{"id":1542,"date":"2025-07-15T17:35:44","date_gmt":"2025-07-15T15:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1542"},"modified":"2026-01-26T00:06:11","modified_gmt":"2026-01-25T23:06:11","slug":"oesterreich-dokumente-oesterreich-februar-1934-deutschefreiheit-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-oesterreich-februar-1934-deutschefreiheit-fr\/","title":{"rendered":"Documents : Deutsche Freiheit \u2013 f\u00e9vrier 1934"},"content":{"rendered":"\n<div class=WordSection1>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<div align=center>\n<table class=MsoNormalTable border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'>\n<tr>\n<td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'>\n<p class=Intertitre2 style='margin:0cm;margin-bottom:.0001pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br \/> Documents&nbsp;:<br \/> F\u00e9vrier 1934 &#8211; Articles dans &quot;Deutsche Freiheit&quot;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><\/div>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'>&nbsp;<\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_14\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> Nummer 37 &#8211; 2. Jahrgang<\/span><\/i><a name=\"_ednref1\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-1934-februar-deutsche-freiheit-de\/#_edn1\" title=\"\"><\/a><span lang=DE>&nbsp;<\/span><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE><br \/> <\/span><i><span lang=DE>Saarbr\u00fccken, Mittwoch, den 14. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Freiheitsschlacht der Sozialdemokratie<br \/> Oesterreichs bewaffnete Arbeiter retten die Ehre und zeigen den Zukunftsweg<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>D. F. D<\/span><span class=TexteCar><span lang=DE>ie S<\/span><\/span><span lang=DE>ozialdemokratie Oesterreichs k\u00e4mpft. Mit dem politischen Generalstreik nicht nur, sondern mit der Waffe in der Hand. Sie hat wahr gemacht, was sie immer warnend angek\u00fcndigt hat: die waffenf\u00e4higen Mannschaften verteidigen die Volksrechte unter Einsatz des Lebens. Es ist in der Geschichte der Sozialdemokratie aller L\u00e4nder das erste Mal, da\u00df die sozialdemokratische Arbeiterpartei im B\u00fcrgerkrieg steht. Auch die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie hat gez\u00f6gert, bis ihr nur noch die Entscheidung blieb, kampf- und ruhmlos abzutreten, oder alle ihre au\u00dferparlamentarischen Machtmittel einzusetzen. Sie hat sich f\u00fcr den bewaffneten Widerstand entschieden. Wie der Kampf enden wird, ist zur Stunde unentschieden. Gewi\u00df aber ist, da\u00df die mutige zu allem entschlossene Haltung der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie das durch den deutschen Zusammenbruch schwer ersch\u00fctterte Vertrauen in den Ernst des Kampfwillens der Sozialisten wieder beleben wird. Auch wenn der heldenm\u00fctige Widerstand der \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten gegen \u00fcberlegen bewaffnete Polizei- und Heerestruppen mit dem milit\u00e4rischen Siege der Bundesregierung erden sollte, bleibt das Beispiel sozialistischen Heroismus, das von Oesterreich her gegeben ist, bleiben die unversiegbaren Glaubens und Kampfkr\u00e4fte, die dieses Heldentum neu in die Reihen der Sozialisten und insbesondere ihrer Jugend tragen wird. Die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie zeigt den Geist und die Moral, die f\u00fcr die harten Entscheidungen der kommenden Jahre unerl\u00e4\u00dflich sind. Sie stellt den Soldaten der faschistischen Diktatur die Soldaten der sozialistischen Freiheit entgegen: Anders als durch militante Demokratie und militanten Sozialismus werden die dr\u00e4ngenden L\u00f6sungen in den gro\u00dfen Gesellschaftskonflikten des \u00fcberlebten europ\u00e4ischen Kapitalismus nicht zu finden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten haben, wie niemand anders erwartet hat, jede Solidarit\u00e4t mit den k\u00e4mpfenden Sozialdemokraten abgelehnt und gleichzeitig erkl\u00e4rt, da\u00df sie die Regierung Dollfu\u00df &quot;mit aller Macht&quot; bek\u00e4mpfen w\u00fcrden. Daran ist soviel wahr, da\u00df die Nationalsozialisten hoffen, der Schlag des Bundeskanzlers gegen Links werde den Austrofaschismus st\u00fcrzen und den reichsdeutschen Faschsimus zur Macht bringen. Die einen wie die anderen aber hetzen mit der Verleumdung, die Sozialdemokratie befinde sich &quot;im bolschewistischen Aufstand&quot;. Das ist die gro\u00dfe L\u00fcge, die den in Oesterreich fehlenden Reichstagsbrand ersetzen soll. Wahr ist indes, da\u00df die Bundesregierung sich im Aufstand befindet gegen die von ihr beschworene demokratische Verfassung und [da\u00df] die Sozialdemokratie gegen Staatsverbrecher, die Polizei und Heer zum Staatsstreich mi\u00dfbrauchen, die Volksrechte und Volksfreiheiten verteidigt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Ziel der Sozialdemokratie ist, die legale Bundesverfassung aufrechtzuerhalten, das Ziel der Regierung und ihrer Verb\u00fcndeten aller Art ist, illegal dem Volke eine faschistische Verfassung aufzuzwingen. Das sind die beiden gro\u00dfen Gegens\u00e4tze. Innerhalb der faschistischen Front bestehen nur K\u00e4mpfe um die Verteilung der Beute. Die Austrofaschisten wollen eine \u00f6sterreichische Diktatur unter Anlehnung an Italien, die Hitlerfaschisten wollen die diktatorische Gleichschaltung mit Deutschland und die Ausschaltung aller ihrer Gegner, auch der Klerikalen, nach deutschem Muster. Beide erstreben Verfassungszust\u00e4nde, die von den jetzigen parlamentarisch-demokratischen Formen nichts mehr \u00fcbrig lassen. Beide k\u00f6nnen ihre Ziele nur durch Gewalt und Eidbruch erreichen. Die Sozialdemokratie hat von Millionen verfassungstreuen Oesterreichern das Mandat, diese Anschl\u00e4ge zu vereiteln. Wenn sie nun das Wirtschaftsleben Oesterreichs stillzulegen und die Staatsverbrecher mit Flinten und Maschinengewehren abzuwehren versucht, f\u00fchrt sie diesen Volksauftrag aus. Die Sozialdemokratie erf\u00fcllt ihre staatsb\u00fcrgerliche Pflicht. Sie ist Verfassung und Gesetz. Der Bundeskanzler und die Seinen stehen au\u00dferhalb der Gesetze. Wenn sie sich behaupten oder andere Faschisten an ihre Stelle treten sollten, so lehrt das die Sozialisten aller L\u00e4nder nur eindringlicher denn je, da\u00df jedes Recht verloren ist, wenn es gegen seine Feinde nicht mit \u00fcberlegener Gewalt gesch\u00fctzt werden kann.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die nach der ersten Kampfnacht vorliegenden amtlichen Meldungen berichten von vielen Toten und Verwundeten der Regierungstruppen und der Polizei.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wieviele Sozialdemokraten ihre Treue zum Arbeitsvolk und dessen Freiheitsidealen mit ihrem Blute und ihrem Leben besiegelten, ist noch nicht zu erfahren. Da die Bundesregierung alle Heereswaffen, auch Artillerie, eingesetzt hat, wird der B\u00fcrgerkrieg in den Reihen der Sozialdemokraten viele Tote und Verletzte gefordert haben. Die Sozialisten, die Republikaner, die Antifaschisten in aller Welt ehren diese Opfer und gr\u00fc\u00dfen \u00d6sterreichs heldenmutige Sozialdemokratie.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Keine Kapitulation!<br \/> Widerstand bis zum Letzten<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=left style='text-align:left;text-indent:0cm'><span lang=DE>Wien, den 13. Februar 1934. (Eig. Bericht.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Vormittagsstunden entwickelten sich neue K\u00e4mpfe in den Au\u00dfenbezirken, von wo man lebhaftes Maschinengewehrfeuer h\u00f6rt. Der R\u00fcckzug der Sozialdemokraten auf die Vorst\u00e4dte entspricht dem Plan, die innere Stadt und die b\u00fcrgerlichen Bezirke preiszugeben und sich in den proletarischen Stadtteilen festzusetzen, wo die Bev\u00f6lkerung den k\u00e4mpfenden Arbeitern einen R\u00fcckhalt im Widerstand bietet. Die Versorgung mit Elektrizit\u00e4t ist im Laufe des Vormittags zum Teil wieder erm\u00f6glicht worden, jedoch nur sehr unregelm\u00e4\u00dfig und sehr unvollkommen. Der gesamte Stra\u00dfenbahnverkehr liegt still. Die polizeilichen und milit\u00e4rischen Absperrungen nehmen noch zu. Ueberall werden Maschinengewehre in Stellung gebracht. Die Bundesregierung l\u00e4\u00dft verk\u00fcnden, da\u00df sie Herrin der Lage sei, doch trifft dies zur Stunde keinesfalls zu. Mindestens in Wien, in Linz und in dem steierm\u00e4rkischen Industriezentrum Bruck wird erbittert gek\u00e4mpft und ist der Widerstand der Sozialdemokraten ungebrochen. Die Bundesregierung versucht, durch Zweckmeldungen die Arbeiterschaft zu verwirren und einen Teil der F\u00fchrer zu diffamieren. So wurde erst gemeldet, Dr. Deutsch und Otto Bauer seien verhaftet. Dann hie\u00df es, sie seien ins Ausland geflohen. Beides ist unrichtig. Dr. Deutsch und Otto Bauer befinden sich dort, wohin sie in dieser Stunde geh\u00f6ren: bei den k\u00e4mpfenden Arbeitern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Generalstreik wird weithin durchgef\u00fchrt, allerdings sind heute Vormittag die Zeitungen, die gestern durch den Setzerstreik lahmgelegt waren, wieder erschienen. Es ist also gelungen, ein Teil des Buchdruckereipersonals aus der Streikfront loszubrechen. Gegen mittag ist es \u00fcberraschend auch in der inneren Stadt Wien zu schweren Zusammenst\u00f6\u00dfen gekommen, \u00fcber deren Charakter und Umfang im Augenblick noch nichts zu ermitteln ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Artilleriek\u00e4mpfe<br \/> Generalstreik und B\u00fcrgerkrieg<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Die Wiener Zeitungen sind am Dienstag infolge des Streiks in wesentlich kleinerem Umfang erschienen. Die beiden sozialdemokratischen Bl\u00e4tter, die &quot;Arbeiterzeitung&quot; und das &quot;Kleine Blatt&quot; sind nat\u00fcrlich nicht erschienen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Morgenstunden bietet die Umgebung der Polizeidirektion das Bild strengster Absperrung und Bewachung. Die Stra\u00dfenbahnen und die Autobusse haben den Verkehr noch nicht wieder aufgenommen. Aus der Ferne h\u00f6rt man weiterhin Kanonendonner.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Fahrkorps der Vaterl\u00e4ndischen Front ist aufgeboten worden, um einen Verbindungsdienst aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise sei es, wie die Vaterl\u00e4ndische Front mitteilt, gelungen, auch in den L\u00e4ndern die Landesleitungen und Bezirksstellen in Verbindung zu halten und dar\u00fcber hinaus einen Relaisdienst f\u00fcr das gesamte Bundesgebiet vorzusehen. Die Vaterl\u00e4ndische Front hat ferner ein Aufgebot Arbeitswilliger veranla\u00dft, und sich mit der Leitung des staatlichen Arbeitsdienstes ins Einvernehmen gesetzt, um f\u00fcr eine ausreichende technische Nothilfe Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, in allen staatlichen Betrieben wie Post, Telegraf, Bundesbahnen und dergleichen einen beschr\u00e4nkten Betrieb sicherzustellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Heimwehren haben ihre gesamten Kr\u00e4fte mobil gemacht. Die f\u00fcr Dienstag einberufene Bundesf\u00fchrertagung, an der auch die befreundeten vaterl\u00e4ndischen Organisationen h\u00e4tten teilnehmen sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt, da\u00df die Exekutive in Oesterreich am Montag den Verlust von 21 Mann zu verzeichnen hat. Die Verluste der Aufr\u00fchrer sind noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, da\u00df die Zahl der Toten und Verletzten ziemlich erheblich ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Es beginnt erst in Wien!<br \/> Die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. (Eig. Drahtb.) Bei der Verh\u00e4ngung des Standrechts in Wien, \u00fcber ganz Nieder-Oesterreich, K\u00e4rnten und die Steiermark sind die verzweifelten Versuche der \u00f6sterreichischen Arbeiterschaft, sich gegen den Heimwehrterror zu wehren, noch versch\u00e4rft worden. Im ganzen Lande erfolgen Einzelaktionen mit vielfach blutigen K\u00e4mpfen. Wien befindet sich in vollkommener Panikstimmung. Ueberall Stacheldrahtverhaue und milit\u00e4rische Kordons. Nur an bestimmten Stellen d\u00fcrfen die Stra\u00dfen passiert werden. Alle Gesch\u00e4fte sind von K\u00e4ufern \u00fcberf\u00fcllt. Jeder will sich noch schnell mit Brot, Mehl und Kerzen eindecken. Die Stadt ist erf\u00fcllt von Ger\u00fcchten \u00fcber Schie\u00dfereien und Blutvergie\u00dfen. An mehreren Stellen der Stadt sieht man Panzerwagen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am Dienstagmorgen erfuhren die Wiener Arbeiter die in der Nacht vom Kabinett beschlossene Aufl\u00f6sung der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratischen Partei. Die Meldungen \u00fcber Verhaftungen der F\u00fchrer widersprechen sich. Angeblich soll B\u00fcrgermeister Seitz festgenommen worden sein; nach andern Nachrichten ist er noch im besetzten Rathause unter polizeilicher Aufsicht. In den Randbezirken sind die Arbeiter noch vielfach Herren der Lage. Im Arbeiter-bezirk Simmering, wo sich die wichtigsten st\u00e4dtischen Werke befinden, wurde noch in den Morgenstunden heftig gek\u00e4mpft. Vor allem befindet sich das Elektrizit\u00e4tswert nach wie vor in der Hand der sozialdemokratischen Arbeiter. Polizei und Milit\u00e4r umringen die Geb\u00e4ude und erwarten Verst\u00e4rkungen des Bundesheeres, das angeblich mit Artillerie anr\u00fccken soll. Ein Hauptmann des Bundesheeres und f\u00fcnf Polizeibeamte wurden bei verschiedenen Zusammenst\u00f6\u00dfen get\u00f6tet. Die Zahl der Gesamtopfer ist bis zur Stunde nicht festzustellen. Die Erbitterung der K\u00e4mpfe w\u00e4chst st\u00e4ndig. W\u00e4hrend aus der Provinz gemeldet wird, da\u00df es hier im allgemeinen wieder ruhiger geworden sei, scheint es in Wien jetzt erst richtig loszugehen. Starhemberg hat das Aufgebot des gesamten \u00f6sterreichischen Heimatschutzes angeordnet, der an der Seite des Bundesheeres, der Gendarmerie und der Polizei gegen die sozialdemokratischen Arbeiter eingesetzt werden soll. Mit der Verh\u00e4ngung des Standrechts wurden in Oesterreich s\u00e4mtliche Schulen geschlossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die wogende Schlacht<br \/> Die blutige Fastnacht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 13. Febr. Die strengen milit\u00e4rischen Absperrungen und Kontrollma\u00dfnahmen werden in der ganzen Stadt aufrechterhalten. Der Stra\u00dfenbahnverkehr ruht vollst\u00e4ndig. Dagegen ist der Fernsprechverkehr ebenso wie Wasser- und Gaszufuhr wieder im Gange, zum Teil auch die Elektrizit\u00e4tsversorgung. Die L\u00e4den sind zum gr\u00f6\u00dften Teil bis auf die Lebensmittelgesch\u00e4fte geschlossen. Die Bev\u00f6lkerung bewahrt gro\u00dfe Ruhe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Artillerie- und Maschinengewehrfeuer sind ununterbrochen zu h\u00f6ren. Die Regierung geht jetzt mit r\u00fccksichtsloser Sch\u00e4rfe und mit allen vorhandenen milit\u00e4rischen Mitteln unter besonderem Einsatz von Artillerie und Haubitzen vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stellen, an denen in Wien noch am Vormittag gek\u00e4mpft wird, befinden sich in Ottakring, Simmering und D\u00f6bling. Im Bezirk Ottakring handelt es sich um die gro\u00dfe Wohnbauanlage Sandleiten und um das Arbeiterheim. Hier konnte am Montagabend nur ein Teilerfolg erzielt werden. Der Kampf ging unter fortdauerndem Maschinengewehr- und Minenwerferfeuer und Einsatz von Artillerie die ganze Nacht weiter.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen 8 Uhr Morgens setzte verst\u00e4rktes Artilleriefeuer aus zwei Haubitzen, zwei kleinen Gesch\u00fctzen und Minenwerfern ein. Auch um den Karl-Marx-Hof in D\u00f6bling wird noch immer heftig gek\u00e4mpft. Auch hier spielt Artillerievorbereitung die Hauptrolle. Die Gesch\u00fctze sind auf einem beherrschenden Punkt, der sogenannten Hohen Warte, aufgefahren worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach Berichten aus Graz ist aus Eggenberg noch Artilleriefeuer zu h\u00f6ren. In Bruck a. d. Mur hatten sich die Truppen bereits in den sp\u00e4ten Abendstanden der Stadt bem\u00e4chtigt. Im Laufe der Nacht sind sie jedoch ans einigen Stadtteilen wieder verdr\u00e4ngt worden. Durch Einsatz erheblicher Artilleriekr\u00e4fte ist die Wiedereinnahme dieser Teile gelungen. Aus dem obersteirischen Industriegebiet liegen in Graz Berichte nicht vor, da die Fernsprechverbindungen dorthin unterbrochen sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Gesamtverluste im Grazer Stadtgebiet wurden von den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden Montag abend auf 50 Tote gesch\u00e4tzt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Vorl\u00e4ufig&quot;\u2026.<br \/> 37 Tote<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Die Regierung hat in einem Ministerrat das Verbot der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs beschlossen. Die Verluste bei den K\u00e4mpfen in Wien werden auf Regierungsseite vorl\u00e4ufig mit 20 Toten und 60 Schwerverletzten angegeben. Der Kampf konzentrierte sich in den sp\u00e4ten Nachtstunden auf den Ostbahnhof, wo von den Truppen ein Panzerzug und Artillerie eingelegt worden sind. Die Regierung hat der Presse einen Aufruf \u00fcbermittelt, in dem erkl\u00e4rt wird, da\u00df sie Herr der Lage sei. Der Landeshauptmann und B\u00fcrgermeister von Wien, Seitz, ist verhaftet und in das Polizeigef\u00e4ngnis eingeliefert worden. Nach Meldungen aus Steiermark sind bei den dortigen Zusammenst\u00f6\u00dfen 87 Tote zu verzeichnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wechselreiche Stra\u00dfenk\u00e4mpfe<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Polizei und Milit\u00e4r ist es gelungen, das Arbeiterheim im Bezirk Ottakring zu besetzen. Daf\u00fcr flammte allerdings der Widerstand an anderen Stellen wieder auf. So hat bei der im gleichen Bezirk liegenden Wohnbauanlage Sandleiten der Kampf neuerdings begonnen. Bei einer S\u00e4uberungsaktion in Floridsdorf wurden zehn Wachbeamte und ein Stabshauptmann get\u00f6tet. Im gleichen Bezirk sind Panzerwagen eingesetzt worden. In einer der dortigen gro\u00dfen Wohnanlage der Gemeinde, im Schlingerhof, haben sich die Sozialdemokraten verbarrikadiert. Auch in Meidling m\u00fcssen drei wiederum von den Roten besetzte Gemeindeh\u00e4user erst\u00fcrmt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Umspannwerk in Ottakring ist die milit\u00e4rische Besatzung eingeschlossen und wird von Sozialdemokraten unter Feuer gehalten. In Simmering geht die S\u00e4uberungsaktion nur langsam vor sich. Der Schlachtviehhof in St. Marx ist in die H\u00e4nde der Roten gefallen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;page-break-after:avoid'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach Meldungen aus Linz flammt dort der Kampf auf dem Freienberg wieder auf. Ueber Tirol ist das Standrecht verh\u00e4ngt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Oesterreichs Arbeiter<br \/> im Kampf um die Freiheit<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Fey gibt das Signal<br \/> Generalstreik und Standrecht<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>Wien, 12. Februar. (Eig. Meldung.