniederlegung aus politischen Gründen"[6]. Es sieht drei Fälle vor :
1. Arbeitsniederlegung in einem oder mehreren benachbarten Bezirken;
2. Arbeitsniederlegung in ganz Wien;
3. größere Unruhen im Verlauf der Demonstrationen.
Im ersten Fall würde die Zentralleitung die entsprechenden Maßnahmen anordnen. Nach diesen Maßnahmen sollten die Ordner im allgemeinen in der übrigen Arbeiterschaft verbleiben. Ordnerabteilungen in vorgeschriebener Stärke sollten sich in den in Betracht kommenden unten angeführten Bezirken versammeln. "Die Ordner, welche für diese Abteilungen bestimmt sind, müssen schon jetzt mündlich und persönlich von ihrem Ordnerobmann verständigt werden, daß sie sich im Falle einer Arbeitsniederlegung aus politischen Gründen für ihre Person an einem bestimmten Sammelplatz einzufinden haben", heißt es in dem Dokument.
Im zweiten Fall, einer Arbeitsniederlegung in ganz Wien, sollten die folgenden Bestimmungen automatisch in Kraft treten : "Jeder der Bezirke Landstraße, Margareten, Simmering, Meidling, Hietzing, Hernals, Währing und Arsenal sammelt die bereits jetzt zu bestimmenden 100 Ordner, die Bezirke Favoriten, Ottakring, Brigittenau und Floridsdorf je 500 (im vorhinein bereits bestimmte) Ordner". Sie würden sich dann an vorher bestimmte Orte begeben : Die Arsenalordner und die Landstraßer, Favoritner und Simmeringer ins Arsenal; die Margaretner ins Parteihaus; die Meidlinger und Hietzinger in die Gumpendorferstraße 62; die Ottakringer in die Lerchenfelderstraße 1; die Hernalser und Währinger in die Liechtensteinstraße 55; die Brigittenauer und Floridsdorfer in die Wintergasse 29. "Dieser Abmarsch hat nicht stattzufinden, wenn in den Bezirken selbst Unruhen stattfinden". Weiter heißt es : "Der Einsatz der auf diese Weise bereitgestellten Ordnerabteilungen kann nur durch die Zentralleitung selbst angeordnet werden".
Im dritten Fall, "sollten im Verlaufe der Demonstrationen größere Unruhen entstehen, die ein größeres Kontingent Ordner erfordern, so wird die Zentralleitung eine Alarmierung der Ordner anordnen. Die "schon jetzt" durchgeführte Auswahl von 100 bzw. 500 Ordnern, die auch gegenüber politischen Demonstrationen der Wiener Arbeiterschaft zum Einsatz geeignet erscheinen, zeigt natürlich nur eine Seite der eingeschlagenen Schutzbundpolitik, eine Seite, die in ihrer Methode arbeiterfeindlich, in ihren Voraussetzungen irreal war.
Das beste Gesamtbild der Problematik, die sich bei der Reorganisation des Schutzbundes ergab, bieten die internen Richtlinien zur Fünften Reichskonferenz, die in ihren Grundzügen und ihrer Ausdrucksweise auf die Autorschaft Körners schließen lassen[7].
Sie gehen von der Feststellung aus, daß der 15. Juli unter den Gegnern zweifellos die radikale Richtung gestärkt hat, welche die Arbeiterschaft mit einigen raschen Schlägen unter Anwendung von Waffengewalt niederwerfen will, zum Unterschied von der gemäßigteren, die ihr Ziel durch eine allmähliche Zermürbung der Sozialdemokratie, freilich auch nicht ohne die Zuhilfenahme der staatlichen Machtmittel, erreichen zu können glaubt. Entscheidend in der Gegenwehr mögen die politischen und gewerkschaftlichen Aktionen sein, doch stünden sie hier nicht zur Frage.
"Nachdem sich die Partei auf den Boden der Wehrhaftmachung des Proletariats gestellt und somit den weiteren Ausbau des Schutzbundes bejaht hat, sind die hierfür nötigen Maßnahmen mit Ruhe und Sachlichkeit zu erwägen".
Die Aufgaben des Schutzbundes, heißt es weiter, seien vielgestaltig.
"Die Partei braucht den ganzen Schutzbund als ruhig und verläßlich funktionierendes Organ im Sinne des sozialdemokratischen Parteiprogramms (Kampf um die Staatsmacht) beim “ Ordnen” des ganzen politischen und gewerkschaftlichen Kampfes, wie auch als Wehrorganisation gegenüber illegalen Gewalten der Bourgeoisie, bei Putschen oder äußerstenfalls als Zwangsorganisation bei der Übernahme der durch die Stimmzettel eroberten Staatsgewalt".
Daneben wird aber auf die Notwendigkeit einer "als besondere Gewaltorganisation" funktionierenden Elite hingewiesen, die nicht nur einer besonders straffen Organisation und einer bestimmten technischen Schulung und Übung bedarf,
"damit die Schutzbundformationen rasch und unbedingt sicher nach dem Willen der Partei- und Gewerkschaftsleitung funktionieren und außerdem alle Führer jenes selbständige Urteil und jene sichere Ausbildung erreichen, die sie befähigt, selbständig und selbsttätig zu funktionieren, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten".
Mit Körners eigenen Worten auf der Reichskonferenz :
"Der Schutzbund muß nicht nur der entschlossenste, sondern auch der am weitesten denkende Teil des Proletariats sein".
Hier war der Versuch unternommen worden, das geistige Gegengewicht gegen die unumgängliche Straffung und Disziplinierung des Schutzbundes von vornherein organisch einzubauen, damit sie nicht in Kadavergehorsam und einen ebenso geistlosen wie unwirksamen Militarismus ausartete. Der Riß, der sich dabei in der Denkweise der Schutzbundführung zeigte, hat nach kaum zweieinhalb Jahren zu unüberbrückbaren Gegensätzen, zum Austritt Körners aus dem Schutzbund, zum radikalen Durchdenken seiner eigenen Einsichten in die taktischen und strategischen Bedingungen eines erfolgreichen Kampfes der Arbeiterschaft im Bürgerkrieg geführt, die er nicht müde wurde, bis in den Herbst 1933 Bauer, Deutsch, Seitz, Danneberg und Renner ‑ wenn auch ergebnislos ‑ zu predigen.
