|
Autriche 1918 – 1945 |
Fey et la Heimwehr, Janvier-Février 1934
Emil Fey a fondé la Heimwehr de Vienne en 1927. En 1930, alors qu’il était depuis longtemps un dirigeant du Parti chrétien-social, il fusionna la Heimwehr qu’il dirigeait avec les chrétien-sociaux sous le nom de "Parti chrétien-social et Heimwehr" et devint le chef de la Heimwehr à Vienne. Du 17 octobre 1932 au 10 mai 1933, il fut secrétaire d’État à la Sécurité publique, puis ministre fédéral de la Sécurité publique jusqu’au 21 septembre. Le 21 septembre 1933, il devint vice-chancelier sans portefeuille (jusqu’au 1er mai 1934).
Durant le mois précédant le 11 février 1934, la presse social-démocrate clandestine met en garde contre les dangers à venir[1]. Par exemple, "Ruf der Wahrheit", 19 janvier 1934 : page 3, un article "Warnung! Bürgerkrieg droht". Enfin, "Ruf der Freiheit", dans son dernier numéro du 11 février 1934 : un éditorial intitulé "Staatsstreichpläne in Wien und Innsbruck – Der Bürgerkrieg unmittelbar vor dem Ausbruch", et la page 5 "Was tun, wenn die Nazis losschlagen? – Dann gilt es, sie mit allen Kräften niederzuschlagen!"
Le 26 mai 1933, une police auxiliaire, le "freiwillige Schutzkorps", avait été formée à partir de membres de la Heimwehr; elle est placée sous l’autorité du ministre de l’Intérieur Fey.
Le 3 février 1934, le "Schutzkorps" commence à être renforcé par des milliers d’hommes de la Heimwehr, qui sont cantonnés dans le centre-ville de Vienne, où ils sont chargés de surveiller les bâtiments importants de l’État. Le 10 février, le vice-chancelier Fey retire au maire de Vienne (Karl Seitz, social-démocrate) et aux organes élus de Vienne toutes les affaires de sécurité publique et charge le commissaire de police de Vienne, Eugen Seydel, de cette mission en tant que commissaire fédéral de sécurité[2].
Fey avait adressé une demande à l’état-major hongrois concernant la livraison de 1,5 million de cartouches Ogival neuves pour les anciens stocks d’armes de la guerre mondiale, afin d’assurer l’état d’alerte des unités de rapatriement[3]. L’envoi souhaité de munitions arrive en Autriche le 6 février.
Le 11 février 1934, après un exercice sur le terrain à Lang-Enzersdorf près de Vienne, les équipes d’une section viennoise du Heimatschutz se rassemblent devant le monument aux morts de la localité pour rendre hommage aux morts de la Première Guerre mondiale. Le vice-chancelier Fey et le secrétaire d’État à la défense, le colonel général Alois Schönburg-Hartenstein, assistent à la manifestation.
Fey, discours, 11 février 1934 à Lang-Enzersdorf [4] :
Ich will am Grabe altösterreichischer Soldaten keine politische Rede halten. Ich möchte Ihnen nur sagen, daß wir dieselben Aufgaben und Pflichten haben wie die Helden des großen Krieges: Zu kämpfen für unser Vaterland und, wenn es gilt, für das Vaterland auch zu sterben. Ihr Heimatschützer habt brav gekämpft und darum habt ihr Anspruch auf Lob und Anerkennung, die euch das Vaterland nicht versagen wird. Ich kann euch beruhigen, die Aussprachen von vorgestern und gestern haben uns die Gewißheit gegeben, daß Kanzler Dr. Dollfuß der Unsrige ist. Ich kann euch noch mehr, wenn auch nur mit kurzen Worten, sagen : Wir werden morgen an die Arbeit gehen und wir werden ganze Arbeit leisten für unser Vaterland, das nur uns Österreichern allein gehört, das wir uns von niemandem nehmen lassen und für das wir kämpfen wie jene Helden, die wir grüßen mit dem Gruße : Heil Österreich!
(Bericht der Reichspost in dem Montag, 12. Februar, erschienenen Blatt. Wiedergabe nach dem von der Pressestelle des Heimatschutzes ausgegebenen Wortlaut.)
