{"id":1539,"date":"2025-07-15T17:08:27","date_gmt":"2025-07-15T15:08:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1539"},"modified":"2026-01-26T00:06:59","modified_gmt":"2026-01-25T23:06:59","slug":"oesterreich-dokumente-bauer-otto-klassenkampf-staendeverfassung-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-bauer-otto-klassenkampf-staendeverfassung-fr\/","title":{"rendered":"Documents : Otto Bauer &#8211; Klassenkampf und \u00ab\u00a0St\u00e4ndeverfassung\u00a0\u00bb (1934)"},"content":{"rendered":"\n<div class=WordSection1>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<div align=center>\n<table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'>\n<tr>\n<td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span style='letter-spacing:1.0pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br \/> Documents&nbsp;:<br \/> Otto Bauer &#8211; <\/span><\/b><b><span lang=DE style='letter-spacing:1.0pt'>Klassenkampf und &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot;<\/span><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><\/div>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Otto Bauer&nbsp;: Klassenkampf und &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot;<\/span><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Wirtschaftliche Basis und politischer \u00dcberbau.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Seit dem Kriege schrumpft der \u00f6sterreichische Kapitalismus immer mehr zusammen. Infolge des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses werden gro\u00dfe Kapitalien entwertet und zerst\u00f6rt, wird ein wachsender Teil der Kapitalistenklasse proletarisiert.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zuerst sind in der Zeit der Inflation die Rentnerkapitalien zerst\u00f6rt worden. Viele b\u00fcrgerliche Familien, deren Reichtum in Staatspapieren, Mieth\u00e4usern, Hypotheken angelegt gewesen war, sind dadurch verarmt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gleichzeitig sind allerdings aus dem Blut des Krieges und dem Elend der Inflationszeit neue Reicht\u00fcmer zusammengerafft worden. Aber der aus Kriegs-, Schieber- und Spekulationsgewinnen zusammengeraffte Reichtum war selten von langem Bestand. Nach der Stabilisierung der Krone im Herbst 1922 begann er sich zu zersetzen. Die Verluste an der gro\u00dfen Frankenspekulation von 1924 versetzten den &quot;neuen Reichen&quot; der Kriegs- und Inflationszeit &#8209;&nbsp;Typus&nbsp;: Bosel&nbsp;&#8209; den t\u00f6dlichen Schlag.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Den Verlusten des Rentnerkapitals und des Kriegsgewinnerkapitals folgte die Katastrophe des Bankwesens. In der Inflationszeit gewaltig aufgebl\u00e4ht, gerieten die \u00f6sterreichischen Banken nach der Stabilisierung des Geldwertes in eine schwere Krise. Sie wurde zun\u00e4chst durch einen gro\u00dfen Konzentrationsproze\u00df, durch die Konzentration der Defizite in den H\u00e4nden einer immer kleineren Zahl von Gro\u00dfbanken, verh\u00fcllt. Aber diese Konzentration der Defizite endete schlie\u00dflich mit dem Zusammenbruch der Kreditanstalt im Jahre 1931. Damit wurde die \u00f6sterreichische Hochfinanz aus der Leitung des gr\u00f6\u00dften Kreditinstituts hinausgeschleudert; der Staat und das Auslandskapital teilten die Macht \u00fcber die auf Kosten der Volksgesamtheit gest\u00fctzte Gro\u00dfbank. Die beiden anderen \u00f6sterreichischen Gro\u00dfbanken, die noch verblieben waren, mu\u00dften 1933 unter der F\u00fchrung der Nationalbank reorganisiert werden. Selbst\u00e4ndige Gro\u00dfbanken gibt es in \u00d6sterreich nicht mehr; die drei gro\u00dfen Banken, die die Katastrophe des \u00f6sterreichischen Bankwesens \u00fcberlebt haben, stehen s\u00e4mtlich unter Einflu\u00df und Kontrolle des Staates und der Nationalbank.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Endlich ist auch die Gro\u00dfindustrie seit dem Jahre 1929 immer mehr zusammengeschrumpft. Viele Betriebe sind stillgelegt, andere arbeiten nur mit einem sehr verringerten Arbeiterstand. Die Dividenden und die Kurse der Aktien sind tief gesunken. Die Industrie ist den Banken schwer verschuldet; aber die Abh\u00e4ngigkeit von den Banken bedeutet jetzt nicht mehr nur ihre Abh\u00e4ngigkeit vom Finanzkapital, sondern auch und in noch h\u00f6herem Ma\u00dfe ihre Abh\u00e4ngigkeit vom Staat und von der Nationalbank, die die Banken beherrschen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Mit der wirtschaftlichen Basis ver\u00e4ndert sich auch der politische \u00dcberbau.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Revolution von 1918 hat die Macht der Arbeiterklasse bedeutend erweitert. Gegen die Arbeiterklasse haben sich seit 1920 alle Fraktionen der besitzenden Klassen zusammengeschlossen. Die Christlichsoziale Partei, in der Monarchie eine Partei des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft, ist seit 1920 unter Seipels F\u00fchrung zur &quot;Sammelpartei&quot; aller besitzenden Klassen geworden. Der B\u00fcrgerblock, der uns von 1920 bis 1932 regiert hat, vereinigte die Christlichsoziale Partei mit Gro\u00dfdeutschen und Landb\u00fcndlern und sicherte ihr die F\u00fchrung der Parlamentsmehrheit und der Regierung. Der Bankenverband und der Hauptverband der Industrie \u00fcbten auf die Wirtschaftspolitik des B\u00fcrgerblocks entscheidenden Einflu\u00df. Der B\u00fcrgerblock bedeutete die Vereinigung der b\u00fcrgerlichen und b\u00e4uerlichen Massen unter der wirtschaftlichen F\u00fchrung des Bankkapitals und des Industriekapitals.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die f\u00fchrende Stellung des Bank- und Industriekapitals ist aber durch die Zersetzung der \u00f6sterreichischen Kapitalistenklasse untergraben worden. Der Bankenverband ist seit dem gro\u00dfen Bankenzusammenbruch keine Macht mehr; seitdem der Staat \u00fcber die Banken herrscht, herrschen die Banken nicht mehr \u00fcber den Staat. Aber auch der Hauptverband der Industrie ist nicht mehr so m\u00e4chtig, wie er einst gewesen ist. Die schwere Ersch\u00fctterung der Gro\u00dfindustrie durch die Krise und die Abh\u00e4ngigkeit der Gro\u00dfindustrie von den vom Staat beherrschten Banken haben seine Macht ersch\u00fcttert. Bank- und Industriekapital sind nicht mehr imstande, die b\u00fcrgerlichen und b\u00e4uerlichen Massen zu f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch der politische Konflikt zwischen Deutschland und \u00d6sterreich seit dem M\u00e4rz 1933 hat die Machtstellung des industriellen Kapitals geschw\u00e4cht. Gro\u00dfe Teile der \u00f6sterreichischen Industrie, vor allem der Eisen- und Stahlindustrie und der Elektroindustrie, geh\u00f6ren dem reichsdeutschen Kapital; sie k\u00f6nnen daher in einer Zeit schweren Konflikts zwischen der deutschen und der \u00f6sterreichischen Regierung den \u00f6sterreichischen Regierungskurs nicht wirksam beeinflussen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Selbstverst\u00e4ndlich sind das Bank- und das Industriekapital auch jetzt nicht einflu\u00dflos. Sie haben den Inhalt der Notverordnungen \u00fcber die Angelegenheiten des Arbeiter- und Angestelltenrechtes und der Sozialversicherung entscheidend zu beeinflussen vermocht. Da\u00df aber ihr Einflu\u00df nicht mehr so beherrschend ist wie einst, zeigen der einseitig agrarische Kurs der Wirtschaftspolitik; die Einstellung der ausw\u00e4rtigen Handelspolitik auf Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr Kontingente von Stapelartikeln, die im Interesse der Land- und Forstwirtschaft und allenfalls noch weniger Rohstoff- und Halbfabrikatindustrien liegt, den Interessen der Fertigfabrikatindustrien aber nicht entspricht; die Einsetzung eines Regierungskommiss\u00e4rs in der Alpinen Montangesellschaft; die z\u00fcnftlerischen Vorst\u00f6\u00dfe gegen die Warenh\u00e4user und gegen die Brotfabriken; auch die Tatsache, da\u00df der Antisemitismus in der Christlichsozialen Partei, die ihn um ihres B\u00fcndnisses mit den Bank- und Industrieherren willen zur\u00fcckgestellt hatte, jetzt wieder laut zu werden wagt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Haben aber das Bank- und das Industriekapital ihre Herrscherstellung in den b\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlichen Parteien verloren, so ist die F\u00fchrung der b\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlichen Massen damit an andere Fraktionen der Bourgeoisie \u00fcbergegangen&nbsp;: an die B\u00fcrokratie, deren Macht gewaltig erstarkt ist, seitdem sie &#8209;&nbsp;seit dem M\u00e4rz 1933&nbsp;&#8209; der parlamentarischen Kontrolle entledigt worden ist; an den aristokratischen Gro\u00dfgrundbesitz und an die alte Generalit\u00e4t des einstigen k.