{"id":1527,"date":"2025-07-15T00:01:00","date_gmt":"2025-07-14T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1527"},"modified":"2026-01-26T00:09:05","modified_gmt":"2026-01-25T23:09:05","slug":"oesterreich-dokumente-sdapdoe-parteitag-1926-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-sdapdoe-parteitag-1926-fr\/","title":{"rendered":"Documents : SDAPD\u00d6 &#8211; Congr\u00e8s du Parti, 30 octobre \u2013 3 novembre 1926"},"content":{"rendered":"<div class=WordSection1> <p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p> <div align=center> <table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'> <tr> <td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'> <p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span style='letter-spacing:1.0pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br> Documents&nbsp;:<br> SDAPD\u00d6 &#8211; Congr\u00e8s du 30 Octobre au 3 Novembre 1926 \u00e0 Linz.<\/span><\/b><\/p> <\/td> <\/tr> <\/table> <\/div> <p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a>Rapport d\u2019Otto Bauer<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> sur le nouveau Programme du Parti <span style='font-weight:normal'>(Extrait)<\/span><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Demgegen\u00fcber m\u00f6chte ich &#8209;&nbsp;denn diese Frage erscheint mir als eine der entscheidendsten&nbsp;&#8209; sagen, warum nach meiner \u00dcberzeugung unser Programm gar nicht anders sprechen kann und darf, und mit der gr\u00f6\u00dften Deutlichkeit und Entschiedenheit zwar das Recht auf Gewalt uns vorbehalten und die Arbeiterklasse mit der M\u00f6glichkeit, da\u00df die Gewalt die Entscheidung herbeif\u00fchren mu\u00df, vertraut machen mu\u00df, aber mit aller Klarheit und Entschiedenheit erkl\u00e4ren mu\u00df, da\u00df wir zur Gewalt nur greifen werden, wenn man uns die Demokratie sprengt und uns keine andre M\u00f6glichkeit als den Kampf mit gewaltsamen Mitteln l\u00e4\u00dft.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und ich will sagen, warum ich es f\u00fcr eine prinzipiell entscheidende Frage halte, da\u00df diese Erkenntnis einer nur defensiven Rolle der Gewalt in unserem Programm deutlich und unzweideutig gesagt sei. Was hei\u00dft Gewalt? Gewalt hei\u00dft nicht eine Stra\u00dfenrauferei!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Gewalt hei\u00dft der B\u00fcrgerkrieg.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und mehr als das! Nach allen Erfahrungen der Revolution schl\u00e4gt der B\u00fcrgerkrieg in den Krieg nach au\u00dfen um&nbsp;: Gewalt hei\u00dft auch der Krieg nach au\u00dfen! Und was Krieg ist, das sollte man dieser Generation nicht mehr erz\u00e4hlen m\u00fcssen! Wir alle haben ihn erlebt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und wer jahrelang das Furchtbare erlebt hat, wer neben sich Menschen im Sch\u00fctzengraben hat sterben gesehen, wer einmal die zerfetzten und blutenden Leiber auf dem Hilfsplatz gesehen hat, der sollte davor bewahrt sein, leichtfertig von Gewalt zu reden!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Damit sage ich nicht, da\u00df wir das Proletariat und insbesondere die Jugend des Proletariats erziehen d\u00fcrfen in einem Geiste, der die Gewalt unter allen Umst\u00e4nden, f\u00fcr alle F\u00e4lle ablehnt. Nein, wir wissen, da\u00df wir in diesem Europa, in dem Europa der st\u00e4ndigen fascistischen Bedrohung, damit rechnen m\u00fcssen, da\u00df die Aktion des Gegners uns in eine Situation bringen kann, in der das Proletariat nur die Wahl hat, sich mit den Waffen zu verteidigen oder in v\u00f6llige Knechtschaft zu fallen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich selbst habe in unz\u00e4hligen Versammlungen unz\u00e4hligemal das Wort des Dichters gebraucht&nbsp;: &quot;Das Leben ist der G\u00fcter H\u00f6chstes nicht.