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Was zu erwarten war, ist eingetroffen. Dollfu\u00df ist nach den &quot;Einerseits&quot; und &quot;Andererseits&quot; in die Klemme geraten und hat dem Vizekanzler Fey freie Hand gegeben, um den neuen Austrofaschismus einzuf\u00fchren. Nach den Methoden G\u00f6rings geht Fey vor. Seit Mittwoch voriger Woche werden systematisch die sozialdemokratischen B\u00fcros durchst\u00f6bert, die H\u00e4user der Arbeiterschaft durchsucht. Es wird nach ber\u00fchmtem Beispiel wie in Berlin vor einem Jahre gearbeitet. &quot;Katakomben&quot; werden &quot;entdeckt&quot;, die zwar nachher keine sind, aber immerhin f\u00fcr den Moment braucht man das zur Stimmungsmache. Es werden Waffenlager &quot;entdeckt&quot; und in Wirklichkeit wurde nichts gefunden. Die Reichstagsbrandpsychose soll auch in Oesterreich angefeuert werden.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Hergang<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Freitag abend im Ministerrat wurden scheidende Beschl\u00fcsse gefa\u00dft, die die Einf\u00fchrung eines diktatorischen Regiments in den Bundesl\u00e4ndern und in Wien, also in ganz Oesterreich bezwecken und die als erste Vorauslegung das Verbot und die Vernichtung der Sozialdemokratischen Partei anstrebt. Grunds\u00e4tzlich ist auch demgem\u00e4\u00df beschlossen worden, wie aus zuverl\u00e4ssiger Quelle berichtet wird. Bundeskanzler Dollfu\u00df hat zwar in diesem Kabinettsrat mit Fey ernstlich gerungen, da er mit der Erhebung der Arbeiterschaft gegen den Verfassungsbruch rechnete und weil Fey mit brutaler Gewalt die faschistische Alleinherrschaft aufrichten will. Aber zuletzt hat Dollfu\u00df keine Schritte gegen Fey unternommen und so hatte dieser freie Hand.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:18.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Verhaftungen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Laufe des Samstags wurden in Wien allein 36 f\u00fchrende Sozialisten, darunter alle Bezirksobm\u00e4nner des ehemaligen Schutzbundes, verhaftet. Das Bundeskanzleramt hat durch einen Geheimbefehl an s\u00e4mtliche Bezirkshauptmannschaften diese beauftragt, sofort Listen aller sozialdemokratischen Vertrauensm\u00e4nner anzufordern, die nach der Aufl\u00f6sung der Partei in Konzentrationslager \u00fcberf\u00fchrt werden sollen. Samstag und Sonntag h\u00e4uften sich dann auch die Aktionen gegen die Sozialdemokratie, die eindeutig erkennen lie\u00dfen, was bezweckt war, n\u00e4mlich die Vernichtung und Aufl\u00f6sung der Partei und der Arbeiterorganisationen in ihrer Gesamtheit.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die ersten Streiks<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch Samstag in sp\u00e4ter Abendstunde fand wieder eine vertrauliche Sitzung des Bundeskanzleramtes statt. Teilnahmen Dollfu\u00df, Fey, Starhemberg und ein Vertreter der monarchistischen Sturmscharen. In dieser Sitzung wurde erwogen, wie die Beschl\u00fcsse des gestrigen (also vom Freitag) Ministerrats schneller in die Tat umgesetzt werden k\u00f6nnen und welche Form f\u00fcr die &quot;Gleichschaltung&quot; gew\u00e4hlt werden solle. Schon Samstag abend wurde der Landtagsabgeordnete und sozialdemokratische Vizeb\u00fcrgermeister der nieder\u00f6sterreichischen Industriestadt Wiener Neustadt unter Mi\u00dfachtung seiner Immunit\u00e4t verhaftet. Die Arbeiterschaft von Wiener-Neustadt legte sofort die Arbeit nieder und veranstaltete auf dem Hauptplatz der Stadt eine m\u00e4chtige Kundgebung gegen den Faschismus.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Letzter Appell<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Sozialdemokratie hat gegen\u00fcber dem offenen Verfassungsbruch in der Nacht zum Montag einen Aufruf an das \u00f6sterreichische Volk gerichtet und durch Flugzettel \u00fcber ganz Oesterreich verbreitet. Der Aufruf befa\u00dft sich mit den Verfassungsbruchaktionen des Vizekanzlers Fey, der von einer &quot;Verschw\u00f6rung des republikanischen Schutzbundes gegen die Sicherheit des Staates&quot; redet, um sich damit den Vorwand f\u00fcr einen entscheidenden Schlag gegen das Wiener Rathaus und gegen die Sozialdemokratische Partei zu schaffen. Es hei\u00dft in diesem Aufruf:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Herr Fey, der die Arbeiterschaft bis aufs Blut reizt, wagt es von einem &quot;verbrecherischen Anschlag bolschewistisch-marxistischer Elemente&quot; gegen die Bev\u00f6lkerung zu reden. Die Wahrheit ist, da\u00df die Sozialdemokratie niemanden, weder B\u00fcrgern, noch Bauern, angreife. Sie halte sich aber zum Kampf mit der Waffe f\u00fcr den Fall bereit, falls Faschisten es wagen sollten, die beschworene Verfassung der Republik vernichten zu wollen. Wenn der Eid und die Verfassung gebrochen w\u00fcrden und die Freiheit in Gefahr geriete, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Fey hat auf die warnenden Stimmen der Sozialdemokratie nicht geh\u00f6rt. Er will sein Werk des Verfassungsbruches vollenden und Oesterreich in die Arme des Nationalsozialismus treiben. Denn Hitler wird der Sieger dieser Aktion sein. Ein Austro-Faschismus ist die Einbildung der Starhemberg-Fey-M\u00e4nner, hinter der keine Massen stehen, die sich lediglich mit Hilfe der Polizei- und Milit\u00e4rmacht vorl\u00e4ufig bet\u00e4tigen k\u00f6nnen. Die Herrschaften werden sich irren. F\u00fcr Oesterreich gibt es nur zwei Gruppen, die einander gegen\u00fcberstehen. Die eine ist der nationalsozialistische Faschismus nach Hitlers Muster und die andere Gruppe ist die Sozialdemokratie, die f\u00fcr Verteidigung der Verfassung und der in der Verfassung niedergelegten Rechte des gesamten \u00f6sterreichischen Volkes k\u00e4mpft. Dieser B\u00fcrgerkrieg, dessen erste Zusammenst\u00f6\u00dfe heute erfolgt sind, ist voraussichtlich nicht in den ersten Tagen und Wochen zu Ende.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Blutiger Kampf in Linz<br \/> Schwere Feuergefechte mit Artillerie- Zahlreiche Tote<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Linz an der Donau, 12. Febr. In den Morgenstunden des heutigen Montags ist es hier zu einem schweren Zusammensto\u00df zwischen der Bundespolizei und dem sozialistisch- republikanischen Schutzbund gekommen. Als die Polizei am Montag fr\u00fch vom Schutzbund die R\u00e4umung des Hauses und die freiwillige Herausgabe s\u00e4mtlicher Waffen verlangte, wurde vom Parteihaus mit scharfen Sch\u00fcssen geantwortet. Die Polizeibeamten zogen sich zur\u00fcck, gingen, nachdem Verst\u00e4rkung eingetroffen war, wiederum vor und verlangten erneut die Herausgabe der Waffen und die R\u00e4umung. Aus dem Parteihaus wurde abermals als Antwort auf die Polizei gefeuert. Die Polizei schritt nun zusammen mit milit\u00e4rischer Verst\u00e4rkung zum Sturm auf das Parteihaus. Der Kampf ist zur Stunde noch im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Linz an der Donau, 12. Febr. Der Kampf mit den sozialistischen Schutzb\u00fcndlern nimmt immer gr\u00f6\u00dfere Ausdehnung an. In verschiedenen Stadtteilen sind gegenw\u00e4rtig heftige Stra\u00dfenk\u00e4mpfe im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eine Polizeiwache im Innern der Stadt wurde von den Schutzb\u00fcndlern mit Maschinengewehren \u00fcberrascht, jedoch nach l\u00e4ngerem Kampf von Heimwehr und Polizisten wieder zur\u00fcckgenommen. Ferner soll seit den Mittagsstunden ein Feuergefecht auf dem oberhalb der Stadt gelegenen Freien Berge im Gange sein, wo sich die Sozialdemokraten im Laufe der Nacht verschanzt hatten. Ueber Linz ist das Standrecht verh\u00e4ngt worden. L\u00e4den und Restaurants sind geschlossen. Aus der Umgebung soll ein starker Zuzug von Sozialdemokraten im Gange sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten l\u00e4\u00dft sich jedoch bisher noch nicht feststellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Vor dem sozialdemokratischen Parteihaus sind zwei Alpenj\u00e4gerkompanien mit Maschinengewehren eingesetzt worden, die aus Dachb\u00f6den und Luken heraus das Haus beschie\u00dfen und den verschanzten Sozialdemokraten mit Handgranaten zu Leibe r\u00fccken. Im Parteihaus werden vier Polizeibeamte von den Sozialdemokraten als Geiseln gefangen genommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Nach noch nicht best\u00e4tigten Meldungen aus Linz hat das Milit\u00e4r nach heftigem Kampf das sozialdemokratische Parteihaus, das Hotel Schiff, im Sturm genommen. Angeblich sollen bisher 15 Tote festgestellt worden sein. (Nach anderen Meldungen wird die Zahl der Toten zwischen 20 und 50 angegeben.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen eine Schule, die z. Z. noch von Sozialdemokraten besetzt ist, ist eine gr\u00f6\u00dfere Aktion im Gange, bei der Artillerie eingesetzt worden ist.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Ruhe&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Um 18 Uhr ist die Ruhe in Linz im gro\u00dfen hergestellt worden. An einzelnen Punkten sind jedoch Zusammenrottungen noch im Gange. Trotz der starken Ausbreitung der Bewegung sind das Milit\u00e4r und die Polizei nach wie vor Herren der Lage und konnten bisher den Widerstand brechen. Eine weitere amtliche Mitteilung aus Linz besagt, da\u00df der Widerstand der Sozialdemokratie jetzt im gro\u00dfen als zusammengebrochen angesehen werden k\u00f6nne, jedoch wird aus Linz berichtet, da\u00df bewaffnete Sozialdemokraten sich immer noch an einzelnen Stellen der Stadt, am Gaswerk und an der Neuen Br\u00fccke, halten und da\u00df das Feuer auch an den Stellen, wo die Polizei die Ordnung hergestellt hat, immer wieder aufflackert. Die Lage in Linz wird daher noch nicht als endg\u00fcltig gekl\u00e4rt beurteilt. N\u00e4here Angaben \u00fcber die Verluste an Toten und Verwundeten auf beiden Seiten liegen bisher noch nicht vor. Weiter wird von Regierungsseite erkl\u00e4rt, da\u00df die meisten in Linz und Ober\u00f6sterreich von den Sozialdemokraten besetzten Pl\u00e4tze jetzt von den Truppen und der Polizei genommen worden seien. In Steyr ist es gleichfalls zu heftigen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Schutzb\u00fcndlern und der Polizei gekommen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auch in Graz<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Nach Berichten aus Graz liegt auch dort die Hauptstadt im Dunkeln. In einem Grazer Arbeiterviertel haben Schutzb\u00fcndler eine Wachstube gest\u00fcrmt und sich dort verschanzt. Sie werden gegenw\u00e4rtig von Polizei und Milit\u00e4r belagert. Bei den K\u00e4mpfen in Eggenberg sind nach den bisher vorliegenden Berichten drei Personen get\u00f6tet und 14 schwer verletzt worden. Auch der Kampf in Bruck an der Mur gestaltet sich sehr blutig und dauert noch an. Meldungen \u00fcber Einzelheiten fehlen, da der Fernsprechverkehr unterbrochen ist. Auch aus Leoben und dem ganzen obersteirischen Industriegebiet werden Zusammenst\u00f6\u00dfe gemeldet, bei denen auch Milit\u00e4r eingreifen mu\u00dfte.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Besetzung des Wiener Rathauses<br \/> Generalstreik \u2013 Die Stadt ohne Licht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 12. Febr. Das Wiener Rathaus ist in den heutigen Abendstunden von einem gr\u00f6\u00dferen Aufgebot von Truppen, Polizei und Gendarmerie besetzt worden, ohne da\u00df von sozialdemokratischer Seite ein ernsthafter Widerstand geleistet wurde. Hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Beamten verhaftet worden. Ebenso ist der Vizeb\u00fcrgermeister der Stadt Wien, Emmerling, der Leiter der gesamten st\u00e4dtischen Betriebe, in den Abendstunden verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung beabsichtigt, wie verlautet, dem sozialdemokratischen B\u00fcrgermeister von Wien, Seiz, ein Ultimatum zu stellen, entweder freiwillig zur\u00fcckzutreten und die Macht sofort der Regierung zu \u00fcbergeben, andernfalls er der Gewalt werde weichen m\u00fcssen. Weiter soll nach der Besetzung des Rathauses ein Regierungskommissar f\u00fcr Wien ernannt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ohne Licht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Ein allgemeiner Proteststreit der Wiener Arbeiterschaft ist Montag mittag hier infolge der Vorf\u00e4lle in Linz ausgebrochen. In den Betrieben erschienen kurz vor 12 Uhr die sozialdemokratischen Betriebsr\u00e4te und teilten den Arbeitgebern mit, da\u00df die Arbeiterschaft einer allgemeinen Streikparole folgend die Arbeit Punkt 12 Uhr mittags niederlegen werde. Der gesamte Wiener Stra\u00dfenbahnverkehr ist damit um Punkt 12 Uhr zum Stillstand gekommen. Die Elektrizit\u00e4ts- und Gaswerke sind gleichfalls in den Proteststreit eingetreten. Punkt 12 Uhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Die Polizeidirektion hat eigene Strommaschinen f\u00fcr den telegrafischen und telefonischen Polizeidienst in Kraft gelegt. In dem lokalen Telefonverkehr sind gleichfalls St\u00f6rungen infolge der Ausschaltung des elektrischen Stromes eingetreten. Die Dauer des Proteststreites ist zur Stunde noch nicht zu \u00fcbersehen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ausgestorben\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aeu\u00dferst strenge Absperrungsma\u00dfnahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Milit\u00e4r, Maschinengewehren und Drahtverhauen durchgef\u00fchrt worden. Die Stadt macht einen ausgestorbenen Eindruck. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Stra\u00dfenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden. In den Stra\u00dfen ist die Polizeikontrolle au\u00dfergew\u00f6hnlich scharf. Alle verd\u00e4chtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstra\u00dfen ist der Personenverkehr vollst\u00e4ndig gesperrt. Die Vorstellungen der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden. Alle Restaurants m\u00fcssen bis 8 Uhr abends geschlossen sein. In der Stadt herrscht vollst\u00e4ndige Ruhe, jedoch ist es in den einzelnen \u00e4u\u00dferen Arbeiterbezirken zu heftigen Zusammenst\u00f6\u00dfen und Schie\u00dfereien zwischen der Polizei und den Arbeitern gekommen, bei denen von Arbeiterseite Maschinengewehre verwendet worden sind. Die Polizeiaktion in den \u00e4u\u00dferen Stadtbezirken ist bisher noch nicht zum Abschlu\u00df gelangt. Seit den Mittagsstunden sind keine Zeitungen mehr erschienen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffneter Widerstand<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. In den Montagabendstunden haben die Unruhen in den Wiener Arbeiterbezirken wieder erheblich zugenommen. St\u00e4rkere Schie\u00dfereien sollen in den Bezirken Ottakring, Simmering und in Dornbach zur Stunde im Gange sein. Die bisherigen Polizeiangaben von 2 toten und 18 verletzten Polizisten werden bereits als \u00fcberholt bezeichnet. Polizei und Truppen sollen bisher nicht stark genug sein, um den st\u00fcndlich zunehmenden Widerstand der bewaffneten Sozialdemokraten gewachsen zu sein. Erhebliche Truppenverst\u00e4rkungen sind infolgedessen in die Vororte entsandt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Seitz, Deutsch, Renner verhaftet?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. In den sp\u00e4ten Abendstunden wurden der Wiener sozialdemokratische B\u00fcrgermeister Seitz und acht Stadtratsmitglieder verhaftet. Ger\u00fcchtweise verlautet, da\u00df auch die Sozialistenf\u00fchrer Deutsch und Renner sowie General K\u00f6rner verhaftet find.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Vororten Wiens dauern die Schie\u00dfereien in der Nacht an. An einigen Punkten habe die Polizei und die Truppe den Aufstand niedergeschlagen. Auf seiten der Polizei werden vier Tote gemeldet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_15\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> Nummer 38 &#8211; 2. Jahrgang<\/span><\/i><i><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'><br \/> <\/span><\/i><i><span lang=DE>Saarbr\u00fccken, Donnerstag, den 15. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ruhmvolle Niederlage<br \/> Ende der sozialdemokratischen Freiheitsschlacht in Oesterreich \u2013 Heldentum der Arbeiter und ihrer Frauen \u2013 Der Austro-Klerikalismus eidbr\u00fcchig und m\u00f6rderisch \u2013 Ende der europ\u00e4ischen Demokratie \u2013 Heroischer Auftakt der sozialistischen Revolution<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ehrenvoll geschlagen<br \/> Das Niederwerfen der Arbeiter<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Bericht.) Um 12 Uhr mittags wird in Floridsdorf und an einigen anderen Stellen der \u00e4u\u00dferen Stadt noch gek\u00e4mpft. Auch in einigen Teilen der Provinz find noch Gefechte im Gange. Die sozialdemokratischen Gruppen, die ohne Verbindung mit andern Teilen der Front sind und die Gesamtlage daher nicht \u00fcberblicken k\u00f6nnen, setzen an manchen Stellen den Widerstand mit gro\u00dfer Erbitterung fort. Da und dort handelt es sich auch nur um \u00fcberlegte R\u00fcckzugsgefechte. Es darf aber kein Zweifel obwalten, da\u00df die Bundesregierung tats\u00e4chlich milit\u00e4risch gesiegt hat, und die K\u00e4mpfe noch im Laufe dieses Tages mit dem Niederwerfen der verfassungstreuen Sozialdemokraten enden m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Versuche, sozialdemokratische F\u00fchrer zur diffamieren, werden diesmal nicht gelingen. Ohne Widerstand verhaftet wurden nur greise Veteranen der Partei, die auf ihren politischen Posten in der inneren Stadt auf Parteibefehl aushalten mu\u00dften, wie etwa der siebzigj\u00e4hrige B\u00fcrgermeister Seitz, der schwer herzleidend im Gef\u00e4ngnislazarett liegt. Dr. Julius Deutsch und Otto Bauer haben sich f\u00fchrend und aktiv an den K\u00e4mpfen beteiligt und den Arbeitern ein Beispiel pers\u00f6nlicher Tapferkeit gegeben. Otto Bauer konnte sich nach dem Zusammenbruch seines Frontabschnittes in Sicherheit bringen. Ueber das Schicksal von Dr. Julius Deutsch, dem Gr\u00fcnder und F\u00fchrer des Schutzbundes und fr\u00fcheren Wehrminister ist zur Stunde nichts bekannt.