{"id":1540,"date":"2025-07-15T17:13:52","date_gmt":"2025-07-15T15:13:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1540"},"modified":"2026-01-26T00:06:43","modified_gmt":"2026-01-25T23:06:43","slug":"oesterreich-dokumente-bauer-otto-aufstand-oesterreichische-arbeiter-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-bauer-otto-aufstand-oesterreichische-arbeiter-fr\/","title":{"rendered":"Documents ; Otto Bauer &#8211; Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter (1934)"},"content":{"rendered":"\n<div class=WordSection1>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<div align=center>\n<table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 width=756 style='border-collapse:collapse;border:none'>\n<tr>\n<td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span lang=DE style='letter-spacing:1.0pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br \/> Documents&nbsp;:<br \/> a) Otto Bauer &#8211; Revolution und Konterrevolution in \u00d6sterreich<\/span><\/b><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span style='letter-spacing:1.0pt'>(R\u00e9volution et contrer\u00e9volution en Autriche)<\/span><\/b><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span lang=DE style='letter-spacing:1.0pt'>b) Otto Bauer &#8211; Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter<\/span><\/b><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;line-height:16.0pt; page-break-after:avoid'><b><span style='letter-spacing:1.0pt'>(Le soul\u00e8vement des travailleurs autrichiens)<\/span><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><\/div>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'>&nbsp;<\/p>\n<p class=Texteuser>[Les passages en <span style='color:#0070C0'>couleur<\/span> signalent les parties auxquelles B\u00e9la Kun fait r\u00e9f\u00e9rence dans son texte &quot;Les combats de f\u00e9vrier en Autriche et leurs le\u00e7ons&quot; (reproduit <a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/bela-kun-kaempfe-februar-oesterreich-fr\/\">ici<\/a>).]<\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>a)&nbsp;Revolution und Konterrevolution in \u00d6sterreich&nbsp;<\/span><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;line-height: 115%;letter-spacing:1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE style='font-weight:normal'>.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Es ist noch zu fr\u00fch, die blutigen Ereignisse, die sich in \u00d6sterreich abspielen, darzustellen. Aber \u00fcber den unmittelbaren Anla\u00df des revolution\u00e4ren Ausbruchs in \u00d6sterreich kann und mu\u00df jetzt schon einiges festgestellt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Seit dem 7. M\u00e4rz 1933, dem Tage des Staatsstreichs der Regierung Dollfu\u00df-Fey, hat die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie die gr\u00f6\u00dften Anstrengungen unternommen, um eine friedliche verfassungsm\u00e4\u00dfige L\u00f6sung der politischen Krise zu erm\u00f6glichen. Die Sozialdemokratie hat elf Monate lang die gr\u00f6\u00dfte Zur\u00fcckhaltung ge\u00fcbt. Sie hat auf die Ausschaltung des Parlaments und die Etablierung eines absolutistischen Notverordnungsregimes, auf die Aufl\u00f6sung des Republikanischen Schutzbundes, auf eine ganze Reihe von Notverordnungen, die in verfassungswidriger Weise das Versammlungsrecht der Arbeiter, die Pressefreiheit aufhoben, die sozialpolitischen Errungenschaften der Arbeiter abbauten, die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung Wiens ihrer Einnahmen beraubten und dadurch leistungsunf\u00e4hig machten, nicht mit gewaltsamem Widerstand geantwortet. Sie hat im Gegenteil immer wieder bis in die allerj\u00fcngste Zeit alle Anstrengungen unternommen, um zu Verhandlungen mit der Regierung Dollfu\u00df und mit dem nicht faschistischen Fl\u00fcgel der Christlichsozialen Partei \u00fcber eine friedliche Verst\u00e4ndigung um die Bildung einer Einheitsfront gegen die Nationalsozialisten zu gelangen. Aber diese friedliche und zuwartende Haltung der Sozialdemokratischen Partei hat die Regierung Dollfu\u00df-Fey nur zu immer feindlicheren Ma\u00dfregeln gegen die Arbeiterschaft und gegen die Sozialdemokratie ermutigt. Alle Versuche, zu Verst\u00e4ndigungsverhandlungen zu gelangen, hat Herr Dollfu\u00df bis in die allerj\u00fcngsten Tage in der hochm\u00fctigsten und beleidigendsten Weise abgelehnt. Auf der anderen Seite ist die Erbitterung der Arbeiterschaft \u00fcber den Regierungskurs immer mehr angeschwollen. Sie wurde im hohen Ma\u00dfe gesteigert durch eine Verordnung des Ministers Schmitz, gem\u00e4\u00df der alle freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter von der Arbeit bei Arbeiten und Bauten des Bundes und auch von der Arbeit in der Privatindustrie, soweit diese Bestellungen des Bundes durchf\u00fchrt, ausgeschlossen wurden. Nach der Anordnung des Ministers d\u00fcrfen bei all diesen Arbeiten nur solche Arbeiter besch\u00e4ftigt werden, welche von den Arbeitsvermittlungen der christlichsozialen Gewerkschaften und der Heimwehr vermittelt werden. Die Arbeiterschaft betrachtete diese Verf\u00fcgung mit Recht als einen Versuch, auf die Arbeitslosen den Zwang auszu\u00fcben, sich den christlichsozialen Gewerkschaften, die in \u00d6sterreich nur einen winzigen Bruchteil der Arbeiterschaft organisiert haben, oder den Heimwehren anzuschlie\u00dfen. Die Erbitterung der Arbeiterschaft wandte sich immer mehr gegen die zuwartende und verst\u00e4ndigungsbereite Politik des Parteivorstandes. Wachsame Teile der Parteimitgliedschaft forderten immer st\u00fcrmischer das Losschlagen. Trotzdem hielt der Parteivorstand an der schon im Herbst vom Parteitage festgestellten Linie fest&nbsp;: Die Partei d\u00fcrfe nur im \u00e4u\u00dfersten Fall die Parole zum Generalstreik geben, nur dann, wenn die Regierung eine faschistische Verfassung oktroyiert, wenn sie die verfassungsm\u00e4\u00dfige Landesregierung und Gemeindeverwaltung von Wien absetzt, wenn sie die Partei aufl\u00f6st oder die Gewerkschaften gleichschaltet. Solange nicht einer dieser vier F\u00e4lle gegeben sei, m\u00fc\u00dften die Versuche zu einer friedlichen L\u00f6sung geduldig fortgesetzt werden. Es ist dem Parteivorstand aber schon seit Monaten immer schwerer geworden, den erbitterten Arbeitern die Notwendigkeit dieser zuwartenden Politik klarzumachen. In der letzten Woche mehrten sich die Anzeichen, da\u00df die Regierung zum entscheidenden Schlag gegen die Demokratie und gegen die Arbeiterschaft aushole. Der Verfassungsminister Dr. Ender k\u00fcndigte an, \u00d6sterreich m\u00fcsse binnen kurzem eine &quot;\u00dcbergangsverfassung&quot; bekommen, die &quot;fast eine Diktatur&quot; sein werde. Ein auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes gew\u00e4hltes Parlament sollte es in dieser neuen Verfassung nicht mehr geben. Der Sozialminister Schmitz k\u00fcndigte an, da\u00df es in dem &quot;neuen \u00d6sterreich&quot; keine freien Gewerkschaften mehr geben k\u00f6nne, sondern nur noch &quot;halbstaatliche Organisationen&quot; und kein Streikrecht der Arbeiter mehr, sondern das Entscheidungsrecht des Staates \u00fcber alle Lohnkonflikte. Die Heimwehren, als staatliche Hilfspolizei aufgeboten und vom Staat bewaffnet und besoldet, stellten zuerst in Tirol, dann auch in den anderen Bundesl\u00e4ndern an die Landeshauptleute die ultimative Forderung nach sofortiger Absetzung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Landesregierungen und ihrer Ersetzung durch Landesaussch\u00fcsse, in denen die Heimwehren die F\u00fchrung haben und von denen die Sozialdemokraten ausgeschlossen sein sollten. Zugleich forderten die Heimwehren auch die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei und aller Gemeindevertretungen, in denen die Sozialdemokraten die Mehrheit hatten. Die Heimwehren drohten ganz unverh\u00fcllt, mit gewaltsamer Besetzung der Landesregierungsgeb\u00e4ude und der Rath\u00e4user, wenn ihre Forderungen nicht erf\u00fcllt w\u00fcrden. Ein faschistischer Staatsstreich schien unmittelbar bevorzustehen. In denselben Tagen, in denen die Heimwehren diese ultimativen Forderungen stellten, lie\u00df der Heimwehrminister Fey in Wien und in den Bundesl\u00e4ndern die F\u00fchrer des Republikanischen Schutzbundes der einzelnen Orte und Bezirke verhaften und sowohl in Wien als auch in der n\u00e4chsten Umgebung Wiens Waffenlager des Republikanischen Schutzbundes, die der Polizei bekannt geworden waren, ausheben. Das mu\u00dfte nat\u00fcrlich auf die Arbeiterschaft den Eindruck erwecken, da\u00df die Heimwehren in dem- selben Augenblick, in dem sie zu ihrem Putsch gegen die Demokratie einsetzten, die Arbeiterschaft wehrlos zu machen und den Schutzbund durch die Verhaftung der lokalen F\u00fchrer zu desorganisieren versuchen. Dieser Eindruck wurde noch verst\u00e4rkt durch ein provokatorisches Communiqu\u00e9, das Vizekanzler Fey am 11. Feber 1934 ausgab. In diesem Communiqu\u00e9 wurden