{"id":1534,"date":"2025-07-15T02:44:04","date_gmt":"2025-07-15T00:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1534"},"modified":"2026-01-26T00:07:55","modified_gmt":"2026-01-25T23:07:55","slug":"oesterreich-dokumente-bauer-otto-oesterreichische-revolution-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-bauer-otto-oesterreichische-revolution-fr\/","title":{"rendered":"Documents : Otto Bauer &#8211; Die \u00f6sterreichische Revolution (1923)"},"content":{"rendered":"\n<div class=WordSection1>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<div align=center>\n<table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'>\n<tr>\n<td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span style='letter-spacing:1.0pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br \/> Documents&nbsp;:<br \/> Otto Bauer &#8211; <\/span><\/b><b><span lang=DE style='letter-spacing:1.0pt'>Die \u00d6sterreichische Revolution<\/span><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><\/div>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Otto Bauer&nbsp;: Die \u00d6sterreichische Revolution (<\/span>Extrait<span lang=DE>)<\/span><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<p class=Texte align=center style='text-align:center;text-indent:0cm'><span lang=DE>F\u00fcnfter Abschnitt<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=center style='text-align:center;text-indent:0cm'><span lang=DE>Die Restauration der Bourgeoisie<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=center style='text-align:center;text-indent:0cm'><span lang=DE>\u00a7&nbsp;19. Die Ergebnisse der Revolution und die Aufgaben der Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Krieg hat ganz Europa in eine Revolutionskrise gest\u00fcrzt. Aber schon nach wenigen Wochen wurde die Demobilisierungskrise in den westeurop\u00e4ischen Ententestaaten \u00fcberwunden. Schon 1919 und 1920 erlitt das Proletariat in Deutschland und in Ungarn, in Frankreich und Italien eine Reihe schwerer Niederlagen. Schon seit 1921 ist das internationale Proletariat in die Defensive gedr\u00e4ngt. Die internationale Offensive der Bourgeoisie ist aus wirtschaftlichen und aus sozialen Gr\u00fcnden besonders heftig und besonders gewaltsam. Aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden&nbsp;: die Verarmung Europas durch den Krieg, die Notwendigkeit, die tief gesunkene Akkumulationsrate zu erh\u00f6hen, die Schwierigkeit des Konkurrenzkampfes auf dem von schwerer Industriekrise befallenen, durch die Zerr\u00fcttung der W\u00e4hrungen deroutierten Weltmarkt treiben zum Lohndruck und zur R\u00fcckbildung des Arbeiterschutzes. Aus sozialen Gr\u00fcnden&nbsp;: die Bourgeoisie, durch die Heftigkeit des revolution\u00e4ren Ansturms 1918 und 1919 erschreckt, f\u00fchlt sich nicht mehr sicher genug, sich mit den Herrschaftsmitteln, die ihr vor dem Kriege gen\u00fcgt haben, zu bescheiden. In allen Staaten \u00f6stlich des Rheins &#8209;&nbsp;\u00d6sterreich ist die einzige Ausnahme&nbsp;&#8209; hat sie sich mit den Waffen der Ausnahmegesetzgebung, der Beschr\u00e4nkung der Vereins-, Versammlungs-, Pre\u00dffreiheit und der Schwurgerichte ausger\u00fcstet. In vielen dieser Staaten &#8209;&nbsp;auch \u00d6sterreich ist unter ihnen&nbsp;&#8209; greift sie zu den Waffen der fascistischen Gewaltorganisationen. So ist in ganz Europa der Revolutionskrise von 1918\/19 schwerer R\u00fcckschlag gefolgt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber die Revolutionskrise von 1918\/19 hat die durch den Krieg aufgeworfenen Probleme nicht gel\u00f6st. Es ist dem Imperialismus der Siegerm\u00e4chte nicht gelungen, das deutsch-franz\u00f6sische Reparationsproblem zu l\u00f6sen, die Sowjetrepublik dem europ\u00e4ischen Staatensystem einzugliedern, in dem Raum der einst russischen &quot;Randv\u00f6lker&quot; und der einst \u00f6sterreichischen &quot;Nachfolgestaaten&quot; dauerhaften Frieden zu begr\u00fcnden, die revolution\u00e4re G\u00e4rung zwischen dem Bosporus und dem Tigris, zwischen dem Nil und dem Ganges zu beendigen. Scheint der amerikanische Kapitalismus die schwere Industriekrise der Nachkriegszeit schon \u00fcberwunden zu haben, so wird die Erholung des europ\u00e4ischen Kapitalismus durch politische Krisen und politische Unruhe gehemmt. Wirtschaftlicher Druck und politische Krisen versch\u00e4rfen die soziale Unruhe und treiben neuen sozialen Ersch\u00fctterungen zu.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So scheint die gegenw\u00e4rtige Entwicklungsphase nur eine \u00dcbergangsperiode zwischen zwei revolution\u00e4ren Prozessen zu sein&nbsp;: zwischen der schweren revolution\u00e4ren Ersch\u00fctterung, die Europa 1918\/19 erlebt hat, und neuen schweren kriegerischen, revolution\u00e4ren oder konterrevolution\u00e4ren Ersch\u00fctterungen, zu denen die durch den Krieg aufgeworfenen, immer noch ungel\u00f6sten Probleme zutreiben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dieser allgemeinen europ\u00e4ischen Entwicklung entspricht auch die Entwicklung auf dem Boden, den einst die Habsburgermonarchie beherrscht hat. Auch hier ist der revolution\u00e4re Proze\u00df zun\u00e4chst unterbrochen. In der Tschechoslowakei, in Jugoslawien, in Polen, wo die Revolution eine blo\u00df nationale Revolution geblieben ist, hat sie schon 1918, schon mit der Errichtung der neuen Nationalstaaten, ihren Abschlu\u00df gefunden. Ungarn hat im Verlauf eines Jahres die Trag\u00f6die seiner Revolutionen und seiner Konterrevolution durchlaufen. Deutsch\u00f6sterreich hat der Genfer Vertrag den Abschlu\u00df des revolution\u00e4ren Prozesses gebracht&nbsp;: die nationale Revolution erscheint durch den Genfer Vertrag liquidiert, die soziale Revolution mit der Aufrichtung eines starken, selbstbewu\u00dften b\u00fcrgerlichen Regimes unter dem Schutz der im V\u00f6lkerbund vereinigten kapitalistischen Regierungen beendet. Aber in Wirklichkeit sind auch hier alle Probleme, die die Revolution von 1918 aufgeworfen hat, immer noch ungel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Imperialismus hat die Idee der nationalen Revolution von 1918 verf\u00e4lscht und vergewaltigt. Er hat den Tschechen, den Polen, den Jugoslawen die nationale Staatlichkeit, um die sie gerungen hatten, gegeben. Aber er hat mit diesen Staatsbildungen nicht das Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker verwirklicht, sondern neue Herrschaftsverh\u00e4ltnisse geschaffen. Er hat die Grenzen der neuen Staaten so gezogen, da\u00df die nationalen Probleme, die die Habsburgermonarchie gesprengt haben, in den neuen Staaten wieder erstanden. Die Tschechoslowakei vermag die ihr unterworfenen Deutschen, Slowaken. Magyaren, Ruthenen nur mit den Mitteln der Gewalt zu beherrschen. Sobald die Entwicklung der Klassengegens\u00e4tze innerhalb des herrschenden tschechischen Volkes die nationale Einheitsfront gegen die unterdr\u00fcckten Nationen sprengt oder schw\u00e4cht, wird sich diese Gewalt nicht mehr in die Formen parlamentarischer Mehrheitsherrschaft h\u00fcllen k\u00f6nnen.. Die tschechoslowakische Republik mu\u00df dann in eine schwere Staatskrise geraten. Das K\u00f6nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen hat nicht das jugoslawische Ideal der F\u00f6deration der s\u00fcdslawischen St\u00e4mme verwirklicht, es hat vielmehr die s\u00fcdslawischen St\u00e4mme einer gro\u00dfserbischen Milit\u00e4rmonarchie unterworfen. Der Gegensatz zwischen dem Jugoslawentum und dem Gro\u00dfserbentum lebt im Kampfe um die Verfassung, in der Auflehnung der Kroaten und der Slowenen gegen den gro\u00dfserbischen Zentralismus fort, er st\u00e4rkt den reaktion\u00e4ren kroatischen und slowenischen Stammespartikularismus, er hindert die Konsolidierung des jugoslawischen Staates. Auf die Versch\u00e4rfung der inneren Krisen des tschechischen und des s\u00fcdslawischen Staates lauern die konterrevolution\u00e4ren M\u00e4chte, die in Italien und in Ungarn die Macht an sich gerissen haben&nbsp;: der italienische Fascismus, dem jeder Zusammensto\u00df zwischen Serben und Kroaten zur Gelegenheit werden mu\u00df, seine Herrschaftspl\u00e4ne an der Adria zu verwirklichen; die magyarische Offizierskaste, die auf den magyarischen Irredentismus in der Slowakei, in