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>D. F. Geit 48 Stunden tobt an vielen Stellen die Verteidigungsschlacht der Sozialdemokratie um die Freiheit in Oesterreich. Mit Erstaunen und auch dort, mo fie den Sozialismus ha\u00dft, mit Bewunderung blickt die Welt auf das Heldentum der \u00f6sterreichischen Arbeiter klasse. Dieses Arbeitsvolk bietet in Generalstreik und B\u00fcrgerkrieg seit Tagen ein Schauspiel von unerh\u00f6rtem Opfergeist und todbereiter Ueberzeugungstreue. Die an Truppenzahl und Waffen weit \u00fcberlegenen Kr\u00e4fte des M\u00f6rdertrios Dollfu\u00df- Frey- Starhemberg haben bisher den Widerstand nicht ganz brechen k\u00f6nnen. Alle milit\u00e4rischen Mittel, die der Friedensvertrag von St. Germain Defter reich erlaubt, sind gegen die k\u00e4mpfende Sozialdemokratie eingesetzt, auch Artillerie und Minenwerfer. Sogar Flugzeuge find zur Erkundung aufgestiegen. Da\u00df es nicht Bombenflugzeuge sein k\u00f6nnen, die reihenweise Arbeiterh\u00e4user in Tr\u00fcmmer legen w\u00fcrden, wird der fromme Bundeskanzler Dollfu\u00df gewi\u00df recht bedauern. Der Friedensvertrag hat auch Oesterreich Bombenflugzeuge versagt. Sonst w\u00fcrden ihre Gasbomben ebenso gewi\u00df Frauen und Kinder in dichtbewohnten Stadtvierteln vergiften, wie jetzt Granaten in den Arbeiterbezirken \u00f6sterreichischer St\u00e4dte Frauen und Kinder zermalmen und zerrei\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist ein grandioses Symbol des k\u00e4mpfenden Sozialismus, da\u00df die Schlacht um Wien gerade dort sich konzentrierte, wo unter sozialistischer Gemeinderegierung Wohnsiedlungen, vorbildlich f\u00fcr die ganze Welt, errichtet worden sind. In den H\u00e4userblocks und Stra\u00dfen, deren Namen die gro\u00dfen Denker und K\u00e4mpfer des Sozialismus ehren, leisten die sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndler ihren heldenhaften Widerstand. Die Gr\u00fcnfl\u00e4chen, auf denen Wiens Arbeiterkinder, die so lange in die engen H\u00f6fe der Grundst\u00fccksspekulation gesperrt waren, spielten, werden nun vom Blute ihrer V\u00e4ter ged\u00fcngt. Die Feinde sozialistischer friedlicher Aufbaupolitik schie\u00dfen die Siedlungsh\u00e4user zusammen und t\u00f6ten ihre Verteidiger. Der Ha\u00df gegen sozialistische Gemeinschaft, lange schon wach, ist aufgestanden, um sein Vernichtungswerk zu vollf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verluste sind, wie uns ein Privattelefonat mit Wien mitteilt, grauenhaft. Es fehlt in den Reihen der sozial. demokratischen Arbeiter an dem N\u00f6tigsten zur Pflege und zur Rettung der Verwundeten. Nur ein kleiner Teil ist in \u00e4rztlicher Pflege. Die Krankenh\u00e4user sind \u00fcberf\u00fcllt, soweit sie \u00fcberhaupt f\u00fcr die verwundeten Sozialdemokraten erreichbar sind. Verbandstoff ist kostbar wie Munition. Arbeiterfrauen und Arbeiterm\u00e4dchen bem\u00fchen sich im Kugelregen um die Opfer der Freiheitsschlacht. Wie hoch die Zahl der verletzten Frauen und M\u00e4dchen und Kinder ist, kann einstweilen nicht \u00fcbersehen werden. Gewi\u00df ist, da\u00df Frauen und M\u00e4dchen w\u00e4hrend ihrer Hilfe f\u00fcr Verwundete den Kugeln und Granaten zum Opfer gefallen sind. Die Arbeiter- Sanit\u00e4tskolonnen arbeiten ohne fallen sind. Die Arbeiter- Sanit\u00e4tskolonnen arbeiten ohne Pause und finden hilfsbereit Unterst\u00fctzung bei der Arbeiterbev\u00f6lkerung, die freiwillig ihre letzte Habe f\u00fcr die ruhmvoll Verwundeten hergibt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie schwer die K\u00e4mpfe sind und welche Uebermacht die Bundesregierung braucht, wenn sie ihr blutiges Staatsverbrechen vollenden will, beweist die Tatsache, da\u00df der Bundeskanzler alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aufgerufen hat, sich als Freiwillige sich in die Schlacht gegen die Sozialdemokratie einzureihen. Bundestruppen, Polizei und Gendarmerie reichen nicht aus, den Mordbefehl an der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie zu vollstrecken. Unter Bruch des Friedensvertrages verst\u00e4rkt der Bundeskanzler die Armee gegen Oesterreichs sozialdemokratische Arbeiter und vermehrt so die blutige Schmach, in die er das ungl\u00fcckliche Land gerissen hat. Arbeiter und vermehrt so die blutige Schmach, in die er das ungl\u00fcckliche Land gerissen hat.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als Arbeiterm\u00f6rder steht nun Dollfu\u00df mindestens ebenb\u00fcrtig neben den Hitler und G\u00f6ring. Die drei und ihre Kreaturen k\u00f6nnen sich br\u00fcderlich die blutbesudelten H\u00e4nde reichen. Dollfu\u00df ist den \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten im Arbeiterschlachten nur zuvorgekommen. Die Nationalsozialisten w\u00fcrden eine nicht geringere Blutarbeit geleistet haben. Wie auch Austrofaschismus und Nationalsozialismus sich unterscheiden m\u00f6gen, einig sind sie in ihrem Ha\u00df gegen jede wirklich sozialistische Neugestaltung. Der B\u00fcrgerkrieg, den Dollfu\u00df gegen die Sozialdemokratie begonnen hat, ist ein Verzweiflungsstreich auch gegen die Nationalsozialisten. Dollfu\u00df und die Seinen lassen nicht auf die Nationalsozialisten schie\u00dfen, mit denen sie viele Ber\u00fchrungspunkte haben. Dollfu\u00df hofft, sich so gegen den Nationalsozialismus behaupten zu k\u00f6nnen. Die Nationalsozialisten aber bewahren wohlwollende Neutralit\u00e4t im B\u00fcrgerkrieg, weil sie hoffen, wahrscheinlich mit Recht, da\u00df Dollfu\u00df ihnen durch seine Mordarbeit gegen den Marxismus die Tore zur Macht \u00f6ffnen wird.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bundeskanzler versucht, die Verantwortung an der gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Schlacht auf die Sozialdemokraten abzuw\u00e4lzen. Das wird ihm bei keinem Urteilsf\u00e4higen gelingen. Der Kampf ist durch den l\u00e4ngst f\u00e4lligen Heimwehrputsch und durch die gewaltsame Unterdr\u00fcckung der Sozialdemokratie, durch ihr gewaltt\u00e4tiges Hinausdr\u00e4ngen aus ihren Positionen ausgebrochen. Die klerikale \u00f6sterreichische Regierung hat bedenkenlos ihre Eide gebrochen und gewissenlos einen m\u00f6rderischen Machtkampf entfesselt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wir geben uns keinen Illusionen hin und wollen keine Illusionen hervorrufen: Oesterreichs Sozialdemokratie hat die Schlacht verloren. Die Arbeiter und mit ihnen die Bauern und der kleine Mittelstand sind niedergeschlagen. Eine ideenlose Schicht der hohen B\u00fcrokratie des degenerierten Aristokratentums und internationaler Kapitalisten steht als Sieger auf dem Schlachtfeld. Einstweilen. Keine Stunde werden sie sich ihres Erfolges freuen. Der Machtkampf wird nun zwischen der Bundesregierung Dollfu\u00df und den Nationalsozialisten erst recht entbrennen, und die Gefahr nationaler Wirren mit internationalen Folgen ist unvermindert. Die Dollfu\u00df und Fey und Starhemberg sind die fluchbeladenen Nachfolger des F\u00fcrsten Windischgr\u00e4tz, der 1848 mit seinen kroatischen Truppen die demokratischen B\u00fcrger Wiens massakrierte und den deutschen demokratischen Revolution\u00e4r Robert Blum auf der Brigittenau standrechtlich erschie\u00dfen lie\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die damals gemeuchelte Demokratie kehrte in jahrzehntelangem Ringen wieder. Nun ist sie auch in Oesterreich dahin. Eine gro\u00dfe geschichtliche Epoche ist abgeschlossen. Das B\u00fcrgertum hat die Arbeiter, die um die Reste demokratischer Rechte k\u00e4mpften, auch in Oesterreich niedergeworfen. Nun ist in ganz Europa die historische Bindung des sozialistischen Willens an die alten Formen der Demokratie vor\u00fcber: Die legale internationale Sozialdemokratie wird durch sozialrevolution\u00e4re Aktionen mit dem nahen Ziele des Volkssozialismus abgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Schlacht in Oesterreich, in der alle waffenf\u00e4higen F\u00fchrer mit den waffenf\u00e4higen Mannschaften der Arbeiterklasse zusammenstanden, ist der gro\u00dfartige Auftakt kommender revolution\u00e4rer Umgestaltungen in Europa. Die Freiheitsschlacht in Oesterreich ist ruhmvoll zu Ende. Das Ringen um die sozialistische Herrschaft \u00fcber Europa in neuen Formen und mit neuen Kampfmitteln beginnt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Widerstand bis zum \u00e4u\u00dfersten<br \/> Die letzten Gefechtsberichte<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Otto Bauer und Deutsch an der Spitze<br \/> Frische Schutzb\u00fcndler im Kampfe<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht). Das Ottakringer Arbeiterheim ist von den Sozialdemokraten erneut besetzt worden. Dem Schutzbund gelang es ferner, Polizei nebst Hilfstruppen in die Polizeikaserne in Simmering hineinzudr\u00e4ngen und einzuschlie\u00dfen. Die Kaserne wird von den Schutzb\u00fcndlern unter Feuer gehalten. Bei einem Ausfallversuch der Polizei wurden 5 Polizisten erschossen. Es wird best\u00e4tigt, da\u00df die sozialdemokratischen F\u00fchrer Otto Bauer und Julius Deutsch nicht verhaftet sind, sondern den Kampf von au\u00dferhalb leiten. Auf ihre T\u00e4tigkeit wird es vor allem zur\u00fcckgef\u00fchrt, da\u00df immer neue Schutzb\u00fcndler und sozialdemokratische Arbeiter eingesetzt werden, w\u00e4hrend die Polizei- und Milit\u00e4rkr\u00e4fte bereits Erm\u00fcdungserscheinungen aufweisen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Wir ergeben uns nicht!&quot;<br \/> Die Gasarbeiter an die Regierung\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht). Besonders kritisch ist f\u00fcr die Regierung die Lage beim Gaswerk. Das Ultimatum zur Uebergabe wurde von den Arbeitern des Gaswerks mit einer Gegenerkl\u00e4rung beantwortet. Sie lie\u00dfen der Regierung mitteilen, da\u00df sie sich nicht ergeben w\u00fcrden. In dem Augenblick, wo der erste Schu\u00df gegen sie falle, und sie gezwungen seien, die Sch\u00fcsse zu beantworten, w\u00fcrden sie das ganze Gaswerk in die Luft sprengen &quot;um uns und die ganze Bev\u00f6lkerung der Stadt, die eine solche Regierung toleriert, in die Ewigkeit zu bef\u00f6rdern.&quot; Diese Ank\u00fcndigung hat ungeheure Beunruhigung hervorgerufen, und gleichzeitig den Widerstandswillen der K\u00e4mpfenden gest\u00e4rkt. Auch United Pre\u00df berichtet, da\u00df es an verschiedenen Stellen der Stadt dem Schutzbund gelungen sei, die Truppen zu umzingeln und sie schwer zu bedr\u00e4ngen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Kampf um die H\u00f6fe<br \/> Artillerie beschie\u00dft H\u00e4userblocks \u2013 Pioniere in Aktion<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Februar (Eig. Drahtbericht). Mit einem Heldenmut von weltgeschichtlicher Bedeutung setzen die Wiener Arbeiter ihren Widerstand gegen den Heimwehrterror fort. Ihre Burgen sind in den Wiener Vororten vor allem jene gro\u00dfen Bauh\u00f6fe, die dem sch\u00f6pferischen Geist der sozialdemokratischen verwalteten Wiener Gemeinde immer das h\u00f6chste Zeugnis ausstellen werden. Gegen diese H\u00f6fe hat in verschiedenen Vorst\u00e4dten das Artilleriefeuer des Bundesheeres eingesetzt. Es kam zu richtigen Sturmangriffen, so etwa gegen den Karl-Marx- Hof, der von nicht weniger als 2000 Mietsparteien bewohnt wird. Der mittlere Komplex der Bauten ist schwer von Artillerietreffern mitgenommen, aber noch immer wird aus den Wohnungen geschossen. Die eigentliche Besatzung des Geb\u00e4udes soll in den Nachtstunden zum Mittwoch angeblich wegen Munitionsmangel die Waffen gestreckt haben. Aus Floridsdorf und Ottakring werden K\u00e4mpfe gemeldet, die noch von gr\u00f6\u00dferer Furchtbarkeit waren. Auf beiden Seiten fielen zahlreiche Opfer. Der Floridsdorfer Bahnhof, der einer der Hauptst\u00fctzpunkte der Arbeiterschaft war, ist durch mehrst\u00fcndige Artilleriebeschie\u00dfung dem Erdboden gleichgemacht worden. An andern Stellen der Stadt jedoch halten die k\u00e4mpfenden Arbeiter nach wie vor ihre Position. Dies wird von Stadelau und Jedlesee gemeldet. An der Reichsbr\u00fccke versuchen Pioniere Umgehungsman\u00f6ver auf Pontons, um nicht durch Artilleriefeuer die Br\u00fccke zerst\u00f6ren zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Simmering und Favoriten, wo angeblich die Exekutive Herr der Lage ist, finden immer noch Einzelk\u00e4mpfe und Beschie\u00dfungen von Polizisten statt. Ein gro\u00dfer Teil der Gesch\u00e4fte ist geschlossen. Die Lebensmittell\u00e4den sind nahezu ausverkauft. Von den Wiener Theatern und Kinos wird berichtet, da\u00df sie ihre Pforten die ganze Woche hindurch nicht \u00f6ffnen werden. Ebenso bleiben die Schulen geschlossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>500 Tote<br \/> Die K\u00e4mpfe dauern fort<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Die K\u00e4mpfe in den einzelnen Vororten in Wien hielten in den ersten Nachtstunden weiter an. Nur in der Innenstadt verstummte das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. Aus verschiedenen Vororten Wiens werden Ansammlungen von Schutzb\u00fcndlern gemeldet, die sich zum Marsch auf die Bundeshauptstadt sammeln. Nach einer anderen Lesart soll es nicht zutreffen, da\u00df von den Vororten aus Schutzb\u00fcndler den Marsch auf Wien antreten wollen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ueber die Zahl der Toten ist bisher noch keine Klarheit vorhanden. Eine Sch\u00e4tzung lautet auf 384 Todesopfer. Im Allgemeinen Krankenhaus sollen 123 Personen ihren Verletzungen erlegen sein. Ferner hei\u00dft es, da\u00df 100 Leichen beim Anatomischen Institut eingeliefert worden seien.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aus den Bundesl\u00e4ndern liegen ebenfalls Nachrichten vor, denen zufolge die K\u00e4mpfe noch keineswegs abgeschlossen sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>London. Nach Informationen des Wiener Reutervertreters soll die Zahl der Todesopfer in ganz Oesterreich nicht unter 500 anzusehen sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wie Seitz verhaftet wurde!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Einem Schweizer sozialistischen Journalisten gelang es, mit dem B\u00fcrgermeister Seitz im Rathause Verbindung zu erhalten. Er gab folgende Erkl\u00e4rung ab:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Eine halbe Stunde nach der Besetzung des Rathauses durch Milit\u00e4r erschienen in meinem B\u00fcro zehn Polizeikommiss\u00e4re in Zivil und zwei Polizisten in Uniform unter F\u00fchrung eines Polizeirates. In diesem Augenblick befanden sich die Stadtr\u00e4te Speiser, Weber und Honay und der ehemalige Stadtrat Breitner bei mir. Der Polizeirat erkl\u00e4rte, er habe den Befehl, den B\u00fcrgermeister und die s\u00e4mtlichen Stadtr\u00e4te zu verhaften.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Er ersuchte uns, ihm, dem Polizeirat, zu folgen. Ich erkl\u00e4rte ihm, da\u00df ich seiner Anordnung nicht Folge leisten werde. Als Gew\u00e4hlter des Volkes von Wien, als B\u00fcrgermeister und Landeshauptmann des Landes Wien werde ich auf meinem Posten bleiben und da\u00df ich mich durch niemanden und durch nichts, es sei denn das Volk Wiens selbst, in der Aus\u00fcbung meiner Pflichten werde behindern lassen. Der Polizeirat erkl\u00e4rte, er m\u00fcsse in diesem Falle neue Instruktionen einholen. Er kam bald wieder und erkl\u00e4rte uns, er m\u00fcsse auf unsern Verhaftungen bestehen, zumindest m\u00fc\u00dften die anwesenden Stadtr\u00e4te ihm folgen. Die Verhaftung m\u00fc\u00dfte unter Umst\u00e4nden gewaltsam erfolgen. Inzwischen hatte die Polizei bereits zwei Autos requiriert, in denen die bei mir anwesenden Personen abgef\u00fchrt wurden. Sie waren der Polizei gefolgt, nachdem diese darauf verzichtet hatte, mich ebenfalls sofort abzuf\u00fchren. Um 20 ist das Milit\u00e4r, das das Rathaus besetzt hielt, abgezogen und wurde durch Heimwehrabteilungen ersetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie mir von einem Beamten berichtet wird, begab sich Stadtrat Danneberg (Finanzdirektor von Wien) zum Finanzminister Buresch, um Auskunft von ihm zu verlangen, wie weit die Dinge getrieben werden sollten. Als er von dort nach Hause ging, wurde er in seinem Domizil ebenfalls verhaftet.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Seitz &#8211; Renner- Breitner<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der fr\u00fchere Finanzreferent des Wiener Gemeinderates Breitner und der Landesrat Petznek, der Gatte der sogenannten &quot;roten Prinzessin&quot;, der F\u00fcrstin Windischgr\u00e4tz, einer Enkelin des Kaisers Franz Josef, sind am Dienstag verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der B\u00fcrgermeister von Wien, Seitz (er ist mindestens 70 Jahre alt), hat nach Angabe des behandelnden Arztes einen Schw\u00e4cheanfall, also keinen Schlaganfall, erlitten. Seit befand sich bis Dienstag nachmittag im Nathans. Darauf wurde er ins Polizeigef\u00e4ngnis gebracht.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat am Dienstag vormittag Minister Schmitz seine T\u00e4tigkeit als Bundeskommissar im Rathaus aufgenommen. Wie bestimmt verlautet, wurde auch B\u00fcrgermeister Seitz in Schu\u00dfhaft genommen. Auch der Pr\u00e4sident des Nationalrates Dr. Renner und der Pr\u00e4sident des Bundesrates K\u00f6rner seien verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Teilweise Wiederaufnahme des Verkehrs<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 14. Febr. Im ganzen Stadtgebiet ist die Nacht ruhig verlaufen. Auch im Floridsdorfer Gebiet, wo sich bekanntlich die Gegner noch gegen\u00fcberstehen, kam es w\u00e4hrend der Nacht zu keinen K\u00e4mpfen. Auch in den ersten Morgenstunden h\u00f6rte man nur vereinzelt das Explodieren einer schweren Mine. Erst gegen 8 Uhr nahm das Artillerie- und Minenfeuer wieder zu. Stra\u00dfenbahn und Stadtbahn verkehren wieder. Am Ring allerdings ruht noch der Verkehr, um die dort besonders in der Umgebung des Polizeipr\u00e4sidiums getroffenen Absperrungsma\u00dfregeln aufrechterhalten zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Landeshauptmann von K\u00e4rnten, Kernmayer, der dem Landbund angeh\u00f6rt, ist wie es hei\u00dft vom Bundeskanzler telegrafisch aufgefordert worden, zur\u00fcckzutreten. Dar\u00fcber wird eine Sitzung des Landbundes entscheiden, die im Laufe des heutigen Tages zusammentritt. &#8211; Kernmayer ist, nachdem Seitz in Wien beseitigt ist, der letzte Landeshauptmann, der, obwohl rechtsstehend, der Heimwehrdiktatur nicht genehm ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Echo aus Prag<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Prag werden die \u00f6sterreichischen Ereignisse mit au\u00dferordentlicher Spannung verfolgt. Die Erregung des Landes ergibt sich schon aus seiner geographischen Lage. Dauernd berichten Extrabl\u00e4tter \u00fcber die K\u00e4mpfe in Oesterreich und Wien. Die Auffassung, da\u00df der Regierung Dollfu\u00df die Schuld an den Ereignissen zuzuschreiben sei, ist nahezu allgemein. Die Vorst\u00e4nde der tschechischen und deutschen sozialdemokratischen Partei haben sich in einer gemeinschaftlichen Sympathiekundgebung f\u00fcr die Sache der k\u00e4mpfenden Arbeiter in Oesterreich erkl\u00e4rt. Ger\u00fcchte, da\u00df tschechoslowakische Arbeiterhilfskorps die \u00f6sterreichische Grenze \u00fcberschritten h\u00e4tten, oder \u00fcberschreiten wollten, werden dementiert.