&nbsp;u.&nbsp;k. Heeres, die die Heimwehren kommandieren und sich in ihnen ein neues Instrument ihrer Macht geschaffen haben. Es sind die alten, durch die Revolution von 1918 entthronten Herrenklassen, die jetzt wieder entscheidenden Einflu\u00df \u00fcben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dem Industrie- und dem Bankkapital war es gleichg\u00fcltig, ob der Staat demokratisch oder faschistisch, &quot;freiheitlich&quot; oder klerikal regiert wurde. Ihnen kam es nur darauf an, da\u00df er b\u00fcrgerlich-kapitalistisch regiert werde, da\u00df er die Arbeiter im Gehorsam erhalte und da\u00df er sich in den Dienst der wirtschaftlichen Interessen des Kapitals stelle. Ganz anders die B\u00fcrokratie, die Aristokratie und die Generalit\u00e4t. Sie sind die historischen Gegner der Demokratie. Sie hassen die Demokratie und den &quot;Marxismus&quot;, durch die sie im Jahre 1918 entthront worden sind. Sie sind die historischen Wortf\u00fchrer und Nutznie\u00dfer einer &quot;autorit\u00e4ren&quot; Staatsf\u00fchrung der alt\u00f6sterreichischen, schwarzgelben, klerikalen Traditionen. Ihnen ist es nicht nur um Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen, sondern vor allem um politische Reaktion zu tun.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zugleich haben sich unter dem Druck der Wirtschaftskrise und der deutschen Gegenrevolution innerhalb der b\u00fcrgerlichen und b\u00e4uerlichen Massen selbst wichtige Differenzierungprozesse vollzogen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Kampf um die deutsch-\u00f6sterreichische Zollunion endete mit der Kapitulation: nicht nur mit dem Verzicht auf die Zollunion, sondern auch mit der dem\u00fctigenden Entlassung Schobers unter franz\u00f6sischem Druck. Die durch die Gro\u00dfdeutsche Partei vertretene deutschnationale Intelligenz, \u00fcber diese Kapitulation erbittert, verlie\u00df den B\u00fcrgerblock. Unter dem Eindruck des nationalfaschistischen Vormarsches in Deutschland wandte sie sich dem Nationalfaschismus zu.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zugleich hat die Krise seit 1929 breite b\u00fcrgerliche und b\u00e4uerliche Massen verelendet und mit rebellischer Stimmung erf\u00fcllt, die sich gegen die regierenden Parteien wandte. Die nationalfaschistische Bewegung ri\u00df breite Massen mit. B\u00fcrger und Bauern teilten sich&nbsp;: die \u00e4ltere Generation des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft, Tr\u00e4gerin der alt\u00f6sterreichischen und klerikalen Traditionen, blieb der Christlichsozialen Partei treu und geriet damit im Verlauf der Ereignisse unter die F\u00fchrung der B\u00fcrokratie, des aristokratischen Gro\u00dfgrundbesitzes und der alten k.&nbsp;u.&nbsp;k. Generalit\u00e4t; die j\u00fcngere Generation des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft wandte sich dem Nationalfaschismus zu und geriet damit unter die F\u00fchrung der deutschnationalen Intelligenz.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Bauernschaft des Flachlandes, vor allem am Ackerbau interessiert, durch die Agrarpolitik der Regierung wirksam gef\u00f6rdert, blieb \u00fcberwiegend in dem christlichsozialen Lager; die Gebirgsbauernschaft, infolge der Holzkrise und der Krise auf den M\u00e4rkten f\u00fcr Zucht- und Nutzvieh, f\u00fcr K\u00e4se und Butter, weit st\u00e4rker verelendet, ist f\u00fcr die nationalfaschistische Agitation weit mehr empf\u00e4nglich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Endlich hat die Krise des \u00f6sterreichischen Kapitalismus auch die Macht der Arbeiterklasse empfindlich geschw\u00e4cht. Ein Drittel der Arbeiterklasse ist aus den Produktionsst\u00e4tten hinausgeschleudert; jahrelange Arbeitslosigkeit zerm\u00fcrbt die seelische Kraft der Arbeitslosen und dr\u00fcckt sie in einen Zustand der Resignation hinab. Die Arbeiter, die noch in den Betrieben stehen, zittern um ihre Arbeitsstelle; die Angst vor der Arbeitslosigkeit verringert ihre Kampfkraft. Die Schw\u00e4chung der Widerstandskraft der Arbeiterklasse l\u00e4\u00dft der Gesamtheit der besitzenden Klassen den Augenblick g\u00fcnstig erscheinen, den &quot;revolution\u00e4ren Schutt&quot; der sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse wegzur\u00e4umen und die politische Machtstellung der Arbeiterklasse zu zerst\u00f6ren. Die Niederlage der Arbeiterklasse in Deutschland ermutigt die besitzenden Klassen in \u00d6sterreich zur sozialen Gegenrevolution.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Geschichtliche Erfahrungen lehren allerdings, da\u00df gerade die Verelendung der Arbeiterklasse, die zun\u00e4chst ihre Kampfkraft schw\u00e4cht, in einer sp\u00e4teren Phase starke dynamische Wirkungen hervorrufen kann. Aber die Bourgeoisie rechnet, allzu kurzsichtig, nicht mit dem, was werden kann, sondern nur mit dem, was ist. Diese Umw\u00e4lzungen in allen Klassen des \u00f6sterreichischen Volkes haben den politischen Mechanismus wesentlich ver\u00e4ndert.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Umw\u00e4lzung begann mit dem Ausscheiden der Gro\u00dfdeutschen aus dem B\u00fcrgerblock; damit wurde im Parlament die B\u00fcrgerblockmehrheit, die uns zw\u00f6lf Jahre lang regiert hatte, aufgel\u00f6st, die deutschnationale Intelligenz trat in Opposition gegen das Regierungssystem und begann die rebellischen :Elemente des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft unter nationalfaschistischer Flagge um sich zu scharen. Die Christlichsoziale Partei nahm zum Ersatz der Gro\u00dfdeutschen die Heimwehren in die Regierung auf; damit gewannen der aristokratische Gro\u00dfgrundbesitz und die alte k.&nbsp;u.