die Waffenfunde der Polizei als Beweis f\u00fcr das Vorhandensein eines &quot;Komplotts marxistisch &#8211; bolschewistischer Verbrecher&quot; gegen die Sicherheit des Staates ausgegeben, das die Regierung zwinge, gegen die Schuldigen in den n\u00e4chsten Tagen schon r\u00fccksichtslos vorzugehen. Es war klar, da\u00df Fey die Waffen- und Sprengstoffunde im Schwechater Bezirk, in der N\u00e4he von Wien, in \u00e4hnlicher Weise als Vorwand zu dem entscheidenden Schlag gegen die Sozialdemokratie ben\u00fctzen wollte, wie G\u00f6ring den Reichstagsbrand ben\u00fctzt hat. Dabei wu\u00dfte Fey nat\u00fcrlich sehr wohl, da\u00df die Arbeiterschaft ihre Waffen schon seit der Revolution von 1918 geborgen gehalten, sie niemals verwendet, sie immer nur f\u00fcr den Fall der Notwendigkeit der Verteidigung der Demokratie gegen einen faschistischen Angriff aufbewahrt hatte. Diese Ereignisse riefen in der Arbeiterschaft folgende Ansicht hervor&nbsp;: Der Gegner will in den n\u00e4chsten Tagen unter dem Drucke der Heimwehr die Landesregierungen und Gemeindeverwaltungen &quot;gleichschalten&quot;. Er holt zu einem Streich gegen die Partei aus. Er bereitet eine faschistische Verfassung vor, die das allgemeine und gleiche Wahlrecht abschaffen und das freie Organisations- und Streikrecht der Arbeiter aufheben will. In dieser Lage d\u00fcrfen wir uns nicht l\u00e4nger durch Verhaftung der Schutzbundf\u00fchrer desorganisieren und durch Aushebung von Waffenlagern entwaffnen lassen, wenn wir nicht binnen wenigen Tagen wehrlos, kampfunf\u00e4hig, einem faschistischen Staatsstreich gegen\u00fcberstehen sollen. Trotzdem hielt der Parteivorstand auch jetzt noch an seiner Linie fest. Er hielt es f\u00fcr notwendig, da\u00df die Arbeiterschaft die Ergebnisse der f\u00fcr Montag, den 12. Feber 1934, angesagten Verhandlungen des Bundeskanzlers mit den Landeshauptleuten \u00fcber die Forderungen der Heimwehr abwarte, und da\u00df sie nicht losschlage, solange nicht etwa einer der vier F\u00e4lle, in denen gem\u00e4\u00df dem Parteitagsbeschlu\u00df ein Abwehrkampf zum Schutze der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung unvermeidlich sei, gegeben sei. Noch am Sonntag haben Funktion\u00e4re des Parteivorstandes in diesem Sinne Genossen, die \u00fcber die erregte Stimmung der Arbeiterschaft berichteten, instruiert und vor eigenm\u00e4chtigem Losschlagen dringend gewarnt. Aber die Erregung der Massen hatte einen solchen Grad erreicht, da\u00df sich diese Warnungen des Parteivorstandes nicht mehr durchsetzen konnten. Als Montag fr\u00fch die Polizei in Linz neuerlich Waffen beschlagnahmen und Schutzbundf\u00fchrer verhaften wollte, zwei Tage, nachdem die Heimwehren in Linz, mit Waffengewalt drohend, die ultimative Forderung nach der Gleichschaltung der Landesregierung und der Aufl\u00f6sung der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltungen dem Landeshauptmann \u00fcberreicht hat, schlugen die Linzer Arbeiter los. Aber auch in Wien herrschte Montag fr\u00fch schon gro\u00dfe Erregung in der Arbeiterschaft. Am Sonntag war in Floridsdorf, dem industriereichsten Bezirk von Wien, Genosse Stockhammer, ein Betriebsratsobmann, der in der Floridsdorfer Arbeiterschaft besonders angesehen ist, verhaftet worden. Montag fr\u00fch forderten die Arbeiter in den Floridsdorfer Betrieben einen Proteststreik gegen diese Verhaftung. Als in den Betrieben dar\u00fcber noch diskutiert wurde, wurde bekannt, da\u00df in Linz schon Stra\u00dfenk\u00e4mpfe stattfanden. <a name=\"BO_RKR_a_fr\"><\/a><span style='color:#0070C0'>Nun gab es kein Halten mehr.<\/span> Die Wiener Arbeiter hatten das Gef\u00fchl, da\u00df sie die Linzer und Ober\u00f6sterreicher nicht im Stich lassen, nicht allein im Kampfe lassen k\u00f6nnten, wenn nicht die gesamte Arbeiterschaft von einem Ort nach dem anderen wehrlos gemacht und dann dem f\u00fcr den n\u00e4chsten Tage zu gew\u00e4rtigenden Staatsstreich kampfunf\u00e4hig gegen\u00fcberstehen sollte. So nahmen denn die Ereignisse ihren Lauf. <a name=\"BO_RKR_b_fr\"><\/a><span style='color:#0070C0'>W\u00e4re es dem Parteivorstand gelungen, seine Linie bis zur letzten Stunde durchzusetzen, so w\u00e4re der Kampf wahrscheinlich auch nicht vermieden worden. Denn der Gegner war hart daran, Taten zu setzen, die die Arbeiterschaft auf jeden Fall zum Kampfe gezwungen h\u00e4tten, wenn sie nicht kampflos sich einer faschistischen Diktatur unterwerfen wollte. Aber der Kampf w\u00e4re wahrscheinlich von breiten Volksmassen besser verstanden worden, wenn er erst nach einem offenkundigen faschistischen Staatsstreich begonnen worden w\u00e4re.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>b)&nbsp;Otto Bauer : Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter (Extraits)<\/span><span class=Caractresdenotedefin><span lang=DE style='font-weight:normal'>&nbsp;<\/span><\/span><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;line-height:115%;letter-spacing:1.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>[\u2026]<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Die Taktik gegen\u00fcber der Diktatur<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Arbeiter forderten von ihrer Partei Hilfe und Schutz. Sie konnten nicht begreifen, da\u00df die Partei, gestern noch so m\u00e4chtig, mit einem Male wehrlos geworden war . Sie forderten Kampf gegen die Diktatur.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber mit welchen Mitteln, in welcher Weise sollte dieser Kampf gef\u00fchrt werden, da es gesetzliche Abwehrmittel nicht mehr gab?<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die \u00f6sterreichischen Arbeiter hatten es, ebenso wie die Arbeiter der ganzen Welt, als besch\u00e4mend empfunden, da\u00df in Deutschland sowohl die m\u00e4chtige Sozialdemokratie als auch die gro\u00dfe kommunistische Partei kampflos dem Faschismus erlegen waren. Sie hatten es am eigenen Leibe erfahren, wie sehr dieses kampflose Erliegen der deutschen Arbeiterklasse die Reaktion in den anderen L\u00e4ndern ermutigt hat. Sie schworen&nbsp;: &quot;Es darf uns nicht so ergehen, wie es in Deutschland gegangen ist.&quot; Sie f\u00fchlten&nbsp;: &quot;Die Freiheit ist verloren, wenn es nicht M\u00e4nner gibt, die die Freiheit mit Einsatz ihres Lebens zu verteidigen bereit sind.&quot; Sie dachten&nbsp;: &quot;Eine Bande gewaltt\u00e4tiger M\u00e4nner, hinter der nur eine kleine Minderheit des Volkes steht, f\u00fchrt den Kampf gegen die Sozialdemokratie und gegen die Nationalsozialisten zugleich, das hei\u00dft&nbsp;: gegen mindestens 70 Prozent des ganzen Volkes. Sie hat eidbr\u00fcchig die Verfassung aufgehoben, sie tritt t\u00e4glich die Rechte, die die Verfassung dem Volke und jedem einzelnen Staatsb\u00fcrger zusichert, mit F\u00fc\u00dfen. Wir haben als Staatsb\u00fcrger das Recht, diese Bande von Rechtsbrechern davonzujagen und im Kampfe die Wiederherstellung der demokratischen Verfassung zu erzwingen.&quot; Immer breitere Schichten der Arbeiterschaft dr\u00e4ngten nach der Revolution gegen die Diktatur.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Partei war sich der Gefahren einer revolution\u00e4ren Erhebung vollkommen bewu\u00dft Wir wu\u00dften, wie schwer ein Generalstreik gelingen kann in einer Zeit, in der mehr als ein Drittel der ganzen Arbeiterschaft arbeitslos ist, in der viele Arbeitslose, seit drei, vier, f\u00fcnf Jahren arbeitslos, durch die furchtbarste Not zerm\u00fcrbt und demoralisiert sind, in der jeder Arbeiter, der noch Arbeit hat, um seine Arbeitsstelle zittert. Wir wu\u00dften, da\u00df die Diktatur jeden Streik gewaltsam zu brechen versuchen werde, da\u00df daher jeder Generalstreik binnen wenigen Stunden in einen bewaffneten Kampf Umschl\u00e4gen m\u00fcsse. Wir wu\u00dften, da\u00df in einem solchen bewaffneten Kampf der Gegner die furchtbare Ueberlegenheit der modernen Kriegstechnik haben werde. Wir haben darum alles, was nur irgend m\u00f6glich war, getan, um der gewaltsamen Entscheidung auszuweichen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>In den ersten Wochen nach dem Staatsstreich vom 7. M\u00e4rz 1933 hatten einige von uns noch die M\u00f6glichkeit, mit Dollfu\u00df zu sprechen. Sie boten ihm Verhandlungen \u00fcber eine Verst\u00e4ndigung an; \u00fcber eine Reform der Verfassung und der Gesch\u00e4ftsordnung des Parlaments. Dollfu\u00df ver sprach, solche Verhandlungen Ende M\u00e4rz 1933 zu beginnen. Er hat sie nicht nur nicht begonnen, er hat in der Folge jede Besprechung mit<b> <\/b>Sozialdemokraten abgelehnt. Als er erkl\u00e4rte, mit den bisherigen F\u00fchrern der Partei nicht verhandeln zu wollen, bot man ihm andere, ihm genehmere Unterh\u00e4ndler an; Dollfu\u00df hat auch sie nicht empfangen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Wir suchten daher auf anderen Wegen zu Verhandlungen \u00fcber eine friedliche und verfassungsm\u00e4\u00dfige L\u00f6sung des Konflikts zu kommen. Wir traten wiederholt an den Bundespr\u00e4sidenten heran. Unsere Genossen au\u00dferhalb Wiens, die mit Christlichsozialen und Landb\u00fcndlern zusammen in den Landesregierungen sa\u00dfen, n\u00fctzten ihre pers\u00f6nlichen Beziehungen zu den christlichsozialen Landeshauptleuten aus, um zu Besprechungen mit der christlichsozialen Partei zu gelangen. Sie fanden manchen friedensbereiten Mann im b\u00fcrgerlichen Lager; aber alle Bem\u00fchungen scheiterten an der starren Ablehnung Dollfu\u00df\u2019.