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Anfrage in Unterhaus<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 18. Febr. Der englische Au\u00dfenminister Simon nahm am Dienstag nachmittag zur Lage in Oesterreich Stellung und machte dem Hause Mitteilung \u00fcber die Nachrichten, die ihm von der \u00f6sterreichischen Regierung zugegangen waren. Der Abg. Mander fragte daraufhin, ob die englische Regierung bereit sei, der \u00f6sterreichischen Regierung klarzumachen, da\u00df jede Unterdr\u00fcckung verfassungsm\u00e4\u00dfiger Einrichtungen durch die \u00f6ffentliche Meinung Englands nicht unterst\u00fctzt w\u00fcrde. Simon erteilte auf diese Frage keine Antwort. Ferner stellte das Mitglied der Unabh\u00e4ngigen Arbeiterpartei Marton die Frage an Simon, ob und wann der V\u00f6lkerbund in der Lage sein werde, die \u00f6sterreichischen Schwierigkeiten au er\u00f6rtern. Simon erwiderte darauf: Ich glaube, die Lage ist so, da\u00df zwar die \u00f6sterreichische Regierung grunds\u00e4tzlich beschlossen hat, den V\u00f6lkerbund anzurufen, da\u00df sie aber Dr. Dollfu\u00df die Entscheidung \u00fcberlassen hat, in welchem Augenblick dies getan werden solle. Sobald die Anrufung erfolgt, wird, wie ich annehme, eine Sondersitzung des V\u00f6lkerbundsrates stattfinden. Auf die Frage Martons, ob der V\u00f6lkerbund nicht zu den beunruhigenden Ereignissen in Oesterreich Stellung nehmen w\u00fcrde, bevor sie ihm durch Dollfu\u00df vorgelegt werden, antwortete Simon, er sehe im Augenblick keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr den V\u00f6lkerbund, aus eigenem Antrieb in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Indessen kam es in Frankreich wieder zu einer Linksregierung, in der Paul-Boncour zwar nicht mehr Au\u00dfenminister aber als Kriegsminister weiterhin ein sehr gewichtiges Mitglied der franz\u00f6sischen Regierung geworden ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Komplikation durch die deutsche Note<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Herr Dollfu\u00df war, wie man erf\u00e4hrt, trotz des Protestes der M\u00e4chte entschlossen, den Staatsstreich zu f\u00fchren, wenn nicht just am selben Tag die deutsche Antwortnote eingetroffen w\u00e4re, die offenbar Herr Dollfu\u00df zu einem sp\u00e4teren Termin erwartet hatte. Nun hatte sich aber die internationale Lage ge\u00e4ndert, nun bedurfte Dollfu\u00df in seiner Aktion gegen Deutschland die Hilfe der Westm\u00e4chte &#8211; in diesem Augenblick konnte er es nicht wagen, den B\u00fcrgerkrieg zu entfesseln.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So unterblieb diesmal der Schlag gegen Wien. <\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So scheint der Staatsstreich in Tirol fehlzuschlagen. <\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So scheint es aber nur zur Stunde, da wir diesen Bericht verfassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am nachmittag des Montag, den 5. Februar, ist wieder Heimwehr in Innsbruck einger\u00fcckt und zur Stunde ist nicht zu \u00fcbersehen, ob die Verbrecher nicht doch den Funken des B\u00fcrgerkrieges in das Pulverfa\u00df Oesterreich schleudern.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Appell zum Generalstreik<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Arbeiterschaft war jedenfalls ger\u00fcstet, den Schlag gegen Wien mit dem Generalstreit zu beantworten. Schon am 2. Februar wurde Oesterreich mit ungeheueren Massen illegaler Flugbl\u00e4tter \u00fcberschwemmt, in der die unmittelbar drohende Gefahr eines Staatsstreiches in Wien alarmiert und der Generalstreit f\u00fcr diesen Fall angek\u00fcndigt wurde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein Aufruf der Tiroler Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>Am 4. Februar erlie\u00df die sozialdemokratische Partei Tirols folgenden Aufruf:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Versuch verblendeter Elemente, die Verfassung des Landes Tirol gewaltsam zu \u00e4ndern, hat in den Reihen der Tiroler Arbeiter und Bauern sch\u00e4rfsten Widerspruch und ungeheure Emp\u00f6rung hervorgerufen. Spontan hat sich die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit des Volkes zu Recht, Gesetz und Verfassung bekannt, und in nachdr\u00fccklichen Kundgebungen ihre Auffassung kundgetan. Das Land braucht dringend Ruhe und Frieden, um aus der ungeheuren wirtschaftlichen Not herauszukommen. Darum m\u00fcssen die Friedensbrecher, gleichviel aus welchem Lager sie stammen, entschieden zur Ordnung gerufen werden. Die Tiroler Arbeiterschaft leidet neben den Bauern am meisten unter der Not der Zeit. Sie warnt deshalb nochmals davor, die Dinge zum Aeu\u00dfersten zu treiben. Die Gegner des Selbstbestimmungsrechtes in der Jahrhunderte alten Freiheit des Tiroler Volkes m\u00f6gen ein f\u00fcr alles mal wissen, da\u00df die Tiroler Arbeiterschaft nicht duldet, da\u00df sie und ihr gutes Recht mit F\u00fc\u00dfen getreten werden. Die Gefahren sind noch nicht endg\u00fcltig gebannt. Gr\u00f6\u00dfte Wachsamkeit ist weiterhin geboten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Arbeiterschaft Oesterreichs ist entschlossen, den Staatsstreich in irgendeinem der Bundesl\u00e4nder mit dem Generalstreik zu begegnen. Wenn die Verbrecher es wagen sollten, in einem Bundesland den Staatsstreich zu unters nehmen, so wird von dort aus der Generalstreik und der B\u00fcrgerkrieg in ganz Oesterreich aufgerollt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Entscheidung r\u00fcckt heran!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Arbeiter! La\u00dft Euch nicht alarmm\u00fcde machen!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Haltet Euch bereit, um die Freiheit zu k\u00e4mpfen! Hinter dieser Regierung der Desperados steht nichts als einige tausend unsichere Bajonette. Gegen diese Regierung steht das ganze Volk!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Darum: F\u00e4llt die Entscheidung, so k\u00e4mpft mit allen Waffen, denn es geht um Eure Freiheit, es geht um Eure Kinder, es geht um Eure Zukunft!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wir wollen nicht Sklaven werden!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Frei wollen wir bleiben!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>F\u00fcr uns streitet geheiligtes, beschworenes Recht!<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=center style='text-align:center;text-indent:0cm'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mobilmachung der Heimwehr<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Heimwehr hat &#8211; man beachte das Datum! &#8211; am 27. J\u00e4nner den folgenden Mobilisierungsbefehl erlassen. Uns liegt dieser Befehl im Original der Margaretner- Heimwehr vor; er ist mit entsprechenden Varianten am selben Tag von allen Abteilungen und Unterabteilungen der Heimwehr an alle ihre Mitglieder ergangen; er lautet:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:14.2pt;text-indent:0cm'><span lang=DE>Wiener Heimatschnutz<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>J\u00e4gerbaon III<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Kompagnie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm;text-indent:0cm'><span lang=DE>Herr Kamerad (folgt der Name) \u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Die Bundesregierung ist nunmehr gewillt, unter allen Umst\u00e4nden die Entscheidung herbeizuf\u00fchren. Sie wird in den n\u00e4chsten Tagen alle Angeh\u00f6rigen der im Schutzkorps eingegliederten Wehrformationen zur aktiven Dienstleistung in das Schutzkorps einberufen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Unser Landesf\u00fchrer, Vizekanzler Major a. D. Emil Fey, als Chef des Sicherheitswesens, fordert daher alle Heimatsch\u00fctzer auf, unter m\u00f6glichster R\u00fccksstellung aller beruflichen R\u00fccksichten in dieser entscheidenden Stunde sich dem Staate durch Eintreten in das freiwillige Schutzkorps zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Diese Rufe, bzw. Befehle unseres F\u00fchrers Folge zu leisten, ist uns Margaretner Heimatsch\u00fctzern selbstverst\u00e4ndliche Pflicht, unser Gel\u00f6bnis, als freiwillige K\u00e4mpfer f\u00fcr Heimat und Volk, f\u00fcr ein freies christliches, deutsches Oesterreich, einzul\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Sie werden daher aufgefordert, sich unbedingt am Montag, den 29. d. M. um halb 8 Uhr abends im Heime 4., Hauslabgasse 2, behufs Zusammenstellung der neu aufzustellenden Formation des Schutzkorps p\u00fcnktlich einzufinden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Das unentschuldigte Fernbleiben wird als Austritt ans dem Heimatschutze ohne R\u00fccksicht auf die Dauer der Zugeh\u00f6rigkeit zum Heimatschutze angesehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>In diesen entscheidenden Stunden geh\u00f6ren alle wahren K\u00e4mpfer f\u00fcr unsere Idee in die Front.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Heil Starhemberg!&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heil Oesterreich!<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Wien, am 27. J\u00e4nner 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Der Baonskmdt.:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Karl Biedermann e. h.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dieses Dokument beweist, da\u00df die Regierung Dollfu\u00df-Fey die Heimwehr nicht aufgeboten hat, um einen von den Nazi drohenden Putsch abzuwehren, sondern um selbst eine &quot;Entscheidung&quot; herbeizuf\u00fchren &#8211; n\u00e4mlich den Staats<\/span><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>streich.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vorgeschichte des Staatsstreichs<br \/> Material aus der Illegalen \u00f6sterreichischen Wochenschrift<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Oesterreich wird illegal eine sozialdemokratische Wochenschrift &quot;Ruf zur Freiheit&quot; verbreitet. Die letzte Nummer, die uns heute erreichte, ist vom 11. Februar datiert<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/a>. Sie bringt eingehendes Material dar\u00fcber, da\u00df der Bundeskanzler Dollfu\u00df und sein Vizekanzler Fey schon f\u00fcr Ende Januar oder Anfang Februar den Staatsstreich geplant hatten. Durch die Putschgefahr von den Nazis her sollte eine Panikstimmung der Bev\u00f6lkerung erzeugt werden, die Heimwehr sollte in Tirol &quot;revoltieren&quot; und von dort aus sollte sich die Bewegung bis nach Wien w\u00e4lzen. Gleichzeitig sollte in der Bundeshauptstadt das Rathaus besetzt und die sozialistische Landesregierung verjagt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bundeskanzler Dollfu\u00df w\u00e4hlte diesen Zeitpunkt, weil am 26. Januar gemeldet wurde, da\u00df der Sturz der franz\u00f6sischen Regierung Chautemps unmittelbar bevorstehe. Gegen\u00fcber Paul Boncour, dem Au\u00dfenminister des Kabinetts Chautemps hatte n\u00e4mlich Dollfu\u00df die Verpflichtung eingegangen, entscheidende Ma\u00dfnahmen<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[4]<\/span><\/span><\/span><\/a> gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen, um Oesterreich vor der Katastrophe des B\u00fcrgerkrieges zu bewahren. Diese Verpflichtung bindet nat\u00fcrlich die \u00f6sterreichische Regierung an die franz\u00f6sische Regierung und nicht nur an eines ihrer Mitglieder. Der jesuitische Dollfu\u00df stellte sich aber so, als h\u00e4tte er sich nur gegen\u00fcber dem Au\u00dfenminister Paul-Boncour und nicht gegen\u00fcber der franz\u00f6sischen Regierung gebunden. Und da mit Chautemps auch Paul-Boncour demmissioniert hatte, so glaubte sich Herr Dollfu\u00df dieser Verpflichtung entbunden und war entschlossen, die kurze Spanne Zeit der franz\u00f6sischen Regierungsbildung zum Staatsstreich auszun\u00fctzen, um die neue franz\u00f6sische Regierung einfach vor die vollendete Tatsache des Staatsstreiches zu stellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der seine Plan des Herrn Dollfu\u00df war also, in der Zeitspanne zwischen der Demmission der Regierung Chautemps und der Vorstellung der neuen Regierung in der Kammer, die Wiener Rathausregierung zu st\u00fcrzen und gleichzeitig von Tirol aus den Staatsstreich \u00fcber ganz Oefterreich zu tragen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Schritt der M\u00e4chte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen diesen Plan protestierten nun, wie man aus dem &quot;Prager Tagblatt&quot; vom 8. Februar<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[5]<\/span><\/span><\/span><\/a> erfuhr, der englische und der franz\u00f6sische Gesandte. Diese ungemein wichtige Meldung, die der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung auf Weisung der Pre\u00dfpolizei nat\u00fcrlich verheimlicht wurde, lautete:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 2. Februar. Gestern sprachen der englische und der franz\u00f6sische Gesandte beim Bundeskanzler vor, um ihn \u00fcber die Vorf\u00e4lle in Innsbruck zu befragen. Gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Gesandten soll sich Bundeskanzler Dr. Dollfu\u00df ge\u00e4u\u00dfert haben, da\u00df er sich angesichts der ge\u00e4nderten politischen Lage in Frankreich nicht mehr gebunden f\u00fchle, die er seinerzeit dem damaligen franz\u00f6sischen Au\u00dfenminister gegen\u00fcber eingegangen sei, n\u00e4mlich keine entscheidenden Ma\u00dfnahmen gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen. Der franz\u00f6sische Gesandte Puaux soll dieser Auffassung des Bundeskanzlers entgegengetreten sein und gemeint haben, da\u00df der Regierungswechsel in Frankreich kein Anla\u00df sei, diese Zusicherung zur\u00fcckzunehmen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der gro\u00dfe Freiheitskampf<br \/> Namenlose Helden<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In ganz Oesterreich k\u00e4mpfen sie, die namenlosen Helden. In ganz Oesterreich verteidigen sie Freiheit, Republik und Sozialismus gegen das faschistische Verbrechen, das von Amts wegen das Oesterreich der Freiheit, das Oesterreich der sozialistischen Kultur, das kulturelle Oesterreich \u00fcberhaupt, niederschlagen will.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es sind die Arbeiter aus den Betrieben, aus den B\u00fcros. Es sind die Arbeiter auf der ganzen Linie, die ihr Leben einsetzen in diesem Kampf gegen das faschistische Verbrechen. Wer wei\u00df was von dem Mut dieser M\u00e4nner, der von ihren Gegnern zum Verbrechen gestempelt wird? Wer wei\u00df etwas von dem Heldentum, das in den Stra\u00dfen Wiens, von Graz und \u00fcberall in Oesterreich verzweifelt ringt gegen eine ungeheure Macht, gegen die Macht des Militarismus, gegen Polizei und die ganze Staatsmacht \u00fcberhaupt? K\u00e4mpft gegen das von oben dirigierte Verbrechen am \u00f6sterreichischen Volk?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Kein Dichter singt ihnen Heldenoden. Ihnen wird man keine Ruhmesdenkm\u00e4ler setzen in Stein und Erz. Jeder von ihnen wei\u00df das, der mit der Waffe in der Hand k\u00e4mpft. Nicht f\u00fcr Orden und Ehren, nicht f\u00fcr klingenden Lohn, nicht f\u00fcr Rangstufe, Titel und Bef\u00f6rderungskram, womit die Helden des Krieges sonst gek\u00f6dert werden. Diese namenlosen Helden k\u00e4mpfen nicht f\u00fcr religi\u00f6s verbr\u00e4mten mittelalterlichen Tand. Sie k\u00e4mpfen nur und setzen ihr Leben ein, da\u00df die Luft freibleibt um sie, damit sie atmen k\u00f6nnen, damit sie in Freiheit arbeiten und ihr Brot verdienen k\u00f6nnen, wovon sie leben m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Sie stehen fest, die \u00f6sterreichischen Arbeiter und Helden. Jetzt zeigt sich schon, da\u00df in diesem B\u00fcrgerkrieg nicht gek\u00e4mpft wird um Stadtteile, einzelne Geb\u00e4ude, Bahnh\u00f6fe, sondern \u00fcberall, wo die M\u00f6glichkeit besteht. Wenn ein Bahnhof erobert wurde von den Faschisten, wenn eine H\u00f6he gest\u00fcrmt wurde, dann melden die \u00f6sterreichischen Verfassungsbrecher und blutbesudelten Fey- Starhemberg-Faschisten ihren Sieg in die Welt, um dann eine Stunde sp\u00e4ter wieder der aufhorchenden Menschheit verk\u00fcnden zu m\u00fcssen, da\u00df sich die sozialistischen K\u00e4mpfer wieder an anderer Stelle gesammelt haben und erneut weiter ringen in hartem, erbittertem Kampfe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Da\u00df selbst die verfassungsbrecherische Regierung ihre Lage anf\u00e4ngt \u00e4ngstlicher zu beurteilen, geht schon daraus hervor, da\u00df der hauptfaschistische Akteur, Major Fey, einen Runderlag an s\u00e4mtliche Milit\u00e4rkommandanten und Sicherheitsbeh\u00f6rden herausgab, in dem er r\u00fccksichtslos jeden Versuch des Widerstandes mit &quot;allen Mitteln niederzuschlagen&quot; befiehlt und hinzuf\u00fcgt: Jm ganzen Bundesgebiet m\u00fcsse bis zum Dienstag abend die &quot;Ruhe wieder hergestellt sein&quot;. Daraus kann man ersehen, da\u00df es den faschistischen Verbrechern angst und bange wird, zumal sie bef\u00fcrchten m\u00fcssen, da\u00df das Milit\u00e4r auf l\u00e4ngere Zeit den ungeheuren Spannungen, denen der einzelne Soldat ausgesetzt ist, wenn er auf seinen Volksbruder schie\u00dft, nicht mehr gewachsen ist. Wenn aber schon der \u00f6sterreichische Rundfunk in Bewegung gesetzt werden mu\u00df, um Freiwillige von den ehemaligen Kriegsteilnehmern aufzubieten gegen die k\u00e4mpfende Arbeiterschaft, dann wei\u00df man, wie die Lage in Oesterreich ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So k\u00e4mpfen Oesterreichs Sozialdemokraten gegen den Faschismus!<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>NSDAP gegen Dollfu\u00df<br \/> Kein Waffenstillstand mit den Heimwehren<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>M\u00fcnchen, 14. Febr. Wie die Landesleitung der NSDAP. mitteilt, sind die Ger\u00fcchte, wonach zwischen Heimwehr und NSDAP. Waffenstillstandsverhandlungen gef\u00fchrt wurden, unzutreffend. Der Kampf der NSDAP. gegen das System Dollfu\u00df wird kompromi\u00dflos weitergef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In ihrer Stellungnahme zu den blutigen Ereignissen in Oesterreich erkl\u00e4rt die nationalsozialistische Parteikorrespondenz, da\u00df es nur eine M\u00f6glichkeit gebe, dem Chaos in Oesterreich ein Ende zu setzen, n\u00e4mlich einen Schlu\u00dfstrich unter das Willk\u00fcrregiment Dollfu\u00df- Fey zu ziehen und dem \u00f6sterreichischen Volk selbst das Bestimmungsrecht \u00fcber sein Schicksal in die Hand zu geben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Blutopfer<br \/> Viele Hunderte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Auch die amtlichen Berichte geben jetzt zu, da\u00df die K\u00e4mpfe sehr schwere Blutopfer fordern. Die Verluste in Wien werden jetzt mit 33 Toten und 163 Schwerverletzten angegeben. In Wien ist in der Lage im Laufe des Vormittags keine wesentliche Aenderung eingetreten. F\u00fcr eine Anzahl von Bezirken sind dringend Verst\u00e4rkungen angefordert worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Ottakring explodierte durch einen Treffer ein Gasometer. In diesem Bezirke wurden Truppen von den D\u00e4chern und einem Feuerwehrturm aus beschossen, worauf die Truppen zum Sturm ansetzten. Aus einem Gemeindehaus er\u00f6ffneten die Verteidiger der Freiheit scharfes Maschinengewehrfeuer, worauf Haubitzen die Stellung unter Feuer nahmen. Bei der Besetzung eines ebenfalls in diesem Bezirk gelegenen gro\u00dfen Gemeindehause, das durch Artilleriefeuer schwer besch\u00e4digt war, wurden 50 Schutzb\u00fcndler verhaftet, bei denen man jedoch keine Munition mehr vorfand. Schutzb\u00fcndler, die verhaftet worden sind, sollen vor das Standgericht gestellt werden. Der Adjutant des Staatsverbrechers Fey, Major Wrabel, ist durch einen Schu\u00df in den Arm verletzt worden. Nach einer privaten Mitteilung ist die Frau des bekannten sozialdemokratischen Nationalrats Abgeordneten Sever bei der Erst\u00fcrmung des Arbeiterhauses in Ottakring erschossen worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Jedes Haus ist eine Festung \u2026.