&nbsp;k. Generalit\u00e4t, die die Heimwehren kommandieren, verst\u00e4rkten Einflu\u00df. Aber auch mit Heimwehren und Landbund verf\u00fcgte die Christlichsoziale Partei im Parlament nur mehr \u00fcber eine Einstimmenmehrheit; da es im Parlament keine regierungsf\u00e4hige Mehrheit mehr gab, wurde sein Funktionieren von jedem Zufall abh\u00e4ngig, der Parlamentarismus in eine Kette von Krisen gest\u00fcrzt. Zugleich sah die Christlichsoziale Partei seit den Landtags- und Gemeindewahlen vom April 1932, da\u00df sie einen gro\u00dfen Teil ihrer W\u00e4hlerschaft an die Nationalfaschisten verlor; da das Abstr\u00f6men ihrer W\u00e4hlermassen zu den Nationalfaschisten seit dem 30. J\u00e4nner 1933, dem Tage der Bildung der Regierung Hitler in Deutschland, noch wesentlich verst\u00e4rkt wurde, sah sie, da\u00df sie nach den n\u00e4chsten Wahlen nicht einmal jene knappe Mehrheit mehr im Parlament werde erhalten k\u00f6nnen, die ihr seit dem Ausscheiden der Gro\u00dfdeutschen nur noch ein sehr m\u00fchseliges, von vielen Krisen ersch\u00fcttertes, von jedem Zufall abh\u00e4ngiges parlamentarisches Regieren erm\u00f6glicht hat. Es war klar, da\u00df die Aufrechterhaltung des parlamentarischen Regierungssystems in \u00d6sterreich nur noch durch eine Koalition der Christlichsozialen mit der Sozialdemokratie m\u00f6glich gewesen w\u00e4re; aber in dem Augenblick, in dem die Schw\u00e4chung der Arbeiterklasse durch die Wirtschaftskrise und die Niederlage der Arbeiterklasse in Deutschland die besitzenden Klassen mit der \u00dcberzeugung erf\u00fcllten, da\u00df jetzt der g\u00fcnstigste Augenblick f\u00fcr eine Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der Arbeiterklasse auch in \u00d6sterreich gekommen sei, war die Christlichsoziale Partei weniger denn je zu einer Kooperation mit den &quot;Marxisten&quot; bereit. Da es also offenkundig war, da\u00df die Christlichsoziale Partei ihre Herrschaft nicht mehr in den Formen der parlamentarischen Demokratie aus\u00fcben konnte, entschlo\u00df sie sich, ihre Herrschaft in anderen Formen auszu\u00fcben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am 7. M\u00e4rz 1933, zwei Tage nach dem gro\u00dfen Wahlsieg Hitlers in Deutschland, wurde das &quot;autorit\u00e4re System&quot; begr\u00fcndet. Das Parlament ist ausgeschaltet; damit erstarkte die B\u00fcrokratie, die, der parlamentarischen Kontrolle im Bunde entledigt, bald auch gegen die demokratische Selbstverwaltung in den L\u00e4ndern und Gemeinden vorstie\u00df. Da die parlamentarischen Gegengewichte ausgeschaltet waren, erstarkte innerhalb des Systems die Heimwehr, das hei\u00dft&nbsp;: der aristokratische Gro\u00dfgrundbesitz und das alte k.&nbsp;u.&nbsp;k. Offizierskorps, die die Heimwehren kommandieren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bedeutete die b\u00fcrgerliche, von den b\u00fcrgerlichen Parteien getragene Demokratie von 1920 bis 1932 die Regierung der vom Bankkapital und vom Industriekapital gef\u00fchrten b\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlichen Massenparteien unter wachsamer und widerstandsf\u00e4higer Kontrolle der Arbeiterklasse, so regiert jetzt unter f\u00fchrendem Einflu\u00df der B\u00fcrokratie, des aristokratischen Gro\u00dfgundbesitzes und des einstigen k.&nbsp;u.&nbsp;k. Offizierskorps der christlichsozial gebliebene Teil des B\u00fcrger- und Bauerntums sowohl \u00fcber die wesentlich geschw\u00e4chte Arbeiterklasse als auch \u00fcber die von der deutschnationalen Intelligenz gef\u00fchrten, dem Nationalfaschismus verfallenen Teile der Kleinb\u00fcrger- und Bauernschaft.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die innere Entwicklung wurde durch die \u00e4u\u00dfere verst\u00e4rkt. Deutschland, von den Nationalfaschisten beherrscht, bedient sich der \u00f6sterreichischen Nationalfaschisten, um \u00d6sterreich &nbsp;gleichzuschalten&quot;. \u00d6sterreich, durch die deutschen Annexionsgel\u00fcste bedroht, sucht Schutz bei Italien. Dadurch wird der Einflu\u00df der von dem italienischen Faschismus gef\u00f6rderten und subventionierten Heimwehren, also der Klasseneinflu\u00df der Aristokratie und der Generalit\u00e4t innerhalb des \u00f6sterreichischen Systems gest\u00e4rkt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das System steht in bewu\u00dftem Gegensatz gegen die &quot;formale&quot;, parlamentarische Demokratie. Es mu\u00df ihr eine andere Verfassungsidee entgegensetzen. Es setzt ihr den Gedanken entgegen, der, zumal seit dem Aufbau des Korporationensystems im faschistischen Italien, die gemeinsame Verfassungsidee aller antidemokratischen b\u00fcrgerlichen Str\u00f6mungen ist&nbsp;: die Idee einer berufsst\u00e4ndischen Verfassung. Aber das System steht zugleich auch im Kampfe gegen den Nationalfaschismus. Die berufsst\u00e4ndische Verfassung, die es will, kann und darf daher nicht die berufsst\u00e4ndische Ordnung des Nationalfaschismus sein. Auf die Klassen gest\u00fctzt, die die Erben der alt\u00f6sterreichischen \u00dcberlieferung sind, im Kampfe gegen die Annexionsgel\u00fcste des deutschen Nationalfaschismus bestrebt, der Anziehungskraft des Deutschtums einen \u00f6sterreichischen Patriotismus entgegenzusetzen, sucht und findet es die Seele des \u00d6sterreichertums im Katholizismus, der \u00d6sterreich von dem halb protestantischen, halb heidnischen Nationalfaschismus scheidet, und verk\u00fcndet darum als sein Ziel die Verwirklichung einer spezifisch katholischen berufsst\u00e4ndischen Verfassung, die als erster Staat zu verwirklichen, die besondere Sendung \u00d6sterreichs sei. So wird die berufsst\u00e4ndische Verfassungsidee, die gemeinsame Idee aller b\u00fcrgerlichen antidemokratischen Str\u00f6mungen, konkretisiert als die berufsst\u00e4ndische Idee nach den Soziallehren der Kirche, nach den Lehren der p\u00e4pstlichen Enzyklika Quadragesimo anno.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00d6sterreich hat schon vor einem halben Jahrhundert einmal eine nicht un\u00e4hnliche geschichtliche Situation erlebt. Dem &quot;gro\u00dfen Krach&quot; von 1873 war eine sechs Jahre dauernde, \u00fcberaus schwere Wirtschaftsdepression gefolgt. Auch damals hatte die schwere wirtschaftliche Krise die politische Macht des Bank- und des Industriekapitals ersch\u00fcttert. 1878 wurde der gro\u00dfb\u00fcrgerliche Liberalismus gest\u00fcrzt, die liberale Bourgeoisregierung von einer Regierung des Adels und der B\u00fcrokratie, der Regierung Taaffe abgel\u00f6st. Auch damals hat der konservative Adel, auf kleinb\u00fcrgerliche und b\u00e4uerliche Massen gest\u00fctzt, der liberalen Verfassung die Idee einer berufsst\u00e4ndischen Ordnung der Gesellschaft und des Staates entgegengesetzt; die berufsst\u00e4ndische Idee diente damals dem Kampfe des Adels gegen den auf das Zensuswahlrecht gest\u00fctzten Liberalismus, wie sie heute seinem Kampfe gegen die auf das allgemeine und gleiche Wahlrecht gest\u00fctzte Demokratie gilt. Aristokraten wie der Baron Vogelsang, der Graf Belcredi, der Prinz Liechtenstein waren damals die Wortf\u00fchrer der berufsst\u00e4ndischen Idee, wie es heute der F\u00fcrst Starhemberg, die Grafen Revertera und Alberti, der Baron Morsey sind&nbsp;&#8209; eine \u00dcbereinstimmung, die allerdings den geistigen Niveauunterschied zwischen den aristokratischen Bandenf\u00fchrern von heute und den gelehrten Ideologen des aristokratischen Konservatismus der achtziger Jahre nicht \u00fcbersehen lassen darf. Auch damals berief sich die berufsst\u00e4ndische Idee auf die Soziallehren der Kirche. Das Ergebnis der Versuche von damals war die Gewerbeordnung von 1883, die Einrichtung der Gewerbegenossenschaften und des Bef\u00e4higungsnachweises. Gesetzgeberische Versuche, auch f\u00fcr die Gro\u00dfindustrie und f\u00fcr die Landwirtschaft berufsst\u00e4ndische Organisationen zu schaffen, sind damals gescheitert. Wenn allerdings die Wortf\u00fchrer der berufsst\u00e4ndischen Idee von damals ganz ebenso wie heute die Organisation der St\u00e4nde f\u00fcr das Mittel hielten, den Klassenkampf zu \u00fcberwinden, so wurden umgekehrt die von ihnen geschaffenen Institutionen zu St\u00e4tten und Organen des Klassenkampfes. Die Gewerbegenossenschaften -erwiesen sich als ein Mittel, das gewerbliche Kleinb\u00fcrgertum gegen die kapitalistischen Verleger und Zwischenh\u00e4ndler einerseits, gegen die Arbeiter andererseit zu organisieren. Die Gehilfenvertretungen und Gehilfenversammlungen verstand das durch den Ausnahmezustand und die Verfolgungsma\u00dfnahmen der klerikal-aristokratischen Regierung jener Zeit bedr\u00fcckte Proletariat zu Organen seiner Sammlung und Organisierung zum Klassenkampf zu ben\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Die