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wir lie\u00dfen nichts unversucht, um den b\u00fcrgerlichen Politikern, zu denen einige von uns noch Beziehungen hatten, die Gefahren des Zweifronten-Krieges gegen die Sozialdemokratie und gegen die Nationalsozialisten zugleich, den Dollfu\u00df f\u00fchrte, verst\u00e4ndlich zu machen. Da die Diktatur die Arbeiter immer mehr erbitterte, wuchs die Gefahr, da\u00df junge, ungeschulte Arbeiter die Nationalsozialisten, die ebenso wie wir von der Diktatur Dollfu\u00df verfolgt wurden und ebenso wie wir in Opposition gegen sie standen, als Bundesgenossen anzusehen begannen. Wenn die Beh\u00f6rden Sozialdemokraten und Nationalsozialisten zugleich verhafteten und ohne gerichtliches Verfahren in die Gef\u00e4ngnisse sperrten,&nbsp;&#8209; mu\u00dfte dann nicht die Gefahr entstehen, da\u00df sich in den Gef\u00e4ngnissen f\u00f6rmliche Koalitionen zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten bilden? Wir hatten schon um die Jahreswende die Erfahrung gemacht, da\u00df einzelne Betriebe die Verbreitung sozialdemokratischer Flugbl\u00e4tter, die gegen die Nationalsozialisten gerichtet waren, mit der Begr\u00fcndung ablehnten, da\u00df jetzt in Oesterreich nicht Hitler, sondern nur Dollfu\u00df zu bek\u00e4mpfen sei.<span style='color:red'> <\/span><span style='color:#0070C0'>Wir haben b\u00fcrgerliche Politiker und durch sie auch den Bundeskanzler auf alle diese beunruhigenden Symptome aufmerksam gemacht. Wir haben sie beschworen, dem erbitterten Kampf gegen die Sozialdemokratie ein Ende zu machen, um es uns zu erm\u00f6glichen, uns mit unserer ganzen Kraft gegen die Nationalsozialisten zu wenden. Aber allen diesen Beschw\u00f6rungen und Warnungen setzte Dollfu\u00df in der hochm\u00fctigsten und beleidigendsten Weise ein starres Nein entgegen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Wir haben immer wieder jede Gelegenheit ausgen\u00fctzt, um b\u00fcrgerliche Politiker und durch sie die Regierung vor dem Anschwellen revolution\u00e4rer Stimmungen in der Arbeiterschaft, vor der wachsenden Gefahr, da\u00df ein Zwischenfall auch gegen den Willen der Partei zu einem gewaltsamen Ausbruch des angeh\u00e4uften Zorns gegen die Diktatur f\u00fchren k\u00f6nne, zu warnen. Dollfu\u00df lehnte alle diese Warnungen immer wieder mit der hochm\u00fctigen Antwort ab&nbsp;: &quot;Es ist keine Gefahr! F\u00fcr diese F\u00fchrer werden sich die Arbeiter nicht mehr schlagen!&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Wir boten immer weiter gehende Zugest\u00e4ndnisse an, um eine friedliche L\u00f6sung zu erm\u00f6glichen. Wir lie\u00dfen Dollfu\u00df wissen, da\u00df wir bereit w\u00e4ren, der Regierung auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Weise au\u00dferordentliche Vollmachten f\u00fcr zwei Jahre zu bewilligen, wenn diese Vollmachten nur unter der Mitwirkung eines engeren Ausschusses des Parlaments und unter Kontrolle des Verfassungsgerichtshofes gehandhabt w\u00fcrden, und da\u00df wir daf\u00fcr f\u00fcr die Partei nichts als Bewegungsfreiheit, als die Wiederherstellung des gesetzlichen Versammlungsrechtes und der Pre\u00dffreiheit innerhalb der gesetzlichen Schranken verlangten . Wir erkl\u00e4rten uns bereit, selbst dem Gedanken der &quot;berufsst\u00e4ndischen&quot; Organisation der Gesellschaft und des Staates Zugest\u00e4ndnisse zu machen, um nur eine Verst\u00e4ndigung zu erm\u00f6glichen. Es war alles, umsonst; Dollfu\u00df lehnte jede Verhandlung ab.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Der Bund der religi\u00f6sen Sozialisten und einige nicht zur Partei geh\u00f6rige katholische Demokraten haben die Vermittlung der Kirche angerufen. Der Wiener Kardinal Innitzer antwortete mit unverbindlichen freundlichen Worten. Aber der p\u00e4pstliche Nuntius in Wien und die katholischen Bisch\u00f6fe Gf\u00f6llner und Waitz dr\u00e4ngten die Regierung weiter auf der Bahn zum Faschismus hin. Jetzt sei der richtige Augenblick, die gottlose Sozialdemokratie abzutun und aus Oesterreich einen katholischen autorit\u00e4ren Staat, ein Zentrum der katholischen Restauration in Mitteleuropa, zu machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Wir haben unsere Bem\u00fchungen um eine friedliche Entwirrung bis zur allerletzten Stunde fortgesetzt. Noch am Montag, dem 12. Februar, vormittags, konferierten nieder\u00f6sterreichische Sozialdemokraten mit christlichsozialen Politikern \u00fcber die M\u00f6glichkeit, in letzter Stunde die Katastrophe zu vermeiden. Wenige Stunden sp\u00e4ter waren diese Sozialdemokraten verhaftet.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber so sehr wir uns bis zur letzten Stunde um den Frieden bem\u00fcht haben, so sehr mu\u00dften wir doch auch mit der M\u00f6glichkeit rechnen, da\u00df uns der letzte Entscheidungskampf nicht erspart bleiben werde. Denn das allerdings war seit jenem 7. M\u00e4rz unser Entschlu\u00df, unser Wille&nbsp;: Kampflos, ohne einen mannhaften Versuch des Widerstandes werden wir die demokratische Verfassung, die wir mitgeschaffen und f\u00fcnfzehn Jahre lang verteidigt haben, nicht gewaltsam vernichten lassen, die Arbeiterklasse nicht der faschistischen Diktatur preisgeben, die Partei, das gro\u00dfe Werk dreier Arbeitergenerationen, nicht zerst\u00f6ren lassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Wir wu\u00dften, da\u00df der ungleiche Kampf gegen die furchtbaren Gewaltmittel des Staates nur gewonnen werden k\u00f6nnte, wenn sich wirklich bis in den letzten Industrieort hinein die ganze Arbeiterklasse erh\u00f6be. Deshalb wollten wir das Zeichen zum Kampf nur dann geben, wenn die Diktatur Taten setzte, die den Volkszorn, die Volksleidenschaften auf das \u00e4u\u00dferste zu steigern geeignet waren. Im Herbst hat ein au\u00dferordentlicher Parteitag beschlossen, da\u00df das Zeichen zum Generalstreik in folgenden vier F\u00e4llen zu geben sei&nbsp;:<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>1.&nbsp;wenn die Regierung rechts- und verfassungswidrig eine faschistische Verfassung oktroyierte;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>2.&nbsp;wenn die Regierung die verfassungsm\u00e4\u00dfige Gemeinde- und Landesverwaltung des roten Wien rechts- und verfassungswidrig absetzte und die Verwaltung Wiens einem Regierungskommiss\u00e4r \u00fcbertr\u00fcge;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>3.&nbsp;wenn die Regierung die Partei aufl\u00f6ste;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>4.&nbsp;wenn die Gewerkschaften aufgel\u00f6st oder &quot;gleichgeschaltet&quot; w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>In jedem dieser vier F\u00e4lle solle die Arbeiterschaft mit dem Generalstreik einsetzen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Dieser Beschlu\u00df des Parteitages wurde den Massen vermittelt und verbreitet. Die &quot;vier Punkte&quot; fanden anfangs ihre Zustimmung. Aber je l\u00e4nger die Diktatur dauerte, je h\u00e4rter ihre Verordnungen die Arbeiterschaft trafen, je mehr die Arbeiterschaft sah, da\u00df der Staatsapparat in der Zwischenzeit seine milit\u00e4rischen Machtmittel verst\u00e4rkte und zugleich die Kampfkraft der Arbeiterschaft zu zerm\u00fcrben suchte, desto mehr mehrten sich in den Betrieben und in den Parteisektionen die Stimmen der Ungeduldigen, der Kampflustigen, der Vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden&nbsp;: &quot;Warten wir nicht l\u00e4nger! Wir werden nicht mehr kampff\u00e4hig sein, wenn einer der vier F\u00e4lle eintreten wird! Schlagen wir los, solange wir noch kampff\u00e4hig sind! Sonst wird es uns so gehen wie den Genossen in Deutschland!&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Von Monat zu Monat erstarkte innerhalb der Partei die oppositionelle Str\u00f6mung gegen die Politik des Parteivorstandes&nbsp;: gegen die Versuche, zu Verhandlungen mit dem Gegner zu gelangen, und gegen das Abwarten auf einen der &quot;vier Punkte&quot;. <span style='color:#0070C0'>Trotzdem hielt der Parteivorstand an seiner Taktik fest. Er war und blieb entschlossen, den \u00e4u\u00dfersten Kampf nur zu wagen, wenn eine Tat des Gegners ihn ganz unabwendbar und unvermeidlich machte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>[\u2026] <\/span><span lang=DE>Der sozialdemokratische Parteirat trat am 28. J\u00e4nner zusammen. Er beantwortete die Rede Dollfu\u00df\u2019 vom 18. J\u00e4nner. Er erkl\u00e4rte, die Partei sei bereit, \u00fcber eine neue Verfassung zu verhandeln und an der Verteidigung der Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs mitzuwirken. Er stellte nur zwei Bedingungen&nbsp;: erstens m\u00fcsse das allgemeine und gleiche Wahlrecht, die Verk\u00f6rperung der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der politischen Rechtsgleichheit der Arbeiter, die Errungenschaft jahrzehntelanger K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse, erhalten bleiben. Zweitens d\u00fcrfe an das freie Koalitionsrecht der Arbeiter nicht ger\u00fchrt werden. Die Regierungspresse antwortete mit Hohn. Allgemeines und gleiches Wahlrecht, Koalitionsfreiheit&nbsp;&#8209; solche Dinge k\u00f6nne es im neuen Oesterreich nicht mehr geben.