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach dem amtlichen Bericht wird bekannt, da\u00df in Linz nach wie vor die Arbeiterschaft weiterk\u00e4mpft. Es hei\u00dft da: &quot;gegenw\u00e4rtig wird der Bahnhof ges\u00e4ubert&quot;. Der G\u00fcterbahnhof ist noch in H\u00e4nden der Freiheitsk\u00e4mpfer, denn der amtliche Bericht k\u00fcndigt erst noch eine &quot;Aktion&quot; an. In Steyr wurde w\u00e4hrend der Kampfhandlungen ein Direktor der Steyrwerke erschossen. Auch hier ist es den milit\u00e4rischen Abteilungen und dem Heimatschutz bisher nicht gelungen, die K\u00e4mpfenden aus dem Ort herauszudr\u00e4ngen. Der amtliche Bericht k\u00fcndigt an, da\u00df man mit der &quot;S\u00e4uberung&quot; &quot;noch&quot; besch\u00e4ftigt sei. In Bruck an der Mur wurde zwar der Schlo\u00dfberg nach schwerem Artilleriefeuer von der verfassungsbrecherischen Soldateska erst\u00fcrmt, aber in den Stra\u00dfen wird nach wie vor der Kampf erbittert fortgesetzt. Jedes Haus ist eine Festung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Katzenberg (Steiermark) wurde das Gendarmeriepostenkommando von Schutzb\u00fcndlern eingeschlossen. Die Freiheitsk\u00e4mpfer sind Herren der Lage. Heeresabteilungen und starke Abteilungen der Heimwehr sind nach Katzenberg unterwegs. Der amtliche Bericht spricht davon: &quot;Zur Befreiung des Gendarmeriepostenkommandos&quot;. Daraus ist zu erkennen, da\u00df in Katzenberg und Umgebung die ganze Polizei und Gendarmerie festgelegt und entwaffnet ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Eggenberg bei Graz haben sich die Schutzb\u00fcndler in der Fabrik Wagner und im B\u00fcro der Schienenwalzwerke festgesetzt. Auch hier ist es bisher nicht gelungen, weder mit Polizei, noch mit Milit\u00e4rabteilungen die Verteidiger aus ihren Positionen herauszubringen. In Graz soll vorl\u00e4ufig noch Ruhe herrschen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Nieder\u00f6sterreich soll noch Ruhe herrschen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Judenburg fanden Barrikadenk\u00e4mpfe statt. Angeblich sollen die Barrikaden vom Bundesheer gest\u00fcrmt worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien gehen die K\u00e4mpfe weiter. Im 19. Bezirk, also im Marxhof, und im 16. Bezirk, den st\u00e4dtischen Wohnungsanlagen Sandleiten und im Arbeiterheim sowie an einigen Stellen im 11. und 21. Bezirk finden zur Zeit heftige K\u00e4mpfe statt. Die Verteidiger erwidern das Feuer der Polizei des Milit\u00e4rs und des Heimatschutzes und schlagen die Angriffe der faschistischen Verbrecher \u00fcberall zur\u00fcck. Selbst Artillerie ist eingesetzt worden. Die Freiheitsk\u00e4mpfer wehren sich mit Heldenmut.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das war die Lage in Oesterreich Dienstag vormittag. Nach einem amtlichen Bericht. Man sieht daraus, wie erbittert in ganz Oesterreich gerungen wird, und da\u00df der verbrecherische Staatsstreich der Heimwehrfaschisten unter Dollfu\u00df\u2019 Duldung trotz Aufgebot der ganzen \u00f6sterreichischen Armee, Polizei, Gendarmerie und der Heimwehr, bisher nicht vermochte, die das freie Oesterreich verteidigende Arbeiterschaft niederzuschlagen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die K\u00e4mpfe um Floridsdorf und Ottakring<br \/> Die Arbeiter nicht besiegt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. In Floridsdorf, dem jenseits der Donau gelegenen Bezirk, waren am Dienstag um 19 Uhr noch einige f\u00fcr den Verkehr nach Norden wichtige Punkte im Besitz der Sozialdemokraten, so auch das Leopoldsauer Gaswerk. Ein doppelseitiger Angriff, sowohl aus dem Innern der Stadt wie von der nieder\u00f6sterreichischen Seite her gegen diese Stellung der Sozialdemokraten ist im Gange. Von offizi\u00f6ser Seite wird erkl\u00e4rt, die beiden gro\u00dfen Gemeindebauten im &nbsp;10. Bezirk in der Quellenstra\u00dfe seien teils gest\u00fcrmt, teils auch durch die Uebergabe in den Besitz der Regierungstruppen gekommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Seit 18 Uhr ist ein neuer Kampf um das Arbeiterheim Ottakring ausgebrochen. Wie es hei\u00dft, &nbsp;sollen die Sozialdemokraten, die durch &quot;unterirdische G\u00e4nge&quot; in die Nachbarh\u00e4user gefl\u00fcchtet waren, nachdem sie von dort aus das Arbeiterheim unter Maschinengewehrfeuer genommen hatten, die schwache Polizeibesatzung wieder hinausgedr\u00e4ngt und das Heim erneut besetzt haben. Polizei geht nun erneut gegen das Arbeiterheim vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr das Heerwesen hat im Rundfunk eine Ansprache gehalten, in der er alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aufforderte, sich bei den zust\u00e4ndigen Milit\u00e4rstellen oder beim vaterl\u00e4ndischen Dienst als Freiwillige zu melden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Artillerie und Pioniere!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Die Kampfhandlungen der Regierungstruppen gegen die Freiheitsk\u00e4mpfer ballen sich in den Abendstunden in dem jenseits der Donau gelegenen 21. Gemeindebezirk Floridsdorf zusammen. Die Regierung hat zur S\u00e4uberung dieses Bezirks schwere Artillerie und Pioniere eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als ernst wird die Lage in Steyr bezeichnet, wo jetzt ein motorisiertes Bataillon eingesetzt worden ist. Heimwehrabteilungen unter F\u00fchrung Starhembergs find nach Steyr im Vormarsch. Nach Artillerievorbereitung soll alsdann die Infanterie zum Sturm auf Steyr eingelegt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Im Inntal wird noch gek\u00e4mpft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Innsbruck, 18. Febr. In dem Industrieort W\u00f6rgl im Inntal sollte am Dienstag das sozialdemokratische Arbeiterheim besetzt werden. Die Arbeiterschaft versammelte sich darauf und leistete Widerstand, demgegen\u00fcber sich die in W\u00f6rgl verf\u00fcgbaren Machtmittel als zu schwach erwiesen. In dem in der N\u00e4he gelegenen Bergwerksort H\u00e4ring ist ein Teil der Bergleute in den Streik getreten. Die Streikenden sind gemeinsam mit dem Republikanischen Schutzbund von H\u00e4ring im Anmarsch auf W\u00f6rgl. Der Ort ist gegenw\u00e4rtig von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten. Von Innsbruck aus ist Heimwehr und Gendarmerie abgesandt worden. Die Lage ist kritisch.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mit allen Mitteln<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Vizekanzler Major Fey hat einen Runderla\u00df an s\u00e4mtliche Milit\u00e4rkommandanten und Sicherheitsbeh\u00f6rden herausgegeben mit der Aufforderung, r\u00fccksichtslos jeden Versuch eines Widerstandes mit allen Mitteln niederzuschlagen. Die Ruhe im ganzen Bundesgebiet m\u00fcsse bis zum heutigen Dienstag abend wiederhergestellt sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach den bisherigen Berichten aus Wien sollen 24 Tote und 72 Schwerverletzte allein in dem Allgemeinen Krankens haus festgestellt worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Graz find 600 Personen verhaftet worden. Die Zahl der Toten in Graz wird mit 70 angegeben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch in V\u00f6cklabruck ist ein gro\u00dfer Unruheherd vorhanden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_16\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> Nummer 39 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Freitag, den 16. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Schlachtfeld des Heldenkampfs<br \/> Kampf bis zum letzten Mann &#8211; Die Regierung l\u00e4\u00dft Frauen und Kinder erschie\u00dfen \u2013 Rachefeldzug der M\u00f6rder<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Tausende Tote<br \/> 350 Opfer im Karl-Marx-Hof<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 15. Februar. Der Wiener Korrespondent der &quot;Times&quot; sagt in einem Bericht: Die Verlustliste mu\u00df eine schreckliche H\u00f6he erreicht haben. Sch\u00e4tzungen der Sozialisten geben die Zahl ihrer Toten nur bis Dienstagabend auf nicht weniger als 1500 an, und es ist bekannt, da\u00df die Schlacht, die jetzt in Floridsdorf tobt, die blutigste von allen ist. Es hei\u00dft, da\u00df in dem Karl-Marx-Hof genannten gro\u00dfen Wohngeb\u00e4ude allein 350 Personen get\u00f6tet wurden, nicht nur Schutzb\u00fcndler, sondern auch Bewohner. Die Regierungsstreitkr\u00e4fte haben ebenfalls schwere Verluste erlitten. Im weiteren Verlauf seiner Schilderung sagt der Korrespondent: Eine derartige Zusammendr\u00e4ngung menschlichen Leidens auf engem Raum kann es in ganz Europa seit dem Kriege kaum gegeben haben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Abgeschlachtet&quot;<br \/> Die Schuld der M\u00f6rder<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(Mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 15. Februar. Zu den blutigen Ereignissen in Oesterreich ver\u00f6ffentlicht Reuter eine Meldung, in der es hei\u00dft, unzweifelhaft seien viele von den Toten und Verwundeten nicht am Kampf beteiligt gewesen. Ein h\u00f6herer Offizier der regul\u00e4ren Armee habe in Floridsdorf im Gespr\u00e4ch mit einem Vertreter des Reuterb\u00fcros zugegeben, da\u00df die meisten Verluste wahrscheinlich unter unschuldigen Personen zu verzeichnen seien, die nicht aus ihren von der Artillerie des Bundesheeres beschossenen Wohnh\u00e4usern entkommen konnten. Die Reutermeldung gibt der Ansicht Ausdruck, da\u00df ein Ergebnis der Abschlachtung von Nichtk\u00e4mpfern eine Zunahme der Erbitterung der Arbeiterklasse gegen die Regierung Dollfu\u00df sein werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Daily Telegraph&quot; bringt einen Aufsatz seines Korrespondenten f\u00fcr Zentraleuropa Gedye, in dem ausgef\u00fchrt wird, da\u00df man in Oesterreich nicht von einem kommunistischen Aufruhr sprechen k\u00f6nne. Der Aufruhr sei vielmehr von den Heimwehrf\u00fchrern ausgegangen, die Dr. Dollfu\u00df gezwungen h\u00e4tten, die Bestrebungen durchzuf\u00fchren, die sie in ihrem eigenen Putsch vom 13. September 1929&nbsp;<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[7]<\/span><\/span><\/span><\/a> erfolglos zu verwirklichen versucht h\u00e4tten, einen Putsch, aus den keine Todesurteile und nicht einmal Verurteilungen zu Gef\u00e4ngnisstrafen gefolgt seien. Der Korrespondent sagt, die Regierungsartillerie f\u00fchre jetzt das Ende der demokratischen Republik herbei, wenn auch f\u00fcr einen furchtbaren Preis von Menschenleben. Wenn Dr. Dollfu\u00df dieses Schlachtfeld hinter sich habe, werde er sich einem anderen von \u00e4u\u00dferster Tatkraft und Entschlossenheit erf\u00fcllten Feinde gegen\u00fcbersehen, n\u00e4mlich dem Nationalsozialismus.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Februar. (Eigener Bericht.) In der Nacht zum Donnerstag hat der Bundeskanzler Dollfu\u00df h\u00f6chst pers\u00f6nlich im Wiener Rundfunk einen Bericht \u00fcber seine Mordarbeit gegeben. Die Zahl der Toten und der Verwundeten, unter denen sich viele Frauen und Kinder befinden, hat er verschwiegen. Die furchtbare Ziffer wird amtlich niemals wahrheitsgem\u00e4\u00df bekannt- gegeben werden. Als der Bundeskanzler sprach, war der Kampf zwar milit\u00e4risch schon zugunsten des Heeres und der Polizei entschieden, wie bei deren Uebermacht niemand hatte anders erwarten k\u00f6nnen, aber die sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndler leisteten und leisten noch immer an zahlreichen Stellen heldenhaften Widerstand.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bundeskanzler brachte nicht einmal die ritterliche Geste auf, den tapferen K\u00e4mpfern freien Abzug zu gew\u00e4hren. Er machte ihnen ein verletzendes Angebot, das die gemeine Gesinnung der Bundesregierung deutlich offenbart: &quot;Wer sich von jetzt ab, 11 Uhr abends, jeder ungesetzlichen oder feindseligen Handlung strikte enth\u00e4lt, und morgen, Donnerstag, den 15. Februar von 7 Uhr fr\u00fch bis 12 Uhr mittags den Exekutivorganen stellt, kann, ausgenommen die verantwortlichen F\u00fchrer, auf Pardon rechnen.&quot; Dollfu\u00df will also die sozialdemokratischen K\u00e4mpfer aus ihren Positionen herauslocken, um sich dann diejenigen auszusuchen, die er vor seinen Standgerichten aburteilen und wenige Stunden nach dem Urteilsspruch h\u00e4ngen lassen will. Schon hat der Henker seine Arbeit begonnen und viele, viele wird der fromme Bundeskanzler Dollfu\u00df den Weg zum Galgen antreten lassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach amtlichen Meldungen sind allein in Wien 2000 Personen festgenommen worden. Dieselbe Meldung behauptet, da\u00df die Sozialdemokraten einen Angriff mit Chlorgas geplant gehabt h\u00e4tten. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so w\u00fcrden sie sich lediglich \u00e4hnlicher Waffen wie die Regierung bedient haben, denn deren Truppen haben die Wohnblocks vergast, in denen sich die Verteidiger von Gesetz und Recht und Freiheit verschanzt hielten. Ohne R\u00fccksicht auf Frauen und Kinder sind die Regierungstruppen mit den furchtbarsten Mitteln moderner Kriegf\u00fchrung vorgegangen. Viele Frauen und Kinder befinden sich unter den Toten. Wenn es wahr ist, was die Regierung behauptet, da\u00df Frauen auch aktiv an den K\u00e4mpfe\u00ab sich beteiligt haben, und wie es hei\u00dft, &quot;also keineswegs unschuldige Opfer waren&quot;, so ist dies ein hohes Heldenlied auf die k\u00e4mpfenden Proletarierinnen. Die Regierung will aber mit ihrer Behauptung nur dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df die Frauen und Kinder, die nicht aus den umk\u00e4mpften Wohnungen hinauskommen konnten, von den Kugeln und Granaten der Regierung get\u00f6tet worden sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verheerungen in den Kampfgebieten sind furchtbar. Das Floridsdorfer Arbeiterheim liegt vollst\u00e4ndig in Tr\u00fcmmern. Nach einer Behauptung haben es die Verteidiger vor der Uebergabe in Brand gesteckt, nach einer andern ist das Geb\u00e4nde durch eine Explosion gesprengt worden. Die Stra\u00dfen von Floridsdorf sehen aus wie eine Stadt im Kriegsgebiet. Viele H\u00e4user sind durch Granatfeuer zerschossen und die Stra\u00dfen sind mit Schutt und Scherben bedeckt. Viele Tote konnten noch nicht beiseite geschafft werden, obwohl man immer wieder Totenautos durch die Stadt fahren sieht. Breite Blutlachen zeugen von den erbitterten K\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch in den Bezirken, in denen nach den Angaben der Regierung die Truppen und die Polizei vollst\u00e4ndig Herrin der Lage sein soll, und wo man in der Tat zahlreiche lange wei\u00dfe Fahnen aus halb zerst\u00f6rten H\u00e4usern wehen sieht, bleiben Truppenteile und Artillerie schu\u00dffertig. Mindestens in Simmering, in Meidling und in Floridsdorf gibt es noch mit unerh\u00f6rter Tapferteit verteidigte Widerstandsnester. Der einer Festung gleichende Karl-Marr-Hof ist zum Teil und einige andere H\u00e4userblocks sind noch nicht genommen, und es wird jeder Bewaffnete, der sich n\u00e4hert, von den Verteidigern beschossen. Im Karl-Marx-Hof wird um jedes Zimmer gek\u00e4mpft. Ein Teil der Schutzb\u00fcndler haben sich nach Kagran zur\u00fcckgezogen, wo sie angeblich Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgeworfen haben sollen. Die Regierung hat auf dem Bisamberg eine Batterie Haubitzen in Stellung gebracht, um den Widerstand an brechen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Bundesregierung geht mit der grausamster Brutalit\u00e4t vor, weil sie bef\u00fcrchtet, da\u00df bei einer Fortdauer der K\u00e4mpfe ihre Position gegen\u00fcber den Nationalsozialisten unhaltbar werben k\u00f6nnte. Die Truppenkonzentrationen richten sich jetzt gegen Wiener Neustadt, Kagran, Stadlau und Kirchenst\u00e4dten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Siegesbulletin&quot;<br \/> Die erste Kopfpr\u00e4mie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Das Bundeskanzleramt teilt mit: &quot;Die rote Revolte ist vollkommen niedergebrochen. Aus allen Teilen des Bundesgebiets laufen die Meldungen \u00fcber einen vollst\u00e4ndigen Zusammenbruch der roten Revolte ein. Es wird \u00fcberall normal gearbeitet und fast keinerlei Widerstand geleistet. Selbst in den Hauptzentren des bisherigen Widerstandes, wie in Obersteiermark z. B. befindet sich der Schutzbund auf der Flucht. Der Leiter des dortigen Widerstandes, der fr\u00fchere sozialistische Abgeordnete Koloman Wallisch, ist mit etwa 120 Schutzb\u00fcndlern fl\u00fcchtig und hat sich in die W\u00e4lder der Umgebung von Bruck an der Mur zur\u00fcckgezogen. Auf seine Ergreifung ist von Vizekanzler Fey eine Pr\u00e4mie von 1000 Schilling ausgesetzt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien hat die Er\u00f6ffnung des Artilleriefeuers auf die von den Sozialdemokraten besetzten Teile von Floridsdorf bewirkt, da\u00df sie ihre Stellung verlassen haben und auf einer Anzahl von Gemeindeh\u00e4usern wei\u00dfe Fahnen hi\u00dften. Die letzten Widerstandsnester werden r\u00fccksichtslos niedergek\u00e4mpft werden. Auch in Simmering wurde auf mehreren roten Gemeindeh\u00e4usern die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft. Die Sicherheitswache, Schutzkorps und Bundesheer haben in Linz eine vollst\u00e4ndige S\u00e4uberung vorgenommen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Trotzdem bleibt wahr, da\u00df noch immer tausende Schutzb\u00fcndler die Waffen nicht gestreckt haben und sich wehren bis zum letzten Mann.