{"id":1287,"date":"2025-01-17T20:11:24","date_gmt":"2025-01-17T19:11:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1287"},"modified":"2025-02-10T23:59:36","modified_gmt":"2025-02-10T22:59:36","slug":"ki-1924-01-lehren-deutsche-ereignisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/ki-1924-01-lehren-deutsche-ereignisse\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4sidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (8.-21. Januar 1924) &#8211; Die Lehren der deutschen Ereignisse"},"content":{"rendered":"<div class=WordSection1> <p class=Texte align=left style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt; text-align:left;text-indent:0cm;line-height:3.0pt'><span style='font-size:3.0pt; color:white'><!--more --><\/span><\/p><p class=rocmlIntertitre2art style='margin-top:0cm'><\/p> <div align=center> <table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'> <tr> <td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; border-bottom:none;padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'> <p class=Intertitre2 style='margin:0cm;margin-bottom:.0001pt'><span lang=DE style='color:#E36C0A'>Pr\u00e4sidium des Exekutivkomitees<br> der Kommunistischen Internationale<br> <\/span><span lang=DE style='color:#E36C0A;font-weight:normal'>(8.&#8209;21. Januar 1924)<\/span><\/p> <\/td> <\/tr> <tr> <td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border-top:none;border-left: solid windowtext 1.0pt;border-bottom:none;border-right:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'> <p class=Intertitre2 style='margin:0cm;margin-bottom:.0001pt;page-break-after: auto'><span lang=DE>Die Lehren der deutschen Ereignisse<\/span><\/p> <\/td> <\/tr> <tr> <td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'> <p class=Texte align=left style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt; text-align:left;text-indent:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE style='font-size:11.0pt'>Quelle&nbsp;: <\/span><\/p> <p class=Texte align=left style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt; text-align:left;text-indent:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE style='font-size:11.0pt'>Die Lehren der deutschen Ereignisse &#8211; Das Pr\u00e4sidium des EK der KI zur deutschen Frage &#8211; Januar 1924; Verlag der Kommunistischen Internationale, Verlag Carl Hoym Nachf., Hamburg, 1924&nbsp;<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:11.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/a>.<\/span><\/p> <p class=Texte align=left style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt; text-align:left;text-indent:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE style='font-size:11.0pt'>[Wir geben diesen texte mit Zustimmung des f\u00fcr die Site <i>321ignition.free.fr<\/i> Verantwortlichen wieder.]<\/span><\/p> <\/td> <\/tr> <\/table> <\/div> <p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p> <p class=Intertitre2 style='margin-top:6.0pt;page-break-after:auto'><span lang=DE>Nur f\u00fcr die Mitglieder der Kommunistischen Internationale<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Pr\u00e4sidium versammelte sich zur Besprechung der deutschen Frage zum erstenmal am 8.&nbsp;Januar, um ein Referat des Genossen Losowski \u00fcber die Gewerkschaftsfrage anzuh\u00f6ren. Nach dem Referat fand eine kurze Diskussion statt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die zweite Sitzung tagte am 11.&nbsp;Januar. Anwesend waren au\u00dfer dem Pr\u00e4sidium auch die in Moskau anwesenden Mitglieder der Exekutive, einige Vertreter der polnischen und der bulgarischen Partei und die Vertreter der drei Richtungen der K.P.D.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Behandlung der politischen Frage dienten zur Unterlage 5&nbsp;Resolutionsentw\u00fcrfe&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ein Entwurf des Gen. Sinowjew,<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ein Entwurf der Genossen Radek und Trotzki,<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ein Entwurf der Vertreter der Linken,<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ein Entwurf des Zentrums und<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ein Verst\u00e4ndigungsentwurf, der zusammen mit dem Genossen Sinowjew und zwei Vertretern des Zentrums &#8209;&nbsp;Remmele und Koenen&nbsp;&#8209; und dem Genossen Pieck ausgearbeitet worden war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Behandlung der Frage wurde durch ein Referat des Vertreters des E.K.K.I. eingeleitet, dem die Referate der Genossen Brandler, Remmele, R.&nbsp;Fischer folgten. Im folgenden werden diese Referate wiedergegeben.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>I.<br> Das Referat des Vertreters des E.K. in Deutschland<\/span><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\";letter-spacing:1.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich will zuerst ein paar Worte \u00fcber formelle Dinge sagen. Die Delegation des E.K.K.I. bestand aus vier Genossen. Sie hat w\u00e4hrend der ganzen Zeit die Arbeit in absoluter \u00dcbereinstimmung gef\u00fchrt. Der Teil meines Referates also, der sich nicht auf die Beurteilung der Vergangenheit bezieht, sondern auf die Darstellung der Arbeit, der Differenzen in bezug auf die Berliner Organisation, basiert auf dem gemeinsamen Bericht, den wir alle eine Woche vor unserer Wegfahrt an das Z.K. sandten, der uns alle drei also bindet; meine pers\u00f6nliche Auffassung, \u00fcber die ich mit einem Genossen nicht sprechen konnte, die ich mit den zwei anderen Genossen aber durchgesprochen habe, betrifft also nur die Beurteilung der Gr\u00fcnde des Zusammenbruches und so weiter.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mein Bericht wird in zwei Teile zerfallen. Der erste Teil soll eine Darstellung der Arbeit der Delegation, der Tatsachen und wichtigsten Dokumente dieser Arbeit bilden. Der zweite Teil des Berichtes bezieht sich schon auf das Zur\u00fcck und Vorw\u00e4rts, soll der Versuch sein, die gro\u00dfe Niederlage der Partei, ihren Sinn zu verstehen und diesen hier darzustellen, wie Arwid und ich ihn sehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich beginne mit dem ersten Teil. Die Delegation nahm nicht an der Fassung des entscheidenden Beschlusses der Partei teil, des Beschlusses, der auf der Chemnitzer Konferenz fiel, da sie abwesend war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was hat die Delegation vorgefunden? Die Zerschlagung des Kriegsplans, wie er von der Exekutive angenommen worden. Der Aufmarschplan der Partei, wie er hier in den September- und Oktoberberatungen festgestellt wurde, ging von folgendem Grundgedanken aus&nbsp;: das Proletariat marschiert auf in Sachsen, aus der Verteidigung der Arbeiterregierung heraus, in die wir eintreten; und es wird in Sachsen versuchen, die Staatsgewalt auszunutzen, um sich zu bewaffnen, um in diesem engmaschigen proletarischen Bezirk Mitteldeutschlands einen Wall zu bilden zwischen der S\u00fcdkonterrevolution in Bayern und dem Nordfaschismus. Gleichzeitig wird die Partei im ganzen Reiche eingreifen, die Massen mobilisieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieser Plan mi\u00dflang aus folgendem Grunde. Erstens, als unsere Genossen in die Regierung eintraten, waren sie nicht in der Lage, die Bewaffnung des Proletariats durchzuf\u00fchren. Die Partei hatte in Sachsen, wie wir informiert wurden, 800&nbsp;Gewehre. In Chemnitz auf der Konferenz zeigte sich der zweite Teil des Plans zerschlagen, n\u00e4mlich der gemeinsame Aufmarsch der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitermassen. Der Antrag auf Proklamierung des Generalstreiks und des bewaffneten Aufstandes in Chemnitz wurde angesichts des Widerstandes der linken S.D. gar nicht gestellt. Unsere Partei hat sich zur\u00fcckgezogen, indem sie diesen R\u00fcckzug mit der Formel deckte&nbsp;: Einsetzung eines Aktionskomitees, das beschlie\u00dfen soll, was weiter zu tun ist. Die Zentrale entschied sich, jedem Kampfe auszuweichen, aus der Anschauung heraus, da\u00df die Einheitsfront des Proletariats in diesem Kampfe nicht mehr aufzustellen sei, da\u00df es unm\u00f6glich sei, sie aufzustellen, und da\u00df in dieser Situation bei den geteilten Kr\u00e4ften des Proletariats und dem Zustand der technischen Vorbereitung der Aufstand unm\u00f6glich sei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu dieser Situation hatte ich Stellung zu nehmen. In dem Gespr\u00e4ch mit den Genossen habe ich die Tatsache gutgehei\u00dfen, da\u00df sie, nachdem sie nicht imstande waren, die Einheitsfront mit den sozial-demokratischen Arbeitern aufzustellen, von dem Plan des Aufstandes in Sachsen abgesehen haben. Ich forderte jedoch zur gleichen Zeit von den Genossen, den Streik zu proklamieren. Ich begr\u00fcndete das damit, da\u00df wir, wenn wir auch noch nicht stark genug sind, um allein als Kommunistische Partei den Aufstand gegen die Faschisten durchzuf\u00fchren, doch stark genug sind, um uns zu wehren und nicht kampflos die Position zu r\u00e4umen. Alle dort anwesenden Genossen haben diesen Standpunkt abgelehnt. Sie haben erkl\u00e4rt&nbsp;: Es besteht keine M\u00f6glichkeit, in diesen Kampf einzutreten, denn wenn wir den Streik proklamieren, so haben wir den bewaffneten Aufstand. Will man nicht den Aufstand, so mu\u00df man auf den Streik verzichten. Am n\u00e4chsten Tag, als die Zentrale sich in Berlin versammelte, kam die Nachricht \u00fcber Hamburg. Es fand eine neue Sitzung der Zentrale statt, in der zwei Antr\u00e4ge vorlagen. Der eine &#8209;&nbsp;von Genossin Ruth Fischer&nbsp;&#8209; ging darauf hinaus, f\u00fcr Donnerstag den Massenstreik in Berlin zu proklamieren, mit dem Ziel, da\u00df er in 2,&nbsp;3&nbsp;Tagen in den bewaffneten Aufstand \u00fcbergehen sollte. Gleichzeitig sollten Kiel und andere St\u00e4dte in Bewegung gesetzt werden. Der zweite Antrag lautete, darauf zu verzichten. Mein Antrag ging weiter auf dieselbe Sache&nbsp;: Streik ohne bewaffneten Kampf.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Gen. Fischer&nbsp;: Nein, nein!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Streik ohne bewaffneten Aufstand. Dieser Antrag wurde wieder von allen Teilen, von Gen. Fischer, von Hans Pfeiffer, von all den Genossen abgelehnt mit derselben Begr\u00fcndung&nbsp;: Streik ist Aufstand. Wollt ihr keinen Aufstand, dann ist der Streik unm\u00f6glich.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nach dieser ersten praktischen Entscheidung begannen an jedem Tage neue Diskussionen. Bei jeder praktischen Frage wieder&nbsp;: Was machen wir weiter? Um einen momentanen Stillstand der Diskussion in der Zentrale herbeizuf\u00fchren, schlug die Delegation am&nbsp;26. der 7er&#8209;Kommission<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/a> folgende Resolution vor&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die 7er&#8209;Kommission beschlie\u00dft&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>1.&nbsp;Die sozialen und politischen Gegens\u00e4tze spitzen sich mit jedem Tage zusehends zu. Jeder Tag kann gro\u00dfe entscheidende K\u00e4mpfe der Revolution und Konterrevolution bringen.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>2.&nbsp;Die Vorhut der Arbeiterklasse (die Kommunisten und ein Teil der sozialdemokratischen Arbeiter) dr\u00e4ngt zur Aufnahme des Kampfes; aber das Gros der Arbeiter ist trotz seiner gro\u00dfen Erbitterung und Not hoch nicht bereit zu k\u00e4mpfen.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>3.&nbsp;Darum m\u00fcssen die Reserven des Proletariats durch eine entschlossene Agitation an die Vorhut herangezogen werden. Die Schichten des Proletariats, die besonders f\u00fcr den Kampf in Betracht kommen (Metallarbeiter, Bergarbeiter, Eisenbahner, landwirtschaftliche Arbeiter und Beamte) m\u00fcssen durch besondere Arbeit der Partei ergriffen werden. Die technische Vorbereitungsarbeit mu\u00df mit aller Kraft betrieben werden. Zur Einigung des Proletariats f\u00fcr den Kampf ist sofort in Verhandlung mit der Sozialdemokratie zentral und lokal zu treten, um entweder die Sozialdemokraten zum Kampfe zu zwingen \u00f6der die sozialdemokratischen Arbeiter von den verr\u00e4terischen F\u00fchrern loszul\u00f6sen.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>4.&nbsp;Angesichts dieses Zustandes ist es notwendig, da\u00df die Partei solange als m\u00f6glich die Genossen von dem bewaffneten Kampfe zur\u00fcckh\u00e4lt, um Zeit f\u00fcr die Vorbereitungen zu gewinnen. Sollten jedoch gro\u00dfe spontane K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse ausbrechen, so wird sie die Partei mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln unterst\u00fctzen. Die Partei hat auch die Schl\u00e4ge der Konterrevolution zu parieren durch die Mittel des Massenkampfes (Demonstrationen, politische Streiks). Es ist bei diesen K\u00e4mpfen m\u00f6glichst der Waffenkampf zu vermeiden.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>5.&nbsp;Gegen das Ultimatum Stresemanns hat die Partei im ganzen Reiche zum Proteststreik aufzurufen, bei dem dem bewaffneten Kampfe aus dem Wege zu gehen ist. Falls die Sozialdemokratische Partei in Sachsen den Kampf gegen das Ultimatum Stresemanns nicht aufnimmt, haben unsere Genossen mit der s\u00e4chsischen Regierung zu brechen und zum Kampf gegen sie \u00fcberzugehen.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>6.&nbsp;Alle Mitglieder der Zentrale haben die Beschl\u00fcsse der Partei durchzuf\u00fchren. Die Zentrale wird eine neue Arbeitseinteilung unter ihren Mitgliedern vornehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieser Beschlu\u00df wurde einstimmig angenommen. Genossin Ruth Fischer stimmte f\u00fcr diesen Beschlu\u00df. Das war also 5&nbsp;Tage nach der s\u00e4chsischen ersten Niederlage, nach der Chemnitzer Konferenz.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dann kam die zweite s\u00e4chsische Phase, n\u00e4mlich das Ultimatum Stresemann usw. Die Delegation schlug der Zentrale den Beschlu\u00df auf Streik vor. Bevor noch dieser Beschlu\u00df gefa\u00dft wurde, schrieb ich einen Brief an die Genossen B\u00f6ttcher und Heckert, die von Sachsen gekommen waren und nicht auf die Beschl\u00fcsse warten konnten. In diesem Brief teilte ich ihnen als meinen Standpunkt mit (ich werde den Brief evtl. sp\u00e4ter vorlegen)&nbsp;: Sie m\u00fcssen alles tun, um nicht kampflos die Position zu r\u00e4umen, Streik; weiter die Mitteilung da\u00df ich diesen Vorschlag in der Zentrale mache und da\u00df sie, B\u00f6ttcher und Heckert, falls die Zentrale anders beschlie\u00dfe, eine Nachricht bekommen w\u00fcrden. Die Zentrale hat so beschlossen. Der Streik wurde nur teilweise durchgef\u00fchrt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sp\u00e4ter kam die th\u00fcringische Geschichte. Obwohl dazwischen eine gro\u00dfe Zeitspanne liegt, will ich hier schon zusammenfassen. Wir haben wieder den Streik beschlossen, die th\u00fcringischen Genossen haben ihn nicht durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wir sahen die Aufgabe der Delegation der Komintern und der Zentrale in folgendem. Da\u00df wir eine gro\u00dfe Niederlage &#8209;&nbsp;eine vielleicht f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit entscheidende Niederlage&nbsp;&#8209; davongetragen haben, war klar. Es drohte die gro\u00dfe Gefahr der Panik, der gr\u00f6\u00dften Entt\u00e4uschung, in der Masse. Eine Niederlage an und f\u00fcr sich war nicht so gef\u00e4hrlich, wie diese Tatsache. Aus diesem Grunde stellten wir uns die Aufgabe&nbsp;: die zur\u00fcckflutende Masse zum Stehen zu bringen, die K.P.D. wieder zum Konzentrationspunkt der k\u00e4mpfenden Masse zu machen und den Kampf wieder aufzunehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Als der Zentralausschu\u00df zusammenkam, war es uns noch nicht klar, um welche Punkte wir die Masse sammeln, auf welchem Boden wir sie m der Aktion sammeln w\u00fcrden; den Hebel der Aktion hatten wir noch nicht in den Fingern. Darum ist der betreffende Passus in den von uns vorgeschlagenen Thesen des Zentralausschusses noch nicht konkret genug. Aber mehr als man wei\u00df kann man nicht geben. Auf welchem Boden den Kampf f\u00fchren, das wu\u00dften wir noch nicht, und kein anderer Vorschlag wurde gemacht. Nach ein paar Tagen war es uns klar, um was es sich handelt, da\u00df die erste Aufgabe der Partei darin besteht, sich nicht von der Oberfl\u00e4che wegblasen zu lassen&nbsp;: also, da wir weder Presse noch Versammlungs\u00adfreiheit hatten&nbsp;&#8209; Stra\u00dfendemonstrationen. Sie m\u00fcssen wissen, da\u00df die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit der Arbeit der Vertreter der Exekutive darin bestand, da\u00df sie keinen direkten Kontakt mit der Arbeitermasse selbst hatten, da\u00df sie aus dem Zeitungsmaterial und aus den Gespr\u00e4chen mit irgend welchen 10&nbsp;Genossen sich die Brocken der Wirklichkeit zu sammeln hatten, die praktische Linie herausbilden mu\u00dften &#8209;&nbsp;ich werde Ihnen eine solche komische<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[4]<\/span><\/span><\/span><\/a> Tatsache mitteilen&nbsp;&#8209;, da\u00df f\u00fcr mich mit ausschlaggebend in der Beurteilung dessen, was zu machen war, das Bild der Stadt war, das ich auf Streifz\u00fcgen durch die Stadt bekam, n\u00e4mlich die Sammlung der Arbeitslosen vor den L\u00e4den, ein paar Gespr\u00e4che \u00fcber das, was sie dachten, die man aufschnappte. Das wird das Bild jeder T\u00e4tigkeit delegierter Genossen sein, die nicht imstande sind, in den Massen zu wirken. Es fehlen uns immer die von unten kommenden Impulse, wir kriegen sie erst durch das Sieb der Stimmungen und Auffassungen der einzelnen Genossen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, diese Linie, die wir vorschlugen&nbsp;: Demonstrationen, Arbeitslosendemonstrationen in die Hand nehmen, Unterst\u00fctzung jedes Streiks.&nbsp;&#8209; Der Streik der Buchdrucker zeigte sich sogleich als eine sehr gro\u00dfe Angelegenheit, der erste Widerstand gegen die Seecktsche Diktatur.&nbsp;&#8209; Die Organisation der Hundertschaften nicht als eine von der Partei abgesonderte Sache, sondern die Verteidigung der Demonstrationen durch sie. Diese Linie des aktiven Kampfes war es, auf der wir die Partei zu sammeln suchten. Wie wurde diese Linie akzeptiert? Im allgemeinen war die ganze Zentrale, was die Arbeitslosendemonstrationen usw. anbetrifft, einig. In der Auffassung der Frage der Verteidigung der Demonstrationen war die Mehrheit der Zentrale einig. Wo es sich um die Durchf\u00fchrung handelte, trafen wir auf den gr\u00f6\u00dften Widerstand der Vertreterin der Berliner in der Zentrale, die auf dem Standpunkt stand, die Erbitterung in der Parteimasse und die Entt\u00e4uschung sei so gro\u00df, da\u00df die Genossen nicht imstande w\u00e4ren, die Massen f\u00fcr die Demonstrationen zu gewinnen. Der zweite Standpunkt war&nbsp;: wir werden es tun, aber das erfordert eine lange Vorbereitungsarbeit. Genossen, ich hielt diese Auffassung der Genossin Fischer f\u00fcr eine rein pers\u00f6nliche Auffassung. Ich habe mich davon \u00fcberzeugt &#8209;&nbsp;ich werde sagen, in welcher Weise&nbsp;&#8209;, da\u00df diese Auffassung der Stimmung breiter Kreise kommunistischer Arbeiter in Berlin entsprach. Ich sage das, was ich feststellen konnte. Wie es in der Provinz war, konnte ich nicht sagen. Einige meiner Freunde stellten durch Gespr\u00e4che mit kommunistischen Arbeitern fest, da\u00df Genossen, gute kommunistische Arbeiter, die lange in der Partei waren und f\u00fcr den bewaffneten Widerstand sind, erkl\u00e4rten&nbsp;: wir wurden schon genug auf Demonstrationen gepr\u00fcgelt, es hat keinen Sinn, sie zu machen; entweder bewaffneter Aufstand, oder man mu\u00df einstweilen abwarten. Auf die Frage, warum nicht jetzt bewaffneten Aufstand?, sagten sie&nbsp;: Wir haben zu wenig Waffen, und auf die Frage&nbsp;: Wie wollt ihr sie kriegen?, kam die Antwort&nbsp;: Wir werden sie schon bekommen. Ich habe das von einer ganzen Anzahl unserer Genossen geh\u00f6rt, die solche Gespr\u00e4che mit Berliner Arbeitern wiedergaben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, der zweite Gegensatz kam in der Frage der bewaffneten Demonstrationen. Der Berliner Vertreter hat in den Kopfsitzungen &#8209;&nbsp;im Gegensatz zu dem Hamburger&nbsp;&#8209; den Standpunkt eingenommen, man k\u00f6nne sie nicht machen, man werde es nur zu unn\u00fctzem Blutvergie\u00dfen bringen, unsere Leute k\u00f6nnen nicht durch die Stra\u00dfen mit der Knarre auf dem Buckel marschieren. Dieser Widerstand f\u00fchrte zu sehr gro\u00dfen Auseinandersetzungen in der Zentrale. Wir gaben nach und beschlossen, die erste Demonstration nicht zu verteidigen. Die ganze Zentrale stimmte daf\u00fcr. Da es sich um die Berliner Organisation handelte, kamen wir zu der \u00dcberzeugung, da\u00df man die bewaffnete Verteidigung nicht gegen den Widerstand der Berliner bei der ersten Demonstration in Berlin machen konnte. Und wie wir die Sache auffa\u00dften, zeigt das Zirkular, das ich der Zentrale vorgeschlagen habe. Wir sagten uns, man wird die Partei nicht auf einmal in die Geschichte hineinbringen k\u00f6nnen&nbsp;: es handelt sich jetzt um die Aufstellung der Linie, es wird dagegen Widerstand geben. Ich sage mehr, es wird sich auch in der Praxis herausstellen m\u00fcssen, wie weit wir in der Verteidigung der Demonstration gehen k\u00f6nnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist klar, aus welchem Grunde diese Linie angenommen wurde. F\u00fcr mich ist die Quelle der Schw\u00e4che der Partei und der Masse die Passivit\u00e4t dieser Masse und die Passivit\u00e4t unserer Partei. Solange die Masse nicht das Gef\u00fchl hat, da\u00df wir Kommunisten uns wenigstens mit allen Kr\u00e4ften, mit allem Risiko einsetzen, ist die Masse nicht zum Kampfe zu bringen. Das, was jetzt im deutschen Proletariat existiert, ist eine Abspiegelung der allgemeinen Lage in Deutschland, des Zerfalls der politischen Aktivit\u00e4t, einer au\u00dferordentlichen politischen Passivit\u00e4t aller sozialen Klassen mit Ausnahme des Milit\u00e4rs. Ohne Milit\u00e4r zu sein und ohne konkret sagen zu k\u00f6nnen, wie wir diese Verteidigung f\u00fchren werden &#8209;&nbsp;das war Sache der milit\u00e4rischen Leitung&nbsp;&#8209; sagte ich mir&nbsp;: Wir k\u00f6nnen nicht die Arbeiter ein- zweimal in die Demonstration f\u00fchren, da\u00df sie sich pr\u00fcgeln lassen wie die Hunde, und dann sagen&nbsp;: kommt zum drittenmal und la\u00dft euch wieder pr\u00fcgeln. Entweder sind die Demonstrationen eine Geste, oder wir m\u00fcssen zu ihrer Verteidigung schreiten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, das war die Linie der Aktion, die wir vertraten bis zu unserer Abberufung, die Linie der Aktion, bestehend in folgenden Dingen&nbsp;: Halt machen im R\u00fcckzug; beginnt der Kampf, ihn nicht zu forcieren mit dem Gedanken an den Aufstand, der in dieser Situation unm\u00f6glich war, sondern den Kampf aufnehmen, wo der Feind ihn der Masse bietet&nbsp;: in der Brotfrage, der Arbeitslosenfrage, in der Frage des Zehnstundentages, des Verbots der Organisation, der Presse zu allen Mitteln des Massenkampfes greifen; und als neues Moment die h\u00f6here Stufe der Bewegung; wenn n\u00f6tig, Verteidigung der Demonstrationen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich gehe jetzt nach dieser Darstellung der T\u00e4tigkeit der Delegation der Exekutive zu der politischen Analyse \u00fcber, wobei ich hier zwei Dinge feststellen mu\u00df. \u00dcber die Ursachen unserer Niederlage hatten wir nat\u00fcrlich vom ersten Tage an unsere Gedanken, wir schrieben sie in den Berichten an die Exekutive. Die Berichte liegen vor. Als der Parteiausschu\u00df zusammentrat, stand die Frage so&nbsp;: Soll man in diesem Stadium in diese innere parteitaktische Auseinandersetzung \u00fcber die Schw\u00e4chen und Fehler der Partei eintreten oder nicht? Ich stand auf dem Standpunkt&nbsp;&#8209; die ganze Delegation stand darauf, und ich stehe noch heute auf ihm&nbsp;: in dem Moment des ersten Versuches, die Partei zusammenzufassen, sie zum Stehen zu bringen, dem Gegner den Kampf zu geben, ist es nicht nur unzweckm\u00e4\u00dfig, sondern unzul\u00e4ssig, eine parteitaktische Debatte zu entwickeln. Ich formuliere den Standpunkt&nbsp;: wenn die Partei als Ganzes Kikeriki den Massen sagt, so da\u00df diese die einfache T\u00e4tigkeit der Partei sehen, ist es schon gut. Ich hatte einen Kampf mit den Genossen, die die Notwendigkeit nicht verstanden; ich sagte damals, wenn wir imstande sind, in dieser Situation die Bendlerstra\u00dfe mit Zetteln gegen Seeckt zu bekleben oder in den Kinos Zettel gegen die faschistische Diktatur hinunter zu schmei\u00dfen, so ist das wichtiger, als die beste Resolution, die wir in diesem Moment fassen k\u00f6nnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das war meine Auffassung, und obwohl ich nat\u00fcrlich sehr gut wu\u00dfte, da\u00df eine solche Niederlage zur schwersten Parteikrise f\u00fchren wird, in der die Auseinandersetzung kommen wird, hielt ich es f\u00fcr notwendig, diese hinauszuziehen, bis Klarheit \u00fcber zwei Momente bestand&nbsp;: entweder, wird es sich zeigen, da\u00df wir in eine l\u00e4ngere Vorbereitungsperiode eintreten, in der es keine gr\u00f6\u00dfere M\u00f6glichkeit der Aktion geben wird, dann mu\u00df die Partei die Dinge in der Diskussion erledigen; oder wir kommen durch die Teilk\u00e4mpfe in gro\u00dfe K\u00e4mpfe, dann wird die Partei in diesen gro\u00dfen K\u00e4mpfen ihre Schw\u00e4che \u00fcberwinden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das war der Grund, warum ich mich in der energischsten Weise dem Versuch entgegensetzte, Mitte November die Diskussion zu beginnen, in der wir uns jetzt befinden. Ich will nat\u00fcrlich nicht behaupten, da\u00df ich und die Delegierten damals schon bis zu Ende imstande waren, die Tiefe der Niederlage zu durchdenken. Vielleicht, ich habe unsere Korrespondenzen nicht nachgelesen, wird das, was ich heute als Abschlu\u00df der Auffassung aus der ganzen Diskussion sage, in manchem dem widersprechen, was wir unter dem ersten Eindruck der Ereignisse als Gr\u00fcnde der Ereignisse der Exekutive schrieben. Ich halte es nicht f\u00fcr die erste Pflicht des Politikers, wenn er A gesagt hat, immer A zu sagen. Manchmal mu\u00df man B, manchmal mu\u00df man auch Y sagen, aber manchmal kann man sagen, da\u00df es \u00fcberhaupt nicht A war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich beginne jetzt, Genossen, mit dem zweiten Teil.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Welches waren die Gr\u00fcnde unserer gro\u00dfen Niederlage?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Erstens, ist die Niederlage gro\u00df&nbsp;: Ich glaube, schon ist festzustellen, da\u00df die Niederlage uns zur\u00fcckgeworfen hat, wo wir nahe am Ziel waren. Ich stehe auf dem Standpunkt, da\u00df wir eine gro\u00dfe historische Situation verpa\u00dft haben, wie sie selten so g\u00fcnstig vorliegt. Das ist die erste Sache.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die zweite Sache ist&nbsp;: wir wissen noch nicht, ob die Zersetzung des Kapitals in Deutschland schnell vor sich gehen wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Hesse&nbsp;: Nun, ein Vierteljahr.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir wissen nicht, wie lange die Stabilisation dauern wird. Wir m\u00fcssen aber auf Kampf visieren, solange es nicht vollkommen klar ist, da\u00df sie nicht kommen. Eine politische Partei kann nicht sagen, entweder geht es so oder so. Der Theoretiker hat alle M\u00f6glichkeiten in Betracht zu ziehen. Der Parteipolitiker mu\u00df sich sagen&nbsp;: Was will ich in diesem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis? Gibt es M\u00f6glichkeiten der Versch\u00e4rfung, dann m\u00fcssen wir sagen, arbeiten wir f\u00fcr diese Versch\u00e4rfung. Aber ich sage, hier, wo wir zuerst uns selbst \u00fcber alle M\u00f6glichkeiten Rechnung ablegen, m\u00fcssen wir sagen, es sind alle M\u00f6glichkeiten vorhanden, auch eine M\u00f6glichkeit der Verfaulung der Situation f\u00fcr eine lange Zeit, dann wird die Niederlage noch gr\u00f6\u00dfer sein, als wir es jetzt sehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Drittens&nbsp;: wir wissen nicht, wie die Niederlage sich international in den Kommunistischen Parteien auswirken wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also ich sage kein Wort zur Besch\u00f6nigung dieser Niederlage.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun m\u00fcssen wir uns in erster Linie fragen&nbsp;: welche Quellen hat diese Niederlage? Ich finde im Grunde zwei Erkl\u00e4rungen in dieser Sache. Die einen Genossen sagen so&nbsp;: Zwar ist die Masse der Partei eine gute proletarische Masse, aber die F\u00fchrung besteht aus fr\u00fcheren sozialdemokratischen Funktion\u00e4ren, die wir noch nicht in Kommunisten umgewandelt haben. Diese Funktion\u00e4re haben verraten. Das ist eine Erkl\u00e4rung. Die zweite ist &#8209;&nbsp;und auf diesem Boden stehe ich&nbsp;&#8209; unsere Partei ist eine gute proletarische Partei, aber ohne gen\u00fcgende revolution\u00e4re Erfahrung. Ihre F\u00fchrung hat nat\u00fcrlich, wie alle kommunistischen F\u00fchrungen, gro\u00dfe Schw\u00e4chen, die mit ihrer Abkunft aus der Sozialdemokratie zusammenh\u00e4ngen,, und bevor sie nicht durch eine Reihe der gr\u00f6\u00dften Massenk\u00e4mpfe hindurch ist, hat sie keine gen\u00fcgende revolution\u00e4re Erfahrung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Manche waren sogar nicht in der Sozialdemokratie!) (Maslow&nbsp;: Es gibt auch solche, die wieder in der Sozialdemokratie sein werden.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Obwohl eine gute Arbeiterpartei, sind wir nirgends noch eine gute kommunistische Partei. Und das ist das wichtigste, was ich in der ganzen Situation sehe. Es ist nicht wahr, Genossen, da\u00df die F\u00fchrung nicht k\u00e4mpfen wollte, und da\u00df die Massen \u00fcberall st\u00fcrmen. Es ist nicht so gewesen. Wenn wir die linken sozialdemokratischen Massen sehen, so sind vielleicht die F\u00fchrer Verr\u00e4ter und diese Massen nicht Verr\u00e4ter, sondern ehrliche Arbeiter. Aber da\u00df diese Massen ihre F\u00fchrer nicht als Verr\u00e4ter angesehen haben und zum gro\u00dfen Teil jetzt nicht als Verr\u00e4ter ansehen, ist eine Tatsache. Das zeigt, da\u00df die Reserven, die sich auf dem Wege zu uns befinden, erst in der Bildung begriffen sind. Und unsere Partei ist nach meiner \u00dcberzeugung, &#8209;&nbsp;das zeigt eben das, worauf die Genossen von der Linken immer hinweisen&nbsp;: in den Gewerkschaften, in den Kommunalversammlungen, \u00fcberall, wo nicht nur alte Funktion\u00e4re sitzen, sondern junge aus der Arbeiterschaft, stellen sie dem kapitalistischen Einflu\u00df nicht den gen\u00fcgenden Widerstand entgegen, was sich daraus erkl\u00e4rt, da\u00df wir als Kommunisten noch eine Minderheit in der Masse sind; die Masse sympathisiert mit uns, aber sie war nirgendwo bereit, mit uns bis zu Ende zu k\u00e4mpfen;&nbsp;&#8209; unsere deutsche Bruderpartei ist nicht eine von Sozialdemokraten gef\u00fchrte Partei, sie ist eine noch unfertige Kommunistische Partei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Tatsache hatte einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Entwicklung der Partei in der letzten Phase.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, es wurde die Frage aufgeworfen&nbsp;: Haben wir die Oktobersituation \u00fcbersch\u00e4tzt? Ist das die Quelle des Irrtums, der Niederlage? Ich bin Gegner dieser Auffassung. Ich sage folgendes&nbsp;: Die Quelle unserer Niederlage liegt darin, da\u00df die Ruhrgeschichte eine neue Phase in der Entwicklung des Klassenkampfes in Deutschland er\u00f6ffnet hat. Wir haben auf dem Leipziger Parteitag in dem Aufruf an die Partei -gesagt&nbsp;: diese Phase endet mit dem B\u00fcrgerkrieg. Wir haben theoretisch richtig visiert, und wir haben die praktischen Schl\u00fcsse daraus nicht gezogen. W\u00fcrden wir seit Mai, als der Durchfall der Ruhraktion schon klar war, als die Zersetzungselemente au\u00dferordentlich wuchsen, nicht die Besetzung der Fabriken in diesem Moment, sondern die wachsenden Massenk\u00e4mpfe aufgerollt haben&nbsp;&#8209;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Scholem&nbsp;: Wer hat denn das getan?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(K\u00f6nig&nbsp;: G\u00f6tterd\u00e4mmerung!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn G\u00f6tter d\u00e4mmern, sollen sie zehnmal d\u00e4mmern; wir brauchen keine G\u00f6tter, auch Berliner G\u00f6tter sind nicht besser als andere G\u00f6tter, ich werde es beweisen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(R. Fischer&nbsp;: Im Mai in Deutschland.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im Mai halte ich es f\u00fcr ein gro\u00dfes Verdienst, da\u00df wir es dem General Seeckt nicht erlaubt haben, die deutschen Arbeiter zwischen die Mitrailleusen der Deutschen und Franzosen zu jagen. Aber wir hatten die Pflicht, die Arbeiter im nichtbesetzten Gebiet heranzuziehen, die K\u00e4mpfe so zu erweitern, da\u00df wenigstens die deutschen Kr\u00e4fte der Bourgeoisie gebunden waren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben es nicht getan.&nbsp;&#8209; Ich behaupte, es bestand zwischen uns nicht die geringste Meinungsverschiedenheit. Genossin Fischer fuhr mit Brandler nach der Ruhr.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(R. Fischer&nbsp;: Wir mu\u00dften sogar eine eigene Resolution machen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sehr richtig, und ihr habt in der Resolution nichts formuliert, ihr k\u00f6nnt sie hier vorlegen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ihr k\u00f6nnt sp\u00e4ter nach meinem Referat eure Rechnung vorlegen und auf Grund eures Referats sp\u00e4ter die F\u00fchrung der Partei fordern. Ich suche, ohne R\u00fccksicht darauf, wem das schadet oder dient, einstweilen das festzustellen, woran auch wir und alle andern Schuld sind. Und ich glaube, damit den Beweis zu liefern, da\u00df es mir nicht um fraktionelle Dinge geht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, diese Tatsache hier&nbsp;: wir in Moskau orientierten uns, da\u00df es wirklich um ausschlaggebende Dinge in Deutschland geht, erst nach den Augusttagen. Der beste Beweis dessen ist folgendes. Wir hatten die Konferenz in Essen und die in Frankfurt. Diese beiden Konferenzen hatten agitatorische Bedeutung; es waren keine Konferenzen, die den Kampf organisierten. Wenn ein Beweis notwendig ist, so der, da\u00df die Exekutive nicht darauf gedr\u00e4ngt hat, da\u00df die franz\u00f6sische Partei auch nur 20&nbsp;Genossen zur illegalen Arbeit unter die Truppen gesandt hat. Auf der Sitzung der Erweiterten Exekutive befa\u00dften wir uns mit der propagandistischen Auswirkung dieser Dinge. W\u00fcrden wir die Dinge im Ernst als auf die Revolution zutreibende wirklich angesehen haben, so h\u00e4tte auf der Tagesordnung der Erweiterten Exekutive nur eine Frage stehen d\u00fcrfen, n\u00e4mlich die Frage der Vorbereitung der Massenk\u00e4mpfe in Deutschland und der Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Klara Zetkin&nbsp;: Sehr richtig!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben das nicht getan. Nach den Augustereignissen sahen wir, wohin es geht, und wir haben uns gesagt, entweder nehmen die Faschisten die Gewalt, oder wir m\u00fcssen sie nehmen. Wenn wir den Kampf wollten, k\u00f6nnten wir uns nicht die Verteidigung der Novemberrepublik zum Zweck setzen. Der Unterschied zwischen der Kerenski- und der Novemberrepublik war der&nbsp;: unter Kerenski hatten die Arbeiter die Sowjets, hatten etwas zu verteidigen, in Deutschland aber war die Novemberrepublik in den Herzen der Arbeiter tot, kein Hund w\u00fcrde sich zu ihrer Verteidigung r\u00fchren. Also wir mu\u00dften uns, wenn wir durchdringen wollten, das Ziel stellen&nbsp;: Eroberung der Macht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und was hat sich herausgestellt? .Bevor wir noch hier im September und Anfang Oktober diese Linie, &#8209;&nbsp;Kampf um die Eroberung der Macht&nbsp;&#8209; sozusagen die Terminfrage, entschieden haben, schrieb Sinowjew einen Entwurf, den ich dann umge\u00e4ndert habe, die 14&nbsp;Punkte, die wir an die deutsche Partei nicht als Beschlu\u00df, sondern zur R\u00fcck\u00e4u\u00dferung sandten. Die deutsche Partei erkl\u00e4rte, sie akzeptiere sie. Es war ein Aktionsprogramm, es gab konkret an, was ihr auf allen Gebieten tun solltet. Die Partei hat aber &#8209;&nbsp;von August bis Oktober&nbsp;&#8209; nichts getan. Die ausschlaggebende Tatsache ist, da\u00df wir nicht einmal R\u00fcckzugsgefechte f\u00fchren konnten; als die kommunistische Presse unterdr\u00fcckt wurde, haben wir mit keinem einzigen Gegenschlag geantwortet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Maslow&nbsp;: Wir haben f\u00fcr die Verfassung gek\u00e4mpft.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben sogar nicht f\u00fcr die Verfassung gek\u00e4mpft. Das Erm\u00e4chtigungsgesetz war die In-die-Luft-Sprengung der Weimarer Verfassung. Also, wir haben nicht einmal f\u00fcr die Verfassung gek\u00e4mpft. W\u00e4ren wir imstande gewesen, die Massen f\u00fcr die Verfassung zu mobilisieren, so w\u00e4re es noch besser gewesen, als da\u00df wir nicht einmal dazu imstande waren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir beschlossen hier&nbsp;: Die Situation ist so ernst, entweder nehmen die Faschisten die Macht oder wir. Wir beschlossen, wir nehmen sie. Wir haben uns einen Termin gesetzt. Jetzt &#8209;&nbsp;das ist meine und Arvids Auffassung&nbsp;&#8209; wird versucht, diese Termingeschichte sozusagen zum Hauptfehler zu stempeln. Nun, ich sage, man mu\u00df zwei Dinge auseinanderhalten&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[5]<\/span><\/span><\/span><\/a> Haben die Kommunisten, wenn sie reell an die Machteroberung denken, sich einen Termin f\u00fcr ihre Arbeit zu setzen? Jawohl.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>K\u00f6nnen sie ihn so setzen, da\u00df sie der Masse sagen&nbsp;: Werte Genossen, wann wir die Macht nehmen, wissen wir nicht, aber setzen wir aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden einen Termin f\u00fcr uns fest. Das k\u00f6nnen sie nicht tun.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also, sie m\u00fcssen sich einen Termin zum Kampfe setzen. Der Fehler bestand nicht in der Terminsetzung, sondern erstens darin, da\u00df die Terminsetzung in Moskau erfolgte. Ich habe damals schon erkl\u00e4rt&nbsp;: nur im Flu\u00df der Ereignisse kann die Instanz, die den Kampf f\u00fchrt, sich den Termin setzen. Denn wenn diese Instanz in Moskau den Termin festsetzt &#8209;&nbsp;die Partei erf\u00e4hrt es, denn wenn sie es nicht erf\u00e4hrt, ist es ein Unsinn ihn festzusetzen,&nbsp;&#8209; so beginnt die Panik, das Geschrei von Verrat, wenn man gen\u00f6tigt ist, den Kampf zu verschieben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber ich glaube, die Terminsetzung, ob richtig oder nicht, spielte \u00fcberhaupt keine Rolle. Die Hauptrolle in der ganzen Geschichte spielte die Tatsache, da\u00df die Partei, die bisher die Kampffront nicht aufmarschieren lie\u00df,&nbsp;&#8209; als sie sich sagte&nbsp;: Kampf, erkl\u00e4rte, der bestehe darin, da\u00df wir uns zum Losschlagen vorbereiten, und da\u00df sie inzwischen nichts tat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Tatsache war die ausschlaggebende Tatsache f\u00fcr die Niederlage.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ihr k\u00f6nnt sagen&nbsp;: ob im Oktober oder schon im Mai die Fehler gemacht wurden, nicht die Frage ist entscheidend. Die entscheidende Frage ist&nbsp;: Warum haben wir die Fehler gemacht?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wir haben eine Periode unserer Geschichte, die bis zu den M\u00e4rzk\u00e4mpfen hinaufgeht. Worin besteht sie? Wir suchten uns damals die Ergreifung der Macht als aktive Aufgabe zu stellen. Seit wenigstens September 1920, seit unserer Niederlage in Polen, war es klar, da\u00df die Welle der Revolution abflaute, da\u00df wir uns als Hauptaufg\u00e4be die Eroberung der Mehrheit des Proletariats stellen mu\u00dften. Wie kamen wir zu der Stellung dieser Aufgabe? Die Partei konnte nicht von der Taktik des Strebens nach der Machtergreifung ohne weiteres hinuntergehen zu der Taktik&nbsp;: erst organisieren wir die Mehrheit des Proletariats; sie mu\u00dfte sich zuerst die Sch\u00e4del einrennen. Es hat sich praktisch gezeigt, weder wir hier in Moskau haben schnell genug gesehen und visiert, noch die Genossen in der Arbeit haben die \u00c4nderung der Situation schnell genug verstanden. Und erst, als wir unvorbereitet geschlagen wurden, da ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen, und wir haben gesagt&nbsp;: die Situation hat sich ge\u00e4ndert, man mu\u00df zuerst die Massen erobern. Diese Periode der Eroberung der Massen mit Agitation und Propaganda dauerte bis zum Ruhrkriege. Dann aber konnten wir sie nicht mehr auf propagandistischem Wege erobern, mu\u00dften, um sie zu erobern, zu Aktionen \u00fcbergehen. Und wieder ist der Umstand, da\u00df wir vor einer zweiten Welle der Revolution stehen, weder von uns hier, noch von euch dort als Ganzes schnell genug erfa\u00dft worden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, bedeutet das&nbsp;: die F\u00fchrung war sozialdemokratisch? Nein, die deutsche kommunistische F\u00fchrung ist besser als in irgendeinem anderen Lande, wo wir Massenparteien haben, aus einem einfachen Grunde. In keinem einzigen Lande hatten wir die K\u00e4mpfe, die wir in Deutschland hatten. Es ist die Marxsche Schulung da, es fanden die K\u00e4mpfe mit Kautsky statt, die Erfahrung der Revolution ist gro\u00df. Die F\u00fchrung hat nat\u00fcrlich sozialdemokratische Z\u00fcge, wie es Genossen gibt, die Z\u00fcge des vollkommenen Mangels am Verst\u00e4ndnis einer Massenbewegung haben, die gar nicht in der Sozialdemokratie waren. Wir setzen uns die F\u00fchrung der Partei zusammen aus den Elementen, die wir haben, nicht aus der Luft.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aus diesem Grunde ist jetzt f\u00fcr mich die wichtigste Frage; nachdem ich zu dieser Auffassung \u00fcber die Gr\u00fcnde unserer Niederlage usw. gekommen bin&nbsp;: Was weiter?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>F\u00fcr dieses &quot;Was weiter?&quot; m\u00fc\u00dfte man zuerst folgende Dinge feststellen. Erstens m\u00fc\u00dfte man suchen, wer in Deutschland herrscht. In jeder Situation hat der Politiker, der eine Massenaktion zu leiten hat, im voraus festzustellen, gegen welchen Gegner er den Kampf f\u00fchrt, wie die Struktur dieses Gegners, welches sein Wesen ist. Der Streit dar\u00fcber, ob der Faschismus gesiegt hat oder nicht, dieser Streit ist entschieden, nicht durch Worte, er ist entschieden durch Tatsachen. Er ist entschieden durch die Tatsache, da\u00df die Bourgeoisie mit milit\u00e4rischen Mitteln die Arbeitermasse zur\u00fcckgeworfen und ihr das Stinnesprogramm aufgedr\u00e4ngt hat, und da\u00df die Arbeiterklasse im Zur\u00fcckfluten ist. Der Sinn eures Widerstandes&nbsp;&#8209; ich verstand ihn sehr gut, solange ihr noch glauben konntet, da\u00df wir in den n\u00e4chsten Wochen vielleicht st\u00fcrmen k\u00f6nnen, und da\u00df wir uns den Weg durch eine Formel versperren, bei der Genosse Sinowjew das Gef\u00fchl hatte, sie bedeutet die Kapitulation. Damals hatte euer Widerstand doch einen Sinn. Aber wenn ihr, liebe Genossen, gen\u00f6tigt sein werdet, noch ein Jahr lang zu streiten, ob der Faschismus gesiegt hat, dann ist bewiesen, da\u00df er gesiegt hat&#8230; Ich versteife mich so wenig auf Formeln, die f\u00fcr mich nur ein Mittel der Politik sind, da\u00df ich, als mich Genosse Remmele und Genosse Koenen baten&nbsp;: Sagen wir, um den Streit nicht zu versch\u00e4rfen, die Wei\u00dfen haben gesiegt, antwortete, meinetwegen kann man auch sagen, die Blonden, die Br\u00fcnetten haben gesiegt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Remmele&nbsp;: Zwischenruf&#8230;)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genosse Remmele, in ihren Thesen ist gesagt, da\u00df der Faschismus gesiegt hat, nur haben sie das Wort nicht gebraucht, und sie haben das damit erkl\u00e4rt&nbsp;: wir brauchen nicht den Streit nach dem Koltschakartikel auf diesem Gebiet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wor\u00fcber hat der Faschismus gesiegt? Die vorhergegangene Periode in Deutschland war die Periode der b\u00fcrgerlichen Demokratie wie sie im Buche steht. Es gibt kein Land in der Welt, wo das Proletariat trotz periodischer R\u00fcckkehr der Unterdr\u00fcckungen eine solche Bewegungsfreiheit hatte. Und welchen gro\u00dfen Einflu\u00df hatte die Arbeiteraristokratie in der Novemberrepublik. Wer das verkennt, der versteht nicht das A und O, warum die sozialdemokratischen Massen so an ihrer Republik h\u00e4ngen. Der Streit zwischen uns ging nicht dar\u00fcber, ob die Sozialdemokratie vergewaltigt, oder eine Prostituierte ist; nicht darum ging der Streit. Die Ursache, warum ich f\u00fcr absolut n\u00f6tig hielt, zu sagen, der Faschismus hat gesiegt, ist eine andere. Wenn der Faschismus gesiegt hat und die Sozialdemokratie sein Verb\u00fcndeter ist,&nbsp;&#8209; kein B\u00fcndnis mehr mit der Sozialdemokratie.