&quot; Aber ich\u00a0 w\u00fcnsche nicht, da\u00df wir dieses Wort phrasenhaft gebrauchen, da\u00df es zu einer eitlen, verantwortungslos hingeworfenen Redensart wird, sondern ich w\u00fcnsche, da\u00df wir uns der ganzen Verantwortung bewu\u00dft sind, wenn wir zu den Arbeitermassen und der Arbeiterjugend von den M\u00f6glichkeiten sprechen, die vielleicht unserem Kampf nicht erspart bleiben, und von der Notwendigkeit, ernsthaft ger\u00fcstet zu sein. Und deswegen meine ich, da\u00df unser Programmentwurf sagen soll&nbsp;: Wir wollen diesen Weg des Blutvergie\u00dfens, des Krieges nicht!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben das Vertrauen zu unseren geistigen Kr\u00e4ften, da\u00df wir in geistigem Ringen siegen k\u00f6nnen, und brauchen nicht den Weg der Gewalt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu einem Weg der Gewalt kann uns nur der Gegner zwingen. Ja freilich, wenn er uns die M\u00f6glichkeit nimmt, mit den geistigen Waffen zu siegen, dann ist kein andrer Weg m\u00f6glich. Weil wir dem Gegner mi\u00dftrauen, weil wir wissen, da\u00df er mit solchen Gedanken spielt, deswegen sagen wir: R\u00fcstet euch! Wir wollen den Krieg nicht, aber wenn der andre uns angreift, dann soll er uns ger\u00fcstet finden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn wir verantwortungsbewu\u00dft sind und die Arbeiter warnen wollen, etwas leichtfertig zu unternehmen, was die Gewalt heraufbeschw\u00f6ren tonnte, auf der andern Seite aber sie bereitmachen wollen f\u00fcr den Fall, da\u00df die Gewalt uns vom Gegner aufgezwungen wird, dann k\u00f6nnen wir nicht anders sprechen als in dem Programmentwurf&nbsp;: Die Demokratie als den Weg, den wir wollen, die bewaffnete Selbstverteidigung als das, was wir m\u00fcssen , wenn die Gegner uns zwingen. B\u00fcrgerkrieg&nbsp;: das bedeutet Hungersnot . Es ist aber keineswegs die Sorge um das Menschenleben allein. Es sind auch die ernstesten wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen, die uns zu diesem Gedankengang zwingen. Was B\u00fcrgerkrieg bedeutet, das zeigt die russische Erfahrung. B\u00fcrgerkrieg hei\u00dft Hungersnot, B\u00fcrgerkrieg, das hei\u00dft eine Zerr\u00fcttung des Wirtschaftslebens, die die siegende sozialistische Gewalt zwingt, Aufgaben zu \u00fcbernehmen, die sie nicht l\u00f6sen kann. B\u00fcrgerkrieg, das hei\u00dft also, da\u00df der Sozialismus selbst im Falle des Sieges f\u00fcr eine ganze Generation keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter bringen kann, sondern eine Verschlechterung bringen mu\u00df, weil die Zerst\u00f6rung des Wirtschaftslebens unvergleichlich mehr ausmacht als die Konfiskation des Mehrwertes. Wer das einmal begriffen hat und das gilt f\u00fcr Ru\u00dfland, es gilt aber in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe f\u00fcr den komplizierten Wirtschaftsapparat eines europ\u00e4ischen Industriestaates der wird es verstehen, was Gewalt bedeutet. Freilich, ein Proletariat, dem man keine weitere Wahl l\u00e4\u00dft, wird sich verteidigen, wenn es nur die Wahl hat zwischen Sieg und Knechtschaft. Aber Selbstzweck kann die Gewalt nicht sein. Und derjenige, der so redet, als ob der ganze Sieg des Proletariats ihn nicht freut, wenn er nicht im B\u00fcrgerkrieg errungen wird, ist ein t\u00f6richter Romantiker, der sich nicht seiner Verantwortung f\u00fcr das Leben ganzer Generationen bewu\u00dft ist. Der entscheidende Gedanke aber, warum wir der Gewalt in diesem Programm nur eine defensive Rolle zuweisen, ist ein Gedanke, der vor allem aus den Erfahrungen der gro\u00dfen russischen Revolution entstanden ist. Wir haben es erlebt&nbsp;: Wer zur Gewalt greift, der ist der Gefangene der Gewalt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben es erlebt&nbsp;: aus der gewaltsamen Entscheidung kann niemals ein anderes Regime hervorgehen als die Gewaltherrschaft, weil der B\u00fcrgerkrieg