Vorläufig jedoch, im Herbst 1927, lag das Hauptgewicht der Reorganisierung des Schutzbundes durchaus in der Straffung, Disziplinierung und Entpolitisierung, in der Einführung der zweijährigen Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaft als Beitrittsbefähigung, der Verpflichtung jedes neuen Mitgliedes durch Handschlag und Unterschrift,
"die Anordnungen der Führer des Schutzbundes jederzeit gewissenhaft zu befolgen und immer und überall die Interessen der Republik, der Demokratie und der Sozialdemokratischen Partei zu verfechten"
in der Beschränkung der Aufnahme auf die Altersklassen von 20 bis 40 Jahren. An Stelle der Ordnerversammlungen traten Appelle, bei denen "eine Diskussion politischer Natur absolut eine Diskussion politischer Natur absolut zu unterlassen" war. Alle Führer wurden in Zukunft ernannt, nicht gewählt. Eine gewisse Zweigleisigkeit der Organisation blieb dennoch bestehen : als Verein blieb der Schutzbund auch weiter im politisch-administrativen Sinne demokratisch organisiert; als technischer, d. h. militärischer Apparat blieb er der Technischen Leitung unterstellt.
In den Richtlinien ‑ und durchaus im Sinne Körners ‑ heißt es :
"Die politische Führung hat zu bestimmen, ob und wann Ordner in Tätigkeit zu treten haben. Sie muß zwar ein klares Urteil über die technische Durchführung einer Aktion haben, mischt sich aber in diese nicht ein. Die politische Führung ordnet an und trägt die Verantwortung dafür – die technische Führung führt durch und hat die Verantwortung für die Durchführung. Es muß eine klare Trennung von der politisch-administrativen Vereinsleitung und der technischen Führung vorgenommen werden. Die technische Führung (Gruppen-, Zugs-, Unterabteilungs- und Abteilungsführer) unterstehen dem technischen Leiter, die politischen bzw. administrativen Funktionäre (Schutzbundobmann, Schriftführer, Kassier, usw.) der Vereinsleitung".
Die politischen und administrativen Spitzenfunktionäre waren Julius Deutsch und Karl Heinz; der technische Referent war Theodor Körner, der technische Sekretär Rudolf Löw. Zum überaus wichtigen Posten des technischen Führers für Wien war Longin bestimmt worden (diesen Decknamen trug Alexander Eifler zu der Zeit, als er noch Offizier im Bundesheer war). Im Wege der Trennung der Funktionen und auch dadurch, daß im neuen Statut des Schutzbundes "die ganze Organisation auf “Gruppen” als kleinste verwendungsfähige Einheit aufgebaut wird", mag Körner gehofft haben, den Schutzbund zu dem gewalttechnischen Instrument gestalten zu können, das mit einiger Hoffnung auf Erfolg eingesetzt werden könnte, auch
"im äußersten Falle der Verteidigung der Republik gegen einen Staatsstreich, gleichgültig ob er ohne oder unter Mitwirkung illegaler Formationen versucht wird. Auf die Gruppe", heißt es in den Richtlinien, "baut sich die gesamte Organisation, auf die Gruppenführer der Befehlsapparat auf".
5e Conférence du Reich du Republikanischer Schutzbund
(15-16 octobre 1927 à Vienne, au foyer de travailleurs de Favoriten)
Compte rendu interne (Extraits) [8]
Samstag : Eröffnung 10 Uhr, Vorsitz Pölzer.
[…] Otto Bauer polemisiert versteckt gegen die Rede Renners und hält eine Abrüstung in der gegenwärtigen Zeit für nicht möglich. Über ganz Europa ziehe sich eine derart reaktionäre Welle, und sei in dieser Zeit der Schutzbund in Österreich ein Vorposten der internationalen Arbeiterbewegung. Mit ihm stehe und falle der österreichische und damit der mitteleuropäische Sozialismus. Sache der Reichskonferenz ist es, die bei den Juliereignissen zutage getretenen Mängel zu beseitigen. Als verantwortlicher Parteiführer und Mitglied der Bundesleitung des Schutzbundes werde er alles daran setzen, um die nötigen Geldmittel, die für den großzügigen Ausbau des Schutzbundes notwendig sind, bereitzustellen. Auch er sei nicht für unbedingte Gewaltanwendung, doch müsse der Schutzbund so ausgebaut werden, daß sich ähnliche Mißstände, wie sie sich am 15. Juli bei der Alarmierung ergaben, nicht mehr wiederholen. Die am Montag zusammengetretene internationale Kommission werde Beschlüsse von weittragender Bedeutung für den Abwehrkampf gegen den Faschismus fassen.
Maurer berichtet über die juristischen Sachen. Es sind 31 Ordner verhaftet worden, von denen 11 angeklagt wurden; laut der von der obersten Disziplinarkommission angeordneten allgemeinen Untersuchung wird festgestellt, daß tatsächlich von den 11 sich 4 Ordner grober Disziplinarverstöße schuldig gemacht haben, dadurch, daß sie an Plünderungen teilnahmen. Die Urteile der Disziplinarkommission sind noch ausständig. Außerdem wurden in Untersuchungen gezogen : wegen Gehorsamsverweigerung 18 Ordner, wegen Trunkenheit im Dienst 72 Ordner, wegen Nichterscheinen zum Dienst 23 Ordner, wegen Kritik der Dienste ihrer vorgesetzten Kommandanten 8 Ordner, wegen sonstiger Verfehlungen 41 Ordner, insgesamt 162 Mann. Von diesen wurden bis jetzt 18 freigesprochen, 12 zu einfachem und 29 zu strengem Verweis verurteilt. 4 wurden vom Schutzbund ausgeschlossen. Gegen 99 läuft noch das Verfahren. Die Polizei suchte durch Drohungen und Versprechungen die Leute zu Aussagen über den Schutzbund zu veranlassen.
Sonntag : Pölzer eröffnet 9 Uhr. Die Stimmung ist durch Ausgang der Vertrauensmännerwahlen (im Bundesheer – BMcL) äußerst gedrückt.