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zweiter Grund. Neben der Frage der \u00c4nderung der Einheitsfronttakik,. d.&nbsp;h, des Absagens an die F\u00fchrer der Sozialdemokratie, wie es in der Reichsausschu\u00df-Resolution enthalten ist, halte ich f\u00fcr die zweite ausschlaggebende Frage der deutschen Revolution das Heranziehen der kleinb\u00fcrgerlichen Massen. Und hier komme ich zu einer Sache, die f\u00fcr mich, ich mu\u00df sagen, einerseits eine der wichtigsten, andererseits eine der komischsten<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/a> Fragen als Differenzfrage ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wir haben w\u00e4hrend der Diskussionen mit den deutschen Genossen im Fr\u00fchling hier in Moskau die Resolution \u00fcber die nationale Frage gefa\u00dft, in der wir sagten&nbsp;: die Partei steht vor einer neuen Aufgabe, der Eroberung des Kleinb\u00fcrgertums, das proletarisiert wird, als des Bundesgenossen, den wir vor der Eroberung der Macht in Deutschland zum Teil f\u00fcr uns gewinnen. Darum die Teilnahme der Partei an Mittelstandsfragen und die Hervorkehrung der nationalen Frage. Wir haben in der Erweiterten Exekutive dazu Stellung genommen. Die Schlageterrede<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[7]<\/span><\/span><\/span><\/a> wurde einstimmig gutgehei\u00dfen. Nach der Rede haben Genossin Fischer und Remmele Arm in Arm mit mir diese Agitation weiter gef\u00fchrt. Mehr noch. In den Thesen der Exekutive und des russischen Z.K. \u00fcber die deutsche Frage und in den Artikeln, die Genosse Sinowjew zur deutschen Revolution ver\u00f6ffentlichte, wurde das als das Neue erkl\u00e4rt und mit Recht. In Ru\u00dfland spielte der Bauer, weil er der Armee angeh\u00f6rte, die Rolle des Verb\u00fcndeten. W\u00e4re die Armee nicht dagewesen, so w\u00fcrde er eine gro\u00dfe Rolle sp\u00e4ter, nach der Machteroberung, gespielt haben, aber nicht die zentrale Rolle bei der Machteroberung. In Deutschland haben wir ein proletarisiertes Kleinb\u00fcrgertum, es geht unter faschistischen Fahnen, und der Sieg des Faschismus bedeutet seinen Ruin. Aus diesem Grunde spielen die Differenzen im Lager des Faschismus eine entscheidende politische Rolle f\u00fcr uns. Nur wenn wir durch Herausarbeitung dieser Gegens\u00e4tze und durch ihre Sch\u00fcrung die kleinb\u00fcrgerlichen Massen, wenigstens einen Teil von ihnen, von Stinnes und Westarp trennen und f\u00fcr uns gewinnen k\u00f6nnen, nicht als Mitglieder, aber als einen, wenn auch schwankenden Bundesgenossen, haben wir einen wichtigen Schritt vorw\u00e4rts gemacht. Genosse Sinowjew schrieb in seiner Brosch\u00fcre \u00fcber die Probleme der deutschen Revolution<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/a>&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die deutsche Revolution ist eine klassische proletarische Revolution. Das aber bedeutet nicht, da\u00df die gesamte \u00fcbrige Bev\u00f6lkerung Deutschlands eine reaktion\u00e4re Masse darstellt. Umgekehrt, das Neue, das Spezifische in der proletarischen deutschen Revolution bildet die besondere Rolle, die in ihr die st\u00e4dtische kleinb\u00fcrgerliche Masse spielen wird. Man kann sogar sagen, da\u00df bis zu einem gewissen Grade dieselbe Rolle, die in der russischen Revolution das durch den Krieg erm\u00fcdete Bauerntum gespielt hat, in der deutschen die breiten Massen des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums spielen werden, die durch die kapitalistische Entwicklung an den Rand des Elends gebracht worden sind.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, welche speziellen Aufgaben demgegen\u00fcber haben wir? Erlauben Sie mir, eine Stelle aus der Brosch\u00fcre des Genossen Lenin &quot;Der Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus&quot;, zu zitieren&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Einen m\u00e4chtigen Feind besiegen kann man nur bei gr\u00f6\u00dfter Anspannung der Kr\u00e4fte und bei unbedingter, sorgf\u00e4ltiger, sorgsamer, vorsichtiger, geschickter Ausnutzung eines jeden &#8209;&nbsp;wenn auch des kleinsten&nbsp;&#8209; &quot;Risses&quot; zwischen den Feinden, eines jeden Interessengegensatzes zwischen der Bourgeoisie innerhalb der einzelnen L\u00e4nder &#8209;&nbsp;so auch einer jeden&nbsp;&#8209; wenn auch der kleinsten<\/span>&nbsp;&#8209;<span lang=DE> M\u00f6glichkeit, sich einen Verb\u00fcndeten zu erwerben, wenn auch nur einen zeitweiligen, schwankenden, unbest\u00e4ndigen, unzuverl\u00e4ssigen, bedingten. Wer das nicht begriffen hat, der hat auch nicht ein Gramm von Marxismus und vom wissenschaftlichen heutigen &quot;zivilisierten&quot; Sozialismus \u00fcberhaupt begriffen. Wer nicht praktisch w\u00e4hrend einer ziemlich bedeutenden Zeitspanne und in ziemlich verschiedenartigen politischen Lagen erwiesen hat, da\u00df er es versteht, diese Wahrheit in der Praxis anzuwenden, der hat es noch nicht gelernt, der revolution\u00e4ren Klasse in ihrem Kampfe um die Befreiung der ganzen werkt\u00e4tigen Menschheit von den Ausbeutern zu helfen. Das Gesagte bezieht sich in gleicher Weise auf die Periode vor und nach der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>An einer andern Stelle der gleichen Brosch\u00fcre behandelt er die Bedeutung dieser Unterschiede nicht nur zwischen dem Kleinb\u00fcrgertum und der gro\u00dfen Masse, sondern er nimmt sogar die friedliche \u00dcbergangssituation, wie sie in England besteht, und schreibt&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die Uneinigkeit zwischen den Churchill und Lloyd George (diese politischen Typen gibt es in allen L\u00e4ndern mit geringen nationalen Unterschieden) einerseits, zwischen den Henderson und den Lloyd George andererseits, sind ganz unwichtig und geringf\u00fcgig vom Standpunkt des reinen, d.&nbsp;h. des abstrakten, d.&nbsp;h. des f\u00fcr die praktische politische Massenaktion noch nicht reifen Kommunismus. Aber, vom Standpunkt dieser praktischen Aktion der Massen sind diese Uneinigkeiten \u00e4u\u00dferst wichtig. In ihrer Abw\u00e4gung, in der Bestimmung des Augenblicks der vollen Reife der unter diesen &quot;Freunden&quot; unvermeidlichen Konflikte, die alle diese &quot;Freunde&quot; insgesamt schw\u00e4chen und entkr\u00e4ften&nbsp;&#8209; besteht die ganze Aufgabe des Kommunisten, der nicht nur ein bewu\u00dfter, \u00fcberzeugter, illegaler Kommunist, sondern auch ein praktischer F\u00fchrer der Massen in der Revolution sein will. Man mu\u00df die strengste Hingebung f\u00fcr die Ideen des Kommunismus mit dem Verm\u00f6gen vereinigen, auf alle notwendigen, praktischen Kompromisse, auf Lavieren und Paktieren, auf Zickzacklinien, R\u00fcckz\u00fcge und dergl. einzugehen, um die Verwirklichung und die \u00dcberwindung der politischen Macht der Henderson (der Helden der Zweiten Internationale, um nicht die Namen einzelner Personen, die Vertreter der kleinb\u00fcrgerlichen Demokratie, die sich Sozialisten nennen, anzuf\u00fchren), zu beschleunigen, die die Massen gerade in unserem Geiste, gerade in der Richtung zum Kommunismus aufkl\u00e4rt&nbsp;: um unvermeidlich Reibungen, Konflikte, Streitigkeiten, den vollen Zerfall zwischen den Henderson &#8211; Lloyd George &#8211; Churchill (den Menschewiki und den Sozialrevolution\u00e4ren, Kadetten, Monarchisten, der Scheidemann-Bourgeoisie, Kapp usw.) zu beschleunigen und um richtig den Augenblick des gr\u00f6\u00dften Zerfalls zwischen allen diesen &quot;Streitereien \u00fcber den heiligen Privatbesitz&quot; zu w\u00e4hlen, um durch einen entschlossenen Angriff des Proletariats alle zu schlagen und die politische Macht zu erobern.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, was bedeutet das f\u00fcr mich? Das bedeutet f\u00fcr mich folgendes&nbsp;: die Bauern werden in Deutschland nach dem Sieg der Revolution eine gro\u00dfe Rolle spielen, weil es um die Frage gehen wird&nbsp;: wo kriegen wir Brot her? Bei der Eroberung der Macht aber werden sie keine so gro\u00dfe Rolle spielen, die wird in den St\u00e4dten erobert. Es gibt keine konzentrierte Bauernarmee in Deutschland, keine konzentrierte gro\u00dfe Masse von Bauern. Darum wird die Zersetzung des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums eine sehr gro\u00dfe Rolle spielen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Welche Rolle spielen dabei die Zersetzung, die Gruppierungen im Lager des Faschismus. Ich glaube, da\u00df in dem Gegensatz, der sich in dem Artikel des Genossen Sinowjew &#8209;&nbsp;&quot;Der deutsche Koltschak&quot;&nbsp;&#8209; zu meiner Auffassung \u00e4u\u00dfert, es eine gewisse Rolle spielt, da\u00df Genosse Sinowjew nicht genug zwischen der Lage der kleinb\u00fcrgerlichen Massen Deutschlands und Ru\u00dflands unterscheidet. Er sagt, die Menschewiki haben nach der Niederlage der Revolution von 1905 die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kadetten und den Oktobristen herausgearbeitet. Wir, die Bolschewiki, wu\u00dften, da\u00df diese Parteien verschiedene Teile der Schichten der Bourgeoisie darstellten, aber wir sagten uns, dieser Gegensatz wird nicht ausschlaggebend sein, und man soll gegen die Bourgeoisie visieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wenn zwischen den kleinb\u00fcrgerlichen \u00c4rzten, Beamten, Handwerkern und Stinnes und Westarp derselbe Unterschied bestehen w\u00fcrde, wie zwischen Gutschkow und Miljukow, so h\u00e4tte Sinowjew recht. Aber er vergi\u00dft das Ausschlaggebende. In Westeuropa gibt es den breiten neuen Mittelstand und \u00dcberreste des alten Mittelstandes, in die Millionen gehende Massen des Kleinb\u00fcrgertums, das jetzt sozial von dem Kapitalismus vollkommen ruiniert wird, anders als in Ru\u00dfland 1907. Ru\u00dfland befand sich in einer aufsteigenden Epoche der wirtschaftlichen Entwicklung, wo der Kapitalismus, selbst wo er die Selbst\u00e4ndigkeit der Mittelklassen ruinierte, ihre soziale Stellung nicht so verschlechterte. In Westeuropa haben wir den Proze\u00df einer solchen Expropriation der Mittelschichten, wie sie niemals bestand.&nbsp;&#8209; Das sind also die Zersetzungselemente, die wir ausnutzen m\u00fcssen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, ich bin verhindert, auf die Frage einzugehen, in der ein wichtiger Gegensatz noch zwischen uns besteht, n\u00e4mlich Weiterf\u00fchrung der Einheitsfronttaktik in internationalem Ma\u00dfstabe. Ich will jetzt nur zwei Worte dazu sagen. Der 4.&nbsp;Kongre\u00df hatte nicht die Auffassung, da\u00df die Einheitsfronttaktik der Evolution dienen soll, da\u00df eine lange Zeitspanne zwischen der kommenden Revolution und der Zeit liegen wird, wo wir uns auf dem Boden der Demokratie befinden werden. Trotzdem hat er in Westeuropa die M\u00f6glichkeit spezieller Situationen ins Auge gefa\u00dft, wo die Ausnutzung sogar einer demokratisch uns in die H\u00e4nde gefallenen Arbeiterregierung als Sprungbrett f\u00fcr die K\u00e4mpfe um die Diktatur sich bieten kann. Und m\u00f6gen wir tausend Fehler in unserer Anwendung der Einheitsfronttaktik, gemacht haben, so sollen wir sie korrigieren. Wenn wir diese M\u00f6glichkeit aber aus dem Auge lassen, wenn wir sagen, Einheitsfronttaktik ist nur Agitation, dann sind wir erstens theoretisch im Unrecht, weil wir die Augen vor M\u00f6glichkeiten verschlie\u00dfen, die in Deutschland noch zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Scholem&nbsp;: H\u00f6rt! H\u00f6rt!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich erkl\u00e4re, da\u00df ich kein Politikaster bin, sondern will, da\u00df wir \u00fcber die Gegens\u00e4tze diskutieren, wenn die Zersetzung des Faschismus, der faschistischen Truppen vor sich geht, k\u00f6nnen wir in Situationen kommen, wo wir die s\u00e4chsische Karte besser spielen k\u00f6nnen, als wir sie gespielt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Sehr richtig!) (H\u00f6rt! H\u00f6rt!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und wer diese M\u00f6glichkeit verriegeln will,&nbsp;&#8209; auf diesem Boden gibt es keine Kompromisse.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Sehr richtig!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aus dem einfachen Grunde; entweder werden wir in Westeuropa zu kommunistischen Diskussionsparteien oder zu k\u00e4mpfenden Parteien, und die letzteren m\u00fcssen alle praktischen M\u00f6glichkeiten sich offen lassen. 99&nbsp;Prozent sprechen daf\u00fcr, da\u00df auf dem Kontinent Europa die Frage der Arbeiterregierung keine entscheidende Rolle spielen wird; da\u00df sie in England eine entscheidende Rolle spielen kann, unterliegt f\u00fcr mich keinem Zweifel.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aus diesem Grunde sage ich&nbsp;: Ich bin bereit, da f\u00fcr mich eine praktische Linie der Partei tausendmal wichtiger ist als alle theoretischen Spintisierereien dar\u00fcber, wie es in&nbsp;1, in&nbsp;5, in 6&nbsp;Jahren aussehen wird, 10&nbsp;Formulierungen zu opfern, aber es ist keine M\u00f6glichkeit, sich praktisch den Weg zu verbauen. Denn dann werden wir die gr\u00f6\u00dfte Krise des Kommunismus heraufbeschw\u00f6ren, die darin bestehen wird, da\u00df unsere Theorie den wirklichen Notwendigkeiten der Bewegung nicht entsprechen wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich schlie\u00dfe.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich will noch einen Gedanken hineinwerfen. Die gr\u00f6\u00dfte Quelle der Krise, die wir hatten, die wir noch haben werden, jahrelang, wenn die Revolution nicht kommen wird, besteht darin&nbsp;: wir sind die Partei der Diktatur, aber wenn keine revolution\u00e4ren Wellen schlagen, so kann man f\u00fcr die Diktatur nur Propaganda, Agitation treiben. Und die Masse lebt nicht nur von der Propaganda, und Agitation. Vor den kommunistischen Parteien stehen praktische Aufgaben. In denen ist es so schwierig, den Standpunkt des Kommunismus durchzuf\u00fchren, da\u00df eine gro\u00dfe Diskrepanz herrscht zwischen unserem Wollen und unserem K\u00f6nnen. Und wenn wir das nicht sehen und auf Grund dieser Diskrepanz unsere Leitungen zu reformistischen stempeln, Genossen, dann werden wir zerfallen. Als ich gestern die herrliche Rede von Th\u00e4lmann h\u00f6rte, da sagte ich mir&nbsp;: ein solches agitatorisches Feuer, ein solcher Glaube an die Revolution,&nbsp;&#8209; und trotzdem, in Hamburg haben wir 14.000 Mitglieder, und die Sozialdemokratie ist dort 78.000 Mann stark.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Hat aber 30.000 jetzt verloren.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nach f\u00fcnf Jahren des gr\u00f6\u00dften Verrats der Revolution.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mit einer rein agitatorischen Linie des Kommunismus werden wir herrliche kleine kommunistische Parteien haben. Es wird wieder die Frage stehen&nbsp;: Sekte oder Masse. Sie stand schon so. W\u00fcrden wir im M\u00e4rz die Partei nicht zur\u00fcckgehalten haben, h\u00e4tte Levi Recht. Wir haben sie zur\u00fcckgehalten, sagten&nbsp;: Heran an die Massen auf dem praktischen Boden. Und heute steht die Frage noch einmal.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir werden die Meinungsverschiedenheiten ausfechten. Da wir keine Levis sind, werden wir uns, wie er fallen wird &#8209;&nbsp;wie er fallen wird&nbsp;&#8209;, jedem Beschlu\u00df der Exekutive alle, alle f\u00fcgen. Aber verwischen werden wir die Gegens\u00e4tze nicht, wie sie bestehen. Den Kampf werden wir k\u00e4mpfen innerhalb der Kommunistischen Internationale.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich werde meine Auffassung; wenn die Kommission arbeiten wird, dieser in der Form von Thesen unterbreiten, die vom Genossen Trotzki, von P. und mir entworfen sind. <\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>II.<br> Referat des Genossen Brandler<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen! Ich stimmte mit den Darlegungen des Vertreters der Exekutive in allen Dingen so \u00fcberein, da\u00df ich mir die Tatsachenschilderung und die Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr den Abschnitt, \u00fcber den er gesprochen hat, ersparen kann. Ich will sozusagen dort fortfahren, wo er aufgeh\u00f6rt hat. Die Resolution des Polit-B\u00fcros der K.P.D., die Gen. Sinowjew vorgelesen hat, geht von einer tats\u00e4chlich falschen Voraussetzung aus. Alle Beschl\u00fcsse der deutschen Partei sind nicht von einer schwachen Mehrheit der deutschen Zentrale gegen eine rechte Minderheit, sondern von einer erdr\u00fcckenden Mehrheit gegen eine sehr schwache linke Minderheit gefa\u00dft worden. Der Plan wurde mit Zustimmung und unter hervorragender Mitwirkung der Exekutive ausgearbeitet. Wir m\u00fcssen die Kritik des Planes und die der Durchf\u00fchrung trennen. Diese Darstellung in dem Resolutionsentwurfe entspricht ganz einfach nicht den Tatsachen. Die Differenz in der Minderheit, von der die Rede ist, entstand nur hinterher, und zwar auch nicht in Bezug auf das, was jetzt praktisch zu geschehen hat, sondern in der Vergangenheit bei der Beantwortung des Briefes des E.K. Ich will, warten, bis mir dieser Resolutionsentwurf schriftlich vorliegt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wie sind wir in diese Oktoberniederlage hineingekommen? Der Vertreter der Exekutive schilderte, wie er nach der Chemnitzer Konferenz am&nbsp;22. nach Deutschland kam und schon vor fertigen Tatsachen stand. Es wird notwendig sein, sich dar\u00fcber klar zu werden, wie die Dinge lagen, die uns die Situation schuf, die der Vertreter der Exekutive geschildert hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich kam am 8.&nbsp;Oktober, nach Deutschland, am&nbsp;12. wurde die s\u00e4chsische Regierung gebildet. Ich kam in die fast erledigten Verhandlungen \u00fcber die Regierungsbildung hinein. Die Ereignisse folgten in riesiger Schnelligkeit aufeinander. Ich hatte keine Zeit mehr, mir die Situation &#8209;&nbsp;wie ich es mir vorgenommen hatte&nbsp;&#8209; richtig, eingehend zu betrachten. Der Eintritt in die s\u00e4chsische Regierung erfolgte auf Grund des Beschlusses der Exekutive. Die Exekutive hat telegraphisch von den Genossen gefordert, ohne gen\u00fcgende Vorbereitung in die Regierung einzutreten. Ich war gegen den Telegramm-Entwurf Sinowjews und f\u00fcr die Ab\u00e4nderung Radeks, weil ich mir sagte, wenn der Eintritt in die s\u00e4chsische Regierung der Waffenbeschaffung dienen soll, so kann er nur auf Grund einer intensiven Vorbereitung in Sachsen und im \u00fcbrigen Reich geschehen. Der Beschlu\u00df auf Eintritt in die Regierung ist \u00fcberst\u00fcrzt zustande gekommen. Der Zweck des Eintritts war nicht ein parlamentarisches Man\u00f6ver, der Zweck war die Beschaffung von Waffen. Weil aber der Eintritt in die Regierung fast gar nicht vorbereitet war, konnten die Ma\u00dfnahmen, die notwendig gewesen w\u00e4ren, nicht getroffen werden. Um Waffen beschaffen zu k\u00f6nnen, mu\u00df man den b\u00fcrokratischen Apparat und die Waffenlager kennen. Dazu bedarf es einer ganzen Reihe von Vorbereitungen. Keine einzige war erf\u00fcllt. Man mu\u00df den b\u00fcrgerlichen Apparat beherrschen und kennen, wenn man ihn ausn\u00fctzen soll. Das sind anscheinend kleine, nebens\u00e4chliche Geschichten, die aber f\u00fcr uns von gro\u00dfer Bedeutung waren. Die ganze Regierungsherrlichkeit der Kommunisten hat neun Tage gedauert. In diesen neun Tagen ist nichts anderes geschehen, als da\u00df Versuche unternommen worden sind, Waffen herauszuholen. An den mangelnden Vorbereitungen scheiterte der Versuch.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich bin nach wie vor der Meinung, da\u00df die M\u00f6glichkeit gegeben ist, das s\u00e4chsische Experiment besser zu machen, wie es gemacht wurde. Es ist h\u00f6chstwahrscheinlich, da\u00df sich die Dinge ganz anders entwickeln, und wir nie mehr in eine \u00e4hnliche Lage kommen. Wir sollen aus den gemachten Fehlern lernen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Th\u00e4lmann sagte, wir h\u00e4tten im Grunde genommen nicht an die Revolution geglaubt, deswegen h\u00e4tten wir, als die Situation reif zum Kampfe war, nicht pl\u00f6tzlich einen Sprung machen k\u00f6nnen. Das hat, mit Th\u00e4lmannscher \u00dcberzeugungskraft vorgetragen, sehr viel Plausibles f\u00fcr sich. Und doch ist die Frage falsch. Ich stelle die Frage so&nbsp;: Waren objektiv die Verh\u00e4ltnisse im Oktober reif? H\u00e4ngt die Revolution davon ab &#8209;&nbsp;obgleich keiner die subjektive Rolle der Kommunistischen Partei h\u00f6her einsch\u00e4tzt als ich&nbsp;&#8209;, ob die F\u00fchrer der Kommunistischen Partei keinen inneren Glauben an die Revolution haben? Macht deswegen die Revolution halt? Oder sind objektiv andere Kr\u00e4fte am Werk, die ihren Ausbruch verhindert haben? Wenn Th\u00e4lmann recht hat, haben wir die Revolution verraten. Dann sind die Dinge einfach. Die Verr\u00e4ter werden entfernt, die 100&#8209;Prozent-Revolution\u00e4re eingesetzt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen! Die M\u00e4rzaktion 1921 zeigte uns, da\u00df die ganze Klassenlage, die ganzen objektiven Verh\u00e4ltnisse nicht reif dazu waren, da\u00df wir im Sturmangriff den Kapitalismus h\u00e4tten niederschlagen k\u00f6nnen; die objektiven Verh\u00e4ltnisse f\u00fchrten dazu, da\u00df wir nach einem abgeschlagenen Sturmangriff in der M\u00e4rzaktion eine gro\u00dfe Niederlage erleben mu\u00dften. F\u00fcr diese Niederlage wurde ich pers\u00f6nlich genau so verantwortlich gemacht, wie f\u00fcr die Oktoberniederlage. Also die gegenteilige Lage. Das nur nebenbei. Ich habe politische Fehler gemacht und andere Genossen auch. Aber ich glaube, ich habe die Eigenschaft, denselben Fehler nicht zweimal zu machen. Ich \u00fcbernehme die volle Verantwortung f\u00fcr den R\u00fcckzug im Oktober. Ich behaupte, wenn ich nicht in der kritischen Situation mit beiden Beinen hineingesprungen w\u00e4re und nach der Chemnitzer Konferenz die Dinge herumgerissen h\u00e4tte, wir w\u00e4ren in einen Kampf hineingekommen, der uns eine entscheidende Niederlage gebracht h\u00e4tte, der uns f\u00fcr Jahre jede Diskussion \u00fcber eine M\u00f6glichkeit des Sieges des Proletariats unm\u00f6glich gemacht h\u00e4tte. Ich \u00fcbernehme f\u00fcr diesen R\u00fcckzug pers\u00f6nlich alle Verantwortung. Ich sage noch mehr. Ich w\u00fcrde in einer \u00e4hnlichen Situation wieder genau so handeln.&nbsp;&#8209; Wir hatten uns mit der Exekutive beraten. Wir glaubten, da\u00df wir Mitteldeutschland zum Aufmarschgebiet machen k\u00f6nnten, da\u00df wir aus der Verteidigung zum Angriffe und dann zum Kampfe um die proletarische Diktatur \u00fcbergehen k\u00f6nnten. Diesem Plan hat die Exekutive im September ihre volle Zustimmung- gegeben. Der Plan war richtig, aber in der Beurteilung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse haben wir &#8209;&nbsp;sowohl das E.K. der K.I wie das Z.K. der K.P.D.&nbsp;&#8209; uns geirrt. Wir haben den leichtesten Weg zum Siege der Revolution gew\u00e4hlt. Der Sieg ist aber schwerer. Auf Grund welcher Beurteilung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse hatten wir uns auf diesen relativ leichtesten Weg eingestellt? Um das klarzumachen, mu\u00df ich auf die Dinge zur\u00fcckgreifen, die sich bei der Ruhrbesetzung abgespielt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Als wir auf dem Leipziger Parteitag zusammen waren, fiel das gerade zusammen mit dem Beginn der Ruhrbesetzung. Wir waren uns dar\u00fcber klar, da\u00df die Ruhrbesetzung von einschneidender Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung in Deutschland und die deutsche Revolution ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Hesse und Maslow&nbsp;: Aber es wurde dar\u00fcber nicht gesprochen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben im Aufrufe und Genossin Zetkin in ihrem Referat gerade diese Frage ganz klar visiert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(R.&nbsp;Fischer&nbsp;: In der \u00f6ffentlichen Versammlung.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben auf dem Parteitag einstimmig dieses Manifest angenommen. Es war also nicht in \u00f6ffentlicher Versammlung, sondern es war die Meinungs\u00e4u\u00dferung des Parteitags, und sogar noch in feierlicher Sitzung wurde diese Auffassung dokumentiert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben dann auch im politischen Referat zu diesen Dingen Stellung genommen. Ich habe in diesem Referat auch ausgef\u00fchrt, da\u00df wir nicht \u00fcbersehen k\u00f6nnen, ob wir l\u00e4nger in dem revolution\u00e4ren Wellental bleiben, in dem wir damals waren, oder ob wir durch die Ruhrbesetzung in eine neue aufsteigende revolution\u00e4re Welle hineinkommen. Es war kein einziger von Euch, der damals weiser gewesen w\u00e4re als ich und erkl\u00e4rt h\u00e4tte, wir kommen bestimmt in solche revolution\u00e4re Welle hinein. Und ich formulierte in den Thesen, die mit Mehrheit angenommen wurden, da\u00df wir uns auf beide M\u00f6glichkeiten einstellen m\u00fcssen. Auf Grund dieses Beschlusses des Leipziger Parteitages ist die Parteipolitik getrieben worden. Worin bestand diese Politik? Da\u00df wir zuerst nur schwer die Massen gegen diese Ruhrbesetzung mobil machen konnten. Es war uns nicht m\u00f6glich, sie gegen die Ruhrbesetzung auf die Beine zu bringen. Sie wurden nicht von einem gro\u00dfen breiten nationalen Taumel erfa\u00dft, sondern nur das Kleinb\u00fcrgertum war etwas national und nationalistisch erregt und bewegt. Wir mu\u00dften, um \u00fcberhaupt zu versuchen, Bewegungen zustande zu bringen, tasten, was denn eigentlich die Massen aufgreifen, um daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen. Wir haben damals die 10&nbsp;Sammellosungen herausgegeben, die ein ziemliches Durcheinander waren. Wozu? Um uns selbst zu orientieren, f\u00fcr welche Dinge wir das Proletariat in den Kampf f\u00fchren k\u00f6nnen, um \u00fcber die Propaganda hinauszukommen. Es war jene Situation, wo das Proletariat im Ruhrgebiet von der franz\u00f6sischen Besatzungsarmee und von den deutschen Unternehmern poussiert wurde. Deshalb konnten wir keinen Widerstand gegen die deutschen Unternehmer in den ersten Monaten organisieren. Als die Ruhrinvasion kam, sagten die Franzosen&nbsp;: Wir wollen gegen Deine Bourgeoisie k\u00e4mpfen, nicht gegen den Arbeiter, und sie lie\u00dfen den Arbeitern die allergr\u00f6\u00dfte Bewegungsfreiheit&nbsp;: und der deutsche Unternehmer sagte&nbsp;: Du mu\u00dft jetzt gegen die Franzosen dadurch k\u00e4mpfen, da\u00df Du in die Betriebe gehst, nicht arbeitest, Dir die H\u00e4nde nicht schmutzig machst. Das wurde noch verst\u00e4rkt dadurch, da\u00df mit dem Einzug der Franzosen eine 100&#8209;prozentige Lohnerh\u00f6hung f\u00fcr die Bergarbeiter eintrat. Das gab uns nicht die M\u00f6glichkeit, die Ruhrarbeiter zu anderen Aktionen zu bringen als zu gewaltigen Versammlungsprotesten. Es war jene Periode, wo die Opposition krampfhaft um jeden Preis Aktionen wollte, indem sie die Losung der Betriebsbesetzung gab, die die Franzosen auch gaben und die von der Partei abgelehnt wurde. In Aktion brachten wir die Arbeiter damals mit der Losung der Kontrollaussch\u00fcsse und der Bildung der proletarischen Hundertschaften. Wir haben diese Losung nicht erfunden, sondern sie bei dem Abtasten gefunden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das war die Situation zu Anfang des Ruhrkrieges. Sie endete sehr schnell, als im Mai der passive Widerstand der deutschen Bourgeoisie zusammengebrochen war und alle Kosten und Lasten nicht nur der ersten sogenannten Erf\u00fcllungspolitik, sondern auch der sogenannten Sabotagepolitik auf das Proletariat abgew\u00e4lzt wurden. Es entstand zum erstenmal jener elementare Kampf der Ruhrbergleute, der unbestritten unter der F\u00fchrung der Kommunistischen Partei zustande kam. Was der Sozialdemokratie in der Vorkriegszeit und w\u00e4hrend des Krieges nicht m\u00f6glich war und was uns w\u00e4hrend und nach dem Kriege auch nicht gelang, die geschlossene F\u00fchrung einer solchen breiten Massenbewegung, das gelang uns dort zum ersten Male unter den ersten Anzeichen des Zusammenbruchs des passiven Widerstandes der deutschen Bourgeoisie.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun bin ich der Meinung, hinterher kann man jetzt sehr gut sagen, es war das Kennzeichnende dieses Ruhrkrieges, da\u00df die aufsteigende Welle des Proletariats da war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(K\u00f6nig&nbsp;: Haben wir nicht diese Geschichte f\u00fcr das ganze Reich gefordert?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gewi\u00df, aber waren wir imstande, auch nur irgendwo im Reich Bewegungen zur Unterst\u00fctzung des Ruhrkrieges zustande zu bringen?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es kam nach dem Ruhrstreik der Streik in Oberschlesien, wo wir ebenso unbestritten das Proletariat in K\u00e4mpfe f\u00fchren konnten. Das zeigt, da\u00df der Einflu\u00df der Einheitsfront, wie wir sie gef\u00fchrt haben, Erfolg hatte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, jetzt komme ich zu dem Wichtigsten&nbsp;: da\u00df dasselbe, das sich bei diesen K\u00e4mpfen im Ruhrgebiet wie in Oberschlesien zeigte, sich gleichzeitig mit dem Beginn der Ruhrbesetzung auch in Sachsen zeigt. Auch in Sachsen gelingt es uns, die F\u00fchrung nicht nur der parteilosen Arbeitermassen, sondern sogar der sozialdemokratisch organisierten Arbeitermassen in die H\u00e4nde zu bekommen durch die ganze s\u00e4chsische Politik, wo wir die Koalition der Sozialdemokratie mit der Bourgeoisie verhinderten, wo unter dem Druck der sozialdemokratischen Arbeitermassen die rechten opportunistischen F\u00fchrer, das Kompromi\u00df, die Koalitionsregierung mit dem B\u00fcrgertum, ablehnten und sich unter dem Druck der sozialdemokratischen und der \u00fcbrigen Arbeiterschaft zu einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten bereit erkl\u00e4rten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also wir hatten an drei Stellen, im Ruhrgebiet, in Oberschlesien, in Sachsen und sp\u00e4ter in Mitteldeutschland die F\u00fchrung der Arbeiterklasse ziemlich fest in der Hand.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber jetzt gilt es, zu untersuchen, worin sich die Arbeiter unserer F\u00fchrung anvertrauten. In allen den Fragen ihrer t\u00e4glichen N\u00f6te; im Ruhrgebiet in der Hauptsache in Lohnfragen, in Oberschlesien dasselbe; nur in Sachsen waren wir eine Nuance weiter, dort vertrauten sie sich unserer F\u00fchrung im politischen Kampfe an, in der Frage der Ausn\u00fctzung der gegebenen parlamentarischen Zust\u00e4nde.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, ich will gewi\u00df nicht die geringste Schuld von mir abw\u00e4lzen, ich bin der Exponent der Politik der Partei seit Leipzig und der s\u00e4chsischen Politik. Aber, Genossen, es w\u00e4re l\u00e4cherlich, es hie\u00dfe meine F\u00e4higkeiten, meine Kr\u00e4fte und meinen Einflu\u00df wesentlich \u00fcbersch\u00e4tzen, wenn man annehmen w\u00fcrde, da\u00df ich der ganzen Partei eine falsche politische Linie aufzwingen konnte. Um was handelt es sich denn? Um ganz bestimmte Verh\u00e4ltnisse, unter denen wir den Kampf aufzunehmen hatten. Und was f\u00fcr Verh\u00e4ltnisse waren das? Da\u00df wir in Sachsen die Landtagsaufl\u00f6sung erzwungen, eine proletarische Mehrheit im Landtag hatten. H\u00e4tten wir, wie die Opposition verschiedentlich das wollte, erkl\u00e4rt, diese ganze proletarische Mehrheit k\u00fcmmert uns einen Pfifferling, wir versuchen nicht, sie auszunutzen, dann behaupte ich, da\u00df wir nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland zur Sekte geworden w\u00e4ren. Wir mu\u00dften auf dem gegebenen Kampfboden den Kampf aufnehmen, mit all seinen guten, mit all seinen schlechten Seiten. Dabei sind Fehler gemacht worden. Es h\u00e4tte die Sto\u00dfkraft, die Bewegung der Partei gr\u00f6\u00dfer sein, es h\u00e4tte mehr herausgeholt werden sollen; aber in der Sache selbst sind nicht das Entscheidende die gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Fehler, die gemacht worden sind, sondern der gegebene Kampfboden, den wir auszunutzen versuchten. Und worin bestand diese Ausnutzung? Darin, nach den, Losungen des&nbsp;3. und 4.&nbsp;Kongresses&nbsp;: Heran an die Massen!, die Tagesfragen auszunutzen. Was kam dabei heraus? Gemessen an unserem Ziel, ein Dreck, aber gemessen an dem, was das Proletariat w\u00fcnschte und hoffte und wie es sich den Sieg erhoffte, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel; Bewegungsfreiheit f\u00fcr die Bildung der Kontrollaussch\u00fcsse, der Betriebsr\u00e4tebewegung, f\u00fcr die Bildung der proletarischen Hundertschaften.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was war das Ergebnis der Ausnutzung dieser gegebenen Situation? Gewi\u00df, an den letzten Zielen des Kommunismus gemessen, ein kleinlicher, dreckiger Erfolg, aber gemessen an dem Lebensgef\u00fchl der Arbeiter, mehr&nbsp;: das unbedingte Vertrauen zur F\u00fchrung durch die K.P.D.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Politik hat zu gef\u00e4hrlichen Illusionen in der Arbeiterschaft gef\u00fchrt, die sich selbst den Weg zu leicht vorstellte. Bis in unsere eigenen Parteikreise hinein sind Illusionen entstanden, die vielleicht durch eine intensive, prinzipielle Agitation h\u00e4tten verhindert werden k\u00f6nnen. Aber das Wichtigste der Gefahr bestand darin, da\u00df sie sich sagten&nbsp;: Erst b\u00fcrgerliche Koalition, dann sozialdemokratische Regierung mit Unterst\u00fctzung der Kommunisten, dann Regierung zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten und dann Regierung der Kommunisten, ohne da\u00df es zu schweren blutigen K\u00e4mpfen kommt. Solche Stimmungen waren eine Begleiterscheinung unserer Politik. Das l\u00e4\u00dft sich nat\u00fcrlich immer gar nicht vermeiden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn wir sagen w\u00fcrden&nbsp;: weil diese Gefahren und Schwierigkeiten entstehen, machen wir sie nicht mit,&nbsp;&#8209; das w\u00e4re kindisch. Wir mu\u00dften versuchen, sie zu \u00fcberwinden. Und wie haben wir sie \u00fcberwunden? Indem wir die sozialdemokratischen Arbeiter an den Haaren hinterherzogen und durch die Tatsachen ihre Illusionen zerst\u00f6rten. All ihre Hoffnungen auf einen leichten Weg wurden durch den Verlauf der Entwicklung, durch die Praxis zerst\u00f6rt. Wir haben aber nicht einmal durch die begleitenden Illusionen Schaden erlitten. Dann kam noch im ganzen Reich die Tatsache der v\u00f6lligen Finanzkatastrophe. Obgleich wir in Deutschland im letzten Jahre eine gute Ernte hatten, wollten die Agrarier die Waren nicht verkaufen, weil sie sich f\u00fcr das schlechte Geld nichts kaufen konnten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es kam eine aufsteigende revolution\u00e4re Welle. Wir sahen nur die eine Seite, das Gute an ihr. Was war der Cuno-Streik? Der Cuno-Streik war f\u00fcr Berlin nichts anderes als die Fortsetzung der revolution\u00e4ren Lohnk\u00e4mpfe im Ruhrgebiet, in Oberschlesien und Sachsen. Aber ein solcher Kampf in Berlin hat eine ganz andere politische Bedeutung als die K\u00e4mpfe im Ruhrgebiet, in Sachsen und Oberschlesien hatten. Der Streik fiel in die Regierungskrise und beschleunigte den Sturz der Regierung Cuno. Aber, Genossen, er war nur in seiner Auswirkung und in dieser gegebenen Situation ein politischer Streik. Ein politischer Streik im Sinne einer bewu\u00dften revolution\u00e4ren Zielsetzung war der Cuno-Streik nicht, eine elementare Kraft hatte er nicht. Als der R\u00fccktritt Cunos erreicht war, war der Bewegung die Kraft gebrochen, weiter vorzusto\u00dfen. Kein Mensch wird zu behaupten wagen, da\u00df wir diesen Kampf h\u00e4tten weiterf\u00fchren k\u00f6nnen gegen die Bildung der Koalitionsregierung. W\u00e4ren die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte reifer gewiesen, dann h\u00e4tte sich diese Bewegung weiter ausbreiten m\u00fcssen. Was aber sahen wir? Nachdem das Ziel, der Sturz Cunos, erreicht war, brach die Bewegung zusammen. Obgleich wir in der Zentrale beschlossen hatten, nach drei Tagen nicht abzubrechen, sondern noch mindestens einen Tag zu streiken, konnten unsere radikalen Berliner Genossen den Beschlu\u00df nicht durchf\u00fchren, sondern brachen, trotz des Beschlusses der Zentrale, den Streik ab, weil die innere Kraft nicht mehr vorhanden war. In Sachsen, in Mitteldeutschland stand die Lage so&nbsp;: ehe der Streik in Berlin noch richtig im Gange war, war Cuno schon gest\u00fcrzt; traten die s\u00e4chsischen Genossen nicht in einen wirtschaftlichen, sondern in einen politischen Streik, so bedeutete das den Anfang des bewaffneten Aufstandes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Erst in dieser Situation, als wir in diesem Sinne beschlossen hatten, war es uns m\u00f6glich, uns auf die Vorbereitung zum B\u00fcrgerkrieg einzustellen. Diese Frage der Vorbereitung zum B\u00fcrgerkrieg wurde erst seit dem Cuno-Streik in der Partei ernst genommen. Zu er\u00f6rtern, ob die Art richtig war, dazu reicht die Zeit nicht aus&nbsp;&#8209; das wollen wir getrennt behandeln. Ich mache Sie aber auf folgendes aufmerksam&nbsp;: Als ich im August 1922, nach der Rathenau-Amnestie, nach Deutschland zur\u00fcckging, hatte ich eine Besprechung \u00fcber die Vorbereitungen zum B\u00fcrgerkrieg\u00a0 und hatte mit einem anderen Genossen besprochen, Material \u00fcber die Erfahrungen der Aktionen in Ru\u00dfland zu sammeln. Ich entsinne mich an die erste Zentralsitzung nach meiner R\u00fcckkehr, die sich mit den Thesen \u00fcber die Notwendigkeit der Vorbereitung zum B\u00fcrgerkrieg befa\u00dfte. Kein Mensch hatte \u00fcber diese Geschichte diskutiert. Alle sagten, Brandler ist mit einer neuen Marotte her\u00fcbergekommen. Ich brachte in die Betriebsr\u00e4te die Frage der Hundertschaften als Abwehr gegen den Faschismus hinein. Es ist interessant, da\u00df die Berliner Genossen, die auch glaubten, es sei eine Marotte von mir, sich dagegen wandten. Sie bezeichneten es als eine Spielerei, bei der nichts herauskomme.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es kam dann die Frage des Ordnerdienstes. Ich will die Dinge im einzelnen jetzt nicht schildern. Auf der ganzen Linie der Partei offener und noch mehr passiver Widerstand, niemand unternahm das Geringste in der Bewaffnungsfrage, in der Bildung von F\u00fcnfer-Gruppen, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Bezirken. Erst nach dem Cuno-Streik wurde etwas unternommen. Noch eins&nbsp;: Vor dem Antifaschistentag, wo auf Grund des Zusammenbruches an der Ruhr im Faschismus eine ziemliche Desorganisation eingetreten war, schrieb ich diesen ber\u00fchmten oder ber\u00fcchtigten Aufruf vom 11.&nbsp;Juli. Dieser Aufruf wirkte in der Partei sonderbar. In den Arbeitermassen wirkte er wie eine Hoffnung, und in den Schichten des Parteifunktion\u00e4r\u00adk\u00f6rpers dachte man, Brandler ist wieder einmal verr\u00fcckt geworden und will einen Putsch machen. Das war vor allen Dingen in Berlin der Fall.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In vielen, fast allen Orten begann eine ernsthafte Vorbereitung zum B\u00fcrgerkrieg in der Partei erst seit dieser Zeit. Diese ungen\u00fcgende Vorbereitung der Partei zeitigte objektive Schw\u00e4chen, als der Antifaschistentag mit seinen ungeheuren Agitationsm\u00f6glichkeiten unter dem Kleinb\u00fcrgertum und in den Arbeiterschichten eine Situation schuf, bei der es \u00fcberall hie\u00df&nbsp;: Am&nbsp;29. schlagen die Kommunisten los. Es kam dann das Verbot. Da hat sich im Polit-B\u00fcro der Zentrale folgendes zugetragen&nbsp;: Man besch\u00e4ftigte sich damit, was man nun tun sollte als Antwort auf das Demonstrationsverbot. Sollten wir den Kampf aufnehmen? Wir hatten diese Frage besprochen. Wir waren uns dar\u00fcber klar, da\u00df wir in Sachsen und Th\u00fcringen die Antifaschisten-Demonstrationen veranstalten w\u00fcrden, auch wenn ein Verbot gegen sie erginge. Und die Genossin Ruth Fischer trat daf\u00fcr ein, da\u00df wir die Demonstration auch in Berlin, trotz des Verbotes, unternehmen sollten. Ich trat daf\u00fcr ein, in Berlin eine Demonstration nur dann zu machen, wenn wir sie bewaffnet sch\u00fctzen w\u00fcrden. Darauf nannte mich die Genossin Ruth Fischer einen Abenteurer, einen Faschisten. Wir hatten beschlossen, in Sachsen, Th\u00fcringen, Mitteldeutschland, auch f\u00fcr den Fall des Verbots des Antifaschistentages Demonstrationen abzuhalten, aber nur unter bewaffnetem Schutz. Ich erkl\u00e4rte dann, wir k\u00f6nnen keinen Beschlu\u00df in der Zentrale fassen, da\u00df die Berliner Organisation bewaffnete Demonstrationen machen soll, wenn die B.L. dagegen ist. Ich schlug an Stelle der bewaffneten Demonstrationen einen Streik vor, und wieder erkl\u00e4rte Ruth Fischer es f\u00fcr unm\u00f6glich, den R\u00fcckzug mit einem Streik zu decken, und f\u00fchrte praktisch Demonstrationsversammlungen in geschlossenen Lokalen durch.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es zeigten sich Merkmale einer aufsteigenden revolution\u00e4ren Linie. Wir hatten vor\u00fcbergehend die Mehrheit der Arbeiter hinter uns, und auf Grund dieser Situation glaubten wir, bei g\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnissen unmittelbar zum Sturmangriff \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen. Wir haben uns meiner Meinung nach get\u00e4uscht. Der Mangel ist, da\u00df wir die Kampfkraft dieser Mehrheit im Ruhrgebiet, in Sachsen, in Berlin \u00fcbersch\u00e4tzt hatten, wir konnten sie nicht organisatorisch erfassen und befestigen. Auf unser Erstarken reagierte die Regierung. Sie reagierte mit einem Verbot der Betriebsr\u00e4te.