"Berliner Tagblatt, 12 février 1934 [5] :
(zeitgleich mit dem Ausbruch der Kämpfe in Linz)
Wie die United Press von zuständiger Stelle erfährt, wurde in den Konferenzen, die Bundeskanzler Dollfuß in den letzten Tagen mit verschiedenen Vertretern der Heimwehr und anderen Organisationen der Vaterländischen Front abhielt, die Durchführung folgender Maßnahmen beschlossen:
1. Auflösung der Länderparlamente und der Landesregierungen, soweit sich diese nicht selbst auflösen;
2. Absetzung der Landeshauptleute in Wien, Kärnten und Burgenland *;
3. Auflösung der Gemeindeparlamente;
4. Auflösung der politischen Parteien.
Wann diese Maßnahmen zur Durchführung gelangen werden, ist noch nicht entschieden. Wahrscheinlich beginnt diese Aktion noch vor Mitte dieser Woche. […]
[* c’est-à-dire tous les Landeshauptleute appartenant au Parti social-démocrate.]
Extraits de l’article susmentionné de "Ruf der Freiheit" du 11 février[6] :
Staatsstreichpläne in Wien und Innsbruck.
Der Bürgerkrieg unmittelbar vor dem Ausbruch.
Ein Schritt des englischen und französischen Gesandten bei Dollfuß.
Oesterreich ist in den letzten Tagen hart an der Katastrophe des Bürgerkrieges vorbeigegangen. Ein Staatsstreich drohte in Wien und in Innsbruck, drohte einer ahnungslosen Bevölkerung, deren Presse unterdrückt, deren Wort geknebelt und die darum unvermögend ist, die Gefahren zu alarmieren.
Wir aber, die wir frei sprechen könnten, wollen die fünf kritischen Tage vom 1. bis 5. Februar darstellen, jene fünf Tage, da jeder Abend voll Ungewißheit war, ob der Morgen nicht das Entsetzen des Bürgerkrieges entfeßle.
Feys Vorbereitung des Staatsstreichs.
Just an dem Tage, da sich in Frankreich der Sturz der Regierung Chautemps ankündigte, am 27. Jänner, alarmierte Fey die Welt mit der Erklärung, daß "die Zeit der Entscheidung wirklich heranrückt". Dieser Alarmruf des Vizekanzlers wurde sofort von den Heimwehrführern aufgenommen, man redete dem Volk ein, daß die Nazi am 30. Jänner einen Putsch unternehmen würden, Oesterreich und die Welt wurden in eine Panikstimmung gehetzt.
Heute weiß man, daß Fey und Dollfuß diese Panikstimmung planmäßig erzeugt hatten, nicht weil ein Putsch der Nazi drohte, sondern weil sie selbst einen Putsch gegen die Verfassung vorhatten und diese Stimmung ihnen nur den Vorwand schaffen sollte, für das Aufgebot der Heimwehr, mit dem sie den Staatsstreich unternehmen wollten. Unter dem Vorwand des Naziputsches also wurden die Heimwehren in allen Städten und Ortschaften zusammengezogen, bewaffnet – Oesterreich glich einem vom Feinde besetzten Land.
[…] am 1. Februar wurde bekannt, daß Dollfuß für den 3. Februar die Besetzung des Wiener Rathauses und die Einsetzung eines Regierungskommissärs plant.
Am Tag zuvor, also am 31. Jänner erließ der Bundeskanzler einen Aufruf, in dem er neuerdings auf die Putschgefahr der Nazi hinwies und unter diesem Vorwand die Enthebung der verfassungsmäßigen Sicherheitsorgane der Länder und Gemeinden und ihre Ersetzung durch Organe des Herrn Fey anordnete.
Am nächsten Tag, am 1. Februar , kam es zu jener "Revolte" der Tiroler Heimwehr, die im Wege des Staatsstreiches die Landesverfassung aufheben und den Faschismus von Tirol aus in ganz Oesterreich aufrollen sollte.
Der Plan der Herren Dollfuß und Fey war also dieser : […]
Die aufgebotene und bewaffnete Heimwehr zunächst in Tirol "revoltieren", durch sie dort den Staatsstreich unternehmen zu lassen, den Landtag auseinanderzujagen, die verfassungsmäßige Landesregierung abzusetzen und die Macht im Lande in den Händen der Heimwehr zu konzentrieren.
[…]
Gleichzeitig sollte aber in Wien der Schlag gegen das Rathaus geführt, das Rathaus besetzt und die verfassungsmäßige Wiener Regierung verjagt werden.
[…]
Es erhebt sich die Frage, warum gerade die Zeitspanne vom 27. Jänner bis 5. Februar vom Herrn Dollfuß für den Staatsstreich gewählt wurde.