Punkt 2) "Ausbau des Schutzbundes", Referent Körner:
Körner : Die Reichskonferenz hat über die Änderungen und über den Ausbau unserer Organisation weittragende Beschlüsse zu fassen. Die Arbeiterklasse Österreichs war eine Burg, die auf drei Säulen stand : Partei, Gewerkschaft, Genossenschaft. Die vierte Säule muß der Schutzbund werden. Wir dürfen uns aber nicht Feinde im eigenen Lager heranziehen. Das geschieht jedoch, wenn einer hin und einer her zieht. Wenn in einem Lager ein Beschluß gefaßt wird, so hat er auch ohne weitere Beratungen durchgeführt zu werden. Niemand wird mir sagen, daß ich ein Kommunist bin, aber in dieser Hinsicht muß ich die Kommunisten als Beispiel anführen. Wenn sie einmal einen Beschluß fassen "Dreinhauen" so hauen sie auch drein und zwar ohne vor irgend einem Feind, wer es auch immer sei, zurückzuschrecken. Wenn aber solche Ereignisse eintreten, wie bei uns am 15. Juli, daß ein Bezirk mobil macht, der andere tatenlos zusieht, aber keiner auf die Idee kommt, sich die notwendigen Weisungen von oben zu holen, daß die Ordner in den Bereitschaftslokalen über die Taktik der Partei streiten, so muß ich sagen, daß hier mit eiserner Hand dreingefahren werden muß. Auch ich weiß, daß wir gegenwärtig keine Gewalt anwenden können, und auch den Gegnern zu einer solchen nicht die Handhabe bieten werden. Wir müssen jedoch die Ordner jetzt ganz anders schulen, wir müssen sie mit Korpsgeist erfüllen, wir müssen es den Ordnern einbläuen, daß sie, wenn sie in Uniform stecken, aufhören Vertrauensmänner oder Parteimitglieder zu sein, daß sie dann nichts sind als Soldaten, die ihrem Kommandanten zu gehorchen haben. Jeder der sich zum Schutzbund meldet, muß sich darüber im klaren sein und werden wir von jedem Ordner die Unterfertigung einer Erklärung verlangen. Den Text dieser Erklärung lege ich zur Genehmigung der Reichskonferenz vor : "Ich erkläre mit Wort und Unterschrift, daß ich dem Schutzbund aus freiem Willen angehöre, um die republikanische Verfassung und Demokratie zu stützen, die Errungenschaften der Revolution zu hüten und die politische und gewerkschaftliche Unabhängigkeit der österreichischen Arbeiterschaft vor den Angriffen der Reaktion zu bewahren. Ich verpflichte mich mit Handschlag und Ehrenwort, alle Pflichten eines Mitgliedes des Republikanischen Schutzbundes in Treue und Eifer zu erfüllen, die Anordnungen der Führer des Schutzbundes jederzeit gewissenhaft zu befolgen und immer und überall die Interessen der Republik, der Demokratie und der Sozialdemokratischen Partei zu verfechten. Mit dieser Erklärung gelobe ich in allen Kämpfen, welcher Art immer mit Aufopferung und Zähigkeit auszuharren. Diese feierliche Erklärung bestätige ich mit meiner Unterschrift." Die Arbeiterschaft wird oft mutwillig herausgefordert und die Genossen möchten oft und jeder Provokation mit der Faust antworten und hier muß auch schon der Schutzbündler in den Betrieben seine Kollegen vor unüberlegten Handlungen abhalten und auf die Tragweite derselben aufmerksam machen. Der Schutzbund muß alles daransetzen, um nicht nur im Ernstfall losschlagen zu können, sondern er muß auch dem Faschismus vorbeugen und dem Gegner rechtzeitig die Waffe aus der Hand schlagen.
Vertrauliche Sitzung. Referent Heinz.
Ich beschränke mich lediglich auf tatsächliche Berichte, will jede rednerische Beigabe weglassen. Genossen sollen sich Urteil selbst bilden. Am 14. Juli hielt die Z.L. [Zentralleitung] 11 Uhr abends eine Sitzung ab und ersuchte die Partei um Genehmigung zu einer Bereitschaftsanordnung, wurde verweigert. Um 9 Uhr vormittag den 15. erhielt die Z.L. vom Parteivorstand Alarmierungsbefehl, erklärte sich sofort in Permanenz, verlegte den Sitz ins Parlament. Die alarmierten Bezirksgruppen erhielten Weisung, sofort zum Rathaus marschieren und Stand bei Gen. Heinz zu melden. Die abmarschierenden Abteilungen auf Waffen untersuchen. Einzig Ottakring und Floridsdorf sandten geschlossene Abteilungen von über 200 Mann, andere Bezirke kamen in zersprengten Gruppen, waren nicht aktionsfähig. 1/2 11 Uhr meldete Stockhammer 350 Mann, Reiter 400 Mann. Sispella meldete Abmarsch der Stumkompagnie I. volle Adjustierung, wurde über Auftrag des Gen. Bauer zurückbeordet. Durch Ordonnanz ließ Z.L. unter den Demonstranten Befehl verbreiten, alle Ordner der nächst erreichbaren Truppe anschließen und mit Legitimation beim Kommandanten melden. Auf diese Weise standen bis 1 Uhr 2.400 Mann im Dienst (*1). Bei dieser Gelegenheit weise ich hin, daß Kreis I nicht mehr als 140 Mann aufbrachte. Leider haben die Intelligenzler (*2) noch nicht die nötige Disziplin. Auch soll festgestellt werden, daß viele Schutzbündler dem Alarmierungsbefehl nicht Folge leisteten, sondern weiter unter den Demonstranten blieben und gegen die im Dienst Stehenden Stellung nehmen. Die oberste Disziplinarkommission hat angeordnet, daß alle jene unnachsichtig vor Disziplinarkommissionen zu stellen seien. Nachdem mit der Polizeidirektion Vereinbarung getroffen worden war, daß Wache zurückgezogen wird und Schutzbund die Ordnung wieder herstellen wird, erteilte die Z.L. an die in und um das Rathaus verteilten Formationen den Befehl zur Säuberung. Während es der unter dem Kommando des Gen. Hendl (*3) stehenden Gruppe gelang, die Lichtenfelsgasse zu säubern und der Feuerwehr den Weg freizumachen, konnte die Hauptgruppe unter Führung des Gen. Pokorny das Gelände vor dem Justizpalast nicht räumen und die Brandlegung nicht verhindern. Es gelang jedoch einer Alsergrunder Kompagnie, ich halte es für meine Pflicht ihrer hier lobend zu gedenken, unter Führung des Gen. Kersch in den Justizpalast einzudringen und nach den Anweisungen des Gen. Kömer das Gebäude zu räumen und Plünderungen zu verhüten. Da die Situation sich immer mehr verschärfte, entschloß sich die Z.L. zu einem Generalangriff gegen die Demonstranten vor dem Justizpalast und zog die inzwischen frei gewordene Gruppe des Gen. Hendl und die inzwischen eingetroffene Abteil. der Hauptwerkstätte der Straßenbahn heran und unter persönlicher Führung Deutsch wurde der Angriff unternommen, der auch zum Ziel geführt hätte, wenn nicht in diesem Augenblick der Gewehrangriff der Polizei erfolgt wäre. Die Z.L. wendete sich sofort an den Parteivorstand um weitere Weisungen bezüglich ob allgemeine Mobilmachung angeordnet werden sollte. Parteivorstand verweigerte die Erlaubnis, darauf ordnete die Z.L. Zurückziehen der Abteilungen in die Bezirke, sowie strenge Bereitschaft an. Die Bataillone konnten bis Abends auf vollen Stand gebracht werden und wurde außerdem ein Aufruf erlassen, daß alle wehrfähigen Männer sich provisorisch zum Schutzbund melden sollen. Es wurden 82 solche Hilfskompanien aufgebracht, die unter Kommando von Schutzbundfunktionären gestellt wurden. Samstag früh um 6 Uhr meldeten alle Bezirke, sowie die Landes- und Kreisleitungen die strenge Bereitschaft, sowie den kompletten Stand. Die Disziplin war wieder hergestellt. Besondere Anerkennung muß ich hier der Garde aus Wiener Neustadt aussprechen; bereits am 15. um 4 Uhr nachm. meldete Gen. Pichler durch Motorradordonanz 3.500 marschbereite Ordner (*4). Mögen alle Gruppen sich an den Wr. Neustädtern ein Beispiel nehmen. Am Abend des 16. beschloß in einer gemeinsamen Sitzung Z.L. und P.V. Aufstellung der Gemeindeschutzwache, da eine allgemeine Bewaffnung vom P.V. abgelehnt wurde. Am 17. um 6 Uhr früh war diese Schutzwache bereits im Hofe des Rathauses formiert, es standen 820 Ordner und 164 Chargen im Dienst, deren Bewaffnung unverzüglich durchgeführt wurde. Am 20. wurde die allgemeine Bereitschaft aufgehoben und nur mehr der Telephondienst weiterbelassen. Das Schneeballsystem hat sich im großen und ganzen bewährt, wenn auch einzelne Mängel, die mit den außerordentlichen Umständen dieser Tage im Zusammenhang stehen in Erscheinung getreten sind. [11 Tote]
Haunhold St. Polten. Im Bericht des Gen. Heinz vermisse Angaben über die letzten Waffenbestände; ferner warum Sturmtruppen zurückbeordert wurden und schließlich bin ich nicht einverstanden, der Schutzbund ist nicht da, um gegen Arbeiter vorzugehen. Meiner Ansicht nach habe ein Genosse in diesen Tagen richtig gehandelt und dies war Gen. Wallisch in Bruck a.d. Mur (*5).