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Erst Wochen nach der Chemnitzer Konferenz sah ich, da\u00df dieses Verbot nicht zur Folge hatte, da\u00df wir die Betriebsr\u00e4tebewegung steigern konnten, sondern da\u00df dieser eine Schlag uns schon eine gewisse Schlappe beigebracht hatte. Als wir noch dr\u00fcben waren, war es uns m\u00f6glich, auf das Verbot der &quot;Roten Fahne&quot; und auf das Verbot von Zeitungen in der Provinz kr\u00e4ftig zu antworten, es entstand ein Sturm, ohne da\u00df die Partei das besonders organisierte, ich erinnere an W\u00fcrttemberg, es kamen Deputationen aus den Betrieben, drohten mit Streik, und das Verbot wurde zur\u00fcckgenommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Situation, die alle M\u00f6glichkeiten in sich barg, konnten wir als Kommunistische Partei nicht vorw\u00e4rts sto\u00dfen bis zum Sturmangriff, wie wir uns eingebildet hatten. Und ich glaube &#8209;&nbsp;ich mu\u00df das jetzt allerdings sehr grob und mechanisch abschlie\u00dfen&nbsp;&#8209;, h\u00e4tten wir diese Dinge damals erkannt, wie Radek das ausdr\u00fcckt, und h\u00e4tten wir rechtzeitig als Partei und als Exekutive die Ma\u00dfnahmen ergriffen, die notwendig sind, wenn man sich auf diesen entscheidenden Kampf einstellt, dann w\u00e4re wahrscheinlich zwar nicht der entscheidende Sieg im Oktober gekommen, aber sicherlich nicht diese Niederlage, die wir durch den R\u00fcckzug erlitten haben. Dadurch, da\u00df wir uns darauf einstellten, diese g\u00fcnstige mitteldeutsche und s\u00e4chsische Plattform zum Sturmangriff auf die Bourgeoisie auszunutzen, \u00fcbersahen wir, da\u00df l\u00e4ngst der Gegner die Initiative hatte, nicht wir, da\u00df wir, als der Gegner fr\u00fcher losschlug als wir, als er seinerseits zur Offensive \u00fcbergehen konnte, nicht imstande waren, den Widerstand ernsthaft zu organisieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>H\u00e4tte ich die mir f\u00fcr mein Referat zur Verf\u00fcgung stehende Zeit nicht mit der zu langen Einleitung vergeudet, so w\u00fcrde ich noch auf folgendes hinweisen, was alles den Aufmarsch des Gegners erleichterte und was uns d\u00fcpierte, wo wir die Dinge falsch sahen. Es war dem Gegner m\u00f6glich, durch den kleinb\u00fcrgerlichen Faschismus in Bayern die Aufmerksamkeit abzulenken von all seinen stillen und offenen Vorbereitungen zur Macht\u00fcbernahme des Faschismus in seiner schwerindustriellen und agrarkapitalistischen Gestalt durch Seeckt. Und da stehen die Dinge so, da\u00df, wie 1914, wie 1918 und wie im Kapp-Putsch, so auch diesmal der kampflose Sieg des Faschismus nur dadurch m\u00f6glich war, da\u00df er von der Sozialdemokratie gedeckt wurde, da\u00df der Faschismus sozusagen, wie im Jahre 1918 die Noske-Milit\u00e4rdiktatur und die Novemberrepublik, sich hinter dem R\u00fccken der Sozialdemokratie versteckt realisieren konnte. Durch die Koalitionsregierung, durch das Erm\u00e4chtigungsgesetz, durch dieses Zustimmen der Sozialdemokraten wurden die Vorbereitungen zum Sieg des Faschismus verschleiert, es entstand in breiten Schichten &#8209;&nbsp;nicht in der Kommunistischen Partei, aber in den von der Sozialdemokratie beeinflu\u00dften Elementen, in den Gewerkschaften, in den unorganisierten Arbeitermassen&nbsp;&#8209; die Vorstellung, da\u00df der Feind in Bayern steht und da\u00df alle diese R\u00fcstungen zur Macht\u00fcbernahme durch den Faschismus nicht zum Kampfe gegen das Proletariat bestimmt waren, wie es doch in Wirklichkeit war, sondern zum Kampf gegen diese kleinb\u00fcrgerliche Clique des Faschismus um Hitler, Ludendorff usw. <\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wenn es m\u00f6glich war, da\u00df nach einer vierj\u00e4hrigen Kriegspolitik der deutschen Sozialdemokratie, nach einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Nachkriegspolitik der deutschen Sozialdemokratie auf solche plumpe Man\u00f6ver breite Arbeitermassen noch reagieren und hereinfallen und die Einheitsfront auf Grund dieser Tatsachen, die ich nicht so zusammengefa\u00dft schildern konnte, wie ich es eigentlich wollte, zerschlagen werden konnte, so standen wir vor der Situation, entweder als Kommunisten, trotz dieser zerschlagenen Einheitsfront den Kampf aufzunehmen oder ihm auszuweichen. So stand die Frage vor uns. Und ich behaupte, h\u00e4tten wir, nachdem dieses Man\u00f6ver der Bourgeoisie mit Hilfe der Sozialdemokratie gegl\u00fcckt war, im Oktober den Kampf aufgenommen, w\u00e4ren wir von der Verteidigung gegen die Reichsexekutive unmittelbar zum entscheidenden Kampf um die proletarische Diktatur vorgesto\u00dfen, dann w\u00e4re die M\u00e4rzaktion ein Kinderspiel gewesen, w\u00e4re ein schlechter Witz geworden gegen\u00fcber der Niederlage, die wir in der dortigen Situation erlitten h\u00e4tten. Wir haben als Zentrale der K.P.D., aber auch die Exekutive, bei der Aufstellung des Kampfplanes fast nur auf die Partei und das Proletariat geachtet. Die M\u00f6glichkeiten und Chancen, die Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit der Bourgeoisie haben wir vernachl\u00e4ssigt. Wenn wir nur einseitig auf Mitteldeutschland eingestellt waren,&nbsp;&#8209; die Exekutive hat diesen unseren Standpunkt gekannt und nicht korrigiert. Ich behaupte, die Perspektive auf entscheidenden Machtkampf war nur aus der mitteldeutschen Lage heraus im Oktober\/November m\u00f6glich. Aber nur unter g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden. Diese g\u00fcnstigen Umst\u00e4nde traten nicht ein. Zum Teil durch Fehler der Partei in den entscheidenden Wochen, w\u00e4hrend wir in Moskau waren. Es fehlte in dieser Zeit die aufr\u00fcttelnde politische Kampagne der Partei. Erm\u00e4chtigungsgesetz, Zeitungsverbote wurden nicht gen\u00fcgend ausgen\u00fctzt. Aber der Plan ist mit dem E.K. aufgestellt. Wir m\u00fcssen den falschen Plan und die fehlerhafte Durchf\u00fchrung kritisieren, wenn wir lernen wollen. Der schwere Fehler, der eine Depression der Partei und breiter Arbeitermassen zur Folge hatte, bestand darin, da\u00df durch die falsche Einsch\u00e4tzung der Situation nur diese eine Form des Kampfes f\u00fcr uns in Frage kam, n\u00e4mlich der Kampf um die proletarische Macht, da\u00df man nur die Diktatur des Proletariats im Auge hatte und keine andere Situation. Deshalb konnten wir auch den R\u00fcckzug nicht geschickt f\u00fchren und keinen Widerstand leisten, wie das beim Cuno-Streik der Fall war. H\u00e4tten wir uns nicht auf alles oder nichts eingestellt, dann h\u00e4tten wir eine Verteidigungsaktion zustande gebracht, von der ich zwar nicht glaube, da\u00df sie uns den Sieg, die aber sicherlich nicht die entscheidende Niederlage gebracht h\u00e4tte. Der Vertreter der Exekutive hat in seiner Darlegung auseinandergesetzt, wie Genossen beim R\u00fcckzug sagten, wir h\u00e4tten diesen kampflos durchgef\u00fchrt. Das haben wir nicht. Wir haben vom ersten Tage an R\u00fcckzugsgefechte gef\u00fchrt, Demonstrationen, Streiks&nbsp;&#8209; von unserem ersten Rundschreiben und den ersten Anweisungen an. In der Partei war das nicht so rasch durchgesetzt worden. Durch den kampflosen Sieg hat der Faschismus den Einflu\u00df der Kommunistischen Partei auf die Massen vor\u00fcbergehend stark beeintr\u00e4chtigt. Wir waren so nicht imstande, den Faschismus abzuwehren, die Partei auf die Illegalit\u00e4t umzustellen und erneut den Kampf zu f\u00fchren. Dieser Tatsache und nicht einer falschen Taktik der Vergangenheit haben wir die Oktoberniederlage zu verdanken. Unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen, wie sie auch 1921 in der M\u00e4rzaktion vorlagen, behaupte ich nach wie vor, da\u00df ich, w\u00fcrde ich nochmals die Dinge zu entscheiden haben, genau dieselbe politische Linie und Taktik durchf\u00fchren w\u00fcrde. Es war keine andere politische Linie m\u00f6glich. Das, was die Genossen von der Opposition wollen, f\u00fchrt zur Schw\u00e4chung der deutschen Revolution, trotz der gl\u00fchenden Liebe zum revolution\u00e4ren Kampfe, wie sie bei Th\u00e4lmann zum Ausdruck kommt. Solch eine Rede, wie sie Th\u00e4lmann hielt, kann man mehrere Male halten, wenn man aber nicht imstande ist, die Masse zu sammeln, so ist man nicht in der Lage, die gegebenen Aufgaben zu l\u00f6sen. Bringen wir die Massen in den Kampf, dann \u00fcberwinden wir im Kampfe die Schw\u00e4che. Dann kann, Ziel und Kampf gesteigert, der Sieg errungen werden. Dazu fehlten diesmal die Voraussetzungen. Wir hatten mit dem E.K. gemeinsam unsere Kr\u00e4fte \u00fcbersch\u00e4tzt, den Gegner untersch\u00e4tzt. Das zwang uns zum R\u00fcckzug.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun zum Schlu\u00df noch die Perspektiven.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es gibt darin keine gro\u00dfen Differenzen mit der Opposition. Durch den Sieg des Faschismus ist die Staatsgewalt vollkommen in dessen Hand. Wo sie die Novemberrepublik noch duldet, hat es der Faschismus in der Hand, sich beliebig mit ihr zu verbr\u00e4men oder sie zu beseitigen. Die faschistische Diktatur ist auf dem B\u00fcndnis der Schwerindustrie und der Agrarier aufgebaut. Sie k\u00f6nnen auf l\u00e4ngere Zeit nur dann das Proletariat niederhalten und dem Faschismus eine Atempause geben, wenn es ihnen gelingt&nbsp;: 1.&nbsp;den Finanzbankerott zu sanieren, 2.&nbsp;den kleinb\u00fcrgerlichen Faschismus durch Repressalien und Konzessionen zu gewinnen und sich einzuordnen, 3.&nbsp;die Arbeiterklasse zu zersplittern durch die Wahrung des Scheins der Demokratie, die Gewinnung der Sozialdemokratie als Hilfstruppe, durch Repressalien gegen die K.P. und durch Ausspielungen der Arbeitslosen gegen die Besch\u00e4ftigten. Der Staatsapparat, das Milit\u00e4r, die Machtmittel, die dem Faschismus zur Verf\u00fcgung stehen, haben es fertig gebracht, da\u00df sie dem Proletariat den Zehnstundentag mit ziemlich geringem Widerstand aufzwingen konnten. Erst im Januar beginnen gr\u00f6\u00dfere Abwehrk\u00e4mpfe. Trotz aller Nachrichten \u00fcber den Widerstand des Proletariats gegen die Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit ist doch zu sagen, da\u00df das Proletariat sich in einer solchen Depression befindet, da\u00df es den Zehnstundentag ziemlich kampflos hingenommen hat. Alle Versuche der Kommunisten, den Widerstand gegen den Zehnstundentag zu organisieren, haben kein gro\u00dfes praktisches Resultat ergeben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Worauf ist das zur\u00fcckzuf\u00fchren? Das Proletariat ist jetzt in dieser Wirtschaftskrise gespalten. Die Arbeitslosen befinden sich in einer Situation, in der sie k\u00e4mpfen m\u00fcssen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen, und sie k\u00e4mpfen einen Verzweiflungskampf, wenn sie von den Arbeitenden im Stiche gelassen werden. Es gibt \u00fcber drei Millionen Arbeitslose in Deutschland, die sich in einer Lage befinden, da\u00df sie den Kampf aufnehmen m\u00fcssen. Sie k\u00f6nnen ihn aber nicht allein mit Aussichten auf den Sieg aufnehmen. Wie verh\u00e4lt es sich mit dem anderen Teil der Arbeiterschaft? Wir haben in Deutschland drei Millionen Kurzarbeiter. Unter den Vollarbeitern ist ebenfalls Depressionsstimmung, da sie f\u00fcrchten, jetzt arbeitslos oder Kurzarbeiter zu werden. Es gibt unter den Vollarbeitern und Kurzarbeitern Teile, die, wenn es sich darum handelt, mit einem Male den entscheidenden Kampf mit der Waffe in der Hand zu f\u00fchren, sofort dazu bereit sind, die sich aber weigern, die notwendigen Kleink\u00e4mpfe zu f\u00fchren, Demonstrationen, Streiks usw. Das ist eine Tatsache, der wir sehr scharf ins Gesicht sehen m\u00fcssen. Wenn es der Bourgeoisie gelingt, diese Spaltung zwischen Arbeitslosen, Vollarbeitern und Kurzarbeitern zu vergr\u00f6\u00dfern, diese Kluft noch zu erweitern, dann wird die Atempause der Bourgeoisie noch eine l\u00e4ngere sein. Gelingt dieser Versuch nicht, dann ist diese Frist k\u00fcrzer. Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von. der M\u00f6glichkeit einer zeitweiligen Wiederherstellung eines gewissen wirtschaftlichen Gleichgewichts ab. Das Tempo der neuen Inflation, der Rentenmark, ist sehr wichtig. Das h\u00e4ngt wieder davon ab, ob die Bourgeoisie durch ausw\u00e4rtige Kredite oder aus eigenen Mitteln solche Steuern aufbringt, die gen\u00fcgen, um die Finanzen in Ordnung zu bringen. Weder aus der Bourgeoisie noch aus dem Kleinb\u00fcrgertum sind die erforderlichen Steuern herauszubringen. Die Bourgeoisie k\u00f6nnte nicht expropriierte Teile des Fertigkapitals oder vor allem Teile der Landwirtschaft, der Mittelbauern, expropriieren. Diese Summen reichen jedoch unter keinen Umst\u00e4nden aus, um das Staatsdefizit zu decken. Die Sparma\u00dfnahmen, die sich in den Beamtenentlassungen usw. \u00e4u\u00dfern, sind alles blauer Dunst. Also die Perspektive ist&nbsp;: Kein Katzenjammer f\u00fcr uns; alle Voraussetzungen sind so, da\u00df wir in k\u00fcrzester Frist, wenn wir imstande sein werden, die Massen um uns zu sammeln, wieder k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Kommt jetzt die Partei durch die Oktoberniederlage bei dem Selbstverst\u00e4ndigungsproze\u00df in eine Krise, wird sie gespalten, dann haben wir f\u00fcnf verlorene Jahre der Arbeit. Die Oktoberniederlage ist eine schwere Niederlage. Sie hat zu einer Zersetzung der Sozialdemokratie wie nie zuvor gef\u00fchrt; die Sozialdemokratie steht vor der Spaltung. Das bedeutet&nbsp;: es entsteht eine neue zentristische Partei, wenn wir nicht die F\u00e4higkeit haben werden, diesen Teil der Arbeiterschaft zu assimilieren. Wenn wir sie nicht assimilieren k\u00f6nnen, wenn diese neue Partei l\u00e4nger als ein halbes Jahr selbst\u00e4ndig lebt, wenn wir eine Politik der Phrasen treiben, wie es die Opposition tut, dann werden wir zur Sekte werden. Dann werden wir eine neue zentristische Partei bekommen, die sich nicht nur entwickelt aus abgespaltenen Elementen der Sozialdemokratie, sondern auch Zuwachs aus Verlusten der K.P. bekommt. Das bedeutet die Niederlage der deutschen Revolution auf Jahre und auch die Niederlage der Weltrevolution, deshalb sind diese Dinge von ungeheurer Bedeutung. Trotz der Oktoberniederlage ist zu irgendwelchem Pessimismus keine Veranlassung. Noch niemals war die T\u00e4tigkeit der deutschen Partei von solch gro\u00dfer Bedeutung, wie sie es gegenw\u00e4rtig ist.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>III.<br> Referat des Genossen Remmele<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Notwendigkeit der \u00dcberpr\u00fcfung der Taktik, wie sie in Deutschland getrieben worden ist, die auf der Grundlage der K.I. basiert, zeigen, wie au\u00dferordentlich wichtig diese Fragen auch f\u00fcr die n\u00e4chste Zukunft sind. Wir k\u00f6nnen keinen Schritt weitergehen, &#8209;&nbsp;darin stimme ich mit dem Vertreter der Exekutive \u00fcberein&nbsp;&#8209; , wenn wir nicht v\u00f6llige Klarheit haben \u00fcber das, was in der allern\u00e4chsten Zeit zu tun ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir sind aus der letzten revolution\u00e4ren Epoche in Deutschland &#8209;&nbsp;ich meine Ereignisse, die Jahre zur\u00fcckliegen&nbsp;&#8209; aus der M\u00e4rzaktion 1921 mit einer Niederlage herausgegangen. Und diese gab uns Veranlassung zur \u00dcberpr\u00fcfung der Kampfmethoden und Mittel, die f\u00fcr Deutschland ma\u00dfgebend sein sollen. Dort wurde die Partei durch die Internationale auf einen ganz bestimmten Weg, auf ganz bestimmte Kampfmethoden und &#8209;Mittel festgelegt, die f\u00fcr Deutschland in der n\u00e4chsten Zukunft in Frage kommen. Diese wurden zusammengefa\u00dft unter dem Begriff der Einheitsfronttaktik, wie wir sie dann ganz speziell in Deutschland angewandt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Taktik geht davon aus&nbsp;: welches sind die Voraussetzungen der sozialen Revolution, was m\u00fcssen die Vorbedingungen sein, um der sozialen Revolution zum Siege zu verhelfen?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und da stand und steht heute noch als erstes Problem die Eroberung einer festen Mehrheit des Proletariats, die ideologische Eroberung des Proletariats f\u00fcr die soziale Revolution. Das war die Aufgabe, die der Partei gestellt worden ist. Und nun begann eine Periode der Auseinandersetzungen nicht zwischen den verschiedenen Klassen, die am Ausgangspunkt der Revolution stehen, sondern die zuvor gehen&nbsp;: die Zersetzung der Massen bzw. die Eroberung der Massen, eine propagandistische Periode. Und in der wurden selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr diesen Weg oder wenigstens f\u00fcr den Zeitabschnitt dieses Weges Theorien aufgebaut, &#8209;&nbsp;und das ist eines der wesentlichsten Momente der Streitpunkte mit der Linken&nbsp;&#8209;, Theorien, die auch nach meiner festen \u00dcberzeugung manche Illusion in den K\u00f6pfen unserer Parteigenossen erweckt haben und in vielen Fragen \u00fcber das Ziel hinausgeschossen sind, die alsdann die Praxis, ganz speziell die Oktoberbewegung, als falsch erwiesen haben. Ich will nicht untersuchen, aus welchen Ursachen heraus die Theorien geschaffen wurden. Aber gerade die scharfe Trennung zwischen Linken und Mehrheit hat zu \u00dcbertreibungen auf beiden Seiten gef\u00fchrt, &#8209;&nbsp;die wir in der gesamten Mehrheit der Zentrale durchaus nicht als richtig angesehen haben,&nbsp;&#8209; genau wie auf der andern Seite \u00dcbertreibungen sind. Das sind \u00dcbertreibungen, die den Parteistreit und das Zusammenhalten innerhalb der Partei oft \u00fcber das ertr\u00e4gliche Ma\u00df hinaus vergiftet haben. Von diesem theoretischen Streit k\u00f6nnen wir nachweisen, da\u00df er absolut nicht das Fundament unserer praktischen Anwendung innerhalb der Parteitaktik war. Wir k\u00f6nnen nachweisen, da\u00df wir durchaus uns immer auf einem wirklichen festen Boden in der Praxis bewegt haben, Diese war durchaus besser als oft die Theorien, die aufgestellt wurden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Ich glaube das Umgekehrte.) (R. Fischer&nbsp;: Nein.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was haben uns die Oktoberereignisse gezeigt? Da\u00df man eine Arbeiterregierung zu bilden nur in der Lage ist, wenn bereits die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte so zugespitzt sind, da\u00df im n\u00e4chsten Moment bereits aus dieser Arbeiterregierung heraus der Kampf um die Diktatur entspringt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Von der &quot;Linken&quot;&nbsp;: Leipziger Parteitag!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, ich sage ausdr\u00fccklich, das trifft insbesondere f\u00fcr Deutschland zu. Wie es in andern L\u00e4ndern liegt, kann ich hier nicht beurteilen, es kann dort unter Umst\u00e4nden ganz anders sein als in Deutschland. Aber f\u00fcr die deutschen Verh\u00e4ltnisse kann eine Arbeiterregierung nur in Frage kommen in dem Moment des unmittelbaren \u00dcbergangs zum Machtkampf.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, der Beschlu\u00df des 4.&nbsp;Kongresses sieht auch andere M\u00f6glichkeiten vor. Er ist ein internationaler Beschlu\u00df. Aber ich glaube, da\u00df bei dem Problem, das hier aufgerollt ist, ganz klar zum Ausdruck gebracht werden mu\u00df&nbsp;: kommt eine solche Konstellation wieder in Sachsen, dann darf das Experiment nur gewagt werden, wenn zuerst die Voraussetzungen der M\u00f6glichkeiten des Kampfes geschaffen werden, dann erst kann es unternommen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das sind die Erfahrungen, die wir aus den Oktoberereignissen gelernt nahen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich will nun auf die Probleme der Ereignisse, wie sie in Deutschland standen, eingehen. Da war eines der wichtigsten mit das Problem des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses. Ich will ganz kurz schildern, wie die Lage in der umstrittenen Zeit war. Bereits im Januar, als der Ruhrkampf begann, hat die Internationale durchaus richtig vorausgesehen, da\u00df dieser Ruhrkampf \u00e4hnliche Wirkungen, wenn auch nicht in diesem gro\u00dfen Ausma\u00df, aber ganz \u00e4hnliche politische Wirkungen in Deutschland ausl\u00f6sen wird, wie der Krieg sie ausgel\u00f6st hat. Ich erinnere hier an die Beschl\u00fcsse, die in Essen im Januar und in Frankfurt im M\u00e4rz gefa\u00dft wurden. Dort wurde schon ganz klar erkannt, da\u00df dieser Ruhrkampf zu einer au\u00dferordentlich schweren wirtschaftlichen und politischen Krise in Deutschland f\u00fchren mu\u00df und wird, und da\u00df wir aus dieser Ruhrgeschichte heraus in gro\u00dfe K\u00e4mpfe verwickelt werden. Diese Einsicht hat sich sehr bald auch in Deutschland best\u00e4tigt. Der Ruhrkampf hat durchaus \u00e4hnliche Situationen in Deutschland geschaffen, wie wir sie nach oder bei dem Ausgang des Krieges hatten, Verzweiflungsakte, gro\u00dfe Aufst\u00e4nde; nicht nur die gro\u00dfen Streiks, auf die wiederholt hingewiesen worden ist; sondern wir haben in weiten Gebieten Deutschlands direkt chaotische Zust\u00e4nde gehabt, wo lokal und provinziell gewisserma\u00dfen die Organisationen der Arbeiter die Macht in den H\u00e4nden gehabt haben. Ich will darauf verweisen, da\u00df oft in den gro\u00dfen Streikgebieten die politische Macht in den H\u00e4nden der Arbeiter lag, in derselben Zeit waren die einzelnen Landesregierungen nicht imstande, eine Politik gegen die Erhebungen der Arbeiter durchzuf\u00fchren. Wir hatten in W\u00fcrttemberg, als uns die Zeitung verboten wurde, am zweiten Tag die Zeitung wieder frei, weil die Arbeiter aus den Betrieben heraus ins Ministerium zogen und dort die Freigabe der Zeitung forderten und androhten, die Freigabe zu erzwingen. In derselben Zeit hat in W\u00fcrttemberg die Regierung den Belagerungszustand verh\u00e4ngt. Mittwoch haben wir trotz des Belagerungszustandes eine Betriebsr\u00e4tekonferenz einberufen, die stattfand, trotzdem die Reichswehr uns in der ganzen Stadt suchte und \u00fcberall das B\u00fcrgertum verpr\u00fcgelte. Am Sonntag haben wir unseren Parteitag abgehalten, am Schlu\u00df des Parteitages fand im Hauptbahnhof von Stuttgart eine Riesendemonstration des Publikums statt, das zusammengelaufen ist, und am Montag mu\u00dfte der Belagerungszustand aufgehoben werden. Also eine H\u00f6he der Bewegung, wie wir sie nur zu gern gew\u00fcnscht h\u00e4tten in dem Augenblick, als der Reichsbelagerungszustand verh\u00e4ngt worden ist. Ich will darauf verweisen, da\u00df zur Zeit der faschistischen Bewegung nicht etwa nur in Stuttgart, sondern auch in Mitteldeutschland, im Norden, Westen und Osten des Reiches \u00fcberall die Demonstrationen durchgef\u00fchrt wurden trotz der Verbote. Wir haben dann in Th\u00fcringen, in Mitteldeutschland im Juli, in den Augusttagen die Verh\u00e4ltnisse gehabt, da\u00df die Arbeiter die Ern\u00e4hrung vollst\u00e4ndig in die Hand genommen haben, Lastautomobile beschlagnahmten, auf das Land fuhren, um sich Lebensmittel direkt von den Bauern zu holen, so da\u00df niemand mehr im Zweifel sein konnte, da\u00df man unmittelbar vor gro\u00dfen Ereignissen stand. Zweifellos war der Cuno-Streik der H\u00f6hepunkt der Bewegung, aber nach meiner inneren \u00dcberzeugung war er auch der Wendepunkt in der Bewegung. Indem die Sozialdemokraten in die gro\u00dfe Koalition eingetreten sind, sind die sozialdemokratischen Arbeiter wieder mit Illusionen erf\u00fcllt worden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mitte August ist gewisserma\u00dfen durch den Eintritt der Sozialdemokraten in die Regierung ein Abebben der revolution\u00e4ren Hochflut eingetreten. Wenn wir uns mit den Sozialdemokraten auseinandersetzten, zeigte sich, da\u00df sie neue Hoffnungen auf den Eintritt Hilferdings in die Regierung hatten. Sozialdemokraten, die spontan in all den K\u00e4mpfen bei uns standen, die den Cuno-Streik mitgemacht hatten, alle diese Massen waren von neuen Illusionen erf\u00fcllt worden. Das Kernproblem ist und bleibt die Eroberung dieser sozialdemokratischen Mehrheit.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu den Ereignissen innerhalb der Partei. Wie hat sich die Partei zu dieser Situation verhalten? Ich kann mich noch erinnern, da\u00df wir im September eine Zentrale-Sitzung hatten, in der zur Behandlung stand, was wir in dieser Situation zu unternehmen h\u00e4tten. Ein Genosse der Zentrale vertrat den Standpunkt, da\u00df, wenn in Sachsen die Verh\u00e4ltnisse reif sind, man losschlagen m\u00fcsse. Die Zentrale hat das damals abgelehnt, mit der Begr\u00fcndung, da\u00df sie gegen diese putschistische Auffassung sei. Am n\u00e4chsten Tag kam der Beschlu\u00df, der hier von der Exekutive gefa\u00dft worden ist. Und so wurde die gesamte Politik der Partei auf das eingestellt, was am Tage zuvor abgelehnt worden war; es wurde der Aufmarschplan angenommen, da\u00df das mitteldeutsche Gebiet zum Konzentrationspunkt gemacht werden sollte. Dann wurden die Partei und der ganze Parteiapparat auf den bewaffneten Aufstand eingestellt und mobilisiert. Alle anderen Parteiarbeiten, die Mobilisierung der Massen, Zusammenfassung der Betriebsr\u00e4te, wurden vernachl\u00e4ssigt, weil unser ganzer Parteiapparat und der Funktion\u00e4rk\u00f6rper lediglich auf das Problem der Bewaffnung und Organisierung der Kampfaktion eingestellt war. Bei den mangelnden Kr\u00e4ften, die vorhanden waren, war es ganz nat\u00fcrlich, da\u00df alle anderen Parteiarbeiten in den Hintergrund treten mu\u00dften. Die Funktion\u00e4re mu\u00dften aus ihrer bisherigen T\u00e4tigkeit herausgezogen werden, so da\u00df sie diese vollst\u00e4ndig vernachl\u00e4ssigt haben. Zum Beispiel&nbsp;: Sekret\u00e4re f\u00fcr die Betriebsr\u00e4te arbeiteten nur f\u00fcr die technische Vorbereitung, der politische Sekret\u00e4r wurde der politische Leiter des Komitees, das im Bezirk vorhanden war. So kam es, da\u00df alle andern Br\u00fccken, die zum Proletariat f\u00fchrten, vernachl\u00e4ssigt wurden. Das war nach unserer Auffassung einer der bedeutsamsten Fehler, der auf die Schw\u00e4che der Partei zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, da\u00df die ganzen Probleme sehr rasch an uns herangetreten sind, so da\u00df man auf die Bewaffnungsfrage die ganze Partei einstellen mu\u00dfte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen! Die bestimmte Terminsetzung des Losschlagens konnte nicht eingehalten werden, nachdem man zur Regierungsbildung gezwungen wurde. Als der Auftrag der Exekutive kam, da\u00df man in Sachsen in die Regierung eintreten solle, haben sich die Genossen zuerst geweigert, diesen Beschlu\u00df durchzuf\u00fchren. Es war bereits von der Reichsregierung selbst gegen die sozialdemokratische s\u00e4chsische Regierung die Reichsexekutive angedroht worden, als die Kommunisten noch nicht in der Regierung waren, um gegen die sozialdemokratische Regierung vorzugehen. Darum haben sich zuerst unsere Genossen dort gestr\u00e4ubt, diesen Beschlu\u00df durchzuf\u00fchren. Es wurden dann noch eine Reihe von Verhandlungen mit ihnen gef\u00fchrt und sie mu\u00dften in die Regierung eintreten und sind dann auch eingetreten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zwangsl\u00e4ufig spielt die s\u00e4chsische Frage, so wie sich die Dinge entwickelt haben, ganz selbstverst\u00e4ndlich in der ganzen Internationale die Hauptrolle. Nach meiner Auffassung hat man das s\u00e4chsische Problem durchaus nicht richtig gestellt. Es wird in unserer Kritik auch sehr scharf zum Ausdruck kommen, was die Minister in Sachsen alles vers\u00e4umt haben. Der Glaube, da\u00df die Minister \u00fcberhaupt viel, sehr viel h\u00e4tten machen k\u00f6nnen, ist sehr stark von Illusionen gen\u00e4hrt. Der Beschlu\u00df, da\u00df unsere Genossen in die s\u00e4chsische Regierung&nbsp;: eintreten sollen, ist allerdings durch Berichte oder Darstellungen zustande gekommen, die der Grundlage entbehrt haben. Man hat diesen Beschlu\u00df auf Grund der Anschauung gefa\u00dft, da\u00df bereits eine Bewaffnung und Mobilisierung der Partei und der Massen in einem solchen Grad vorhanden ist, da\u00df man eine solche Sache wagen k\u00f6nnte. Man hatte die Zersetzung des Gegners als viel weiter fortgeschritten angenommen, als sie es tats\u00e4chlich war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir kamen dann in die Lage, da\u00df der Gegner zur Offensive \u00fcberging und uns dadurch den Termin diktierte. Der Gegner schlug los, so da\u00df wir sagen mu\u00dften&nbsp;: Entweder wei\u00dfe Diktatur, oder wir sind imstande, die proletarische Diktatur durchzusetzen. Im ersten Augenblick der Fragestellung entschied man, es solle losgeschlagen, der angenommene Plan zur Durchf\u00fchrung gebracht werden. Inzwischen kam die Chemnitzer Konferenz. Die Chemnitzer Konferenz, die von den Betriebsr\u00e4ten usw. einberufen war, hatte den Zweck, wirtschaftliche Probleme zu er\u00f6rtern und \u00fcber wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Sachsen zu entscheiden, \u00fcber alles das, was wirtschaftlich in Sachsen durchgef\u00fchrt werden sollte. Diese Konferenz war schon lange vorher vorbereitet und einberufen worden, ohne da\u00df wir wu\u00dften, da\u00df in dem Augenblick des Zusammentritts der Konferenz die Probleme der Auseinandersetzung entstehen w\u00fcrden. Es wurde in der Nacht vor ihrem Beginn beschlossen, da\u00df diese Betriebsr\u00e4tekonferenz nicht wirtschaftliche Fragen beraten und entscheiden, sondern die Frage des Losschlagens zur Entscheidung bringen sollte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unmittelbar vor der Zuspitzung auf den 20.&nbsp;Oktober wurden Bewegungen, die bereits im Flusse waren, abgebremst, abgebrochen, um die Kr\u00e4fte aufzuspeichern, um sie erst im gegebenen Moment zur Anwendung zu bringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also es wurde alles auf dieses eine bewaffnete Losschlagen gerichtet und zugespitzt, und es kam in der Perspektive und in der ganzen Anlage nur das entscheidende Losschlagen zum entscheiden\u00bb den Kampfe im gegebenen Augenblick in Frage.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nach dem Hamburger Kampf, nach dem Scheitern des s\u00e4chsischen Experiments hat die Partei sich zum erstenmal wieder sammeln k\u00f6nnen. Unmittelbar danach fand die Sitzung des Zentralausschusses statt, die versucht hat, eine Aufgabe zu l\u00f6sen, ein Fundament oder eine Kristallisierung des Standpunktes zu geben, auf dem wir augenblicklich stehen. Der Zentralausschu\u00df hat unterlassen, zur\u00fcckblickend zu pr\u00fcfen, was verkehrt, was richtig war. Das hat innerhalb der Zentrale und auch innerhalb der Bezirke selbstverst\u00e4ndlich gro\u00dfe Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen; dadurch, da\u00df die Frage durch den Zentralausschu\u00df nicht gekl\u00e4rt worden war, entstanden Verwirrung und Differenzen. Diese kamen immer sehr lebhaft in den Zentralausschu\u00df-Sitzungen zum Ausbruch; eben weil das alte noch nicht gekl\u00e4rt war, konnte keine klare Linie geschaffen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Differenzen haben dann zun\u00e4chst, nachdem die Exekutive einen Brief geschrieben hatte, den Versuch ergeben, auf Grund dieses Briefes eine Kl\u00e4rung herbeizuf\u00fchren. Die Kl\u00e4rung erbrachte, da\u00df in der Zentrale in der Hauptsache drei Auffassungen vertreten sind&nbsp;: die der Linken &#8209;&nbsp;Genossin Fischer und Th\u00e4lmann&nbsp;&#8209;, die Auffassung, die Brandler und Thalheimer vertreten haben, und die Auffassung, die durch Koenen und mich vertreten wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, die Auffassung, die dann von uns vertreten wurde, gipfelte bei der \u00dcberpr\u00fcfung des Geschehenen in der Hauptsache darin&nbsp;: War es richtig, da\u00df wir f\u00fcr einen Entscheidungskampf in dem Stadium, in dem wir uns befanden, r\u00fcsten konnten, Termin und Entscheidungsschlacht schon vorbereiten konnten? Die Frage haben wir verneint. Aus der besonderen Struktur Deutschlands und den besonderen Klassenverh\u00e4ltnissen und Klassenkr\u00e4ften in Deutschland heraus sagten wir, wir standen noch nicht in dem Stadium, in dem wir den Termin f\u00fcr einen Entscheidungskampf setzen konnten. Wir sagten&nbsp;: ehe diese Entscheidungsk\u00e4mpfe kommen werden, werden wir durch eine Periode einer ganzen Reihe gewaltiger bewaffneter Einzelk\u00e4mpfe hindurchgehen m\u00fcssen. Wir werden ein Stadium durchlaufen, in dem die verschiedensten Machtverh\u00e4ltnisse in Deutschland vorhanden sein werden. Und deshalb sagten wir, da\u00df man das, was wir bis zu den Oktobertagen nicht hatten, und zu dessen Erkenntnis man erst durch die Oktobertage gelangt ist, bereits voraussehen mu\u00dfte, n\u00e4mlich da\u00df wir, wie Brandler schon dargelegt hat, mit bewaffneten Demonstrationen, bewaffneten Einzelaktionen eine Periode durchlaufen m\u00fcssen, bis wir zu diesem Entscheidungskampfe gelangen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also Genossen, wir vertreten die Auffassung, da\u00df die Methode bzw. die Theorie, die man im Oktober versucht hat, aus einer Periode der agitatorischen und propagandistischen T\u00e4tigkeit heraus sofort in den bewaffneten Aufstand hineinzuspringen, falsch ist f\u00fcr die praktischen Dinge, wie sie sich in Deutschland ereignen werden. Und das war einer der wesentlichsten Punkte, in dem wir gegen die Anlage zur Oktobersache standen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich komme zu dem Problem der weiteren Entwicklung in Deutschland, und welches die Hauptaufgabe ist. Da steht immer wieder im Vordergrund die Zersetzung des konterrevolution\u00e4ren. Blocks innerhalb der Arbeiterklasse. Ist der zersetzt, erst dann wird die Bahn frei zu der M\u00f6glichkeit des bewaffneten Entscheidungskampfes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich will betonen, da\u00df der Block selbst am besten \u00fcberwunden wird im Kampfe; aber das darf uns nicht veranlassen, ganz klar zu sehen, was auf dem Gebiet zu geschehen hat, so lange K\u00e4mpfe nicht ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnen und nicht vorhanden sind. Wir sind der Auffassung, da\u00df die Zerschlagung des konterrevolution\u00e4ren Blocks, des Anhangs der Sozialdemokratie innerhalb der Arbeiterklasse, das Wichtigste und Bedeutsamste ist, was wir jetzt in Deutschland immer noch zu l\u00f6sen haben. Und diese L\u00f6sung mu\u00df geschehen auf dem Boden der realen M\u00f6glichkeiten, wie sie in Deutschland gegeben sind. Es ist hier immer wiederholt worden, da\u00df eine der wichtigsten Aufgaben die Zusammenfassung, die Mobilisierung und die Ausnutzung der Betriebsr\u00e4te f\u00fcr unsere revolution\u00e4re Ideologie ist. Der Gedanke ist durchaus richtig, aber wir m\u00fcssen uns die Frage so stellen&nbsp;: Was sind die Betriebsr\u00e4te, und welche M\u00f6glichkeiten gibt es auf ihrem Boden?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben in Deutschland 370.000 Betriebe mit \u00fcber 20&nbsp;Arbeitern, f\u00fcr die das Gesetz die Wahl eines Betriebsrats vorschreibt. Trotz aller Ma\u00dfnahmen auf diesem Gebiet, die wir ergriffen haben &#8209;&nbsp;wir haben in die einzelnen Bezirke besondere Sekret\u00e4re geschickt, die diese Betriebsr\u00e4te zusammenfassen sollen; haben eine ungeheure Propaganda f\u00fcr die Betriebsr\u00e4te getrieben, eine besondere Zeitung f\u00fcr sie herausgegeben&nbsp;&#8209; trotz aller dieser Arbeit ist es bis jetzt uns nur gelungen, 5000 Betriebsr\u00e4te (=Betriebe) zu mobilisieren bei einem Vorhandensein von 370.000 Betrieben. Ja, Genossen, wenn man solche Zahlen h\u00f6rt, m\u00f6chte man sagen&nbsp;: Ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, so viele wie&nbsp;370.000 zu erfassen? Wesentlich erscheint mir, da\u00df man in der Hauptsache die Gro\u00dfbetriebe erfassen mu\u00df. Wir haben nur 2000 Gro\u00dfbetriebe mit \u00fcber 1000 Arbeitern, trotzdem wir 370.000 Betriebe haben. Unter den&nbsp;5000 erfa\u00dften Betriebsr\u00e4ten sind solche, in denen die Mehrheit aus Sozialdemokraten besteht und nur einzelne Kommunisten sind. Wenn wir auch diese Kommunisten in den Betriebsr\u00e4ten in dem Organ der Reichsbetriebsr\u00e4te haben, so haben wir aber noch nicht den gesamten Betriebsrat der betreffenden Unternehmung. Und deswegen mu\u00df das Hauptgewicht darauf gelegt werden, bei den jetzt im Januar und Februar stattfindenden Betriebsr\u00e4tewahlen diese Betriebsr\u00e4te zu erobern. Es ist sicher, da\u00df hinter den Betriebsr\u00e4ten die gesamte Belegschaft steht, wenn sie ein revolution\u00e4res Element sind, das vorw\u00e4rts strebt. Heute stehen die Belegschaften nicht mehr durchweg hinter den Betriebsr\u00e4ten. Aber wenn wir es fertigbringen, wenigstens in den Gro\u00dfbetrieben bei den Wahlen die Betriebsr\u00e4te ziemlich restlos zu erobern, dann werden wir auch die Belegschaften zu den revolution\u00e4ren K\u00e4mpfen haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Warski&nbsp;: Und wie viele haben wir von den 2000 Gro\u00dfbetrieben in der Hand?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das kann ich nicht genau sagen, aber ich glaube, da\u00df wir mindestens in allen Betriebsr\u00e4ten einen oder zwei Genossen in der Hand haben, die mit uns arbeiten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, die Frage steht auch nicht so, da\u00df man durch die Betriebsr\u00e4te allein alle die Aufgaben erf\u00fcllen kann, oder, wie es Genossin Fischer irrt\u00fcmlicherweise neulich darstellte, der Streik in Ludwigshafen sei durch die Betriebsr\u00e4te gef\u00fchrt worden. Nein, selbst die wilden Streiks werden von den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten der betreffenden Betriebe geleitet. Nur gro\u00dfe Streiks, die \u00fcber gro\u00dfe Gebiete greifen, werden von den Betriebsr\u00e4ten gef\u00fchrt, aber die einzelnen Streiks werden durch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute der Arbeiter geleitet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun ist es selbstverst\u00e4ndlich notwendig, da\u00df wir eine ganz klare Linie auch gegen\u00fcber den gewerkschaftlichen Arbeitern haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, f\u00fcr mich stand fest, da\u00df die Dinge, wie sie jetzt bestehen, noch zu einer gro\u00dfen Katastrophe f\u00fchren m\u00fcssen. Im Oktober hatte die Bourgeoisie noch au\u00dferordentlich starke Kr\u00e4fte auf ihrer Seite, die bisher die st\u00e4rkste St\u00fctze ihrer Macht waren, das Beamtentum. Inzwischen aber haben die, Versuche eingesetzt, die Konsolidierung der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse auf dem R\u00fccken dieser Beamten zu unternehmen. Jetzt haben wir eine viel breitere Grundlage, als im August und Oktober.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich vertrete die Auffassung, da\u00df wir im n\u00e4chsten Vierteljahr noch mehrere Auseinandersetzungen zwischen dem Proletariat und der herrschenden Klasse haben werden. Es gilt, die Partei darauf einzustellen und zu r\u00fcsten. Das, was zu unserer bisherigen Arbeit noch hinzukommen mu\u00df, ist die bewaffnete R\u00fcstung, sind die bewaffneten Teilaktionen als ein Mittel des Klassenkampfes. Erst aus diesen K\u00e4mpfen kann sich der Zeitpunkt des Termins, an dem wir den entscheidenden Schlag f\u00fchren k\u00f6nnen, herauskristallisieren. Gewi\u00df, niemand kann bestreiten, da\u00df es M\u00f6glichkeiten gibt, da\u00df die b\u00fcrgerliche Gesellschaft sich aus den jetzt bestehenden Verh\u00e4ltnissen herausarbeiten kann. Es k\u00f6nnen im n\u00e4chsten Vierteljahr wieder solche vor\u00fcbergehende Dinge kommen, wie wir sie jetzt haben, durch die sich die Bourgeoisie aus der Schlinge herausziehen kann, die sie sich selbst um den Hals legte. Diese M\u00f6glichkeit besteht, aber man kann sich nicht auf zwei M\u00f6glichkeiten einstellen. Wir m\u00fcssen die Partei so einstellen, da\u00df es m\u00f6glich ist, in dieser Periode das zu verwirklichen, was wir durchzuf\u00fchren haben, damit nicht die M\u00f6glichkeit des Kampfes besteht, w\u00e4hrend wir eine Partei haben, die nicht aktionsf\u00e4hig ist, und die eine Leitung hat, die selbst geleitet werden mu\u00df. Die subjektiven Kr\u00e4fte der Bewegung werden dann aus sich heraus wachsen. Dazu ist eine starke Hand an der Spitze der Partei notwendig, die imstande ist, die gegebenen Verh\u00e4ltnisse auszunutzen, so da\u00df es zum siegreichen Kampfe kommen kann. Dazu ist eine kurze Aussprache \u00fcber die Differenzen und die Dinge, wie sie sind und sein m\u00fcssen, notwendig. Dann aber auch mu\u00df die Einstellung auf die Kraft der Partei nach au\u00dfenhin erfolgen. Solange wir unsere Kr\u00e4fte zum gegenseitigen Kampf in der Partei benutzen, haben wir keine Kr\u00e4fte zum Kampf und Wirken nach au\u00dfen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es mu\u00df ein kooperatives Zusammenarbeiten der Genossen, die sich im Kampfe herausgebildet haben, geschaffen und die Leitung nicht der Arbeit eines Einzelnen \u00fcberlassen werden. Es sind doch meistens Genossen in unserer Leitung, die schon Jahrzehnte in der Bewegung stehen, die sich eben im Kampf selbst zusammengefunden haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn die russischen Gen\u00f6ssen heute sagen, da\u00df es die Tradition der alten Bolschewiki ist, die sie zusammenh\u00e4lt, so k\u00f6nnen wir zwar nicht von einer alten Tradition der Kommunistischen Partei in Deutschland reden. Wir k\u00f6nnen aber sprechen von einer alten Tradition linker Oppositionsgenossen in der Sozialdemokratie, die schon seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Da\u00df zwischen diesen Genossen die Verbindung enger ist, als zu den Genossen, die erst ganz neu zu uns gekommen sind, das ist ganz selbstverst\u00e4ndlich. Wir sind zu der Auffassung gekommen, da\u00df Brandler in der F\u00fchrung der Partei oft zu selbst\u00e4ndig gehandelt hat, so da\u00df manches anders geworden ist, als es die Genossen gew\u00fcnscht haben. Wir haben zum Ausdruck gebracht, da\u00df wir w\u00fcnschen, da\u00df, wenn Brandler die Partei f\u00fchren soll, ein starkes kollektives Vorgehen der Leitung der Partei vorhanden sein mu\u00df. Zu der Lage innerhalb der Partei gegen\u00fcber der Linken sage ich, was ich gestern bereits schon gesagt habe. Diese Opposition mu\u00df in die Zentrale hinein, weil Th\u00e4lmann eine Opposition vertritt, die aus dem proletarischen Gef\u00fchl herauskommt, eine gute proletarische Tradition, die auch bei Th\u00e4lmann vorhanden ist. Aber die Opposition, die von der Genossin Ruth Fischer und Maslow kommt, ist eine Opposition, die sich nicht aus den realen Verh\u00e4ltnissen heraus gebildet hat, sondern durch Theorien nur aus den K\u00f6pfen geboren ist. Das ist es, was ich an dieser Opposition kritisieren mu\u00df, da\u00df sie nicht die reale Wirklichkeit sprechen l\u00e4\u00dft, sondern da\u00df sie glaubt, da\u00df die Welt sich aus ihren K\u00f6pfen herausbildet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, da\u00df es notwendig ist, da\u00df jetzt dieser Streitpunkt zum Abschlu\u00df kommt, da\u00df wir die Pflicht haben, von Moskau mit einer st\u00e4rken Hand und einer starken Leitung f\u00fcr die kommenden K\u00e4mpfe zur\u00fcckzukehren. Das ist vor allen Dingen notwendig in der Periode der Illegalit\u00e4t. Wenn wir in einer solchen Periode nicht in absolutes Vertrauen von Person zu Person haben, dann kann \u00fcberhaupt nicht gearbeitet werden.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>IV.<br> Referat der Genossin Ruth Fischer<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Oktoberniederlage ist keine Niederlage, denn sie war kein Kampf, sondern sie ist ein Zusammenbruch, ein v\u00f6lliges Versagen der Partei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn man die drei Referate hier aneinanderh\u00e4ngt, dann geh\u00f6ren die ersten Referate, die des Vertreters der Exekutive und Brandlers, zusammen; man kann urteilen \u00fcber sie, wie man will, sie haben ihre konsequente Linie, und es besteht eine schlechte deutsche Praxis dieser konsequenten Theorie.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was Remmele angef\u00fchrt hat, ist der Versuch sehr guter Elemente, mit Dingen fertig zu werden, die sie sich nicht anders erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, als auf Grund von Fehlern, als Folgen einer bestimmten, von ihnen auch f\u00fcr gef\u00e4hrlich empfundenen Politik. Und aus diesem Grunde ist die Tatsache, da\u00df Remmele seit anderthalb Jahrein sich zur\u00fcckgehalten hat, da\u00df er bei der Friesland- und Levi-Krise reagierte und jetzt wieder reagiert, charakteristisch daf\u00fcr, da\u00df sich in der Partei eine Reaktion bildet gegen ein ganz typisches Liquidatorentum und einen Revisionismus. Genossen, wenn wir mit solcher Heftigkeit gegen diesen Revisionismus auftreten, so, weil in den Fragen der Parteientwicklung unsere ersten stark durchlebten liquidatorischen Krisen die Levi- und die Friesland-Krise waren. An denen haben wir gelernt, unter den Masken und Formulierungen die Urspr\u00fcnge und theoretischen Grundlagen zu suchen, die zu praktischen Konsequenzen f\u00fchren m\u00fcssen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das was hier von dem Vertreter der Exekutive und Brandler ausgef\u00fchrt wurde, bedeutet den Beginn einer Liquidatorenkrise, nicht nur in der Kommunistischen Partei Deutschlands, sondern in der Internationale. Wir hatten eine solche Krise nach dem 3.