Siebenb\u00fcrgen, im Banat auf den slowakischen und den kroatischen Stammespartikularismus ihre Hoffnung setzt. Die Furcht der beiden Slawenstaaten vor dem italienischen Imperialismus und der magyarischen Revanche h\u00e4lt das ganze Gebiet der einstigen Donaumonarchie in latenter kriegerischer Spannung. Jeder Zusammensto\u00df zwischen diesen Staaten mu\u00df aber auch Deutsch\u00f6sterreich in neue schwere Ersch\u00fctterungen st\u00fcrzen, auch hier alle nationalen und sozialen Probleme der Revolution von 1918 von neuem aufwerfen. Auch auf dem Boden der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie scheint also der revolution\u00e4re Umw\u00e4lzungsproze\u00df nur unterbrochen, nicht abgeschlossen zu sein. Auch hier ist die Periode der Reaktion, die wir durchleben, wahrscheinlich nur eine \u00dcbergangsperiode zwischen zwei revolution\u00e4ren Prozessen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Niemand vermag vorauszusehen, wie lange diese \u00dcbergangsperiode dauern wird. Es ist gewi\u00df m\u00f6glich, da\u00df sie bald ein j\u00e4hes Ende findet. Aber es ist ebensowohl m\u00f6glich, da\u00df sie viele Jahre dauern wird. Wir m\u00fcssen uns daher zun\u00e4chst auf diese \u00dcbergangsperiode einstellen, uns ihr Wesen, ihre Probleme, ihre Aufgaben verst\u00e4ndlich zu machen suchen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der \u00fcberwiegenden Mehrheit der deutsch\u00f6sterreichischen Bourgeoisie ist die Republik im .Jahre 1918 aufgezwungen worden. Die Traditionen der \u00fcberwiegenden Mehrheit der deutsch\u00f6sterreichischen Bourgeoisie sind alt\u00f6sterreichisch, habsburgisch. Die junge Republik erschien der Bourgeoisie als Mittel starker, drohender Machtentfaltung des Proletariats; so konnte sie die Liebe der Bourgeoisie nicht erwerben. Sobald der R\u00fcckschlag der Revolution der Bourgeoisie wieder Hoffnung gab, hoffte sie zun\u00e4chst die Restauration der Habsburger. Die Restauration Habsburgs&nbsp;&#8209; das bedeutet der Bourgeoisie die Niederwerfung des Proletariats. Die Restauration Habsburgs&nbsp;&#8209; das bedeutet der Bourgeoisie die Hoffnung auf die Wiederherstellung des gro\u00dfen Reiches, auf die Wiedergewinnung ihrer verlorenen Absatz-, Handels-, Herrschaftsgebiete. Aber die Erfahrungen der beiden Habsburgerputsche von 1921 belehrten die Bourgeoisie, da\u00df die Restauration Habsburgs unm\u00f6glich ist, solange die Macht der Tschechoslowakei und Jugoslawiens ungebrochen ist. Die Bourgeoisie mu\u00dfte sich mit der Republik abfinden. Nicht die Republik zu st\u00fcrzen, sondern sie zu erobern, das Gleichgewicht der Klassenkr\u00e4fte aufzuheben und an seine Stelle die Herrschaft der Bourgeoisie zu setzen, die Volksrepublik in eine Bourgeoisrepublik zu verwandeln&nbsp;&#8209; das allein kann in der \u00dcbergangsperiode das Ziel der Bourgeoisie sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Allein zu schwach, dieses Ziel zu erreichen, warf sich die Bourgeoisie den kapitalistischen Regierungen des Auslandes in die Arme. Der Genfer Vertrag will die Republik nicht st\u00fcrzen, sondern ihre Finanzen sanieren. Aber zugleich ver\u00e4ndert er den sozialen Inhalt der Republik. Unter dem Deckmantel der Sanierung der Republik vollzieht er die Restauration der Bourgeoisie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Parlamentsmehrheit und Regierung bilden die Christlichsozialen mit der viel kleineren gro\u00dfdeutschen Partei in ihrer Gefolgschaft; bilden also die Parteien, die sich auf die vom katholischen Klerus gef\u00fchrten Gro\u00df- und Mittelbauern und auf das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum st\u00fctzen. Diese Klassen haben nicht, wie das tschechische und das polnische B\u00fcrgertum, demokratische, revolution\u00e4re Traditionen; sie standen bis 1918 im Lager der habsburgischen Konterrevolution und stehen mit ihren Herzen heute noch dort. Die Republik ist ihnen nichts als eine nun einmal gegebene Tatsache, der sie vorl\u00e4ufig nicht entrinnen k\u00f6nnen; ihr Republikanertum ist ihre Furcht vor den Tschechen. M\u00e4nnliche Freiheitsliebe, ohne die wirkliche Demokratie nicht m\u00f6glich ist, ist ihnen fremd; als Herren der Demokratie f\u00fchlen sie sich nur hinter dem diktierenden Kontrollor des Auslandes in Sicherheit. Ihre Wirtschaftspolitik ist durch die \u00fcberwiegende Machtstellung der Agrarier in ihrer Mitte bestimmt; ihre Sozialpolitik durch den \u00c4rger des Bauern \u00fcber die Begehrlichkeit seines Knechts, den \u00c4rger des Kleinb\u00fcrgers \u00fcber das Rebellentum seines Gesellen; ihre Kulturpolitik durch die dumpfe Enge des Wirtshauses in der alpenl\u00e4ndischen Kleinstadt. Der r\u00f6mische Klerikalismus beherrscht sie; von dem Kardinal-Erzbischof empfangen sie ihre Weisungen. Da sie, sich der Auslandskontrolle willig unterwerfend, ihren Nationalismus verloren haben, finden sie d\u00fcrftigen Ersatz f\u00fcr ihn in einem Antisemitismus, der, da ihre Regierung von den j\u00fcdischen Gro\u00dfbanken abh\u00e4ngig ist, das j\u00fcdische Kapital nicht angreifen darf, sich im Radau gegen j\u00fcdische Gelehrte und Studenten ausleben mu\u00df. Die politische Herrschaft dieser reaktion\u00e4ren Kleinb\u00fcrgerei&nbsp;&#8209; das ist die Bourgeoisrepublik in \u00d6sterreich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber die politisch-parlamentarische Herrschaft des Kleinb\u00fcrgertums ist immer und \u00fcberall nur eine Verh\u00fcllung der wirtschaftlichen Herrschaft des Finanzkapitals; alle kleinb\u00fcrgerliche Demokratie wird zur Bankokratie. Wenn die kleinb\u00fcrgerlichen Parteien die Arbeiterklasse niederhalten, ihr die Lasten des Staatshaushaltes auferlegen, die Arbeiterschutzgesetzgebung abbauen, das Bundesheer in ein wirksames Instrument zur Niederhaltung der Arbeiterklasse verwandeln, eine Technische Nothilfe schaffen, so tun sie mit alledem nur, was das gro\u00dfe Finanz-, Industrie- und Handelskapital braucht. So ehrlich sie den j\u00fcdischen Bourgeois hassen m\u00f6gen, so besorgen sie wider Willen doch seine Gesch\u00e4fte. Denn Nutznie\u00dfer der Niederhaltung des Proletariats kann nicht das durch die Geldentwertung pauperisierte bodenst\u00e4ndige B\u00fcrgertum, k\u00f6nnen nur die in der Zeit der Geldentwertung aufgestiegenen &quot;neuen Reichen&quot; sein. Die \u00f6konomische Herrschaft dieser, um mit Engels zu reden, recht gemeinen, recht schmutzigen, recht j\u00fcdischen Bourgeois&quot;&nbsp;&#8209; das ist die Bourgeoisierepublik in \u00d6sterreich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber auch diese &quot;neuen Reichen&quot; beherrschen nur einen Teil unseres Produktions- und Zirkulationsapparats. In gro\u00dfem, von Monat zu Monat wachsendem Ma\u00dfe ist ausl\u00e4ndisches Kapital in unsere Banken und unsere Industrieunternehmungen eingedrungen. In vielen F\u00e4llen sind die \u00f6sterreichischen Generaldirektoren nur noch die Fronv\u00f6gte ausl\u00e4ndischer Kapitalisten. Und diesem \u00f6konomischen Herrschaftsverh\u00e4ltnis entspricht seit Genf auch das politische&nbsp;: in vielen Beziehungen ist die \u00f6sterreichische Regierung nur noch das Exekutivorgan des ausl\u00e4ndischen Generalkommiss\u00e4rs. Der eigentliche, der letzte Nutznie\u00dfer der Niederhaltung des \u00f6sterreichischen Proletariats wird das ausl\u00e4ndische Finanzkapital sein, das uns immer st\u00e4rker wirtschaftlich und politisch beherrscht. Die nationale Fremdherrschaft des ausl\u00e4ndischen Kapitals, ausge\u00fcbt mittels der \u00f6konomischen Herrschaft des \u00f6sterreichischen Kriegsgewinner- und Schiebertums, dessen Unternehmungen das ausl\u00e4ndische Kapital kontrolliert, und mittels der politischen Herrschaft der reaktion\u00e4ren \u00f6sterreichischen Kleinb\u00fcrgerei, die sich willig dem Diktat des ausl\u00e4ndischen Generalkommiss\u00e4rs ergibt&nbsp;&#8209; das ist der letzte Sinn der Bourgeoisrepublik in \u00d6sterreich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber die Bourgeoisrepublik in \u00d6sterreich ist noch keineswegs vollendet. Bourgeoisie und Proletariat haben in \u00d6sterreich vier Jahre lang einen Positionskrieg gef\u00fchrt, in dem zwar die eine Klasse die andere zeitweilig zur\u00fcckdr\u00e4ngen, aber keine der beiden