Wallisch, Bruck a.d. Mur : Ich habe am 15. und 16. so gehandelt, wie es mir mein Gewissen vorgeschrieben und hätten alle Instanzen so gehandelt, so würde es in Österreich anders ausschauen. Wir haben ein Debakel erlebt. Schuld an diesem ist die Z.L. Mit dem Arsenal hat es angefangen und mit der Niederwerfung der Arbeiterschaft wird es enden. Klipp und klar, schuld ist Deutsch. Hätte er nicht das Arsenal ausräumen lassen, hätte die Regierung es nie gewagt, mit Waffen anzugreifen. Über alles haben wir Berichte gehört, nur nichts über die noch vorhandenen Waffenbestände. Die Z.L. soll ehrlich sagen, was wir noch haben. Haben wir keine Waffen, so gehen wir lieber nach Hause, denn ohne diese ist der Schutzbund ein Veteranenverein. Die Nordsteir. Ordner, in deren Namen ich spreche, wollen nicht als Kanonenfutter dienen und wenn auch Heinz nur den Wr. Neustädtern besondere Anerkennung weiß, so kann ich sagen, daß die Nordsteirer immer am Platze gewesen sind und es auch sein werden. Nur wollen sie sich auch wehren können.
Heinz, Schlußwort.
Die Z.L. verweigert jede Antwort über vorhandene Waffenbestände. Sie will keinen zweiten Fall Marek erleben. Es mag der Reichskonferenz genügen, daß die Z.L. imstande ist, wenn es nötig sein wird, den Schutzbund ausreichend zu bewaffnen. Was nötig war, wurde durch Aufstellung der Gem. Wache gemacht Die Zurückziehung der Sturmtruppen war wohl erwogen, denn es wäre unmöglich gewesen, die aus jungen heißblütigen Burschen bestehenden Truppen vom Waffengebrauch abzuhalten. Dies hätte zweifellos zum Bürgerkrieg geführt. Es ist nicht Schuld der Z.L. daß ihr nicht genügend Truppen rechtzeitig zur Verfügung standen. Die einzigen, die erreichbar waren, waren die Bataillone vom E.T.O. [Eisenbahner- und Telegraphenordner] konnten nicht heranbeordert werden, da die Z.L. nicht dafür die Verantwortung tragen konnte, Bahnhöfe von Ordnern zu entblößen. Wir wollen nicht über Vergangenes klagen und streiten, sondern alle Kraft dem Ausbau der Organisation anwenden.
Deutsch schließt die vertrauliche Sitzung.
Heinz referiert und schlägt vor, bei Aufnahme in den Schutzbund zweijährige Mitgliedschaft Partei und Gewerkschaft, Nachweisung der physischen Eignung durch ärztliche Untersuchungen, Erhöhung des Aufnahmealters auf 20 und Beschränkung auf 40 Jahre. Ernennung sämtlicher Kommandanten bis zum Schwarmführer herunter und zwar bis Bat.Komm. durch Z.L. bzw. durch L.L., Kompanie-, Zugs- und Schwarmführer durch B.C.K. (*6); statt Generalversammlungen, Jahresversammlungen der Delegierten der Bataillone, wobei jedoch nur Chargen vorzuschlagen sind. Anstelle der Kontrollversammlungen treten Appelle bei welchen U.F. kassiert, Zeitungen und Weisungen ausgegeben werden. Debatten finden keine mehr statt, da jede Politik aus dem Schutzbund zu entfernen ist. Außer den Kontrollappellen, Instruktionsappelle. Suspendierungen vom Dienst bei Verstößen erfolgen nicht mehr durch O.K. (*7), sondern durch Aufnahms- und Suspendierungskommission, die aus pol. Bez. Obmann, Bez.Komm. und zuständigen Bat.Kommand. bestehen. Die Transferierung von Jungordnerzug zum Bataillon findet erst bei der Erreichung des 20. Lebensjahres statt. Die Bez.Org. hat eigene Ausschüsse für die Ziv.Org. einzusetzen und sollen die Kommandanten diesen Ausschüssen nicht mehr angehören, mit Ausnahme des Bez. Kommandanten. Dem nach Genehmigung erfolgten Neudruck der Geschäftsordnung werden neue Bestimmungen für das Wehrsportreglement und zwar Gewehrfechten, Kampf um den Stab etc. eingegliedert werden. Bei strenger Beachtung dieser neuen Bestimmungen wird der Schutzbund eine Schlagkraft erhalten, die ihn für die Reaktion zu einem unüberwindlichen Bollwerk machen wird. Er bittet um Annahme.
Anmerkungen zum obigen Dokument :
1. Ende März betrug der Stand des Wiener Schutzbundes 27.866 Mann ("Die Rote Fahne", 10. Oktober 1931, S. 5).
2. Gemeint sind hier wahrscheinlich Schutzbundeinheiten aus den Inneren Bezirken I, VI, VII, VIII, IX und Teile der Betriebsformation der Gemeindebediensteten (Feuerwehr, Gas und E‑Werke usw.)