&nbsp;Weltkongre\u00df. Sie war zu erkl\u00e4ren aus dem Zur\u00fcckfluten der Revolution in Europa, in Deutschland vor allen Dingen aus der Niederlage der M\u00e4rzaktion.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Zur\u00fcckfluten der revolution\u00e4ren Welle wurde vom 3.&nbsp;Kongre\u00df beantwortet mit der Losung der Gewinnung und Sammlung der Massen f\u00fcr die Ergreifung der Macht. Und aus dieser richtigen Umstellung haben die Liquidatoren der deutschen Partei die Revision des Kommunismus gemacht, das Aufgeben des Auftretens einer eigenen Kommunistischen Partei, sie haben Lehren gezogen wie&nbsp;: man mu\u00df zur\u00fcckkehren nicht nur zu den Methoden der Sozialdemokratischen Partei, und Genossen, sie sind zur\u00fcckgekehrt, und jeder Berliner Arbeiter, der den &quot;Vorw\u00e4rts&quot; liest, liest darunter &quot;Redakteur Ernst Reuter&quot; und denkt dabei an diese bittere Erfahrung, die wir gemacht haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, diese Krise ist in der K.I. nie ganz geheilt und bis zu Ende liquidiert worden. Man hat zwar in Einzelf\u00e4llen Abschneidungen gemacht, Frossard hinausgeschmissen oder er ist gegangen, hat auch in Deutschland ein paar hinausgeworfen, aber die theoretische Auseinandersetzung, die die notwendige Voraussetzung daf\u00fcr ist, da\u00df auch unsere Arbeiter begreifen, da\u00df das Disziplinbrecher nicht im organisatorischen, sondern im politischen Sinne des Wortes sind, hat man nicht gemacht. Man hat versucht, die Dinge etwas vorsichtiger zu formulieren, um die Arbeiterelemente zur\u00fcckzuerhalten, und das Resultat war, da\u00df das Gift aus der K.P.D. und wie ich glaube, der Komintern nicht ausgetrieben wurde.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Taktik der Einheitsfront war die konsequente Fortf\u00fchrung des &quot;Heran an die Massen&quot;. Diese Taktik hat bei uns eine sehr merkw\u00fcrdige Entwicklungsgeschichte, die ich alle ausl\u00e4ndischen Genossen aufmerksam zu studieren bitte, weil sie eine Fundgrube daf\u00fcr ist, wie Schritt f\u00fcr Schritt aus dem richtigen Gedanken der Einheitsfront als eines Agitationsmittels der Versuch wird, den Revisionismus aus diesem Gedanken zu entwickeln. Vom Offenen Brief \u00fcber die Rathenau-Kampagne, \u00fcber die Zusammenkunft der Exekutiven der drei Internationalen, aus tausend Einzelheiten entwickelt sich der Versuch der organisatorischen Verschmelzung der K.P.D. mit der S.P.D. Wenn z.&nbsp;B. von unseren deutschen Genossen in den letzten Jahren entdeckt wurde, da\u00df das Sch\u00f6nste an der russischen Revolution die Neue \u00d6konomische Politik ist, da\u00df das der eigentliche Sinn des Sozialismus ist, wenn man das noch \u00fcberschreibt&nbsp;: die Neue \u00d6konomische Politik mu\u00df eigentlich vor der Eroberung der Macht gemacht werden, das ist das wahre Notwendige&nbsp;&#8209; so sind solche Dinge ein Symptom des Versuchs, die Linie bis zu Ende zu entwickeln.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieser Revisionismus innerhalb der K.P.D. ist mehrmals von der Exekutive zur Ordnung gerufen worden. Die Rathenau-Aktion hat eine ganz bestimmte Rolle auf dem 4.&nbsp;Kongre\u00df gespielt, aber die deutsche Partei hat diese Kritik bis heute noch nicht angenommen, bis heute noch nicht zu Ende gedacht und ist noch immer in ihren ausschlaggebenden F\u00fchrerkreisen der \u00dcberzeugung, da\u00df die Rathenau-Aktion eine Glanzleistung war, trotzdem sie alle typischen Fehler, die wir im Oktober gehabt haben, enth\u00e4lt. Sie enth\u00e4lt alle Fehler der s\u00e4chsischen Politik im theoretischen und praktischen Sinne des Wortes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Auf dem 4.&nbsp;Kongre\u00df ist eine Episode vorgekommen, die bereits der Beginn der s\u00e4chsischen Politik war. Dort erhielt die deutsche Delegation eine irrt\u00fcmliche Nachricht, da\u00df Brandler und noch jemand in die s\u00e4chsische Regierung eingetreten sind, ohne da\u00df irgendwelche Bedingungen f\u00fcr Sachsen gestellt worden w\u00e4ren. Die deutsche Delegation trat darauf zusammen. Thalheimer erkl\u00e4rte, das ist das Eigentliche, was wir schon immer gebraucht haben. Und nur ein Genosse aus Hamburg, ein Berliner, einer aus Westsachsen und ein Ruhrarbeiter, diese Dummk\u00f6pfe, erkl\u00e4rten, das kann es nicht gebend. In diese Delegationssitzung wurde dann zwei Tage sp\u00e4ter die Nachricht eingebracht, da\u00df der Eintritt erst bevorstehe. Und darauf entspann sich folgende au\u00dferordentlich wichtige Debatte. Wir hatten 10&nbsp;Bedingungen gestellt f\u00fcr den Eintritt in die Regierung. Darunter Punkt&nbsp;7&nbsp;: da\u00df die Arbeiter bewaffnet werden m\u00fcssen und Punkt&nbsp;9&nbsp;: Betriebsr\u00e4tekongre\u00df in Sachsen. Die Sozialdemokraten wollten alles schlucken, z.&nbsp;B. Kohlenbeschaffung f\u00fcr arme Leute und Brotverteilung, nur diese beiden Punkte nicht. Daraufhin erkl\u00e4rte der Theoretiker unserer Partei, Thalheimer, und die gesamte Delegation, Meyer an der Spitze, mit ihm&nbsp;: Ja, wir brauchen doch diese Punkte nicht zuzuspitzen; das Wichtigste ist, da\u00df wir auf \u00f6konomischem Gebiet mit den Sozialdemokraten zusammengehen, diese Punkte k\u00f6nnen fallen gelassen werden. Und eine Resolution wurde gegen die 4&nbsp;Dummk\u00f6pfe angenommen, die Punkte&nbsp;7 und&nbsp;9 fallen zu lassen, wenn man nur in die Regierung eintreten kann. Dann hat die Exekutive der Komintern davon erfahren, hat es umgedreht und die Delegation hat das geschluckt. Ulbricht sagte, es hat keinen Zweck, in Th\u00fcringen noch Bewaffnung zu verlangen, weil jeder Arbeiter sein Gewehr habe. Es war f\u00fcr mich unverge\u00dflich, wie in dieser Sitzung alle russischen Genossen erkl\u00e4rten, man darf diese Bedingungen nicht schlucken. Diese Delegationssitzung des 4.&nbsp;Kongresses hat wieder im Keime die Fehler des Oktoberzusammenbruches und der Politik gezeigt, die sp\u00e4ter betrieben wurde.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, die Oktober-Situation begann sich mit dem Beginn der Ruhrbesetzung zu zeigen. Dar\u00fcber scheint \u00dcbereinstimmung nun schon zu bestehen, da\u00df die Abflauung der deutschen Revolution durch, die Ruhrbesetzung durchbrochen wurde, da\u00df die deutsche Bourgeoisie in dem Bestreben der Konsolidierung und Unterordnung unter das Auslandskapital gest\u00f6rt wurde und eine innerpolitische Krise eintrat. Aber es ist kein Zufall, da\u00df der Leipziger Parteitag sich mit fraktioneller Abstimmung geweigert hat, ein Referat und eine Aussprache \u00fcber die Ruhrbesetzung anzuh\u00f6ren. Wir sch\u00e4tzen alle Genossin Zetkin au\u00dferordentlich, aber nur ein Referat von Genossin Zetkin, die Annahme eines Manifestes, das ist doch keine Behandlung der Ruhrfrage.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist wichtig festzustellen, da\u00df zu den Thesen des Leipziger Parteitages, die von der Exekutive in einer bestimmten Form desavouiert wurden, der Vertreter der Exekutive mehrmals erkl\u00e4rte, ich habe diese Thesen der Mehrheit mit dem Bleistift in der Hand durchgelesen und keine Spur irgendwelcher falschen Formulierungen gesehen. Das geh\u00f6rt in die Linie der gemeinsamen Plattform, die er heute mit Brandler bezogen hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, dieser Leipziger Parteitag ist hart an der Grenze der Spaltung gewesen, und es hat keinen Zweck, dar\u00fcber den Schleier zu breiten. Der Fraktionskampf, der Ha\u00df zwischen beiden Gruppen war so schlimm, da\u00df es eigentlich nur dem Eingreifen des Vertreters des E.K. in der letzten Minute gelungen ist, diese Spaltung zu verhindern. Der Leipziger Parteitag war von uns fast nicht vorbereitet und traf uns in der Lage derjenigen, die eigentlich gar nicht das Anrecht haben, gegen\u00fcber den alten Parteif\u00fchrern aufzutreten. Trotzdem haben wir eine ganz ertr\u00e4gliche Anzahl von Stimmen der Arbeiter aus den wichtigsten Industriebezirken gesammelt, obgleich die Situation bei weitem nicht klar und kra\u00df gewesen ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Jede einzelne Aktion, die die Partei vom Leipziger Parteitag bis zum Oktober gef\u00fchrt hat, zeigt das doppelte Gesicht. Das Aufsteigen der revolution\u00e4ren Welle, den Vorsto\u00df der Arbeiter, die Stimmung der Arbeiter einerseits und die Zentrale der K.P.D. andererseits, der die Wirklichkeit nicht in ihre Theorie des Abflauens pa\u00dfte. Jede einzelne Aktion hat das gezeigt. Wir haben versucht, in jeder einzelnen unseren anderen Standpunkt zu entwickeln, ganz klar vom Februar bis zum Oktober die Frage zu stellen&nbsp;: der Ruhrk\u00e4mpf leitet eine neue Periode ein, die Frage der Macht steht auf der Tagesordnung. Auf dem Bezirkstag Wasserkante hat Brandler uns wieder Idioten, genannt, weil wir nicht begriffen, da\u00df die n\u00e4chste Etappe in Deutschland eine linkssozialdemokratisch-gewerkschaftliche Arbeiterregierung sei und es noch nicht Zeit w\u00e4re, die Machtfrage zu stellen&nbsp;: er meinte, man m\u00fc\u00dfte dies vermeiden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Exekutive der Komintern erkannte, da\u00df historisch die M\u00f6glichkeit der Machtergreifung auf der Tagesordnung steht, da\u00df es sich von seiten der Bourgeoisie um einen entscheidenden Vorsto\u00df gegen die Arbeiterklasse und nicht gegen die &quot;Novemberrepublik&quot; handelt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Widerspruch in bezug darauf, da\u00df die Exekutive der Komintern die Einheitsfronttaktik als etwas anderes aufgefa\u00dft habe wie die K.P.D., als eine Methode der Erfassung der Massen f\u00fcr den Kommunismus, zu dem, was wir in Deutschland erlebt haben, das f\u00fchrte dazu, da\u00df wir uns nachher die Vorw\u00fcrfe \u00fcber den Zusammenbruch machen mu\u00dften.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Als die Vertreter der Partei von Moskau zur\u00fcckkehrten, sprach einer von ihnen in Berlin und erz\u00e4hlte&nbsp;: in drei Tagen haben wir die Macht in Sachsen, und dann marschieren wir nach Berlin.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, diese charakteristische Umsetzung von Beschl\u00fcssen der Komintern in die Praxis zeigte sofort, da\u00df die Partei nicht die Kraft hatte, als revolution\u00e4re Partei zu k\u00e4mpfen, geschweige denn um die Macht zu k\u00e4mpfen. Die charakteristischen Merkmale der Politik der K.P.D. sollen nach Brandler darin bestehen, da\u00df man die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im Oktober \u00fcbersch\u00e4tzt hatte. Je mehr das Reich zerfiel, die Inflationskrise sich zu einer Wirtschaftszerr\u00fcttung auswuchs, desto mehr wurde erkl\u00e4rt, die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse sind gegen uns, nachdem im August ein Gequatsch vom B\u00fcrgerkrieg gemacht worden war. Als man jedoch k\u00e4mpfen mu\u00dfte, da fand die Zentrale pl\u00f6tzlich, da\u00df alles, was an Kr\u00e4ften vorhanden war, nicht zum K\u00e4mpfen ausreichte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das ist typisch opportunistisch&nbsp;: Immer, wenn es zum Losschlagen kommen soll, dann reichen die Kr\u00e4fte nicht dazu aus. Wenn dann die Gelegenheit vorbei ist, dann wird in drei Monaten die Revolution versprochen. Das ist typisch deutsche Gewerkschaftstaktik.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen! Die letzte Oktoberniederlage hat in zwei Punkten kulminiert&nbsp;&#8209; in Hamburg und in Sachsen. Der Gegensatz zwischen der Chemnitzer Konferenz und dem Kampfe der Hamburger Arbeiter ist so gro\u00df, da\u00df man in der Partei nicht so ohne weiteres \u00fcber ihn hinweggehen kann. \u00dcber Sachsen hat man systematisch und mit Absicht der Partei und der Internationale die Sachlage falsch dargestellt. Genossen, ich sage, wer Brandler so einsch\u00e4tzt, da\u00df er nicht wu\u00dfte, da\u00df in Sachsen keine Waffen zu holen sind, der kennt ihn nicht. Er hat seine dortige T\u00e4tigkeit mit Bewu\u00dftsein so getan, damit die wahre Einheitsfronttaktik, wie er sie ertr\u00e4umt, vom ersten bis zum letzten durchgef\u00fchrt wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte das Beispiel der Chemnitzer Konferenz erl\u00e4utern. Wenn ein verantwortlicher Politiker sieht, da\u00df die Partei unmittelbar vor einem bewaffneten Kampfe steht, dann mu\u00df er versuchen, die Masse ideologisch darauf einzustellen. Man kann die Partei nicht in einen bewaffneten Kampf f\u00fchren, wenn man die Massen nicht ideologisch darauf einstellt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In Chemnitz beabsichtigte man aber wirtschaftliche Betriebsfragen zu er\u00f6rtern und nicht die Massen zum Kampfe zu mobilisieren und aufzurufen. Wenn dann Graupe im Moment des B\u00fcrgerkrieges erkl\u00e4rte, jetzt kann man die Massen nicht zum Kampfe aufrufen, erst sp\u00e4ter, dann ist das dieselbe Methode, die Brandler anwendete. Im entscheidenden Moment haben sie versagt, weil sie die Theorie von dem verfassungsm\u00e4\u00dfigen \u00dcbergang aus der Arbeiterregierung in das Himmelreich des Sozialismus haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Hamburger Kampf ist ein Beweis daf\u00fcr, da\u00df die Partei auch als Minderheit die Massen zum Kampfe hinrei\u00dfen kann, da\u00df es nicht darauf ankommt, da\u00df man sich auf den Boden der Sozialdemokratie stellt, um ein gen\u00fcgendes Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zu schaffen. Wie der Hamburger Kampf sich in Berlin auf die Arbeiterschaft auswirkte, kann ich euch kaum beschreiben. Als in Berlin die Nachricht eintraf, da\u00df die Hamburger Arbeiter mit der Waffe in der Hand k\u00e4mpfen, das wirkte auf die Berliner Arbeiter, aber auf die s\u00e4chsische Frage haben die Berliner Arbeiter nicht reagiert. Das zeigt uns, da\u00df wir die Arbeiterschaft zum Kampfe bekommen und mobilisieren werden k\u00f6nnen, wenn wir als Kommunistische Partei den Mut haben werden, in die K\u00e4mpfe hineinzugehen, auch ohne die Sozialdemokratie. Diese Lehre des Hamburger Kampfes f\u00fchrt auf das eigentliche Problem der deutschen Revolution zur\u00fcck, n\u00e4mlich, da\u00df wir die Massen f\u00fcr uns gewinnen m\u00fcssen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Hier gibt es zwei Antworten darauf&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gewinnen wir die Massen dadurch, da\u00df wir uns m\u00f6glichst in einen sozialdemokratischen Mantel h\u00fcllen, m\u00f6glichst verfassungsm\u00e4\u00dfig erscheinen wollen? Oder, da\u00df wir als Kommunistische Partei unser klares kommunistisches Gesicht zeigen und eine klare kommunistische Praxis und Theorie haben?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, ich sage&nbsp;: nur, wenn wir uns \u00fcberlegen, da\u00df wir den sozialdemokratischen Arbeitern erleichtert haben, da\u00df sie bei der Sozialdemokratie bleiben konnten, kann man die noch vorhandene St\u00e4rke der V.S.P.D. begreifen. Die linken sozialdemokratischen Arbeiter, die anfingen zu begreifen, da\u00df die Sozialdemokratie eine schlechte Partei ist, haben wir durch unsere Einheitsfronttaktik wieder an ihre Partei gebunden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich bin der Meinung, da\u00df die Arbeiter allm\u00e4hlich zum Kommunismus getrieben werden durch das zielbewu\u00dfte, klare Auftreten unserer Partei und die St\u00e4rke der Internationale. Wenn man aber den sozialdemokratischen linken Arbeitern den Ausweg der Einheitsfront gibt, dann werden auch die unzufriedenen sozialdemokratischen Arbeiter bei der V.S.P.D. bleiben. Wenn hier die Rede von der Spaltung der sozialdemokratischen Partei war, so ist das nicht richtig. Die S.P.D. wird sich nicht spalten. Sie ist in ihrem Zersetzungsproze\u00df unterbrochen worden durch die Taktik der Partei und durch den Oktoberzusammenbruch. Ich kann zahlenm\u00e4\u00dfig anf\u00fchren, da\u00df die sozialdemokratischen Linken nicht die Mehrheit haben. Wenn sie sich eben abspalten, dann auf Vereinbarung mit den rechten Kommunisten, und dann werden sie versuchen, eine neue, zentristische Partei zu bilden. Genossen, ich habe an euch Briefe verteilen lassen, in denen dieselben Auffassungen aus Arbeiterkreisen vertreten werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte den Genossen von der Rechten sagen&nbsp;: Seht auch einmal ernsthaft die Stimmung der Leipziger Genossen an, seht euch einmal an, wieviel Vertrauen sie noch zu B\u00f6ttcher, zu Brandler haben. Ihr spielt mit den Stimmungen dieser Arbeiter. Und es hat sicherlich nur die Existenz der Kommunistischen Internationale verhindert, da\u00df nicht schon sehr gro\u00dfe Teile zur K.A.P. gegangen sind infolge des Verhaltens der Partei im Oktober. Und wenn ihr so weiter macht, dann werdet ihr gute Arbeiter anekeln und hinauswerfen. Nicht Ruth Fischer, die ist zu klug, um an Disziplinbruch gehangen zu werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, da\u00df der Zusammenbruch kam, ist also f\u00fcr uns unerkl\u00e4rbar aus technischen Dingen, aus irgendwelchen kleinen Fehlern. Und wir werden von dieser Plattform nicht abgehen und sie durchk\u00e4mpfen, weil das das einzige Mittel ist, um die Partei, die aus guten Arbeitern besteht, zu retten von dieser opportunistischen Auffassung. Der Vertreter des E.K.K.I. hat in Deutschland eine Taktik verfolgt, die ja f\u00fcr seine Zwecke sehr gut war, aber auch eine politische Maskerade war. Denn wenn er sich jetzt hinstellt und erkl\u00e4rt, er hat seine Auffassungen seit Oktober v\u00f6llig ge\u00e4ndert, man mu\u00df nicht immer A sagen, man kann auch B sagen&nbsp;&#8209;, wir haben von ihm einen Artikel gelesen, vor dem Oktober, da erz\u00e4hlte er, da\u00df der Faschismus erst siegen mu\u00df in Deutschland, bevor die Arbeiter k\u00e4mpfen werden. Er hat genau wie Brandler die feurige Perspektive, die mitten in der Niederlage erkl\u00e4rt&nbsp;: Wir brauchen jetzt nicht zu k\u00e4mpfen, es ist leichtfertig und unverantwortlich, jetzt die Frage des Kampfes zu stellen, denn jeden Tag wird die Situation f\u00fcr uns besser. Diese Perspektive haben die Genossen den Mut gehabt, nach Chemnitz und Hamburg auszusprechen. Da\u00df die Zeit jeden Tag besser wird, wurde von Brandler als verantwortlichen Menschen ausgesprochen; er f\u00fcgte hinzu, da\u00df wir vielleicht noch vier Wochen brauchen, um den Machtkampf durchzuf\u00fchren, worauf Emp\u00f6rung in der Zentrale ausbrach&nbsp;: das mu\u00df in 10&nbsp;Tagen, geschehen, woraufhin Brandler dann vier Wochen als Mindestma\u00df hinstellte. Ich m\u00f6chte als Merkmal f\u00fcr alle diese Anschuldigungen folgendes zusammenfassen&nbsp;: Wenn eine Aktion m\u00f6glich war &#8209;&nbsp;als z.&nbsp;B. am Antifaschistentag von uns die Forderung gestellt wurde, wir wollen demonstrieren&nbsp;&#8209;, dann hat man sie nicht gemacht, dann hat Brandler, um die Demonstration unm\u00f6glich zu machen, die Frage so gestellt&nbsp;: Wenn man demonstriert, dann bricht die Welt vor lauter bewaffneten Zusammenst\u00f6\u00dfen zusammen. Und um das und den B\u00fcrgerkrieg und das Verbot der Partei zu vermeiden, hat er die Demonstration verboten. Es ist auch eine typische Methode, sich zu \u00fcberbr\u00fcllen, um die Sache selbst unm\u00f6glich zu machen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also am Antifaschistentag d\u00fcrften wir nicht demonstrieren, trotzdem ganz Berlin darauf gespannt war und wir es vorbereitet hatten. Wir haben in den Versammlungen nach niedriger Sch\u00e4tzung 250.000 Arbeiter gesammelt. So war die Stimmung der Massen. Und damals durften wir nicht demonstrieren, weil Brandler von mir die Garantie verlangte, da\u00df es zu keinen bewaffneten Zusammenst\u00f6\u00dfen kommt. Und als ich das nicht garantieren konnte und wollte, wurde die Demonstration verboten. Aber im Oktober, als die Partei in ihrer schwersten Krise war, als unsere Arbeiter mit M\u00fche davon abgehalten wurden, aus der Partei auszutreten, da verlangte der Vertreter des E.K. von uns eine bewaffnete Demonstration, nur sozusagen aus rein politischen Gr\u00fcnden. Diese Demonstration haben wir durchgef\u00fchrt und bewaffnet gesch\u00fctzt und haben das durchgef\u00fchrt, was uns die Exekutive angegeben hat, weil wir immer das durchf\u00fchren werden. Ich komme jetzt zu dem Zustand unserer Partei und zu dem, was geschehen mu\u00df. Viele Genossen meinen, es sei eine Beleidigung der Kommunistischen Partei, wenn man sagt, da\u00df die Partei nicht gut ist. Genossen, es ist doch eine Tatsache, da\u00df man unter der Partei nicht die F\u00fchrung versteht. Diese Illusion ist in Deutschland zusammengebrochen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Innerhalb der Mitgliedschaft unserer Partei selbst ist ein gro\u00dfer tiefgehender Proze\u00df im Gange. Es sind in der Partei Neigungen vorhanden, zur Sozialdemokratie \u00fcberzugehen. Es ist leichtfertig, wenn man diese Stimmung nicht sehen will.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Krise, die in der Partei herrscht, ist nicht mehr durch eine Kompromi\u00dfl\u00f6sung zu heilen, nicht mehr dadurch, da\u00df man bedingungslos alle Dummheiten schluckt. Diese Krise ist nur zu l\u00f6sen, indem man ganz kra\u00df erkl\u00e4rt&nbsp;: In der Partei ist ein Revisionismus vorhanden. Wenn man dies ausspricht, dann kann man die Partei gesund machen. Wenn wir das nicht tun, dann wird die Zentrale der Partei sich mit den Sozialdemokraten koalieren, dann wird der n\u00e4chste Parteitag ein Spaltungsparteitag sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unsere n\u00e4chsten Aufgaben sind deshalb die Durcharbeitung und Umgruppierung der Partei. Ohne eine solche Umgruppierung ist die Partei nicht kampff\u00e4hig.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte noch zu dem etwas sagen, was der Vertreter der Exekutive \u00fcber den Faschismus s\u00e4gte&nbsp;: Die Faschisten haben die Novemberrepublik besiegt. Genossen, was soll das hei\u00dfen, der Sieg des Faschismus \u00fcber die Novemberrepublik? Es war ein demagogischer Ausdruck, um die Arbeiter \u00fcber ihre Niederlage hinwegzut\u00e4uschen. Das war der erste Zweck. Diese Thesen haben nat\u00fcrlich unseren Leuten die Arbeit erschwert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich mu\u00df feststellen&nbsp;: 1.&nbsp;die T\u00e4uschung der Partei \u00fcber die Niederlage, 2.&nbsp;Begr\u00fcndung auf Grund demokratischer Illusionen. Man kann diese Politik nur begr\u00fcnden, wenn man Unterschiede zwischen faschistischer, industrieller und sozialdemokratischer Regierung macht, wenn man der Theorie anh\u00e4ngt, da\u00df die demokratische Republik ein klassenloses Gebilde ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte den Genossen aus der Internationale empfehlen, das letzte Heft der deutschen <i>Internationale<\/i><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[9]<\/span><\/span><\/span><\/a> zu lesen. Ich habe mir zehn Zitate aus dem Artikel Brandlers angestrichen. Da ist der revisionistische Sinn der Thesen \u00fcber den Sieg der Faschisten \u00fcber die Novemberrepublik ausgedr\u00fcckt. Genossen, der dort entwickelte Standpunkt gilt als die theoretische Erkl\u00e4rung der Politik unserer Partei im Oktober; das sind die Folgerungen aus der Analyse Radeks.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was die Perspektive der k\u00fcnftigen K\u00e4mpfe in Deutschland betrifft, will ich sagen&nbsp;: wenn ich mich dagegen gewandt habe, da\u00df man eine Drei-Monats-Perspektive macht, so deswegen, weil die Partei heute gar nicht in der Lage ist, gro\u00dfe entscheidende K\u00e4mpfe zu f\u00fchren, bevor sie innerlich konsolidiert ist. Wir werden K\u00e4mpfe haben, aber die werden einen anderen Charakter haben als die vor dem Oktober. Das Entscheidende an diesen letzteren war, da\u00df sie von K\u00e4mpfen um Wirtschaftsfragen begannen, aber sofort politischen Charakter, Machtcharakter annahmen. Im Cuno-Streik sagten wir zu Schlecht (einem unserer Betriebsf\u00fchrer)&nbsp;: du mu\u00dft jetzt den Leuten noch sagen&nbsp;: wir sind f\u00fcr Wirtschaftsbeihilfe. Er sagte, aber die Leute br\u00fcllen&nbsp;: Wir wollen keine Wirtschaftsbeihilfe, wir wollen die Regierung st\u00fcrzen. Dieser Ruf der Massen ist symbolisch f\u00fcr den Umschwung der Massenbewegung gewesen. Jetzt werden wir auch K\u00e4mpfe haben, Genossen, aber sie werden Verteidigungsk\u00e4mpfe der wirtschaftlichen Interessen, der wirtschaftlichen Forderungen sein. Wir werden jetzt in den Mittelpunkt den Achtstundentag stellen m\u00fcssen, der jetzt kaputt ist, jeden Pfennig Lohn. Wir werden darauf achten m\u00fcssen, da\u00df die Kluft zwischen den Erwerbslosen und den in den Betrieben Arbeitenden nicht zu gro\u00df wird. Wir werden k\u00e4mpfen m\u00fcssen, da\u00df die Betriebsr\u00e4te &#8209;&nbsp;nicht, da\u00df sie Sowjets werden&nbsp;&#8209;, sondern da\u00df sie nicht aus den Betrieben hinausfliegen, weil der Unternehmer beginnt, sie zu liquidieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das ist der andere Charakter der kommenden K\u00e4mpfe. Diese K\u00e4mpfe k\u00f6nnen und werden zu einer gr\u00f6\u00dferen Verbindung der Partei mit den Massen f\u00fchren, obgleich wir hier wieder auf alte Punkte zur\u00fcckf\u00fchren m\u00fcssen. Wir haben Terrain gewonnen und dank der Formlosigkeit unserer Politik wieder verloren. Jetzt wird es sich darum handeln, wieder Terrain unter den Massen zu gewinnen, aber nicht durch eine Politik unter den Sozialdemokraten, die uns zerrei\u00dft, sondern die festbleibt und die Massen vom sozialdemokratischen Boden zu uns her\u00fcberzieht. Dann werden die K\u00e4mpfe vielleicht fr\u00fcher als wir denken in Machtk\u00e4mpfe umschlagen. Aber ohne andere politische Linien werden wir auch diese K\u00e4mpfe nur mit Scheinerfolg f\u00fchren und, ohne die M\u00f6glichkeit, eine wirklich revolution\u00e4re Partei zu werden. Wir verlangen von der Kommunistischen Internationale eine klare Entscheidung, einen Parteitag, auf dem die Frage gestellt wird, wie die Partei gef\u00fchrt werden soll, welche Politik sie haben soll, und wir werden uns wehren gegen die Redensarten mancher Genossen&nbsp;: La\u00dft das Vergangene ruhen, die Zukunft liegt froh und glorreich vor uns. Das Vergangene ist nicht vergangen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>V.<br> Rede des Genossen Sinowjew<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In der Sitzung des Pr\u00e4sidiums des E.K.K.I., am 12.&nbsp;1., fand eine Diskussion statt, in der nach ein paar k\u00fcrzeren \u00c4u\u00dferungen anderer Genossen Sinowjew folgende Rede hielt&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, zun\u00e4chst m\u00fcssen wir uns vergegenw\u00e4rtigen, in welcher Lage wir \u00fcberhaupt diese Diskussion angefangen haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir sind darin einig, da\u00df wir eine schwere Niederlage erlitten haben, eine schwere Schlappe; ich glaube, es ist \u00fcbertrieben, zu sagen, einen Zusammenbruch, aber doch eine ernste Niederlage. Und das ist nach unserer Erfahrung der wichtigste Pr\u00fcfstein f\u00fcr jede revolution\u00e4re Partei und f\u00fcr jede Richtung in der Partei. Gerade w\u00e4hrend der Niederlage haben wir dieses Examen zu bestehen. Wenn wir in Stimmungen verfallen, die alles schwarz f\u00e4rben, so k\u00f6nnen diese die Partei am Ende wirklich zugrunde bringen. Jetzt w\u00e4hrend der Niederlage mu\u00df jeder der deutschen Genossen beweisen, was er leistet. Ja, wenn man gesiegt hat, ist es leicht. Es handelt sich aber darum, jetzt, wo wir in einer schwierigen Lage sind, der Partei Treue zu bezeugen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bevor ich materiell auf die Dinge eingehe, einige Worte. Es ist hier gesagt worden, eine Spaltung der deutschen Kommunistischen Partei bedeutet den Untergang der deutschen Revolution oder wenigstens, bedeutet, da\u00df wir f\u00fcr 5&nbsp;Jahre die Revolution verschieben. Das ist absolut richtig. Darum, glaube ich, m\u00fcssen wir in die materielle Diskussion mit einer Stimmung eintreten, da\u00df, mag es sein, wer es will, wer aus Fraktionsgeist, &#8209;&nbsp;aus \u00dcberzeugung selbstverst\u00e4ndlich&nbsp;&#8209; die Einigkeit gerade in diesem Stadium beeintr\u00e4chtigt, ein Verbrecher an der deutschen Arbeiterklasse ist. Es gibt Lagen, in denen man eine Spaltung vornehmen mu\u00df. Und das haben wir gemacht. Aber es gibt auch solche Lagen, wo man alles schlucken mu\u00df und keine Spaltung zulassen darf. Nun, ich behaupte, jetzt haben wir in Deutschland eben diese zweite Lage. Mag sein, wer das will, wer jetzt in diesem Momente zu einer Spaltung, hintreiben will, &#8209;&nbsp;wenn auch aus \u00dcberzeugung&nbsp;&#8209; er ist dennoch objektiv derjenige, der den Sozialdemokraten und der Bourgeoisie und nicht der deutschen Arbeiterklasse hilft.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun materiell zur Diskussion.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zun\u00e4chst einige Dokumente. Man versucht, hier zu sagen&nbsp;: ja, nicht im Oktober ist der Fehler gemacht worden, wir haben nicht im Oktober untersch\u00e4tzt, sondern schon fr\u00fcher, im Anfang der Ruhrkrise, daher diese ganze Lage.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Selbstverst\u00e4ndlich, wenn wir beim Eintritt der Ruhrkrise angefangen h\u00e4tten, uns vorzubereiten, so w\u00e4ren wir eben besser vorbereitet gewesen, wenn noch fr\u00fcher, so noch besser. Das ist doch eine Kette, die man weiter ziehen kann. Das ist Sophismus, um den richtigen Fehler dort zu verdecken, wo man ihn gemacht hat. Und wir m\u00fcssen ehrlich sein gegen uns, dann werden wir den Fehler finden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Bild, das Genosse K\u00f6nig hier von dem Vorfall zwischen den deutschen Frauen und den franz\u00f6sischen Soldaten malte, war interessant. Wirklich war die Ruhrlage der Ausgangspunkt f\u00fcr die ganze Sache.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich habe hier die Instruktionen der Exekutive f\u00fcr die kommunistischen Delegierten auf der Frankfurter Konferenz vom 17.&nbsp;M\u00e4rz 1923. Lesen Sie diese Instruktionen. Was sagten wir?<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die Konferenz von Essen war in erster Linie eine Demonstrationskonferenz. Die Konferenz vom 17.&nbsp;M\u00e4rz mu\u00df eine Arbeitskonferenz werden.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Bei den Verh\u00e4ltnissen, unter denen die Essener Konferenz stattgefunden hat, war schon eine blo\u00dfe Demonstration ein gro\u00dfes politisches Ereignis. Die mehr oder weniger gelungene Koordination der T\u00e4tigkeit der franz\u00f6sischen und der deutschen Kommunistischen Partei im Zusammenhang mit der Ruhrokkupation soll nicht untersch\u00e4tzt werden. Jetzt aber Essen einfach zu wiederholen, w\u00e4re ein gro\u00dfer Schritt nach r\u00fcckw\u00e4rts. Die Konferenz vom 17.&nbsp;M\u00e4rz und die Vorkonferenz (besonders die Vorkonferenz) haben zweierlei Aufgaben zu erf\u00fcllen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>a)&nbsp;Ein wirkliches, gemeinsames, klares, festes, konzentriertes Agitationsprogramm f\u00fcr die wichtigsten in Frage kommenden Sektionen auszuarbeiten.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>b)&nbsp;Eine Anzahl von Ma\u00dfnahmen organisatorischer und teilweise konspirativer Natur auszuarbeiten und sie auch wirklich durchzuf\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Weiter ein ganzes Kapitel \u00fcber die Aufgaben der franz\u00f6sischen Partei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also die Exekutive hat die Aufgaben gesehen, hat sie der Konferenz gezeigt. Da\u00df das sehr schwach ausgef\u00fchrt worden ist, obwohl die Jugend in Frankreich jetzt sehr gut gearbeitet hat,&nbsp;&#8209; wenn sie wollen, kann man das feststellen. Wir haben das schon gen\u00fcgend getan. Aber man soll das nicht zu einer Sophistik machen&nbsp;: weil wir damals nicht die Frage des bewaffneten Aufstandes gestellt haben, so seien wir damals im Unrecht gewesen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nein, der Fehler im Oktober lag bei der deutschen Partei und teilweise bei der Exekutive.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In der Frage der Terminsetzung schrieb Trotzki einen Artikel, in dem er die Frage eines Kalendariums aufstellte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das war ein Fehler. Radek, ich mu\u00df gestehen, war dagegen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Ich auch.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Brandler auch. Wir haben beschlossen, da\u00df der Termin nur zur Orientierung sein und in Deutschland selbst bestimmt werden soll. Also in der Frage des Termins war kein Fehler auf Seiten der Exekutive, kein Fehler bei der russischen Partei. Wir haben so bestimmt, wie es richtig war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ein weiteres Dokument&nbsp;: unser Telegramm vom 1.&nbsp;Oktober 1923 \u00fcber Sachsen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Da wir die Lage so einsch\u00e4tzen, da\u00df der entscheidende Moment nicht sp\u00e4ter als in vier &#8211; f\u00fcnf &#8211; sechs Wochen kommt, so halten wir es f\u00fcr notwendige jede Position, die unmittelbar nutzen kann, sofort zu besetzen. Auf Grund der Lage mu\u00df man die Frage unseres Eintretens in die s\u00e4chsische Regierung praktisch stellen. Unter der Bedingung, da\u00df die Zeigner-Leute bereit sind, Sachsen wirklich gegen Bayern und die Faschisten zu verteidigen, m\u00fcssen wir eintreten. Sofort Bewaffnung von&nbsp;50&#8209;60.000 wirklich durchf\u00fchren, den General M\u00fcller ignorieren. Dasselbe in Th\u00fcringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das ist ein Telegramm, das wir in Anwesenheit Brandlers beschlossen haben. War das richtig oder unrichtig? Das war absolut richtig. Wenn wirklich die Zeigner-Leute gegen die Faschisten k\u00e4mpfen und 50&#8209;60.000 Arbeiter bewaffnen wollten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Warski&nbsp;: ein gro\u00dfer Fehler, nicht im Bilde.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Vertreter der deutschen Partei hat uns diese Ziffer angegeben&nbsp;:&nbsp;50&#8209;60.000.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Diese Bedingung hat die Partei nie kennengelernt.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieses Telegramm ist beschlossen worden in Anwesenheit dreier deutscher und dreier russischer Genossen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also wie haben wir uns die Sache vorgestellt? Als eine Episode im B\u00fcrgerkrieg. Und wir haben ihnen das im Text mitgeteilt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Drittens will ich noch zitieren zur Frage unseres Verhaltens zur linken Sozialdemokratie, zur Sozialdemokratie \u00fcberhaupt. Wir haben hier in Anwesenheit der deutschen Vertreter beschlossen&nbsp;: Der Hauptfeind ist die linke Sozialdemokratie; wir m\u00fcssen verstehen, da\u00df wir den Kampf f\u00fchren m\u00fcssen nicht nur ohne, sondern gegen die linken Sozialdemokraten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Dokumente gen\u00fcgen, um sich ein bi\u00dfchen ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckzurufen, was die Exekutive hier beschlossen hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Dokumente sollt ihr euch in die Erinnerung zur\u00fcckrufen, dann werdet ihr schon ein bi\u00dfchen verstehen, wie die Exekutive eingestellt war, und da\u00df die Genossen dem zugestimmt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Dem Telegramm habe ich nicht zugestimmt.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, ich mu\u00df zugeben, f\u00fcr den Eintritt in die s\u00e4chsische Regierung trage ich und die anderen Genossen am meisten die Verantwortung. Brandler war hierin schwankender. Er sagte&nbsp;: ich wei\u00df nicht, ob das vorbereitet ist, aber er hat nachgegeben. Ich will die Verantwortung nicht von mir abw\u00e4lzen, ich trage sie, so wie wir die allgemeine Auffassung gesehen haben, die wir doch mit euch nach Verhandlungen auch mit der franz\u00f6sischen, der polnischen, der tschechoslowakischen Partei beschlossen haben. Wir sagten, wenn es sich wirklich um eine Frage von Wochen handelt, m\u00fcssen wir das im Fall des B\u00fcrgerkrieges ausnutzen. Also so war die allgemeine Einstellung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Jetzt, Genossen, wie war die Ausf\u00fchrung? Das ist doch die wichtigste Sache. Zun\u00e4chst in Sachsen. Genosse Remmele sagte gestern&nbsp;: ja, was die Minister vers\u00e4umt haben, ist das wirklich so wichtig, jetzt ihnen das entgegenzuhalten? Ist das nicht ein gewisser Opportunismus? Was kann man von den Ministern erwarten?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was ist in diesen Worten Richtiges? Gewi\u00df, ist das Wichtigste, was die Massen machen. Aber f\u00fcr uns ist das ein Symptom der faulen Einstellung der Partei. Die Hauptfrage ist selbstverst\u00e4ndlich, warum der B\u00fcrgerkrieg nicht gekommen ist, die Masse nicht mobilisiert werden konnte. Aber sie m\u00fcssen verstehen, warum wir soviel Gewicht auf das Auftreten der kommunistischen Minister legen; weil das ein Symptom der unrichtigen Einstellung unserer Partei ist. Wer waren die Minister? Die besten Genossen, die f\u00fchrenden, Brandler, Heckert, B\u00f6ttcher. F\u00fcr uns ist ihr Auftreten eine Erscheinung der F\u00e4ulnis.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Th\u00e4lmann&nbsp;: Sehr richtig.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Vergleichen sie die Gedanken unseres Telegramms mit dem Stil des Auftretens dieser Minister. Das sind die Erscheinungen zweier Einstellungen. Gewi\u00df, das Wichtigste ist, warum die Masse nicht auftrat, aber das Verhalten der Minister signalisiert etwas, signalisiert eine unrichtige Einstellung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossin Fischer hat gestern sicher sehr \u00fcbertrieben, als sie sagte, bei Brandler war das ein bewu\u00dftes unrichtiges Spiel. Das ist eben der gro\u00dfe Mangel der sonst sehr guten Rede der Genossin Fischer, die \u00dcbertreibungen. Dadurch wird vieles zur Karikatur. Das ist \u00fcberhaupt der Hauptfehler unserer Linken, was wir schon manchmal unserer bolschewistischen Linken gesagt haben. Es ist unm\u00f6glich, da\u00df Brandler die Sache so bewu\u00dft gemacht hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Das war das einzige Argument.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber sie gab sonst viele gute Argumente, denen man zustimmen mu\u00df. Warum wir das Auftreten der kommunistischen Minister so beachten, entspringt daraus weil es eine Erscheinung der unrichtigen Politik war; das durch ist die Sache zu einem banalen Kuddelmuddel mit der Sozialdemokratie geworden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sch\u00f6n, man hat unrichtig eingesch\u00e4tzt, man konnte nicht 60.000 bewaffnen, sogar nicht&nbsp;60; es hat sich herausgestellt, da\u00df man die Lage \u00fcbersch\u00e4tzt hat. Aber warum mu\u00dften wir dort als Sozialdemokraten auftreten? Warum mu\u00dften wir mit dem Gerede \u00fcber den verfassungsm\u00e4\u00dfigen Boden kommen, auf dem wir stehen? Warum damit kommen, da\u00df wir nur dem Landtag gegen\u00fcber verantwortlich sind? Das ist eine altmodische, im besten Falle eine Bebelsche Stellungnahme aus den neunziger Jahren. In seinen besten Zeiten hat Bebel das gesagt. Damals war das richtig. Jetzt mu\u00dfte man appellieren an die direkten revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte der Arbeiterschaft, mu\u00dfte sagen, die linke Sozialdemokratie, das ist der Hauptfeind, die Linke geht mit den Rechten, die Rechten mit Seeckt, Seeckt mit Ludendorff,&nbsp;&#8209; aber nicht sagen&nbsp;: wir stehen auf dem Boden der Verfassung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Darum war die Ausf\u00fchrung unerh\u00f6rt schlecht und signalisiert gr\u00f6\u00dfere Gefahren in unserer Partei, als jemand von uns das vermutet hat. Darum haben wir den Brief an die deutsche Zentrale mit der Kritik einstimmig beschlossen. Das soll man auch nicht vergessen. Ich liebe nicht, die Verantwortung auf andere Genossen abzuschieben; ich habe den Brief geschrieben, aber es war keineswegs ein pers\u00f6nlicher Brief von mir, wie man das in Deutschland dargestellt hat&nbsp;: ja, das ist einer der ber\u00fchmten Briefe. Es war eine Kommission eingesetzt worden, an der Genosse Kolarow und auch Genossin Zetkin teilgenommen hat, die manche \u00c4nderungen beantragt hat, die ich fast alle angenommen habe.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Zetkin&nbsp;: Bitte, ich bemerke, der Brief wurde geschrieben, ehe wir ausf\u00fchrliche Berichte hatten,&nbsp;&#8209; als wir nichts hatten.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gewi\u00df waren wir noch nicht so informiert wie jetzt. Ich bin bereit, zu sagen, ich sehe jetzt in Details auch anders als fr\u00fcher, aber in der Hauptsache hatten wir recht. Dann sollen wir zur 2.&nbsp;Internationale gehen, wenn wir die Sache in Deutschland, in Sachsen verteidigen. Man braucht nicht eine kautschukartige Formel, sondern man mu\u00df aussprechen, was ist. Und nebenbei hat man schon viel ausgesprochen in den Thesen der gegenw\u00e4rtigen Mehrheit der Zentrale.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Verhalten zur Sozialdemokratie \u00fcberhaupt. Es wurde hier beschlossen, da\u00df der Hauptfeind die linke Sozialdemokratie ist, da\u00df wir k\u00e4mpfen m\u00fcssen trotz und ohne und gegen die Sozialdemokratie. Ich mu\u00df gestehen, ich habe das in einem Artikel geschrieben, als in Berlin Mitte Oktober ein Teil unserer Genossen eine Woche mit diesen Schuften zusammengesessen und ein Programm ausgearbeitet hat und man am anderen Tage sagte&nbsp;: verschieben auf zwei Tage, wir werden mit einem neuen Programm kommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Walcher hat der Berliner Bezirksleitung geholfen, da\u00df sie aus dem Dreck herauskam.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sch\u00f6n, die Berliner tragen auch daf\u00fcr die Verantwortung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Nein, ausschlie\u00dflich.) (Hesse&nbsp;: \u00dcbernehmen wir.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber so kann man die Sozialdemokratie bei der gegebenen Lage nicht behandeln.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, die Frage der Einheitsfront. Generell gesprochen&nbsp;: hatten wir in diesem Moment in der Kommunistischen Internationale Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage? Ja, Schattierungen hatten wir, Nuancen&nbsp;: Wir haben sie nicht durchgek\u00e4mpft. Jetzt m\u00fcssen sie durchgek\u00e4mpft werden bis zum Ende.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Worin bestand mein Fehler, als ich in der Erweiterten Exekutive auftrat und sagte, die Arbeiterregierung ist ein Pseudonym der Diktatur des Proletariats? Man hat mich angegriffen, ein Vertreter der Mehrheit hat es getan. Man sagte&nbsp;: Ihr schadet uns in der Agitation, man kann nicht mit dieser Bezeichnung kommen. Ich habe nachgegeben, weil ich mir sagte, in der praktischen Agitation soll man wirklich nicht alles ausplaudern. Aber es ist jetzt klar, es waren nicht R\u00fccksichten der praktischen Agitation, sondern prinzipielle Fehler. Aber absolut ist die Arbeiterregierung nichts anderes als ein Pseudonym der proletarischen Diktatur, oder sie ist sozialdemokratische Opposition.