Klassen der anderen ihre entscheidenden Machtpositionen entrei\u00dfen konnte. So verf\u00fcgt die Arbeiterklasse in \u00d6sterreich auch heute noch \u00fcber Machtpositionen und Machtinstrumente, die der Aufrichtung einer schrankenlosen Herrschaft der Bourgeoisie im Wege sind. Diese Machtstellungen und Machtmittel mu\u00df die Bourgeoisie dem Proletariat zu entrei\u00dfen versuchen, um ihre Klassenherrschaft aufzurichten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist denkbar, da\u00df die Bourgeoisie dies durch einen Gewaltstreich versuchen wird; ist doch durch die offizielle, legale Reaktion seit Genf die inoffizielle, illegale Reaktion der zu einem Gewaltstreich r\u00fcstenden Hakenkreuzler, Frontk\u00e4mpfer, Heimatwehren sehr gest\u00e4rkt worden. Die Arbeiterklasse mu\u00df daher zur Abwehr eines gewaltsamen Angriffs ger\u00fcstet bleiben. Aber wenn die Arbeiterklasse hinreichend ger\u00fcstet ist, dann wird die Bourgeoisie einen gewaltsamen Angriff schwerlich wagen. Den offenen B\u00fcrgerkrieg kann die Bourgeoisie nicht w\u00fcnschen; er w\u00fcrde ja den Kredit \u00d6sterreichs im Ausland vollst\u00e4ndig vernichten, damit den auf Auslandskredite gegr\u00fcndeten Genfer Plan zerrei\u00dfen und dadurch die Grundlage der ganzen Herrschaft der Bourgeoisie zerst\u00f6ren. Die Bourgeoisie wird diesen auch ihr so gef\u00e4hrlichen Weg um so mehr scheuen, als sie seiner gar nicht bedarf. Denn wenn die Staatsmacht einige Jahre lang in den H\u00e4nden einer vom Generalkommiss\u00e4r des V\u00f6lkerbundes, der mit diktatorischer Gewalt \u00fcber die Staatsfinanzen verf\u00fcgt, gest\u00fctzten und gest\u00e4rkten, gem\u00e4\u00df dem Genfer Vertrag mit au\u00dferordentlichen Vollmachten ausgestatteten Bourgeoisregierung bleibt, dann kann diese Bourgeoisregierung durch planm\u00e4\u00dfige Arbeit binnen wenigen Jahren die Machtpositionen des Proletariats zerbr\u00f6ckeln, ohne sie gewaltsam zerschlagen zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das gilt vor allem von unserer Machtstellung im Bundesheer. Die Wehrm\u00e4nner, die durch die Schule des Krieges und der Revolution gegangen sind, scheiden nach der Beendigung ihrer Dienstzeit aus dem Heere aus. Die jungen Rekruten, die an ihre Stelle treten, durch Beg\u00fcnstigung der Willf\u00e4hrigen und Schikanierung der Selbstbewu\u00dften kirre zu machen und bei der Auswahl der Wehrm\u00e4nner, die zu Offizieren ausgebildet werden, die b\u00fcrgerlich Gesinnten zu bevorzugen, ist den Komrnanden sehr leicht m\u00f6glich. Auf diesem Wege kann ein planm\u00e4\u00dfig arbeitender Heeresminister, ohne allzu gro\u00dfes Aufsehen hervorzurufen, ohne allzu gro\u00dfe K\u00e4mpfe zu provozieren, das Bundesheer binnen wenigen Jahren in ein verl\u00e4\u00dfliches Instrument zur Niederwerfung und Niederhaltung des Proletariats verwandeln. Ebenso kann eine starke b\u00fcrgerliche Regierung planm\u00e4\u00dfig die b\u00fcrgerlichen Selbstschutzorganisationen st\u00e4rken, die proletarischen schw\u00e4chen; kann sie den Einflu\u00df der Personalvertretungen und der Gewerkschaften in den Bundesbetrieben schrittweise zur\u00fcckdr\u00e4ngen und eine Technische Nothilfe zur Abwehr von Streiks in lebensnotwendigen Betrieben ausr\u00fcsten; kann sie die Finanzen der Gemeinde Wien planm\u00e4\u00dfig sch\u00e4digen, dadurch die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung in Verlegenheiten st\u00fcrzen und auf diese Weise die Herrschaft der Arbeiterklasse in dem weitaus gr\u00f6\u00dften Bundeslande untergraben; kann sie durch das friedliche Mittel von Parlamentswahlen die Zweidrittelmehrheit im Nationalrat erobern und sodann die Gesch\u00e4ftsordnung des Nationalrates so ab\u00e4ndern, da\u00df die parlamentarische Opposition auf wirkungslose Kritik beschr\u00e4nkt wird. Auf diese Weise kann eine starke b\u00fcrgerliche Regierung binnen wenigen Jahren die wichtigsten Machtpositionen des Proletariats allm\u00e4hlich zerbr\u00f6ckeln. Gelingt ihr das, dann steht der dreifachen Herrschaft der Bourgeoisie &#8209;&nbsp;der politischen Herrschaft der reaktion\u00e4ren Kleinb\u00fcrgerei, der wirtschaftlichen Herrschaft des Kriegsgewinner- und Schieborkapitals, der nationalen Fremdherrschaft der internationalen Hochfinanz&nbsp;&#8209; keine Gegenkraft mehr entgegen. Dann ist die Republik zur reinen Bourgeoisrepublik geworden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df sich das Proletariat gegen diese Verwandlung der von der Arbeiterklasse begr\u00fcndeten und erhaltenen Republik in ein Instrument der Klassenherrschaft der Bourgeoisie wehren mu\u00df. Aber welches politische System kann das Proletariat dem sich seit Genf entwickelnden System der Bourgeoisrepublik entgegensetzen? Die deutsch\u00f6sterreichische Arbeiterklasse konnte nicht einmal in der Zeit der st\u00e4rksten revolution\u00e4ren Spannung 1918\/19 ihre Alleinherrschaft aufrichten. Sie kann es heute, in einer Zeit, in der das Proletariat in ganz Europa in die Defensive gedr\u00e4ngt ist, noch viel &lsquo;weniger. Im November 1918 hat das Proletariat die Waffengewalt an sich gerissen, w\u00e4hrend die Bourgeoisie, von den Ereignissen \u00fcberrascht und moralisch tief ersch\u00fcttert, unbewaffnet war. Seither hat die Bourgeoisie vier Jahre Zeit gehabt, zu r\u00fcsten. Die Aufrichtung der Alleinherrschaft der Arbeiterklasse &#8209;&nbsp;gleichg\u00fcltig, ob in der Form einer Sowjetdiktatur oder in der Gestalt einer nur von einer Minderheit des Parlaments gest\u00fctzten &quot;Arbeiterregierung&quot; nach kommunistischem Rezept&nbsp;&#8209; k\u00f6nnte heute nur das Ergebnis vollst\u00e4ndigen Sieges des Proletariats im blutigen B\u00fcrgerkrieg sein. .Jeder B\u00fcrgerkrieg, mitten zwischen dem Ungarn Horthys, dem Jugoslawien des reaktion\u00e4ren Gro\u00dfserbentums, dem Italien des Fascio, dem Bayern der Orgesch unternommen, h\u00e4tte aber die bewaffnete Intervention des Auslandes zur Folge. Schon im September 1922, in den Genfer Verhandlungen haben die Vertreter der kapitalistischen M\u00e4chte die Frage er\u00f6rtert, ob sie nicht die Besetzung \u00d6sterreichs durch eine internationale Gendarmerie zur Bedingung der Kreditgew\u00e4hrung machen sollen; je mehr fremde Kredite \u00d6sterreich tats\u00e4chlich zugeflossen sein werden, je mehr ausl\u00e4ndisches Kapital in Osterreich tats\u00e4chlich investiert sein wird, desto gewisser werden sich die kapitalistischen Regierungen im Falle eines B\u00fcrgerkrieges in \u00d6sterreich zu bewaffneter Intervention, das hei\u00dft&nbsp;: zu gewaltsamer Niederwerfung des \u00f6sterreichischen Proletariats entschlie\u00dfen. Ein Sieg im B\u00fcrgerkrieg, aus dem allein die Diktatur des Proletariats oder die &quot;Arbeiterregierung&quot; nach kommunistischer Vorstellung hervorgehen k\u00f6nnte, ist also in der gegenw\u00e4rtigen Periode unm\u00f6glich. W\u00e4hrend der ganzen \u00dcbergangsperiode ist die Diktatur des Proletariats ebenso unm\u00f6glich, ebenso unerreichbar wie die Restauration der Monarchie. Wie sich die Bourgeoisie in der \u00dcbergangsperiode nicht die habsburgische Konterrevolution als Ziel setzen kann, sondern nur die Bourgeoisrepublik, so kann das Proletariat in der \u00dcbergangsperiode nicht seine Diktatur durchsetzen, sondern nur die Volksrepublik.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Klassenherrschaft der Bourgeoisie oder Wiederherstellung des Gleichgewichts der Klassenkr\u00e4fte, Alleinherrschaft der Bourgeoisie oder Teilung der tats\u00e4chlichen Macht im Staate zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, Bourgeoisrepublik oder Volksrepublik&nbsp;&#8209; das ist das Kampfobjekt der \u00dcbergangsperiode, der Periode der proletarischen Defensive.