3. Dr. Heinrich Heindl, Leiter der Rechtsabteilung in der Arbeiterkammer und Bezirkskommandant des Alsergrunder Schutzbundes. (Mitteilung Prof. Dr. Eduard Rabofsky.) Heindl war bis Dezember 1927 auch Mitglied der Z.L. (AVA, SD Parteistellen, Karton 42).
4. Die Ankunft der "Wiener Neustädter" wurde von Schutzbündlern aus Wien-Rudolfsheim am Westbahnhof und Zur Spinnerin am Kreuz von Ordnern aus Favoriten in den Abendstunden des 15. Juli vergeblich abgewartet. (Oral History Material)
5. Für eine ausführliche Darstellung der Juliereignisse in Bruck an der Mur siehe Garscha/McLoughlin a.a.O., S. 184ff.
6. ["B.C.K." : so im Original] Abkürzung für "Bezirksordnerkommando", dem folgende Funktionäre angehörten: Der Bezirksleiter, dessen Stellvertreter, der Sekretär, der Standesführer, der Nachrichtenreferent, der technische (militärische) Leiter, der Obmann des lokalen Schützenvereines und die Abteilungs- und Unterabteilungsführer des Bezirkes. (AVA, SD Parteistellen, Karton 42)
7. Gemeint ist in diesem Fall wahrscheinlich die oberste Disziplinarkommission bei der Zentralleitung. (Ebenda.)
Extraits du livre "Februar 1934 – Hintergründe und Folgen" de Arnold Reisberg [9]
[En avril 1935, le régime de Schuschnigg fait comparaitre Alexander Eifler et 20 chefs de district et de région du Schutzbund pour haute trahison.]
Im Laufe des Prozesses gegen die Schutzbundführer hat sich herausgestellt, daß es in der Führung des Schutzbundes starke Differenzen über den Charakter und die Taktik des Schutzbundes gegeben hat, was auf die Ursachen der Niederlage bezeichnendes Licht wirft. Damals ist einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, daß der Schutzbundgeneral Theodor Körner schon seit Jahren wegen dieser Differenzen aus der militärischen Leitung des Schutzbundes ausgeschieden war. Diese Differenzen waren mit voller Schärfe bereits im Frühjahr 1928 bei der Beratung der von Körner ausgearbeiteten "Grundsätze für Gewaltanwendung und Bürgerkrieg" zum Ausdruck gekommen. Nicht etwa, daß man sich über die Möglichkeit der Machterlangung durch den Stimmzettel gestritten hätte, es standen sich vielmehr im wesentlichen zwei Auffassungen über die Rolle des Schutzbundes bei einer bewaffneten Auseinandersetzung gegenüber, wobei Körners Gegner vor allem Major Eifler gewesen war. Dieser vertrat mit Berufung auf die Entscheidung des sozialdemokratischen Parteivorstandes nach dem 15. Juli 1927 die Auffassung, daß der Schutzbund eine rein militärische Organisation sein sollte, dem, wie es in der Resolution seiner 5. Reichskonferenz 1927 heißt, "die sozialdemokratische Arbeiterschaft den Schutz der demokratischen Republik…, den Schutz der Rechte, die die demokratische Republik der Arbeiterklasse gesichert hat, gegen jede Vergewaltigung" übertragen hat. Diese rein militaristische Aufgabenstellung war in zweifacher Hinsicht falsch und verderblich. Erstens trennte sie den Schutzbund von den Massen, raubte sie ihm die Basis, auf der allein sein Kampf hätte erfolgreich sein können. Zweitens schuf diese Aufgabenstellung in den Massen die Vorstellung, auf sie komme es nicht an, sie könnten passiv bleiben und sich auf die Aktionen des Schutzbundes verlassen. Körner war vollkommen im Recht, wenn er gegen die militaristische Auffassung ankämpfte, wobei er sich auf Gedanken von Clausewitz, Marx, Engels und Lenin sowie auf die Erfahrungen der russischen Revolution berief. Doch läßt sich bei der Analyse seiner Gedankengänge nicht verhehlen, daß Körner weit davon entfernt war, wirklich bolschewistische Auffassungen zu vertreten. Das zeigte schon sein Ausgangspunkt, nämlich die Frage, wann die Arbeiterschaft zur Gewaltanwendung schreiten dürfte. Auch Körner vertrat die Ansicht, daß die Macht nur legal auf parlamentarischem Wege erlangt werden dürfe, und darüber hinaus verlangte.er, daß man sogar "partiellen Ungesetzlichkeiten der Regierung… nur mit demokratischen Mitteln entgegentreten" dürfe und "unbedingt auf dem Boden der Legalität bleiben" müsse. Gewaltanwendung ließ Körner nur in einem einzigen Fall zu, wenn nämlich die Sozialdemokratische Partei die parlamentarische Mehrheit erreicht habe, von der Bourgeoisie aber an der gesetzlichen Regierungsübernahme gehindert werde. Mit Recht, antwortete Major Eifler darauf, würde dies bedeuten, einem faschistischen oder monarchistischen Staatsstreich vor den Wahlen untätig zusehen zu müssen. Ebenfalls falsch ist auch die Voraussetzung, von der Körner ausging, als er seine taktischen Überlegungen entwickelte. Seine an die Spitze gestellte Behauptung : "Noch niemals in der Geschichte hat das Volk einen wirklichen Sieg über das Militär im Straßenkampf errungen", ist historisch unhaltbar. Daher stand auch seine Forderung : "Die passive Verteidigung ist zunächst diejenige Kampfform, die anzuwenden ist", im Widerspruch zu den aus den Erfahrungen der vorangegangenen Bürgerkriege von Marx und Lenin gewonnenen Erkenntnis, daß die Defensive der Tod des Aufstandes sei.
[…]
Mit unerbittlicher Schärfe kritisierte Körner auch die einzelnen von Major Eifler und Julius Deutsch ausgearbeiteten Aktionspläne für verschiedene Gelegenheiten. So verurteilte er die "technische Anweisung" vom Jahre 1929, die für Wien eine "Räumung der inneren Bezirke, Befestigung der Gürtellinie und Verteidigung der Proletarierbezirke" vorsah. Den Aktionsplan für die Steiermark von 1931 nannte Körner "nackten, schematischen Militarismus" und "ganz dieselbe Gedankenwelt, wie bei den Heimwehroffizieren, die am 13. September geputscht haben".
[…]
Körners Vorstellungen sind stark von einer falschen Spontaneitätstheorie beeinflußt. Er ging dabei so weit, Eifler vorzuwerfen, daß sein Aktionsplan den Schutzbund zu Ungesetzlichkeiten aufhetzte, was Körner "ein Verbrechen an der Arbeiterschaft" nannte. Damit hatte Körner doppelt unrecht, weil ja auch Eifler nur an eine Verteidigungsaktion dachte.