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Grundz\u00fcge eines von Dr. Ender, dem mit der Vorbereitung einer neuen Verfassung betrauten Minister, ausgearbeiteten Verfassungsentwurfs wurden ver\u00f6ffentlicht. Sie sahen kein aus allgemeinen Volkswahlen hervorgegangenes Parlament mehr vor. Der Sozialminister Schmitz legte in dem christlichsozialen Hauptorgan dar, da\u00df es in dem neuen Oesterreich keine freien Gewerkschaften mehr geben d\u00fcrfe, sondern nur &quot;halbstaatliche Organisationen&quot; nach dem Vorbild des italienischen Korporationensystems, keine Streiks mehr, sondern die Entscheidungsgewalt des Staates \u00fcber alle Lohnstreitigkeiten. Es war nunmehr klar&nbsp;: Die Diktatur ging auf den hundertprozentigen Faschismus zu.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>[\u2026] <\/span><span lang=DE>In Schwechat bei Wien war es der Gendarmerie gelungen, gr\u00f6\u00dfere Waffenvorr\u00e4te der Arbeiter auszuheben. Fey nahm dies zum Anla\u00df, \u00fcberall in den Heimen der Arbeiter nach Waffen suchen und \u00fcberall die F\u00fchrer des Schutzbundes verhaften zu lassen. Am Sonntag dem 11. Feber hat er ein Kommunique ver\u00f6ffentlicht, in dem er mitteilte, die Waffenfunde in Schwechat bewiesen ein &quot;Komplott&quot; &quot;marxistisch-bolschewistischer Verbrecher&quot; gegen die Staatsgewalt, die deshalb gegen die Sozialdemokratie nunmehr r\u00fccksichtslos vorgehen m\u00fcsse. Es war klar&nbsp;: Die Schwechater Waffenfunde sollten der Reichstagsbrand des Herrn Fey sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Die Arbeiterschaft geriet in gro\u00dfe Erregung. Da\u00df man sie zu entwaffnen versuchte und ihre Schutzbund-F\u00fchrer verhaftete in demselben Augenblick, in dem die Heimwehren die Landesregierungen unter ihren bewaffneten Druck setzten, um die Uebergabe der Verwaltung an die Faschisten zu erzwingen, zeigte, da\u00df die Stunde der Entscheidung gekommen war. Die Arbeiterschaft dachte&nbsp;: In diesem Augenblick d\u00fcrfen wir uns keine Waffen mehr wegnehmen lassen, wenn wir nicht in der unmittelbar bevorstehenden Stunde der Entscheidung kampfunf\u00e4hig sein sollen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Der Parteivorstand warnte. Er wollte den Kampf vermeiden, solange die Regierung nicht eine jener Taten setzte, die die ganze Masse der Arbeiterklasse aufger\u00fcttelt, die Volksleidenschaft aufs h\u00f6chste gesteigert h\u00e4tte.<\/span><span lang=DE> Aber die Erregung eines gro\u00dfen Teiles der Arbeiter war schon so gro\u00df, da\u00df die Mahnungen des Parteivorstandes nicht mehr durchdrangen. Als zwei Tage nach dem bewaffneten Einmarsch der Heimwehren in Linz und der Ueberreichung der faschistischen Forderungen an den ober\u00f6sterreichischen Landeshauptmann die Polizei im Heim der Linzer Arbeiter Waffen beschlagnahmen wollte, setzten sich die Schutzb\u00fcndler zur Wehr. <a name=\"BO_AOA_a_fr\"><\/a><span style='color:#00B0F0'>Der Sturm brach los.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Die Kampftage.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Noch ist es nicht m\u00f6glich, den Verlauf des blutigen Aufstandes der \u00f6sterreichischen Arbeiter zu erz\u00e4hlen. Denn jeder Bericht k\u00f6nnte Hunderte, die in den Gef\u00e4ngnissen der Wiener Henkerregierung schmachten, in Gefahr bringen, Tausende, die den B\u00fctteln der Austrofaschisten noch entgangen sind, gef\u00e4hrden. Nur in gro\u00dfen Z\u00fcgen kann die Geschichte dieser Tage jetzt schon erz\u00e4hlt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Der Kampf begann mit der Stillegung der Arbeit. Aber der Generalstreik ist keineswegs vollst\u00e4ndig gelungen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Eisenbahner hat versagt. Die Eisenbahner sind einst eine Elitetruppe der \u00f6sterreichischen Arbeiterbewegung gewesen. Aber die Ereignisse der letzten Jahre haben sie zerm\u00fcrbt. Der Personalstand der Bundesbahnen ist in wenigen Jahren von mehr als hunderttausend Mann auf 58.000 Mann herabgesetzt worden&nbsp;: zwei F\u00fcnftel der Eisenbahner wurden abgebaut. Seit diesem furchtbaren Aderla\u00df zittert jeder Eisenbahner um seine Arbeitsstelle; wissen die Eisenbahner<b> <\/b>doch, da\u00df noch weiterer Abbau des Personalstandes bevorsteht. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit hat die Eisenbahner entmutigt Seitdem die Diktatur die einst so m\u00e4chtige Personalvertretung der Eisenbahner zerschlagen hat, f\u00fchlen sich die Eisenbahner schutzlos der Willk\u00fcr der Bundesbahnverwaltung ausgeliefert. So sind sie \u00e4ngstlich, kleinm\u00fctig geworden. Sie blieben bei der Arbeit, als die Kanonen gegen die Gemeindeh\u00e4user donnerten. Da\u00df die Eisenbahnen weiter verkehren konnten, hat die Entwicklung des Generalstreiks \u00fcberaus erschwert. Bei allen fr\u00fcheren gro\u00dfen K\u00e4mpfen der \u00f6sterreichischen Arbeiter ist die Stillegung der Eisenbahnen das Signal zum Kampf f\u00fcr die \u00fcbrige Arbeiterschaft gewesen; diesmal blieb das Signal aus. Viele entlegenere Gebiete haben von dem Ausbruch des Streiks erst sp\u00e4t erfahren, seinen Grund und seinen Anla\u00df \u00fcberhaupt nicht gekannt. So blieben ganze Gebiete ohne Anteil an der Bewegung.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber auch in manchen anderen Betrieben ist gearbeitet worden. So konnten, sehr zum Schaden der Bewegung, die b\u00fcrgerlichen Zeitungen in den Streiktagen erscheinen. Wie schwer ein allgemeiner Streik in einer Zeit so gro\u00dfer und so lang dauernder Arbeitslosigkeit zu f\u00fchren ist, haben diese Tage gelehrt. Diejenigen Arbeiter, die an der Streikbewegung nicht teilgenommen haben, werden es jetzt furchtbar erfahren, wie eine triumphierende Reaktion Proletarier behandelt, die sie in geschichtlicher Stunde als kampfunf\u00e4hig erkannt hat.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>War der allgemeine Streik nur unvollst\u00e4ndig gelungen, so war dagegen der bewaffnete Aufstand des Republikanischen Schutzbundes gewaltig, imponierend, hinrei\u00dfend \u00fcber alle Ma\u00dfen. Zwar gab es auch da L\u00fccken. Manche Bezirke haben \u00fcberhaupt nicht zu den Waffen gegriffen; in vielen F\u00e4llen deshalb, weil die Waffensuchen der vorausgegangenen Tage den Schutzbund entwaffnet und die Verhaftungen der lokalen F\u00fchrer die M\u00e4nner, die die Waffenverstecke kannten, entfernt hatten. In anderen Bezirken hat es der lokalen F\u00fchrung des Schutzbundes wohl auch an Mut, an Offensivgeist gefehlt. Aber wo der Schutzbund in den Kampf getreten ist, dort war seine Haltung von bewunderungsw\u00fcrdigster Tapferkeit, Z\u00e4higkeit, Heldenhaftigkeit Dollfu\u00df selbst hat in einer Rede vom 17. Feber den &quot;Heroismus&quot; der k\u00e4mpfenden Schutzb\u00fcndler anerkennen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die K\u00e4mpfe um das Ottakringer Arbeiterheim, um den Karl-Marx- Hof, das viert\u00e4gige Ringen um Meidling, um Simmering, um Kaiserm\u00fchlen und insbesondere um Floridsdorf, die Schlachten von Steyr und von Bruck, die Stra\u00dfenk\u00e4mpfe in Linz&nbsp;&#8209; all das geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften, heldenhaftesten K\u00e4mpfen der Revolutionsgeschichte aller Zeiten und aller L\u00e4nder.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Womit soll man die Geschichte der Wiener Revolutionstage vergleichen?<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Als sich die Pariser Arbeiter im Jahre 1871 erhoben, war es unmittelbar nach der Belagerung von Paris durch die deutschen Heere. Noch war das ganze Pariser Volk bewaffnet. Kriegsger\u00e4t f\u00fcr 200.000 Mann stand der Kommune zur Verf\u00fcgung. Hunderte Kanonen waren im Besitz der Pariser Arbeiter. Die Bewaffnung war nicht so furchtbar ungleich<b> <\/b>wie in diesen Tagen in Wien, wo die Arbeiter vier Tage lang mit alten Infanteriegewehren gegen die Kanonen und Haubitzen des Bundesheeres gek\u00e4mpft haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Als sich die Arbeiter von Leningrad im M\u00e4rz 1917 gegen den Zarismus erhoben, war Ru\u00dfland im Weltkrieg geschlagen, die zarischen Truppen waren aus mobilisierten Bauern und Arbeitern zusammengesetzt, ein gro\u00dfer Teil von ihnen ging im Verlauf des Kampfes auf die Seite der Arbeiter \u00fcber. In Wien standen die Arbeiter einem S\u00f6ldnerheer gegen\u00fcber, das, fest in der Hand seiner F\u00fchrer, bis zur letzten Stunde diszipliniert gegen sie k\u00e4mpfte.