berufsst\u00e4ndische Ideologie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gedankeng\u00e4nge und Bestrebungen verschiedenen Ursprungs sind in der berufsst\u00e4ndischen Idee zusammengestr\u00f6mt. Es ist wichtig, die verschiedenen Quellfl\u00fcsse kennenzulernen, die sich zu dem Strom der berufsst\u00e4ndischen Idee vereinigt haben. Denn nur aus der Sonderung der verschiedenen Bestrebungen, die in ihr zusammengestr\u00f6mt sind, k\u00f6nnen wir Gehalt und Sinn der K\u00e4mpfe um die Gestaltung und Verwirklichung der berufsst\u00e4ndischen Idee verstehen lernen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die berufsst\u00e4ndische Idee, mit der wir es heute zu tun haben, ist aus den Klassenk\u00e4mpfen in der modernen Gesellschaft entstanden. Es ist nicht nur nutzlos, sondern auch verwirrend, st\u00e4ndische Ideen in den Schriften Platos oder des heiligen Thomas von Aquino aufzusp\u00fcren, wie es Herr Professor Spann und seine Schule zu tun pflegen; st\u00e4ndische Ideen im Rahmen ganz anderer Gesellschaftsordnungen belehren uns nicht \u00fcber Ursprung und Sinn der st\u00e4ndischen Ideen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Wesen sind die berufsst\u00e4ndischen Ideen unserer Zeit vierfachen Ursprungs.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>1. Die feudale Gesellschaft war in St\u00e4nde gegliedert. Die F\u00fcrsten, die freien Herren, der niedere Adel, die Geistlichen, die B\u00fcrger, die Bauern bildeten je einen Stand. Man geh\u00f6rte dem Stande durch seine Geburt an; wer als Bauernsohn geboren war, blieb, welchen Beruf immer er w\u00e4hlte, ein Angeh\u00f6riger des Bauernstandes. Nur der geistliche Stand wurde nicht durch Geburt, sondern durch die Weihen erworben. F\u00fcr jeden Stand gab es ein besonderes Recht&nbsp;: f\u00fcr den Adel ein anderes als f\u00fcr den B\u00fcrger, f\u00fcr den B\u00fcrger ein anderes als f\u00fcr den Bauern. Die Angeh\u00f6rigen der St\u00e4nde waren zu mannigfachen, teils herrschaftlichen, teils genossenschaftlichen Organisationen verkn\u00fcpft. So die B\u00fcrger zu Z\u00fcnften und Gilden. So waren die Bauern einerseits der Grundherrschaft untert\u00e4nig, andererseits in der Hofgenossenschaft oder Gemain vereint.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die gro\u00dfe Franz\u00f6sische Revolution hat diese ganze st\u00e4ndische Ordnung zerschlagen. Sie hat die rechtliche Verschiedenheit der Geburtsst\u00e4nde aufgehoben und durch das gleiche Recht f\u00fcr alle Staatsb\u00fcrger ersetzt. Sie hat die \u00fcberkommenen herrschaftlichen und genossenschaftlichen Verb\u00e4nde aufgel\u00f6st, die Z\u00fcnfte und Gilden, die Grundherrschaften und Hofgenossenschaften vernichtet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen diese revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung erhob sich der franz\u00f6sische Adel. Franz\u00f6sische Aristokraten schleuderten der Revolution die Anklage ins Gesicht, sie habe durch die Aufl\u00f6sung der St\u00e4nde und ihrer Organisationen die Gesellschaft atomisiert, dem Staat eine Masse unorganisierter Individuen gegen\u00fcbergestellt. Nur durch eine neue Organisation der Gesellschaft und des Staates auf der Grundlage wiederherzustellender st\u00e4ndischer Vereinigungen k\u00f6nnten die gesellschaftlichen \u00dcbel wirksam bek\u00e4mpft werden. Der Marquis de Bonald, der, 1791 vor der Revolution geflohen, als Emigrant seine &quot;Th\u00e9orie du pouvoir politique&quot; schrieb, der Graf Josephe de Maistre, der gleichzeitig, gleichfalls vor der Revolution in das Ausland geflohen, seine &quot;Consid\u00e9rations sur la France&quot; verfa\u00dfte, sind die Begr\u00fcnder der urspr\u00fcnglichen, der aristokratischen berufsst\u00e4ndischen Idee, die der aus der Revolution hervorgegangenen b\u00fcrgerlichen Rechtsordnung die Idee eines st\u00e4ndischen Wiederaufbaues des Staates entgegensetzte, der dem adeligen Stande seine verlorenen Vorrechte wiedergeben sollte. Als die deutschen F\u00fcrsten den Kampf gegen die Franz\u00f6sische Revolution aufnahmen, wurden die Ideen der franz\u00f6sischen aristokratischen Romantik auch von deutschen Schriftstellern \u00fcbernommen. Teils von solchen, die, wie Ludwig v. Haller, in ihnen die Waffen zur Verteidigung eines b\u00fcrgerlichen Patriziats gegen die &quot;gleichmacherische&quot; b\u00fcrgerliche Demokratie suchten, teils von b\u00fcrgerlichen Schriftstellern, die, wie Adam M\u00fcller, ihre Feder der Wiener kaiserlichen Kanzlei um bares Geld verkauften und daf\u00fcr ihre Sache gegen die b\u00fcrgerliche Revolution f\u00fchrten. Ihrem Ursprung nach ist die berufsst\u00e4ndische Idee die Ideologie der Aristokratie im Kampfe gegen die b\u00fcrgerliche Revolution. Die Kirche, damals mit der Aristokratie gegen die b\u00fcrgerliche Revolution verb\u00fcndet, nahm diese Idee auf; sie bildet seither schon kirchliches Gedankengut.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im weiteren Verlauf sucht die Aristokratie \u00fcberall in der Zeit ihrer Klassenk\u00e4mpfe gegen die liberale Bourgeoisie die vom Kapitalismus verelendeten Massen der Kleinb\u00fcrger, der Bauern, der Arbeiter gegen die liberalen Bourgeois zu mobilisieren. Das ist der Ursprung und Sinn jenes feudalen und christlichen &quot;Sozialismus&quot;, den Marx und Engels schon im Kommunistischen Manifest gekennzeichnet haben. Die berufsst\u00e4ndische Idee wird zum Erbe dieses aristokratisch- christlichen &quot;Sozialismus&quot;. So auch in \u00d6sterreich in der Zeit, in der feudaler Adel und liberales Gro\u00dfb\u00fcrgertum um die Macht im Staate k\u00e4mpften (1860 bis 1890). So haben die Aristokraten Vogelsang, Belcredi, Liechtenstein auch hier die berufsst\u00e4ndische Idee der feudalen Romantik des Zeitalters der franz\u00f6sischen Revolution entlehnt und sie der christlichsozialen Kleinb\u00fcrger- und Bauernpartei als ihr Erbe hinterlassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>2. Berufsgenossenschaftliche Ideen ganz anderer Art sind aus der Arbeiterbewegung entstanden. Dienten die berufsst\u00e4ndischen Ideen der Aristokratie dem Klassenkampf des grundbesitzenden Adels gegen das liberale B\u00fcrgertum, so gingen die berufsgenossenschaftlichen Organisationspl\u00e4ne der Arbeiterschaft aus der Unzufriedenheit der Arbeiterklasse mit der b\u00fcrgerlichen Demokratie hervor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Um die Jahrhundertwende endeten gro\u00dfe politische K\u00e4mpfe des franz\u00f6sischen Sozialismus mit schweren Entt\u00e4uschungen der Arbeiterklasse, w\u00e4hrend gleichzeitig die Gewerkschaftsbewegung in schnellem Aufstieg war. In dieser Zeit stellten franz\u00f6sische Gewerkschaftsf\u00fchrer, die, wie Pelloutier, Pouget, Grifuelhes, vom Anarchismus herkamen, die Gewerkschaftsbewegung in Gegensatz gegen die Demokratie. Nicht der politische Kampf mit dem Stimmzettel, sondern nur die sich bis zum Generalstreik steigernde gewerkschaftliche Aktion k\u00f6nne die Befreiung der Arbeiterklasse erringen. Nicht die Nationalisierung der Produktionsmittel, ihre Aneignung durch den Staat, sondern die Syndikalisierung der Produktionsmittel, die Aneignung der Produktionsmittel jedes Industriezweiges durch die Gewerkschaft der in ihm t\u00e4tigen Arbeiter, m\u00fcsse das Ziel sein. An die Stelle des demokratischen Staates solle eine F\u00f6deration der Gewerkschaften, die sich im revolution\u00e4ren Streik die Produktionsmittel ihrer Industriezweige anzueignen h\u00e4tten, treten. So stellte der revolution\u00e4re Syndikalismus, der vor dem Kriege in Frankreich und in Italien gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Arbeiterbewegung \u00fcbte, und auch jetzt noch in Spanien viele Anh\u00e4nger z\u00e4hlt, der Demokratie die Idee einer Umbildung des Staates in eine F\u00f6deration von Berufsverb\u00e4nden entgegen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Gedanken des romanischen revolution\u00e4ren Syndikalismus beeinflu\u00dften, gleichfalls unter der Wirkung politischer Entt\u00e4uschungen, im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege die Entwicklung des englischen Gildensozialismus. Seine bedeutenderen Vertreter, vor allem G.