Extraits du livre "Februar 1934 in Österreich" de Winfried Garscha et Hans Hautmann [10]
Durch den "Schutzbundprozeß" 1935 wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, daß es in der Führung dieser proletarischen Wehrformation zu tiefgehenden Differenzen über ihren Charakter und ihre Aufgaben gekommen war. Stabschef Alexander Eifler sah, ganz im Einklang mit dem sozialdemokratischen Parteivorstand, im Schutzbund eine rein militärische Organisation, deren Aufgabe es sei, den ihr von der Arbeiterschaft übertragenen "Schutz der demokratischen Republik gegen jeden monarchistischen oder faschistischen Anschlag, den, Schutz der Rechte, die die demokratische Republik der Arbeiterklasse gesichert hat, gegen jede Vergewaltigung" zu gewährleisten[11]. Diese Grundposition nährte unter den Arbeitern die Illusion, sie könnten im Falle einer Auseinandersetzung passiv bleiben und sich auf die Aktionen des Schutzbundes verlassen. General a. D. Theodor Körner (in der Zweiten Republik von 1951 bis 1957 Bundespräsident), der mehrere Jahre als militärischer Berater der Schutzbundleitung fungierte, ohne jedoch mit seinen Vorstellungen durchzukommen, kritisierte die "Entpolitisierung des Schutzbundes" und seinen "nackten, schematischen Militarismus" mit aller Schärfe. Seiner Ansicht nach sollte der Schutzbund jede Nachahmung der Kampfmethoden des Gegners vermeiden und in keine offene Konfrontation mit ihm treten. Er forderte, "alle in der Masse der Arbeiter schlummernden Kräfte aufzuwecken, zusammenzufassen und zu organisieren; alle möglichen Fälle durchzudenken, um Selbständigkeit, Selbsttätigkeit, Selbstbewußtsein und damit Sicherheit im Bürgerkrieg und um Selbständigkeit, Selbsttätigkeit, Selbstbewußtsein und damit Sicherheit im Bürgerkrieg und Kampf zu erzielen"[12]. Nur auf der Grundlage der Einbeziehung der gesamten politischen und gewerkschaftlichen Bewegung und der breitesten Massen des Volkes in den Kampf könne der Schutzbund als bewaffneter, vorwärtstreibender Vortrupp reale Wirksamkeit entfalten.
*
Divergences Körner -Eifler
Eifler quitte l’armée fédérale à l’automne 1927 et devient chef de l’état-major technique (militaire) du Schutzbund. Les discussions sur les préparatifs à l’usage de la force donnent lieu à des réflexions contradictoires, présentées notamment par Eifler d’une part, et Körner d’autre part. Körner présente au printemps 1928 des "principes pour le recours à la violence et la guerre civile". Eifler répond par des "remarques sur le texte : “Principes pour l’usage de la force et la guerre civile”". En raison de ces divergences d’opinion, Körner quitte le Republikanischer Schutzbund en avril 1930.
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● Extraits de Theodor Körner, "Grundsätze für Gewaltanwendung und Bürgerkrieg" (1928) [13] :
III. Ungesetzlichkeiten der Regierung
Solange die bürgerliche Mehrheit besteht und diese die Regierungsgewalt ausübt, kann sie über den ganzen staatlichen Gewaltapparat verfügen. Die Arbeiterklasse kann und darf den Kampf gegen die reaktionären Bestrebungen nur mit demokratischen Mitteln führen. Alles andere ist ungesetzlich und trifft formal-gesetzlichen Widerstand. Je mehr Erfolge die S.d.P. auf demokratischem Wege erringt, je mehr die S.D. Arbeiterpartei an die Machtergreifung im Staate herankommt, um so brutaler wird die Reaktion werden. Um so öfter wird die Regierung selbst die Gesetzlichkeit verletzen. Solange die Verletzung der Demokratie und der Gesetze durch die Regierung und deren Organe partiell sind, einzelne Körperschaften oder einzelne Länder betrifft, ohne die Masse des Volkes in seinen Lebensinteressen zu treffen, solange wird sich das Volk Ungesetzlichkeiten gefallen lassen. Selbst partiellen Ungesetzlichkeiten der Regierung kann die S.d.P. nur mit demokratischen Mitteln entgegentreten und darf sich nicht zu Ungesetzlichkeiten hinreißen oder zur Gewaltanwendung auf die Straße locken lassen, die den der bürgerlichen Mehrheit und der bürgerlichen Regierung unterstehenden Gewaltapparat ganz gesetzmäßig zur Gegenwirkung auslöst. Die S.D. muß unbedingt auf dem Boden der Gesetzlichkeit bleiben.
IV. Bürgerkriegsfall
Der Bürgerkrieg kommt nur in Betracht, wenn die S.d.P. durch Wahlen die Mehrheit erreicht, die dann bestehende bürgerliche Minderheit aber den Gewaltapparat dazu gebrauchen würde, um ungesetzlich weiter zu regieren, um der S.D. die Ausübung der Macht in der Gesetzgebung und Verwaltung zu verhindern. Dann muß die bürgerliche Minderheit versuchen, die Verfassungsgesetze zu ändern, um anders regieren und an der Macht bleiben zu können. Dann erst ist der Fall des Bürgerkrieges gegeben. Und auch dann nur, wenn in der Mehrheit des Volkes in Wahrheit der Wille steckt, sich einen Verfassungsbruch nicht gefallen zu lassen.
V. Die Gewalt im Bürgerkrieg
Welche Gewalten stehen einander im Bürgerkrieg gegenüber? Angenommen der schlechteste Fall : Bürgerliche, entschlossene Minderheit, die über den staatlichen Gewaltapparat gegen die S.d. Mehrheit verfügen wollte, gegenüber der s.d. Mehrheit. Wann kann es zur Gewaltanwendung kommen? Doch nur dann, wenn alle demokratischen, gesetzlichen Versuche, die Regierungsmacht zu ergreifen, scheitern würden und wenn die allgemeine Volksmeinung, die Volksmehrheit darüber so erregt ist, daß sie sich eine Vergewaltigung auf keinen Fall bieten lassen und das Volk auch gewillt ist, bei der Gewaltaustragung mitzugehen. D. h. nur dann wird es zum Bürgerkrieg kommen dürfen, kommen können und kommen müssen, wenn in der Masse des Volkes die Entschlossenheit zur gewaltsamen Austragung des staatlichen Konfliktes steckt.