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Als sich die Leningrader Arbeiter zum zweiten Mal am 7 . November 1917 erhoben, waren die Soldaten auf ihrer Seite, die Kerenski-Regierung nur von ein paar Junkerkompagnien gesch\u00fctzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>So ist der Kampf der \u00f6sterreichischen Arbeiter mit keiner der letzten gro\u00dfen Revolutionen zu vergleichen. Nie hat eine revolution\u00e4re Arbeiterschaft gegen eine so gro\u00dfe technische Ueberlegenheit des Feindes so lang, so z\u00e4h, so heldenhaft standgehalten, wie in den \u00f6sterreichischen Aufstandstagen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Der Feind war zun\u00e4chst an F\u00fchrung \u00fcberlegen. Der Schutzbund hatte keine Offiziere. Die alten Zugsf\u00fchrer und Feldwebel der Kriegszeit, die die Schutzbundabteilungen f\u00fchren sollten, waren vor der Schlacht verhaftet worden. Die Ersatzm\u00e4nner, die an ihre Stelle traten, waren oft junge Leute ohne Kriegserfahrung. Auch die zentrale Leitung des Kampfes hat versagt. Wir hatten am ersten Kampftag eine zentrale Leitung improvisiert. Aber der Bezirk, in dem sie ihren Standort hatte, fiel bald in die H\u00e4nde des Bundesheeres, und die Verbindung zwischen dem Standort der Kampfleitung und den k\u00e4mpfenden Gruppen in den anderen Bezirken wurde schon am zweiten Tag infolge der milit\u00e4rischen Absperrungsma\u00dfregeln unm\u00f6glich. So waren die einzelnen Kampfgruppen auf sich selbst angewiesen. In den gro\u00dfen, von Arbeitern bewohnten Gemeindeh\u00e4usern, hinter schnell aufgeworfenen Barrikaden, am Stadtrande auch in regelrechten Sch\u00fctzengr\u00e4ben hielten sie den feindlichen Truppen stand. Der Gegner war feig. Er wagte es nicht, die nur mit Gewehren und Maschinengewehren bewaffneten Schutzb\u00fcndler mit gleichen Waffen anzugreifen. Er scho\u00df ihre Stellungen mit Artillerie zusammen. Kanonen und Haubitzen hatten die Schutzb\u00fcndler freilich nicht. Die Kanonen und Haubitzen haben den Kampf entschieden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die gro\u00dfen Wohnpal\u00e4ste, die die rote Gemeindeverwaltung den Wiener Arbeitern gebaut hat, sind von Granaten zerschlagen und zertr\u00fcmmert. Die Sozialdemokraten haben sie gebaut; der Faschismus hat sie mit schweren Haubitzen zerschossen. &quot;Gebaut aus den Mitteln der Wohnbausteuer&quot;, hatte die Wiener Gemeindeverwaltung auf ihre Wohnbauten geschrieben. &quot;Zerst\u00f6rt aus den Mitteln der Trefferanleihe&quot;, f\u00fcgt jetzt der Wiener Volkswitz hinzu.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Faschisten l\u00fcgen jetzt frech, die Durchsuchung der Wohnbauten der Gemeinde habe gezeigt, da\u00df sie im voraus als Festungen geplant und angelegt worden seien. Diese alberne L\u00fcge soll die Verwendung der Artillerie rechtfertigen. Der B\u00fcrger versteht, da\u00df man Wohnh\u00e4user baut,<b> <\/b>damit sie Eigent\u00fcmern eine Rente tragen. Wenn man Wohnh\u00e4user baut, die zwar 60.000 Familien ein Leben in Licht und Luft und Gesundheit erm\u00f6glichen, aber niemandem eine Rente tragen, kann das doch nur zu den Zwecken des B\u00fcrgerkrieges geschehen sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Nach viert\u00e4gigem Kampfe sind die \u00f6sterreichischen Arbeiter besiegt worden. Hat das sein m\u00fcssen? H\u00e4tten sie siegen k\u00f6nnen? Nach den Erfahrungen dieser vier Tage darf man sagen&nbsp;: Wenn die Eisenbahnen stillgelegt worden w\u00e4ren, wenn der Generalstreik das ganze Land erfa\u00dft h\u00e4tte, wenn der Schutzbund die ganze gro\u00dfe Masse der Arbeiter im ganzen Lande mitgerissen h\u00e4tte, dann w\u00e4re es der Regierung kaum gelungen, des Aufstands Herrin zu werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Das hat der Parteivorstand immer gef\u00fcrchtet&nbsp;: da\u00df der Schutzbund allein im Kampfe bleiben k\u00f6nnte und breite Proletariermassen zwar mit st\u00e4rkster Sympathie, aber unt\u00e4tig seinem Kampfe Zusehen w\u00fcrden. Darum hat die Partei den Kampf nicht fr\u00fcher beginnen wollen, als bis eine den Zorn und die Leidenschaften des ganzen werkt\u00e4tigen Volkes auf r\u00fcttelnde Tat des Gegners den Kampf entfesseln werde. Das war der Grund und Sinn der Politik jener &quot;vier Punkte&quot;. Die Provokationen der Diktatur und die Erbitterung der vorgeschrittensten Schichten der Arbeiterklasse hat dieses politische Konzept durchkreuzt. Der Vorsto\u00df der Linzer hat die ganze Front in einem Augenblick aufgerollt, in dem die Tat des Gegners, die ungleich gr\u00f6\u00dfere Massen zur Erhebung gebracht h\u00e4tte, zwar unmittelbar drohte, aber noch nicht gesetzt war.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>So sind die \u00f6sterreichischen Schutzb\u00fcndler nach heldenm\u00fctigem Kampfe erlegen. Aber sind sie besiegt worden, so sind sie doch in Ehre und Ruhm untergegangen. In Italien hat die Arbeiterklasse dem Marsch Mussolinis auf Rom keinen Widerstand entgegenzusetzen vermocht. In Deutschland sind die Sozialdemokratie und die Kommunistische Partei kampflos dem Nationalfaschismus erlegen. In Oesterreich hat die wehrf\u00e4hige Elite des Proletariats gezeigt, wie sich freiheitsliebende Arbeiter wehren, wenn ihre Freiheit bedroht ist. Generationen von Arbeitern werden ihren Kindern von den Heldentaten der \u00f6sterreichischen Schutzb\u00fcndler erz\u00e4hlen, ihre S\u00f6hne im Geiste der K\u00e4mpfer um die Freiheit der \u00f6sterreichischen Arbeiter erziehen. Aus dem vergossenen kostbaren Proletarierblut wird reiche Saat aufgehen. Aus der Erinnerung an unsere Gefallenen und standrechtlich Gerichteten, aus dem Ruhme ihres Kampfes, aus dem Ha\u00df gegen die M\u00f6rder, die Weiber und Kinder in den Gemeindebauten gemordet haben, gegen ihre Henker, die Verwundete zum Galgen schickten, gegen ihre Mitschuldigen, m\u00f6gen sie in katholischen Bischofsitzen oder in j\u00fcdischen Zeitungsredaktionen dem Blutwerk der Henkerregierung applaudieren, wird die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie sieghaft wieder erstehen. Gef\u00e4rbt mit dem Blute unserer Helden, wird die rote Fahne dereinst wieder \u00fcber Wien, dereinst \u00fcber Oesterreich wehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Ungeheuer war der Widerhall der Wiener Kampftage in der ganzen proletarischen Welt. In England und in Frankreich, in Belgien und in Holland, in der Schweiz und in der Tschechoslowakei, \u00fcberall von Spanien bis zu den baltischen L\u00e4ndern, im roten Ru\u00dfland, jenseits des Ozeans in Amerika,&nbsp;&#8209; \u00fcberall haben die Arbeiter in gewaltigen Kundgebungen f\u00fcr<b> <\/b>das k\u00e4mpfende Proletariat Oesterreichs demonstriert, \u00fcberall fluchen sie seinen M\u00f6rdern und Henkern. Die Sozialisten der ganzen Welt haben es als besch\u00e4mend, als eine verh\u00e4ngnisvolle Ermutigung der internationalen Reaktion, als eine verh\u00e4ngnisvolle Schw\u00e4chung der Arbeiterklasse aller L\u00e4nder empfunden, da\u00df sich die deutsche Arbeiterklasse dem Faschismus kampflos unterworfen hat. Sie alle sind stolz darauf und f\u00fchlen sich gehoben und gest\u00e4rkt dadurch, da\u00df sich die \u00f6sterreichischen Arbeiter mit dem Gewehr in der Hand dem Faschismus widersetzt, da\u00df sie, indem sie ungleichen Verzweiflungskampf kampfloser Kapitulation vorgezogen haben, die revolution\u00e4re Ehre des internationalen Sozialismus gerettet, den revolution\u00e4ren Widerstand der Arbeiter der ganzen Welt ermutigt und gest\u00e4rkt, der faschistischen Reaktion in der ganzen Welt eine drohende Warnung entgegengestellt haben. Das Proletariat der ganzen Welt hat das rote Wien geliebt um seines friedlichen sozialistischen Aufbaues willen: um seiner Wohnbauten, um des Meisterwerks seiner sozialen F\u00fcrsorge und seiner Schulreform willen. Jetzt liebt die Arbeiterklasse der Welt das rote Wien hei\u00dfer um seiner revolution\u00e4ren Tat, um seines Heldentums willen, um seines f\u00fcr die Freiheit vergossenen Blutes willen. Stolzer denn jemals zuvor singen die Arbeiter in allen Sprachen der zivilisierten Welt Br\u00fcgels Lied von den Arbeitern von Wien&nbsp;:<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Drum weh du flammende,<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Du rote Fahne<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Voraus dem Wege, den wir zieh\u2019n.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wir sind der Zukunft getreue K\u00e4mpfer,<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wir sind die Arbeiter von Wien.