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Glaube, da\u00df der Genfer Vertrag die kranke \u00f6sterreichische Volkswirtschaft heilen werde, hat alle Schichten des B\u00fcrgertums und der Bauernschaft unter dem Kommando der Reaktion vereinigt. Er hat jede Auflehnung des nationalen Selbstbewu\u00dftseins gegen die Fremdherrschaft des internationalen Finanzkapitals verhindert. Er erlaubt es der Bourgeoisregierung, unter dem Vorwand der Sanierung der Volkswirtschaft die Gesch\u00e4fte der Reaktion zu besorgen. Hat der Glaube an Genf den Vorsto\u00df der Bourgeoisie erm\u00f6glicht, so wird die Entt\u00e4uschung \u00fcber Genf die Gegenwehr des Proletariats wirksam machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bis 1918 sicherte die Einheit des mit Zollmauern umg\u00fcrteten \u00f6sterreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes der \u00f6sterreichischen Industrie den Absatzmarkt, dem Wiener Handel und dem Wiener Bankwesen die herrschende Stellung in dem gro\u00dfen Gebiet eines 50-Millionen-Reiches. Die Revolution der Jugoslawen, der Tschechen, der Polen hat dieses Wirtschaftsgebiet zerschlagen. Sieben Achtel unseres alten Wirtschaftsgebietes sind seither durch hohe Z\u00f6lle gegen unsere Arbeitsprodukte abgesperrt. In sieben Achteln des Gebietes, von dem uns vordem hohe Z\u00f6lle die ausl\u00e4ndische Konkurrenz fernhielten, m\u00fcssen wir jetzt mit den Industrien des Auslandes konkurrieren, deren Produktionsst\u00e4tten den Kohlenlagern und dem Meere n\u00e4her liegen als die unseren und deren Produktionsapparat technisch vollkommener ist als der unsere. Das ist das Problem der deutsch\u00f6sterreichischen Volkswirtschaft: Wird unsere Industrie nach dem Verlust von sieben Achteln ihres zollgesch\u00fctzten Marktes noch bestehen, werden sich unser Handel und unser Bankwesen nach dem Verlust ihrer Herrschaftsstellung in dem alten gro\u00dfen Wirtschaftsgebiet noch behaupten k\u00f6nnen, werden wir also die Massen unserer st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung, deren Existenz bisher auf Industrie, Handel, Bankwesen gegr\u00fcndet war, noch ern\u00e4hren k\u00f6nnen? Die Geldentwertung hat dieses Problem verh\u00fcllt: die Geldentwertung gab der Industrie eine au\u00dferordentliche Exportpr\u00e4mie, die Spannung zwischen dem Innen- und dem Au\u00dfenwert der Krone gab dem Handel au\u00dferordentliche Wirkungsm\u00f6glichkeiten, die Schwankungen der Valutenkurse gaben den Banken ein ergiebiges Aktionsfeld. Erst die Stabilisierung des Geldwertes deckt das wirkliche Problem der deutsch\u00f6sterreichischen Volkswirtschaft auf. Erst jetzt wird es sich zeigen, welche Zweige unserer Industrie, unseres Handels, unseres Bankwesens nunmehr, nach dem Verlust ihrer alten Herrschaftsstellung in einem gro\u00dfen zollgesch\u00fctzten Wirtschaftsgebiet, \u00fcberhaupt noch lebensf\u00e4hig sind, welche zur Zusammenschrumpfung, zur industriellen R\u00fcckbildung verurteilt sein werden. Erst jetzt wird es sich zeigen, in welchem Ma\u00dfe die ung\u00fcnstigen Standorte und Produktionsbedingungen unserer Industrie durch niedrige L\u00f6hne der Arbeiter und Angestellten, durch niedrige Lebenshaltung der Massen, also durch kulturelle R\u00fcckbildung kompensiert werden, damit die Industrie den freien, nicht mehr durch Zollschutz wie bis zum Herbst 1918, nicht mehr durch die Geldentwertung wie bis zum Herbst 1922 modifizierten Wettbewerb mit Industrien, die unter g\u00fcnstigeren Produktionsbedingungen arbeiten, \u00fcberhaupt bestehen k\u00f6nne. Erst jetzt wird es sich also zeigen, welcher Teil unserer st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung infolge der industriellen R\u00fcckbildung \u00fcberhaupt nicht mehr Arbeit und Brot in der Heimat wird finden k\u00f6nnen und welcher Teil unserer Arbeiter und Angestellten Arbeit und Brot in unserer Industrie nur um den Preis finden wird, da\u00df er sich mit niedrigerer Lebenshaltung bescheidet, also auch auf niedrigerem Kulturniveau verbleibt als die Arbeiter und Angestellten anderer, unter g\u00fcnstigeren Bedingungen produzierender L\u00e4nder. Das Problem unserer nationalen Wirtschalt, wie weit wir unsere Volksmassen \u00fcberhaupt und wie weit wir sie zu ertr\u00e4glichen Bedingungen zu besch\u00e4ftigen verm\u00f6gen, wie weit wir also zu industrieller und wie weit zu kultureller R\u00fcckbildung verurteilt sind, wird durch den Genfer Vertrag, durch die blo\u00dfe Ordnung unserer Staatsfinanzen und unserer W\u00e4hrung nicht nur nicht gel\u00f6st, sondern erst ganz aufgedeckt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Ursache der Krankheit unserer Volkswirtschaft ist die Tatsache, da\u00df ein industrieller Wirtschaftsk\u00f6rper, der einem Wirtschaftsgebiet mit 50 Millionen Einwohnern angepa\u00dft war, in ein Wirtschaftsgebiet mit sechs Millionen Einwohnern eingepfercht worden ist. Nur ein Symptom dieser Krankheit war die Geldentwertung. Aber die Massen, vier Jahre lang an den Folgen der Geldentwertung leidend, hielten das Symptom f\u00fcr die Krankheit selbst. Sie unterwarfen sich willig der schmerzhaften Operation, die das Symptom beseitigt, weil sie damit die Krankheit selbst geheilt glaubten. Allm\u00e4hlich erst erfahren sie, da\u00df Genf nicht die Krankheit heilt, sondern nur eines ihrer Symptome, da\u00df es nur an die Stelle einer Erscheinungsweise der Krankheit eine andere setzt, an die Stelle der Geldentwertung die Arbeitslosigkeit, den Lohndruck, die industrielle und kulturelle R\u00fcckbildung. In dem Ma\u00dfe, als sich die Entt\u00e4uschung \u00fcber die Wirkungen der Operation verbreitet, w\u00e4chst die Auflehnung gegen die Operation und die Operationsmethoden. Es w\u00e4chst der Widerstand der Massen gegen Sanierungsmethoden, die die Staatsfinanzen auf Kosten der Volkswirtschaft sanieren; die alle Lasten der Sanierung den breiten Volksmassen auferlegen, die besitzenden Klassen aber \u00e4ngstlich schonen; die jeden Wunsch der internationalen Hochfinanz zum unverbr\u00fcchlichen Gesetz f\u00fcr uns erheben. Es wird wachsen der Widerstand des um der Sanierung willen unterdr\u00fcckten nationalen Selbstbewu\u00dftseins gegen die Fremdherrschaft und des um der Sanierung willen unterdr\u00fcckten Kulturbewu\u00dftseins gegen die Herrschaft reaktion\u00e4rer, klerikaler Kleinb\u00fcrgerei. Diese anwachsende Unzufriedenheit politisch wirksam zu machen, die von der Wirtschaftskrise getroffenen Massen der Angestellten und Kleingewerbetreibenden, die vom Abbau bedrohten Beamten, die sich gegen die Fremdherrschaft auflehnenden Intellektuellen um die von der Krise mit voller Wucht getroffene Arbeiterklasse zu scharen, die Entwicklung der \u00f6ffentlichen Meinung gegen die Reaktion zu f\u00f6rdern, durch all das die Bourgeoisregierung zu ersch\u00fcttern und schlie\u00dflich zu st\u00fcrzen, der Arbeiterklasse wirksame Kontrolle \u00fcber die Verwaltung wiederzuerobern und damit zu verhindern, da\u00df die b\u00fcrgerliche Regierung ihre Macht zu allm\u00e4hlicher, planm\u00e4\u00dfiger Zerbr\u00f6ckelung der entscheidenden Machtmittel des Proletariats ben\u00fctzen k\u00f6nne&nbsp;&#8209; das ist die n\u00e4chste Aufgabe, die die Sozialdemokratie in der \u00dcbergangsperiode zu bew\u00e4ltigen hat.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wird die Bourgeoisie die Machtmittel des Proletariats nicht gewaltsam zu zerbrechen, sondern allm\u00e4hlich zu zerbr\u00f6ckeln bem\u00fcht sein, so wird dieser Kampf nicht mit den Waffen des B\u00fcrgerkrieges, sondern auf dem Boden der Demokratie, mit den Kampfmitteln der Demokratie gef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Nicht die K\u00f6pfe einzuschlagen, sondern die K\u00f6pfe zu gewinnen wird daher in diesem Kampfe die Aufgabe sein. Vor allem gilt es, die Organisationen des Proletariats durch die Industriekrise ungeschw\u00e4cht, unersch\u00fcttert hindurchzuf\u00fchren. In Zeiten der Krise erst bew\u00e4hrt sich die auf unersch\u00fctterlicher \u00dcberzeugungstreue, auf gr\u00f6\u00dfter Opferwilligkeit, auf un\u00fcberwindlicher Z\u00e4higkeit ihrer Mitglieder beruhende Kraft proletarischer Organisationen! Dar\u00fcber hinaus aber gilt es, die Kleinbauern und H\u00e4usler, die Angestellten und Beamten in unsere Front zu bringen. Wir werden sie desto leichter gewinnen, je klarer wir das unmittelbare Kampfziel umgrenzen. Wir werden die vielen, die die Hoffnung auf Genf der Reaktion in die Arme geworfen hat, gewinnen, wenn wir ihnen klarzumachen verm\u00f6gen, da\u00df wir nicht die Sanierung der Staatsfinanzen bek\u00e4mpfen, sondern den Mi\u00dfbrauch der Sanierungsaktion zur Aufrichtung der politischen Herrschaft der Reaktion und der \u00f6konomischen Herrschaft der Bankokratie; wenn wir der Restauration der Bourgeoisie den gerade diesen