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Radek wird best\u00e4tigen, da\u00df ich sofort nach Leipzig sagte&nbsp;: hier liegt entweder eine gro\u00dfe stilistische Entgleisung oder eine gro\u00dfe politische Entgleisung vor. Bald, ich glaube, eine Woche danach, fand der tschechoslowakische Parteitag statt&nbsp;: Dieselben Formulierungen der Demokratie; es war schon klar, da\u00df Brandler sich mit denen vereinigt hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mein Fehler besteht darin, da\u00df ich die Sache nicht ausgek\u00e4mpft habe. Man sagte sich&nbsp;: abwarten, ist noch neu, kann vielleicht auf friedlichem Wege ausgek\u00e4mpft werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also der Schrei \u00fcber das &quot;Pseudonym&quot;, die Leipziger Beschl\u00fcsse, dann die Beschl\u00fcsse in der Tschechoslowakei, das waren opportunistische Entgleisungen. Das mu\u00df man offen sehen und gutmachen. Anders werden wir die Partei verderben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was ist die Einheitsfront? In den Thesen, die das Politb\u00fcro unserer russischen Partei beantragt, sagen wir&nbsp;: Die Einheitsfront ist eine Methode der Revolution, nicht der Evolution, eine Methode der Agitation, und Mobilisierung der Massen in der gegebenen Epoche gegen die Sozialdemokratie, nicht mehr. Wer da glaubt, sie ist etwas mehr, der gibt sofort schon einen Finger dem Teufel. Sie ist nichts mehr und hat nicht mehr zu sein. Wer aber anders glaubt, der macht sofort der Konterrevolution\u00e4ren Sozialdemokratie eine Konzession. Das mu\u00df jetzt bis zu Ende ausgek\u00e4mpft werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, jetzt m\u00fcssen wir die Frage ausk\u00e4mpfen, nicht national, sondern international. Ich stehe vollkommen auf dem Boden des 4.&nbsp;Kongresses, vollkommen. Was sagte er? Nicht jede Arbeiterregierung ist eine proletarische Regierung<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[10]<\/span><\/span><\/span><\/a>. Sehen Sie die Lage, wie sie jetzt ist. In ein paar Tagen werden wir in England eine Regierung Macdonald haben. Das ist eine Arbeiterregierung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Zwischenrufe&nbsp;: Nein!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Doch, oder Sie sind gegen die Beschl\u00fcsse des 4.&nbsp;Kongresses. Wir haben auf dem 4.&nbsp;Kongre\u00df sogar den Fall Australien zitiert. Vergleichen Sie Sachsen und Macdonald. Sachsen ist eine Kleinigkeit dagegen, aber am Vorabend der proletarischen Revolution in Deutschland ist das eine gro\u00dfe Episode. Vergleichen Sie beides. Was zeigt sich? Entweder ist die Arbeiterregierung ein Pseudonym der proletarischen Diktatur, oder sie ist das, was die Macdonald-Regierung sein wird, die eine Scheidemann-Regierung in englischer \u00dcbersetzung sein wird. Es ist trotzdem ein gro\u00dfes historisches Ereignis. Der englische Arbeiter f\u00fchlt sich so, als ob er an die Macht geht, und dennoch wird das eine Scheidemann-Regierung in englischer \u00dcbersetzung sein. In Sachsen, was war da? Es war, objektiv gesprochen, ein Versuch der Kommunisten, zusammen mit den Sozialdemokraten zu marschieren, und objektiv ist das zu einem banalen Kuddelmuddel geworden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gestern hat Genossin Fischer vollkommen mit Recht daran erinnert, wie w\u00e4hrend des 4.&nbsp;Kongresses die Mitteilung vom Eintritt von Kommunisten in die s\u00e4chsische Regierung kam.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Zwischenruf&nbsp;: Wurde abgelehnt.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sch\u00f6n, in Deutschland abgelehnt. Die autoritative Vertretung der Partei war in Moskau, etwa 20&nbsp;Genossen, darunter Thalheimer, Meier usw. Sie waren f\u00fcr den Eintritt, das ist Tatsache. Wir haben einen Abend mit ihnen k\u00e4mpfen m\u00fcssen und haben in der russischen Parteileitung damals, Lenin und Trotzki und alle anderen, einstimmig beschlossen, wir k\u00f6nnen das nicht, das wird Opportunismus sein. Warum? Ich war und bin der Meinung; in dem Moment, wo wir in diese Regierung eintreten, verlieren wir nicht nur die praktische M\u00f6glichkeit, die Losung agitatorisch auszunutzen; wir nehmen das als Pseudonym der proletarischen Diktatur, aber in dem Moment, wo es zustande kommt, ist es ein Schlag sogar gegen die agitatorische Ausnutzung der Losung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das war auch bei der Einheitsfront so. Sie werden sich erinnern, als wir die Einheitsfront beschlossen haben,&nbsp;&#8209; es kam die Idee der Exekutiven der drei Internationalen. Ich war der Meinung, da\u00df wir das m\u00f6glichst verschieben sollten, weil in dem Moment, wo wir zusammenkommen, das schon ein Schlag gegen die Einheitsfront ist. Nichts kommt heraus; entweder werden wir Konzessionen an die Sozialdemokratie machen, oder nichts wird herauskommen. Dann ist der Anziehungspunkt der Einheitsfront schon verloren. Denn sie ist nichts mehr als eine Agitationsmethode. Man mu\u00df verstehen, sie in den verschiedenen Stadien verschieden anzuwenden. Wer da etwas mehr erwartet, steht auf dem Boden der Sozialdemokratie. Genosse Brandler sagte gestern etwas f\u00fcr mich sehr Interessantes&nbsp;: Man mu\u00df zugeben, da\u00df sich im Resultat der Anwendung der Einheitsfronttaktik bei der gro\u00dfen Masse die Psychologie herausgebildet hat, die sozusagen eine evolutionistische Theorie ist&nbsp;: Erst kommt die b\u00fcrgerliche Koalition, dann die sozialdemokratische Regierung mit Unterst\u00fctzung der Kommunisten, allm\u00e4hlich geht das dann weiter. Ist das wahr, da\u00df sich eine solche Stimmung bei den Massen wirklich herausgebildet hat, dann ist das ein gro\u00dfes Argument gegen die Anwendung der Einheitsfronttaktik bei euch, Genossen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Hesse&nbsp;: Brandlers Artikel.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es handelt sich hier um etwas Wichtigeres als um den Artikel; nicht nur um die Schuld Brandlers oder der Zentrale; sondern um eine wichtige Tatsache, die wir zu pr\u00fcfen verstehen m\u00fcssen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Koenen&nbsp;: Solche Stimmung ist nicht da.) (Th\u00e4lmann&nbsp;: Sie ist doch da, besonders in Sachsen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Brandler hat das als erster festgestellt. An seiner \u00c4u\u00dferung ist darum besonders gelegen, weil er doch der Vater der Einheitsfronttaktik in Deutschland war, was nicht ein Vorwurf gegen ihn ist. Wir haben das alle zusammen gedacht. Wenn er jetzt sagt, objektiv, ist das so gekommen, da\u00df die Masse das so verstanden hat, da\u00df sich allm\u00e4hlich eine Regierung aus der anderen entwickelt, wenn das Tatsache ist, so m\u00fcssen wir zwanzigmal \u00fcberlegen, wo der Grundfehler war. Ich glaube, nicht bei der Einheitsfronttaktik als solcher, sondern wieder einmal bei der Durchf\u00fchrung. Und das soll man nicht \u00fcbersehen. Also, man kann hier die Sache nicht so leicht nehmen. Das ist eine Tatsache, die mehr wiegt als alles andere&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>So steht, Genossen, die Frage mit der Einheitsfront. Ich glaube, es besteht kein Anla\u00df, sie im Grund zu revidieren. Sie war richtig im Grund und wird richtig bleiben. Es ist dieselbe Sache wie mit dem revolution\u00e4ren Parlamentarismus. Wir stehen mit beiden F\u00fc\u00dfen auf seinem Boden. Wie hat man ihn bek\u00e4mpft! Man kommt und sagt, Bombacci ist ein Narr; in Deutschland ist die Parlamentsfraktion so schwach, in Frankreich auch. Das ist aber keine prinzipielle Stellungnahme. Man mu\u00df verstehen, f\u00fcr eine gute Ausf\u00fchrung der Idee zu k\u00e4mpfen. Sie ist bestimmt dadurch, da\u00df wir eine Minderheit in der Arbeiterklasse sind und die Sozialdemokratie noch in der Mehrheit ist, da\u00df wir noch im allgemeinen in der Defensive und nicht in der Offensive sind. Der Kapitalismus ist in der Offensive. Sie ist also zeitlich bestimmt f\u00fcr einige Jahre durch die ganze Lage der kommunistischen Arbeiterbewegung. Aber um diese Idee zu sch\u00fctzen, mu\u00df man die schlechte Durchf\u00fchrung dieser Idee schonungslos bek\u00e4mpfen. Denn, Genossen, der einfache Arbeiter wird sich wirklich die Sache so vorstellen&nbsp;: was ist das f\u00fcr eine Sache, in Frankreich ist sie schlecht gemacht worden, in der Tschechoslowakei, in Deutschland, wo die beste Partei ist, auch. Mancher Arbeiter wird sagen&nbsp;: was ist das f\u00fcr ein sch\u00f6nes Ding, die Einheitsfront, wenn sie in der Wirklichkeit gar nicht sch\u00f6n ist? Darum sagen wir, die Einheitsfront kann nicht eine sch\u00f6ne Idee ohne Fleisch und Blut sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei diesen Formulierungen, die sich jetzt gegen\u00fcberstehen, ist das wichtigste, die Sache jetzt ehrlich bis zu Ende durchzudenken. Ich f\u00fcr meine. Partei, die einstimmig im Politb\u00fcro beschlossen hat, stelle den Antrag&nbsp;: Die Einheitsfront ist nichts anderes als die Methode der Agitation und der Mobilisation der proletarischen Kr\u00e4fte in dem Zeitabschnitt, in dem wir uns jetzt befinden. Alles andere ist sozialdemokratisch. Und, Genossen, da mu\u00df man Farbe bekennen. Es w\u00e4re ja nicht so schwer, so eine gummiartige Formel zu finden, da sind wir ja alle Meister drin; einerseits, nicht nur, sondern. Wir machen das nicht mit. Wenn wir eine Minderheit in der Exekutive sind, sch\u00f6n, wir werden allm\u00e4hlich k\u00e4mpfen, um eine Mehrheit zu werden. Hoffentlich werden wir nicht eine Minderheit sein. Wir m\u00fcssen die Sache kra\u00df aussprechen. Eine Etappe der sogenannten Demokratie in Koalition mit den Sozialdemokraten,&nbsp;&#8209; ausgeschlossen, wer das mitmachen will, der ist schon mit einem Fu\u00df im Lager der Sozialdemokratie oder vielleicht schon mit beiden F\u00fc\u00dfen. Um so besser. Wer glaubt, es sei ein politisches B\u00fcndnis der Kommunisten mit den Sozialdemokraten m\u00f6glich, der steht auf dem Standpunkt der Sozialdemokratie, der ist ein wirklicher Zentrist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also, Genossen, wir hatten ziemlich schlimme Erfahrungen, in Deutschland. Die einzige gute Sache wird sein, da\u00df wir in dieser Sache jetzt Klarheit schaffen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nun, Genossen, komme ich ein bi\u00dfchen zur Frage der Sozialdemokratie in Deutschland und im Zusammenhang damit zur Frage des Faschismus, wer gesiegt hat usw.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gestern sagte Radek, und mit Recht sagte er das, die erste Frage, die sich ein Politiker stellt, ist&nbsp;: Wer herrscht in dem und dem Lande, wer herrscht in Deutschland? Aber man soll die Frage auch nicht zu einfach stellen. Er antwortet&nbsp;: Die Faschisten. Ich frage&nbsp;: Wer ist der Mitherrscher in Deutschland? Ich antworte&nbsp;: Die Sozialdemokratie.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Sehr richtig!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ach, das ist sehr richtig? Wir werden sofort die Konsequenzen ziehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Seit 1918 herrscht in Deutschland ein Block. Es ist nicht so einfach&nbsp;: es herrscht der Faschismus. Es herrscht ein Block. Die b\u00fcrgerliche Revolution ist gegen den Willen der Sozialdemokratie gekommen. Die letztere war bis zum letzten Moment f\u00fcr die Monarchie. Die b\u00fcrgerliehe Revolution in Deutschland hat stattgefunden trotz der Sozialdemokratie und gegen sie. Das kenne ich z.&nbsp;B. aus dem Buch von Scheidemann, in dem er sagt&nbsp;: &quot;Als ich von der Revolution geh\u00f6rt habe, war ich na\u00df, und mein Kragen war weich.&quot; Ich habe ihn f\u00fcr kl\u00fcger gehalten, als da\u00df er das ausplauderte. Die Sozialdemokratie war gegen die b\u00fcrgerliche Revolution. Es kam die b\u00fcrgerliche Revolution. Deutschland hat sich eine sozialistische Republik genannt. Jetzt wollen Sie das Wort Novemberrepublik einb\u00fcrgern. Ich fragte schon die deutschen Gen\u00f6ssen&nbsp;: Ist das Wort wirklich so verbreitet? Ich glaube, wir sind daran interessiert, die alte Terminologie des Marxismus hier anzuwenden. Wo wir sprechen \u00fcber wissenschaftliche Definitionen, sollen wir die Terminologie des Marxismus nehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was hatten wir in Deutschland? Eine b\u00fcrgerliche Demokratie. Sie unterscheidet sich sehr von der franz\u00f6sischen, der amerikanischen, der schweizerischen, aber der Typus ist derselbe. W\u00e4hrend f\u00fcnf Jahren dieser b\u00fcrgerlichen Demokratie hat die Sozialdemokratie alles getan, um allm\u00e4hlich die ganze Macht oder den gr\u00f6\u00dften Teil der Macht der Bourgeoisie zu \u00fcbergeben. Es regierte in Deutschland ein Block. In diesem hat sich jetzt ein bi\u00dfchen das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis ge\u00e4ndert. Das ist eine Tatsache. Ein bi\u00dfchen, Genossen. Ach, wie Sie so leicht vergessen. Sie sagen, jetzt ist es etwas ganz anderes, man verbietet die Kommunistische Partei, und Noske hat die Kommunistische Partei nicht verboten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Das ist ja jetzt viel besser.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sch\u00f6n. Man mu\u00df unter die Lupe nehmen, wer der Mitherrscher in Deutschland ist. Die Sozialdemokratie. Ist Severing nicht Minister? Severing ist Mithelfer.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was bedeutet das? Auch jetzt haben wir dort einen Block, Ebert ist Pr\u00e4sident, aber das ist nicht so wichtig. Wir wissen, da\u00df Tausende und Zehntausende Sozialdemokraten ein Amt haben. Sie sitzen im Apparat, sie haben etwas zu verteidigen. Um ganz genau zu sprechen&nbsp;: es ist nicht so einfach, da\u00df der Faschismus herrscht, sondern die Sozialdemokratie ist Mitherrscher. Es ist ein Block. Und darum f\u00e4llt diese ganze Formel, da\u00df der Faschismus die Novemberrepublik besiegt habe. Nichts ist daran richtig. Wenn man sie unter die Lupe nimmt, dann zerflie\u00dft sie. Erstens, ist Novemberrepublik richtig. Wenn Sie Marxist sind, m\u00fcssen Sie sagen&nbsp;: b\u00fcrgerliche Demokratie. Haben wir jetzt ein prinzipiell anderes System? Nein, die b\u00fcrgerliche Demokratie herrscht, es ist ungef\u00e4hr dasselbe wie in Frankreich. Glauben Sie, da\u00df in Frankreich nicht die Generale herrschen? Zweitens, man kann nicht die Republik besiegen, ohne die Arbeiterklasse zu besiegen. Das ist eine literarische Floskel oder ein Opportunismus, wieder mal wie in Leipzig; besser schon, wenn das eine literarische Floskel w\u00e4re.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Warum ist das politisch sch\u00e4dlich? Daraus entflie\u00dft eine unrichtige Einsch\u00e4tzung der Sozialdemokratie, die doch die wichtigste Frage bei uns ist, wird eine neue Entgleisung bei uns jetzt kommen. Wenn es richtig ist, da\u00df die Sozialdemokratie jetzt besiegt ist, so folgt daraus eine Ann\u00e4herung an die Sozialdemokratie. Genosse Arvid schrieb in einem Briefe mit der Geste der Naivit\u00e4t&nbsp;: Warum benutzen wir diese Formel? Darum, weil man nur aus dieser Formel herausziehen kann, warum wir jetzt auf Teillosungen und Teilk\u00e4mpfe verzichten. Aber, Genossen, hier ist doch alles auf den Kopf gestellt. Um es sich bequem zu machen, auf die Teilforderungen zu verzichten, konstruiert man eine unrichtige Terminologie. Niemand kann das widerlegen&nbsp;: wenn es richtig ist, da\u00df die Sozialdemokratie besiegt ist, dann folgt daraus eine Ann\u00e4herung an die Sozialdemokratie. Das hat uns Marx gelehrt noch im Kommunistischen Manifest&nbsp;: wenn hier Reaktion, hier Kleinb\u00fcrgertum, das schwankt, so m\u00fcssen wir mit dem letzteren gehen. Aber in Deutschland ist tats\u00e4chlich die Lage anders. Es herrscht die Reaktion und es herrscht mit die Sozialdemokratie. .Beide m\u00fcssen wir bek\u00e4mpfen. Aus Ihrer Terminologie flie\u00dft aber eine ganz andere.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Man fordert von dem ber\u00fchmten Sieg des Faschismus alles, ohne wirklich marxistisch die Frage zu stellen&nbsp;: wer ist an der Macht, welchen Block von Kr\u00e4ften haben wir, und wie ist die Rolle der Sozialdemokratie? Man stellte die Sache so dar, als ob jetzt wirklich eine ganze \u00c4nderung der Sozialdemokratie eingetreten ist, der Sozialdemokratie, die seit&nbsp;1920 immer wieder denselben Eiertanz durchgemacht hat. Die Leute sind zu elastisch, nicht im pers\u00f6nlichen Sinne des Wortes, sondern vom Klassenkampfstandpunkt aus. Sie sind eben das Kleinb\u00fcrgertum, und das Wesen dessen besteht eben darin, da\u00df es schwankt, bald so, bald so. Zwanzigmal noch wird eine Umstellung kommen, und objektiv ist das doch ein Block der Sozialdemokratie und des Faschismus.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>So ist die Lage. Wir m\u00fcssen die Nuancierung der Taktik in Deutschland fordern, weil die Sozialdemokratie, das ist jetzt schon vollkommen klar, ein faschistischer Fl\u00fcgel geworden ist. Es ist eine faschistische Sozialdemokratie. Daraus folgt die Modifizierung unserer Taktik.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Das haben wir gesagt.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nein, das habt Ihr nicht gesagt. Ihr schimpft auf sie, aber sie der Arbeiterschaft marxistisch zu erkl\u00e4ren, das versteht Ihr noch nicht. Beschimpfen ist doch sehr leicht&nbsp;: &quot;Handlanger der Bourgeoisie&quot;, &quot;von dieser in den Sattel gesetzt&quot; usw. Die Sozialdemokratie war gar nicht besiegt, sie ist ein Bestandteil dieser Sache, und die ganze internationale Sozialdemokratie entwickelt sich so auf diesem Wege. Wir sehen das. Was sind Pilsudski und die anderen? Faschistische Sozialdemokraten. Waren sie das vor zehn Jahren? Nein. Selbstverst\u00e4ndlich in nuce waren sie schon damals faschistisch. Aber eben, weil wir in der Epoche der Revolution leben, werden sie jetzt zu Faschisten. Was ist die italienische Sozialdemokratie? Es ist ein Fl\u00fcgel der Faschisten&nbsp;: Turati ist ein faschistischer Sozialdemokrat. Konnte man das vor 5&nbsp;Jahren. behaupten. Nein. Erinnern Sie sich der Gruppe der Akademiker, die sich allm\u00e4hlich zu einer b\u00fcrgerlichen Kraft entwickelt haben. Die italienische Sozialdemokratie ist jetzt eine faschistische Sozialdemokratie. Nehmen Sie Turati, d&rsquo;Aragona oder die jetzigen bulgarischen Regierungssozialisten. Es waren Opportunisten, aber konnte man vor zehn Jahren sagen, da\u00df sie faschistische Sozialdemokraten seien? Nein, das w\u00e4re damals dumm gewesen. Jetzt sind sie es. Sie sagen aber noch immer&nbsp;: wir sind von der 2.&nbsp;Internationale, wir sind Sozialdemokraten. Man mu\u00df doch verstehen, zu begreifen, was vor sich geht, nicht nur, die Sozialdemokratie beschimpfen. Einerseits Macdonald, Vorsitzender der 2.&nbsp;Internationale, geht an die Macht; die englische Bourgeoisie bittet ihn&nbsp;: bitte sch\u00f6n, du sollst regieren. Gewi\u00df, es ist ein Beweis der Schw\u00e4che der Bourgeoisie, die Arbeiterschaft w\u00e4chst, ist ein Faktor geworden; aber es ist auch ein Beweis, was die Sozialdemokratie geworden ist. Die englische Bourgeoisie setzt jetzt den Pr\u00e4sidenten der 2.&nbsp;Internationale in den Sattel.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Man kann Macdonald beschimpfen&nbsp;: Du bist ein Verr\u00e4ter, ein Handlanger der Bourgeoisie. Aber man soll doch verstehen, in welchem Zeitabschnitt wir leben. Die internationale Sozialdemokratie ist jetzt zu einem Fl\u00fcgel des Faschismus geworden. Das soll man den deutschen Arbeitern erkl\u00e4ren. Das ist doch eine ganz andere Auffassung. In der Politik und Agitation wird das ein ganz anderer Ausgangspunkt sein, durch solche Lichtstrahlen wird das ganz anders beleuchtet. Wenn Sie kommen und sagen, das ist ein Sieg des Faschismus \u00fcber die Novemberrepublik, ohne ein Sieg \u00fcber die Arbeiterklasse zu sein, so ist das entweder Unsinn oder Opportunismus, weiter nichts. Das ist ein Opportunismus, und man hilft sich nicht damit, da\u00df man auf drei Seiten die Leute beschimpft. Nein, nicht das braucht die Arbeiterklasse. Das, was sie braucht, habt Ihr nicht getan, das habt Ihr vers\u00e4umt. Darum ist die Resolution des Reichsausschusses absolut unrichtig. Es war der erste Weg, den Weg zu tasten. Wir w\u00e4ren Formalisten, wenn wir jetzt sagen w\u00fcrden&nbsp;: einen Strick um den Hals der Zentrale, sie hat eine unrichtige Resolution angenommen. Es war der erste Versuch, zu tasten, was geschehen war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da m\u00fcssen wir schon klar eine andere Auffassung geben. Diese erste Auffassung war unrichtig. Ihr werdet sie niemals vor der Internationale verteidigen k\u00f6nnen. Die Internationale, wenn sie objektiv sich an die Arbeit setzt, und objektiv diese Resolution unter die Lupe nimmt, wird sagen&nbsp;: unrichtig. Es ist ein Artikel von Radek und nicht eine Resolution der Partei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich schrieb einen Artikel \u00fcber Koltschak, der, wie ich glaube, viel richtiger ist als der Artikel Radeks, den Sie zum Beschlu\u00df erhoben haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Scholem&nbsp;: Wir haben ihn verbreitet.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich danke Ihnen, Walcher sagt, das charakterisiert den Artikel. Ich f\u00fcrchte das absolut nicht. Die Genossen sind ein Teil der Internationale.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Maslow&nbsp;: Und kein schlechter!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>und nicht der schlechteste; sie machen Fehler und \u00fcbertreiben, aber sie haben im Kerne recht. Also ich sch\u00e4me mich gar nicht, da\u00df die Berliner Arbeiter und Genossen den Artikel verbreitet haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber was hat die Redaktion Eures Zentralorgans gemacht? Sie hat eine Anmerkung der Redaktion ver\u00f6ffentlicht, die in der Tat ein neuer Artikel von Radek ist. Ihr habt das Recht dazu, aber dann habt Ihr nicht das Recht, zu sagen&nbsp;: Wo ist die Rechte, wo sind die Nuancen? Die Rechte ist diejenige, die diese Anmerkung geschrieben hat, verbreitet hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie ist aber eine Minderheit. Nachdem die Internationale beschlie\u00dfen wird, wird sie wahrscheinlich noch eine kleinere Minderheit werden. Wir sind fest \u00fcberzeugt, da\u00df wir doch zusammen geh\u00f6ren. Aber die rechte Tendenz gibt es bei Euch. Wenn Sie die Leipziger Beschl\u00fcsse, das Geschrei \u00fcber das Pseudonym, diese Resolution des Reichsausschusses, die Ausf\u00fchrung in Sachsen, den Radekschen Artikel, der bei Euch als Anmerkung der Redaktion abgedruckt ist, nehmen, so ist das f\u00fcr jeden Politiker genug, um zu sagen, es ist ein unrichtiges System.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: System jedenfalls, aber ob unrichtig?&#8230;)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieses System ist menschewistisch.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was ist Menschewismus. Oft sagt man, Radek ist ein Menschewik. Nein, keinesfalls. Er ist selbstverst\u00e4ndlich ein Bolschewik. Aber er macht manchmal Fehler menschewistischer Natur. W\u00e4re er ein Menschewik und ich ein Bolschewik, so h\u00e4tten wir uns sicher ganz anders bek\u00e4mpft. So, Genossen, ist die Sache. Radek sagt, Sinowjew h\u00e4tte Recht, wenn es wirklich in Deutschland auch so w\u00e4re, wie damals in Ru\u00dfland. Nun, Genossen, Ihr als Ausl\u00e4nder seid nicht verpflichtet, alle diese Politiker zu kennen. Aber Radek sollte doch dazu verpflichtet sein. Nicht nur um die Menschewiki handelt es sich; au\u00dfer diesen gab es noch Puriskewitsch. Es war der russische Hitler. Es war eine gro\u00dfe Bewegung, stockreaktion\u00e4r, Schwarze Hunderte, wie wir sie damals nannten, es war eigentlich der russische Faschismus, mit gro\u00dfer sozialer Demagogie. Die Schwarzen Hunderte sind von dieser Partei gebildet worden. Sie war eine St\u00fctze der Monarchie. Und sie hatte Abteilungen fast in jedem Dorf, &#8209;&nbsp;wissen Sie das, Genosse Radek?&nbsp;&#8209; in jeder Stadt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Piatnizki&nbsp;: Und auch Arbeiter.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die kleinen Leute, z.&nbsp;B. die Hausw\u00e4chter, Frauen aus der Arbeitermasse, das war alles bei diesen Leuten. Teilweise nutzten sie die Religion aus. Es war gewisserma\u00dfen eine revolution\u00e4re Volksbewegung mit gro\u00dfer Demagogie gegen die Juden. Es war eine gro\u00dfe Bewegung, die nicht nur Grundbesitzer hatte, nicht nur den Adel, sondern Zehntausende von den Massen. Sie hatte die kleinen Leute, hatte im Dorfe, in der Stadt \u00fcberall ihre Leute. Also wenn Sie schon diesen Vergleich ziehen wollen, so d\u00fcrfen Sie nicht diese dritte Richturig \u00fcbersehen. Und das haben Sie \u00fcbersehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: In bezug auf das Kleinb\u00fcrgertum stehe ich vollkommen auf dem Boden dessen, was Sinowjew zitiert hat.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Radek hat Recht, da\u00df er die Bedeutung des Kleinb\u00fcrgertums unterstrichen hat. Wir m\u00fcssen dem Kleinb\u00fcrgertum helfen. Wir sind Radek dann gefolgt. Das ist gewi\u00df eine der wichtigsten Aufgaben. Eure Versammlungen mit diesen Kleinh\u00e4ndlern, das war gut, das beweist, da\u00df Ihr wirklich Verbindung mit dem Volke habt. Gewi\u00df diese Aufgabe besteht weiter, und wir m\u00fcssen verstehen, die kleinb\u00fcrgerlichen Teile zu gewinnen. Ich habe nicht geh\u00f6rt, da\u00df die Linke dagegen ist, niemals.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Niemals.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber wenn man in der Resolution des Reichsausschusses einen gro\u00dfen Unterschied zwischen Wittelsbachern und Hohenzollern konstruieren will, so sagen wir, das ist ein Opportunismus. Wenn man auf diese Sache die Politik der Arbeiterklasse aufbauen will, wenn man das mitz\u00e4hlen will als einen der gro\u00dfen Faktoren in der Revolution, so ist das ein Irrtum.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wor\u00fcber stritt sich Lenin mit Martow? Nicht dar\u00fcber, da\u00df man nicht die Nuancen ausnutzen soll, sondern eben darum, da\u00df Martow geblendet durch diese feine Untersuchung jeder dieser kleinen Nuancen die Hauptsache vergessen hat&nbsp;: die Dreiteilung jedes Volkes&nbsp;: Bourgeoisie, Kleinb\u00fcrgertum, Proletariat. Er war eben Menschewik und sein Beispiel soll abschreckend sein. Man soll das nicht \u00fcbersehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und dann die Stellungnahme Radeks&nbsp;: Entweder kommunistische Agitationspartei oder k\u00e4mpfende Partei, rein agitatorische Linie, Sekte oder Massenpartei. Das ist eine sehr schlechte Stellungnahme Ich sage nicht, da\u00df Radek jetzt auf demselben Boden steht wie Levi. Aber es ist im allgemeinen derselbe Fehler, derselbe Ausgangspunkt. Der Streit geht eben darum, ob wir eine gute Agitationspartei sein sollen, ob eine kommunistische Agitation oder eine zentristische. Mit diesem Sektengespenst soll man uns nicht kommen. Wir kennen das schon \u00fcbergenug. Wir sind in Ru\u00dfland eine Massenpartei. Was unseren Parteien fehlt, ist, da\u00df sie nicht eine kommunistische Agitation zu f\u00fchren verstehen. Nehmen Sie die englische Partei, die franz\u00f6sische, die tschechische und die deutsche. Sie verstehen noch nicht, kommunistische, aufr\u00fcttelnde Volksagitation zu treiben. Sie f\u00fchlen sich noch nicht als Volkstribun. Warum hat uns so das Auftreten unserer besten Leute, wie Heckert, gekr\u00e4nkt? Wir lieben ihn als aufrichtigen Kerl, wir wissen, da\u00df er zur Kommunistischen Internationale aufrichtig steht, mit ihr stirbt. Um so mehr hat es uns gekrankt, da\u00df er sich nicht als Volkstribun gef\u00fchlt hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Haben Sie eine seiner Reden gelesen?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Alles, was m\u00f6glich war, habe ich gelesen, ich glaube, nicht weniger als Walcher. Wir haben uns nicht kleinsinnig dieses Urteil zusammengestellt. Als wir den Brief abgefa\u00dft haben, waren wir alle einstimmig. Und wir haben Dutzende Berichte gelesen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Alle haben gesagt&nbsp;: Eine gute kommunistische Rede.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Vielleicht in normalen Zeiten w\u00e4re das eine gute Rede. Aber er hat sich nicht gef\u00fchlt als derjenige, den die revolution\u00e4re Welle auf die Schultern der arbeitenden Massen gehoben hat. Nein, das kann man nicht mit dieser Stellungnahme&nbsp;: ich bin dem Landtag verantwortlich, ich stehe auf dem Boden der Verfassung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Die Welle fehlte.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nein, die Welle war in Leipzig in dem Moment nicht da, aber in Deutschland war sie da im Oktober. Remmele hat erz\u00e4hlt, wie die Massen die ganze Nacht auf der Stra\u00dfe blieben, Lastautomobile beschlagnahmten, wie die Stimmung bei den Frauen war. Genossen, das ist f\u00fcr uns das Wichtigste, wichtiger als B\u00e4nde von Thesen, die man zusammenschreibt. Dieses Gef\u00fchl f\u00fcr die Masse mu\u00df man haben. Das Bild, das Remmele nebenbei gibt, das K\u00f6nig gibt, das Th\u00e4lmann oft widerspiegelt, das ist das Wichtigste, das in Deutschland war. Das war am 25.&nbsp;Oktober in Leipzig nicht, aber in Deutschland war es. Wart Ihr das Sprachrohr dieser Stimmung?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Massen handeln spontan, aber die Mitglieder des Z.K., wie Heckert, handeln nicht spontan. Wenn er F\u00fchrer ist, mu\u00df er f\u00fchlen, was jetzt in der Masse ist. Was Th\u00e4lmann, Remmele, K\u00f6nig widerspiegeln, hat man in diesen Ministerreden nicht gef\u00fchlt, und das ist f\u00fcr uns das Erschreckende, das Symptom. Wir wollen hier nicht auftreten als Shylocks&nbsp;: Warum habt ihr in 9&nbsp;Tagen nicht die Waffen gehabt? Das konnte man nicht, das sollte man schnell einsehen. Also die Beschuldigung ist nicht richtig&nbsp;: warum habt ihr in 9&nbsp;Tagen die Revolution nicht gemacht, die Waffen nicht gehabt. Ihr konntet das nicht. Aber warum sich nicht zum leidenschaftlichen Sprachrohr des Volkes machen? Das verstehen wir nicht, das ist ein schlechtes Symptom;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir halten daf\u00fcr, da\u00df der R\u00fcckzug w\u00e4hrend der Chemnitzer Konferenz unvermeidlich war. Es lohnt sich nicht, dar\u00fcber jetzt zu streiten. Das war wahrscheinlich unvermeidlich, so wie die Lage war. Aber da\u00df man w\u00e4hrend der s\u00e4chsischen Sache so gehandelt hat, ist ein Beweis, da\u00df halb bewu\u00dfte rechte Tendenzen in der Partei bestehen, und da\u00df sie bisher keine gen\u00fcgend organisierte Opposition in der Partei gefunden haben. Wir haben dem nicht gen\u00fcgend opponiert und wir werden dem jetzt mehr opponieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich komme jetzt zur Parteilage. Offen gesprochen, brauchten wir zehn solcher Leute wie Remmele und Th\u00e4lmann. Das w\u00e4re eine Zentrale, die sollte andere politische und organisatorische Kr\u00e4fte heranziehen, die ihnen helfen sollen. Das w\u00e4re eine Zentrale. Das ist das Beste und Kostbarste, was man in der deutschen Partei hat. Gewi\u00df, ich werde hier nicht die Theorie der schwieligen Faust vortragen. Aber, Genossen, das ist das wichtigste Material, das wir haben. Und der gr\u00f6\u00dfte Vorwurf gegen die Zentrale besteht darin da\u00df sie nicht versteht, dieses &#8209;&nbsp;sozusagen&nbsp;&#8209; Gold der Arbeiterklasse zu verwenden, sondern man streitet sich \u00fcber Thesen, und jeden Artikel Radeks wird man sofort zum Beschlu\u00df erheben. Ein bi\u00dfchen zu horchen auf diese Gruppen der Arbeiterschaft, die hier gekennzeichnet werden, das versteht Ihr nicht. Das soll keinesfalls besagen, da\u00df wir ohne Intellektuelle auskommen k\u00f6nnen. Das w\u00e4re Demagogie. Wir brauchen auch alle Genossen aus der Intelligenz. Sie m\u00fcssen da arbeiten usw. Aber man mu\u00df einmal auf eine feste Grundlage kommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was soll jetzt kommen? Es soll eine Umstellung in der F\u00fchrung kommen. Welche? Da\u00df die gegenw\u00e4rtige Mehrheit der Zentrale mit der Linken der Partei die Partei regieren soll, mit der Unterst\u00fctzung und Revision der Kommunistischen Internationale, das ist der Rat, den wir Ihnen geben. Die Polen sagen, wir haben in der deutschen Frage immer eine Mitte gesucht. Die polnische Partei hat niemals einen anderen Vorschlag gemacht&#8230; Ihr k\u00f6nnt doch zu jeder Zeit Antr\u00e4ge stellen. Ich glaube nicht, da\u00df es einer solchen Partei wie der polnischen zukommt, wo eine Niederlage eingetreten ist, einfach mit Tr\u00e4nen zu kommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Warski&nbsp;: Nicht mit Tr\u00e4nen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ihr habt den Brief an die K.P.R. beschlossen, ohne uns zu h\u00f6ren. Also Sie nennen das salomonische Politik, ohne etwas vorzuschlagen. Hoffentlich werdet Ihr hier etwas vorschlagen. Der Vorschlag in Ihrem Briefe besteht darin, da\u00df niemand sich streiten soll.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir glauben, Genossen, da\u00df wir im allgemeinen bisher richtig gehandelt haben. Ihr sagt oft, Maslow und Fischer sind schlecht, Th\u00e4lmann ist gut. Genossen, ich kenne schon auch die Sachen in unserer Partei. Es gelingt sehr selten auf solche Weise. Ich kenne auch die Arbeiter nicht schlechter als Ihr, sie reagieren am heftigsten gegen solche Trennungsversuche. Es gibt Nuancen zwischen Th\u00e4lmann und Maslow, politische und auch pers\u00f6nliche. Das ist klar. Th\u00e4lmann kommt heraus aus dem Herzen der Arbeiterklasse, Maslow kommt von der Intelligenz.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Walcher&nbsp;: Th\u00e4lmann hat versucht, in der Zentrale sein Bestes zu geben.) (Pieck&nbsp;: Er hat versucht, mitzuarbeiten.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber, Genossen, wenn Sie glauben, da\u00df man hier so einfach trennen kann, das wird niemandem gelingen. Sie haben Fehler, Maslow und Fischer, wir haben gesagt, man mu\u00df hier ein bi\u00dfchen Geduld haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Bis die Partei zersetzt ist.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei ist nicht zersetzt und wird nicht zersetzt werden. Radek l\u00e4uft herum hier in den Studentenversammlungen, die in Moskau diskutieren,&nbsp;&#8209;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Rote Professoren.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>ja, sch\u00f6ne rote Professoren&nbsp;&#8209;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Bessere, haben wir nicht.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, erinnern Sie sich ein bi\u00dfchen an die Jungen in Deutschland in den neunziger Jahren. Es waren auch Professoren, aber keine roten.&nbsp;&#8209; Also in den Studentenversammlungen sagt Radek, die Exekutive und ich speziell haben die deutsche Partei verdorben, zerrissen usw. Ich f\u00fcrchte diese Beschuldigungen nicht. Eine sch\u00f6ne deutsche Partei w\u00e4re das, wenn ich sie von Moskau aus verderben k\u00f6nnte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Ich habe das auch gar nicht behauptet, ich habe gesagt, Sie haben die Zentrale zerschlagen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Eine gute Zentrale, die sich zerschlagen l\u00e4\u00dft.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Ja, wenn sie die russische w\u00e4re.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich habe niemals die Zentrale zerschlagen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist eine Tatsache, da\u00df einige Tage nach der Abreise des Vertreters der K.I. aus Deutschland die Mehrheit der Zentrale eine ziemlich richtige selbst\u00e4ndige Linie gefunden hat. Wie habe ich sie zerschlagen? Ich kann konstatieren, ich habe weder ein einziges Wort an Remmele noch an jemand sonst geschrieben, was mein Recht gewesen w\u00e4re. Aber es ist eine Tatsache, da\u00df die Zentrale, die man von Moskau aus zerschlagen hat, ungef\u00e4hr die richtige Linie schon gefunden hat, ohne unser Zutun. Was fehlt dieser Mehrheit der Zentrale noch? Unter uns als Freunden gesagt&nbsp;: Es fehlt ihr die Entschiedenheit, der Wille zur Macht in der Partei. Das mu\u00df man haben, um eine Partei zu regieren. Man mu\u00df die Auffassung haben&nbsp;: ich habe recht, ich werde meine Partei f\u00fchren, ich werde sie \u00fcberzeugen. Die Mehrheit ist noch ein bi\u00dfchen blutleer. Sie sucht noch in Worten nach solchen Formeln, da\u00df sie Jakob Walcher passen. Er ist uns lieb, selbstverst\u00e4ndlich. Wir werden mit ihm zusammen marschieren, aber die revolution\u00e4re Politik der Partei ist uns noch lieber als der Jakob; und f\u00fcr ihn wird es noch gut sein, zu verstehen, da\u00df man nicht so verklausulierte Formeln gebrauchen darf &quot;einerseits, andererseits&quot;. Die Zeit ist vorbei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, Genossen, wir haben diese Mehrheit der Zentrale. Im allgemeinen marschieren wir mit ihr. Es mu\u00df ein anderes Verh\u00e4ltnis zur Linken geschaffen werden, als Radek und Brandler geschaffen haben. Im allgemeinen war Radeks Einstellung gegen\u00fcber der Linken in der letzten Zeit unrichtig. Er hat sich hier ein bi\u00dfchen durch sein Temperament leiten lassen und am meisten durch eine falsche Einstellung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ihr sagt, die Linke ist nur ein Viertel. Aber man kann ohne dieses Viertel nicht die Partei f\u00fchren. Ihr sagt&nbsp;: die schlechten Leute in Berlin, die Funktion\u00e4re usw.&nbsp;&#8209; Genossen, ich stehe an der Spitze der Petersburger Organisation, ich wei\u00df schon, was das hei\u00dft, 25\u201435.000 Arbeiter zu leiten. Das macht man nicht mechanisch, man kann ihnen das nicht aufzwingen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Maslow.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mag Maslow noch so fehlerhaft sein, aber es gibt noch Zehntausende Arbeiter. Ich bin 20&nbsp;Jahre mit den Petersburger Arbeitern verbunden, aber wenn ich sie zwingen wollte&nbsp;&#8209; was glauben Sie, wegen unserer sch\u00f6nen Augen machen sie die gro\u00dfe Sache? Das ist nicht ein Zufall, da mu\u00df man verstehen, sich abzufinden. Ihr seid im Besitz der Zeitungen und des gesamten Apparats, warum habt Ihr Berlin und Hamburg nicht gewonnen?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zweitens \u00fcbersch\u00e4tzen Sie die Rolle der Personen in der Geschichte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Sehr richtig,) (Pieck&nbsp;: Sie setzen doch immer auf Personen in Deutschland.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Keinesfalls. Gewi\u00df, wegen der Politik im Oktober; wir glaubten, Brandler verk\u00f6rpert das am richtigsten; wir waren allgemein der Ansicht&nbsp;: wer wird das machen? Brandler wird das machen. Jetzt glauben wir nicht, da\u00df Brandler nichts mehr machen wird; wir glauben, er wird viel Gutes machen. Wir wissen schon ganz gut, da\u00df man 20&nbsp;Niederlagen erleidet, bevor man einen Sieg erringt. So schlecht ist die Weltgeschichte eingerichtet. Wir sagen&nbsp;: du hast gro\u00dfe Fehler gemacht, zusammen mit uns, auch wir haben Fehler gemacht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Ich habe Fehler gemacht, aber andere, als Sie meinen.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das, was Sie gestern gesagt haben, da\u00df die Masse die Einheitsfronttaktik als evolutionistische Taktik auffa\u00dft, weist auf Ihre Entgleisungen hin.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Gibt es eine Taktik ohne Gefahren und Entgleisungen?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wissen Sie, was Lenin einmal geschrieben hat? Der F\u00fchrer ist verantwortlich nicht nur daf\u00fcr, was er tut, sondern auch daf\u00fcr, was die Massen tun, die unter seiner F\u00fchrung stehen. Wenn man nach zwei Jahren jetzt kommt und sagt, die Masse hat diese Stimmung, so ist das f\u00fcr mich ein Beweis daf\u00fcr, da\u00df da etwas Faules in der Durchf\u00fchrung war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Schlu\u00df ist der&nbsp;: Wir m\u00fcssen eine Umstellung in der F\u00fchrung haben. Keinesfalls wollen wir einen Kreuzzug gegen die sogenannten Rechten anfangen. Wenn man sagt&nbsp;: K.A.G.-Geist, so ist das \u00fcbertrieben. \u00dcbertreibung ist der gr\u00f6\u00dfte Feind der Genossin Ruth Fischer. Man steht dicht an der Wahrheit, aber die \u00dcbertreibung ist schon unwahr.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.A.G.isten-Krise, das gibt zu denken; das mu\u00df ich sagen. Als wir alle Euern Brief gelesen haben, wie Ihr tagelang die Sache disputiert habt, die Leute kommen zu Euch mit Petitionen&nbsp;: wie kann man in der Zentrale sozusagen dar\u00fcber diskutieren, ob man die Partei preisgeben soll oder nicht? Das war auch das Gef\u00fchl von Radek.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Bis heute.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber die Zentrale hat wochenlang diskutiert, ob man die Partei preisgeben soll. Bis heute hat auch Radek den Eindruck, da\u00df da rechte Tendenzen in der Partei waren. Und jetzt, wenn ich Ihnen den Resolutionsentwurf der russischen Partei vorlese, fragen Sie&nbsp;: Wo sind die rechten Tendenzen? Ist das Brandler, Pieck? Wozu brauchen wir die Namen? Die Tendenzen sind da. Das ist eine Tatsache.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Die liegt an der Entwicklung der Partei; eine Massenpartei, zusammengeheiratet.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber ich spreche nicht von der gesamten Partei, sondern von der Zentrale. In der K.A.G.isten-Krise hat sich die Partei viel besser gehalten als die Zentrale. Die letztere hat beraten, ob sie die Partei preisgeben soll&nbsp;: Das ist f\u00fcr uns ein Beweis, da\u00df nicht alles gesund ist. Wir glauben, da\u00df gro\u00dfe sozialdemokratische \u00dcberlieferungen da sind, nicht nur in der deutschen Partei, sondern auch in der ganzen Kommunistischen Internationale, weil sie aus der Mitte der 2.&nbsp;Internationale gekommen ist. Genossen, unter uns gesprochen, ich sagte einmal zu Lenin vor Jahren&nbsp;: Wenn ich manchmal die Kommunistische Internationale ansehe, so wie sie ist, kann ich noch nicht ganz gewi\u00df sagen, ob wir einmal ohne Krise eine wirkliche Kommunistische Internationale zusammenstellen k\u00f6nnen. Man hat manchmal das Gef\u00fchl, da\u00df es in unseren Reihen noch gro\u00dfe \u00dcberreste der Sozialdemokratie gibt. Sind wir die Leitung der K.I., um diese Schw\u00e4che nicht zu sehen? Auch in unserer Partei hat diese Diskussion gezeigt, da\u00df \u00dcberreste der Sozialdemokratie vorhanden sind.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Sehr richtig.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nicht auf unserer Seite, sondern auf Eurer. Das geht nicht anders. Wir lieben alle die Kommunistische Partei. Ich verstehe schon, das Pieck und Walcher sich aufb\u00e4umen und sagen&nbsp;: Unsere Partei soll eine sozialdemokratische sein! Niemals hatten wir, die Russen, das Gef\u00fchl, Ihr seid eine sozialdemokratische Partei. Ihr seid eine der besten Sektionen der K.I. trotz alledem.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Nicht eine der besten, die beste.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber \u00dcberlieferungen sind da.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Noch ein Geheimnis werde ich verraten. Manche der j\u00fcngeren Elemente bei Euch, z.