&nbsp;D.&nbsp;H. Cole, stellten die politische Demokratie und die berufsgenossenschaftliche Selbstregierung allerdings nicht mehr als unvereinbare Gegens\u00e4tze, wie es der romanische Syndikalismus getan hatte, sondern als zwei gleich notwendige, einander erg\u00e4nzende Seiten der Selbstregierung des Volkes hin. Neben die politische Demokratie, die das Volk auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes in den Gemeinden, in den Grafschaften und im Staate organisiert, m\u00fcsse eine &quot;industrielle Demokratie&quot; oder &quot;funktionelle Demokratie&quot; treten, die die Staatsb\u00fcrger nach ihrer Berufszugeh\u00f6rigkeit, nach ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Industriezweig oder nach der berufsm\u00e4\u00dfigen Aus\u00fcbung einer gesellschaftlichen &quot;Funktion&quot; zur Besorgung der wirtschaftlichen Selbstverwaltung zusammenfa\u00dft.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00c4hnliche Gedanken gewannen nach dem Krieg in der deutschen Gewerkschaftsbewegung Kraft. Hatten die Gewerkschaften schon in der Kriegszeit mit den Unternehmern in mannigfachen kriegswirtschaftlichen Organisationen zusammengewirkt, so forderten sie nach dem Kriege eine planm\u00e4\u00dfige Durchorganisierung der deutschen Wirtschaft durch Organisationen, innerhalb deren Unternehmer und Arbeiter parit\u00e4tisch zusammenwirken sollten. So sollte neben die politische Demokratie, innerhalb deren die Arbeiter als gleichberechtigte Staatsb\u00fcrger ihren Einflu\u00df \u00fcben, ein System der Wirtschaftsdemokratie aufgebaut werden, innerhalb dessen die Arbeiter durch ihre Gewerkschaften, mit den Unternehmerverb\u00e4nden gleichberechtigt, die einzelnen Wirtschaftszweige kontrollieren sollten. Ein Organisationsplan einer solchen Wirtschaftsdemokratie ist schon in den allgemeinen Bestimmungen der Weimarer Verfassung enthalten gewesen; gem\u00e4\u00df diesem Plan sollten die Arbeiter und Unternehmer industriegruppenweise und bezirksweise in besonderen R\u00e4ten ihre Vertretung finden, die sich zur Besorgung gemeinsamer Angelegenheiten vereinigen sollten und deren Aufbau in einem von den R\u00e4ten der Arbeiter und der Unternehmer parit\u00e4tisch beschickten Reichswirtschaftsrat gipfeln sollte. Dieser Organisationsplan ist allerdings niemals durchgef\u00fchrt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>3. Die Revolutionen von 1918 hatten die Macht der Arbeiterklasse erweitert. Suchte die Arbeiterklasse ihre Machtstellung auszun\u00fctzen, um die politische Demokratie durch den Aufbau einer Wirtschaftsdemokratie zu erg\u00e4nzen, so wandte sich umgekehrt die Reaktion der Bourgeoisie gegen die politische Demokratie, die die Macht der Arbeiter gest\u00e4rkt hatte. Zu diesem Zwecke griff nun auch die Bourgeoisie die berufsst\u00e4ndischen Ideen auf, die vordem zuerst von der aristokratischen Romantik und sp\u00e4ter von dem proletarischen Syndikalismus im Klassenkampf gegen die Bourgeoisie entwickelt worden waren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Othmar Spann, der erste theoretische Wortf\u00fchrer dieser neuen Wendung berufsst\u00e4ndischer Ideen, greift bewu\u00dft auf Adam M\u00fcller zur\u00fcck. Derselben Gedanken, deren\u00b7sich Adam M\u00fcller im Dienste der feudalen Aristokratie und des Absolutismus gegen den Liberalismus bedient hatte, bedient sich Spann im Kampfe gegen die Demokratie. Der Zweck ist derselbe wie damals; es gilt, zu erweisen, da\u00df der &quot;wahre Staat&quot; nur auf der &quot;Unterordnung des geistig Niederen unter das geistig H\u00f6here\u00a0\u00bb begr\u00fcndet werden d\u00fcrfe. So baut der Herr Professor eine hierarchische st\u00e4ndische Ordnung auf: die Handarbeiter m\u00fc\u00dften von den &quot;Wirtschaftsf\u00fchrern&quot; gef\u00fchrt werden, diese von den &quot;Staatsf\u00fchrern&quot; und diese wieder von den &quot;Weisen&quot;, worunter selbstverst\u00e4ndlich vor allem &quot;der h\u00f6here Lehrstand&quot; zu verstehen ist, also die Herren Professoren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Von dieser f\u00fchrenden Stellung der Professoren nat\u00fcrlich abgesehen, hat der Faschismus brutal verwirklicht, wovon Herr Professor Spann philosophierend geschw\u00e4rmt hat. Mussolini war nicht durch die Schule Spanns, vielmehr durch die Schule des revolution\u00e4ren Syndikalismus gegangen. Aber er hat erkannt, wie man den syndikalistischen Gedanken des Aufbaues des Staates auf Berufsverb\u00e4nde, der als ein Mittel der revolution\u00e4ren Befreiung der Arbeiterklasse gedacht war, in ein Mittel ihrer gegenrevolution\u00e4ren Niederhaltung verwandeln konnte. Nach der Niederwerfung des Proletariats hat der italienische Faschismus seine Zwangskorporationen organisiert. Gewerkschaften und Unternehmerverb\u00e4nde sind in Italien nicht mehr freie, ihre Angelegenheiten selbst verwaltende Organisationen, sondern Herrschaftsmittel eines despotischen Staates. Der Staat ernennt ihre F\u00fchrer; die v\u00f6llige Vernichtung aller Freiheitsrechte l\u00e4\u00dft keine Opposition gegen diese F\u00fchrer aufkommen. Und wenn sich die vom Staat gef\u00fchrten Syndikate der Arbeiter und der Unternehmer innerhalb der Korporation nicht verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, entscheidet zwischen ihnen und \u00fcber sie der Machtspruch des Staates. Die faschistischen Korporationen sind nicht gemeinsame Organisationen der Unternehmer und der Arbeiter, sondern staatliche Herrschaftsgebilde zur Beherrschung beider Klassen, wobei freilich die Diktatur der &quot;Staatsf\u00fchrer&quot; \u00fcber die &quot;Wirtschaftsf\u00fchrer&quot; und die Arbeiter zugleich die Diktatur der &quot;Wirtschaftsf\u00fchrer&quot; \u00fcber die Arbeiter einschlie\u00dft. Die &quot;Weisen&quot; aber, der &quot;h\u00f6here Lehrstand&quot; haben den &quot;wahren Staat&quot; des Faschismus im Faschisteneid, in der Aufhebung aller geistigen Freiheit kennengelernt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>4. Die katholische Kirche hat, wie wir gesehen haben, den st\u00e4ndischen Gedanken schon vor mehr als einem Jahrhundert der aristokratischen Romantik entnommen. Aber seine Fortentwicklung in der katholischen Soziallehre war durch die Erfahrungen der Kirche in der Nachkriegszeit bestimmt. Die Kirche hat zun\u00e4chst die Erfahrung gemacht, da\u00df breite Massen ihr entfremdet wurden, wo sie den Arbeitern als Bundesgenossin der Bourgeoisie, als Verteidigerin des Kapitalismus erschien. Daher wendet sich die Enzyklika Quadragesimo anno, die der katholischen Soziallehre die neueste Passung gab, mit scharfer Anklage gegen den Kapitalismus, mit scharfem Protest gegen alle, die die Religion als &quot;Wandschirm&quot; kapitalistischer Profit- oder Machtinteressen mi\u00dfbrauchen. In diesem ihrem Teil wiederholt die Enzyklika die Anklagen gegen den Kapitalismus, die der feudale und christliche &quot;Sozialismus&quot; einst formuliert haben. Die Kirche war weiter durch zwei andere Erfahrungen beeinflu\u00dft. Rom sah einerseits in seiner unmittelbaren Umgebung das Korporationensystem des italienischen Faschismus, mit dem die Kurie in dem Lateranischen Vertrag ihren