Mittelschichten gegen\u00fcber werbekr\u00e4ftigen Gedanken der Volksrepublik entgegensetzen, in der keine Klasse die andere beherrscht, sondern alle Klassen an der Staatsmacht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Anteil haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eines der demokratischen Mittel, die potentielle Energie der sich auf diese Weise gegen die Restauration der Bourgeoisie sammelnden Volksmassen in politische Macht umzusetzen, sind die Wahlen. Gelingt es der Reaktion, bei der n\u00e4chsten Nationalratswahl nur einige Sitze auf unsere Kosten zu gewinnen, dann verf\u00fcgt sie \u00fcber die Zweidrittelmehrheit im Parlament. Dann kann sie die Gesch\u00e4ftsordnung des Nationalrates so \u00e4ndern, da\u00df wir die Mehrheit an schrankenloser Herrschaft nicht hindern k\u00f6nnen. Dann hat sie die Zeit gewonnen, die sie braucht, um unsere wichtigsten Machtpositionen au\u00dferhalb des Parlaments planm\u00e4\u00dfig zu zerbr\u00f6ckeln. Umgekehrt, gewinnen wir bei den Wahlen auf Kosten der Bourgeoismehrheit, dann wird das Regime der Reaktion unhaltbar, dann st\u00fcrzt es zusammen, dann droht auch unseren au\u00dferparlamentarischen Machtstellungen, die noch der Vollendung der Restauration der Bourgeoisie im Wege sind, keine Gefahr mehr.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gelingt es, das Regime der Reaktion zu st\u00fcrzen, dann wird sich uns vielleicht wieder das Problem aufdr\u00e4ngen, ob wir unsere parlamentarische und au\u00dferparlamentarische Macht durch Beteiligung an der Regierung voll wirksam machen k\u00f6nnen und sollen. Es ist keineswegs gewi\u00df, da\u00df uns diese Frage gestellt wird. Die Erfahrung der zwei Jahre vom Oktober 1920 bis zum Oktober 1922 hat gezeigt, da\u00df schwachen b\u00fcrgerlichen Regierungen gegen\u00fcber ein starkes Proletariat das Gleichgewicht der Klassenkr\u00e4fte aufrechterhalten kann, ohne unmittelbar an der Regierung teilnehmen zu m\u00fcssen. Aber in einer Zeit, in der das Selbstbewu\u00dftsein der Bourgeoisie, ihrer Parteien und ihrer Regierung wesentlich erstarkt ist, in der die Regierung dank der St\u00fctze des ausl\u00e4ndischen Generalkommiss\u00e4rs und dank den au\u00dferordentlichen Vollmachten, die sie auf Grund des Genfer Vertrages erlangt hat, wesentlich m\u00e4chtiger geworden ist, kann eine Situation eintreten, in der wir das Regime der Restauration der Bourgeoisie nicht st\u00fcrzen k\u00f6nnen, wenn wir nicht bereit sind, es durch eine Koalitionsregierung unter unserer Teilnahme zu ersetzen; eine Situation, in der wir die allm\u00e4hliche Zerbr\u00f6ckelung der wichtigsten Machtpositionen des Proletariats nicht verhindern k\u00f6nnen, wenn wir nicht unmittelbaren Anteil an der Regierungsgewalt, unmittelbare Kontrolle der Staatsverwaltung erlangen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nicht nur die Erfahrungen der russischen, der deutschen, der tschechischen Revolution, auch unsere eigenen Erfahrungen im Jahre 1920 haben die ernsten Gefahren einer Koalition der Sozialdemokratie mit b\u00fcrgerlichen Parteien deutlich gezeigt; diese Gefahren w\u00e4ren doppelt gro\u00df in einer Zeit, in der die Handlungsfreiheit der Regierung durch die internationale Finanzkontrolle eingeengt ist; in der die Wirkungsm\u00f6glichkeit der Sozialdemokratie in der Regierung durch das erstarkte Machtbewu\u00dftsein der Bourgeoisie wesentlich eingeschr\u00e4nkt w\u00fcrde; in der Industriekrise und Massenarbeitslosigkeit einer Regierung, an der Sozialdemokraten teilnehmen, besonders schwierige Aufgaben stellten. Anderseits aber haben die Erfahrungen des August und September 1922, der Zeit der Verhandlungen in Verona und in Genf gezeigt, welche gro\u00dfe Machtquelle doch selbst einem starken Proletariat gegen\u00fcber die Verf\u00fcgung \u00fcber die Regierungsgewalt ist; wie die Bourgeoisie, wenn sie allein im Besitz der Regierungsgewalt ist, diese Macht ausn\u00fctzen kann, um das Proletariat pl\u00f6tzlich vor vollzogene Tatsachen zu stellen, die das Proletariat dann nicht wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann, und dadurch die Machtverh\u00e4ltnisse sehr wesentlich zuungunsten der Arbeiterklasse zu verschieben. Die Sozialdemokratie kann daher die Teilnahme an einer Koalitionsregierung weder unter allen Bedingungen anstreben, noch unter allen Bedingungen ablehnen. Von der konkreten historischen Situation, aus der eine solche Koalitionsregierung hervorgeht, von den bestimmten geschichtlichen Bedingungen, unter denen sie entsteht und wirkt, h\u00e4ngt es ab, ob die Koalitionsregierung ein zweckdienliches, ein wirksames Mittel im Klassenkampf sein kann.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die erste Koalitionsregierung im Jahre 1919 war das politische Instrument, mittels dessen die Arbeiterklasse ihre Vorherrschaft aus\u00fcbte. Sobald der R\u00fcckschlag der internationalen Revolution, sobald die wirtschaftliche Umw\u00e4lzung und soziale Umschichtung in \u00d6sterreich selbst diese Vorherrschaft ersch\u00fcttert hatte, wurde die Koalitionsregierung zuerst durch die Klassengegens\u00e4tze in ihrem Scho\u00dfe gel\u00e4hmt und schlie\u00dflich durch die Versch\u00e4rfung der Klassengegens\u00e4tze gesprengt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Seit dem Oktober 1920 blieb die Regierungsgewalt in den H\u00e4nden der Bourgeoisie. Die Bourgeoisie hat uns in den .Jahren 1920 bis 1922 wiederholt eine neue Koalition angeboten. Wir haben sie immer wieder abgelehnt. Aus zwei guten Gr\u00fcnden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das beherrschende Problem war damals das Problem der Geldentwertung. Wir durften in die Regierung nicht eintreten, ohne die M\u00f6glichkeit zu haben, mit unseren Mitteln der Geldentwertung halt zu gebieten. Unsere Mittel zur Stabilisierung der Krone&nbsp;&#8209; das waren&nbsp;: Anforderung der Valuten und Devisen, valorisierte Zwangsanleihe, Anforderung von Gratisaktien, Zwangsverb\u00e4nde der Industrie als Steuergesellschaften. So energische Eingriffe in das Eigentumsrecht h\u00e4tten wir aber in der ganzen Zeit vom Sommer 1920 bis zum Sommer 1922 auch in einer Koalitionsregierung nicht durchsetzen k\u00f6nnen; dazu war der Widerstand der Bourgeoisie schon viel zu stark geworden. Die Koalitionsregierung war also damals f\u00fcr uns kein brauchbares Mittel, die positive Aufgabe, die damals zu l\u00f6sen war, zu l\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Koalitionsregierung h\u00e4tte damals daher nur ein Mittel der Verteidigung der schon errungenen Machtpositionen der Arbeiterklasse sein k\u00f6nnen. Aber zu diesem Zwecke war uns damals keine Koalition notwendig. Den schwachen b\u00fcrgerlichen Regierungen dieser Periode gegen\u00fcber konnten wir die Machtstellungen der Arbeiterklasse verteidigen, ohne an der Regierung teilnehmen zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Erst im August 1922 drohte die W\u00e4hrungskatastrophe eine Situation herbeizuf\u00fchren, in der der Bourgeoisie nichts anderes mehr \u00fcbriggeblieben w\u00e4re, als sich unseren finanzpolitischen Forderungen zu unterwerfen. Erst in diesem Augenblick konnte der Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung positiven Zweck, positive Bedeutung erlangen. In diesem Augenblick erkl\u00e4rten wir uns zur Bildung einer Konzentrationsregierung bereit. Aber im letzten Augenblick noch gelang es der Bourgeoisie, die Hilfe des ausl\u00e4ndischen Kapitals zu erlangen und dadurch der Situation, die sie zur Kapitulation vor unseren finanzpolitischen Forderungen gezwungen h\u00e4tte, zu entrinnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Seither lehnt die f\u00fchrende, von Seipel repr\u00e4sentierte Gruppe der Bourgeoisie jede Koalition mit der Sozialdemokratie entschieden und schroff ab. Sie will im Alleinbesitz der durch den Genfer Vertrag wesentlich gest\u00e4rkten Regierungsgewalt bleiben, weil ihr nur der Alleinbesitz der Regierungsgewalt erm\u00f6glicht, die au\u00dferparlamentarischen Machtpositionen der Arbeiterklasse allm\u00e4hlich, planm\u00e4\u00dfig zu zerbr\u00f6ckeln, um schlie\u00dflich, auf ein reaktion\u00e4r gewordenes Heer, auf starke bewaffnete Selbstschutzorganisationen, auf eine ausgebaute