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><a name=\"BO_AOA_24_fr\"><\/a><span lang=DE>[\u2026]<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE style='color:#0070C0'>Unsere Fehler.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wir sind geschlagen. Und jedes unserer Gehirne qu\u00e4lt die Frage, ob wir durch politische Fehler, die wir begangen, durch eigene Schuld die blutige Katastrophe herbeigef\u00fchrt haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die einen sagen&nbsp;: Unsere Politik sei seit Jahren zu doktrin\u00e4r, zu radikal, zu unvers\u00f6hnlich, allzu &quot;links&quot; gewesen. Dadurch habe sie den Zusammenbruch der Partei heraufbeschworen. Die anderen sagen umgekehrt&nbsp;: Unsere Politik sei allzu \u00e4ngstlich, allzu zaghaft gewesen, es habe ihr an dem revolution\u00e4ren Schwung gefehlt, der allein die ganze breite Masse mitzurei\u00dfen vermocht h\u00e4tte, sie habe den Kampf allzu lange aufgeschoben und dadurch die Niederlage verschuldet, sie sei allzu &quot;rechts&quot; gewesen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wo ist die Wahrheit? Da\u00df wir Fehler begangen haben, unterliegt keinem Zweifel; nur wer nicht handelt, begeht keine Fehler. Diese Fehler freim\u00fctig zu bekennen, ist n\u00fctzlich; denn aus unserer Erfahrung k\u00f6nnen die Nachkommenden Wichtiges lernen. Ich kann unsere Irrt\u00fcmer um so eher bekennen, als ich damit niemand anderen belaste; denn f\u00fcr die Fehler, die begangen worden sind, bin ich mehr verantwortlich als jeder andere.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><a name=\"BO_AOA_b_fr\"><\/a><span lang=DE>Im April 1932 hatten die Landtags- und Gemeindewahlen ein sprunghaftes Anwachsen des Nationalsozialismus in Oesterreich gezeigt. Die Gro\u00dfdeutschen, seit dem erzwungenen R\u00fccktritt Schobers in Opposition, und die Nationalsozialisten verlangten die Neuwahl des Nationalrates. Die Christlichsozialen hatten vor der Neuwahl panische Angst. H\u00e4tten wir uns in jenem Augenblick bereit gezeigt, im Nationalrat gegen die Ausschreibung von Neuwahlen zu stimmen, und h\u00e4tten wir zugleich der Regierung Buresch, die noch im Amte war, zugesichert, da\u00df wir sie in \u00e4hnlicher Weise &quot;tolerieren&quot; werden, wie die deutsche Sozialdemokratie die Regierung Br\u00fcning toleriert hat, so h\u00e4tten wir die Bildung einer Koalitionsregierung der Christlichsozialen und der Landb\u00fcndler mit den Heimwehren vielleicht verh\u00fcten k\u00f6nnen. Wir haben dies nicht getan. Wir hielten Neuwahlen f\u00fcr n\u00fctzlich, damit die Nationalsozialisten in das Parlament einziehen und die Notwendigkeit, zu den konkreten wirtschaftlichen und politischen Fragen Stellung zu nehmen, ihre Demagogie demaskiere. Wir f\u00fcrchteten nach den Erfahrungen der deutschen Sozialdemokratie in die Situation der &quot;Tolerierungspolitik&quot; zu geraten. Wir glaubten, da\u00df nur eine forsche Oppositionspolitik der Sozialdemokratie <a name=\"BO_AOA_25_fr\"><\/a>verh\u00fcten k\u00f6nne, da\u00df die durch die Wirtschaftskrise verelendeten und erbitterten Massen zu den Nationalsozialisten abstr\u00f6men. Die Folge unserer Haltung war, da\u00df sich die Christlichsozialen mit den Heimwehren koalierten und Dollfu\u00df seine Regierung mit Fey bildete. Wir hatten bei den Wahlen im Herbst 1930 die erste Koalitionsregierung der Christlichsozialen mit den Heimwehren, die Regierung Vaugoin-Starhemberg besiegt; wir haben im Jahre 1932, durch diese Erfahrung irregef\u00fchrt, verkannt, da\u00df in einem Zeitpunkt, in dem der Faschismus in Deutschland in st\u00fcrmischem Aufstiege war, die Teilnahme der Faschisten an der Regierungsgewalt in Oesterreich weit gef\u00e4hrlicher werden mu\u00dfte. <span style='color:#0070C0'>Unsere Haltung nach den Wahlen von 1932 war also vielleicht ein Fehler; es war eine &quot;linke Abweichung&quot;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wir haben noch einen solchen Fehler gemacht. Als die Regierung Dollfu\u00df-Fey einen zweist\u00fcndigen Proteststreik der Eisenbahner, der am 1 . M\u00e4rz 1933 stattgefunden hatte, mit Ma\u00dfregelungen von Eisenbahnern beantwortete, suchten wir dies am 4. M\u00e4rz durch einen Antrag im Parlament zu verhindern. Da die Regierung nur eine Mehrheit von einer Stimme hatte, kam es auf jede Stimme an. Wir verloren aber eine Stimme dadurch, da\u00df Renner als Pr\u00e4sident des Nationalrates den Vorsitz f\u00fchrte und deshalb nicht mitstimmen konnte. Wir glaubten, es vor den Eisenbahnern nicht verantworten zu k\u00f6nnen, durch Renners Stellung als Pr\u00e4sidenten bei der Abstimmung zu unterliegen und damit hunderte Eisenbahner der Ma\u00dfregelung preiszugeben. Deshalb hat Renner wegen eines Konflikts mit den Christlichsozialen auf meinen Rat seine Pr\u00e4sidentenstelle niedergelegt. Darauf haben auch der christlichsoziale und der gro\u00dfdeutsche Vizepr\u00e4sident demissioniert. Am folgenden Tage erk\u00e4mpfte Hitler in Deutschland seinen gro\u00dfen Wahlsieg; wir hatten im Eifer, die von der Ma\u00dfregelung bedrohten Eisenbahner zu sch\u00fctzen, nicht bedacht, welch unmittelbaren Einflu\u00df die Umw\u00e4lzung in Deutschland auf Oesterreich \u00fcben konnte. <span style='color:#0070C0'>So haben wir durch Renners Demission der Regierung Dollfu\u00df den Vorwand zur Ausschaltung des Parlaments geliefert. Das war unzweifelhaft ein Fehler,&nbsp;&#8209; auch das eine &quot;linke Abweichung&quot;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><a name=\"BO_AOA_c_fr\"><\/a><span lang=DE>Das Parlament war ausgeschaltet. Die Diktatur etablierte sich. Der Versuch, am 15. M\u00e4rz die Arbeit des Parlaments wieder aufzunehmen, wurde von Dollfu\u00df gewaltsam verhindert. Wir h\u00e4tten darauf am 15. M\u00e4rz mit dem Generalstreik antworten k\u00f6nnen. Nie waren die Bedingungen f\u00fcr einen erfolgreichen Kampf so g\u00fcnstig wie an jenem Tage. Die deutsche Gegenrevolution, die sich eben damals st\u00fcrmisch vollzog, hatte in Oesterreich die Massen aufger\u00fcttelt. Die Arbeitermassen erwarteten das Signal zum Kampf. Die Eisenbahner waren damals noch nicht so zerm\u00fcrbt wie elf Monate sp\u00e4ter. Die milit\u00e4rische Organisation der Regierung war damals weit schw\u00e4cher als im Februar 1934. Damals h\u00e4tten wir vielleicht siegen k\u00f6nnen. Aber wir sind damals vor dem Kampf zur\u00fcckgeschreckt. Wir glaubten noch, durch Verhandlungen zu einer friedlichen L\u00f6sung kommen zu k\u00f6nnen. Dollfu\u00df hatte versprochen, da\u00df er binnen kurzem, Ende M\u00e4rz oder anfangs April, mit uns \u00fcber eine Verfassungs- und Gesch\u00e4ftsordnungs-Reform verhandeln werde; wir waren damals noch t\u00f6richt genug, einem Versprechen Dollfu\u00df\u2019 zu trauen. <a name=\"BO_AOA_26_fr\"><\/a><span style='color:#0070C0'>Wir sind dem Kampf ausgewichen, weil wir dem Lande die Katastrophe eines blutigen B\u00fcrgerkriegs ersparen wollten. Der B\u00fcrgerkrieg ist elf Monate sp\u00e4ter trotzdem ausgebrochen, aber unter f\u00fcr uns wesentlich ung\u00fcnstigeren Bedingungen. Es war ein Fehler,&nbsp;&#8209; der verh\u00e4ngnisvollste unserer Fehler. Und diesmal war es eine &quot;rechte Abweichung&quot;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>War unsere Politik zu &quot;links&quot; oder zu &quot;rechts&quot;? Es gibt keine Strategie, die lehren w\u00fcrde, da\u00df man den Sieg unter allen Umst\u00e4nden im Angriff oder unter allen Umst\u00e4nden in der Verteidigung erk\u00e4mpfen, die Entscheidung immer auf dem linken oder immer auf dem rechten Fl\u00fcgel herbeif\u00fchren k\u00f6nne. Die Probleme proletarischer Taktik in Zeiten st\u00fcrmischer Entwicklung sind allzu kompliziert, als da\u00df sie sich auf den Gegensatz von &quot;links&quot; und &quot;rechts&quot; reduzieren lie\u00dfen. Die Fehler, die wir begangen haben, waren einmal &quot;linke&quot; und das andere Mal &quot;rechte&quot; Abweichungen von dem Weg, von dem wir jetzt nachtr\u00e4glich, in Kenntnis der sp\u00e4teren Ereignisse, vermuten k\u00f6nnen, da\u00df er richtig gewesen w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber so wenig wir Fehler leugnen wollen, die wir begangen haben,&nbsp;&#8209; w\u00e4re die \u00f6sterreichische Gegenrevolution nach dem Siege des Faschismus in Deutschland \u00fcberhaupt zu verh\u00fcten gewesen? H\u00e4tte eine andere Politik, eine andere Taktik sie verh\u00fcten k\u00f6nnen? W\u00e4ren wir, wenn wir uns nach den Aprilwahlen von 1932 zu einer &quot;Tolerierungspolitik&quot; gegen\u00fcber der Regierung Buresch entschlossen h\u00e4tten, nicht erst recht auf die Bahn der deutschen Sozialdemokratie geraten? H\u00e4tte, wenn Renner am 4.&nbsp;M\u00e4rz seine Pr\u00e4sidentenstelle nicht niedergelegt h\u00e4tte, die durch den Umsturz in Deutschland geschreckte Regierung nicht einen anderen Vorwand zur Ausschaltung des Parlaments gefunden? H\u00e4tte, wenn wir am 15.