Dieses Rätsel löste blitzartig ein Telegramm des "Prager Tagblatt" vom 3. Februar. [voir plus bas ►] Aus diesem Telegramm erfuhr die staunende Welt, was in Wahrheit den Anstoß zu dem Staatsstreich der Herren Dollfus und Fey gegeben hat.
Am 26. Jänner wurde bekannt, daß der Sturz der Regierung Chautemps unmittelbar bevorstünde.
An diesem Tage faßten Dollfuß und Fey den Plan, die französische Regierungskrise zum Staatsstreich in Oesterreich auszunützen.
Am nächsten Tag hielt Fey die alarmierende Rede, am Tage darauf erfolgte das Heimwehraufgebot, zwei Tage später kam der Aufruf des Dollfuß’ und die Absetzung der autonomen Sicherheitsorgane und am Tag darauf die "Revolte" in Tirol.
[…]
Dollfuß, Janvier-Février 1934
Prager Tagblatt, 3 Février 1934, p. 2 [7] :
Paris über Tirol Beunruhigt
Anfragen an Dollfuß
Wien. Gestern sprachen der englische und der französische Gesandte beim Bundeskanzler vor, um ihn über die Vorfälle in Innsbruck zu befragen. Gegenüber dem französischen Gesandten soll sich Bundeskanzler Dr. Dollfuß geäußert haben, daß er sich angesichts der geänderten politischen Lage in Frankreich nicht mehr durch die Verpflichtungen gebunden fühle, die er seinerzeit dem damaligen französischen Außenminister gegenüber eingegangen sei, nämlich keine entscheidenden Maßnahmen gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen. Der französische Gesandte Puaux soll dieser Auffassung des Bundeskanzlers entgegengetreten sein und gemeint haben, daß der Regierungswechsel in Frankreich kein Anlaß sei, diese Zusicherung zurückzunehmen. Jedenfalls ist vorgestern um halb zwölf Uhr nachts der sozialdemokratischen Parteileitung in Innsbruck von der Landesregierung mitgeteilt worden, sie möge die Forderung der Heimwehr auf Auflösung der sozialdemokratischen Partei als nicht gestellt betrachten.
*
Du 18 au 20 janvier 1934, le sous-secrétaire d’État italien Suvich est en visite à Vienne. À son retour, il adresse une lettre à Dollfuß le 26 janvier. Il en ressort clairement comment il faut comprendre la préoccupation de Frey concernant l’indépendance de l’Autriche face aux national-socialistes allemands, à savoir comme un lien étroit avec le fascisme italien. Suvich formule également ouvertement l’orientation politique qui doit être à la base de cette relation entre l’Autriche et l’Italie, et dont découlent logiquement les évènements des journées de février.
Suvich, sous-secrétaire italien – lettre à Dollfuß, 26 janvier 1934 [8] :
Streng vertraulich, persönlich. Rom, 26. Jänner 1934. Nach meinem kurzen Aufenthalt in Österreich, der in mir so angenehme Erinnerung zurückließ, nach Italien zurückgekehrt, habe ich mich beeilt, meine Eindrücke dem Regierungschef vorzutragen. In erster Linie habe ich ihm gesagt, ich hätte den Eindruck gewonnen, daß die Regierung in der Lage ist, die Situation zu beherrschen, obwohl diese, insbesondere in der Provinz, an einem kritischen Punkte angelangt sei; ferner, daß die Kraft der Regierung in einem Augenblick so starker politischer Spannungen vor allem auf der bewaffneten Macht und den Heimwehren beruhe, daß die Unterstützung der Heimwehren unentbehrlich sei, um den Eindruck einer Reaktion auch von Seite der Bevölkerung gegen die Nazi zu geben; daß die Aktivität der Heimwehren sowie auch die anderer Organisationen derselben Art, die der Regierung günstig gesinnt sind, die notwendige Bedingung dafür sei, daß die bewaffneten Kräfte und auch die der öffentlichen Sicherheit der Regierung die Treue halten, da diese sonst sich in der öffentlichen Meinung isoliert fühlen würden. Ich habe beigefügt, daß ich hingegen den Eindruck eines ziemlich weitverbreiteten Unbehagens wegen einer gewissen Untätigkeit