Frieden geschlossen hatte. Rom sah andererseits, wie im demokratischen Deutschland das katholische Zentrum zur f\u00fchrenden Partei der Demokratie geworden war, wie m\u00e4chtig sich dort die christlichen Gewerkschaften entwickelt hatten, wie sie im Kampf gegen den aufstrebenden Nationalfaschismus die politische Demokratie verteidigten und ihren Ausbau zu einer Wirtschaftsdemokratie forderten. Diese beiden Erfahrungen, die italienische und die deutsche, bestimmten die Gestaltung des berufsst\u00e4ndischen Gedankens, den die Enzyklika dem Kapitalismus entgegenstellt. Die Enzyklika weist sehr nachdr\u00fccklich auf das faschistische Korporationensystem hin. Sie r\u00fchmt ihm nach, da\u00df es &quot;friedliche Zusammenarbeit der Klassen, Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der sozialistischen Organisationen und Bestrebungen, regelnden Einflu\u00df eines eigenen Beh\u00f6rdenapparats&quot; gebracht habe. Aber die Enzyklika tadelt andererseits an dem faschistischen Korporationensystem, &quot;der Staat setze sich an die Stelle der freien Selbstbet\u00e4tigung, statt sich auf die notwendige und ausreichende Hilfsstellung und F\u00f6rderung zu beschr\u00e4nken; die neue berufsst\u00e4ndische Verfassung habe einen \u00fcberm\u00e4\u00dfig b\u00fcrokratischen und politischen Einschlag; sie k\u00f6nne politischen Sonderbestrebungen mehr dienstbar sein als der Herbeif\u00fchrung einer besseren gesellschaftlichen Ordnung&quot;. Den &quot;totalit\u00e4ren&quot; Allmachtsanspruch des faschistischen Staates f\u00fcrchtend, der auch die Macht und Aktion der Kirche beschr\u00e4nkt, stellt die Enzyklika ihm das &quot;Prinzip der Subsidiarit\u00e4t&quot; entgegen; jede weitere Gemeinschaft solle f\u00fcr sich nur die Aufgaben \u00fcbernehmen, die eine engere Gemeinschaft nicht selbst zu leisten vermag. So solle denn auch der Staat nicht Aufgaben an sich nehmen, die die autonomen Berufsst\u00e4nde selbst in Freiheit zu besorgen verm\u00f6gen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Alle \u00e4lteren Formen der berufsst\u00e4ndischen Ideologie haben die Lehre der Enzyklika beeinflu\u00dft. Der aristokratisch-romantischen Ideologie, die seit der Zeit der gro\u00dfen Franz\u00f6sischen Revolution der Kirche vertraut war, hat die Enzyklika die Anklage gegen den b\u00fcrgerlichen Liberalismus entnommen, die Vorstellung, da\u00df die \u00dcbel der kapitalistischen Gesellschaftsordnung Folgen der &quot;Atomisierung&quot; der Gesellschaft seien und da\u00df sie, da\u00df insbesondere auch der Klassenkampf durch eine berufsst\u00e4ndische Neuorganisation der Gesellschaft \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Dem faschistischen Korporationensystem r\u00fchmt die Enzyklika nach, da\u00df es &quot;friedliche Zusammenarbeit der Klassen&quot; begr\u00fcndet habe; es hat in der Tat den Arbeitern alle Mittel, sich gegen Herrschaft und Ausbeutung zu wehren, genommen und dadurch den Frieden begr\u00fcndet, der besteht, wo sich der Besiegte gegen den Sieger nicht mehr zu wehren vermag. Aber indem die Enzyklika aus ihrer Gegnerschaft gegen die &quot;totalit\u00e4re&quot; Staatsallmacht die Herrschaft des Staates \u00fcber die Berufsverb\u00e4nde ablehnt und ihre freie Selbstverwaltung fordert, n\u00e4hert sie sich den Forderungen der &quot;industriellen Demokratie&quot;, der &quot;Wirtschaftsdemokratie&quot;. Da die Enzyklika in dieser Weise wesentliche Gedanken aus ihrem Ursprung und ihrem sozialen Sinne nach grundverschiedenen berufsst\u00e4ndischen Ideologien in sich vereinigt, k\u00f6nnen ihre Lehren sehr verschieden ausgelegt werden. Dies um so mehr, da die Enzyklika die Er\u00f6rterung von &quot;Fragen technischer Art&quot; ablehnt, also nicht konkret angibt, wie sie sich den Aufbau einer st\u00e4ndischen Ordnung vorstellt. Daher k\u00f6nnen sich die verschiedensten Klasseninteressen auf die Enzyklika berufen. Der Klassenkampf kann die Form des Streites um die Auslegung der Enzyklika annehmen und hat ihn schon angenommen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Der organisierte Kapitalismus und die st\u00e4ndischen Organisationen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Entwicklung der berufsst\u00e4ndischen Ideologien ist aus den Klassenk\u00e4mpfen zu begreifen. Der Grad ihrer Wirksamkeit aber h\u00e4ngt von den Strukturver\u00e4nderungen des Kapitalismus ab, die sich im Verlauf seiner Entwicklung vollziehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wir haben vor kurzem in anderem Zusammenhang (&quot;Kampf&quot;, August 1933) dargelegt, da\u00df der Kapitalismus im Verlauf seiner Geschichte drei gro\u00dfe Entwicklungsphasen durchlaufen hat.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In seiner ersten Entwicklungsphase, vom sechzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert, war er ein organisierter und staatlich regulierter Kapitalismus. Wohl organisierte Kaufmannsgilden, vom Staat verliehene Bergwerksgerechtigkeiten, vom Staat privilegierte Handels-, Schiffahrts- und Kolonialgesellschaften, staatliche Manufakturen, ein sich am Staatsschuldenwesen entwickelndes Finanzkapital, eine merkantilistische Politik, die das gesamte Wirtschaftsleben bis in alle Einzelheiten reglementierte, gaben dem Kapitalismus jener Zeit seinen Charakter.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dieses ganze System der Organisierung und staatlichen Reglementierung wurde seit der zweiten H\u00e4lfte des achtzehnten Jahrhunderts vom Liberalismus zerschlagen. Auf seinen Tr\u00fcmmern entwickelte sich der liberale, der individualistische, der unorganisierte Kapitalismus, der Kapitalismus der freien Konkurrenz.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber schon im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts beginnt sich der Kapitalismus von neuem zu organisieren. Alle Klassen der kapitalistischen Gesellschaft organisieren sich. Das Finanzkapital macht sich die Industrie untertan. Die industriellen Unternehmer organisieren sich in Kartellen und Trusts, in Unternehmerverb\u00e4nden, in wirtschaftspolitischen Organisationen, in Rationalisierungsgemeinschaften. Die anderen Klassen der kapitalistischen Gesellschaft organisieren sich in landwirtschaftlichen Genossenschaften, Konsumgenossenschaften, Gewerkschaften, Berufsorganisationen aller Art. Der Staat greift immer tiefer in das Wirtschaftsleben regelnd ein. Staatliche und Gemeindeunternehmungen breiten sich aus.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>W\u00e4hrend des Krieges wird das ganze Wirtschaftsleben vom Staat organisiert. Nach dem Krieg lebt der Liberalismus noch einmal von neuem auf; alle besitzenden Klassen rei\u00dfen unter der Parole des &quot;freien Handels&quot; die kriegswirtschaftlichen Organisationen nieder. Aber unter dem Druck der Wirtschaftskrise setzt die staatliche Organisierung des Wirtschaftslebens von neuem ein. In Deutschland, \u00d6sterreich, Italien fallen das Bankwesen und gro\u00dfe Teile der Industrie unter die Herrschaft des Staates. In den Vereinigten Staaten unternimmt es Roosevelt, das ganze Wirtschaftsleben mit seinen &quot;Codes&quot; zu organisieren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die berufsst\u00e4ndische Ideologie ist in der Zeit des gro\u00dfen Siegeszuges des liberalen, individualistischen Kapitalismus entstanden. Ihm warf sie vor, da\u00df er die Gesellschaft atomisiert, durch die Aufl\u00f6sung der alten herk\u00f6mmlichen Organisationen dem Staat eine unorganisierte, in ihre Atome, in die unorganisierten Individuen zerlegte Gesellschaft entgegengestellt habe. Aber die berufsst\u00e4ndische Idee, von der damals durch die b\u00fcrgerliche Revolution besiegten Aristokratie vertreten, war eine Utopie, solange es galt, die alten Organisationsgebilde, die zu Fesseln der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte geworden waren, zu sprengen. Sie war ohnm\u00e4chtig gegen die sich mit unwiderstehlicher Gewalt vollziehende Entwicklung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ganz anders heute. Wir leben nun wieder in einer Zeit des organisierten Kapitalismus, des Monopolkapitalismus, des Staatskapitalismus. Wenn die Anh\u00e4nger berufsst\u00e4ndischer Ideen auch heute noch dem Kapitalismus vorwerfen, da\u00df er die Gesellschaft atomisiert habe, so ist das ein Vorwurf aus vergangenen Zeiten; f\u00fcr den Kapitalismus unserer Zeit ist nicht der freie Wettbewerb, sondern das Monopol, nicht die Atomisierung der Gesellschaft, sondern ihre schnell fortschreitende Durchorganisierung, nicht die Beschr\u00e4nkung des Staates auf die blo\u00dfe Beh\u00fctung des Rechtes, sondern die schnell fortschreitende, immer tiefer greifende Reglementierung der Wirtschaft durch den Staat kennzeichnend.