&nbsp;M\u00e4rz 1933 losgeschlagen h\u00e4tten, der B\u00fcrgerkrieg nicht die Koalition der Schwarzen mit den Braunen herbeigef\u00fchrt, die damals ja noch nicht so verfeindet waren wie jetzt, und dadurch Hitler zum Herrn Oesterreichs gemacht?<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die ungarische Sozialdemokratie hat im Jahre 1919, die italienische bis zum Jahre 1922 eine &quot;linke&quot;, revolution\u00e4re, dem Kommunismus verwandte Politik getrieben,&nbsp;&#8209; sie endete in beiden L\u00e4ndern mit einer Katastrophe. Die deutsche Sozialdemokratie hat umgekehrt einen sehr staatsm\u00e4nnischen, sehr nationalen, sehr &quot;rechten&quot; Weg gew\u00e4hlt,&nbsp;&#8209; sie ist gleichfalls geschlagen worden. Wir haben in Oesterreich zwischen dem italienisch-ungarischen und dem deutschen Extrem einen mittleren Weg zu gehen versucht,&nbsp;&#8209; wir sind gleichfalls geschlagen. <a name=\"BO_AOA_d_fr\"><\/a><span style='color:#0070C0'>Die Ursachen der Niederlagen der Arbeiterklasse liegen offenbar tiefer als in der Taktik ihrer Parteien, offenbar tiefer als in einzelnen taktischen Fehlern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Die Ursachen der Katastrophe.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Am Tage unserer Niederlage hat ein demokratischer B\u00fcrger gesagt&nbsp;: &quot;Das Ungl\u00fcck der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie war Breitner.&quot; Aus Steuereinnahmen sch\u00f6ne Arbeiterwohnungen zu bauen, damit sie, von keinem Zins an Leihkapital belastet, an Arbeiter, an Arbeitslose wohlfeil vermietet werden k\u00f6nnen; den Reichtum, den Luxus, das Vergn\u00fcgen zu besteuern, um f\u00fcr die Armen billige Wohnungen bauen, die F\u00fcrsorge ausgestalten, eine moderne Schule f\u00fcr ihre Kinder schaffen zu k\u00f6nnen,&nbsp;&#8209; nein, das konnten die besitzenden Klassen nicht ertragen . Ihr sagt, unsere Schuld sei Breitners Steuerpolitik gewesen? Ihr sagt damit nur&nbsp;: Unsere Schuld war, da\u00df wir Sozialisten sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Am Tage unserer Niederlage hat eine kapitalistische Zeitung geschrieben, die Sozialdemokratie sei daran zugrunde gegangen, da\u00df sie die Erf\u00fcllung wirtschaftlicher Notwendigkeiten verhindert habe. Das habe sie getan, indem sie dem Abbau des Mieterschutzes so z\u00e4hen Widerstand entgegengesetzt hat. Wirtschaftliche Notwendigkeiten? Es sind die Notwendigkeiten des kapitalistischen Profits und der kapitalistischen Rente. Es war unsere Schuld, da\u00df uns die menschliche Notwendigkeit, schlecht entlohnten Kurzarbeitern, arbeitslosen Proletariern, verelendeten Kleingewerbetreibenden das Obdach zu erhalten, h\u00f6her stand, als die &quot;wirtschaftlichen Notwendigkeiten&quot; des Profits und der Rente.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Schon vor unserer Niederlage haben wir von den B\u00fcrgerlichen oft geh\u00f6rt&nbsp;: Die Diktatur sei notwendig geworden, weil die Sozialdemokratie im Parlament den Abbau einer in der Zeit der Wirtschaftskrise untragbar gewordenen sozialen Schutzgesetzgebung verhindert hat. In der Tat, die Demokratie mu\u00dfte zerst\u00f6rt, der Sozialismus mu\u00dfte blutig niedergeworfen werden, damit das Unternehmertum die Arbeiterschutzgesetze durchl\u00f6chern, sich von den &quot;sozialen Lasten&quot; befreien, die Gewerkschaften, die der Ausbeutung eine Schranke setzten, demolieren k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Wirtschaftskrise hat die Klassengegens\u00e4tze versch\u00e4rft. Gewi\u00df, die \u00f6sterreichische Bourgeoisie ist infolge der Krise verarmt. Aber der verarmte Unternehmer ist ein ha\u00dferf\u00fcllterer Gegner des Proletariats als der reiche Unternehmer, dessen Gesch\u00e4fte bl\u00fchen. Dieser l\u00e4\u00dft vom reichgedeckten Tisch gern ein paar Brosamen f\u00fcr die Arbeiter abfallen; jener kennt kein anderes Mittel, sich vor dem drohenden Bankrott zu retten, als Lohndruck und &quot;Abbau der sozialen Lasten&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Wirtschaftskrise hat Kleinb\u00fcrger und Bauern proletarisiert; die b\u00fcrgerliche Demokratie hat die Massen nicht vor der Krise bewahren k\u00f6nnen. Sie konnte sie vor der Krise nicht bewahren, nicht deshalb, weil es Demokratie, sondern deshalb, weil es b\u00fcrgerliche Demokratie, Demokratie auf der Grundlage der kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverh\u00e4ltnisse war. Aber das haben die kleinb\u00fcrgerlichen und b\u00e4uerlichen Massen nicht verstanden. Verelendet, erbittert, haben sie sich von der Demokratie \u00fcberhaupt abgewendet, haben sie etwas Neues, Unverbrauchtes, Unkompremittiertes gesucht, das sie retten k\u00f6nne. So wurden sie reif f\u00fcr den Faschismus. So lie\u00dfen sich Kleinb\u00fcrger- und Bauerns\u00f6hne von den Heimwehragenten anwerben. So gerieten sie unter die F\u00fchrung der aristokratischen Gro\u00dfgrundbesitzer und der k. und k. Generale, die die Heimwehrbataillone kommandieren,&nbsp;&#8209; unter die F\u00fchrung der durch die Revolution von 1918 entthronten Klassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Und in derselben Zeit, in der sich die kapitalistische Bourgeoisie gegen die Demokratie wandte, um die Macht der Gewerkschaften brechen, die sozialen Errungenschaften der Arbeiter abtragen zu k\u00f6nnen; in der selben Zeit, in der sich die Aristokraten und Generale eine Armee aus verelendeten Kleinb\u00fcrgern und Bauerns\u00f6hnen gesammelt hatten, um die ihnen verha\u00dfte Demokratie zu zerst\u00f6ren, ihren Staat, den autorit\u00e4ren Staat, den Staat der Vorkriegszeit, den sie beherrscht hatten, wieder herzustellen,&nbsp;&#8209; in derselben Zeit war die Widerstandskraft der Arbeiterklasse furchtbar geschw\u00e4cht. Mehr als ein Drittel der Arbeiter aus den Produktionsst\u00e4tten hinausgeschleudert, die \u00fcbrigen um ihre Arbeitsstellen zitternd.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>[\u2026] <\/span><span lang=DE>Als nach dem 5. M\u00e4rz 1933 die nationalsozialistische Flut auch in Oesterreich hoch ging und Hitler seinen Kampf um Oesterreich begann, w\u00e4re es nat\u00fcrlich gewesen, da\u00df sich alle dem Anschlu\u00df an das Dritte Reich feindlichen Kr\u00e4fte gegen die braune Gefahr verb\u00fcndet h\u00e4tten. Aber das wollten die Aristokraten und Generale, die das alte habsburgische \u00d6sterreich wiederherstellen wollen, die Kapitalisten, denen es sich um die Niederwerfung der Gewerkschaften und um den &quot;Abbau der sozialen Lasten&quot; handelte, die Kirchenf\u00fcrsten, denen, wie der Jesuitenpater Bichlmayer sagte, &quot;faschistische Zucht&quot; lieber ist als eine Demokratie, die den Freidenkern die Freiheit der Propaganda gibt, das wollten sie alle nicht . Denn damit h\u00e4tten sie ja die \u201e antimarxistische&quot; Konjunktur vers\u00e4umt. So haben sie den Zweifronten-Krieg gegen die Nationalsozialisten und gegen die Sozialdemokratie zugleich unternommen. Im Kampfe gegen wenigstens 70 Prozent des eigenen Volkes mu\u00dften sie sich immer gewaltt\u00e4tigerer Mittel bedienen, mu\u00dften sie alle vom Volk gew\u00e4hlten Vertretungen ausschalten und sich f\u00fcr die Zukunft die v\u00f6llige Abschaffung aller all- gemeinen Volkswahlen zum Ziel setzen, um sich an der Macht zu erhalten. So mu\u00dften sie die Gegens\u00e4tze versch\u00e4rfen bis zu dem Augenblick, in dem der Arbeiterklasse nur noch die Wahl blieb&nbsp;: schimpfliche Kapitulation oder verzweifelten Widerstand. <\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>[\u2026] <\/span><span lang=DE>Aber \u00fcber diese n\u00e4chste Aufgabe hinaus werden der Sozialdemokratie in Oesterreich in gar nicht ferner Zeit gro\u00dfe geschichtliche Aufgaben gestellt sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Diktatur Dollfu\u00df-Fey wird nicht lange dauern. Hitler hat sich auf die straff gef\u00fchrte milit\u00e4rische Organisation seiner SA und SS, Mussolini auf seine Schwarzhemden st\u00fctzen k\u00f6nnen. Dem \u00f6sterreichischen Faschismus fehlt eine solche faschistische Gewaltorganisation. Er hat daf\u00fcr&nbsp;&#8209; die Vaterl\u00e4ndische Front. Aber das sind keine SA und keine Schwarzhemden. Das ist ein Sammelsurium von j\u00fcdischen Bourgeois, die den Antisemitismus Hitlers f\u00fcrchten, von monarchistischen Aristokraten, klerikalen Kleinb\u00fcrgern, von Heimwehren, die t\u00e4glich gegen Dollfu\u00df meutern und an Dollfu\u00df Erpressungen ver\u00fcben, von Ostm\u00e4rkischen Sturmscharen, die gegen die Heimwehren organisiert werden, von einem gro\u00dfen Tro\u00df armer Teufel, dessen eine H\u00e4lfte Nazi und dessen andere H\u00e4lfte Sozialdemokraten sind, die beide das rotwei\u00dfrote B\u00e4ndchen nur tragen, um eine Arbeitsstelle nicht zu verlieren oder um eine Arbeitsstelle zu bekommen. Eine solche Spottgeburt ohne Feuer ist keine zureichende St\u00fctze einer dauerhaften faschistischen Diktatur.