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Widerstand bis zum Aeu\u00dfersten&quot;<br \/> Im Gebirge<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 15. Febr. Die Agentur Sud-Est berichtet aus Wien, da\u00df es 2000 Schutzb\u00fcndlern gelungen ist, sich auf dem Laaer Berg s\u00fcdlich von Wien zu sammeln. Sie schienen reichlich \u00fcber Waffen und Munition zu verf\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach der gleichen Quelle sollen die Sozialdemokraten zahlreiche Flugschriften zur Verteilung gebracht haben, in denen zum Widerstand bis zum Aeu\u00dfersten aufgefordert und angek\u00fcndigt werde, da\u00df demn\u00e4chst 40&nbsp;000 Schutzb\u00fcndler in Wien eintreffen w\u00fcrden, um die belagerten Punkte zu verst\u00e4rken und um zu versuchen, gegen die Regierungsstreitkr\u00e4fte die Offensive zu ergreifen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Sch\u00f6nf\u00e4rberei und Rache<br \/> Halbamtliche Berichte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>bnb. Wien, 15. Februar. Der Wiener Industriellenverband hat bekanntgegeben, da\u00df am Mittwoch in allen Betrieben, soweit sie nicht in den umk\u00e4mpften Gebieten liegen, die Arbeit bereits wieder aufgenommen worden sei. Die Generalstreikparole habe keinen Widerhall gefunden. Vielmehr seien die Belegschaften nahezu vollst\u00e4ndig wieder erschienen. Wie die halbamtliche Politische Korrespondenz meldet, st\u00fcnden in jedem Bundesland h\u00f6chstens noch die Belegschaften von ein bis zwei Betrieben im Streit; lediglich in Steiermark h\u00e4tten f\u00fcnf bis zehn Betriebe die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien ist der Direktor der St\u00e4dtischen Leichenbestattungshalle seines Amtes enthoben worden, weil es unter seiner Leitung m\u00f6glich gewesen sei, da\u00df der Republikanische Schutzbund auf dem Zentralfriedhof ein Waffenlager angelegt habe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Nieder\u00f6sterreich sind die Mandate von 4121 sozialdemokratischen Gemeindevertretern erloschen. Rund 150 Gemeindevertretungen sind aufgel\u00f6st worden. In anderen Bundesl\u00e4ndern, die weniger stark industrialisiert sind, sind die entsprechenden Ziffern geringer. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, da\u00df es der Regierung nach Aberkennung der sozialdemokratischen Mandate keine Schwierigkeiten mehr bereiten w\u00fcrde, den Nationalrat einzuberufen und auf diesem Wege eine Verfassungs\u00e4nderung auf &quot;legalem&quot; Wege durchzuf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die &quot;Reichspost&quot; macht den Vorschlag, aus dem Verm\u00f6gen der Austro-Marxisten einen Fonds zu bilden, der dann zur Wiedergutmachung der durch die K\u00e4mpfe angerichteten Sch\u00e4den zu verwenden sei.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Amtliche Greuelmeldung<br \/> Schutzb\u00fcndler &quot;massenhaft&quot; niedergemacht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie amtlich mitgeteilt wird, wurden in Thomasroith (Ober\u00f6sterreich) vier Wehrleute, die einen schwer: verlegtzten Kameraden bergen wollten, von Schutzb\u00fcndlern beschossen, so da\u00df drei von den Wehrm\u00e4nnern fielen. Als das Bundesheer in das dortige Arbeiterheim eindrang, das die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft hatte, wurde es wiederum beschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und machten alle Schutzb\u00fcndler an Ort und Stelle nieder.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Linz wurde ein Auto, in dem ein Oberleutnant eines Alpenj\u00e4gerregiments, drei Mann und der Chauffeur sa\u00dfen, beschossen. Alle f\u00fcnf Insassen des Antos wurden get\u00f6tet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Selbst diese zweifellos gef\u00e4rbte amtliche Meldung l\u00e4\u00dft erkennen, mit welcher Grausamkeit die Regierungstruppen Rache nehmen. Die entschuldigenden Angaben in der Meldung sind zweifellos nur eingef\u00fcgt worden, um das furchtbare Massakre an den Schutzb\u00fcndlern einigerma\u00dfen zu rechtfertigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Verhafteten<br \/> 50 sozialdemokratische F\u00fchrer in Oesterreich verhaftet<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Au\u00dfer dem ehemaligen B\u00fcrgermeister von Wien Seitz sind jetzt \u00fcber 50 sozialdemokratische F\u00fchrer verhaftet worden, unter denen sich der bekannte Sozialdemokrat Dr. Karl Renner, ferner der ehemalige General und Schutzbundf\u00fchrer Theodor K\u00f6rner, zwei Bundesr\u00e4te, f\u00fcnf Stadtr\u00e4te, zahlreiche Gemeinder\u00e4te und B\u00fcrgermeister, Magistratsdirektoren, der Obmann der sozialdemokratischen Parteiorganisation Frey, der Oberinspektor des Elektrizit\u00e4tswertes, der Chefredakteur des sozialistischen &quot;Kleinen Blattes&quot; befinden. Weitere Verhaftungen von sozialdemokratischen F\u00fchrern sollen bevorstehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>16 Beamte des &quot;Reichsvereins der Bankbeamten&quot; sind unter dem Verdacht verhaftet worden, Gelder aus den Depots des Reichsvereins abgehoben und dem Schutzbund zugef\u00fchrt zu haben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die zweite Hinrichtung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Nachdem das Todesurteil an dem aufst\u00e4ndischen F\u00fchrer Munichreither bereits am Nachmittag vollstreckt worden war, ist um 0,42 Uhr auch der zum Tode verurteilte Kommandant der Floridsdorfer Hauptfeuerwache, Ingenieur Weissel, hingerichtet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Gewerkschaftsinternationale<br \/> Solidarit\u00e4t,<br \/> gleichviel wie der Kampf auslaufen m\u00f6ge<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 15. Febr. Der Vorstand der Gewerkschaftsinternationale hat in Paris eine dringliche Sitzung abgehalten und in einer Entschlie\u00dfung beschlossen, alle erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um praktisch die internationale Arbeitersolidarit\u00e4t gegen\u00fcber dem \u00f6sterreichischen Proletariat zu zeigen, gleich viel wie der Kampf auslaufen m\u00f6ge. Die Entschlie\u00dfung erhebt Einspruch gegen das Vorgehen der Polizei und der Truppen gegen Frauen und Kinder sowie gegen die Repressalien gegen M\u00e4nner, die ihre Freiheiten verteidigten, Vorkommnisse, die internationale Verwicklungen hervorriefen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Zwei Urteile<br \/> Kommunisten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einer eigenen Meldung aus Wien vom 14. Februar, die durch Vermittlung eines \u00f6sterreichischen Vertrauensmannes unmittelbar aus dem Kampfgebiet stammte, haben wir berichtet:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Versuche, sozialdemokratische F\u00fchrer zu diffamieren, werden diesmal nicht gelingen. Ohne Widerstand verhaftet wurden nur greise Veteranen der Partei, die auf ihren politischen Posten in der inneren Stadt auf Parteibefehl aushalten mu\u00dften, wie etwa der siebzigj\u00e4hrige B\u00fcrgermeister Seitz, der schwer herzleidend im Gef\u00e4ngnislazarett liegt. Dr. Julius Deutsch und Otto Bauer haben sich f\u00fchrend und aktiv an den K\u00e4mpfen beteiligt und den Arbeitern ein Beispiel pers\u00f6nlicher Tapferkeit gegeben. Otto Bauer konnte sich nach dem Zusammenbruch seines Frontabschnittes in Sicherheit bringen. Ueber das Schicksal von Dr. Julius Deutsch, den Gr\u00fcnder und F\u00fchrer des Schutzbundes und fr\u00fcheren Wehrminister, ist zur Stunde nichts bekannt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das kommunistische Blatt in Saarbr\u00fccken nimmt aus dieser Meldung den vorletzten Satz heraus und f\u00e4lscht also die Tatsachen in ihr Gegenteil um. Selbst die Faschisten haben die Tapferkeit von sozialdemokratischen F\u00fchrern und Massen in Oesterreich anerkannt. Es gen\u00fcgt, die Gemeinheit einer solchen Leistung der kommunistischen Presse wiederzugeben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Faschisten<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von S. 7)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einem Berliner Telefonat \u00fcber das Echo der \u00f6sterreichischen K\u00e4mpfe sagt die Basler &quot;National- Zeitung&quot;, da\u00df die tapfere Haltung der \u00f6sterreichischen Sozialisten, die ganz anders als die deutschen f\u00fcr ihr Ideal zu sterben wissen, weit herum, ja selbst bei Nationalsozialisten, Bewunderung errege. Offen wird ausgesprochen, da\u00df die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie, auch wenn sie jetzt von den Kanonen des Bundesheeres niederkart\u00e4tscht wird, im Gegensatz zur deutschen geistig weiter leben werde und eines Tages wieder auferstehen k\u00f6nne. Nach hier allgemein verbreiteter Ansicht ist es ganz ausgeschlossen, da\u00df das Regime Dollfu\u00df nach den furchtbaren Ereignissen, auch wenn es momentan obsiegen sollte, noch von Dauer sein k\u00f6nnte. Die allern\u00e4chste Zeit schon werde die Entscheidung bringen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ignotus:<br \/> Blutiges Gesch\u00e4ft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Helden und H\u00e4ndler stehen gegeneinander. Auf der einen Seite der heldenhafte Kampf f\u00fcr die Idee, noch ein Todeskampf der Freiheit. Auf der anderen Seite ein schmutziges und blutiges Gesch\u00e4ft. Die H\u00e4ndler siegen, die Helden sterben. Das ist \u00f6sterreichische Trag\u00f6die. Ein telefonischer Bericht, den &quot;Le Temps&quot; am 13. Februar aus Rom erhalten hat, enth\u00fcllt das Gesch\u00e4ft. &quot;Politische Kreise (in Rom) erkl\u00e4ren sich zufrieden mit den energischen Ma\u00dfnahmen der Regierung Dollfu\u00df. Sie sind der Auffassung, da\u00df der Aufstand als gescheitert betrachtet sein kann, und sie begr\u00fc\u00dfen (&quot;ils applaudissent&quot;; sie klatschen Beifall!) die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei. Man darf nicht vergessen, da\u00df Italien immer von der Auffassung ausging, da\u00df eines der besten Mittel f\u00fcr Oesterreich, den Widerstand gegen die rote sowie die hitlersche Gefahr zu leisten, die Uebernahme der faschistischen Methoden sei. Aus diesem Grunde hat Rom immer die Heimwehren ermuntert, die ihm als die repr\u00e4sentativsten Elemente des \u00f6sterreichischen Faschismus erschienen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung Dollfu\u00df macht Oesterreich zum faschistischen Vasallenstaat. Das ist der Preis, den Italien f\u00fcr den Schutz Oesterreichs gegen Hitler erhalten soll. Der franz\u00f6sische Senator Berenger, der Vorsitzende der ausw\u00e4rtigen Kommission des Senates, also ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gut informierter Politiker, schreibt sogar in einem Artikel, da\u00df Oesterreich von italienischer Seite ganz bestimmte Versprechen erhalten hat im Sinne der Besetzung irgend welcher Form des \u00f6sterreichischen Bodens durch Italien, um auf diese Weise diesen Boden gegen die deutschen Unternehmungen zu sch\u00fctzen. Italien benutzt die verzweifelte Lage Oesterreichs, um es faktisch zu seiner Provinz zu machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nun h\u00e4tte die Lage Oesterreichs gar nicht so verzweifelt werden m\u00fcssen, h\u00e4tte nicht Italien von vornherein auf die Faschisierung Oesterreichs gedr\u00e4ngt, d. h. auf die Unterdr\u00fcckung des gro\u00dfen Teils des Volkes und eben des Teiles, der f\u00fcr den Kampf gegen den Nationalsozialismus und f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs in erster Linie in Frage kam. Italien hat eine an sich nicht bedeutende Minderheit unterst\u00fctzt, die bereit war, sich als eine besondere \u00f6sterreichische Abart des Faschismus zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Massen, soweit sie hinter diesem Austrofaschismus stehen, werden noch ihre bitteren Entt\u00e4uschungen erleben. Nutznie\u00dfer des Gesch\u00e4fts hoffen die machtlustigen, reaktion\u00e4ren politischen Cliquen zu werden, die nicht imstande w\u00e4ren, ohne italienische Unterst\u00fctzung an der Macht zu bleiben. Sie hoffen es. Sie hoffen, da\u00df sie, nachdem sie sich im Marxistenblut gebadet haben, gegen die Angriffe des Nationalsozialismus immun geworden sind. Sie glauben: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr\u2026 darf bleiben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Herr Dollfu\u00df war gebunden durch die Verpflichtungen, die er dem franz\u00f6sischen Au\u00dfenminister Paul Boncour gegen\u00fcber \u00fcbernommen hatte. Er benutzte den Regierungswechsel in Frankreich, um seine Verpflichtungen zu brechen und den B\u00fcrgerkrieg, dem in Rom Beifall geklatscht wird, auszul\u00f6sen. Er hat feierlich den \u00f6sterreichischen Schritt bei dem V\u00f6lkerbund angek\u00fcndigt, hat sich durch sein Kabinett die Vollmacht zu diesem Schritte geben lassen und ist dann nach Budapest gefahren. Es wurde allgemein anerkannt, da\u00df diese Reise an sich ohne irgendwelche politische Bedeutung war. Offenbar diente sie nur dem Zweck, den Schritt bei dem V\u00f6lkerbund zu verz\u00f6gern. Italien war n\u00e4mlich gegen den \u00f6sterreichischen Schritt. In Paris ist stark die Auffassung vertreten, da\u00df Dollfu\u00df vielleicht \u00fcberhaupt auf die Anrufung des V\u00f6lkerbundes verzichten und sich allein auf den versprochenen Schutz Italiens, voraussichtlich durch die italienische Okkupation, verlassen wird. Die andere M\u00f6glichkeit ist, da\u00df Italien eine &quot;Bereinigung&quot; der inneren Lage, d. h. die Vernichtung der Sozialdemokratie und die Sicherung der faschistischen Gleichschaltung vor der Anrufung des V\u00f6lkerbundes verlangte. Auf jeden Fall wollte Dollfu\u00df vor dieser &quot;Bereinigung&quot; den V\u00f6lkerbund nicht anrufen. Er fuhr nach Budapest und seine Mitarbeiter bereiteten die Aktion gegen die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Werden sich die Hoffnungen des Herrn Dollfu\u00df erf\u00fcllen? Wird der Mohr, der seine Schuldigkeit mit solchem Aufwand von Blut getan hat, bleiben oder gehen? Es bleibt noch die dritte Macht, mit der abgerechnet werden mu\u00df: der deutsche Nationalsozialismus. Wird nicht Italien versuchen, mit Hitler zum Kompromi\u00df in der \u00f6sterreichischen Frage zu kommen, und wird es nicht bereit sein, zu diesem Zwecke seine heutigen Werkzeuge morgen zu opfern? Italien ist auch sch\u00e4rfster Gegner des Anschlusses. Es liegt nahe, da\u00df Italien ein Kompromi\u00df mit Hitler zu erreichen versuchen wird, etwa auf der Grundlage: Oesterreich unter dem italienischen Protektorat, &quot;unabh\u00e4ngig&quot;, d. h. vom &quot;dritten Reiche&quot; getrennt, aber mit ihm eng verb\u00fcndet, und auf anderer Seite deutsche Aufr\u00fcstung, von Italien tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, vielleicht auch ein formelles deutsch-italienisches B\u00fcndnis. Wozu wird Italien dann noch den von der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit des \u00f6sterreichischen Volkes geha\u00dften Dollfu\u00df brauchen? Es wird schon f\u00fcr die italienische Provinz ein besserer Statthalter zu finden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Trotz aller Zur\u00fcckhaltung, die in Paris ge\u00fcbt wird, l\u00e4\u00dft die franz\u00f6sische Presse durchblicken, da\u00df die Besorgnisse au\u00dferordentlich stark sind. Die Faschisierung Oesterreichs unter dem italienischen Protektorat mu\u00df auch in Frankreich als ein ungeheurer Schlag gegen die franz\u00f6sische Politik empfunden werden. Auch wenn es wirklich gelingt, was noch gar nicht sicher ist, den nationalsozialistischen Anschlag auf Oesterreich abzuwehren, so erscheint auch die Perspektive eines faschistischen Blocks, der das Mitteleuropa von Meer zu Meer beherrschen w\u00fcrde, als sehr gef\u00e4hrlich. Die Kleine Entente und Polen, von Frankreich durch faschistisch begrenzten Raum abgetrennt, w\u00fcrden dann diesem Faschistenblock v\u00f6llig ausgeliefert. Namentlich w\u00fcrde dann faktisch Italien zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien liegen. Jugoslawien w\u00fcrde durch Italien, die Tschechoslowakei durch Deutschland, Ungarn und Italien auf bedrohlichste Weise umzingelt sein. Wenn man dieses Bild vor Augen hat, so sp\u00fcrt man schon die Fronten des neuen Weltkrieges.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Diese verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung kann nur durch eine wirklich energische politische Gegenoffensive aufgehalten werden, und die Mitwirkung Englands w\u00e4re f\u00fcr diese Gegenoffensive von entscheidender Bedeutung. Vorl\u00e4ufig \u00e4u\u00dfert sich die italienische Politik in Orakelspr\u00fcchen. Wird es Frankreich gelingen, die Klarheit \u00fcber die Haltung Englands herbeizuf\u00fchren? Wird es ihm gelingen, England f\u00fcr die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung seiner Bem\u00fchungen zu gewinnen? Das sind heute die Fragen, von denen unendlich viel abh\u00e4ngt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>H\u00e4ndler siegen, Helden sterben. Das unheimliche Gesch\u00e4ft geht weiter. Es ist aber neue Kraft in der Welt entstanden: Die Fahne der Freiheit, die noch einmal vom Blute der sozialistischen Arbeiter rot geworden ist. Unsere \u00f6sterreichischen Br\u00fcder haben gezeigt, wie gek\u00e4mpft wird. Diese Lehre wird ab heute den Gang der Geschichte beeinflussen. Es wird die Stunde der Helden kommen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Verzweifelt wird weitergek\u00e4mpft<br \/> Die Lage in der Provinz<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Deutsche Nachrichten-B\u00fcro meldet aus M\u00fcnchen, 14. Februar: Nach den dem \u00f6sterreichischen Pressedienst vorliegenden Nachrichten aus Oesterreich ist die Lage im ganzen Lande nach wie vor sehr ernst.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der Stadt Steyr in Ober\u00f6sterreich sind die Aufst\u00e4ndischen immer noch Herren der Lage, nachdem sie lediglich einen Teil der Stadt nach heftigem Artilleriefeuer r\u00e4umen mu\u00dften. Die Stadt ist vom Bahnverkehr abgeschnitten, da die Marxisten die Bahngleise nach St. Valentin gesprengt haben. Eine Gendarmerieabteilung wurde von den Marxisten \u00fcberfallen und lie\u00df elf Tote am Plage zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Salzburger Bahnhof wurde am Mittwoch eine Lokomotive auf der Drehscheibe vor dem Lokomotivschuppen umgest\u00fcrzt, so da\u00df die anderen Lokomotiven nicht ausfahren konnten. Der Bahnhof wurde sp\u00e4ter von einer Abteilung des Schutzkorps besetzt. In der N\u00e4he von Puch sprengten die Marxisten einen Elektrizit\u00e4tsmast der wichtigen Bahnstrecke Salzburg-Bischofshofen, so da\u00df der Verkehr nur noch eingleisig aufrechterhalten werden kann. In Zell am See weigerten sich Angeh\u00f6rige der Heimwehren, zum Schutzkorps einzur\u00fccken und weinten, als sie dazu gezwungen wurden. In Hallein bef\u00fcrchtet man den Ausbruch von Unruhen. 90 Mann der Salzburger Garnison wurden dorthin abkommandiert.