Technische Nothilfe gest\u00fctzt, die Arbeiterklasse v\u00f6llig niederzuwerfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In dieser wesentlich ver\u00e4nderten Lage ist es die n\u00e4chste Aufgabe der Arbeiterklasse, dieses Regime der Restauration der Bourgeoisie zu st\u00fcrzen, und kann es nach seinem Sturze notwendig werden, an seine Stelle eine Koalitionsregierung der Sozialdemokratie mit einer oder der anderen b\u00fcrgerlichen Partei zu setzen. Das w\u00e4re freilich eine ganz andere Koalitionsregierung als die von 1919. War die Koalitionsregierung von 1919, die Koalitionsregierung m der Zeit der h\u00f6chsten revolution\u00e4ren Spannung, ein Instrument der Vorherrschaft der Arbeiterklasse, so w\u00e4re die neue Koalitionsregierung, die Koalitionsregierung der \u00dcbergangsperiode, nur ein Instrument der Defensive des Proletariats, ein Instrument der Arbeiterklasse, ihre gef\u00e4hrdeten au\u00dferparlamentarischen Machtpositionen zu erhalten und dadurch die R\u00fcckbildung der Volksrepublik zur Bourgeoisrepublik zu verhindern. Konnten wir 1920 bis 1922 das Gleichgewicht der Klassenkr\u00e4fte aufrechterhalten, ohne an der Regierung teilnehmen zu m\u00fcssen, kann jetzt eine Situation eintreten, in der wir an der durch den Genfer Vertrag gest\u00e4rkten Regierungsgewalt unmittelbaren Anteil haben m\u00fcssen, wenn wir die dauernde Festigung einer unbeschr\u00e4nkten Klassenherrschaft der Bourgeoisie verh\u00fcten wollen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber auch in der durch die Wirkungen des Genfer Vertrages sehr wesentlich ge\u00e4nderten Lage darf die Sozialdemokratie nicht unbedingt, nicht in jedem beliebigen Augenblick in eine Koalitionsregierung eintreten. Unser Eintritt in eine Koalitionsregierung mu\u00df auch jetzt an zwei Voraussetzungen gekn\u00fcpft sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Sozialdemokratie kann nur als Beauftragte, als Sachwalterin des Proletariats an einer Regierung teilnehmen, sie darf nicht gegen den Willen des Proletariats \u00fcber das Proletariat regieren. Sie darf im Besitze der Regierungsgewalt die breiten Massen des Proletariats nur mit geistigen Mitteln f\u00fchren, nicht mit den Mitteln der Gewalt niederhalten. Daher ist die erste Voraussetzung jeder Teilnahme der Sozialdemokratie an einer Koalitionsregierung, da\u00df die \u00fcberwiegende Mehrheit der Arbeiterklasse die Koalitionsregierung will. Im Jahre 1920 mu\u00dften wir aus der Koalitionsregierung austreten, weil sich breite Arbeitermassen von der Koalitionsregierung entt\u00e4uscht abwendeten. Auch jetzt d\u00fcrfen wir in eine Koalitionsregierung nur dann eintreten, wenn die breite Masse der Arbeiter \u00fcberzeugt ist, da\u00df wir die jetzt wesentlich erstarkte Regierungsgewalt nicht der Bourgeoisie allein \u00fcberlassen k\u00f6nnen, wenn nicht unsere wichtigsten Machtmittel planm\u00e4\u00dfig unterminiert, allm\u00e4hlich zerbr\u00f6ckelt werden sollen; da\u00df daher jetzt eine Koalitionsregierung, auch wenn sie nicht ein Mittel der Vorherrschaft der Arbeiterklasse, sondern nur ein Instrument zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Klassenkr\u00e4fte ist, auch wenn sie dem Proletariat keine wesentlichen neuen Errungenschaften bringt,. sondern ihm nur die bedrohten Errungenschaften der vergangenen Revolutionsperiode erh\u00e4lt und rettet, ein unentbehrliches Mittel des Verteidigungskampfes der Arbeiterklasse sein kann.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Sozialdemokratie kann an einer Koalitionsregierung nur teilnehmen, wenn uns die Teilnahme an der Regierung nicht blo\u00dfen Schein der Macht, sondern wirkliche Macht bringt. W\u00e4re die Koalitionsregierung nur das Ergebnis einer zuf\u00e4lligen Kombination, dann g\u00e4be sie uns blo\u00dfen Schein der Macht; denn solange die Bourgeoisie imstande ist, auch ohne uns und gegen uns die Republik zu regieren, wird sie unsere Teilnahme an der Regierung nicht mit wesentlichen Zugest\u00e4ndnissen, nicht mit Einr\u00e4umung wirklicher Macht erkaufen. Nur wenn die Koalitionsregierung das schlie\u00dfliche Ergebnis unseres energischen Kampfes gegen die Regierung der Bourgeoisie ist; erst wenn dieser Kampf breite Schichten der Bourgeoisie mit der \u00dcberzeugung erf\u00fcllt hat, da\u00df die Bourgeoisie den Staat ohne uns und gegen uns \u00fcberhaupt nicht mehr oder doch nicht ohne die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten und ernstesten Gefahren zu regieren vermag, nur dann und erst dann wird die Bourgeoisie unsere Teilnahme an der Regierung mit wesentlichen Zugest\u00e4ndnissen, mit Einr\u00e4umung wirklicher Macht erkaufen m\u00fcssen; nur dann und erst dann wird die Koalitionsregierung ein wirksames Mittel im Verteidigungskampfe der Arbeiterklasse sein. Daher ist es die zweite Voraussetzung unseres Eintritts in eine Koalitionsregierung, da\u00df eine solche Regierung nicht eine blo\u00df parlamentarische Kombination, sondern das schlie\u00dfliche Ergebnis eines energisch, leidenschaftlich und z\u00e4h gef\u00fchrten Klassenkampfes, nicht das Ergebnis einer parlamentarischen Intrige, sondern der Ausdruck einer realen Verschiebung der Machtverh\u00e4ltnisse der Klassen, nicht eine blo\u00dfe Parteienverbindung, sondern der Ausdruck des wiederhergestellten Gleichgewichts zwischen den Klassenkr\u00e4ften ist. Nur unter dieser Voraussetzung bedeutet eine Koalitionsregierung nicht den Verzicht auf den Klassenkampf, sondern sein Resultat, nicht die Einstellung des Klassenkampfes, sondern ein Mittel zur Durchsetzung und Stabilisierung seiner Ergebnisse, nicht die Illusion der Aufhebung der Klassengegens\u00e4tze, sondern den Ausdruck eines zeitweiligen realen Machtverh\u00e4ltnisses zwischen den k\u00e4mpfenden Klassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Diese Voraussetzungen des Eintritts der Sozialdemokratie in eine Koalitionsregierung sind derzeit nicht gegeben. Sie k\u00f6nnen aber, vielleicht im Verlauf der Entwicklung, die seit dem Genfer Vertrag eingesetzt hat, vielleicht durch die fortschreitende Aufl\u00f6sung der durch den .Genfer Vertrag hervorgerufenen Illusionen, durch die fortschreitende Auflehnung immer breiterer Massen gegen die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Regimes der bourgeoisen Restauration, keinesfalls aber anders als in unserem entschiedensten Kampfe gegen dieses Regime hergestellt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Kommunisten lehnen jede Teilnahme einer Arbeiterpartei an einer Koalitionsregierung mit b\u00fcrgerlichen Parteien bedingungslos ab. Aber wenn wir in einer Zeit, in der die Alleinherrschaft der Arbeiterklasse unm\u00f6glich ist, jede Koalitionsregierung ablehnen, dann unterwerfen wir uns damit nur freiwillig der Alleinherrschaft der Bourgeoisie; dann geben wir selbst der Bourgeoisie den Freibrief, die wichtigsten Machtpositionen der Arbeiterklasse planm\u00e4\u00dfig zu unterminieren und allm\u00e4hlich zu zerbr\u00f6ckeln. Umgekehrt erscheint manchen Fraktionen der b\u00fcrgerlichen Demokratie die Vereinigung aller Parteien zu einer gemeinsamen Regierung als ein unter allen Umst\u00e4nden, unter allen Bedingungen erstrebenswertes Ziel. Aber wenn Sozialdemokraten in eine Koalitions- oder Konzentrationsregierung eintreten, ohne in dieser Regierung wirkliche Macht \u00fcben, wirksam der Arbeiterklasse dienen zu k\u00f6nnen, dann ersch\u00fcttern sie nur das Vertrauen der Arbeitermassen zur Sozialdemokratie, zerst\u00f6ren sie damit nur die Klassenorganisation des Proletariats, auf der seine Macht beruht. Wir d\u00fcrfen keine Koalitionspolitik treiben, wie sie die tschechische, zeitweilig auch die reichsdeutsche Sozialdemokratie getrieben hat&nbsp;: eine Politik, in der die Koalition nur die Unterordnung der Sozialdemokratie unter ein tats\u00e4chlich bourgeoises Herrschaftssystem bedeutet. Aber wir m\u00fcssen verstehen, da\u00df die Behauptung der allerwichtigsten Machtpositionen des Proletariats davon abh\u00e4ngig sein kann, ob wir rechtzeitig, das hei\u00dft ehe sich die Bourgeoisie dieser Machtpositionen bem\u00e4chtigt, eine Situation zu erk\u00e4mpfen verm\u00f6gen, in der die Bourgeoisie gezwungen ist, uns einen Anteil an der realen Macht einzur\u00e4umen und uns damit