selbst, der Str\u00f6me von Blut vergie\u00dft, so viel Ha\u00df, so viel Wut, so viel Leidenschaft erzeugt, da\u00df der Sieger die Besiegten auf lange Zeit nur mit Gewalt niederhalten kann. Aber was es hei\u00dft, die unbeschr\u00e4nkte Gewalt einigen wenigen Menschen in die Hand zu geben, erleben wir jetzt in Ru\u00dfland. Man beginnt, die Pre\u00dffreiheit zu konfiszieren f\u00fcr die Bourgeoisie, und endet damit, da\u00df, wenn Trotzky und Sinowjew zu den russischen Arbeitern sprechen wollen, sie nur in illegalen Brosch\u00fcren sprechen k\u00f6nnen. Man beginnt damit, die Versammlungsfreiheit aufzuheben f\u00fcr die Bourgeoisie und endet damit, da\u00df die alte Garde Lenins ihre Versammlungen nur noch zur Nachtzeit im Walde abhalten kann. Man beginnt damit, die Gewalt aufzurichten gegen die Bourgeoisie, und endet damit, da\u00df eine Handvoll Leute eine so unbeschr\u00e4nkte Gewalt in der Hand hat, da\u00df das Proletariat selbst nur seine Meinung soweit \u00e4u\u00dfern kann, als diese Handvoll Leute es erlaubt, wobei sich selbstverst\u00e4ndlich immer wieder die alte Erfahrung wiederholt, da\u00df es keine furchtbarere Versucherin gibt als die unbeschr\u00e4nkte Gewalt.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2a>Le Programme adopt\u00e9 <span style='font-weight:normal'>(Extrait)<\/span><a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>III. DER KAMPF UM DIE STAATSMACHT<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>1. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei hat die Wahlrechtsprivilegien der besitzenden Klassen gesprengt, die Monarchie gest\u00fcrzt, die demokratische Republik begr\u00fcndet.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In der Monarchie hat die Dynastie, die Generalit\u00e4t, die B\u00fcrokratie geherrscht; nur die obersten Schichten der Bourgeoisie &#8209;&nbsp;der Gro\u00dfgrundbesitz und die Hochfinanz&nbsp;&#8209; hatten tats\u00e4chlich Anteil an ihrer Herrschaft. In der demokratischen Republik hat sich die Gesamtheit der Bourgeoisie der Staatsgewalt bem\u00e4chtigt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Anderseits hat die demokratische Republik der Arbeiterklasse politische Gleichberechtigung und Bewegungsfreiheit gegeben, ihre geistigen Kr\u00e4fte und ihr Selbstbewu\u00dftsein gewaltig entwickelt. Die Arbeiterklasse st\u00fcrmt gegen die Klassenherrschaft der Bourgeoisie in der Republik an.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Geschichte der demokratischen Republik ist die Geschichte der Klassenk\u00e4mpfe zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse um die Herrschaft in der Republik.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>In der demokratischen Republik beruht die politische Herrschaft der Bourgeoisie nicht mehr auf politischen Privilegien, sondern darauf, da\u00df sie mittels ihrer wirtschaftlichen Macht, mittels der Macht der Tradition, mittels der Presse, der Schule und der Kirche die Mehrheit des Volkes unter ihrem geistigen Einflu\u00df zu erhalten vermag. Gelingt es der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, diesen Einflu\u00df zu \u00fcberwinden, die manuellen und die geistigen Arbeiter in Stadt und Land zu vereinigen und der Arbeiterklasse die ihr nahestehenden Schichten der Kleinbauernschaft, des Kleinb\u00fcrgertums, der Intelligenz als Bundesgenossen zu gewinnen, so gewinnt die sozialdemokratische Arbeiterpartei die Mehrheit des Volkes. Sie erobert durch die Entscheidung des allgemeinen Wahlrechtes die Staatsmacht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>So werden in der demokratischen Republik die Klassenk\u00e4mpfe zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse im Ringen der beiden Klassen um die Seele der Volksmehrheit entschieden. <\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im Verlauf dieser Klassenk\u00e4mpfe kann