&nbsp;B. wie Maslow, haben den Vorteil, da\u00df sie nicht gehemmt sind, durch sozialdemokratische Tradition. Das ist andererseits eine Schw\u00e4che, sie sind nicht verwachsen mit den Arbeitern. Maslow pers\u00f6nlich kennt sie gut. Das ist ein Minus, da\u00df sie nicht so gut verwachsen sind, aber gleichzeitig haben sie ein Plus, weil sie nicht mit dem sozialdemokratischen Nachla\u00df kommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, wir m\u00fcssen jetzt im Auge haben&nbsp;: die Partei ist in schwieriger Lage, der Fraktionsgeist mu\u00df aufh\u00f6ren; den Sieg zu erreichen, mu\u00df man eine einheitliche F\u00fchrung haben, denn sonst ist der Sieg wirklich unm\u00f6glich. Man mu\u00df die Lage sehen, wie sie ist. Also, wenn man f\u00fcr die Revolution k\u00e4mpfen, die Partei retten will, so mu\u00df man mit dem Geiste der Passivit\u00e4t, dem Fraktionsgeist usw. aufh\u00f6ren. Wir m\u00fcssen hier eine Reihe von Fragen pr\u00fcfen, wie die Gewerkschaftsfrage, die Organisationsfrage, und objektiv entscheiden, und wir m\u00fcssen wahrscheinlich auch die Abhaltung eines Parteitages beschlie\u00dfen. Ich sage Ihnen ganz offen&nbsp;: wir, die Exekutive und die russische Partei, k\u00f6nnen jetzt nicht die Verantwortung \u00fcbernehmen, eine neue Kombination der Parteileitung der K.P.D, zu schaffen. Manchmal kann man das, aber jetzt ist die Lage zu verwickelt. Die Partei mu\u00df ihr Gesicht zeigen, so, wie sie ist, welche F\u00fchrung sie will. Die Kommunistische Internationale kann sp\u00e4ter intervenieren, aber die Partei mu\u00df sprechen. Wenn das zustande kommen soll, dar\u00fcber m\u00fcssen wir verhandeln vom Standpunkt der Interessen der Partei aus. Wir sind daf\u00fcr, da\u00df es ohne fraktionelle K\u00e4mpfe geschieht. Wir glauben, die politische Vorbereitung des Parteitags f\u00e4ngt jetzt in Moskau schon an.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, wenn jetzt ein gewisses Zusammenarbeiten der gegenw\u00e4rtigen Mehrheit der Zentrale mit der Linken auf einer gewissen politischen Marschroute ausgearbeitet wird, so wird das 99&nbsp;Prozent der Partei hinter sich haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Pieck&nbsp;: Sie haben die Mehrheitsmassen der Partei noch nicht geh\u00f6rt.)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ihr vertretet sie ja. In dieser Frage des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses der Partei kann man sich am leichtesten irren, das gebe ich zu.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es gibt jetzt in der Zentrale drei Richtungen&nbsp;: die Mehrheit, die Thesen hier mitgebracht hat, die von Remmele und Koenen vertreten werden, etwas schwach vertreten werden; es gibt hier eine Linke, die Sie kennen, es gibt hier eine Minderheit, die Sie geh\u00f6rt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Brandler&nbsp;: Wo bleiben Pieck und Walcher?) (Zetkin&nbsp;: Und wo reihen Sie mich ein?)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Seien Sie mir nicht b\u00f6se. Zu schwierig ist mir der Fall der Genossin Zetkin. Ich brauche kein Wort dar\u00fcber zu verlieren, da\u00df wir pers\u00f6nlich an ihr h\u00e4ngen. Sie wissen, sie hat den Brief der Exekutive unterzeichnet. Wenn sie auf diesem Boden steht, so&nbsp;&#8209; ich liebe und achte sie, aber was kann ich tun, wenn sie f\u00fcr eine andere Linie ist? Ich hoffe, da\u00df Genossin Zetkin mit dieser Mehrheit sein wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, die Zentrale hat einen Entwurf angenommen, der Ihnen bekannt ist. Dann haben wir uns mit der Mehrheit der Delegation zusammengesetzt und haben versucht, einen Entwurf auszuarbeiten. Die Genossen haben mein Projekt umgearbeitet, verbessert, im allgemeinen ist es derselbe Geist. Die Arbeit in dieser kleinen Kommission &#8209;&nbsp;es waren dabei Pieck, Koenen, Remmele&nbsp;&#8209; hat gezeigt, da\u00df wir auch mit Pieck zu 99&nbsp;Prozent zusammenmarschieren k\u00f6nnen. Er war nicht bei der Abstimmung in der Zentrale. Es hat sich dort etwas Neues ereignet, w\u00e4hrend ganz kurzer Zeit neue Ereignisse. Pieck war w\u00e4hrenddessen hier, und die Arbeit, die wir in den letzten Tagen hier mit ihm zusammen ausgef\u00fchrt haben, zeigt, da\u00df wir uns mit ihm verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Wenn trotzdem Schwierigkeiten zwischen ihm und der Linken entstehen,&nbsp;&#8209; es ist m\u00f6glich, Pieck ist leidenschaftlich, wie wir alle, im Kampfe mit den Berlinern l\u00e4\u00dft er sich manchmal zu Fehlern hinrei\u00dfen, die ich nicht guthei\u00dfen kann.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, unsere Aufgabe besteht darin, hier nicht Strategie zu treiben, nicht mit einem Man\u00f6ver innerhalb unserer eigenen Partei zu kommen, sondern zu sagen&nbsp;: das ist der Fehler. Wenn Sie sagen&nbsp;: also ist die russische Partei mit den Berliner&nbsp;&#8209; nein. Sie ist der Meinung, da\u00df die Einstellung der neuen Mehrheit im allgemeinen richtig ist. Sie mu\u00df eine ehrliche Kooperation mit der Linken schaffen. Der &quot;B\u00fcrgerkrieg&quot; mu\u00df aufh\u00f6ren, das Ausschleudern dieser Drohungen mu\u00df aufh\u00f6ren, die Genossen m\u00fcssen mit dem Fraktionsgeist aufh\u00f6ren, wenn sie wirklich die Partei retten wollen. Gut (zu der Linken), Ihr habt auch gewaltige Fehler gemacht, das wi\u00dft Ihr ja auch. Manchmal sagt man, die Mehrheit vertritt den r\u00fcckst\u00e4ndigen Teil der Arbeiter, und die Mehrheit sagt, die Linke vertritt den ungeduldigen Teil der Arbeiter. Kann man die Revolution ganz ohne diesen r\u00fcckst\u00e4ndigen Teil machen? Und die Rechte sagt&nbsp;: Ungeduld. Es kommt aber der Moment, wo diese Ungeduld das wichtigste ist, was man braucht. Nehmen Sie Th\u00e4lmann. Nun, offen gesprochen, alle unsere Genossen, die ihn sprechen h\u00f6ren, sagen, wenn man ihn sieht, so hat man das Gef\u00fchl, die deutsche Revolution wird einmal kommen. Genossen, also das m\u00fcssen wir doch haben. Das geh\u00f6rt zueinander, das m\u00fcssen wir also vereinigen auf der Marschroute, die wir Ihnen vorschlagen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was wird die Minderheit machen? Manche, sagen, eine neue Fraktion. Brandler wird wahrscheinlich nicht eine neue Fraktion machen, sondern wird ein bi\u00dfchen abwarten. Und das wird das beste sein, was er tun kann, abwarten. Jeder von uns wei\u00df den Genossen Brandler pers\u00f6nlich zu sch\u00e4tzen. Er wird noch gro\u00dfe Arbeit in der Partei leisten. Wenn man jetzt kommt und sagt&nbsp;: abs\u00e4gen, abschlachten, und wie alle diese Worte hei\u00dfen&nbsp;&#8209; es ist leichtfertig, es ist nicht das Rechte. Abschlachten brauchen wir nicht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte noch auf die zwei Perspektiven hinweisen. Ich glaube aber, da sind wir jetzt schon fast einig. Wir wissen nicht, wie die Sache weiter gehen wird. Im ersten Entwurf haben wir gesagt, man mu\u00df jetzt beide Aussichten haben. In der Frage des Tempos haben wir uns geirrt. Es ist ein Trost, da\u00df Lenin und Marx sich darin auch manchmal geirrt haben. Aber die Einsch\u00e4tzung bleibt richtig. Wenn man sagt&nbsp;: in drei Monaten wird alles kommen&nbsp;&#8209; nun, abwarten, ich bin jetzt noch skeptisch. Aber alles h\u00e4ngt doch ab von der Sto\u00dfkraft unserer Partei. Wir sagen&nbsp;: wir sind bereit als Kommunistische Internationale, alles Gut und Blut, das wir haben, mit Euch einzusetzen, um die Entwicklung der Dinge m\u00f6glichst zu beschleunigen. Weitere Ausr\u00fcstung, weitere illegale Organisation, weitere Orientierung aller unserer Brudersektionen, der franz\u00f6sischen usw. Wir haben einen Brief an die franz\u00f6sische Partei abgefa\u00dft. Genossin Zetkin, die Mitglied der Kommission war, wird bezeugen, da\u00df die Perspektive in der deutschen Frage die alte ist, d.&nbsp;h. die einer neuen Revolution. Dasselbe werden wir in anderen Sektionen jetzt sagen, auch hier in Ru\u00dfland alles einsetzen f\u00fcr eine schnelle Entscheidung. Aber als F\u00fchrer der Partei m\u00fcssen wir schon jetzt sehen, da\u00df die Gefahr vorhanden ist; da\u00df es langsamer gehen wird. Das m\u00fcssen wir nach den gemachten Erfahrungen sehen. Wir haben 1905 erst nach anderthalb Jahren klar sagen k\u00f6nnen, wohin die Reise geht. Lenin hat 1906 dreimal den Aufstand bestimmt, zun\u00e4chst im Fr\u00fchling, dann im Sp\u00e4tsommer, nachdem die Bauern die Ernte eingebracht haben usw. Die Menschewisten haben ihn ausgelacht. Aber das war nicht zum Lachen. Man hat sich geirrt im Tempo; nach anderthalb Jahren sah man, es wird l\u00e4nger dauern. Jetzt hat man die Pflicht, zu visieren, wie die Dinge jetzt liegen, f\u00fcr den Fr\u00fchling, dann f\u00fcr den Sommer&nbsp;&#8209; wir werden sehen, f\u00fcr kurze Zeit.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn wir wirklich einverstanden sind in dieser Sache, wird der hei\u00dfe Kampf nicht umsonst gewesen sein. Wir haben viele Illusionen verloren und viel realistischen Verstand gewonnen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>VI.<br> Kommission und Beschlu\u00dffassung<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nach der Rede des Gen. Sinowjew wurde in der Sitzung vom 12.&nbsp;Januar vorgeschlagen, von einer weiteren Diskussion im Plenum des Pr\u00e4sidiums abzusehen und eine Kommission zu bilden. Genosse Sinowjew schlug vor, diese Kommission aus Vertretern der Mehrheit (Zentrum) mit der Linken der K.P.D. und einem Vertreter der K.I. zusammenzusetzen. Diese Kommission sollte danach streben, zu einem gemeinsamen Resolutionsentwurf zu gelangen und auf diese Weise den ersten Versuch einer Zusammenarbeit der Mehrheit und der Linken darstellen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Um diesen Antrag entspann sich eine Debatte, in der die Genossen Radek, Pieck und Klara Zetkin verlangten, da\u00df auch Vertreter der Rechten und Genosse Radek an der Kommission teil\u00bb nehmen sollten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Genossen Sinowjew mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Genossen Radek und Zetkin angenommen. Zu Mitgliedern der Kommission wurden gew\u00e4hlt&nbsp;: Kuusinen, Pieck, Remmele, Koenen, Maslow, Th\u00e4lmann.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Pr\u00e4sidium bestimmte ferner eine Organisations- und eine Gewerkschaftskommission. Der Gewerkschaftskommission geh\u00f6rten folgende Genossen an&nbsp;: Kolarow, Remmele, Koenen, Fischer, K\u00f6nig, Walcher, Tomski, Anzelowitsch.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Organisationskommission geh\u00f6rten als Mitglieder der Organisations-Abteilung des E.K.K.I. die Genossen Mitzkewitsch-Kapsukas, Piatnitzki und Kuusinen und von den deutschen Genossen Remmele, Koenen, Fischer und Th\u00e4lmann an.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die erste Kommission gelangte am 17.&nbsp;Januar zu einem gemeinsamen Entwurf, der der Sitzung des Pr\u00e4sidiums vom 19.&nbsp;Januar vorgelegt wurde. (Siehe die Resolution in der Beilage.).<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei der Abstimmung \u00fcber die Resolution als Grundlage stimmten nur die Genossen Radek und Zetkin gegen die Resolution, von den deutschen Gen\u00f6ssen noch Brandler und Walcher, der Stimme enthielt sich Pieck.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In der Detail-Behandlung machte Genosse Pieck zwei Erg\u00e4nzungsvorschl\u00e4ge zum Resolutionsentwurf der Kommission.&nbsp;&#8209; Erstens sollte folgender Satz hinzugef\u00fcgt werden&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die aufgez\u00e4hlten Fehler und M\u00e4ngel der Partei erkl\u00e4ren zur Gen\u00fcge, warum die K.P.D. im Oktober die Mehrheit der Arbeiterklasse noch nicht fest in der Hand hatte. Unter diesen Umst\u00e4nden war es richtig, da\u00df die K.P.D. dem bewaffneten, entscheidenden Machtkampfe auswich.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Antrag wurde vom Pr\u00e4sidium mit Stimmenmehrheit abgelehnt. F\u00fcr die Ab\u00e4nderung des Genossen Pieck stimmten vom Pr\u00e4sidium Radek und Klara Zetkin, von der Gesamtzahl der Anwesenden stimmten 11&nbsp;daf\u00fcr und 18&nbsp;dagegen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der zweite Erg\u00e4nzungsvorschlag des Genossen Pieck lautete folgenderma\u00dfen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die in der K.P.D. vorhandene Opposition hat durch ihre T\u00e4tigkeit zweifellos die Aufmerksamkeit f\u00fcr die opportunistischen Gefahren gesch\u00e4rft, sie war jedoch nicht imstande, der Partei eine Politik vorzuschlagen, durch die besser als bisher breite Arbeitermassen f\u00fcr den Kommunismus gewonnen und in revolution\u00e4re Massenk\u00e4mpfe gef\u00fchrt werden k\u00f6nnten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Auch dieser Antrag wurde abgelehnt gegen die Stimmen der Genossen Radek und Zetkin (von der Gesamtzahl der Anwesenden w\u00e4ren 10&nbsp;daf\u00fcr, die \u00fcbrigen dagegen).<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ein Zusatzantrag des Genossen Warski \u00fcber die Einheitsfront wurde abgelehnt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei der Abstimmung \u00fcber die gesamte Resolution wurde diese vom Pr\u00e4sidium gegen die Stimmen der Genossen Radek und Zetkin angenommen. Der Vertreter der Kommunistischen Jugend-Internationale stimmte daf\u00fcr. Von den deutschen Genossen stimmten daf\u00fcr&nbsp;: Remmele, Koenen, Fischer, Maslow, Hesse, Th\u00e4lmann, K\u00f6nig; dagegen&nbsp;: Brandler, Pieck, Walcher, Jannack, Hammer, Eisenberger.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu seiner Schlu\u00dfsitzung versammelte sich das Pr\u00e4sidium am 21.&nbsp;Januar. Die vorgelegte Organisationsresolution und die Thesen zur Gewerkschaftsfrage wurden einstimmig angenommen. Nur Genosse Hesse enthielt sich der Stimme zu den Gewerkschaftsthesen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei der Abstimmung \u00fcber die Instruktion f\u00fcr die Organisation der Betriebszellen in Deutschland stimmten die Genossen Maslow, Fischer, Hesse, K\u00f6nig und Th\u00e4lmann zuerst gegen den 4.&nbsp;Punkt, aber in der Gesamtabstimmung wurden auch diese Instruktionen einstimmig angenommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Hierauf nahm Genosse Sinowjew das Wort zu einer Schlu\u00dferkl\u00e4rung. Ihm folgten Erkl\u00e4rungen einer Reihe anderer Genossen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genosse Sinowjew&nbsp;: Genossen, wir sind am Ende der ganzen Sache. Vielleicht w\u00e4re es zweckm\u00e4\u00dfig, jetzt, wo wir die Gesamtarbeit vor uns haben &#8209;&nbsp;also nicht nur die politische Resolution, sondern auch die Gewerkschafts-, die organisatorische Resolution&nbsp;&#8209;, noch eine summarische Abstimmung vorzunehmen, das ganze Ergebnis der Beratungen zur Abstimmung zu stellen. Ich bin der Meinung, da\u00df das zweckm\u00e4\u00dfig w\u00e4re. Ich m\u00f6chte nur noch vorher ganz kurz einige Worte sagen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich glaube, Genossen, die wichtigste Frage ist, ob wir vor einer absteigenden Welle stehen oder vor einer aufsteigenden. Gewi\u00df, es ist noch unklar, niemand wird Prophet sein wollen in dieser Lage. Man kann sich dabei leicht irren. Vorbereiten m\u00fcssen wir uns auf die schlechte Perspektive. Und ich glaube, all unsere Beschl\u00fcsse sind eben darum richtig, weil wir auch diese Perspektive im Auge gehabt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Resolution hat in manchen Fragen schon volle Klarheit geschaffen, in manchen noch nicht ganz. Z.&nbsp;B. in der Frage der Einheitsfront glaube ich, da\u00df wir schon gen\u00fcgend Klarheit durch sie geschaffen haben. In anderen Fragen, speziell in der Frage der Oktoberkrise, konnten wir noch keine volle Klarheit schaffen. Man sieht jetzt klarer als vor einem Monat, in drei Monaten wird man noch klarer sehen. Die Geister sind aufeinandergeplatzt in der Frage, ob der R\u00fcckzug absolut notwendig war oder nicht, ob er sich ergab aus der wirklichen Lage, oder ob er eine Schuld war. Ich verstehe schon, da\u00df in der gegebenen Lage hier die Geister aufeinanderprallen m\u00fcssen. Aber ich glaube, in unserer Resolution ist auch schon klar gesagt, was zu sagen war. Nicht nur infolge von Fehlern und Schw\u00e4chen der Partei, sondern auch infolge der Schw\u00e4che der Arbeiterklasse war der R\u00fcckzug absolut notwendig. Selbstverst\u00e4ndlich wird es eine Anzahl von Arbeitern geben, die immer sagen werden&nbsp;: man hat den Moment verpa\u00dft. Was den Fraktionskampf anbetrifft,&nbsp;&#8209; \u00a0ganz ehrlich gesprochen, wei\u00df ich nicht, ob wir ihn beigelegt haben, oder ob jetzt ein neuer Brand auflodern wird. Ich habe in unserer Parteileitung oft gesehen&nbsp;: man beschlie\u00dft einstimmig eine Resolution, und dann f\u00e4ngt es an, erst wirklich zu kriseln, und es beginnen Fraktionsk\u00e4mpfe. Ich w\u00fcnsche aufrichtig, da\u00df das in diesem Falle nicht geschehen m\u00f6ge. Alle Richtungen haben zugelernt, auch die Linke hat manches zuzulernen und manches zugelernt. Was ihre starke Seite war, hat man hier erkannt. Ich glaube nicht, da\u00df die Linke sich so einstellen wird. Wenn jetzt ein Fraktionskampf wirklich kommt, glaube ich, wird in der Lage, die wir jetzt in Deutschland haben, keine Fraktion davon Nutzen haben. Die Arbeitermassen &#8209;&nbsp;und wir sind doch eine Massenpartei&nbsp;&#8209; wollen jetzt keinen Fraktionskampf haben, Sie sind zu deprimiert durch diesen R\u00fcckschlag, die Lage ist zu schwer. Was man jetzt w\u00fcnscht, ist, nach Anerkennung der Fehler aller Richtungen das, was wir hier als Internationale herausgefunden haben, m\u00f6glichst schnell im praktischen Leben zu. verwerten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also will ich nicht prophezeien, ob der Kampf wirklich beigelegt ist. Nur eins ist klar. Die Fraktion, die ihn jetzt anf\u00e4ngt, wird auch vom fraktionellen Standpunkt aus keinen Vorteil haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Sehr richtig!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben hier eine Umstellung gegen rechts vorgenommen, gegen \u00dcberreste der Sozialdemokratie in der deutschen Partei. Wir suchen auf diese Weise die Partei zusammenzurei\u00dfen, wie Ihr es nennt. Nun von den Worten zu den Taten. Wir werden die Sache aufmerksam verfolgen, werden gl\u00fccklich sein, wenn wir keine Notwendigkeit haben, vor dem Parteitag einzugreifen. Besonders in der Zusammensetzung der Zentrale m\u00f6chten wir wirklich sehen, was die Partei selbst beschlie\u00dft. Sie soll sich einmal selbst eine Zentrale geben. Das Material, f\u00fcr eine ganz gute Zentrale habt Ihr. Aber selbstverst\u00e4ndlich, wenn es nicht geht, so zwar ungern, aber eingreifen werden wir schon. Die ganze Verantwortung werden wir \u00fcbernehmen, um der Arbeiterklasse Deutschlands einen Richtungskampf zu ersparen. Die Sozialdemokratie ist historisch verloren, ich glaube, das ist ganz klar, in ganz kurzer Zeit. Aber wenn es bei uns wirklich noch einmal anf\u00e4ngt zu kriseln, so w\u00fcrden wir ihr frisches Blut zuf\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Also, Genossen, wenn Sie es f\u00fcr n\u00fctzlich halten, so werde ich eine summarische Abstimmung vornehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bei der Publizierung der politischen Resolution werde ich mir erlauben, eine ganz kurze Einleitung zu schreiben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossin Zetkin&nbsp;: Ich habe im Namen aller Mitglieder der Mehrheitsdelegation eine Erkl\u00e4rung abzugeben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn eine Abstimmung \u00fcber die Gesamtarbeit der Kommission hier erfolgt, so sind wir bereit, den drei Thesen zusammen als Ganzes unsere Zustimmung zu geben. Bestimmend f\u00fcr uns ist die Tatsache, da\u00df in den beiden Resolutionen zur Gewerkschaftsfrage und zur Organisationsfrage unsere Auffassung, der Standpunkt der Mehrheit der Partei durchaus zum Ausdruck gekommen ist. Ferner die Erkl\u00e4rung, die Genosse Sinowjew hier abgegeben hat, eine Einleitung zu den Thesen schreiben zu wollen, in der zum Ausdruck kommen soll, wie seiner Meinung nach die Situation ist. Nach seiner Erkl\u00e4rung w\u00fcrde diese Einleitung unserer Auffassung in zwei wichtigen Punkten entgegenkommen. N\u00e4mlich durch die Feststellung, da\u00df nach Gen. Sinowjews wiederholt ge\u00e4u\u00dferter Meinung der R\u00fcckzug notwendig war, zweitens, da\u00df auch auf der Seite der sog. linken Opposition Fehler begangen worden und gro\u00dfe M\u00e4ngel vorhanden sind. Aus den angef\u00fchrten Gr\u00fcnden sind wir, wie gesagt, bereit, bei der Gesamtabstimmung dem Gesamtwerk der Kommission zuzustimmen. Selbstverst\u00e4ndlich aber, indem wir betreffs der politischen Thesen alle unsere Bedenken aufrechterhalten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Weshalb haben wir gegen die politische Resolution gestimmt und lehnen sie heute noch ab? Wir sind von der Auffassung geleitet, da\u00df die scharfen K\u00e4mpfe, denen die Kommunistische Partei entgegengeht, nicht nur die vollste geschlossene Einheit der Partei verlangen, sondern auch ihre gr\u00f6\u00dfte Einheitlichkeit und Festigkeit in der Durchf\u00fchrung einer einheitlichen politischen Linie. Wir sind der Ansicht, da\u00df die politischen Thesen nicht die Voraussetzung solcher Festigkeit und Einheitlichkeit schaffen. Und das aus diesem Grunde. In sehr wichtigen Streitfragen, die durch die Oktoberereignisse aufgerollt worden sind, werden die Meinungen durch die Thesen nicht gekl\u00e4rt, sondern nur durch allgemeine Redewendungen und Phrasen verschleiert. Daher haben wir Bedenken, diesen Thesen zuzustimmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Einige Punkte, auf die sich unsere Wertung der Thesen im einzelnen st\u00fctzt, will ich hier kurz hervorheben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unserer Auffassung nach sind die Ursachen, die den R\u00fcckzug herbeigef\u00fchrt haben, nicht vollst\u00e4ndig genug und zum Teil auch nicht richtig und klar angegeben. Das &quot;s\u00e4chsische Experiment&quot; ist nicht gen\u00fcgend klar herausgestellt worden, nicht nur nach all den Ursachen, die es von vornherein zu einem Fehlschlag machen mu\u00dften, sondern auch betreffs der wirklichen Fehler, die dabei vorgekommen sind, und betreffs der Auswirkungen des Experiments als Ganzes nach allen Seiten hin. Wir bem\u00e4ngeln an den Thesen weiter, wie schon durch die von uns gestellten Verbesserungsantr\u00e4ge hervorgehoben worden ist, da\u00df die Thesen von dem R\u00fcckzug nur nach dem Muster alter Chronisten sagen&nbsp;: &quot;Es ergab sich&quot;. Genau so, wie in Chroniken erz\u00e4hlt wird&nbsp;: &quot;Es ergab sich einmal, da\u00df ein Mann zwischen Mittag und Morgen und so weiter&quot;.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber die Thesen schweigen sich aus \u00fcber das Wichtigste, die gro\u00dfe Streitfrage&nbsp;: war der R\u00fcckzug im Interesse der Partei n\u00f6tig, oder h\u00e4tte unter allen Umst\u00e4nden der Kampf aufgenommen werden m\u00fcssen? Diese Frage ber\u00fchren sie nicht einmal. Wir beanstanden ferner, da\u00df die Thesen sich nicht \u00fcber die Art der Massenaktionen aussprechen, die meiner pers\u00f6nlichen Meinung nach nicht nur m\u00f6glich, sondern notwendig gewesen w\u00e4ren. Weiter bem\u00e4ngeln wir an den Thesen, da\u00df in der Frage der Einheitsfront zwar jene scharfe Orientierung gegeben worden ist, die schon der Zentralausschu\u00df in seiner Resolution sehr klar formuliert hat. N\u00e4mlich Einheitsfront von unten auf, ohne jedes Vorhandeln [Verhandeln] mit den rechten wie linken F\u00fchrern der Sozialdemokratie. Jedoch in der vorliegenden Formulierung finden wir eine gewisse Enge und Starrheit, die bewirken kann, da\u00df wir nicht allen konkreten Umst\u00e4nden gerecht werden. Wir wenden uns ebenfalls dagegen, da\u00df in den Thesen nicht ein einziges kritisches Wort \u00fcber die Fehler, die falschen Einstellungen der sogenannten linken Opposition ge\u00e4u\u00dfert wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Warum bem\u00e4ngeln wir das alles?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Weil unserer Auffassung nach in der Folge die politischen Thesen zwei schwere Gefahrenquellen bilden. Einmal, da\u00df die Parteidiskussion \u00fcber die umstrittenen Fragen durch die Annahme der Thesen nicht beendet wird, sondern weitergeht; zweitens weil die verschiedenen Sektionen der Kommunistischen Internationale durch diese Thesen kein vollst\u00e4ndiges und kein ganz richtiges Bild \u00fcber die Oktoberereignisse erhalten, \u00fcber ihre Auswirkungen nach allen Seiten hin und ihre Lehren. Wir erwarten deshalb, Genossen und Genossinnen, ich spreche das offen aus, da\u00df die Sitzung der Erweiterten Exekutive sich mit diesem wichtigen Problem befassen wird, das ja kein anderes ist als die Vorbereitung, Organisation und Durchf\u00fchrung des bewaffneten Aufstandes und wichtiger einzelner Ma\u00dfnahmen daf\u00fcr. Wir nehmen als sicher an, da\u00df die Sitzung der Erweiterten Exekutive sich mit dieser bedeutsamen Frage besch\u00e4ftigen wird, die eine Frage aller kommunistischen Sektionen unserer Internationale ist. Wir hoffen, da\u00df sie die politischen Thesen in manchen Punkten revidieren wird, was ihr nach der weiteren Kl\u00e4rung der Situation und der Streitfragen viel leichter fallen wird als unserer gegenw\u00e4rtigen Tagung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen und Genossinnen, obgleich wir unsere Bedenken gegen die politischen Thesen voll aufrecht halten und in einer schriftlichen Erkl\u00e4rung, wie wir schon mitgeteilt haben, begr\u00fcnden werden, weshalb wir die politischen Thesen abgelehnt haben, werden wir doch bei der Gesamtabstimmung alle Thesen als Ganzes annehmen. Das aus der \u00dcberzeugung heraus, wie au\u00dferordentlich notwendig es ist, da\u00df die Partei ideologisch und organisatorisch ein fest gef\u00fcgter starker Block sei, ein Block von Granit, an dem sich unsere Gegner die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen. Wir brauchen Einheit, Einheitlichkeit und Geschlossenheit. Ich kann versichern, trotz unserer abweichenden Meinungen in einzelnen Fragen sind wir unsererseits bereit, die strengste Disziplin zu halten und die Zentrale bei allen Bem\u00fchungen zu unterst\u00fctzen, die Partei einheitlich und geschlossen auf eine klare politische Linie zu stellen. Wir halten es f\u00fcr unerl\u00e4\u00dflich, da\u00df die Kommunistische Partei in der Agitation, der Propaganda und bei ihren Aktionen das sch\u00e4rfste, klarste Gesicht als Kommunistische Partei zeigt. Gewi\u00df, es ist notwendig, da\u00df wir jede Spaltung, jede Differenz innerhalb des b\u00fcrgerlichen Lagers ausn\u00fctzen, nicht nur, um uns Bundesgenossen zu schaffen, sondern auch um G\u00e4rung, Zersplitterung in die Reihen der Feinde zu tragen und den staatlichen Machtapparat um so schneller zu zerr\u00fctten und zu schw\u00e4chen. Wir sind daher von der \u00dcberzeugung erf\u00fcllt, da\u00df die Kommunistische Partei als Volkstribun unter den Massen, aller Bev\u00f6lkerungsschichten stehen mu\u00df, deren Interessen in steigenden Gegensatz zu der Bourgeoisie und ihren Staat geraten, aber da\u00df sie nun und nimmer zur Volkspartei im \u00fcblen und \u00fcblichen Sinne des Wortes werden darf. Je mehr sie unter den Massen steht, um so mehr mu\u00df sie organisatorisch und ideologisch eine festgef\u00fcgte, streng Kommunistische Partei sein. Wenn sie sich verleiten lassen w\u00fcrde, ihr kommunistisches herbes und vielleicht f\u00fcr b\u00fcrgerliche Schichten absto\u00dfendes Angesicht zu verschleiern, zu schminken, es mit reformistischem Puder zu \u00fcbert\u00fcnchen, so w\u00fcrde sie immer mehr von ihrer Kraft verlieren, die Massen zu wecken, zu sammeln und vertrauensvoll unter ihrer F\u00fchrung zum Kampfe zu bringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Weil wir der Ansicht sind, da\u00df mehr wie je im Kampfe die Losung gelten mu\u00df&nbsp;: die Massen werden es schaffen, nicht Parteiaktionen allein &#8209;&nbsp;so wertvoll, so unentbehrlich sie auch sind&nbsp;&#8209;, sie k\u00f6nnen niemals Massenaktionen ersetzen, weil wir durchdrungen sind vom Bewu\u00dftsein der gewaltigen, weltersch\u00fctternden und welterneuernden Macht der Massenaktionen, Massenaktionen, befeuert durch die h\u00f6chste Aktivit\u00e4t der Partei als der F\u00fchrer der Massen&nbsp;&#8209; aus diesem Grunde, zu diesem Ziel geben wir bei der Gesamtabstimmung unsere Stimme f\u00fcr die Gesamtarbeit der Sitzung ab.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gen. Lauer (Polen)&nbsp;: Wir werden f\u00fcr die ganzen Resolutionen stimmen. Wir werden sp\u00e4ter eine schriftliche Erkl\u00e4rung zu Protokoll geben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gen. Mastow&nbsp;: Aus der Rede der Genossin Zetkin ist mir manches klar und manches unklar geworden. Es ergab sich, da\u00df einmal ein Mann zwischen Mittag und Morgen gegen die Resolution stimmte und aus bestimmten Gr\u00fcnden jetzt f\u00fcr die Resolution stimmt. Das kommt vor. Als Gr\u00fcnde gibt Genossin Zetkin an&nbsp;: neue Tatbest\u00e4nde. Sind gar keine vorhanden, die Resolution ist genau die wie sie war. Zweiter Grund&nbsp;: es wurde gesagt, Genosse Sinowjew w\u00fcrde eine Vorrede zu dem Material schreiben, und dieserhalb w\u00fcrde man f\u00fcr die Resolution stimmen. Ich nehme das zur Kenntnis, m\u00f6chte aber den Genossen Sinowjew fragen, ob es den Genossen gestattet ist, prinzipiell f\u00fcr eine Resolution zu stimmen, die sie abgelehnt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gen. Remmele&nbsp;: Die Genossen in Deutschland, die mich und Koenen entsandt haben, sind der Meinung, da\u00df der Entwurf des Genossen Sinowjew in der Frage der Einheitsfront eine so klare und eindeutige Linie gezogen hat, da\u00df er unter allen Umst\u00e4nden in dieser Frage aufrechterhalten werden mu\u00df. Sie wenden sich dagegen, da\u00df in den sp\u00e4teren Thesen, die unter unserer Mitarbeit zustande gekommen sind, diese klare Linie nicht mehr so bestand.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Genossen in Deutschland haben sich mit zwei Problemen besch\u00e4ftigt, mit dem russischen und mit dem deutschen, und sie sind zu der Auffassung gekommen, da\u00df sowohl in dem russischen wie in dem deutschen die Einstellung des russischen Z.K. richtig war, und sie unterst\u00fctzen diese. Aus diesem Grunde wurde Genosse G. her\u00fcbergeschickt, diese Linie ganz wesentlich zu unterst\u00fctzen und zu unterstreichen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das, was hier als Grundlage angenommen worden ist, als Linie sowohl vom russischen Z.K. wie von der Exekutive, diese Wendung nach links, werden wir mit aller .Kraft nunmehr durch die Bet\u00e4tigung, die wir bereits eingeleitet haben, durch die Parteidiskussion, durch vollst\u00e4ndige Kl\u00e4rung mit allen Kr\u00e4ften in Deutschland durchf\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gen. Radek&nbsp;: Wir sind als Exekutive nach au\u00dfen immer einig aufgetreten. Darum stimme ich bei der Gesamtabstimmung en bloc f\u00fcr die Beschl\u00fcsse der Exekutive. Genosse Sinowjew hat gesagt, in drei Monaten sehen wir vielleicht die Dinge anders. Das nehme ich f\u00fcr mich in Anspruch. Nach au\u00dfen halte ich es f\u00fcr eine Pflicht, in den deutschen Dingen die Arbeit der Partei nicht zu erschweren. Und darum stimme ich en bloc daf\u00fcr.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gen. G.&nbsp;: Ich mu\u00df offen sagen, da\u00df in der Partei jetzt sehr ernst zu allen diesen Fragen Stellung genommen wird. Und zwar, nicht nur unter den Funktion\u00e4ren, man nimmt Stellung in den Mitgliederkreisen. Und als wir gestern in der Kommission \u00fcber die Frage des Parteitags gesprochen haben, haben wir uns das nicht so vorgestellt, da\u00df man etwa die Diskussion abw\u00fcrgen soll. Es ist zweifellos, da\u00df die deutsche Partei nur dann in der Revolution siegen kann, wenn sie r\u00fccksichtslos alle Fragen kl\u00e4rt. Aber es ist auch eine Tatsache, da\u00df heute noch eine Gefahr besteht, da\u00df trotz aller Beschl\u00fcsse und trotz der sehr n\u00fctzlichen Auseinandersetzungen wir in Deutschland doch solche Auseinandersetzungen bekommen, welche uns nicht vorw\u00e4rts, sondern zur\u00fcck f\u00fchren. Die Differenzen in der Partei sind geblieben. Die gro\u00dfe Mehrheit der Partei steht auf dem Standpunkt dessen, was man hier Zentrum nennt. Das Zentrum ist unl\u00e4ngst entstanden. Die Genossen hier sind oft und manchmal von ihrem Standpunkt abgewichen. Sie haben sich kristallisiert im Laufe der letzten Wochen. Und es ist kein Zufall, da\u00df in Deutschland alle Genossen der Zentrale, alle Oberleiter, welche auf diesem Standpunkt stehen, \u00a0viel konsequenter Stellung zu den Thesen genommen haben, als es der Fall in Moskau war. Es ist eine Tatsache, da\u00df keine Schwankung in dieser Frage war. Die Thesen Radeks und Brandlers wurden abgelehnt. Wir haben die Resolutionen Sinowjews gepr\u00fcft. Wir hatten Bedenken in drei Punkten; sie sind sachlicher, aber nicht grunds\u00e4tzlicher Natur.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die erste Frage war die Frage der Oktoberereignisse. Sie steht in Deutschland viel sch\u00e4rfer als hier. Das ist dort die unmittelbare Frage, die man erkl\u00e4ren mu\u00df. Wir k\u00f6nnen nicht jedem Funktion\u00e4r erkl\u00e4ren, wie Genosse Sinowjew es heute hier getan hat&nbsp;: wir k\u00f6nnen in drei Monaten mehr und in sechs Monaten noch mehr wissen und sagen. Der Funktion\u00e4r will das heute h\u00f6ren. Der zweite Punkt&nbsp;: wir wollten, in der s\u00e4chsischen Frage soll gesagt werden, was als parlamentarische Geschichte sich aus der bisherigen Einstellung ergeben hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Drittens&nbsp;: die Gewerkschaftsfrage in Verbindung mit der Einheitsfront. Hier ist angenommen, was wir im wesentlichen wollten. Das sind die Fragen, die zur Diskussion standen. In allen anderen Fragen waren wir einverstanden. Den Teil \u00fcber die S.P.D. fanden wir sehr gut. Es ist doch ganz klar, da\u00df die Mehrheit der Partei diese Stellung zur S.P&nbsp;:D. teilte ohne jede Schwenkung, und da\u00df nicht von diesem Standpunkt aus Gefahren bestehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn alle drei Gruppen nach Deutschland gehen mit dem guten Willen und Verstand, da\u00df die deutsche Partei wie Brot und Luft eine Linksschwenkung haben mu\u00df.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>(Radek&nbsp;: Sehr richtig!) (Brandler&nbsp;: Sehr richtig!) (Radek; Brandler sagt, sehr richtig!)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da\u00df die Thesen bei Sinowjew korrekt formuliert und eine Grundlage zum Kampf sind, wenn sie nicht als Fraktion, Schattierungen und Gruppierungen handeln, wenn alle Gruppierungen bereit sind, auf Grund neuer Tatsachen neue Einstellungen anzunehmen, und wenn wir wirklich verstehen, die Partei politisch zur H\u00f6he zu heben, dann, glaube ich, werden die Ergebnisse der Moskauer Beratungen uns vorw\u00e4rts bringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die nun durchgef\u00fchrte Gesamtabstimmung \u00fcber alle Resolutionen ergab Einstimmigkeit daf\u00fcr, ohne Gegenstimme und Enthaltungen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>VII.<br> Dokumente.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4><span lang=DE>Erkl\u00e4rung der Minderheit<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im Hinblick auf die bei Arbeit und Kampf zu sichernde Einheit, Einheitlichkeit und Festigkeit der K.P.D. haben die Unterzeichneten sich verpflichtet gef\u00fchlt, gegen die politische Thesen des E.K. \u00fcber die Lehren der Oktober-Ereignisse in Deutschland zu stimmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Grundlage zur Einheit, Einheitlichkeit und Festigkeit der Partei mu\u00df vollst\u00e4ndige Klarheit der Einstellung zu den umstrittenen Fragen sein, die durch die Oktober-Ereignisse aufgerollt worden sind. Die klare, scharfe Erkenntnis der von der Partei begangenen Fehler und gezeigten M\u00e4ngel, ihrer Gr\u00fcnde und ihrer Auswirkung ist unerl\u00e4\u00dfliche Voraussetzung daf\u00fcr, da\u00df die Partei Fehler und M\u00e4ngel \u00fcberwindet und bestm\u00f6glich ger\u00fcstet, als F\u00fchrerin des revolution\u00e4ren Proletariats den k\u00fcnftigen entscheidenden K\u00e4mpfen entgegengeht. Die politischen Thesen lassen eine nicht auslegbare Klarheit und Bestimmtheit vermissen. Sie haben die gegens\u00e4tzlichen Meinungen dar\u00fcber nicht gekl\u00e4rt und damit nicht \u00fcberwunden, sondern nur durch dehnbare Redewendungen verschleiert, so da\u00df sie Ausdeutungen T\u00fcr und Tor \u00f6ffnen. Wir erblicken schwere M\u00e4ngel der politischen Thesen vor allem in diesem&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie geben eine unvollkommene und zum Teil unrichtige Darstellung der Ursachen, die zur Oktober-Niederlage gef\u00fchrt haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie stellen weder gen\u00fcgend fest, weshalb das &quot;s\u00e4chsische Experiment&quot; ein Fehlschlag werden mu\u00dfte, noch welches die dabei begangenen wirklichen Fehler waren, und welches die Wirkung des Experiments als Ganzes sind.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie enthalten keine unzweideutige Entscheidung dar\u00fcber, ob es unter den vorliegenden Umst\u00e4nden richtig war, da\u00df die Partei den bewaffneten Machtkampf nicht aufnahm. Sie \u00e4u\u00dfern sich nicht zu der Frage, durch welche Massenaktionen die Partei ihren R\u00fcckzug decken konnte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie enthalten nicht die n\u00f6tige Kritik der Fehler und M\u00e4ngel der Politik, die von der sogenannten &quot;linken Parteiopposition&quot; betrieben wird, und erschweren dadurch au\u00dferordentlich die Abkehr der Opposition von ihren Fehlern, wie die Zusammenarbeit der Parteimehrheit mit der Opposition.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die politischen Thesen sind in der Folge nicht geeignet, die Auseinandersetzungen in der K.P.D. zu beenden, und sie vermitteln den Sektionen der K.I. kein zutreffendes Bild von den Oktober-Ereignissen, ihren Auswirkungen und ihren Lehren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Unterzeichneten erwarten deshalb, da\u00df die Erweiterte Exekutivesitzung sich mit den Oktober-Ereignissen und ihren Lehren besch\u00e4ftigen und die angenommenen Thesen revidieren wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die angenommenen Thesen zur Gewerkschafts- und Organisationsfrage entsprechen dagegen der Auffassung der Mehrheit in der Partei und der Zentrale. Die Unterzeichneten konnten ihnen ihre Zustimmung geben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Obgleich die Unterzeichneten ihre oben dargelegten ernsten Bedenken den politischen Thesen gegen\u00fcber aufrecht halten, haben sie doch in der Gesamtabstimmung \u00fcber die drei Thesen zur deutschen Frage den Beschl\u00fcssen der Exekutive als Ganzes zugestimmt, weil die angenommenen Thesen zur Gewerkschafts- und Organisationsfrage f\u00fcr die praktische Arbeit der Partei von entscheidender Bedeutung sind. Die Unterzeichneten werden dabei von der \u00dcberzeugung geleitet, da\u00df die K.P.D. angesichts der bevorstehenden schweren K\u00e4mpfe des Proletariats gegen den Faschismus der Einheit in der Leitung und in der Mitgliedschaft auf das dringendste bedarf. Sie kann in diesen K\u00e4mpfen nur bestehen als revolution\u00e4re F\u00fchrerin der Arbeiterklasse und aller Bev\u00f6lkerungsschichten, deren Interessen in schroffstem Widerspruch zu denen der Bourgeoisie geraten, wenn sie in Agitation, Propaganda und Aktion einheitlich und geschlossen in klarster sch\u00e4rfster Weise als einige Kommunistische Partei auftritt, die h\u00f6chste revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t entfaltet, um h\u00f6chste Aktivit\u00e4t der Massen f\u00fcr den Kampf um die Macht und die Aufrichtung der proletarischen Diktatur wirksam [zu] machen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Unterzeichneten erachten es f\u00fcr ihre selbstverst\u00e4ndliche Pflicht wie f\u00fcr die Pflicht aller Genossen, die ihre Auffassung teilen, eiserne Disziplin zu halten und der Leitung zu helfen, die Partei und die Arbeitermassen f\u00fcr die kommenden K\u00e4mpfe in tatkr\u00e4ftiger Entschlossenheit zu mobilisieren. Die noch vorhandenen Gegens\u00e4tze in der Partei m\u00fcssen auf dem Boden der Parteiorganisationen und ohne Fraktionsbildung ausgetragen werden, und es ist Gebot der Stunde, die geschlossene Zusammenarbeit aller Parteigenossen schnellstens herbeizuf\u00fchren. Diesem Ziel soll unsere Zustimmung zu dem Gesamtergebnis der Beratungen dienen.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Zetkin. Pieck. Jannack. Walcher. Brandler. Hammer. Eisenberger.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4><span lang=DE>Erkl\u00e4rung der Polnischen Delegation<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben f\u00fcr die politischen Thesen gestimmt, haupts\u00e4chlich deshalb, weil sie grunds\u00e4tzlich an der bisherigen Taktik der Komintern festhalten, mit der die sogenannte Linke in Deutschland radikal brechen wollte. Wir konnten ihnen um so eher zustimmen, da sie durch richtige Thesen in der Organisations- und Gewerkschaftsfrage erg\u00e4nzt wurden, die f\u00fcr die wichtigsten praktischen Fragen ausschlaggebend sind. Dennoch sind wir uns dessen bewu\u00dft, da\u00df die politischen Thesen nicht frei sind von Unklarheiten und besonders von ganz falscher Verteilung der Verantwortlichkeit f\u00fcr die begangenen Fehler. Ein Teil der Verantwortlichkeit f\u00fcr die Oktober-Ereignisse mu\u00df n\u00e4mlich auf das E.K. fallen, das die Situation zu optimistisch beurteilte und den deutschen Genossen einseitige Direktiven gab, ohne eine R\u00fcckzugslinie vorzusehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es unterliegt f\u00fcr uns keinen Zweifel, da\u00df die sog. Rechte (Klara Zetkin, Brandler, Thalheimer, Walcher, Pieck usw.), deren Fehler und Unterlassungen so ausgiebig und teilweise mit Recht in den Thesen kritisiert werden, den \u00e4ltesten, am meisten erprobten und am meisten erfahrenen Kerntrupp der Partei bilden. Gegen diese alte Garde der Partei wird seitens der Linken seit je eine permanente F\u00fchrerhetze getrieben, die kra\u00df dem Geist des Bolschewismus widerspricht und immer demagogisch-anarchistischer Art war. Wir glauben, da\u00df die Diskreditierung dieser Gruppe in den Augen des deutschen Proletariats einen schweren Schlag f\u00fcr die K.P.D. bedeuten w\u00fcrde. Es mu\u00df in der K.P.D. im Gegenteil der Grundsatz Lenins zur Geltung kommen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Keine revolution\u00e4re Bewegung kann dauernd sein, ohne eine stabile und den Zusammenhang in der Zeit wahrende Organisation der F\u00fchrer. Je breiter die Masse, die elementar in den Kampf eingezogen wird und die die Basis der Bewegung bildet, desto dringlicher ist die Notwendigkeit einer solchen Organisation und desto fester mu\u00df sie sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Darum war es die Pflicht der Exekutive, indem sie die begangenen Fehler kritisierte, sich gleichzeitig gegen die F\u00fchrerhetze zu wenden, die jetzt nach den Oktoberereignissen mit verdoppelter Kraft eingesetzt hat und die F\u00fchrer, die den R\u00fcckzug angeordnet haben, als Verr\u00e4ter stempelt. Die Unvermeidlichkeit des R\u00fcckzugs in der gegebenen Situation ist vom Pr\u00e4sidenten des E.K in seinem Schlu\u00dfwort im Pr\u00e4sidium zugegeben worden. Wir vermissen dieselbe Erkl\u00e4rung in den f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmten Thesen, eine Erkl\u00e4rung, die der unverantwortlichen Hetze Einhalt tun k\u00f6nnte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir begr\u00fc\u00dfen jeden Schritt, der zur tats\u00e4chlichen Beseitigung der bisherigen Spaltung zwischen den Organisationen von Berlin-Wasserkante usw. einerseits, Merseburg-HalIe, Sachsen, Th\u00fcringen usw. andererseits f\u00fchrt. Aber wir m\u00fcssen offen erkl\u00e4ren, da\u00df dieser Schritt nicht in \u00e4u\u00dferlichen Abmachungen zwischen F\u00fchrern bestehen kann, und da\u00df dieses erw\u00fcnschte Ziel nur durch Aufstellung einer klaren taktischen Linie der Komintern erreicht werden kann, die nicht nur bestrebt ist, mit den M\u00e4ngeln und Fehlern der sog. Rechten, sondern auch mit den Kinderkrankheiten der sogenannten Linken gr\u00fcndlich aufzur\u00e4umen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der zweite Punkt, der mehr international, aber mit den Schicksalen der deutschen Partei direkt verbunden ist, ist die Gefahr, die aus der Krisis der Autorit\u00e4t sowohl der K.I. als der K.P.D. entsteht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Seitdem Lenin, der gr\u00f6\u00dfte und autoritative F\u00fchrer des revolution\u00e4ren Weltproletariats, an der Leitung der K.I. keinen Anteil nimmt, seitdem die Autorit\u00e4t Trotzkis, eines vom revolution\u00e4ren Weltproletariat anerkannten F\u00fchrers, vom russischen Z.K. in Frage gestellt wurde, entsteht die Gefahr, da\u00df die Autorit\u00e4t der Leitung der K.I. ersch\u00fcttert werden kann.