die von ihr bedrohten Machtpositionen wieder zu \u00fcbergeben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Kampf, den wir zu f\u00fchren haben, ist ein Kampf um Klassenmacht. Und von der Klassenmacht h\u00e4ngt die Durchsetzung der Klasseninteressen ab; h\u00e4ngt es vor allem ab, in welchem Verh\u00e4ltnis die einzelnen Klassen zu den Kosten der finanziellen Sanierung werden beitragen m\u00fcssen. Aber es geht nicht um Macht und Interessen allein, Wie in jedem gro\u00dfen Klassenkampf birgt sich auch in diesem Kampf um Klassenmacht und Klasseninteressen ein Kampf zwischen zwei verschiedenen Typen staatlichen, gesellschaftlichen, kulturellen, geistigen Lebens, die durch die k\u00e4mpfenden Klassen repr\u00e4sentiert werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Solange der Staat keinerlei Gewaltmittel zur Niederwerfung gro\u00dfer proletarischer Massenbewegungen besitzt, mu\u00df er immer wieder das Einvernehmen mit den Massen, das freiwillige, aus eigener Einsicht hervorgehende Einverst\u00e4ndnis der Massen suchen; kann er also die Massen nur mit geistigen Mitteln f\u00fchren. Sobald der Staat \u00fcber die Gewaltmittel verf\u00fcgt, die Massen niederzuhalten und niederzuwerfen, bedarf es dessen nicht mehr. Die Mittel der Gewalt ersetzen dann die Mittel der geistigen F\u00fchrung. Solange der Staat die Massen nur mit geistigen Mitteln f\u00fchren kann, bedarf er der Vermittlung der Organisationen; diese Funktion macht die Organisationen zu Organen des Staates und Mitbeherrschern des Staates zugleich. Sobald der Staat die Massen mit den Mitteln der Gewalt niederhalten kann, bedarf er der Vermittlung der Organisationen nicht mehr. Die Ans\u00e4tze zur Entwicklung einer funktionellen Demokratie, die die Revolution hervorgebracht hat, verk\u00fcmmern dann; der Staat f\u00e4llt auf die Stufe einer rein parlamentarischen Demokratie zur\u00fcck. Solange der Staat \u00fcber Gewaltmittel zur Niederhaltung des Proletariats nicht verf\u00fcgt, ist die Demokratie wirkliche Selbstregierung der Volksgesamtheit. Sobald der Staat hinreichende Mittel zur Niederhaltung des Proletariats besitzt, vermag die Bourgeoisie, wenn nur die Wahlen ihr die Mehrheit in dem Parlament der Republik sichern, das Proletariat unbeschr\u00e4nkt zu beherrschen; die Demokratie verwandelt sich dann zur blo\u00dfen Form der Klassenherrschaft der Bourgeoisie. Das also ist der Sinn des Kampfes&nbsp;: es ist der Kampf zwischen dem Geist und der Gewalt als Regierungsmittel; zwischen der funktionellen und der blo\u00df parlamentarischen Demokratie als Regierungsmethode; zwischen der Demokratie als wirklicher Selbstregierung der Volksgesamtheit und der Demokratie als blo\u00dfer Form der Klassenherrschaft.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Von dem Ergebnis dieses Kampfes h\u00e4ngt die ganze Einstellung der Arbeitermassen zum Staat ab. Bis zur Revolution von 1918 war der Staat den Arbeitermassen eine ihnen fremde, ihnen feindliche Gewalt. Durch die Revolution von 1918 wurde die Arbeiterklasse mit einem Schlag zur Tr\u00e4gerin des Staatsgedankens. Der Wille, die Republik zu erhalten und zu sch\u00fctzen, war das m\u00e4chtige Motiv der Selbstzucht, der Selbstbeherrschung der Arbeitermassen in den Hunger- und Sturmzeiten von 1919 und 1920. Der republikanische Enthusiasmus hob die Arbeiterklasse zur Vork\u00e4mpferin der Verteidigung der Republik in der Burgenlandskrise von 1921. Die Entschlossenheit, die Republik zu retten, war die Quelle der Opferwilligkeit des Proletariats in den finanzpolitischen K\u00e4mpfen von 1922. Und mit dem Verh\u00e4ltnis der Arbeiterklasse zum Staat hat sich auch ihr Verh\u00e4ltnis zur Nation ver\u00e4ndert. Bis zur Revolution von 1918 war die Arbeiterklasse die Todfeindin der nationalen Politik, deren Inhalt die Aufrechterhaltung der Herrschaft der deutsch\u00f6sterreichischen Bourgeoisie und B\u00fcrokratie \u00fcber die anderen Nationen der Habsburgermonarchie war. Durch die Revolution von 1918 wurde die Arbeiterklasse zur Tr\u00e4gerin der nationalen Politik, deren Inhalt nun nur noch das Selbstbestimmungsrecht des deutsch\u00f6sterreichischen Volkes sein kann. Die Arbeiterklasse war die Tr\u00e4gerin des nationalen Gedankens im Kampfe um den Anschlu\u00df an Deutschland in den Jahren 1918 und 1919, im Kampfe um das Burgenland 1921, im Kampfe gegen die Unterwerfung Deutsch\u00f6sterreichs unter die Fremdherrschaft einer internationalen Finanzkontrolle im Jahre 1922. Aber gerade mit dieser Unterwerfung hat eine r\u00fcckl\u00e4ufige Bewegung eingesetzt. Verwandelt sich der Staat wieder in eine Klassenorganisation der besitzenden Klassen, die die Arbeiterklasse gewaltsam niederh\u00e4lt, dann entfremden sich die Arbeitermassen wieder dem Staat, sie beginnen wieder, den Staat als eine ihnen fremde, ihnen feindliche Gewalt zu betrachten. Organisiert sich die Nation wieder als Herrschaftsorganisation der besitzenden Klassen, dann tritt die gewaltsam niedergehaltene Arbeiterklasse unvermeidlich wieder in schroffen Gegensatz zur Idee der Nation. Was, vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus gesehen, die Frage ist, ob die Arbeiterklasse den Staat mitbeherrschen, die Nation mitf\u00fchren oder von der den Staat beherrschenden, sich als Nation konstituierenden Bourgeoisie beherrscht werden soll, ist, vom Standpunkt des Staates und der Nation aus gesehen, die Frage, ob sich Staat und Nation die Arbeitermassen, auf deren Arbeit alle staatliche Organisation und alles nationale Kulturleben beruhen, geistig eingliedern oder ob Staat und Nation wieder zu Organisationen der besitzenden Klassen zusammenschrumpfen, ob sie die Arbeitermassen wieder als blo\u00dfe Untertanen des Staates, blo\u00dfe Hintersassen der Nation gewaltsam beherrschen und damit auf die geistige Eingliederung der breiten arbeitenden Massen in sich verzichten sollen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das ist der staatliche, der nationale, der kulturelle Gehalt der Probleme, die uns die \u00dcbergangsperiode, in der wir leben, stellt. Aber ist es auch unsere n\u00e4chste Aufgabe, unsere Kampfziele in dieser \u00dcbergangsperiode innerhalb des in ihr M\u00f6glichen, Erreichbaren, klar zu bestimmen und unsere Kampfmethoden den Bedingungen dieser \u00dcbergangsperiode anzupassen, so m\u00fcssen wir uns bei alledem doch immer dessen bewu\u00dft bleiben, da\u00df die Ziele der \u00dcbergangsperiode eben doch nur vor\u00fcbergehende, nur \u00dcbergangsziele, die Losungen der \u00dcbergangsperiode doch nur \u00dcbergangslosungen sind; da\u00df unsere Aufgaben wesentlich andere, wesentlich gr\u00f6\u00dfere sein werden, wenn erst die \u00dcbergangsperiode zu Ende gehen, wenn der jetzt unterbrochene revolution\u00e4re Proze\u00df wieder von neuem einsetzen wird; da\u00df das labile Gleichgewicht der aus dem Kriege hervorgegangenen staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung Europas fr\u00fcher, als wir glauben, durch Ereignisse aufgehoben werden kann, die eine neue Revolutionsperiode einleiten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der \u00dcbergangsperiode bleibt unsere nationale Existenz durch die Schranken der Vertr\u00e4ge von St. Germain und Genf begrenzt. Wir k\u00f6nnen in der \u00dcbergangsperiode nur innerhalb dieser Schranken die Reste unserer nationalen Selbst\u00e4ndigkeit verteidigen, nicht diese Schranken selbst sprengen. Wenn aber erst neue gro\u00dfe revolution\u00e4re Ersch\u00fctterungen in Europa die Friedensvertr\u00e4ge von Versailles, St. Germain, Riga zerrei\u00dfen und das auf sie gegr\u00fcndete Staatensystem zerbrechen; wenn das innere Gef\u00fcge der tschechoslowakischen Republik und des jugoslawischen K\u00f6nigreiches in schwere Krise ger\u00e4t und die permanente latente Kriegsgefahr in dem ganzen einst von den Habsburgern beherrschten Raum akut wird, dann wird uns das Problem unserer nationalen Existenz wieder so gestellt sein, wie es uns 1918 gestellt war. Da der Genfer Vertrag das Problem unserer selbst\u00e4ndigen nationalen Existenz nicht l\u00f6st; da die blo\u00dfe Sanierung unserer Staatsfinanzen das Problem unserer volkswirtschaftlichen Existenz nicht nur nicht l\u00f6st, sondern erst stellt, wird die unter den Existenzbedingungen eines F\u00fcnfzigmillionenreiches entstandene \u00f6sterreichische Volkswirtschaft in jeder europ\u00e4ischen Krise den ihr allzu engen Rahmen des klein\u00f6sterreichischen Wirtschaftsgebietes zu sprengen versuchen. In jeder europ\u00e4ischen Krise werden wir wieder vor dem Problem von 1918 stehen&nbsp;: \u00dcbernationale F\u00f6deration der Donauv\u00f6lker oder nationaler Zusammenschlu\u00df der Deutschen; Wiederherstellung der habsburgischen Monarchie oder Anschlu\u00df an die Deutsche Republik!