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stadt Graz war am Dienstag abend ohne Licht. Die Stra\u00dfenbahn und die Bundesbahn konnten nicht verkehren. Die Fernsprechverbindungen sind zum gr\u00f6\u00dften Teil unterbrochen. Die Stimmung auf der Regierungsseite ist \u00e4u\u00dferst gedr\u00fcckt. Der Kommandant der berittenen Polizei ist in den K\u00e4mpfen gefallen. Die Heimwehr wurde bisher lediglich zur Bewachung von Parkpl\u00e4tzen eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Eggenberg bei Graz war es am Dienstag nachmittag erneut zu schweren K\u00e4mpfen gekommen. Die Kasernen der Gendarmerie und Polizei wurden von Sozialdemokraten gest\u00fcrmt. Was sich zur Wehr setzte, wurde niedergemacht, die \u00fcbrigen gefangen genommen. Je ein Ueberfallauto der Polizei und der Gendarmerie, die zur Hilfe geeilt waren, mu\u00dften sich nach kurzem Handgemenge ergeben. Sp\u00e4ter wurden Alpenj\u00e4ger und weitere Verst\u00e4rkungen der Gendarmerie eingesetzt, worauf sich die Sozialdemokraten in der Richtung auf G\u00f6sting&nbsp;<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/a> zur\u00fcckzogen. Auf seiten der Marxisten wurden hier in den Stra\u00dfenk\u00e4mpfen auch Minenwerfer benutzt, die unter den Regierungstruppen verheerend gewirkt haben sollen. Schlie\u00dflich wurde Artillerie eingesetzt, die die Stellungen der Marxisten die ganze Nacht \u00fcber ununterbrochen beschossen. Die Glasfabrik G\u00f6sting ist nur noch ein Tr\u00fcmmerhaufen. Bisher wurden \u00fcber 60 Tote gez\u00e4hlt. Gr\u00f6\u00dfere Unruhen werden auch aus Obersteiermark gemeldet. Im oberen Ennstal hat die Gendarmerie mehrere Tote zu verzeichnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Bruck an der Mur haben die Schutzb\u00fcndler noch immer die wichtigsten Punkte in der Hand. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise lahmgelegt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien, wo die ganze Nacht zum Mittwoch und auch am Mittwoch vormittag unausgesetzt Maschinengewehrfeuer und Kanonendonner zu h\u00f6ren war, befinden sich das Leopoldsauer Gaswerk und das Elektrizit\u00e4tswerk immer noch in den H\u00e4nden des Republikanischen Schutzbundes. Die Regierung wagt es nicht, diese st\u00e4dtischen Anlagen mit schwerem Feuer zu belegen, um diese lebenswichtigen Anlagen nicht der Gefahr der Vernichtung auszusetzen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>In den Wiener Vororten<br \/> Ottakring &#8211; Meidling &#8211; Floridsdorf<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Februar.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Kampfhandlungen haben am Mittwochvormittag wieder in gr\u00f6\u00dferem Umfange eingesetzt. Die K\u00e4mpfe erstrecken sich jetzt haupts\u00e4chlich auf den Abschnitt Floridsdorf. Die Regierungstruppen nahmen nach l\u00e4ngerer Artillerievorbereitung die Gartenstadt sowie einen gr\u00f6\u00dferen Gemeindebau.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Floridsdorf soll gegenw\u00e4rtig von allen Seiten von den Regierungstruppen eingeschlossen sein. Den Schutzb\u00fcndlern soll ein um 12 Uhr ablaufendes Ultimatum gestellt worden sein, die Waffen abzuliefern und sich zu ergeben, andernfalls das gesamte Gebiet, in dem sich die Schutzb\u00fcndler verschanzt haben, vollst\u00e4ndig mit Artillerie zusammengeschossen w\u00fcrde. Aus St. P\u00f6lten sind am Vormittag die Artillerie und Regierungstruppen eingetroffen und sofort in Floridsdorf in den Kampf eingelegt worden. Die Zahl der Schutzb\u00fcndler in Floridsdorf wird halbamtlich mit 3000 Mann angegeben. Schwere K\u00e4mpfe sollen gegenw\u00e4rtig auch an der Philadelphiabr\u00fccke im Gange sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch aus Ottakring werden K\u00e4mpfe gemeldet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Mittagsstunden des Mittwoch wird von amtlicher Seite (daher braucht es auch nicht so ganz zu stimmen) mitgeteilt, da\u00df der letzte Kampfabschnitt, der noch in gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00dfe im Besitz der Schutzb\u00fcndler war, n\u00e4mlich die Stellungen in Floridsdorf, von ihnen ger\u00e4umt worden sind und sich nunmehr vollst\u00e4ndig im Besitze der Regierungstruppen befinden. Die Schutzb\u00fcndler haben sich in Floridsdorf ergeben und die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft. Auch die K\u00e4mpfe an der Philadelphiabr\u00fccke sind gegen Mittag zu Ende gegangen. Auch in den anderen Kampfabschnitten sind die Schutzb\u00fcndler im R\u00fcckzug. Aus einzelnen Arbeiterh\u00e4usern sind bereits wei\u00dfe Fahnen gehi\u00dft. Bei der Besetzung wurden Mengen von Waffen und Munition aufgefunden. Im 12. Bezirk ergab sich ebenfalls eine gro\u00dfe Anzahl von Schutzb\u00fcndlern. Da die Polizei zum Abtransport der Gefangenen nicht ausreichte, wurden die in der Umgebung liegenden Magazine besetzt und die Gefangenen dort sofort eingesperrt. Die Truppen haben am Vormittag eine systematische Durchsuchung s\u00e4mtlicher roten Gemeindeh\u00e4user vorgenommen, die von den sozialdemokratischen Gemeindeverwaltungen seit Jahren mit \u00f6ffentlichen Mitteln als strategische St\u00fctzpunkte f\u00fcr einen etwaigen B\u00fcrgerkrieg hergerichtet waren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Gaswerk Leopoldsau an der Grenze von Floridsdorf, das bisher ununterbrochen von Schutzb\u00fcndlern besetzt war, ist ebenfalls in die H\u00e4nde der Regierungstruppen gefallen. Im Judenhof, ebenfalls in Floridsdorf, versuchten sich die Schutzb\u00fcndler zun\u00e4chst in Stellungen einzugraben. Das Polizeikommissariat im Bezirk Floridsdorf, das seit Beginn des Aufstandes inmitten des Schutzfeldes sowohl von seiten der Regierungstruppen wie auch der Schutzb\u00fcndler lag, hatte schon in den Vormittagsstunden Luft bekommen, so da\u00df es zum erstenmal seit diesen Tagen verlassen werden konnte. Bei dieser Einzelaktion sollen 100 Gefangene gemacht worden sein. Die Leiche des am Dienstag get\u00f6teten Bezirkshauptmannes Friedrich wurde in Floridsdorf gefunden. Im Schlingerhof (Floridsdorf), der von den Regierungstruppen mit Minen beschossen worden war, sind jetzt 50 Tote aufgefunden worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Meidling haben die Schutzb\u00fcndler noch den Wiener Berg besetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Im Bezirk Meidling setzten heute mittag Regierungstruppen zum Angriff auf das Meidlinger Gemeindehaus, einen ausgedehnten Geb\u00e4udekomplex, an, in dem sich die Schutzb\u00fcndler verschanzt hatten. Die Regierungstruppen beschossen das Geb\u00e4ude zwei Stunden lang mit Maschinengewehren. Schlie\u00dflich wurde ein Panzerwagen eingesezt. Vor Er\u00f6ffnung des Feuers war den Frauen und Kindern gestattet worden, mit ihren Sachen das Gemeindehaus zu verlassen. Von den Schutzb\u00fcndlern wurde aus allen Fenstern das Feuer heftig erwidert. Eine Frau wurde durch Querschl\u00e4ger get\u00f6tet. Der Kampf ist zur Stunde noch im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Kr\u00f6nung<br \/> 36 sozialdemokratische Verb\u00e4nde und Vereine aufgel\u00f6st<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Die amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Das Bundeskanzleramt hat die Aufl\u00f6sung von insgesamt 36 sozialdemokratischen Vereinen verf\u00fcgt. Darunter befinden sich s\u00e4mtliche Zentralorganisationen der \u00f6sterreichischen sozialdemokratischen Partei, einschlie\u00dflich der freien Gewerkschaften, deren Spitzenverband, der Bund der Freien Gewerkschaften \u00d6sterreichs, ebenfalls der Aufl\u00f6sung verfallen ist. Die \u00fcbrigen sind die sozialistischen Arbeitervereine, die Touristen- und Sportvereinigungen sowie die gesellschaftlichen Vereinigungen, die unmittelbar der sozialdemokratischen Partei angegliedert waren.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Held Munichreither<br \/> Der Schwerverwundete geh\u00e4ngt\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Das vom Standgericht gegen den Schutzb\u00fcndler Karl Munichreither verh\u00e4ngte Todesurteil ist um 16.41 Uhr durch den Strang vollzogen worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Drei Stunden nach dem ungeheuerlichen Urteil des Wiener Standgerichtes wurde im Namen des Verfassungsbruches, im Namen des Staatsstreichs der Schutzbundf\u00fchrer Munichreither &quot;gerichtet&quot;. Der Schwerverwundete mu\u00dfte also die Rache der entmenschten Soldateska sehr schnell \u00fcber sich ergehen lassen. Eine Ungeheuerlichkeit, die die ganzen verbrecherischen Methoden der \u00f6sterreichischen Gewaltmenschen und Faschisten der gro\u00dfen Oeffentlichkeit enth\u00fcllt. Das ist kein Richten, das ist grausamer barbarischster Mord.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzb\u00fcndler Munichreither war ein Held. Er wurde von der Meute der Reaktion kaltbl\u00fctig und wohl\u00fcberlegt gemordet. Wie das die christlichen Heuchler, die in Oesterreich triumphieren wollen, mit ihrer Religion in Einklang bringen, bleibt allen religi\u00f6s und menschlich Empfindenden unerkl\u00e4rlich. Munichreither ist tot. Die k\u00e4mpfende Arbeiterschaft der ganzen Welt wird ihn und die Helden des Kampfes um Wien in ewiger Erinnerung behalten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auf der Tragbahre\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Der Senat des Standgerichtes, der aus drei Oberlandesgerichtsr\u00e4ten zusammengesetzt ist, trat heute zum ersten politischen Standgerichtsproze\u00df zusammen. Gegen zehn Mitglieder des Sozialistischen Schutzbundes ist Anklage auf Aufruhr im Sinne des Standrechtes erhoben worden. Zwei der Angeklagten, die bei den letzten K\u00e4mpfen schwere Verletzungen erlitten hatten, mu\u00dften auf Tragbahren in den Sitzungssaal gebracht werden, sie wurden jedoch vom Gericht f\u00fcr verhandlungsf\u00e4hig erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bei den Angeklagten handelt es sich \u00fcberwiegend um erwerbslose Arbeiter. Ein Abschlu\u00df der Verhandlung ist f\u00fcr heute noch nicht zu erwarten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Weitere Standgerichte zusammengetreten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Am Nachmittag sind drei weitere Standgerichte zusammengetreten. Angeklagt ist u. a. der Kommandant der Hauptfeuerwache in Floridsdorf, Ingenieur Weizel. Von dieser Wache wurde die Polizei wiederholt beschossen, wobei zehn Wachbeamte, darunter der Stabshauptmann Friedrich, get\u00f6tet wurden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 7 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Labour bekundet Solidarit\u00e4t<br \/> Helft durch Taten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der britische Gewerkschaftskongre\u00df und die britische Labourpartei haben einen Hilfsaufruf ver\u00f6ffentlicht. In ihm sieht die organisierte britische Arbeiterschaft nunmehr ein, da\u00df &quot;die \u00f6sterreichische Regierung nicht einmal behaupten kann, von mehr als einem kleinen Bruchteil des Volkes gest\u00fctzt zu werden.&quot; Die Abwehr gegen den Nationalsozialismus sei zur Entschuldigung f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Freiheit und der parlamentarischen Demokratie gemacht worden. Die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft habe ihr Aeu\u00dferstes zur Vermeidung eines B\u00fcrgerkrieges getan. Die \u00f6sterreichische Regierung habe darauf bestanden, sie zu provozieren. Deshalb erkl\u00e4rt die britische Arbeiterbewegung von neuem ihre Solidarit\u00e4t mit den \u00f6sterreichischen Arbeitern und deren F\u00fchrern. Der Aufruf schlie\u00dft mit der Bitte um Unterst\u00fctzungsgelder f\u00fcr die Opfer der \u00f6sterreichischen Arbeiterklasse. Der &quot;Daily Herald&quot;, das britische Arbeiterblatt, schlie\u00dft seinen Leitartikel zu diesem Aufruf mit dem Satze: &quot;L\u00e4nder, die bisher geneigt waren, hilfsbereit gegen\u00fcber Oesterreich zu sein, werden sich nun eine neue Ansicht \u00fcber einen Staat bilden, in welchem die M\u00e4nner und Frauen des Volkes nicht die Freiheit haben, ihre Seelen ihr eigen zu nennen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein geschichtliches Dokument<br \/> Wortlaut des Verbots der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verordnung der Bundesleitung vom 12. Februar, wodurch der Sozialdemokratischen Partei die Bet\u00e4tigung verboten wird, hat folgenden Wortlaut:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 1. Der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs wird jede Bet\u00e4tigung verboten. Die bestehenden Organisationen dieser Partei sind aufgel\u00f6st; die Bildung neuer sozialdemokratischer Organisationen ist verboten. Es ist jedermann untersagt, sich irgendwie au\u00dferhalb dieser Organisationen f\u00fcr diese Partei zu bet\u00e4tigen. Das Tragen von Abzeichen dieser Partei ist untersagt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 2. Auch die Aus\u00fcbung eines Mandats im Sinne der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs gilt als Bet\u00e4tigung f\u00fcr die Sozialdemokratische Partei und unterliegt dem Verbot des \u00a7 1.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften des \u00a7 1 werden unbeschadet der allf\u00e4lligen strafrechtlichen Verfolgung von der politischen Bezirksbeh\u00f6rde bzw. Bundespolizei mit Geldstrafe bis zu 2000 Schilling oder mit Arrest bis zu sechs Monaten bestraft. Diese Strafen k\u00f6nnen auch nebeneinander verh\u00e4ngt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ernster Konflikt in Aussicht&quot;<br \/> Der &quot;Sieger&quot; Dollfu\u00df<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 15. Febr. Die Vorg\u00e4nge in Oesterreich bilden weiter eines der Hauptthemata der franz\u00f6sischen Presse.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einem Artikel des &quot;Journal&quot; wird einleitend bemerkt, trotz der vorbeugenden Verhaftung einiger F\u00fchrer h\u00e4tten die Sozialdemokraten sehr beachtliche Kampfdisziplin bewiesen. Da\u00df sie \u00fcber Waffen verf\u00fcgten, sei ein Beweis f\u00fcr die &quot;Wirksamkeit&quot; der Abr\u00fcstung und Kontrolle. England vertrete den Standpunkt, da\u00df der V\u00f6lkerbundsrat, wenn ihm der Streit vorgelegt werde, zun\u00e4chst einmal wissen m\u00fcsse, was Deutschland zu sagen habe, gerade als ob Deutschland etwas zu sagen habe, wenn die Ereignisse zu seinen Gunsten arbeiten, solange Italien nicht freim\u00fctig mit der Kleinen Entente zusammenarbeite und solange England nicht auf die Pontius Pilatus-Rolle verzichte. Es sei h\u00f6chste Zeit, eine entschiedene franz\u00f6sische Leitung zum Zusammenschlu\u00df der Energie und des gesunden Menschenverstandes aufzurufen. Der franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Barthou habe da eine sch\u00f6ne Rolle vor sich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der sozialistische &quot;Populaire&quot; schreibt, Bundeskanzler Dollfu\u00df habe durch seinen Gewaltstreich Oesterreich Hitler ausgeliefert. Wenn das \u00f6sterreichische Proletariat unterliege, w\u00fcrden sich die \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten mit Unterst\u00fctzung der deutschen Nationalsozialisten leicht der Regierungsgewalt bem\u00e4chtigen. Die Sozialdemokratie sei die einzige demokratische St\u00fctze in Oesterreich. Dadurch, da\u00df Dollfu\u00df sie verr\u00e4terischerweise angegriffen und zur Erhebung gezwungen habe, habe er die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs verraten. Da Italien niemals zulassen werde, da\u00df Deutschland Oesterreich mit Beschlag belege, sei ein ernster Konflikt in Aussicht.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Le Jour&quot; schreibt, selbst wenn die besiegten Sozialdemokraten nicht zu den Hitleranh\u00e4ngern \u00fcberlaufen, w\u00fcrden Dollfu\u00df und seine Verb\u00fcndeten mit den M\u00e4nnern in Berlin sich um ihre Diktatur streiten m\u00fcssen. Italien scheine an der Brennergrenze Truppen ausammenzuziehen. W\u00fcrde sich aber das \u00f6sterreichische Nationalgef\u00fchl, das bisher den Anschlu\u00df verschm\u00e4hte, sich nicht noch mehr gegen die Schutzherrschaft der Welschen auflehnen? W\u00fcrde es sich nicht lieber den Br\u00fcdern im Norden hingeben?<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die ersten Fl\u00fcchtlingsberichte<br \/> &quot;Bis zu Ruinen zerschossene H\u00e4user&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dem Deutschen Nachrichtenb\u00fcro wird aus Pre\u00dfburg gemeldet: Von Teilnehmern an den K\u00e4mpfen der beiden letzten Tage in Oesterreich erh\u00e4lt man hier eine Reihe von Tatsachenberichten, die in einer ganzen Reihe von F\u00e4llen mit den amtlichen Verlautbarungen der Wiener Regierung nicht im Einklang stehen. Besonders heftig tobten darnach die K\u00e4mpfe bis in die sp\u00e4ten Nachmittagsstunden vom Dienstag um die ausgedehnten Wohnungsbauanlagen der Gemeinde Wien. Diese Wohnhausanlagen beherbergen Zehntausende von Mietern, meist Arbeiter, darunter auch zahlreiche Nationalsozialisten, die sich am Kampfe nicht beteiligten, trotzdem aber die Geb\u00e4ude nicht verlassen konnten, weil sie teils durch die schwerbewaffneten Schutzb\u00fcndler, teils durch die Belagerung durch das Milit\u00e4r daran gehindert wurden. Unter den Hunderten von Toten und Verletzten, die in diesem riesigen Geb\u00e4udekomplex eingeschlossen sind, befinden sich auch zahlreiche unschuldige, an den K\u00e4mpfen \u00fcberhaupt nicht beteiligte Opfer, die selbst Antimarxisten waren. Nachdem eines der vielen H\u00e4user am Dienstagnachmittag von Polizei und Milit\u00e4r besetzt war, ergab sich, da\u00df es bereits vollkommen zusammengeschossen und s\u00e4mtliche Insassen entweder tot oder schwer verletzt waren. Erst dann gelang es den Regierungstruppen, dieses zur Ruine zerschossene Geb\u00e4ude zu besetzen. Unausgesetzt fuhren dann auch Sanit\u00e4tsautos und Leichenwagen vor, um die Opfer fortzuschaffen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Besonders heftig tobten die K\u00e4mpfe um das marxistische Arbeiterheim Ottakring, das ebenfalls als Festung ausgebaut war. Es verlautet ger\u00fcchtweise, da\u00df die Explosion des Gasometers durch einen Fehlschu\u00df der Regierungsartillerie verursacht wurde. Nicht minder heftig waren die K\u00e4mpfe um die gr\u00f6\u00dfte Gemeindewohnbauanlage in Heiligenstadt und um den Bahnhof dieses Vorortes. Die Polizei st\u00fcrmte am Dienstag mehrmals den Bahnhof, der im Laufe des Tages \u00f6fters den Besitzer wechselte. Auf beiden Seiten mu\u00df es Dutzende von Toten und Verwundeten gegeben haben. Der Karl-Marx-Hof, dieser einer m\u00e4chtigen nat\u00fcrlichen Festung gleichende Wohnbaukomplex, wurde am Dienstag in den Nachmittagsstunden unter Artilleriefeuer genommen. Die Marxisten erwiderten das Feuer heftig. Einige Geb\u00e4udeteile wurden vom Artilleriefeuer umgelegt. Was alles unter den Tr\u00fcmmern liegt, l\u00e4\u00dft sich noch nicht feststellen. Auch hier sind zahlreiche Nichtmarxisten dem Kampf zum Opfer gefallen. In den Dienstagvormittagsstunden fuhr in gedeckter Stellung eine Batterie von Feldhaubitzen an, die den Schlingerhof unter Feuer nahm.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffnete Aktion?