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einer Zeit der Durchorganisierung des Kapitalismus ist der Gedanke der Entwicklung berufsst\u00e4ndischer Organisationen keine Utopie mehr. Er f\u00fcgt sich der gegenw\u00e4rtigen Entwicklungstendenz des Kapitalismus ein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eben deshalb ist aber die &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot; keine &quot;neue Gesellschaftsordnung&quot;, sondern die Fortbildung der bestehenden Gesellschaftsordnung des organisierten Monopolkapitalismus. Sie ist nicht die \u00dcberwindung des Kapitalismus, sondern nur eine weitere Form seiner sich seit mehr als einem Menschenalter vollziehenden Organisierung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Illusion, da\u00df die &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot; eine neue, den Kapitalismus \u00fcberwindende Gesellschaftsordnung sei, stammt aus der Zeit des individualistischen Kapitalismus, die Liberalismus und Kapitalismus, freien Wettbewerb und Kapitalismus f\u00fcr identisch gehalten hat. In Wirklichkeit war der liberale, individualistische Kapitalismus nur eine heute schon l\u00e4ngst \u00fcberwundene Entwicklungsphase des Kapitalismus. Die berufsst\u00e4ndische Organisation war gewi\u00df unvereinbar mit dem Liberalismus, aber sie ist keineswegs unvereinbar mit dem organisierten Monopolkapitalismus unserer Zeit.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Berufsst\u00e4ndische Organisation \u00e4ndert nichts an alledem, was f\u00fcr den Kapitalismus in allen seinen Entwicklungsphasen wesentlich bleibt; nichts vor allem an der Tatsache der Scheidung der Gesellschaft in die Klasse der Eigent\u00fcmer der Produktionsmittel und in die Klasse der Besitzlosen, die den Eigent\u00fcmern der Produktionsmittel ihre Arbeitskraft verkaufen m\u00fcssen. Sie \u00e4ndert daher nichts an den Tatsachen des Klassengegensatzes und des Klassenkampfes die erst durch die wirkliche &quot;Entproletarisierung des Proletariats&quot;, durch die \u00dcberf\u00fchrung der konzentrierten Produktionsmittel in das Eigentum der Gesamtheit \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Weit entfernt davon, die Klassengegens\u00e4tze \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen, tritt die Idee der berufsst\u00e4ndischen Organisation in unserer Zeit selbst in zwei gegens\u00e4tzlichen, durch die Klassengegens\u00e4tze bestimmten Formen auf. Einerseits in der Form einer berufsgenossenschaftlichen Wirtschaftsdemokratie, durch die die Arbeiterklasse an den Organisationen, die heute das kapitalistische Wirtschaftsleben beherrschen, Anteil gewinnen und dadurch Mitkontrolle des kapitalistischen Wirtschaftslebens, Mitherrschaft \u00fcber das kapitalistische Wirtschaftsleben erlangen will. Andererseits in der Gestalt des faschistischen Korporationensystems, das die berufsst\u00e4ndischen Organisationen selbst zu Organen des Staates macht und dadurch, modernen Staatskapitalismus weiter ausbauend, ein weiteres Instrument zur vollst\u00e4ndigen Beherrschung des kapitalistischen Wirtschaftslebens durch den &quot;totalit\u00e4ren&quot; Staat erlangt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Sowohl die Wirtschaftsdemokratie als auch der Faschismus wollen Unternehmer und Arbeiter der einzelnen Berufe oder Industriegruppen zu gemeinsamen Organisationen zusammenfassen. Aber diese Organisationen sollen in der Wirtschaftsdemokratie Organe freier Selbstverwaltung sein; im Faschismus sind sie Organe der Diktatur des Staates. Sie sollen in der Wirtschaftsdemokratie auf das freie Koalitionsrecht der Arbeiter und der Unternehmer gegr\u00fcndet sein; im Faschismus setzen sie die Vernichtung des freien Koalitionsrechtes voraus. Die Wirtschaftsdemokratie tritt erg\u00e4nzend zur politischen Demokratie hinzu; der Faschismus hebt die politische Demokratie auf.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE style='color:#0070C0'>Aus der kapitalistischen Entwicklung selbst geht also die Differenzierung der berufsst\u00e4ndischen Ideologie in die wirtschaftsdemokratische Idee der Selbstverwaltung der Berufsst\u00e4nde und in die faschistische Idee der staatlichen Beherrschung der Berufsst\u00e4nde hervor. Der Kampf zwischen diesen beiden Gestalten der berufsst\u00e4ndischen Ideologie ist ein Klassenkampf.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Kleinb\u00fcrgertum und Faschismus.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das System, dem wir in \u00d6sterreich gegen\u00fcberstehen, st\u00fctzt sich auf sehr verschiedene Elemente&nbsp;: auf die Heimwehren und auf die Christlichsozialen; auf B\u00fcrokraten, Aristokraten und k.&nbsp;u.&nbsp;k. Generale ebenso wie auf Kleinb\u00fcrger und Bauern; auf Faschisten und auf kleinb\u00fcrgerliche und b\u00e4uerliche Demokraten. Was sie alle verbindet, ist das unbestimmte, vieldeutige Schlagwort&nbsp;: das Ziel sei eine &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot;, ein &quot;St\u00e4ndestaat&quot;. Aber sobald es sich darum handelt, n\u00e4her zu bestimmen, wie die &quot;st\u00e4ndische Ordnung&quot; aussehen soll, klaffen die Gegens\u00e4tze zwischen ihnen auf. Da sie alle sich auf die Enzyklika Quadragesimo anno berufen, wird der Streit zwischen ihnen zum Streit um die Auslegung der Enzyklika. Weltliche Klassenk\u00e4mpfe h\u00fcllen sich in die Gestalt eines theologischen Streites um die Exegese der kirchlichen Gesellschaftslehre.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es hat eine Zeit gegeben, in der die gr\u00f6\u00dften Klassenk\u00e4mpfe unter der theologischen H\u00fclle von K\u00e4mpfen um die Lehre von der g\u00f6ttlichen Gnadenwahl oder um den Empfang des Sakraments in beiden Gestalten ausgek\u00e4mpft worden sind. Fast scheint es, als w\u00e4ren diese Zeiten wieder gekommen. In Deutschland, wo jede andere legale Opposition vernichtet ist, scharen sich alle oppositionell Gestimmten um jene protestantischen Pfarrer, die sich gegen die Verfemung des Alten Testaments, gegen die Umdichtung des milden Heilands der Bergpredigt in einen &quot;heroischen&quot; Heiland zur Wehr setzen. In \u00d6sterreich berufen sich die Klassen im Kampfe gegeneinander auf Lehrs\u00e4tze der Quadragesimo anno. Aber wenn weltliche Fragen als theologische ausgek\u00e4mpft werden, ist es notwendig, in der theologischen H\u00fclle den weltlichen Kern zu erkennen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Kleinb\u00fcrger ist Arbeiter wie der Proletarier. Er ist Eigent\u00fcmer wie der Kapitalist. Er steht zwischen dem Proletarier und dem Kapitalisten in der Mitte. Er schwankt immer zwischen beiden hin und her.