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● Extraits de Eifler, "Bemerkungen zu dem Elaborat : “Grundsätze für Gewaltanwendung und Bürgerkrieg”"[14] :
2. Bürgerkriegsfall
Daß die Arbeiterschaft erst dann zur Gewalt greifen darf, wenn sie nach erfolgten Wahlsiegen die Mehrheit im Parlament errungen hat, ist ganz neu. Nach den Ausführungen des Elaborates müßte auch die jetzt schon bestehende starke Minderheit der sozialdemokratischen Partei ruhig zusehen, wenn die dermalige bürgerliche Mehrheit es für gut fände, ihre Macht im Wege einer Diktatur zu sichern. Bisher hieß es immer, der Bürgerkrieg könne durch irgendein Ereignis beliebiger Natur zum Ausbruch gelangen. Ein Verkehrsstreik, ein Streik in lebenswichtigen Betrieben, ein Attentat oder sonst ein unvorhergesehenes Ereignis kann auch heute, wo wir doch eine Minderheit im Staat sind, Anlaß zum Ausbruch eines Bürgerkrieges geben. Der Fall des Bürgerkrieges kann also heute oder morgen gegeben sein, er kann eintreten, wenn gerade niemand ihn erwartet u. z. wegen irgendeines beliebigen Anlasses, er kann aber auch eintreten, wenn die Gegner einsehen, daß für sie alle Aussichten auf einen Sieg im Wege von Wahlen geschwunden sind und wenn sie mit Hilfe der Gewalt ihre schwindende Macht befestigen wollen. […]
5. Technik des Bürgerkriegs :
[…] Wir müssen alles tun, um uns verteidigen zu können, verteidigen können wir uns aber gegen einen militärisch geführten Angriff nur wieder mit militärischen Gegenmaßnahmen, und auch das Elaborat weiß nichts darüber zu sagen, was denn für Mittel in Anwendung zu bringen wären, wenn Seipel die Diktatur ausruft und Polizei und Wehrbund zur Bekräftigung seines Willens in den Straßen aufmarschieren.
● Le "Eifler-Plan"[15] :
Im Juli 1927 wurde Alexander Eifler von der Sozialdemokratischen Partei nahegelegt, in den Dienst des Schutzbunds zu treten. Als beim Brand des Justizpalastes der Schutzbund versagte, hat Eifler den Auftrag von der Parteileitung erhalten, den Schutzbund zu organisieren und zur Disziplin anzuhalten. Er hat ein Organisationsprogramm erstellt, welches in Wien und in ganz Österreich eine bedeutende Rolle spielte. Es wurde ein Kampfplan entworfen und die Schutzbündler ausgebildet, 1931 wurde Eifler Stabschef des gesamt en österreichischen Schutzbunds, ausgenommen Oberösterreich, dort war Richard Bernaschek Schutzbundführer. "Begonnen sollte mit Demonstrationen, Teilstreiks und dem Generalstreik werden, dabei müßte aber auch die Bewaffnung der Menschen erfolgen. Die Masse sollte wissen, daß nur brutales Vorgehen und Todesverachtung zum Siege führen kann. Nicht Verteidigung, sondern Angriff ist die Losung". Eifler sah vor, die Offiziere des Bundesheeres und der Polizei sofort zu verhaften. Die Truppen in den Kasernen sollten in der Nacht überrumpelt oder abgeriegelt werden. Neben der Ausschaltung der wichtigsten Dienstsysteme wie Radio, Telefon usw. sollten auch das Verkehrsnetz für Straßen- und Eisenbahnen, sowie Wasserleitungen und Beleuchtungssysteme, Brücken und Hauptstraßen beachtet werden. Beim Aktionsplan für Wien sollte außer der bekannten Gürtellinie : Donaukanal – Schlachthausgasse – Gürtel – Donaukanal, welcher der Abschnürung der inneren Bezirke dient, auch ein äußerer Verteidigungsgürtel angelegt werden, der die Bezirke 10 (Favoriten) bis 19 (Döbling) umfaßt. Es werden auch allgemeine Bestimmungen für einen Straßenkampf genannt, sowie eine Hauptpostenstellung rund um Wien mit etwa 2.800 Mann Schutzbündlern. Gegen diesen Plan hat der ehemalige Generalstabsoffizier, General Theodor Körnen, wie bereits erwähnt, protestiert. Er wollte keine Straßenkämpfe, da er meinte, man könnte gegen ein gut ausgebildetes Bundesheer nicht standhalten oder siegen. Theodor Körner zog sich aus der Leitung des Schutzbunds zurück, nicht ohne vorher seine Bedenken Julius Deutsch und Karl Renner mitgeteilt zu haben. Dieser "Eifler-Plan" konnte nicht annähernd eingehalten werden, da die Regierung und besonders der Vizekanzler und Heimwehrführer Emil Fey bereits am 2. und 3. Februar die militärischen Schutzbundführer Eifler und Löw sowie die wichtigsten Kreis- und Bezirksführer verhafteten.
Die Unterführer verfügten über keine Angriffspläne, auch hatten einige keine Kenntnis, wo die Waffenverstecke lagen. Da auch nur einzelne Streiks stattfanden und der Generalstreik nicht annähernd durchgeführt wurde, konnten mit der Bahn Regierungstruppen aus den Bundesländern nach Wien gebracht werden. Damit war der Aufstand von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Viele wollten an den Erfolg des Aufstandes nicht glauben, was auch ein Grund dafür war, an den Sammelplätzen nicht zu erscheinen, bzw. zu kämpfen.