der Regierung und wegen der in dem Erneuerungswerk eingetretenen Verzögerung gehabt hätte; ferner, daß die aktiven Kräfte und insbesondere die jugendlichen Anhänger der Regierung bereit wären, der Regierung ihr Vertrauen zu erhalten, jedoch nur, wenn eine größere Entschiedenheit und Präzision im Erneuerungswerk sichtbar werden würde, welches sich auf einige genau umrissene Grundlinien stützt: den Kampf gegen den Marxismus, die Reform der Verfassung in einem antiparlamentarischen und korporativen Sinne, die Beseitigung der Parteien und die Stärkung der Vaterländischen Front; schließlich, daß der Augenblick, um dieses entschiedenere Werk in Angriff zu nehmen, nicht weiter hinausgeschoben werden könne. Es war auch mein Eindruck, daß die große Popularität, die der Bundeskanzler anläßlich seines ersten Auftretens im politischen Leben Österreichs gefunden hat, vor allem der Überzeugung entsprungen ist, daß er der neue Mann ist, der mit all dem Schutt des ehemaligen demokratischen Österreich reinen Tisch zu machen vermag; weiters, daß es nötig ist, in dieser Beziehung der österreichischen öffentlichen Meinung absolut keine Enttäuschungen zu bereiten, damit sie sich nicht den Nazi zuwende, bei welchen sie einen strammen Erneuerungswillen erblickt. Eine Haltung in diesem Sinne, d. h. entschiedenen Erneuerungswillens, habe die Abwehr gegen den Terrorismus der Nazi gerechtfertigt, welche Abwehr nun mit der allergrößten Energie durchgeführt werden muß. In dieser Hinsicht ist der Umstand, daß die oberste Leitung über alle polizeilichen Kräfte dem Vizekanzler Fey übertragen worden ist, ein Motiv der Beruhigung. Unter dieser Bedingung, habe ich dem Regierungschef erklärt, halte ich die Sache der österreichischen Unabhängigkeit und des durch Euer Exzellenz verkörperten Regimes für rettbar. […]
Considérations sur les étapes de la préparation
de l’action déclenchée ouvertement le 11 février[9]
Ausgelöst durch einen Finanzskandal und angeheizt durch die Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit kam es am 6. und 7. Februar 1934 in Paris zu schweren Straßenschlachten mit zahlreichen Toten und Verletzten. Auf die Linksregierung Daladier folgte ein Kabinett unter dem Konservativen Doumergue. Für Montag, den 12. Februar war ein Generalstreik angekündigt. Frankreich als stärkste Schutzmacht der österreichischen Sozialdemokratie war handlungsunfähig. Überlegungen, das Dollfuß-Regime habe die chaotische Lage in Frankreich genützt, um den Druck auf die Sozialdemokraten weiter zu verstärken, sind plausibel.
Am 9. und 10. Februar druckten sämtliche Blätter die amtlichen Mitteilungen über die Waffensuchaktionen in sozialdemokratischen Parteihäusern und die Verhaftungen von führenden Funktionären des Schutzbundes. Es hieß, dass die Polizei ihre Nachforschungen weiter betreiben würde und es nicht ausgeschlossen sei, dass diese Aktionen zu "bisher nicht abzusehenden politischen Weiterungen" führen könnten. Die Arbeiterschaft werde davor gewarnt, sich zu "Demonstrationen irgendwelcher Art" verleiten zu lassen. Es folgte der Verweis auf eine Ende April 1933 erlassene Verordnung, die hohe Strafen für die Teilnahme an Streiks vorsah, die nicht der Erreichung günstigerer Arbeitsbedingungen dienten. – Was lässt sich daraus schließen? Der Regierung war klar, dass das massive Vorgehen gegen den Schutzbund über kurz oder lang zu einer Eskalation führen musste. Man wusste ebenso, dass jeder bewaffnete Aufstand des Schutzbundes, wenn überhaupt, nur bei einem lückenlosen Funktionieren eines gleichzeitig angesetzten Generalstreiks erfolgreich sein konnte. Daher die deutliche Warnung an die Arbeiter, sich an einem derartigen Streik zu beteiligen.