der Fall eintreten, da\u00df die Bourgeoisie nicht mehr und die Arbeiterklasse noch nicht stark genug ist, allein die Republik zu beherrschen. Aber die Kooperation einander feindlicher Klassen, zu der sie eine solche Situation zwingt, wird nach kurzer Zeit durch die innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft unaufhebbaren Klassengegens\u00e4tze gesprengt. Die Arbeiterklasse wird nach jeder solchen Episode unter die Herrschaft der Bourgeoisie zur\u00fcckfallen, wenn es ihr nicht gelingt, selbst die Herrschaft in der Republik zu erobern. Eine solche Kooperation der Klassen kann also nur eine vor\u00fcbergehende Entwicklungsphase im Klassenkampf um die Staatsmacht, aber nicht das Ziel dieses Kampfes sein.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Hat die sozialdemokratische Arbeiterpartei in der ersten Epoche ihres Kampfes die demokratische Republik erk\u00e4mpft, so hat sie nunmehr die Aufgabe, die demokratischen Kampfmittel auszun\u00fctzen, um die Mehrheit des Volkes unter der F\u00fchrung der Arbeiterklasse zu sammeln und dadurch die Klassenherrschaft der Bourgeoisie zu st\u00fcrzen, der Arbeiterklasse die Herrschaft in der demokratischen Republik zu erobern.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die sozialdemokratische Arbeiterpartei erstrebt die Eroberung der Herrschaft in der demokratischen Republik, nicht um die Demokratie aufzuheben, sondern um sie in den Dienst der Arbeiterklasse zu stellen, den Staatsapparat den Bed\u00fcrfnissen der Arbeiterklasse anzupassen und ihn als Machtmittel zu ben\u00fctzen, um dem Gro\u00dfkapital und dem Gro\u00dfgrundbesitz die in ihrem Eigentum konzentrierten Produktions- und Tauschmittel zu entrei\u00dfen und sie in den Gemeinbesitz des ganzen Volkes zu \u00fcberf\u00fchren.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>2. Die Bourgeoisie wird nicht freiwillig ihre Machtstellung r\u00e4umen. Findet sie sich mit der ihr von der Arbeiterklasse aufgezwungenen demokratischen Republik ab, solange sie die Republik zu beherrschen vermag, so wird sie versucht sein, die demokratische Republik zu st\u00fcrzen, eine monarchistische oder faschistische Diktatur aufzurichten, sobald das allgemeine Wahlrecht die Staatsmacht der Arbeiterklasse zu \u00fcberantworten droht oder schon \u00fcberantwortet haben wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Nur wenn die Arbeiterklasse wehrhaft genug sein wird, die demokratische Republik gegen die monarchistische oder faschistische Gegenrevolution zu verteidigen, nur wenn das Bundesheer und die anderen bewaffneten Korps des Staates auch dann die Republik sch\u00fctzen werden, wenn die Macht in der Republik durch die Entscheidung des allgemeinen Wahlrechtes in die Hand der Arbeiterklasse f\u00e4llt, nur dann wird es die Bourgeoisie nicht wagen k\u00f6nnen, sich gegen die Republik aufzulehnen, nur dann wird daher die Arbeiterklasse die Staatsmacht mit den Mitteln der Demokratie erobern und aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die sozialdemokratische Arbeiterpartei mu\u00df daher die Arbeiterklasse in st\u00e4ndiger organisierter geistiger und physischer Bereitschaft zur Verteidigung der Republik erhalten, die engste Geistesgemeinschaft zwischen der Arbeiterklasse und den Soldaten des Bundesheeres pflegen, sie ebenso wie die anderen bewaffneten Korps des Staates zur Treue zur Republik erziehen und dadurch der Arbeiterklasse die M\u00f6glichkeit erhalten, mit den Mitteln der Demokratie die Klassenherrschaft der Bourgeoisie zu brechen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn es aber trotz allen diesen Anstrengungen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einer Gegenrevolution der Bourgeoisie gel\u00e4nge, die Demokratie zu sprengen, dann k\u00f6nnte die Arbeiterklasse die Staatsmacht nur noch im B\u00fcrgerkrieg erobern.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>3. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei wird die Staatsmacht in den Formen der Demokratie und unter allen B\u00fcrgschaften der Demokratie aus\u00fcben. Die demokratischen B\u00fcrgschaften geben die Gew\u00e4hr daf\u00fcr, da\u00df die sozialdemokratische Regierung unter st\u00e4ndiger Kontrolle der unter der F\u00fchrung der Arbeiterklasse vereinigten Volksmehrheit handeln und dieser Volksmehrheit verantwortlich bleiben wird. Die demokratischen B\u00fcrgschaften werden es erm\u00f6glichen, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung unter den g\u00fcnstigsten Bedingungen, unter ungehemmter, t\u00e4tigster Teilnahme der Volksmasse zu vollziehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn sich aber die Bourgeoisie gegen die gesellschaftliche Umw\u00e4lzung, die die Aufgabe der Staatsmacht der Arbeiterklasse sein wird, durch planm\u00e4\u00dfige Unterbindung des Wirtschaftslebens, durch gewaltsame Auflehnung, durch Verschw\u00f6rung mit ausl\u00e4ndischen gegenrevolution\u00e4ren M\u00e4chten widersetzen sollte, dann w\u00e4re die Arbeiterklasse gezwungen, den Widerstand der Bourgeoisie mit den Mitteln der Diktatur zu brechen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>4. Die Arbeiterklasse erobert die Herrschaft in der demokratischen Republik, nicht um eine neue Klassenherrschaft aufzurichten, sondern um jede Klassenherrschaft aufzuheben. In dem Ma\u00dfe, als die Staatsmacht der Arbeiterklasse die Kapitalisten und die Gro\u00dfgrundbesitzer enteignet, die in ihrem Eigentum konzentrierten Produktions- und Tauschmittel in den Gemeinbesitz des ganzen Volkes \u00fcberf\u00fchrt, wird die Scheidung des Volkes in ausbeutende und ausgebeutete Klassen, werden damit Klassenherrschaft und Klassenkampf \u00fcberwunden werden; damit erst wird sich die Demokratie aus der letzten Form der Klassenherrschaft in die Selbstregierung des nicht mehr in gegens\u00e4tzliche Klassen gespaltenen Volkes, wird sich der Staat aus einem Werkzeug der Klassenherrschaft in das Gemeinwesen der ver-einigten Volksgemeinschaft verwandeln.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p> <\/div> <div><br clear=all> <hr align=left size=1 width=\"33%\"> <div id=edn1> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Otto Bauer \u00e9tait \u00e0 partir de 1918 le principal repr\u00e9sentant du Comit\u00e9 directeur du Parti.<\/p> <\/div> <div id=edn2> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, Protokoll des sozialdemokratischen Parteitages 1926 &#8211; abgehalten in Linz vom&nbsp;30.&nbsp;Oktober bis&nbsp;3.&nbsp;November 1926; Wien, Wiener Volksbuchhandlung, 1926. p.&nbsp;265&#8209;268.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn3> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:12.0pt'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Idem, p.&nbsp;383&#8209;386.<\/p> <\/div> <\/div>\n <!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1527\" data-postid=\"1527\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1527 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: SDAPD\u00d6 &#8211; Congr\u00e8s du 30 Octobre au 3 Novembre 1926 \u00e0 Linz. &nbsp; Rapport d\u2019Otto Bauer[1] sur le nouveau Programme du Parti (Extrait)[2] Demgegen\u00fcber m\u00f6chte ich &#8209;&nbsp;denn diese Frage erscheint mir als eine der entscheidendsten&nbsp;&#8209; sagen, warum nach meiner \u00dcberzeugung unser Programm gar nicht anders sprechen kann und darf, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,36,9],"tags":[],"class_list":["post-1527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article-document","category-autriche-documents","category-francais-document","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1527"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1527\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}