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Zwischen den christlichsozialen Bauern und Kleinb\u00fcrgern auf der einen, den die Heimwehren kommandierenden Aristokraten auf der anderen Seite bestehen schroffe Gegens\u00e4tze. Sie intrigieren gegeneinander. Sie r\u00fcsten gegeneinander. Die faschistische Diktatur kann sehr wohl noch mit dem Kampf der Faschisten gegeneinander enden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Der Zerfall der austrofaschistischen Front in zwei gegeneinander k\u00e4mpfende Gruppen kann uns sehr bald Gelegenheiten bieten, wenn wir nur da sein, bereit sein, stark genug sein werden, diese Gelegenheiten auszun\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber selbst wenn die austrofaschistische Front nicht zerf\u00e4llt, wenn Dollfu\u00df auch weiterhin getreulich und gehorsam die Befehle des Herrn Fey vollzieht und die christlichsozialen Bauern und Kleinb\u00fcrger sich gehorsam den die Heimwehren kommandierenden Aristokraten und Generalen unterwerfen, steht dem Austrofaschismus noch ein gef\u00e4hrlicher Feind entgegen. Der Massenha\u00df, den die blutige Niederwerfung des Aufstandes erzeugt hat, wird den Nationalsozialismus st\u00e4rken. Die Aufl\u00f6sung unserer Partei, unserer Jugendorganisationen vor allem, hat D\u00e4mme niedergerissen, die bisher noch der Ausbreitung der braunen Flut im Wege gestanden sind. Es kann noch eine Stunde kommen, in der die Sieger von heute, von dem Nationalsozialismus bedroht, Hilfe und Rettung bei den Besiegten suchen werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Wie kann sich Dollfu\u00df vor einer solchen Lage retten? Er kann die Vers\u00f6hnung mit Hitler suchen. Oder er kann seine Zuflucht in einer Restauration der Habsburger suchen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Dollfu\u00df hat vor kurzem erst den Weg zu Hitler gesucht. Es ist sehr wohl m\u00f6glich, da\u00df der gro\u00dfe K\u00e4mpfer f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs ihn morgen Widder suchen wird. Aber jede schwarzbraune Koalition in Oesterreich, wie immer sie getarnt w\u00e4re, w\u00e4re nur der erste Schritt zur &quot;Gleichschaltung&quot;, zur Verwandlung Oesterreichs in ein zweites Danzig, zum tats\u00e4chlichen Anschlu\u00df Oesterreichs an das Dritte Reich. Und der Anschlu\u00df w\u00e4re unzweifelhaft der europ\u00e4ische Krieg.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Dollfu\u00df kann den anderen Weg zu gehen versuchen&nbsp;: Den Weg zu Habsburg. Die Wiederherstellung einer \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie unter dem Zepter der Habsburger ist das eigentliche Ziel Feys, das Ziel der Aristokraten und Generale, die die Heimwehr kommandieren; sie kann die letzte Zuflucht der Diktatur sein. Man mu\u00dfte die Sozialdemokratie niederwerfen, um dem Kaiser den Weg in die Hofburg zu bahnen. Herrscht erst Habsburg wieder \u00fcber Oesterreich und Ungarn, dann kann die Diktatur Oesterreich mit ungarischen Bajonetten niederhalten. Ungarn wird daf\u00fcr den Anspruch eintauschen, da\u00df die S\u00f6hne der \u00f6sterreichischen Arbeiter, Bauern und B\u00fcrger mit ihrem Blut dem K\u00f6nig von Ungarn die Slowakei und Kroatien wiedererobern.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Eine Utopie? Keineswegs. Die erste Tat Dollfu\u00df\u2019 nach der Niederwerfung der Arbeiter war die Vereinbarung einer Zusammenkunft mit Mussolini und G\u00f6mb\u00f6s. Die italienisch-\u00f6sterreichisch-ungarische Alliance ist auf dem Wege. Die Monarchisten hoffen, da\u00df Mussolini eine Tochter des K\u00f6nigs von Italien Otto Habsburg verm\u00e4hlen und die Wiederherstellung einer \u00f6sterreichisch-ungarischen Habsburgermonarchie f\u00f6rdern werde. Sie glauben, da\u00df Frankreich dem keinen Widerstand entgegensetzen werde, um Oesterreich dauernd von Deutschland abzuriegeln. Sie meinen, da\u00df die Tschechoslowakei und Jugoslawien die Restauration werden geschehen lassen m\u00fcssen, wenn Italien sie will und Frankreich nicht willens ist, sie zu verhindern. Aber vom Tage der Restauration an werden die Intriguen in der Slowakei und in Kroatien beginnen. So sicher, wie der Anschlu\u00df an das Dritte Reich, bedeutet auch die Restauration der Habsburger den Krieg.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Die Niederwerfung der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie hat beide Wege freigelegt&nbsp;: den Weg zu Hitler und den Weg zu Habsburg. Aber beide f\u00fchren zum Krieg. Europa wird noch erfahren, welche Schl\u00fcssel-Stellung des europ\u00e4ischen Friedens mit der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie zerst\u00f6rt worden ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Aber wenn die Gegenrevolution zum Kriege f\u00fchren wird, so wird der Krieg zur Revolution f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Ob die Diktatur an den Klassengegens\u00e4tzen in ihrem eigenen Lager oder ob sie an dem Gegensatz zwischen dem Austrofaschismus und dem Nationalfaschismus scheitert, ob sie ihre Rettung in der Verst\u00e4ndigung mit Hitler oder in der Wiedereinsetzung der Habsburger suchen wird&nbsp;&#8209; ihre Tage sind gez\u00e4hlt. Auf die Dauer werden nicht 30 Prozent des Volkes \u00fcber 70 Prozent, nicht das Dorf \u00fcber die Gro\u00dfstadt, nicht der Klerikalismus \u00fcber ein zu zwei Dritteln nicht klerikales Volk die Diktatur aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE style='color:#0070C0'>Die Gelegenheiten, die wir werden ausn\u00fctzen k\u00f6nnen, werden kommen. Es gilt, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df wir ger\u00fcstet seien, sie auszun\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Der Tag der Vergeltung, der Tag der Revanche, der Tag des Sieges wird kommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>Am Tage des Sieges werden die \u00f6sterreichischen Arbeiter mit wallenden roten Fahnen zu den Gr\u00e4bern unserer Gefallenen und Gerichteten ziehen, in unausl\u00f6schlicher Dankbarkeit der Helden des \u00f6sterreichischen Freiheitskampfes gedenkend.<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Texteuser><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div><br clear=all> <\/p>\n<hr align=left size=1 width=\"33%\">\n<div id=edn1>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=Caractresdenotedefin><span style='font-size:12.0pt;line-height:115%'><span class=Caractresdenotedefin><span style='font-size:12.0pt;line-height:115%'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Tapuscrit portant la mention manuscrite \u00ab Geschrieben in Bratislava O. B. f\u00fcr Presse-Dienst \u00bb (\u00e9crit \u00e0 Bratislava O. B. pour le service de presse). Le sous-titre est : \u00ab Par un dirigeant de la social-d\u00e9mocratie autrichienne \u00bb.<\/p>\n<p class=MsoEndnoteText>Source&nbsp;: Internationale Information 5\/1934, Z\u00fcrich, 18. Februar 1934.<\/p>\n<p class=MsoEndnoteText>Publi\u00e9 dans&nbsp;:<\/p>\n<p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>&#8211; Archiv &#8211; Mitteilungsblatt des Vereins f\u00fcr Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft 3\/1973, S. 69.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>&#8211; Otto Bauer, Werkausgabe; Wien, Europaverlag, 1979; Band 7, S. 718-723.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn2>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\" title=\"\"><span class=Caractresdenotedefin><span style='font-size:12.0pt;line-height:115%'><span class=Caractresdenotedefin><span style='font-size:12.0pt;line-height:115%'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Otto Bauer, Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter &#8211; Seine Ursachen und seine Wirkungen; Prag, Verlag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, 1934.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText>Le texte complet ici <a href=\"http:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Bauer_Otto_Der_Aufstand_der_osterreichischen_Arbeiter.pdf\"><span style='color:blue'>&#9658;<\/span><\/a> .<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1540\" data-postid=\"1540\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1540 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: a) Otto Bauer &#8211; Revolution und Konterrevolution in \u00d6sterreich (R\u00e9volution et contrer\u00e9volution en Autriche) b) Otto Bauer &#8211; Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter (Le soul\u00e8vement des travailleurs autrichiens) &nbsp; [Les passages en couleur signalent les parties auxquelles B\u00e9la Kun fait r\u00e9f\u00e9rence dans son texte &quot;Les combats de f\u00e9vrier en [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,36,9],"tags":[],"class_list":["post-1540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article-document","category-autriche-documents","category-francais-document","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1540"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1540\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}