Am Sonntag, dem 11. Februar, erschien auf der ersten Seite der katholisch-konservativen Reichspost ein Leitartikel mit dem Titel "Vor nahen Entscheidungen". Bundeskanzler Dollfuß habe den Chefredakteur des Blattes [Friedrich Funder] zu einem Gespräch empfangen und sich dabei "zur gegenwärtigen Lage" geäußert. Die Vorarbeiten zum Umbau des Staates seien bereits "sehr weit" gediehen und er, Dollfuß, wolle diesen Umbau in "möglichster Raschheit" vollziehen. Alle, die daran mitwirken wollten, seien willkommen. Das Weitere : ein einziger Angriff auf die Sozialdemokratie und der neuerliche Appell an die Arbeiter, sich von ihr zu lösen. Was konnte das nach alledem, was in den letzten Tagen und Wochen geschehen war, bedeuten? Der Schluss liegt nahe, dass eine finale Aktion ‑ in welcher Form auch immer ‑ gegen die "marxistisch-bolschewistische Ideologie" bevorstand.
Jene vielzitierte Rede, die Sicherheitsminister Fey am Vormittag des 11. Februar vor martialischer Kulisse hielt, mutet geradezu wie eine Ergänzung zu Dollfuß’ kryptischen Andeutungen an. Dollfuß hatte "nahe Entscheidungen" angekündigt und Fey wollte am nächsten Tag "an die Arbeit" gehen. Welche Arbeit? Da konnten doch nur die von Dollfuß angekündigten "nahen Entscheidungen" gemeint sein. – Man bedenke, mit welcher Härte Fey in der vorangegangenen Woche gegen die Sozialdemokratie und den Schutzbund vorgegangen war. Da braucht es nicht viel, um nachvollziehen zu können, dass Sozialdemokraten und Schutzbündler die dunklen Ankündigungen Feys als ultimative Drohung an ihre Adresse verstehen mussten. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass Fey genau das mit seinen vagen Worten bezweckte : bei den Sozialdemokraten weitere Unruhe stiften, möglichst bedrohlich wirken und die Schraube der Eskalation noch eine Windung weiterdrehen.
Der Vertreter des Völkerbundes in Österreich, der Niederländer Meinoud Marinus Rost van Tonningen, traf in den Jahren 1933/34 regelmäßig mit Dollfuß zusammen. So auch am Samstag, dem 10. Februar 1934. Rost kam gerade von einer Audienz bei Mussolini und übermittelte Dollfuß ‑ wieder einmal ‑ dessen dringendsten Wunsch : "Der Kanzler möge endlich die sozialistisch-marxistische Machtposition in Österreich liquidieren." Tags darauf, Sonntag, 11. Februar, wurde Rost von Dollfuß zu einem Abendessen im kleinen Kreis gerufen. Erst ging es um eine aktuelle Demarche Österreichs beim Völkerbund gegen den anhaltenden NS-Terror im Land. Später berichtete der Kanzler der Runde, dass er den Sozialminister Richard Schmitz zum "Liquidations-Kommissar der sozialistischen Positionen in Wien" ernannt habe und dass er am nächsten Tag sozialdemokratische Überläufer aus Kärnten erwarte. Spätabends notierte Rost in seinem Tagebuch ein Resümee des Gesprächs : "Ich habe jetzt stark den Eindruck, dass der Angriff auf die Sozialisten bevorsteht."
[1]. Walter B. Simon, Österreich, 1918-1938 : Ideologien und Politik; Köln, Böhlau Verlag, 1984; S. 156‑157.
[2]. Josef Fiala, Die Februarkämpfe 1934 in Wien Meidling und Liesing : Ein Bürgerkrieg, der keiner war; Hamburg, Disserta Verlag, 2013; S. 38.
[3]. Josef Fiala, loc. cit.
[4]. Friedrich Funder : Als Österreich den Sturm bestand – aus der Ersten in die Zweite Republik; Wien, Herold Verlag, 1957; S. 140‑141.
Funder a été éditeur et rédacteur en chef du journal chrétien-social Die Reichspost de 1905 à 1938.
[5]. Josef Fiala, loc. cit.
[6]. Julius Braunthal, Geschichte der Internationale, Band 2; Hannover, Verlag J.H.W. Dietz Nf., 1963; S. 429.
[7]. Österreichische Nationalbibliothek, ANNO – Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19340203&seite=1&zoom=33
[8]. Karl Hans Sailer : Geheimer Briefwechsel Mussolini-Dollfuß; Wien, Wiener Volksbuchhandlung, 1949; S. 44.
[9]. Kurt Bauer, Der Februaraufstand 1934 – Fakten und Mythen; Wien, Böhlau Verlag, 2019; S. 111‑113.
![bandeau_site_rocml[1] ROCML- Documents de référence ML](https://www.rocml.org/References-ML/wp-content/uploads/2024/10/bandeau_site_rocml1.png)