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● Lettre du député social-démocrate Theodor Körner, ancien général ayant quitté le service, aux dirigeants du Parti social-démocrate autrichien (1931) [16] :
An die Genossen Seitz, Bauer, Danneberg, Deutsch Wien V, Rechte Wienzeile 97
Wien, den 7. Dezember 1931
Da die Parteigenossen mit anderer Arbeit überhäuft sind und nie Zeit haben zu einer gründlichen Aussprache für Angelegenheiten, die ihnen etwas ferner liegen, erlaube ich mir, den Genossen meine Ansicht über das gefährliche Treiben Eiflers im Schutzbund schriftlich niederzulegen. Da es sich bei Entscheidungen für den Schutzbund um das Leben und Schicksal von Proletariern handelt und im weiteren Sinne auch um das Schicksal der Partei, bitte ich die Genossen, meine Ausführungen mit Geduld zu lesen und zu prüfen. Ich stehe natürlich für jede Erklärung und Ergänzung zur Verfügung. Eifler hat einen Aktionsplan für den Schutzbund von Obersteiermark verfaßt und dem technischen Leiter für Steiermark, Rosenwirt, als Muster gegeben, wie Operationspläne für den übrigen Bereich von Steiermark auszuarbeiten seien. Eifler hat schon seit Wochen in den Bezirken Obersteiermark im Sinne dieses Aktionsplanes Schule gehalten. Die übrigen Länder sollen später ähnliche Operationspläne erhalten. Da Eifler angibt, die Aktionspläne hätten die Zustimmung des Präsidiums von Parteivorstand, Gewerkschaftsvorstand und Zentralleitung, wird damit jede Kritik ausgeschaltet. Dieses ist besonders gefährlich […] Die Genossen gestatten, daß ich in aller Schärfe den Aktionsplan für einen Unsinn und ein Verbrechen an der Arbeiterschaft bezeichne, der die größte Gefahr für Heraufbeschwörung eines neuen 15. Juli birgt und der Partei unermeßlichen Schaden zufügen kann. Der Schutzbund wird zu Ungesetzlichkeiten aufgeheizt, statt daß man die Gesetzlichkeit als Grundlage für die ganze Tätigkeit des Schutzbundes nimmt. […]
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Procédure contre Alexander Eifler et d’autres pour haute trahison
Im April 1935 stellt das Schuschnigg-Regime Alexander Eifler und 20 Kreis- und Bezirksführer des Schutzbundes wegen Hochverrats vor Gericht. 16 der Angeklagten sind bereits vor dem 12. Februar 1934 verhaftet worden, und keinem von den anderen ist eine Teilnahme an den Kämpfen nachzuweisen. Die Anklage gibt vor, daß eine "großzügige Aufrüstungsaktion" durchgeführt worden sei, und daß auf einer Sitzung in der Parteizentrale im Jänner 1934 der Aufstand gegen die Regierung beschlossen worden sei. Am 2. April 1935 beginnt die Hauptverhandlung. Nach zwei Wochen halten Staatsanwalt und Verteidiger ihre Plädoyers. Im Anschluß erklärt Eifler im Namen aller Angeklagten[17] : "daß wir nie die Absicht hatten, Hochverrat zu üben. Wir waren stets bedacht, die republikanische Staatsform und die Verfassung zu schützen."
En avril 1935, le régime Schuschnigg traduit Alexander Eifler et 20 chefs de district et de circonscription du Schutzbund devant les tribunaux pour haute trahison. Seize des accusés avaient déjà été arrêtés avant le 12 février 1934 et pour aucun des autres une participation aux combats n’a pu être prouvé. L’accusation prétend qu’une "vaste opération de réarmement" a été menée et que, lors d’une réunion au siège du parti en janvier 1934, il a été décidé de se soulever contre le gouvernement. Le procès s’ouvre le 2 avril 1935. Après deux semaines, le procureur et les avocats de la défense présentent leurs plaidoiries. À l’issue de celles-ci, Eifler déclare au nom de tous les accusés : "Nous n’avons jamais eu l’intention de commettre un acte de haute trahison. Nous avons toujours eu à coeur de protéger le régime républicain et la Constitution."
Extrait du livre "Der Aufstand der österreichischen Arbeiter – Seine Ursachen und seine Wirkungen" de Otto Bauer[18]
Als 1918 das alte Habsburgerreich zerfiel, als es der im Gefolge seines Zerfalles entstandenen Republik nichts als einen verlorenen Krieg, ein zertrümmertes Wirtschaftsgebiet, furchtbarste Lebensmittelnot, rasend fortschreitende Geldentwertung als sein Erbe hinterlassen hatte, damals hat sich die große Umwälzung in Oesterreich viel ruhiger vollzogen als in den Nachbarstaaten. Damals ist es der österreichischen Sozialdemokratie gelungen, ohne Gewalt, durch das friedliche Mittel des überzeugenden Wortes die wilde Erregung der aus dem Blut und Dreck der Schützengräben heimkehrenden, in der wiedergefundenen Heimat hungernden Massen zu beschwichtigen und sie friedlicher Aufbauarbeit nutzbar zu machen. In der Zeit, in der Oesterreich zwischen der ungarischen und der bayrischen Rätediktatur lag, blieb es eine Insel des Friedens, während östlich und westlich von Oesterreich Blut in Strömen floß. Und dieselben Männer, die damals, auf dem Höhepunkt ihrer Macht, hungernde Massen zu solcher Selbstbeherrschung, zu so friedlicher Mäßigung bewogen haben, stellt jetzt die Kriegslüge des triumphierenden Faschismus als eine Bande blutrünstiger Verbrecher hin, die nichts anderes im Sinne gehabt hätten, als ihr Land in eine blutige Katastrophe zu stürzen!
[1]. SDAPDÖ, Bericht der Parteivertretung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs an den Parteitag in Wien, 1922; Wien, Verlag Skaret, 1922; S. 10.
[2]. SDAPDÖ, Protokoll des Parteitages der Österreichischen Sozialdemokratie 1923; Wien, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1923; S. 35.
[3]. Wolfgang Maderthaner und Siegfried Matte, Wehrhaftigkeit – Schutzbund – Antifaschismus, S. 82.
[4]. Ilona Duczynska, Der demokratische Bolschewik : zur Theorie und Praxis der Gewalt; Berlin, List Verlag, 1975; S. 114.
[5]. "Der Schutzbund", No 1927, Verhandlungsbericht der Fünften Reichskonferenz; S. 164‑172.
[6]. Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung (V.G.A.), Faszikel 81.
[7]. Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung (V.G.A.), Mappe 29.
[8]. Wolfgang Maderthaner (Hrsg.) : Archiv – Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, Jg. 3, 1987, S. 168.
[9]. Arnold Reisberg, Februar 1934 – Hintergründe und Folgen; Wien, Globus Verlag, 1974; S. 190.
[10]. Winfried Garscha und Hans Hautmann, Februar 1934 in Österreich; Berlin, Dietz Verlag, 1984; S. 168.
[11]. Cit. dans : Ilona Duczynska : Theodor Körner und der 12. Februar. In: Österreich 1927 bis 1938. Protokoll des Symposiums in Wien, 23. bis 28. Oktober 1972, Wien 1973, S. 111.
[12]. Cit. dans : Eric C. Kollmann : Theodor Körner. Militär und Politik, Wien 1973, S. 205.
[13]. Wolfgang Huber, Johannes Schwerdtfeger (Hrsg) : Frieden, Gewalt, Sozialismus; Stuttgart, Klett, 1976; S. 484.
[14]. Op. cit., S. 490.
[15]. Josef Fiala, Die Februarkämpfe 1934 in Wien Meidling und Liesing : Ein Bürgerkrieg, der keiner war; Hamburg, Diplomica Verlag, 2013.
[16]. Kurt Peball, Die Kämpfe in Wien im Februar 1934, Ausgabe 25 von Militärhistorische Schriftenreihe; Wien, Österreichischer Bundesverlag, 1974; S. 55.
[17]. Karl Stadler, Sozialistenprozesse – politische Justiz in Österreich, 1870-1936; München, Europa Verlag, 1986.
[18]. Otto Bauer, Der Aufstand der österreichischen Arbeiter – Seine Ursachen und seine Wirkungen; Prag, Verlag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, 1934; S. 4.