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist darum unsere gemeinsame Pflicht, uns nicht nur f\u00fcr die Autorit\u00e4t des E.K. und seines Pr\u00e4sidiums mit ganzer Kraft einzusetzen, sondern Schritte zu vermeiden, die diese Aufgabe erschweren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In dieser Lage betrachten wir die Anklage des Opportunismus, die gegen Radek, einen der verdienstvollsten F\u00fchrer der K.I. erhoben wurde, nicht nur als unrichtig, sondern auch als in h\u00f6chstem Grade sch\u00e4dlich f\u00fcr die Autorit\u00e4t aller F\u00fchrer der K.I. Wir sehen keinen Grund f\u00fcr eine solche Anklage, denn mag auch die Frage, wer in Deutschland im Oktober gesiegt hat, von sehr weitgehender Bedeutung sein, es steht fest, da\u00df von keiner Seite opportunistische taktische Schl\u00fcsse gezogen worden sind. Die Meinungsverschiedenheiten, die zwischen den bekanntesten F\u00fchrern der K.I. in der Beurteilung der deutschen Frage entstanden sind, sind solcher Art, wie sie in einer lebendigen revolution\u00e4ren Partei, besonders in einer solchen schweren Lage, unvermeidlich sind, und wie sie auch in der Vergangenheit in der Leitung des E.K. vorgekommen sind, ohne gegenseitige Anschuldigungen des Opportunismus hervorzurufen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir weigern uns, darin Keime von dem Kommunismus fremden St\u00f6rungen zu erblicken.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Angesichts dessen, da\u00df in den letzten Pr\u00e4sidiums-Sitzungen Genosse Sinowjew uns wiederholt angegriffen hat, ohne da\u00df wir die M\u00f6glichkeit gehabt h\u00e4tten, darauf zu antworten, sind wir gezwungen, dies jetzt schriftlich zu tun.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was den Brief des polnischen Z.K. anbetrifft, erkl\u00e4ren wir&nbsp;: dieser Brief, soweit er sich mit deutschen Dingen besch\u00e4ftigt, nimmt in merito die gleiche Stellung ein, wie unsere Erkl\u00e4rung. Soweit die Fragen der russischen Partei in Fragen kommen, erkl\u00e4ren wir&nbsp;: da\u00df dieser angeblich weinerliche Brief (wie ihn Genosse Sinowjew genannt hat) vom russischen Z.K. dasjenige forderte, was das Z.K. selbst gezwungen war zu tun, n\u00e4mlich, \u00f6ffentlich zu erkl\u00e4ren (am 18.&nbsp;Dezember), da\u00df niemand den Gedanken zul\u00e4\u00dft, Genosse Trotzki k\u00f6nnte aus den f\u00fchrenden Partei- und Staatsposten ausscheiden. Als das politische Z.K. eine solche \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung vom russischen ZjK. forderte, wu\u00dfte es nicht, da\u00df dies bereits geschehen war.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was die Vorw\u00fcrfe des Genossen Sinowjew wegen unserer angeblichen fraktionellen Einstellung betrifft, erkl\u00e4ren wir&nbsp;: Genosse Sinowjew sollte es wissen, da\u00df wir selber in der polnischen Partei eifrig bem\u00fcht waren, bolschewistische Organisationsprinzipien einzuf\u00fchren. F\u00fcr die polnischen Genossen war es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, da\u00df der Angriff des Genossen Trotzki auf den Parteiapparat einen schweren Fehler bedeutete.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was die mehrmaligen Behauptungen des Genossen Sinowjew anbetrifft, wonach polnische Genossen an verschiedenen deutschen Kommissionen teilgenommen haben und dort ihren Auffassungen Ausdruck h\u00e4tten geben k\u00f6nnen, erkl\u00e4ren wir&nbsp;: ohne einen Teil der Verantwortung f\u00fcr die Oktoberbeschl\u00fcsse von uns abw\u00e4lzen zu wollen, stellen wir fest, da\u00df kein polnischer Genosse an einer deutschen Kommission teilgenommen hat. Ein einziges Mal ist der Genosse Warski in die Kommission gew\u00e4hlt worden, die den Novemberbrief an die deutsche Zentrale redigieren sollte, wurde aber nie zu ihren Sitzungen eingeladen und konnte an ihren Arbeiten keinen Anteil nehmen.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Moskau, den 21.&nbsp;Januar 1924.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>i.A.&nbsp;: E. Prochniak.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Die polnische Delegation.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4><span lang=DE>Resolution der Exekutive vom 19. Januar 1924<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Das gegenw\u00e4rtige Dokument, das von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die gesamte Komintern ist, wurde auf einer dieser Tage zu Ende gelangten Beratung des E.K.K.I. mit den Vertretern der Zentrale der K.P.D. ausgearbeitet.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>In der Zentrale der K.P.D. hat eine ernste politische Umgruppierung der Kr\u00e4fte auf Grund der durchgemachten politischen Krise stattgefunden. Es hat sich eine Rechte herauskristallisiert (Gen. Brandler), die aber in der Zentrale nur eine verschwindende Minderheit erhalten hat (2&nbsp;Stimmen von&nbsp;27). Ferner hat sich eine kompakte Richtung gebildet, die gegenw\u00e4rtig der Kern der Partei ist (17&nbsp;Stimmen in der Zentrale). Und schlie\u00dflich gibt es die alte Linke, Berlin-Hamburg.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Das E.K.K.I. stellte sich auf den Standpunkt, da\u00df im gegenw\u00e4rtigen Augenblick eine volle Zusammenfassung des Grundkernes mit der Linken gegen die opportunistischen Fehler der Rechten notwendig sei. Der Anfang dieses Zusammenschlusses ist im vorliegenden Dokument erreicht, auf das sich unter Mitwirkung des E.K.K.I. diese beiden Str\u00f6mungen, die 99&nbsp;Proz. der gesamten K.P.D. darstellen, geeinigt haben.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>F\u00fcr diese Resolution stimmten alle in Moskau anwesenden Vertreter der K.I. (darunter auch die polnischen Kommunisten).<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Im letzten Augenblick sind auch die Gesinnungsgenossen des Genossen Brandler mit Unterbreitung einer besonderen Deklaration im wesentlichen der Resolution beigetreten.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-top:0cm;margin-right:0cm;margin-bottom:6.0pt; margin-left:1.0cm;text-align:justify;text-indent:14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Das E.K.K.I. ist \u00fcberzeugt, da\u00df der Zusammenschlu\u00df des Grundkernes mit der Linken gegen die opportunistischen Fehler der Rechten der K.P.D. helfen wird, die gro\u00dfen Aufgaben, vor denen sie steht, richtig zu l\u00f6sen. Jegliche Offenbarungen eines Fraktionsgeistes, von woher sie auch kommen m\u00f6gen, wird das E.K.K.I. auf das Schonungsloseste verfolgen.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>G.&nbsp;S.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4><span lang=DE>Lehren der deutschen Ereignisse<br> (Resolution des E.K.K.I. vom 19. Januar 1924)<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Ereignisse in Deutschland, Polen, Bulgarien, die sich vom Mai bis November 1923 abgespielt haben, bilden den Anfang eines neuen Kapitels in der Geschichte -der internationalen Bewegung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In Deutschland trat der proletarische Klassenkampf im Zusammenhang mit der Entwicklung der Ruhrkrise aus der Phase der allm\u00e4hlichen Sammlung der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte in eine neue Phase, in der es sich um den Kampf um die Macht handelt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die geschichtliche Wendung, welche sich im August\/September vollzog, und die im Laufe des Herbstes eingetretenen Ereignisse sind angesichts der weittragenden Bedeutung der deutschen revolution\u00e4ren Bewegung von h\u00f6chster Wichtigkeit f\u00fcr die Kommunistische Internationale. Die Lehren und Folgerungen aus den dabei gemachten Erfahrungen m\u00fcssen deshalb von der gesamten Kommunistischen Internationale aufs gr\u00fcndlichste ausgewertet werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da die taktische Bewertung dieser Ereignisse sich fest auf dem grunds\u00e4tzlichen Boden der K.I. halten soll, will die Exekutive hier wieder einmal die in der gegenw\u00e4rtigen Epoche sowohl grunds\u00e4tzlich wie praktisch wichtigste taktische Methode der K.I., die Taktik der Einheitsfront, ganz konkret charakterisieren.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>I.&nbsp;Taktik der Einheitsfront.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Auf dem 3.&nbsp;Weltkongre\u00df der K.I. wurden die Aufgaben der K.P.D. im Zusammenhange mit der Niederlage im M\u00e4rz 1921 besonders eingehend diskutiert und die Losung zusammengefa\u00dft&nbsp;: &quot;Heran die Massen!&quot; Im Dezember desselben Jahres wurde die Methode der Eroberung der Massen konkretisiert durch die Beschl\u00fcsse der Exekutive \u00fcber die Einheitsfronttaktik.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In Deutschland ging die K.P.D. sofort an eine ernsthafte Durchf\u00fchrurig der Einheitsfronttaktik. Die ganze objektive Lage in Deutschland beg\u00fcnstigte diese Taktik. Durch ihre Arbeit hat die Partei gro\u00dfe Erfolge davongetragen, immer mehr Sympathien bei den Massen erworben und in die Reihen der Sozialdemokratie Zersetzung hineingebracht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Eine Reihe unserer Sektionen hat nur langsam unter \u00dcberwindung vieler Widerst\u00e4nde und unter gro\u00dfen Fehlern die Einheitsfronttaktik anzuwenden begonnen. In Frankreich verstand im Jahre 1922 ein erheblicher Teil der Partei nicht den Sinn der Taktik der Einheitsfront und bef\u00fcrchtete aufrichtig, diese Taktik k\u00f6nne ein ideologisches Zugest\u00e4ndnis an die Sozialdemokratie bedeuten. In England verstand ein Teil der Genossen die Taktik der Einheitsfront so, da\u00df er den falschen Schlu\u00df zog, als d\u00fcrften die Kommunisten die opportunistische Arbeiterpartei im Parlament nicht kritisieren. In Finnland zog man Fehlschl\u00fcsse von \u00e4hnlichem Charakter. In Rum\u00e4nien glaubte ein Teil der Genossen aufrichtig, die Taktik der Einheitsfront laufe auf die parlamentarische Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten hinaus. Die Kommunistische Partei Italiens beging lange Zeit einen Fehler entgegengesetzter Art und hielt sich von einer breiten Anwendung der Einheitsfronttaktik ab, aus Furcht, da\u00df die programmatische und theoretische Einheit der kommunistischen Bewegung dadurch kompromittiert werden k\u00f6nnte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Eine Reihe anderer Parteien fa\u00dften gleichzeitig diese Taktik zu mechanisch auf und dachten, es gen\u00fcge, einmal im Monat den Sozialdemokraten einen schablonenhaften offenen Brief zu schreiben und ihn dann zu vergessen. Sie verstanden nicht, einen aktuellen politischen Kampf im Zusammenhang mit der Auswirkung der Taktik der Einheitsfront zu f\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die fehlerhafte Durchf\u00fchrung der Taktik der Einheitsfront, insbesondere im Anfang, in einer Reihe von L\u00e4ndern, bedeutet aber nicht, da\u00df die Taktik selbst falsch ist. Dieser Schlu\u00df w\u00e4re ebenso verkehrt wie die Ablehnung der revolution\u00e4ren Ausn\u00fctzung des Parlamentarismus, deshalb, weil einzelne Parlamentsfraktionen sie nur unter gro\u00dfen Fehlern zu lernen verm\u00f6gen. Die Taktik der Einheitsfront an sich war und bleibt richtig, ungeachtet der gelegentlichen Fehler.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Taktik der Einheitsfront hat ihre starken Seiten und ihre Gefahren. M\u00f6gen wir auch im Oktober&nbsp;1923 noch keine sichere Mehrheit im deutschen Proletariat gehabt haben, allein die Tatsache, da\u00df die junge Kommunistische Partei sich im Herbst&nbsp;1923 ernstlich die Frage stellen konnte, ob sie nicht schon eine sichere Mehrheit zur Machtergreifung hatte, beweist, da\u00df die Taktik der Einheitsfront imstande ist, die wichtigste Voraussetzung der Machteroberung, die Gewinnung der Mehrheit des Proletariats f\u00fcr die proletarische Revolution zu schaffen. Wenn dabei auch die kommunistischen Parteien auch die Psychologie und die Stimmungen zur\u00fcckgebliebener unter dem Einflu\u00df der Sozialdemokratie stehender Massen zu ber\u00fccksichtigen haben, so ist das nicht ein Beweis f\u00fcr die Unrichtigkeit der Taktik selbst, sondern lediglich eine Gefahrenquelle bei ihrer Anwendung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Schon in den ersten Leits\u00e4tzen der Exekutive vom Dezember 1921<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[11]<\/span><\/span><\/span><\/a> wurde nachdr\u00fccklichst auf die Gefahren hingewiesen, mit denen die Taktik der Einheitsfront verbunden ist&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Nicht alle kommunistischen Parteien sind gen\u00fcgend gefestigt und gekr\u00e4ftigt, nicht alle haben endg\u00fcltig mit der zentristischen und halbzentristischen Ideologie gebrochen&nbsp;: F\u00e4lle von \u00dcberspannung nach der anderen Seite sind m\u00f6glich, Tendenzen, die in Wirklichkeit die Aufl\u00f6sung der kommunistischen Parteien und Gruppen in einem formlosen Einheitsblock bedeuten w\u00fcrden. Soll die geplante Taktik mit Erfolg f\u00fcr die Sache des Kommunismus durchgef\u00fchrt werden, so m\u00fcssen die kommunistischen Parteien selbst, die diese Taktik anwenden, stark und gut zusammengefa\u00dft sein, und ihre F\u00fchrung mu\u00df sich durch Klarheit des Denkens auszeichnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der 4.&nbsp;Weltkongre\u00df wies gleichfalls auf die Gefahren hin, die sowohl die ganze Taktik der Einheitsfront, wie die besondere Losung der Arbeiterregierung in sich birgt. Der Kongre\u00df erkl\u00e4rte<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[12]<\/span><\/span><\/span><\/a>&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Um diese Gefahren zu vermeiden und jetzt schon den Kampf aufnehmen zu k\u00f6nnen mit den Illusionen von einer angeblich unvermeidlichen Etappe der &quot;demokratischen Koalition&quot;, d\u00fcrfen die kommunistischen Parteien folgendes nicht vergessen&nbsp;: &quot;Jede b\u00fcrgerliche Regierung ist zugleich auch eine kapitalistische Regierung, aber nicht jede Arbeiterregierung ist wirklich eine proletarisch-sozialistische Regierung!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Warnungen der Komintern m\u00fcssen gerade jetzt nach den deutschen Ereignissen in Erinnerung gebracht werden, da sogar die K.P.D., die nach der russischen Sektion reifste Partei der Internationale, gro\u00dfe Fehler bei der Durchf\u00fchrung der Einheitsfronttaktik zugelassen hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist notwendig, da\u00df sich die Kommunisten in allen L\u00e4ndern jetzt klar dar\u00fcber Rechenschaft ablegen, was die Taktik der Einheitsfront ist, und was sie nicht ist. Sie ist eine Taktik der Revolution, nicht der Evolution. Wie die Arbeiter(und Bauern-)Regierung f\u00fcr uns kein festes, demokratisches \u00dcbergangsstadium sein kann, so ist auch die Taktik der Einheitsfront keine demokratische Koalition, kein B\u00fcndnis mit der Sozialdemokratie. Sie ist nur eine Methode der revolution\u00e4ren Agitation und Mobilisierung. Alle anderen Auslegungen lehnen wir als opportunistisch ab.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dies m\u00fcssen wir klar im Auge behalten, nur dann hat f\u00fcr die K.I. die Taktik der Einheitsfront einen Sinn und kann dem Ziele dienen, das Gros des Proletariats f\u00fcr den revolution\u00e4ren Machtkampf zu gewinnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Einheitsfronttaktik als Agitationsmethode unter breiten Arbeiterschichten pa\u00dft sich selbstverst\u00e4ndlich einer bestimmten Epoche an, eben der Epoche, in der die Kommunisten fast aller f\u00fcr die Arbeiterbewegung entscheidenden L\u00e4nder sich noch in der Minderheit befinden. Nach Ma\u00dfgabe der Ver\u00e4nderung des konkreten Milieus wird man auch die Anwendung der Einheitsfronttaktik modifizieren m\u00fcssen. Auch jetzt mu\u00df die Durchf\u00fchrung dieser Taktik in den verschiedenen L\u00e4ndern verschieden sein. In dem Ma\u00dfe, in dem der Kampf st\u00fcrmischer wird und mehr und mehr den Charakter des Entscheidungskampfes annimmt, werden wir noch mehr als einmal die Art der Anwendung der Einheitsfronttaktik in den einzelnen L\u00e4ndern \u00e4ndern m\u00fcssen. Es wird die Zeit kommen, wo ganze, jetzt noch stark sozialdemokratische Parteien zusammenbrechen, oder, beim Beharren auf ihrem Verrat, wie Seifenblasen zerplatzen werden; wo ganze Schichten der sozialdemokratischen Arbeiter den Frontwechsel zu uns vollziehen. Die Taktik der Einheitsfront f\u00f6rdert und beschleunigt diesen Proze\u00df.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>II.&nbsp;Die revolution\u00e4re Krise in Deutschland.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Bald nach der Besetzung des Ruhrgebietes durch die franz\u00f6sischen Heere hat die Exekutive der K.I. die Aufmerksamkeit aller Sektionen auf die kommende revolution\u00e4re Krise gelenkt. Die internationalen Konferenzen in Essen und Frankfurt waren auch diesen Fragen gewidmet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da\u00df in Deutschland eine neue revolution\u00e4re Welle anzusteigen begann, signalisierten die gro\u00dfen Ruhrstreiks und K\u00e4mpfe im Mai\/Juni, der oberschlesische Streik, der Metallarbeiterstreik in Berlin, die K\u00e4mpfe im Erzgebirge, im Vogtland und der politische Massenstreik im August&nbsp;1923, der den Sturz der Cuno-Regierung brachte. Die rapide Zuspitzung der Lage \u00e4u\u00dferte sich in Teuerung, Geldentwertung, Inflation, unm\u00e4\u00dfigem Steuerdruck, Abbau des Parlamentarismus, verst\u00e4rkter Offensive des Kapitals nach einer noch schwachen Offensive des Proletariats, in Lebensmittelknappheit, Lohnabbau, Abbau sozialer Errungenschaften der Arbeiterklasse, ferner im Wachsen der separatistischen und partikularistischen Bewegungen, im Wachsen der Verelendung des alten und des neuen Mittelstandes, im Schwinden des Einflusses der demokratischen Mittelparteien. Alle Lasten des Ruhrkrieges wurden auf das Proletariat und die immer mehr proletarisierten Mittelschichten abgew\u00e4lzt. Die Zuspitzung der Klassengegens\u00e4tze schritt mit dem Zerfall der von ihren Kraftzentren abgetrennten deutschen kapitalistischen Wirtschaft schnell vorw\u00e4rts.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In vielen Provinzen zogen hungernde Massen bewaffnet aufs Land, um sich die notwendigen Lebensmittel zu holen. Breite Mittelschichten gerieten in Verzweiflungsstimmung und schwankten zwischen den beiden Polen, die einen Ausweg zeigten, den Kommunisten und den faschistischen Gruppen. In den Gro\u00dfst\u00e4dten kam es immer wieder zu Pl\u00fcnderungen, zu Hungerdemonstrationen, zu Krawallen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Klassenkr\u00e4fte haben sich in Deutschland in den Monaten bis zum Winter 1923 fortw\u00e4hrend zugunsten der proletarischen Revolution verschoben. Die&nbsp;18 bis 20&nbsp;Millionen Proletarier standen vom Beginn der Ruhrbewegung an jeglicher nationalistischen Stimmung fern. Unter den&nbsp;6 bis 7&nbsp;Millionen st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgern und&nbsp;4 bis 5&nbsp;Millionen Kleinbauern, Siedlern und P\u00e4chtern ging eine tiefe G\u00e4rung vor sich.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die demokratische Koalitionspolitik war offensichtlich bankrott. Die Sozialdemokratie, welche mit den demokratischen b\u00fcrgerlichen Parteien die Regierungsgewalt geteilt hatte, mu\u00dfte sich entscheiden, ob sie in einen festen Block mit den Vertretern der Schwerindustrie und des reaktion\u00e4ren Milit\u00e4rs gehen werde, was sie auch dann tats\u00e4chlich durchf\u00fchrte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. hatte und hat noch die Aufgabe, die Zeit der internationalen Verwicklung, die durch die Ruhrkrise entstanden ist, der inneren unerh\u00f6rt schweren Krise des deutschen Kapitalismus und der sich vollziehenden Liquidation der Ruhrkrise auszun\u00fctzen zum Sturze der Bourgeoisie und zur Errichtung der proletarischen Diktatur.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu diesem Zweck sollte die Partei das Industrieproletariat zum Kampf gegen die deutsche Schwerindustrie und gegen den franz\u00f6sischen Imperialismus mobilisieren, gleichzeitig aber die st\u00e4dtische und l\u00e4ndlichen Mittelschichten mindestens neutralisieren, nach M\u00f6glichkeit aber unter ihre F\u00fchrung ziehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die erste Aufgabe konnte nur gel\u00f6st werden, wenn es gelang, die Massen des Proletariats in ihrer Mehrheit aus der Einflu\u00dfsph\u00e4re der Sozialdemokratie jeglicher Schattierung zu befreien und so zu organisieren, da\u00df sie zum Kampf auf die Stellungen des Kapitalismus bereit waren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese Aufgabe wurde nur ungen\u00fcgend gel\u00f6st. Die Ursachen werden unten besonders er\u00f6rtert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die zweite Aufgabe bedeutete im wesentlichen die Zerst\u00f6rung des faschistischen Einflusses, Umbiegung der nationalistischen Stimmungen in den Willen, den Kampf gegen die deutschen Gro\u00dfkapitalisten und gegen den franz\u00f6sischen Imperialismus im Bunde mit dem Proletariat zu f\u00fchren. Diese Aufgabe wurde von der K.P.D. mit Erfolg in Angriff genommen, wie am besten der Antifaschistentag am 29.&nbsp;Juli 1923 zeigte. Breite Schichten der kleinb\u00fcrgerlichen Bev\u00f6lkerung sympathisierten damals bereits mit der K.P.D., der es gelungen war, die Heuchelei der &quot;sozialen&quot; Propaganda der Faschisten, ihre objektive Rolle als Helfer der die Nation verratenden Gro\u00dfbourgeoisie und die Gemeinsamkeit der Interessen von Proletariat und Kleinb\u00fcrgertum in ziemlich hohem Grade diesen Schichten klarzumachen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Zersetzung im Lager der Bourgeoisie wuchs w\u00e4hrend jeder Woche. Das Vertrauen zur K.P.D. wuchs ebenfalls. Es galt, dieses Vertrauen zu organisieren und alle Kr\u00e4fte zum entscheidenden Schlag vorzubereiten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. wie die Exekutive der Komintern kamen in Beratungen mit den Vertretern der f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Parteien im September zu dem Ergebnis, da\u00df die revolution\u00e4re Situation in Deutschland derart herangereift sei, da\u00df der Entscheidungskampf nur eine Frage von wenigen Wochen sei.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Von diesem Zeitpunkte ab mobilisierte die Partei alle ihr zu Gebote stehenden .Kr\u00e4fte und r\u00fcstete mit allen Mitteln zum Entscheidungskampf. Die Partei hat fieberhaft gearbeitet, um ihr letztes Mitglied zu anvisieren und f\u00fcr die Anforderungen des Kampfes zu wappnen. Um das gesamte Proletariat in die revolution\u00e4re Kampffront einzureihen, hat die Partei \u00fcberall die Bildung lokaler Aktionsaussch\u00fcsse angeregt und unterst\u00fctzt. Eine intensive Arbeit wurde unter den Eisenbahnern, Elektrizit\u00e4t-, Staats- und Gemeindearbeitern geleistet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Exekutive der K.I. hat die gesamte Internationale, besonders aber die Sektionen der deutschen Nachbarl\u00e4nder und Sowjetru\u00dfland auf die nahende deutsche Revolution eingestellt und mit den einzelnen Sektionen ihre Aufgaben festgelegt.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>III.&nbsp;Der Oktoberr\u00fcckzug und seine Ursachen<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. war im Oktober trotz aller Schw\u00e4chen bewu\u00dft auf den revolution\u00e4ren Machtkampf eingestellt. Wenn es trotz der revolution\u00e4ren Situation und trotz der Anstrengungen der K.I. und der K.P.D. weder zum revolution\u00e4ren Entscheidungskampfe, noch zu politischen Massenk\u00e4mpfen kam, so infolge einer Summe von Fehlern und M\u00e4ngeln, die teilweise opportunistische Abweichungen enthielten.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>M\u00e4ngel in der Einsch\u00e4tzung der revolution\u00e4ren Entwicklung<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Reife der revolution\u00e4ren Situation in Deutschland wurde von der Partei zu sp\u00e4t erkannt. Auch die Exekutive der K.I. hat nicht energisch genug auf die herannahende Entscheidung aufmerksam gemacht, so da\u00df die wichtigsten Kampfma\u00dfnahmen versp\u00e4tet in Angriff genommen wurden. Schon mit Ablauf der vorigen Periode (Cuno-Regierung, Ruhreinmarsch) h\u00e4tte die Machtfrage aufgerollt und die technische Vorbereitungsarbeit begonnen werden m\u00fcssen. Die Partei hat nicht rechtzeitig die Bedeutung der Massenk\u00e4mpfe im Ruhrgebiet und in Oberschlesien als Zeichen des gest\u00e4rkten Kraftbewu\u00dftseins und der wachsenden politischen Aktivit\u00e4t der Arbeitermassen erkannt und erst nach dem Cuno-Streik die notwendige Umstellung begonnen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Taktische Fehler<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Aufgabe, die zahlreichen Einzelaktionen von Juni bis September zu steigern, zu verbreitern und auf politische Losungen zuzuspitzen, wurde nicht erf\u00fcllt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nach dem Cuno-Streik wurde der Fehler gemacht, elementare Bewegungen bis zum Entscheidungskampfe verschieben zu wollen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Einer der schwersten Fehler war es, da\u00df die instinktive Rebellion der Massen nicht durch Einstellung auf politische Ziele systematisch in bewu\u00dft revolution\u00e4ren Kampfeswillen verwandelt wurde.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei vers\u00e4umte es, energische, lebendige Agitation f\u00fcr die Aufgaben der politischen Arbeiterr\u00e4te durchzuf\u00fchren, \u00dcbergangsforderungen und Teilk\u00e4mpfe aufs engste mit dem Endziel, der Diktatur des Proletariats, zu verbinden. Die Vernachl\u00e4ssigung der Betriebsr\u00e4tebewegung machte es auch unm\u00f6glich, die Betriebsr\u00e4te zeitweilig die Rolle der Arbeiterr\u00e4te \u00fcbernehmen zu lassen, so da\u00df es in den entscheidenden Tagen an einem autoritativen Zentrum fehlte, um das sich die schwankenden Arbeitermassen h\u00e4tten sammeln k\u00f6nnen, die dem Einflu\u00df der S.P.D. entzogen worden waren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da auch andere Einheitsfrontorgane (Aktionsaussch\u00fcsse, Kontrollausschusse, Kampfkomitees) nicht planm\u00e4\u00dfig ausgenutzt wurden, um den Kampf politisch vorzubereiten, so wurde der Kampf fast nur als Parteisache und nicht als einheitlicher Kampf des Proletariats aufgefa\u00dft.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Politisch-organisatorische Schw\u00e4chen und M\u00e4ngel<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei hat nur sehr wenig die F\u00e4higkeit entwickelt, ihren wachsenden Einflu\u00df in den Massenorganisationen des Proletariats organisatorisch zu festigen. Sie verstand es noch weniger, ihre Kr\u00e4fte konzentriert f\u00fcr eine l\u00e4ngere Periode auf eine Kampfaufgabe zu richten. Die technischen Vorbereitungen, die Einstellung des Organisationsapparates auf den Machtkampf, die Bewaffnung und die innere Festigkeit der Hundertschaften waren minimal. Die viel zu kurzfristige und \u00fcberhitzte technische Vorbereitung brachte praktisch fast nichts, sie stellte zwar im technischen Sinne die Parteimitgliedschaft auf die Aktion ein, aber die gro\u00dfen proletarischen Massen noch nicht.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Fehler in der Einsch\u00e4tzung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die \u00dcberhitzung in den technischen Vorbereitungen w\u00e4hrend der entscheidenden Wochen, die Einstellung auf die Aktion als Parteikampf und nur auf den &quot;entscheidenden&quot; Schlag ohne vorherige anwachsende Teilk\u00e4mpfe und Massenbewegungen verhinderten die Pr\u00fcfung des wirklichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses und machten eine zweckm\u00e4\u00dfige Terminsetzung unm\u00f6glich. Damit wurde auch die Feststellung, ob die Mehrheit der Arbeiterklasse an den entscheidenden Punkten der F\u00fchrung der K.P.D. folgte, zu einer ganz unrealen und unsicheren Berechnung. Tats\u00e4chlich lie\u00df sich nur feststellen, da\u00df die Partei auf dem Wege war, die Mehrheit f\u00fcr sich zu erobern, ohne schon die F\u00fchrung \u00fcber sie zu besitzen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Untersch\u00e4tzung der Kr\u00e4fte der Konterrevolution bestand besonders darin, da\u00df die Partei die St\u00e4rke der Sozialdemokratie als hemmender Kraft im Proletariat untersch\u00e4tzte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei hat auch den Charakter und die Rolle der linken S.P.D.-F\u00fchrer verkannt und selbst in ihren Reihen die Illusion aufkommen lassen, als ob wir durch entsprechenden Massendruck diese F\u00fchrer zwingen k\u00f6nnten, gemeinsam mit uns zum Kampfe aufzurufen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Die falsche politisch-strategische Orientierung auf Sachsen<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die starre Einstellung&nbsp;: Nur aus der Verteidigung der mitteldeutschen Positionen zum entscheidenden Kampfe \u00fcberzugehen, war falsch. Sie f\u00fchrte zur Vernachl\u00e4ssigung anderer wichtiger Industries und Kampfgebiete und brachte nach dem kampflosen Aufgeben der s\u00e4chsischen Position eine starke Desorientierung. Es war ein verh\u00e4ngnisvoller Fehler, da\u00df die Partei alles so restlos auf die s\u00e4chsische Karte setzte, da\u00df sie f\u00fcr den Fall des Mi\u00dflingens weder eine R\u00fcckzugslinie vorgesehen und sich zu sichern versucht h\u00e4tte, noch \u00fcber irgendeinen anderen Aufmarschplan verf\u00fcgte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Infolge all dieser Fehler und M\u00e4ngel der Partei und der Schw\u00e4che der Arbeiterklasse ergab sich im letzten Augenblick das Ausweichen vor dem entscheidenden Machtkampf. W\u00e4hrend in Bulgarien, wo die Partei noch keine bewaffneten K\u00e4mpfe durchgemacht hatte, die Niederlage noch zur Grundlage k\u00fcnftiger Siege werden kann, befinden wir uns in Deutschland nach den Niederlagen 1919 und der M\u00e4rzniederl\u00e4ge 1921 bereits in der Situation, wo die Kommunisten es im Kampfe verstehen m\u00fcssen, die Masse zum Siege zu f\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ein gro\u00dfer Fehler war es auf jeden Fall, da\u00df die Partei, es nicht verstand, sich sofort auf Teilk\u00e4mpfe umzustellen, da\u00df sie trotz teilweiser Vorbereitungen v\u00f6llig kampflos vor dem Einmarsch der Reichswehr, der Verh\u00e4ngung des Reichsbelagerungszustandes und der Unterdr\u00fcckung der Partei zur\u00fcckgewichen ist.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>IV.&nbsp;Das s\u00e4chsische Experiment und die Hamburger K\u00e4mpfe<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Zuspitzung der Klassengegens\u00e4tze in Deutschland, die Versch\u00e4rfung der Wirtschaftskrise, die Einstellung der Partei auf entscheidende K\u00e4mpfe veranla\u00dften im Oktober die Exekutive der K.I. und die K.P.D., das Experiment des Eintritts von Kommunisten in die s\u00e4chsische Regierung zu unternehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Sinn des Regierungseintritts in Sachsen war nach der Auffassung der Exekutive eine spezielle milit\u00e4rische und politische Aufgabe, welche in einer Instruktion wie folgt pr\u00e4zisiert wurde&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Da wir die Lage so einsch\u00e4tzen, da\u00df der entscheidende Moment nicht sp\u00e4ter als in vier, f\u00fcnf, sechs Wochen kommt, so halten wir es f\u00fcr notwendig, jede Position, die unmittelbar n\u00fctzen kann, sofort zu besetzen. Auf Grund der Lage glauben wir, bei gegebener Lage mu\u00df man die Frage unseres Eintretens in die s\u00e4chsische Regierung praktisch stellen. Unter der Bedingung, da\u00df die Zeigner-Leute bereit sind, Sachsen wirklich gegen Bayern und die Faschisten zu verteidigen, m\u00fcssen wir eintreten. Sofort Bewaffnung von&nbsp;50.000 bis&nbsp;60.000 wirklich durchf\u00fchren, den General M\u00fcller ignorieren. Dasselbe in Th\u00fcringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unter den urspr\u00fcnglich angenommenen Voraussetzungen h\u00e4tte dieser Regierungseintritt den Beschl\u00fcssen des 4.&nbsp;Kongresses entsprochen. Die Entfesselung revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe, das Zusammenschwei\u00dfen der Arbeitermassen, h\u00e4tte die Voraussetzung des Eintritts in die s\u00e4chsische Regierung sein m\u00fcssen&nbsp;: Der Regierungseintritt h\u00e4tte sich auf Massenbewegungen st\u00fctzen m\u00fcssen. Wenn auch die direkte milit\u00e4rische Aufgabe verschoben werden mu\u00dfte, weil das Tempo des revolution\u00e4ren Prozesses sich verlangsamte, so konnten und mu\u00dften auch in diesem Falle die Kommunisten eine wirkliche revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t entfalten, wobei sich jedoch ein bedenkliches Versagen zeigte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie waren vor allem verpflichtet, die Frage der Bewaffnung der Arbeiter brutal zu stellen; schon in den ersten Stunden ihrer Beteiligung an der Arbeiterregierung durften die Kommunisten kein anderes Grundthema kennen, als die Frage der Bewaffnung des Proletariats.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Sie waren au\u00dferdem verpflichtet, ihr proletarisches Rettungsprogramm vor den Massen, wie auch die Propaganda f\u00fcr die politischen Arbeiterr\u00e4te mit aller Kraft zu entwickeln, um dieses Mittel der Sabotage der linkssozialistischen Minister entgegenzustellen. Sie waren auch verpflichtet, im Parlament und vor den Betriebsr\u00e4ten auf die sofortige Ergreifung revolution\u00e4rer Ma\u00dfnahmen hinzuwirken, wie auf die Konfiskation der Betriebe von Fabrikanten, welche zur Sabotage der Produktion griffen, auf die Requisition der Wohnungen reicher Familien f\u00fcr wohnungslose Arbeiter und ihre Kinder.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gleichfalls waren die Kommunisten verpflichtet, schon von der ersten Stunde ihrer Regierungsbeteiligung an das doppelz\u00fcngige Verhalten Zeigners, seine hinterh\u00e4ltigen Verhandlungen mit den Milit\u00e4rdiktatoren, wie die ganze konterrevolution\u00e4re Rolle der linken S.P.D.-F\u00fchrer vor den breitesten Massen zu brandmarken.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Infolge dieser Unterlassungen, und da die Partei es nicht verstand, die Massen zu mobilisieren, wurde das s\u00e4chsische Experiment zu keiner Kampfetappe&nbsp;: anstelle revolution\u00e4rer Strategie ergab sich eine unrevolution\u00e4re, parlamentarische Kooperation mit den &quot;linken&quot; Sozialdemokraten. Die besondere Berufung der kommunistischen Minister auf ihre Verantwortlichkeit nur dem Landtag und der Verfassung gegen\u00fcber konnte nicht geeignet sein, demokratische Illusionen zu zerst\u00f6ren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nur durch angespannte revolution\u00e4re Arbeit der gesamten Parteiorgane h\u00e4tte die Chemnitzer Konferenz zu einem Erfolg f\u00fcr die Partei werden k\u00f6nnen. Die Partei lie\u00df sich durch den Sto\u00df des Gegners, die vorausgesehene Reichsexekutive, faktisch \u00fcberraschen. Ein umso gr\u00f6\u00dferer Fehler war es, da\u00df, obgleich der Generalstreik vorgeschlagen werden sollte, gar nicht versucht wurde, die Konferenz von ihrer Er\u00f6ffnung an ausschlie\u00dflich auf die Abwehr gegen die Reichsexekutive umzustellen. Das waren Fehler, die das verr\u00e4terische Spiel der linken S.P.D.-F\u00fchrer zweifellos erleichtert haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Einen Gegenpol zu Sachsen bildet der Hamburger Aufstand. Hier zeigte es sich, da\u00df bei \u00fcberraschendem, k\u00fchnem Einsetzen entschlossener Kampfgruppen der Gegner milit\u00e4risch im Angriff \u00fcberrumpelt wurde. Aber es zeigte sich gleichzeitig, da\u00df ein solcher bewaffneter Kampf, selbst wenn er, wie in Hamburg von der Bev\u00f6lkerung nicht ohne Sympathie aufgenommen wird und von einer Massenbewegung gest\u00fctzt wird, zum Scheitern verurteilt ist, wenn er isoliert bleibt und am Orte selbst nicht von einer R\u00e4tebewegung, deren Fehlen in Hamburg besonders empfunden wurde, getragen ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Kampf selbst wurde durch einander widersprechende Befehle aus dem Zentrum im Reich gest\u00f6rt, und selbst die vorhandenen Streikbewegungen erlitten unter dem Ausbleiben von Kampfnachrichten aus dem Reich und durch das Eintreffen der Nachrichten vom Ausgang der Chemnitzer Konferenz Abbruch.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Trotzdem konnte der Hamburger Kampf mit musterhafter Disziplin abgebrochen werden. Seine Lehren sind wertvoll f\u00fcr Partei und Komintern. Besonders anzumerken ist das schuftige verhalten der Hamburger S.P.D.-F\u00fchrer, die die Milit\u00e4raktion gegen die Aufst\u00e4ndischen unterst\u00fctzten. Ihr Verhalten ist die Kehrseite der Medaille, deren Vorderseite das Verhalten Zeigners und seiner &quot;Linken&quot; in Sachsen ziert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das s\u00e4chsische Experiment hat erheblich die &quot;linken&quot; Sozialdemokraten diskreditiert; es hat gezeigt, da\u00df sie in Wirklichkeit Knechte der Konterrevolution sind. Der Hamburger Aufstand hat das Kraftbewu\u00dftsein des deutschen Proletariats sehr gest\u00e4rkt und der Sozialdemokratie selbst einen schweren Schlag versetzt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. mu\u00df diejenigen Fehler, welche w\u00e4hrend des s\u00e4chsischen Experiments und in Verbindung mit dem Hamburger Kampf gemacht wurden, klar erkennen. Ohne das ist eine richtige Taktik der Parteien Zukunft unm\u00f6glich.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>V.&nbsp;Die Rolle der Sozialdemokratie und die Wendung der Taktik der Einheitsfront in Deutschland<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die leitenden Schichten der deutschen Sozialdemokratie sind im gegenw\u00e4rtigen Moment nichts anderes als eine Fraktion des deutschen Faschismus unter sozialistischer Maske. Sie haben die Staatsgewalt an die Vertreter der kapitalistischen Diktatur \u00fcbergeben, um den Kapitalismus vor der proletarischen Revolution zu\u00a0 retten. Der Innenminister Sollmann f\u00fchrte den Belagerungszustand ein, der Justizminister Radbruch stellte die &quot;demokratische&quot; Justiz auf Sonderjustiz gegen das revolution\u00e4re Proletariat um. Der Reichspr\u00e4sident Ebert \u00fcbergab auch formell die Regierungsgewalt an Seeckt, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion deckte all diese Handlungen, sie stimmte den Erm\u00e4chtigungsgesetzen zu, welche die Verfassung aufhoben und die Gewalt den wei\u00dfen Gener\u00e4len \u00fcbergaben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die ganze internationale Sozialdemokratie w\u00e4chst sich allm\u00e4hlich zu einem offiziellen Waffengange der kapitalistischen Diktatur aus. Die Turati und Modigliani in Italien, die Sakusow in Bulgarien, die Pilsudski in Polen und die S.P.D.-F\u00fchrer vom Schlage Severings in Deutschland sind direkte Teilnehmer an der Regierungsgewalt der kapitalistischen Diktatur.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>F\u00fcnf Jahre lang haben die deutschen Sozialdemokraten aller Schattierungen den allm\u00e4hlichen Abstieg ins Lager der Konterrevolution betrieben. Jetzt ist dieser Proze\u00df seiner Vollendung nahe. Der gesetzm\u00e4\u00dfige Nachfolger der &quot;revolution\u00e4ren&quot; Regierung Scheidemann-Haase ist der Faschistengeneral Seeckt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es gibt zwar auch Unterschiede im Lager der kapitalistischen Diktatur, es k\u00f6nnen sogar Differenzen von solcher Bedeutung vorkommen, da\u00df wir sie in unserem Klassenkampf ausn\u00fctzen k\u00f6nnen. Zwischen Ebert, Seeckt und Ludendorff gibt es Schattierungen. Aber \u00fcber den Schattierungen im Lager der Feinde d\u00fcrfen die deutschen Kommunisten nie vergessen, da\u00df die Hauptsache ist, der Arbeiterklasse zum klaren Bewu\u00dftsein zu bringen, was das Wesen der Sache ist&nbsp;: da\u00df im Kampf zwischen Kapital und Arbeit die F\u00fchrer der S.P.D. mit dem wei\u00dfen General auf Leben und Tod vereinigt sind.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese F\u00fchrer der deutschen Sozialdemokratie sind nicht erst heute auf die Seite des Kapitals \u00fcbergegangen. Im Grunde genommen standen sie immer bei den Klassenfeinden des Proletariats. Erst jetzt ist das vor den Massen kra\u00df zutage getreten, nachdem sie den \u00dcbergang von der kapitalistischen Demokratie zur kapitalistischen Diktatur vollzogen haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieser Umstand veranla\u00dft uns jetzt, die Taktik der Einheitsfront in Deutschland einer Modifikation zu unterziehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mit den Soldknechten der wei\u00dfen Diktatur gibt es kein Verhandeln! Das ist es, was jetzt alle Kommunisten in Deutschland klar erkennen und mit wuchtiger Sprache laut vor dem gesamten deutschen Proletariat verk\u00fcnden m\u00fcssen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber noch gef\u00e4hrlicher als die rechten sind die linken S.P.D.-F\u00fchrer, diese letzte Illusion der betrogenen Arbeiter, diese letzten Feigenbl\u00e4tter f\u00fcr die schmutzige konterrevolution\u00e4re Politik der Severing, Noske und Ebert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. lehnt nicht nur jede Verhandlung mit der Zentrale der S.P.D. ab, sondern auch mit den &quot;linken&quot; F\u00fchrern, bis diese Helden nicht wenigstens so viel Mannhaftigkeit finden werden, um offen mit der konterrevolution\u00e4ren Bande, welche in dem Parteivorstand der S.P.D. sitzt, zu brechen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Wendung in der Einheitsfronttaktik in Deutschland hei\u00dft jetzt&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Einheit von unten! Schon in den ersten Thesen der Exekutive der K.I. vom Dezember 1921 hie\u00df es<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[13]<\/span><\/span><\/span><\/a>&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Als Gegengewicht zum diplomatischen Spiel der menschewistischen F\u00fchrer stellten die russischen Bolschewisten die Losung der Einheit von unten in den Vordergrund, d.&nbsp;h. der Einheit der Arbeitermassen selbst im praktischen Kampf f\u00fcr die revolution\u00e4ren Forderungen der Arbeiter gegen die Kapitalisten. Die Praxis hat gezeigt, da\u00df das die einzig richtige Antwort war, und als Ergebnis dieser Taktik, welche von den Umst\u00e4nden abh\u00e4ngigen, von Ort und Zeit abh\u00e4ngigen \u00c4nderungen unterworfen war, wurde auch ein ungeheurer Teil der besten menschewistischen Arbeiter allm\u00e4hlich f\u00fcr die Kommunisten erobert.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die K.P.D. mu\u00df es verstehen, die Losung der Einheitsfront von unten durchzusetzen. Unter den Arbeitern, die noch der S.P.D. angeh\u00f6ren, g\u00e4rt es wie noch nie. Sie sehen den Bankrott ihrer F\u00fchrer und suchen neue Wege. Wir haben deshalb keinen Anla\u00df, lokale Unterhandlungen und Vereinbarungen mit den S.P.D.-Arbeitern abzulehnen, wo vor uns ehrliche Proletarier stehen, welche bereit sind, ihre Hingebung an die Revolution zu beweisen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Einheitsfrontorgane, die Betriebsr\u00e4te, Kontroll- und Aktionsaussch\u00fcsse m\u00fcssen so ineinander greifen und zu einem dichten Netze verwoben werden, da\u00df sie schlie\u00dflich zum zentral geleiteten Tr\u00e4ger des Apparates des Machtkampfes des Proletariats werden.