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der \u00dcbergangsperiode ist die Volksrepublik, in der keine Klasse \u00fcber die andere herrscht, sondern die Macht zwischen allen Klassen des Volkes geteilt ist, das allein m\u00f6gliche, allein erreichbare Ziel unserer K\u00e4mpfe. Aber die Volksrepublik ist nicht die Aufhebung der Klassengegens\u00e4tze, nicht das Ende der Klassenk\u00e4mpfe; die Klassengegens\u00e4tze k\u00f6nnen nicht aufgehoben werden, solange die kapitalistische Gesellschaftsordnung besteht, die Klassenk\u00e4mpfe nicht enden, solange das Volk in Klassen, deren Interessen und Ideale einander widerstreiten, geschieden bleibt. Die Volksrepublik ist nichts als ein Ausdruck zeitweiligen Gleichgewichts zwischen den Kr\u00e4ften der Klassen&nbsp;&#8209; eines Gleichgewichts, das immer wieder durch die in ihrem Scho\u00dfe weitergef\u00fchrten Klassenk\u00e4mpfe aufgehoben zu werden droht. Wenn erst neue gro\u00dfe Ersch\u00fctterungen in Europa den Klassenkrieg zwischen Kapital und Arbeit einer neuen gro\u00dfen Entscheidungsschlacht zutreiben, dann wird auch in \u00d6sterreich das Gleichgewicht der Klassenkr\u00e4fte aufgehoben; dann steht auch hier die Wahl nur noch zwischen der Konterrevolution der Bourgeoisie und der Revolution des Proletariats, zwischen Kapitalismus und Sozialismus.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Vor zwei gleich verh\u00e4ngnisvollen Irrt\u00fcmern m\u00fcssen wir uns h\u00fcten. Wir m\u00fcssen uns h\u00fcten vor dem Irrtum der Kommunisten, die der Arbeiterklasse in der \u00dcbergangsperiode Aufgaben stellen m\u00f6chten, die erst in einer neuen revolution\u00e4ren Periode l\u00f6sbar werden k\u00f6nnen. Sie verwechseln die Gegenwart mit der Zukunft. Wir m\u00fcssen uns aber ebenso auch h\u00fcten vor dem Irrtum kleinb\u00fcrgerlicher Demokraten, die die Volksrepublik, die nur die \u00dcbergangsform der \u00dcbergangsperiode ist, f\u00fcr den Abschlu\u00df der Entwicklung halten, \u00fcber den uns keine neue revolution\u00e4re Periode mehr hinausf\u00fchren k\u00f6nne. Sie verwechseln die Zukunft mit der Gegenwart.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie die Menschheit auf dem Wege vom Feudalismus zum Kapitalismus durch eine lange Reihe einander folgender revolution\u00e4rer Prozesse hindurchgehen mu\u00dfte, von denen jeder \u00dcbergangsformen staatlichen und gesellschaftlichen Lebens geschaffen hat, die erst durch den folgenden revolution\u00e4ren Proze\u00df wieder \u00fcberwunden, in h\u00f6here \u00dcbergangsformen \u00fcberf\u00fchrt wurden, bis schlie\u00dflich auf diese Weise durch die mannigfaltigsten \u00dcbergangsformen hindurch der Weg vom reinen Feudalstaat des 13. bis zum reinen Bourgeoisstaat des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckgelegt war, so wird die Menschheit auch auf dem Wege vom Kapitalismus zum Sozialismus eine lange Reihe revolution\u00e4rer Prozesse durchmachen, durch eine ganze Kette staatlicher und gesellschaftlicher \u00dcbergangsformen hindurchgehen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ein solcher revolution\u00e4rer Proze\u00df, einer von vielen, die einander folgen m\u00fcssen, war die Revolution von 1918. Die Revolution, die das alte Habsburgerreich zerst\u00f6rt hat, war nicht unsere Revolution, nicht die Revolution des deutsch\u00f6sterreichischen Proletariats; sie war die Revolution der tschechischen, der jugoslawischen, der polnischen Bourgeoisie. Aber das deutsch\u00f6sterreichische Proletariat hat diese b\u00fcrgerlich-nationale Revolution ausgen\u00fctzt, um auch auf seinem Boden den absolutistischen Obrigkeitsstaat zu zerst\u00f6ren, um seine Macht in Staat, Land und Gemeinde, in Kaserne, Amt und Schule, in Fabrik, Werkstatt und Gutshof gewaltig zu vergr\u00f6\u00dfern. Das Ergebnis dieser Revolution war die Volksrepublik, ein \u00dcbergangszustand gesellschaftlichen Lebens, der noch auf der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ruht, aber das kapitalistische Wirtschaftsleben unter der Kontrolle eines nicht mehr von den Herrenklassen der kapitalistischen Gesellschaft allein regierten Staates h\u00e4lt; ein \u00dcbergangszustand staatlichen Lebens, in dem der Staat nicht mehr von der Bourgeoisie allein und noch nicht vom Proletariat allein beherrscht werden kann, nicht mehr ein Instrument der Bourgeoisie zur Niederhaltung des Proletariats und noch nicht ein Instrument des Proletariats zur \u00dcberwindung der Wirtschaftsherrschaft der Bourgeoisie ist. Heute ist die Revolution von 1918 abgeschlossen; die Aufgabe des Proletariats beschr\u00e4nkt sich vorl\u00e4ufig darauf, die Ergebnisse dieser Revolution zu verteidigen, den aus ihr hervorgegangenen staatlichen und gesellschaftlichen \u00dcbergangszustand gegen die Reaktion der Bourgeoisie wiederherzustellen und festzuhalten. Sobald aber die durch die Revolution von 1918 ungel\u00f6sten Probleme, nach ihrer L\u00f6sung dr\u00e4ngend, einen neuen revolution\u00e4ren Proze\u00df einleiten, wird der aus der Revolution von 1918 hervorgegangene staatlich-gesellschaftliche \u00dcbergangszustand gesprengt, im Sturme einer neuen Revolution zu einem anderen, einem h\u00f6heren \u00dcbergangszustand \u00fcbergef\u00fchrt. So mu\u00df die Arbeiterklasse durch eine Kette von Revolutionen hindurchgehen, nach jeder Revolutionsphase die aus ihr hervorgegangene \u00dcbergangsform staatlich-gesellschaftlichen Lebens gegen R\u00fcckschl\u00e4ge so lange verteidigen, bis eine neue Revolutionsphase es ihr erm\u00f6glicht, die aus der vorausgegangenen entstandene \u00dcbergangsform im Sturme der Revolution zu einer neuen, h\u00f6heren \u00dcbergangsform weiterzuentwickeln. Auf diese Weise mu\u00df die Arbeiterklasse zu immer neuen, immer h\u00f6heren Formen staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, immer neuen Phasen in dem weltgeschichtlichen Proze\u00df der Umbildung der kapitalistischen Gesellschaft in die sozialistische aufsteigen, bis schlie\u00dflich das Ziel erreicht, bis die sozialistische Gesellschaft verwirklicht ist. In diesem revolution\u00e4ren Proze\u00df verwirklicht und vollendet sich schlie\u00dflich die aus der Revolution von 1918 hervorgegangene Idee der Volksrepublik. Denn wenn die Volksrepublik heute nur der Ausdruck vor\u00fcbergehenden Gleichgewichts zwischen den Kr\u00e4ften der einander bek\u00e4mpfenden Klassen sein kann, das durch den Klassenkampf immer wieder aufgehoben werden mu\u00df, so findet sie ihre Vollendung erst in der sozialistischen Gesellschaft, die mit dem Privateigentum an den Produktionsmitteln die Scheidung der Gesellschaft in Klassen, Klassengegensatz und Klassenkampf aufhebt und damit erst die nicht mehr in gegens\u00e4tzliche Klassen zerrissene Volksgemeinschaft verwirklicht.<\/span><\/p>\n<p class=Texte>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div><br clear=all> <\/p>\n<hr align=left size=1 width=\"33%\">\n<div id=edn1>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Otto Bauer, Die \u00d6sterreichische Revolution; Wien, Wiener Volksbuchhandlung, 1923; i<\/span>ci p.&nbsp;242-. <\/p>\n<p class=MsoEndnoteText>Le texte complet ici <a href=\"http:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Bauer_Otto_Oesterreichische_Revolution.pdf\"><span style='color:blue'>&#9658;<\/span><\/a> .<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1534\" data-postid=\"1534\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1534 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: Otto Bauer &#8211; Die \u00d6sterreichische Revolution &nbsp; Otto Bauer&nbsp;: Die \u00d6sterreichische Revolution (Extrait)[1] F\u00fcnfter Abschnitt Die Restauration der Bourgeoisie \u00a7&nbsp;19. 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