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So auch jetzt. Wirtschaftlich verelendet, waren Kleinb\u00fcrger und Bauern mit der Demokratie sehr unzufrieden. Es leuchtete ihnen ein, als die Kapitalisten ihnen sagten, da\u00df die Wirtschaft von &quot;Steuern und sozialen Lasten&quot; befreit werden m\u00fcsse. Sie applaudierten, als B\u00fcrokraten, Aristokraten und k.&nbsp;u.&nbsp;k. Generale ein &quot;autorit\u00e4res Regime&quot; forderten. Sie waren leicht f\u00fcr die Forderung zu gewinnen, eine &quot;st\u00e4ndische Verfassung&quot; m\u00fcsse das Volk von &quot;Marxismus&quot; und Klassenkampf befreien.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber dieselben Kleinb\u00fcrger und Bauern sind unruhig geworden, sobald sie zu bemerken begannen, da\u00df die Ausschaltung des Parlaments die Macht der Zentralb\u00fcrokratie gewaltig erweitert hat; da\u00df die alten Aristokraten, die historischen Gegner des Bauern, die k.&nbsp;u.&nbsp;k. Generale, deren Diktatur in der Kriegszeit sie nicht vergessen haben, wieder herrschen wollen. Sie bemerken jetzt, da\u00df der Faschismus ihre Selbstverwaltung in den L\u00e4ndern und Gemeinden vernichten, ihre freien Organisationen &quot;gleichschalten&quot; w\u00fcrde. So erinnern sie sich, da\u00df sie Demokraten sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Ver\u00e4nderung der Stimmungen des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft zeigt sich einerseits in der Entwicklung der Gegens\u00e4tze zwischen den Christlichsozialen und den Heimwehren, andererseits in der Entwicklung der Gegens\u00e4tze innerhalb der Christlichsozialen Partei selbst.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Klassenkampf zwischen dem Proletariat und den Herrenklassen ist immer ein Kampf um die Seele des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft. Gelingt es den Herrenklassen, Kleinb\u00fcrger und Bauern unter ihre F\u00fchrung zu bringen und sie gegen das Proletariat zu mobilisieren, dann ist die Lage konterrevolution\u00e4r. Gelingt es umgekehrt dem Proletariat, die Sympathien der Kleinb\u00fcrger und Bauern zu gewinnen und sich mit ihnen gegen die Herrenklassen zu verb\u00fcnden, dann marschiert die Demokratie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die antidemokratische Reaktion ist m\u00f6glich geworden, weil Kleinb\u00fcrger und Bauern von den Herrenklassen f\u00fcr den &quot;autorit\u00e4ren Staat&quot; gewonnen werden konnten. Die Wiederherstellung der Demokratie ist m\u00f6glich, sobald Kleinb\u00fcrger und Bauern mit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus Stellung nehmen. Die Verst\u00e4ndigung mit Kleinb\u00fcrgern und Bauern gegen den Faschismus ist daher eine der Aufgaben der Arbeiterklasse im Kampfe um die Demokratie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ob sich die Ver\u00e4nderung der Stimmungen des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft schnell und stark genug vollziehen wird, um den Verlauf der &lsquo;Ereignisse bestimmen zu k\u00f6nnen, ob aus der ver\u00e4nderten Stimmung noch rechtzeitig Wille zu tatkr\u00e4ftigem Entschlu\u00df hervorgehen wird, ist gewi\u00df nicht vorauszusehen. Aber gewi\u00df mu\u00df die Arbeiterklasse zur Verst\u00e4ndigung mit demokratischen, antifaschistischen Str\u00f6mungen im Kleinb\u00fcrgertum und in der Bauernschaft bereit sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE style='color:#0070C0'>Die politische Demokratie und die Wirtschaftsdemokratie stehen im engsten Zusammenhang miteinander. Man spricht heute viel von berufsst\u00e4ndischer Selbstverwaltung; in Wirklichkeit aber sind seit der Suspendierung der politischen Demokratie wichtige und entwicklungsf\u00e4hige Ans\u00e4tze und Grundlagen berufsst\u00e4ndischer Selbstverwaltung zerst\u00f6rt worden&nbsp;: die Personalvertretung der Eisenbahner entrechtet, die freigew\u00e4hlten Personalvertretungen in der Postanstalt, in den Fondskrankenanstalten aufgehoben, f\u00fcr die anderen Bundesbetriebe \u00e4hnliche Ma\u00dfregeln verf\u00fcgt, die Arbeiterkammern unter Staatskontrolle gestellt, der Apparat der von Unternehmern und Arbeitern parit\u00e4tisch geleiteten Industriellen Bezirkskommissionen der Zentralb\u00fcrokratie unterstellt, die Autonomie der Sozialversicherung bedroht. Der Kampf der Arbeiterklasse geht nicht nur um die Wiederherstellung der politischen Demokratie, sondern im engsten Zusammenhang damit auch um die Wiederherstellung und den Ausbau berufsgenossenschaftlicher Wirtschaftsdemokratie. Aber gerade im Kampfe um die Wirtschaftsdemokratie begegnet die Arbeiterklasse den berufsst\u00e4ndischen Bestrebungen des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft auf einer gemeinsamen Ebene, auf der eine Verst\u00e4ndigung m\u00f6glich ist, sobald die berufsst\u00e4ndischen Organisationen nicht als Herrschaftsmittel eines faschistischen Staates, sondern als Organe wirtschaftlicher und sozialer Selbstverwaltung der Berufsst\u00e4nde und Industrien gedacht sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Arbeiterklasse kann gewi\u00df nicht die kleinb\u00fcrgerliche Illusion teilen, da\u00df die &quot;berufsst\u00e4ndische&quot; Organisation eine &quot;neue Gesellschaftsordnung&quot; begr\u00fcnden, die Klassengegens\u00e4tze aufheben k\u00f6nnte. Aber die Arbeiterklasse braucht darum den Aufbau berufsgenossenschaftlicher Organisationen nicht bedingungslos abzulehnen. Sie kann sich mit dem Kleinb\u00fcrgertum und mit der Bauernschaft \u00fcber den Aufbau berufsgenossenschaftlicher Organisationen verst\u00e4ndigen, wenn diese &quot;berufsst\u00e4ndische&quot; Ordnung freie berufsgenossenschaftliche Selbstverwaltung, also echte Wirtschaftsdemokratie bedeuten soll, die die politische Demokratie nicht aufhebt, sondern erg\u00e4nzt und ausbaut. Gerade durch die Verst\u00e4ndigung mit dem Kleinb\u00fcrgertum und der Bauernschaft \u00fcber eine wirtschaftsdemokratische berufsgenossenschaftliche Selbstverwaltung kann die Arbeiterklasse im Kleinb\u00fcrgertum und in der Bauernschaft Bundesgenossen gewinnen gegen eine antidemokratische &quot;korporative&quot; Zwangs- und Herrschaftsorganisation nach italienischem Vorbild, die die Vernichtung der politischen Demokratie, die Aufrichtung einer faschistischen Diktatur bedeuten w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div><br clear=all> <\/p>\n<hr align=left size=1 width=\"33%\">\n<div id=edn1>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Otto Bauer : &quot;Klassenkampf und \u201cSt\u00e4ndeverfassung\u201d&quot;. In : Der Kampf; Wien, Wiener Volksbuchhandlung, Jahrgang 27, J\u00e4nner 1934; S. 1-.<\/span><span lang=DE> <\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText>Le texte complet ici <a href=\"http:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Bauer_Otto_Klassenkampf_Staendeverfassung_DerKampf.pdf\"><span style='color:blue'>&#9658;<\/span><\/a> .<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1539\" data-postid=\"1539\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1539 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: Otto Bauer &#8211; Klassenkampf und &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot; &nbsp; Otto Bauer&nbsp;: Klassenkampf und &quot;St\u00e4ndeverfassung&quot;[1] Wirtschaftliche Basis und politischer \u00dcberbau. Seit dem Kriege schrumpft der \u00f6sterreichische Kapitalismus immer mehr zusammen. Infolge des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses werden gro\u00dfe Kapitalien entwertet und zerst\u00f6rt, wird ein wachsender Teil der Kapitalistenklasse proletarisiert. 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