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>VI.&nbsp;Unmittelbare Aufgaben der Partei<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Grundeinsch\u00e4tzung der Lage in Deutschland, welche im September von der Exekutive der Komintern gegeben ist, bleibt im wesentlichen bestehen. Der Charakter der eingeleiteten Kampfphase, sowie die Hauptaufgabe der Partei bleiben dieselben. Die K.P.D. darf die Frage des Aufstandes und der Machteroberung nicht von der Tagesordnung streichen. Diese Frage mu\u00df vor uns in ihrer ganzen Leibhaftigkeit und Dringlichkeit stehen. Wie gro\u00df auch die Teilsiege der deutschen Gegenrevolution sein m\u00f6gen, sie l\u00f6sen keines der Krisenprobleme des kapitalistischen Deutschlands.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Darum ergibt sich in Verbindung mit den in den letzten Monaten gesammelten Erfahrungen f\u00fcr die K.P.D. eine Anzahl unmittelbarer Aufgaben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei mu\u00df die K\u00e4mpfe des Proletariats gegen den Abbau des Achtstundentags und der Arbeiterrechte organisieren. Die Partei mu\u00df die Erwerbslosenbewegung organisatorisch und politisch mit der Bewegung der Arbeitenden verbinden und die gro\u00dfe Gefahr abwenden, da\u00df die Arbeiterklasse gespalten wird in hungernde Erwerbslose und Arbeitende, die noch ein St\u00fcckchen Brot haben. Die Partei wird diese Arbeit am besten leisten k\u00f6nnen, wenn sie die kommenden Wirtschaftsk\u00e4mpfe von vornherein so vorbereitet, da\u00df sie nicht nur gegen den Lohnabbau gef\u00fchrt werden, sondern politische Ziele erhalten. Unter der Losung&nbsp;: &quot;Arbeit f\u00fcr die Arbeitslosen!&quot;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Agitation der Partei mu\u00df den breitesten Massen zum Bewu\u00dftsein bringen, da\u00df nur die Diktatur des Proletariats den breiten Massen Rettung schaffen kann. Diese Aufgabe mu\u00df verbunden werden mit dem Ziel der politischen Vernichtung der Sozialdemokratischen Partei, und das erfordert die Organisation der Einheitsfrontorgane und eine klare Zielsetzung in allen Teilk\u00e4mpfen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Partei mu\u00df \u00fcber das Industrieproletariat hinaus das Landproletariat, die Angestellten und Beamten, die Kleinbauern, den proletarischen st\u00e4dtischen Mittelstand zu erfassen und zu Verb\u00fcndeten der Arbeiterklasse unter der Hegemonie der revolution\u00e4ren Arbeiter zu machen suchen. Das wird geschehen durch klare eindeutige Agitation, durch die Propagierung des wirtschaftlichen Programms der K.P.D., durch die Bek\u00e4mpfung etwa noch vorhandener Reste einer pazifistischen westlichen Orientierung, durch Hinweis auf die nationale Rolle der deutschen Revolution und die Bedeutung eines B\u00fcndnisses der deutschen R\u00e4terepublik mit Sowjetru\u00dfland, so wie durch z\u00e4he Organisationsarbeit und Kontrollausschusse und \u00e4hnliche Organe der revolution\u00e4ren Bewegung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Mit der Agitation und Propaganda mu\u00df die innerparteiliche, wie die nach au\u00dfen greifende Organisationsarbeit Hand in Hand gehen. Die K.P.D. mu\u00df nicht nur eine gute Agitationspartei, sondern auch eine ebensolche Kampfpartei sein. Mit aller Hartn\u00e4ckigkeit mu\u00df die Bewaffnung der Arbeiter und die technische Vorbereitung der entscheidenden K\u00e4mpfe vor sich gehen. Die proletarischen Hundertschaften m\u00fcssen in der Wirklichkeit, nicht blo\u00df auf dem Papier, geschaffen und von den Sympathien breiter Arbeitermassen getragen werden, die wiederum nur erworben werden durch die aktive F\u00fchrung der K.P.D. in allen Tagesk\u00e4mpfen und Aktionen des Proletariats. Nur dann, wenn die Arbeitermassen in den Hundertschaften ihren Schutz bei den Demonstrationen und Streiks, bei allen Zusammenst\u00f6\u00dfen finden, werden die Hundertschaften von den Massen bei der Bewaffnung, Ausbildung und bei der Erkundung des Gegners mit vollem Herzen unterst\u00fctzt werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Voraussetzung f\u00fcr alle diese Aufgaben ist eine gr\u00fcndliche Verwertung aller bisherigen Erfahrungen durch die Partei. Hierher geh\u00f6rt das Ausrotten jeglicher Reste der demokratischen Illusionen in der Partei, wie auch der Vorstellung, als ob die S.P.D. oder ideologisch und organisatorisch festumrissene Gruppen dieser Partei als solche revolution\u00e4re K\u00e4mpfe f\u00fchren k\u00f6nnten. Es mu\u00df in die K\u00f6pfe der Mitglieder geh\u00e4mmert werden, da\u00df die K.P.D. vor dem Sieg der proletarischen Revolution die Partei des Aufstandes, die Partei der Zerst\u00f6rung des kapitalistischen Systems ist, und da\u00df in allen Teilk\u00e4mpfen ihre Arbeit nur dann revolution\u00e4r ist, wenn sie sich auf die Zerschlagung des Staatsapparates der Bourgeoisie richtet und das Ziel der Errichtung der proletarischen Diktatur jederzeit im Auge hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunistische Partei ist die einzige revolution\u00e4re Partei; sie ist stark genug, den Sieg der Massen des Proletariats gegen alle \u00fcbrigen Parteien vorzubereiten und zu erringen, das mu\u00df die feste \u00dcberzeugung jedes Parteigenossen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Um diese Einstellung der Partei zu erreichen, mu\u00df die K.P.D. die gemachten Erfahrungen in der ganzen Mitgliedschaft offen diskutieren. Die Partei mu\u00df es lernen, Diskussionen zu f\u00fchren, ohne ihre Aktionskraft zu schw\u00e4chen. Um ihre volle Aktionskraft zusammenzuschlie\u00dfen, soll sie es nicht vers\u00e4umen, trotz aller Schwierigkeiten, trotz der Illegalit\u00e4t alle Differenzfragen zu kl\u00e4ren und die Diskussion auf einem Parteitag abzuschlie\u00dfen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Aufrechterhaltung der Parteieinheit ist eine absolute Forderung der Kommunistischen Internationale. Die Exekutive der K.I. fordert auch die gesamte Mitgliedschaft der K.P.D. auf, alles aufzubieten, damit auf dem Parteitag die ganze Partei einheitlich und geschlossen die Fraktionsk\u00e4mpfe liquidiert und volle Aktionsf\u00e4higkeit erlangt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Exekutive der Komintern macht alle Mitglieder der K.P.D. und aller \u00fcbrigen Sektionen der Komintern auf die Riesenaufgaben der jetzigen revolution\u00e4ren Krise aufmerksam. Die Exekutive ist der festen \u00dcberzeugung, da\u00df die Erfahrungen der letzten Monate nicht vergeblich sind, und wenn sie ernsthaft beachtet und verwertet werden, den Sieg des Proletariats n\u00e4herr\u00fccken.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>VIII.<br> Zur Arbeit der Partei in der Gewerkschaftsbewegung<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Die Einheit der Gewerkschaftsbewegung<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunistische Partei Deutschlands, die sich die Befreiung der proletarischen Massen vom Einflu\u00df des Reformismus zur unmittelbaren Aufgabe stellt, k\u00e4mpft wie bisher mit aller Entschlossenheit gegen die Losung des Austritts aus den Gewerkschaften.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunisten, die \u00fcberall bleiben und arbeiten, wo proletarische Massen sich befinden, errichten und festigen jetzt mit noch gr\u00f6\u00dferer Energie und im Zusammenhang mit der Zersetzung in den Reihen der Sozialdemokratie wahrscheinlich mit noch gr\u00f6\u00dferem Erfolg in den Gewerkschaften ihre kommunistischen Fraktionen, die den Mittelpunkt der breiten Bewegung der revolution\u00e4ren Gewerkschaftsorganisation bilden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im gegenw\u00e4rtigen Moment, in dem die Partei sich in illegalen Verh\u00e4ltnissen befindet und gen\u00f6tigt ist, nach der Ausn\u00fctzung jeder legalen M\u00f6glichkeit zu streben, ist das besonders wichtig.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunisten sind wie bisher gegen die Spaltung und f\u00fchren den Kampf gegen die Spaltungspolitik der Sozialdemokraten auch dann, wenn sie von letzteren aus den Gewerkschaften ausgeschlossen werden. In der Periode der Kapitals-Offensive und des Anwachsens der Reaktion ist die Wahrung der Einheit der Gewerkschaftsbewegung besonders wichtig.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Zur Organisation der Ausgeschlossenen und anderer<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die aus den Gewerkschaften Ausgeschlossenen sowie die nicht organisierten Schichten der Arbeiterklasse, die den Gewerkschaften nicht angeh\u00f6ren, m\u00fcssen von den Kommunisten je nach den konkreten Verh\u00e4ltnissen jeder einzelnen Gewerkschaft zusammengefa\u00dft werden. Dabei ist es erforderlich, verschiedenartige und mannigfache Methoden (Betriebsr\u00e4te, Kontrollaussch\u00fcsse, Parallel-Gewerkschaften der Ausgeschlossenen, Union, allgemeine Arbeiteraussch\u00fcsse, Arbeitslosenaussch\u00fcsse usw.) anzuwenden zu verstehen, ohne sich durch irgendeine der Methoden und Oppositionsformen endg\u00fcltig die H\u00e4nde zu binden. Der gemeinsame Arbeitsausschu\u00df der Verb\u00e4nde der Ausgeschlossenen und der Union wird mit dem Reichsausschu\u00df der Betriebsr\u00e4te zu gemeinsamer Arbeit verbunden. Die Partei mu\u00df bei der gegebenen Lage besonders sorgf\u00e4ltig, energisch und planm\u00e4\u00dfig die Arbeit unter den unorganisierten und parteilosen Massen betreiben, um die von den Unternehmern, der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie gewollte Zerschlagung der Arbeiterklasse zu verhindern.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Die Einheitsfront von unten<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unter Ablehnung der Verhandlungen mit den f\u00fchrenden Spitzen der reformistischen Gewerkschaftsbewegung sowohl wie mit den F\u00fchrern der Sozialdemokratie, die faktisch Verb\u00fcndete der Bourgeoisie und des Faschismus sind, m\u00fcssen es die Kommunisten verstehen, in den Gewerkschaften die Einheitsfront von unten durchzuf\u00fchren durch den Zusammenschlu\u00df der breiten Massen des in den Gewerkschaften organisierten und noch nicht organisierten Proletariats auf dem Boden des Alltagskampfes und auch durch Hineinziehung derjenigen Schichten der Arbeiterklasse in diesen Kampf, die mit der Sozialdemokratie noch nicht gebrochen haben. Im Zusammenhang damit widersprechen die Verhandlungen und Vereinbarungen im Interesse des Kampfes seitens der Kommunisten mit den lokalen Massenorganisationen der Gewerkschaften (Ortsgruppen, Kartellen usw.) nicht nur nicht der Taktik der Einheitsfront von unten, sondern bildeten im Gegenteil eine wichtige Waffe gegen die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie und die Reformisten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In jenen F\u00e4llen, in denen die Kommunisten in den Mitgliedschaften und Betrieben gemeinschaftlich mit sozialdemokratischen Arbeitern auftreten, mu\u00df die Aufgabe der Kommunisten neben einer Koordinierung ihrer praktischen T\u00e4tigkeit die Hervorkehrung ihrer prinzipiellen Haltung, eine schonungslose Kritik der Fehler, der Unentschlossenheit, der Halbheit und der Inkonsequenz in den Forderungen der Sozialdemokraten sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunistische Partei mu\u00df dabei den Arbeitern offen und klar auseinandersetzen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;Da\u00df die Krisis, die die Gewerkschaften durchmachen, der ganzen Geschichte der reformistischen Gewerkschaftsverb\u00e4nde, ihrer Taktik und Politik des Burgfriedens entspringt;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2.&nbsp;da\u00df aus der gegebenen \u00f6konomischen Lage die Arbeiterklasse nicht durch die gew\u00f6hnlichen Ma\u00dfnahmen gewerkschaftlichen Kampfes, sondern lediglich durch den Sturz der Macht der Kapitalisten durch die Diktatur des Proletariats, herauszukommen vermag.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunistische Partei darf eine Ausnutzung irgendwelcher Arbeitermassen\u00adorganisationen, besonders antireformistischer im Kampfe gegen die Reformisten nicht ablehnen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Bedeutung der Weimarer Konferenz zu betrachten, wo es auf dem Boden eines bestimmten Aktionsprogramms gegen die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie gelungen ist, nicht unbedeutende Schichten antireformistischer Elemente zusammenzuschlie\u00dfen, wie das auch in den Verb\u00e4nden der Ausgeschlossenen, der Union u.&nbsp;a. der Fall war.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Zur Losung &quot;Rettet die Gewerkschaften&quot;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Losung &quot;Rettet die Gewerkschaften&quot;, wie sie bis jetzt oft ausgelegt wurde, ist unrichtig. Die Gewerkschaften k\u00f6nnen auf dem alten Weg nicht gerettet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine gr\u00fcndliche Umwandlung der Gewerksch\u00e4ften durch die Betriebsr\u00e4te mit dem Ziele der Industrie-Organisation und der Abl\u00f6sung des Reformismus durch einen revolution\u00e4ren Inhalt ihrer T\u00e4tigkeit notwendig.<\/span><\/p> <h4 style='text-align:justify'><span lang=DE>Die Rolle der Betriebsr\u00e4te<\/span><\/h4> <p class=Texte><span lang=DE>Die Hauptaufgabe ist infolgedessen die Konzentration aller Kr\u00e4fte der Kommunisten auf die Arbeit in den Betrieben und den Betriebsr\u00e4ten zu dem Zwecke, die Betriebsr\u00e4te zu Ausgangs- und St\u00fctzpunkten der ganzen Arbeit der Partei in den Massen insbesondere gegen die reformistischen Gewerkschaftsf\u00fchrer zu machen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Den Betriebsr\u00e4ten f\u00e4llt weiter die wichtige Aufgabe zu, in den sich h\u00e4ufenden elementaren K\u00e4mpfen die organisierten Gewerkschaftsmassen mit den nichtorganisierten zu verbinden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im Zusammenhang damit m\u00fcssen die Betriebsr\u00e4te Industriegruppenweise in lokalem, bezirksweisem und allgemeinem Ma\u00dfstabe als die Voraussetzung und Basis der k\u00fcnftigen Produktionsorganisation organisatorisch untereinander verbunden sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dabei ist im gegebenen Moment die Unterstellung der Betriebsr\u00e4te unter die reformistischen Gewerkschaften in der einen oder anderen Form als sch\u00e4dlich zu bek\u00e4mpfen.<\/span><\/p> <h4 style='text-align:justify'><span lang=DE>Zum \u00f6konomischen Kampf<\/span><\/h4> <p class=Texte><span lang=DE>Die aus der bestehenden Lage (der ung\u00fcnstigen \u00f6konomischen Konjunktur, dem Produktionsabbau, dem Bankrott der reformistischen Gewerkschaften usw.) mit Naturnotwendigkeit entstehende Dezentralisation, die elementare Entstehung von Streiks der Arbeiter (gegen die Gewerkschaftsverb\u00e4nde und ohne die finanzielle Unterst\u00fctzung von ihrer Seite) stellt die Kommunisten vor die Aufgabe der F\u00fchrung dieser Streiks.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Jede konkrete Frage des \u00f6konomischen Kampfes und der Gewerkschaftstaktik m\u00fcssen die Kommunisten mit den allgemeinen historischen Aufgaben der Arbeiterklasse, mit der Notwendigkeit des Kampfes um die Diktatur des Proletariats verbinden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunisten m\u00fcssen den lebhaftesten Anteil an der Organisation der Streikleitungen und der Aktionsaussch\u00fcsse nehmen und sie mit den Betriebsr\u00e4ten verbinden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dabei darf aber die gesamte Schwere des \u00f6konomischen Kampfes nicht ausschlie\u00dflich auf die Schultern der Betriebsr\u00e4te abgew\u00e4lzt und gelegt werden, in Anbetracht dessen, da\u00df die Betriebsr\u00e4te die Grundlage der allgemeinen Umgruppierung der Kr\u00e4fte der Arbeiterklasse in ihrem Kampfe darstellen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Betriebsr\u00e4te m\u00fcssen die Gewerkschaften f\u00fcr die fortschreitende Verelendung der Arbeiterschaft anklagen und verantwortlich machen.<\/span><\/p> <h4 style='text-align:justify'><span lang=DE>Zur allgemeinen Taktik in den Gewerkschaften<\/span><\/h4> <p class=Texte><span lang=DE>Die Gewerkschaftstaktik und die Losungen in den Gewerkschaften werden von den Kommunisten lediglich auf der Grundlage der allgemeinen und konkreten Einsch\u00e4tzung der vor der Arbeiterklasse und der Partei stehenden Aufgaben sowie der am Kampfe beteiligten Kr\u00e4fte festgelegt.<\/span><\/p> <p class=MsoNormal style='margin-bottom:6.0pt;text-align:justify;text-indent: 14.2pt;line-height:15.0pt'><span lang=DE>gez. W.&nbsp;Kolarow.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>IX.<br> Resolution der Exekutive der K.I. \u00fcber die Organisation der Betriebszellen<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Organisation der Partei mu\u00df den Bedingungen und dem Zwecke ihrer T\u00e4tigkeit angepa\u00dft sein. Bei der reformistischen Politik der Sozialdemokratischen Partei, welche mit dem Stimmzettel Einflu\u00df auf den b\u00fcrgerlichen Staat auszu\u00fcben strebte, wurde v\u00f6llig naturgem\u00e4\u00df das Hauptaugenmerk auf die Organisation der W\u00e4hler gerichtet. Deshalb wurde die Organisation nach Wahlbezirken und nach Wohnbezirken aufgebaut.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Eine solche Organisationsstruktur ging von der Sozialdemokratie auch auf die K.P.D. hin\u00fcber. Aber das widerspricht nicht nur dem Endziele der K.P.D., sondern auch unmittelbar ihren Aufgaben. Das Endziel unserer Partei ist der Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie, die Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse, die Verwirklichung des Kommunismus. Die unmittelbaren Aufgaben sind die Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse durch aktive Beteiligung am t\u00e4glichen Kampfe der Arbeitermassen und die Leitung des Kampfes. Es kann nur bei engster Verbindung unserer Parteiorganisation mit den Arbeitermassen in den Betrieben erreicht werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Hiervon ausgehend, hat schon der 3.&nbsp;Weltkongre\u00df der K.I. beschlossen, da\u00df die Grundlage der K.P.D. die Betriebszellen sein sollen. Aber in der Mehrheit der Sektionen der K.I. ist das bisher noch nicht durchgef\u00fchrt; in vielen Sektionen wurde nicht einmal die Frage der Organisation der Zellen nach den Betrieben konkret gestellt. Die Erfahrung der deutschen Revolution (Ende 1923) hat jedoch einmal auf die anschaulichste Weise gezeigt, da\u00df beim Fehlen der Zellen, aufgebaut nach den Betrieben und im engsten Zusammenhang mit den Arbeitermassen, diese nicht in den Kampf hineingezogen und geleitet werden k\u00f6nnen, ihre Stimmungen nicht richtig eingesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen und der g\u00fcnstigste Moment f\u00fcr uns nicht ausgenutzt werden kann, so da\u00df auch der Sieg \u00fcber die Bourgeoisie nicht errungen werden kann.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Grundformen der \u00f6rtlichen Parteiorganisation<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;Die Grundlage der Parteiorganisation bilden die nach Betrieben aufgebauten Parteizellen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Alle Kommunisten, die in einem bestimmten Betrieb arbeiten, m\u00fcssen zur Betriebszelle dieses Betriebes geh\u00f6ren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Anmerkung&nbsp;: In Betrieben, wo ein bis zwei Parteimitglieder arbeiten, werden diese Mitglieder der n\u00e4chsten Betriebszelle angeschlossen, welche ihre Arbeit auf allen in der N\u00e4he liegenden Betrieben, in denen Zellen fehlen, f\u00fchren mu\u00df.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2.&nbsp;Die Kommunisten, welche nicht in Fabriken, Betrieben, Werkst\u00e4tten, Ladengesch\u00e4ften usw. arbeiten (Hausfrauen, Dienstboten, Hausknechte, Portiers usw.), bilden Zellen, welche nach Stra\u00dfen aufgebaut sind (nach den Wohnorten).<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Anmerkung&nbsp;: Alle Mitglieder von Betriebszellen, welche in anderen Stadtbezirken wohnen, m\u00fcssen in dem Distriktsb\u00fcro desjenigen Distriktes sich registrieren lassen, in dem sie wohnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Distriktsb\u00fcro schickt sie zur Verwendung der Stra\u00dfenzellen. Die Mitglieder von Zellen anderer Bezirke, welche vom Distriktsb\u00fcro in eine Stra\u00dfenzelle geschickt sind, haben in dieser keine beschlie\u00dfende Stimme in den Fragen, \u00fcber welche sie in den Betriebszellen abgestimmt haben (Prinzipielle Parteifragen, Wahlen von Parteidelegierten usw.).<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>3.&nbsp;Die Arbeitslosen bleiben Mitglieder der Zelle desjenigen Betriebes, in dem sie fr\u00fcher gearbeitet haben. Bei dauernder Arbeitslosigkeit k\u00f6nnen sie mit Erlaubnis der Bezirksleitung von dieser Zelle befreit und in einen Distrikt ihres Wohnbezirkes zur Anheftung an irgendwelche Zelle umgeleitet werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>4.&nbsp;In den kleinen Industriezentren, St\u00e4dten, D\u00f6rfern, wo die Arbeiter bei ihren Betrieben oder G\u00fctern wohnen, werden homogene Zellen nach M\u00f6glichkeit um den Betrieb, oder das Gut herum geschaffen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>5.&nbsp;Eine Betriebszelle wie auch eine Stra\u00dfenzelle w\u00e4hlt f\u00fcr sich ein B\u00fcro oder ein Pr\u00e4sidium aus&nbsp;3, h\u00f6chstens 5&nbsp;Mitgliedern. Die Wahl wird in der allgemeinen Zellenversammlung durchgef\u00fchrt. Das B\u00fcro oder Pr\u00e4sidium der Zelle verteilt die Arbeit unter sich. Abh\u00e4ngig von der Gr\u00f6\u00dfe der Zelle bestimmt das B\u00fcro oder Pr\u00e4sidium Genossen f\u00fcr die Verwaltung und Verbreitung der Literatur der Partei, f\u00fcr die Leitung der Propaganda, einen Genossen f\u00fcr die Gewerkschaft, einen Genossen f\u00fcr die Leitung der Arbeit der Fraktion im Betriebsrat, einen Genossen f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der Jugendzelle, einen zur Leitung der Arbeit unter den Frauen usw.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>6.&nbsp;Die Parteimitglieder, welche Mitglieder von Betriebszellen sind, zahlen dort ihre Mitgliedsbeitr\u00e4ge; die Parteimitglieder, welche an Stra\u00dfenzellen organisiert sind, zahlen dortselbst.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>7.&nbsp;In gro\u00dfen St\u00e4dten, wo es viele Betriebszellen und Stra\u00dfenzellen gibt, werden diese Distrikte vereinigt. Die Distrikte werden in Bezirke vereinigt. Alle Bezirke einer Gro\u00dfstadt bilden die Stadtorganisation. Die Bezirksleitung teilt die Distrikte ein, indem sie die letzteren nach M\u00f6glichkeit um die Gro\u00dfbetriebe herum bildet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In Mittelst\u00e4dten werden auch Distrikte gebildet, welche die Betriebszellen und die Stra\u00dfenzellen vereinigen. Diese Distrikte werden zur Stadtorganisation vereinigt. In kleinen St\u00e4dten und D\u00f6rfern werden die Zellen zur Ortsgruppe vereinigt. Die Organisation der Mittelst\u00e4dte und die Ortsgruppen der Kleinst\u00e4dte und D\u00f6rfer werden zu Kreisen oder Unterbezirken vereinigt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Anmerkung&nbsp;: Die Distrikte und Ortsgruppen halten gem\u00e4\u00df den \u00f6rtlichen M\u00f6glichkeiten und Notwendigkeiten regelm\u00e4\u00dfig Versammlungen aller Mitglieder der Betriebszellen und Stra\u00dfenzellen ihres Gebietes ab.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>8.&nbsp;An der Spitze eines Distrikts und einer Ortsgruppe steht ein B\u00fcro aus drei bis f\u00fcnf Mitgliedern, das von der allgemeinen Zellenmitgliederversammlung des gegebenen Distriktes oder der Ortsgruppe oder auf Delegiertenversammlungen, abh\u00e4ngig von den \u00f6rtlichen Bedingungen (z.&nbsp;B. von Illegalit\u00e4t) gew\u00e4hlt wird. Der Sekret\u00e4r des Distriktsb\u00fcros und der Ortsgruppe wird von der Bezirksleitung (der Kreisleitung) best\u00e4tigt. An der Spitze des Bezirkes und des Unterbezirkes (Kreises) stehen die Bezirksleitungen und Unterbezirksleitungen, welche in den Bezirks- und Kreiskonferenzen gew\u00e4hlt werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>9.&nbsp;In den Distrikts- und Ortsgruppendelegierten Versammlungen und auf den Bezirks- und Kreiskonferenzen m\u00fcssen die Zellen proportional ihrer Mitgliederst\u00e4rke vertreten sein, aber so, da\u00df die Mehrheit den Vertretern der Betriebszelle zukommt. Die Vertretungsform f\u00fcr jede Zelle mu\u00df die Bezirksleitung oder Kreisleitung festsetzen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In den Organisationen, wo eine gro\u00dfe Vertretung zu den Bezirks- oder Kreiskonferenzen infolge von Illegalit\u00e4t unm\u00f6glich ist, ist die Delegiertenwahl nicht unmittelbar in den Zellen, sondern in Distrikts- oder Ortsgruppendelegierten-Versammlungen zul\u00e4ssig.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>10.&nbsp;Die Leitungen der Stadtparteiorganisationen (in gro\u00dfen St\u00e4dten) werden auf den st\u00e4dtischen Konferenzen gew\u00e4hlt, welche aus Delegierten aller Bezirke stammen, die auf den Konferenzen der Bezirke proportional der Anzahl der Mitglieder des gegebenen Bezirkes gew\u00e4hlt werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>11.&nbsp;Zur Verst\u00e4rkung des Einflusses der Betriebszellen m\u00fcssen sowohl im Distriktsb\u00fcro wie in der Bezirksleitung mehr als die H\u00e4lfte der Mitglieder Betriebszellenangeh\u00f6rige sein. Den st\u00e4dtischen Leitungen mu\u00df ein Teil von Arbeitern aus den Betrieben zugef\u00fchrt werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>12.&nbsp;Unter illegalen Bedingungen haben die h\u00f6heren Parteiorgane in Ausnahmef\u00e4llen (bei Verhaftungen der Bezirksleitung usw.) das Recht der Einsetzung neuer Mitglieder der Bezirksleitung mit der Ma\u00dfgabe, da\u00df bei erster M\u00f6glichkeit eine Delegiertenversammlung oder Konferenz einberufen wird, welche die eingesetzte Leitung best\u00e4tigt oder eine neue w\u00e4hlt. Mitglieder der Leitung, welche der Verhaftung entgehen, haben das Recht der Kooptierung neuer Mitglieder in die Leitung bis zur Einberufung der Konferenz, falls die h\u00f6heren Parteiorgane damit einverstanden sind und das best\u00e4tigen. Die Anzahl der Mitglieder der Bezirksleitung mu\u00df in der Illegalit\u00e4t m\u00f6glichst klein sein.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Aufgaben der Betriebszellen<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Schwerpunkt der politischen Organisationsarbeit der Partei mu\u00df in die Betriebszellen verlegt werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Betriebszelle soll mit Hilfe der Leitung des Kampfes der Arbeitermassen f\u00fcr ihre Tagesn\u00f6te sie zum Kampfe um die Verwirklichung der proletarischen Diktatur f\u00fchren. Deshalb mu\u00df die Zelle rechtzeitig jede politische oder wirtschaftliche Frage, die die Arbeitermassen bewegt, besprechen und ihren Standpunkt feststellen und jeden im Betrieb entstehenden Konflikt durchberaten. Die Zelle mu\u00df den Arbeitern den Weg zur revolution\u00e4ren L\u00f6sung der Fragen weisen und als der bewu\u00dfteste und aktivste Teil der Arbeiterklasse die Kampfleiturig in ihre H\u00e4nde nehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Aufgaben der Betriebszellen sind au\u00dfer den allgemeinen Parteifragen folgende&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;Die kommunistische Agitation und Propaganda unter den parteilosen Arbeitermassen, systematische, individuelle Bearbeitung einzelner Arbeiter zu ihrer Heranziehung in die K.P., Verbreitung von politischer Literatur im Betrieb, Beleuchtung verschiedener im Betrieb wichtiger Fragen, sowie die Herausgabe einer besonderen Betriebszeitung, Kultur- und Aufkl\u00e4rungsarbeit unter den Arbeitern des Betriebes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2.&nbsp;Z\u00e4he und dauernde Arbeit zur Eroberung aller Funktion\u00e4rposten in den Betrieben (Gewerkschaften), Genossenschaften, Betriebsr\u00e4ten, Kontrollkommissionen usw.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>3.&nbsp;Die Einmischung der Zellen in alle \u00f6konomischen Konflikte und Forderungen der Arbeitermassen. Aufgabe der Zelle ist, die Bewegung zu erweitern und zu vertiefen, den Arbeitern die politischen Folgen des Kampfes aufzuweisen und sie auf den Pfad eines breiteren Kampfes (nicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des politischen) und zur Schaffung einer Arbeitereinheitsfront gegen Bourgeoisie und Faschismus zu bringen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>4.&nbsp;Die Zelle mu\u00df in Fabriken und Betrieben gegen die Anh\u00e4nger und Mitglieder der anderen Partei z\u00e4he k\u00e4mpfen, sowohl der sozialistischen wie der \u00fcbrigen &quot;Arbeiterparteien&quot; und hierbei das Material \u00fcber die T\u00e4tigkeit dieser Parteien ausn\u00fctzen, welches auch den r\u00fcckst\u00e4ndigen Schichten der Arbeiterklasse zug\u00e4nglich ist.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>5.&nbsp;Schaffung der Verbindung zwischen den Arbeitenden und den Arbeitslosen, um den Kampf zwischen ihnen zu verhindern.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>6.&nbsp;Wo die Bedingungen hierf\u00fcr reif sind, Kampf f\u00fcr die Arbeiterkontrolle der Produktion, der Banken, der G\u00fcter, der Transportmittel, Kampf f\u00fcr die Versorgung der Arbeiter mit Gegenst\u00e4nden des Lebensbedarfes.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>7.&nbsp;Einwirkung auf die Jugend und die Frauen im Betrieb und Hinzuziehung dieser in den Kampf; Hilfeleistungen bei der Schaffung von kommunistischen Jugendzellen im Betrieb und Unterst\u00fctzung solcher, wo sie existieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>8.&nbsp;Aktive Beteiligung jedes Zellenmitgliedes an jeder Parteiarbeit im Betriebe, die ihm vom B\u00fcro oder Pr\u00e4sidium der Zelle zugeteilt wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Au\u00dfer diesen speziellen Aufgaben in ihren Betrieben haben die Betriebszellen auch noch territoriale Aufgaben, denn die Arbeiter, welche in den Betrieben arbeiten, haben auch in ihren Wohnbezirken verschiedene N\u00f6te zu beseitigen und allerlei soziale Funktionen (Wohnungsfragen, Verpflegung, Gesundheitswesen, Schulfrage, Bildungs- und Aufkl\u00e4rungsfragen, Wahlen usw.) zu erf\u00fcllen. Die wichtigsten territorialen Aufgaben sind folgende&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;Politische und organisatorische Parteiarbeit im Wohnbezirk, Durchf\u00fchrung verschiedener Kampagnen (Wahlkampagnen, Kampf gegen Wohnungsnot und Teuerung). Kampf f\u00fcr die Sicherstellung der Familien der Arbeiter, der unteren Angestellten und mittleren Schichten hinsichtlich der lebensnotwendigen Produkte.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2.&nbsp;Verbreitung von Parteiliteratur, Anwerben neuer Leser und neuer Parteimitglieder, Agitation, Propaganda und Individualbearbeitung von Parteilosen, Kultur- und Bildungsarbeit im Distrikt (Klub usw.). Hinzuziehung von Sympathisierenden bei Demonstrationen und \u00fcberhaupt zum Kampf der Arbeiterklasse.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>3.&nbsp;Haus- und Wohnungsagitation im Distrikt. Nachrichtendienst \u00fcber Parteizugeh\u00f6rigkeit der Einwohner des Distrikts, \u00fcber die politische Arbeit, \u00fcber die T\u00e4tigkeit der Faschisten, Beobachtung von Warenlagern usw&#8230;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>4.&nbsp;Arbeit unter Frauen und Kindern.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese territorialen Aufgaben beziehen sich auch auf die Stra\u00dfenzellen. Ihre Arbeit mu\u00df unter unmittelbarer Leitung des Distriktsb\u00fcros stehen und mit der Arbeit der Betriebszellen in Einklang stehen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Durchf\u00fchrung der Organisation der Betriebszellen<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Infolge der Neuheit der Frage f\u00fcr viele Sektionen der K.I. und der Verschiedenheit der Bedingungen in den verschiedenen L\u00e4ndern schl\u00e4gt die Exekutive der K.I. vor, zun\u00e4chst allseitig diese Frage in der Presse und in den Parteiversammlungen zu beraten und erst dann zur Reorganisation der Partei auf der Grundlage der Betriebszellen zu schreiten. Zuerst mu\u00df man die Zellen in den gr\u00f6\u00dften Betrieben organisieren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Zellen darf man auf keinen Fall mit den kommunistischen Fraktionen in den Gewerkschaften, Genossenschaften usw. verwechseln. Die Zelle kann deren Funktionen nicht ersetzen. Die Funktionen der Fraktionen sind enger als die Funktionen der Zellen. Die Zelle, genauer das B\u00fcro oder das Pr\u00e4sidium der Zelle, mu\u00df auch die Arbeit der Betriebsfunktionen im Betriebe leiten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das E.K.K.I. wendet sich an alle Sektionen der K.I. mit der eindringlichen Bitte, uns genau \u00fcber den Gang der Diskussionen \u00fcber die hier von uns ber\u00fchrten Fragen und \u00fcber die Resultate der Organisation nach Betrieben zu informieren.<\/span><\/p> <p class=Intertitre4a><span lang=DE>Instruktion f\u00fcr die Organisation der Betriebszellen in Deutschland<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Betreffend die Instruktion f\u00fcr die Organisation der Betriebszellen in der Kommunistischen Partei Deutschlands wurde von dem Pr\u00e4sidium des E.K.K.I. folgende spezielle Instruktion angenommen&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1.&nbsp;Die Partei hat nach der von der Exekutive angenommenen Resolution \u00fcber die Organisation der Betriebszellen (siehe oben) die Reorganisierung so durchzuf\u00fchren, da\u00df die Betriebszellen die Grundlage der Parteiorganisationen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2.&nbsp;Die Mehrheit der Mitglieder in den Bezirks- und Distriktsleitungen mu\u00df aus Mitgliedern von Betriebszellen bestehen. Die Gro\u00dfst\u00e4dte werden in Bezirke geteilt. Die Parteileitungen der St\u00e4dte (Komitees) m\u00fcssen einen Teil ihrer Mitglieder den Arbeitern aus den Betrieben entnehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>3.&nbsp;Die Betriebszellen und die Stra\u00dfenzellen werden zu Distrikten vereinigt, die den Bezirkskomitees untergeordnet sind. Die Bezirkskomitees bilden die Distrikte nach M\u00f6glichkeit um die Gro\u00dfbetriebe herum.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>4.&nbsp;Die Stadtkomitees bzw. Bezirkskomitees sind verpflichtet, unverz\u00fcglich ein kalendarisches Programm f\u00fcr die Durchf\u00fchrung dieser Reorganisation an jedem einzelnen Orte auszuarbeiten und der Parteizentrale zur Best\u00e4tigung zu unterbreiten. Die Durchf\u00fchrung soll (unter der Leitung der Parteizentrale) im ganzen Reiche im Laufe von zwei Monaten beendet sein. Die Zentrale soll der Exekutive regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Durchf\u00fchrung Bericht erstatten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Demzufolge entf\u00e4llt f\u00fcr die Kommunistische Partei Deutschlands der letzte Absatz der Resolution &quot;Durchf\u00fchrung der Organisation der Betriebszellen&quot;.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a><span lang=DE>Notes<\/span><\/p> <\/div> <div><br clear=all> <hr align=left size=1 width=\"33%\"> <div id=edn1> <p class=MsoEndnoteText style='margin-top:6.0pt'><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt; font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[1]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;[321ignition] Die Annotationen werden von uns unter Ber\u00fccksichtigung etwaiger in der Quelle vorhandener Hinweise formuliert.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn2> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Die Delegation des E.K.K.I. in Deutschland bestand w\u00e4hrend der Ereignisse aus Jurij Pjatakov (&quot;Arvid&quot;), Karl Radek, Vasilij Smidt, Nikolaj Krestinskij. Das Referat h\u00e4lt Radek.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Das Dokument vom 15. November, welches die die Aktion von Oktober 1923 betreffenden Thesen der Delegation darlegt, ist widergegeben in&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Bernhard Bayerlein, Deutscher Oktober 1923&nbsp;: ein Revolutionsplan und sein Scheitern; Berlin, Aufbau-Verlag, 2003;<\/span> S.&nbsp;364.<\/p> <\/div> <div id=edn3> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Das politische B\u00fcro der KPD beschlie\u00dft am 28.&nbsp;August 1923 die Schaffung eines zentralen Revolutionskomitees (REVKOM), auch Siebenerkommission genannt.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Dieses zentrale Revolutionskomitee besteht aus einem Revolution\u00e4ren Kriegsrat sowie sechs weiteren Mitglieder der KPD-Zentrale. Der Revolution\u00e4ren Kriegsrat (auch Dreierkommission genannt) besteht aus Brandler und Kleine sowie dem milit\u00e4rischen Leiter (M-Leiter) bei der Zentrale der KPD.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Harald Jentsch, Die KPD und der &quot;Deutsche Oktober&quot; 1923, Koch, 2005<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn4> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[4]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;So im Original.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn5> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[5]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;&quot;<span lang=DE>1.&quot;&nbsp;: So im Original, kein &quot;2.&quot; folgt.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn6> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;So im Original.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn7> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[7]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Albert Leo Schlageter.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Mit dem Ende des 1.&nbsp;Weltkrieges, der Niederlage Deutschlands und den Ans\u00e4tzen von antikapitalistischen Bewegungen bilden sich konterrevolution\u00e4re Freikorps. Schlageter schlie\u00dft sich dem Freikorps Medem an und nimmt an den K\u00e4mpfen im Baltikum teil. 1920&nbsp;nimmt er als Angeh\u00f6riger der 3.&nbsp;Marinebrigade an der Repression der Aufstandsbewegungen, die sich in Reaktion auf den L\u00fcttwitz-Kapp-Putsch entwickeln, teil. 1921 schlie\u00dft er sich dem Freikorps Hauenstein in Oberschlesien an und nimmt an K\u00e4mpfen gegen polnische K\u00e4mpfer teil. Der Einzug in das Ruhrgebiet, am 11.&nbsp;Januar, von franz\u00f6sische und belgische Truppen l\u00f6st aktiven und passiven Widerstand aus. Schlageter nimmt am 1.&nbsp;Parteitag der NSDAP, der vom 27 zum 29 Januar in M\u00fcnchen stattfindet, teil. Er organisiert eine Sabotagegruppe gegen die Besatzungstruppen. Er wird am 7.&nbsp;April verhaftet, am 7. Mai von einem franz\u00f6sischen Milit\u00e4rgericht zum Tode verurteilt und am 26. hingerichtet.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Vom 12. bis zum 23. Juni 1923 tagt in Moskau das 3. erweiterte Plenum des EK der KI. Am 21. h\u00e4lt Karl Radek eine Rede, die am 26. in der <i>Roten Fahne<\/i> abgedruckt wird. Hier Ausz\u00fcge&nbsp;:<\/span><\/p> <p class=Notedefincitation><span lang=DE>[&#8230;] des deutschen Faschisten [Schlageter] [&#8230;], unseres Klassengegners, der zu Tode verurteilt und erschossen wurde von den Schergen des franz\u00f6sischen Imperialismus, dieser starken Organisation eines anderen Teils unserer Klassenfeinde. [&#8230;] Die Geschicke dieses M\u00e4rtyrers des deutschen Nationalismus [&#8230;] haben uns, sie haben dem deutschen Volke vieles zu sagen. [&#8230;] Schlageter, der mutige Soldat der Konterrevolution, verdient es, von uns Soldaten der Revolution m\u00e4nnlich-ehrlich gew\u00fcrdigt zu werden. [&#8230;]<\/span><\/p> <p class=Notedefincitation><span lang=DE>Die Kommunistische Partei Deutschlands mu\u00df offen den nationalistischen kleinb\u00fcrgerlichen Massen sagen&nbsp;: Wer im Dienste der Schieber, der Spekulanten, der Herren von Eisen und Kohle versuchen will, das deutsche Volk zu versklaven, es in Abenteuer zu st\u00fcrzen, der wird auf den Widerstand der deutschen kommunistischen Arbeiter sto\u00dfen. Sie werden auf Gewalt mit Gewalt antworten. Wer aus Unverst\u00e4ndnis sich mit den S\u00f6ldlingen des Kapitals verbinden wird, den werden wir mit allen Mitteln bek\u00e4mpfen. Aber wir glauben, da\u00df die gro\u00dfe Mehrheit der national empfindenden Massen nicht in das Lager des Kapitals, sondern in das Lager der Arbeit geh\u00f6rt. Wir wollen und wir werden zu diesen Massen den Weg suchen und den Weg finden. Wir werden alles tun, da\u00df M\u00e4nner wie Schlageter, die bereit waren, f\u00fcr eine allgemeine Sache in den Tod zu gehen, [&#8230;] ihr hei\u00dfes, uneigenn\u00fctziges Blut nicht verspritzen um die Profite der Kohlen- und Eisenbarone, sondern um die Sache des gro\u00dfen arbeitenden deutschen Volkes, das ein Glied ist in der Familie der um ihre Befreiung k\u00e4mpfenden V\u00f6lker. Die Kommunistische Partei wird diese Wahrheit den breitesten Massen des deutschen Volkes sagen, denn sie ist nicht die Partei des Kampfes um ein St\u00fcckchen Brot allein der industriellen Arbeiter, sie ist die Partei der k\u00e4mpfenden Proletarier, die um ihre Befreiung k\u00e4mpfen, um die Befreiung, die identisch ist mit der Freiheit ihres gesamten Volkes, mit der Freiheit all dessen, was arbeitet und leidet in Deutschland. Schlageter kann nicht mehr Wahrheit vernehmen. Wir sind sicher, da\u00df Hunderte Schlageters sie vernehmen und sie verstehen werden.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn8> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;G.&nbsp;Sinowjew, Probleme der deutschen Revolution; Hamburg, Verlag Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, 1923.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn9> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[9]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;Die Internationale &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Praxis und Theorie des Marxismus&quot;, herausgegeben von der KPD-Zentrale.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn10> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[10]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Das Dokument sehen&nbsp;:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/ki-1922-11-12-thesen-taktik-ki\/\">&#9658;<\/a>.<\/p> <\/div> <div id=edn11> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[11]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Das Dokument sehen&nbsp;:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/ki-1922-11-12-thesen-taktik-ki\/\">&#9658;<\/a>.<\/p> <\/div> <div id=edn12> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[12]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Das Dokument sehen&nbsp;:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/ki-1922-11-12-thesen-taktik-ki\/\">&#9658;<\/a>.<\/p> <\/div> <div id=edn13> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[13]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Das Dokument sehen&nbsp;:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/ki-1922-11-12-thesen-taktik-ki\/\">&#9658;<\/a>.<\/p> <\/div> <\/div>\n <!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1287\" data-postid=\"1287\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1287 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,7,25],"tags":[],"class_list":["post-1287","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allemand-document","category-article-document","category-ic-comite-executif","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1287"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1287"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1287\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}