<br \/> Italien und Oesterreich<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 15. Febr. Havas berichtet aus Rom: Entgegen gewissen ausl\u00e4ndischen Nachrichten, wonach die italienische Regierung bei den Regierungen in London und Paris wegen eines milit\u00e4rischen Eingreifens zugunsten der \u00f6sterreichischen Regierung sondiert habe, scheine es, da\u00df Italien weder mit Gewalt noch anderswie in die \u00f6sterreichischen Ereignisse einzugreifen gedenke, die ausschlie\u00dflich in den Bereich der Innenpolitik geh\u00f6rten. Jedenfalls lie\u00dfe sich, so erkl\u00e4re man, eine Unterst\u00fctzung Oesterreichs von au\u00dfen her nur rechtfertigen, wenn Oesterreich von au\u00dfen her milit\u00e4risch bedroht w\u00e4re. Nichts aber erlaube die Annahme, da\u00df diese Frage f\u00fcr den Augenblick ins Auge gefa\u00dft werden k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach einer r\u00f6mischen Meldung der Radioagentur erkl\u00e4re man dort hinsichtlich der Eventualit\u00e4t eines bewaffneten Eingreifens Italiens, da\u00df Italien jedenfalls nicht zu einer isolierten Aktion schreiten werde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_17\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit <br \/> Nummer 40 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[9]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Samstag, den 17. Februar 1934 <\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Gegenrevolution und Kriegsgefahr<br \/> Europ\u00e4ische Folgen der \u00f6sterreichischen Blutarbeit gegen die Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mitteleurop\u00e4ische Explosion<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 16. Februar.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>A. Sch. Wenn die Banden Feys und Starhembergs das ganze Wien besetzen werden, wird die Faschisierung des deutschen Mitteleuropa restlos durchgef\u00fchrt werden. Aber es wird kein endg\u00fcltiger Sieg des Faschismus sein. Erst jetzt wird sich die ganze Schw\u00e4che und Faulheit des Systems Dollfu\u00df-Fey-Starhemberg erweisen. In wenigen Tagen werden die blutbefleckten Sieger, die Gallifets in Lederhosen, von neun Zehnteln des \u00f6sterreichischen Volkes abgelehnt und veranla\u00dft, sich mit dem echten, dem hitlerschen Faschismus auseinandersetzen m\u00fcssen. Ohne jede Massengrundlage im Lande, mit dem zerfetzten Staatsapparat, innenpolitisch ausgeh\u00f6hlt, au\u00dfenpolitisch auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen, wird der Heimwehrfaschismus das blutende Land und den angriffslustigen, gierig auf seine Beute lauernden Hitlerfaschismus vor sich [\u2026]&nbsp;<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[10]<\/span><\/span><\/span><\/a> den Anfang der mitteleurop\u00e4ischen Explosion. Der Abschlu\u00df bedeutet den Krieg, wie auch der Kampf um die \u00f6sterreichische Erbschaft, einmal zwischen Deutschland, Italien und der Kleinen Entente entbrannt, zum Krieg f\u00fchren mu\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der deutsche Faschismus wollte die &quot;S\u00fcd-Nord&quot;-Richtung von Schleswig bis Sizilien durchsto\u00dfen und f\u00fcr seine B\u00fcndnispl\u00e4ne offenhalten, auf solche Weise die &quot;West-Ost-Richtung der europ\u00e4ischen Politik durchbrechen, Frankreich von seinen Verb\u00fcndeten im Osten trennen. Jetzt hat er diese &quot;Nord-S\u00fcd&quot;-Richtung vor sich, kann aber ihre inneren Gegens\u00e4tze nicht bew\u00e4ltigen. Der Traum Hitlers, sich in Braunau feiern zu lassen oder gar im Stefansdom in Wien zum deutschen &quot;Volkskaiser&quot; proklamiert zu werden, kann teuer bezahlt werden. Jetzt wird ganz Europa erfahren, und selbst die konservative englische und franz\u00f6sische Presse mu\u00df das heute gestehen, da\u00df die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie der letzte Schutzwall des Friedens in Mitteleuropa war. Mit der Besitzergreifung Oesterreichs schl\u00e4gt sich die Gegenrevolution in den Krieg um. Die Heimwehrfahne \u00fcber dem Wiener Rathaus bedeutet nicht den Anfang der faschistischen Stabilisierung, sondern die Heraufsetzung des roten Hahnes auf das Dach des faschistischen Mitteleuropa. Das in Oesterreich einmal gest\u00f6rte europ\u00e4ische Gleichgewicht kann mit den Mitteln der kapitalistischen Au\u00dfenpolitik nicht mehr hergestellt werden. Der \u00fcber die Leichen der \u00f6sterreichischen Arbeiter marschierende Heimwehrfaschismus ist der Brandstifter Europas. Zum zweiten Male wird der europ\u00e4ische Krieg in den K\u00e4mpfen um die Donau vorbereitet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffnete Intervention?<br \/> &quot;F\u00fcr den Augenblick&quot; nicht &#8211; Die Lage beunruhigend<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 16. Febr. Der offizi\u00f6se &quot;Petit Parisien&quot; tritt dem Ger\u00fccht eines bevorstehenden milit\u00e4rischen Eingreifens Italiens bzw. der vier M\u00e4chte, die durch den Vertrag von 1922 die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs garantiert haben (Frankreich, England, Italien, Tschechoslowakei), entgegen. Dieses Ger\u00fccht beruhe f\u00fcr den Augenblick auf keiner ernsten Grundlage. Es sei gegenw\u00e4rtig nur von der Anrufung des V\u00f6lkerbundes die Rede, die durch den Bundeskanzler auch noch nicht offiziell vorgenommen worden sei. Immerhin sei die Lage beunruhigend. Sie besch\u00e4ftige in starkem Ma\u00dfe auch das englische Kabinett, das bisher in der \u00f6sterreichischen Frage eine gewisse Gleichg\u00fcltigkeit zur Schau getragen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Kein Einmarsch<br \/> Aber\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Prag, 16. Febr. Zu den Ereignissen in Oesterreich erkl\u00e4rte Minister Dr. Krofta, da\u00df die Nachrichten und Ger\u00fcchte, wonach die Tschechoslowakei in Oesterreich einmarschieren w\u00fcrde, um dort Ordnung zu machen, nicht zutr\u00e4fen. Wenn aber irgendein Staat die Grenze \u00fcberschreite oder in die \u00f6sterreichischen Verh\u00e4ltnisse eingreifen w\u00fcrde, so w\u00fcrde die tschechoslowakische Regierung nicht schweigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Gro\u00dfe diplomatische Aktion?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 16. Febr. Dem &quot;Matin&quot; wird aus Rom gemeldet: Man f\u00fchle dort, da\u00df die Niederzwingung des Aufstandes in Oesterreich nicht das Problem l\u00f6se, das darin bestehe, das Ansehen und die Unabh\u00e4ngigkeit des Staates restlos wiederherzustellen. Man wisse, da\u00df die Hitlersche Propaganda das Spiel nicht verloren gebe, im Gegenteil, das Nationalsozialismus werde die Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen auszubeuten suchen und verssuchen, den Volksha\u00df f\u00fcr sich auszunutzen. Aus all diesen Gr\u00fcnden sei Rom der Ansicht, da\u00df es h\u00f6chste Zeit sei, eine internationale Verst\u00e4ndigung und Aktion zu unternehmen, um in Oesterreich die Zentralregierungsmacht zu st\u00e4rken und Deutschland einzusch\u00fcchtern. Der Meinungsaustausch der letzten beiden Tage scheine zu einer gemeinsamen feierlichen Erkl\u00e4rung der M\u00e4chte f\u00fchren zu sollen. England, Frankreich und Italien w\u00fcrden gemeinsam ihren entschiedenen Willen betonen, die Wiener Regierung zu st\u00fctzen und nicht zuzulassen, da\u00df der Sicherheit der kleinen \u00f6sterreichischen Republik Abbruch getan werde. Was die Inanspruchnahme des V\u00f6lkerbundes anbetreffe, so scheine Italien, obwohl es dieses nicht als das beste Mittel, zu einem positiven Ergebnis zu kommen, betrachte, sich mit einer Anrufung des V\u00f6lkerbundes einverstanden erkl\u00e4ren, wenn die \u00f6sterreichische Regierung dies wolle.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das &quot;Echo de Paris&quot; wirft \u00fcbrigens die Frage auf, ob es nicht angebracht w\u00e4re, da\u00df angesichts des Z\u00f6gerns der \u00f6sterreichischen Regierung eine andere Macht als gerade Oesterreich den notwendigen Antrag beim V\u00f6lkerbund stelle.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vandervelde an den V\u00f6lkerbund<br \/> Eingreifen des V\u00f6lkerbundes gefordert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Genf, 16. Febr. Der Pr\u00e4sident der 2. Internationale hat an den Generalsekret\u00e4r des V\u00f6lkerbundes ein Telegramm gerichtet, worin der V\u00f6lkerbund ersucht wird, unverz\u00fcglich in den Konflikt zwischen der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie und der Exekutive einzugreifen, der eine \u00f6ffentliche Bedrohung des Friedens darstelle und internationale Verhandlungen nach sich ziehen k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Henderson hat gewarnt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 16. Febr. Dr. Hugh Dalton, der in der letzten Arbeiterregierung Unterstaatssekret\u00e4r des Aeu\u00dfern war, sagte am Donnerstagabend in einer Rede: Als Henderson noch Staatssekret\u00e4r des Aeu\u00dfern war, richtete er an die \u00f6sterreichische Regierung eine ruhige Warnung, die besagte, wenn die Regierung einen B\u00fcrgerkrieg hervorrufe, werde sie mit einer ung\u00fcnstigen Haltung der britischen Regierung zu rechnen haben. H\u00e4tte die jetzige Regierung gemeinsam mit der franz\u00f6sischen Regierung eine solche Warnung ergehen lassen, so h\u00e4tte dem Blutvergie\u00dfen in Wien Einhalt getan werden k\u00f6nnen. Dalton f\u00fcgte hinzu, Hendersons Warnung sei privatim erfolgt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Hinrichtungsorgie&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 16. Febr. In der Presse, deren Hauptinteresse nach wie vor den \u00f6sterreichischen Vorg\u00e4ngen gilt, wird allgemein die Hoffnung ausgesprochen, da\u00df es nicht zu der von den Sozialisten vorausgesagten &quot;Hinrichtungsorgie&quot; kommen werde. Der diplomatische Korrespondent des &quot;Daily Telegraph&quot; erf\u00e4hrt, die britische Regierung habe in der diskretesten und freundschaftlichsten Weise dem Bundeskanzler und der \u00f6sterreichischen Regierung gegen\u00fcber der Hoffnung Ausdruck gegeben, da\u00df diese Milde zeigen werde. Die neue franz\u00f6sische Regierung habe, wie es hei\u00dft, in Wien \u00e4hnliche Ratschl\u00e4ge gegeben. Gro\u00dfbritanniens Rat sei im Verlaufe diplomatischer Er\u00f6rterungen gegeben worden und habe keinen formellen Schritt bedeutet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>12. Februar 1934<br \/> Von Marius Alter<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von S. 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>An demselben Tage, an dem die Pariser Arbeiter in der langersehnten Einheitsfront den friedlichen Demonstrationsstreik von imponierender Wucht durchf\u00fchrten, bricht ein anderer Generalstreik auf Tod und Leben aus. Nein, er wird eigentlich schon mit der Gewi\u00dfheit des heldenhaften Unterganges von der \u00f6sterreichischen Arbeiterschaft unternommen. Die tragische Stunde der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie kommt heran \u2013 der niedertr\u00e4chtige Faschismus der Mussolini-Heimwehren holt zum Schlage aus. Der Austro-Marxismus, der stets auf Vorposten der 2. Internationale stand, rettet diesmal wirklich in heldenhaftem Todeskampfe die Ehre des deutschen, ja des gesamten europ\u00e4ischen Proletariats. Die Artilleriegeschosse der Mussolini-Banden zerst\u00f6ren die Wohnbauten, die sich die Wiener Arbeiterschaft in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut hatte. Aber die Maschinengewehre des Schutzbundes antworten ihnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Versagen deutscher Arbeiterf\u00fchrer am 20. Juli 1932 und bei anderen Gelegenheiten hat die \u00f6sterreichische Arbeiterklasse mit in diese Katastrophe hineingerissen. Aber einen neuen 20. Juli erlebt sie an ihrem 12. Februar nicht. Der Fleck der kampflosen Kapitulation, der die deutsche Arbeiterklasse brannte, wird an diesem Tage ausgetilgt. Schwerer ja noch als die physische war die moralische Niederlage des deutschen Proletariats gewesen. Und mehr noch als das Sinken seiner Kampfkraft in der Krise hatte die Verwirrung des Bewu\u00dftseins seine Niederlage verursacht. Auch die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft mu\u00df physisch in einem ungleichen Kampfe unterliegen. Da sie in seelischer Einheit mit sich selbst und in starkem Glauben an die Wahrheit der sozialistischen Idee von momentaner Uebermacht bezwungen wird, kann ihr Endkampf nicht vergebens sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der 12. Februar 1934 sah die Einheitsfront der Pariser Arbeiter und den Heldenkampf der Kommune von Wien. Von diesem Tage wird ein neuer Abschnitt in der Geschichte der europ\u00e4ischen Arbeiterbewegung beginnen. Die Fehler der Vergangenheit werden ges\u00fchnt, die Schw\u00e4chen des Glaubens \u00fcberwunden werden, die Zerrissenheit wird einem starken, in sich einigen Bewu\u00dftsein weichen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Pariser Kommune, die 1871 unter dem Stiefel des Milit\u00e4rs verr\u00f6chelte, erlebte ihre Auferstehung im Petersburger und Moskauer Sowjet. Die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie wird wieder auferstehen in der revolution\u00e4ren marxistischen Einheitspartei, die dem Faschismus den Todessto\u00df versehen wird. Nach dem entsetzlichen Kollaps der deutschen Arbeiterbewegung von 1933 war die Aufrichtung einer neuen Fahne notwendig, eine neue Tat mu\u00dfte geschehen, an der sich die Gegenwart aufrichten, von der die Zukunft melden kann. Ein neuer Mythos mu\u00dfte geschaffen werden, um ihn all den eklen L\u00fcgen-Mythen der Faschisten entgegenzustellen. Im Herbst 1933 wurde der Eine Dimitroff zum weithin sichtbaren Sinnbild. Jetzt aber ist endlich die Klasse selbst wieder k\u00e4mpfend, wenn auch noch nicht siegend, auf den Plan der gro\u00dfen Geschichte getreten. So m\u00fc\u00dfte es mit dem Teufel zugehen, wenn dies k\u00e4mpfende Ende nicht zugleich der Beginn w\u00fcrde f\u00fcr die Epoche des Gegenschlags. Es geht mit dem Teufel, denn es geht mit dem Faschismus zu! Aber noch immer ist eine mit der Zukunft im Bunde stehende Klasse mit solchen Teufeln fertig geworden! H\u00f6her z\u00e4hlt im Haushalt der Geschichte die Niederlage im Kampfe, selbst als der zuf\u00e4llige und nicht erk\u00e4mpfte Sieg. Jawohl, Du lieber k\u00e4mpfender Genosse und S\u00e4nger der Wiener Arbeiterschaft&nbsp;: &quot;Das Gesetz der Zeit steht im Manifest und im 18. Brumaire!&quot;<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[11]<\/span><\/span><\/span><\/a> und wir gr\u00fc\u00dfen Euch \u00fcberall, wo ein sozialistisches Herz schl\u00e4gt, Euch, &quot;Bauvolk der kommenden Welt, Euch Arbeiter von Wien!&quot;<span class=MsoEndnoteReference>&nbsp;<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[12]<\/span><\/span><\/a><\/span>.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Marsch nach Ebensee<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stadt Ebensee im Salzkammergut ist vom Schutzbund besetzt worden In den fr\u00fchen Morgenstunden \u00fcberfielen Schutzb\u00fcndler die Polizei und, ohne da\u00df ein Schu\u00df fiel, gelang es ihnen, die gesamten Polizeikr\u00e4fte von etwa 15 bis 20 Mann zu entwaffnen und einzusperren, daraufhin besetzten sie die Salzwerke und die Textilfabrik, wo sie die Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit zwangen. Dann wurden die Stra\u00dfen zwischen Gmunden und Ebensee verbarrikadiert. Die Bergstra\u00dfe, die an einer Felswand vorbeif\u00fchrt, wurde durch eine Sprengung der Bergwand versch\u00fcttet. Das Postamt ist besetzt worden. Regierungstruppen befinden sich auf dem Marsch nach Ebensee, doch erwartet man, da\u00df sie auf hartn\u00e4ckigen Widerstand sto\u00dfen werden, da die Schutzb\u00fcndler ausgezeichnet bewaffnet sind und sich in einer strategisch vorteilhaften Lage befinden. Auf der einen Seite ist das sogenannte Feuervogelgebirge, w\u00e4hrend auf der andern Seite von Ebensee der Traunsee liegt. Die verschiedenen Bergstra\u00dfen sind von Maschinengewehrnestern auf beiden Seiten der Wege besetzt, so da\u00df herannahende Truppen ins Kreuzfeuer genommen werden k\u00f6nnen\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vierzig Minen!<br \/> Auf einen einzigen Geb\u00e4udekomplex<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Mit wahrer Tapferkeit und mit welchem eisernen Widerstandswillen von den sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndlern gek\u00e4mpft wurde, zeigt die Tatsache, da\u00df gegen den Schlingerhof im 21. Bezirk vierzig Minen geworfen wurden, ehe er sich ergab. Man erw\u00e4ge, da\u00df diese grauenhafte Kampfhandlung der Regierungstruppen sich gegen einen Hausblock abspielte, in dem sich viele hunderte Frauen und Kinder aufhielten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im belagerten Karl-Marx-Hof, der von \u00fcber 2000 Familien bewohnt ist, vergiftete sich w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe eine Mutter mit ihrem Kind, weil sie die furchtbaren Ereignisse nicht mehr ertragen konnte. Der als Schwerverwundeter zum Galgen geschleppte Schuzb\u00fcndler Munichreither hinterl\u00e4\u00dft Frau und drei Kinder. In der Floridsdorfer Kampfzone soll ein Raubm\u00f6rder die Gelegenheit zu einem pers\u00f6nlichen Racheakt ben\u00fczt haben, indem er ein Ehepaar aus dem Hinterhalt erscho\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach b\u00fcrgerlichen Pressemeldungen sollen bis Donnerstag: vormittag bei mehreren Polizeikommissaren und Wachstuben 34 Maschinengewehre, 1000 Gewehre, mehr als 40&nbsp;000 Schu\u00df Munition und eine gro\u00dfe Anzahl von Handgranaten abgeliefert worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;S\u00e4uberung&quot; und Raub<br \/> Nach deutschem Vorbild<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 16. Febr. Wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; meldet, gibt die Generaldirektion der Bundesbahnen einen Dienstbefehl aus, wonach s\u00e4mtliche Bahnbeamten die sozialdemokratischen Mandate innehaben, sich sofort bei ihren vorgesetzten Dienststellen zu melden haben. Gegen die Beamten werden eventuell ein Strafverfahren eingeleitet oder der Antrag auf Strafverfolgung durch die zust\u00e4ndigen Gerichte gestellt. Die Bediensteten w\u00fcrden zur effektiven Dienstleistung nicht zugelassen, sondern sofort suspendiert oder in den dauernden Ruhestand versetzt. Es besteht in Regierungskreisen die Absicht, zur Gutmachung der durch die Ereignisse der letzten Tage entstandenen wirtschaftlichen Sch\u00e4den in Wien und einzelnen Bundesgebieten die Privatverm\u00f6gen der gefl\u00fcchteten oder verhafteten sozialdemokratischen F\u00fchrer, die ein Mitverschulden an den Ausschreitungen trifft, einzuziehen. Der Besitz der sozialdemokratischen Gewerkschaften soll der Regierung verfallen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Sch\u00fcsse aus Nervosit\u00e4t<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>bnb, Wien, 16. Febr. Gegen Mitternacht kam es am Donnerstag in drei verschiedenen Stadtteilen zu Schie\u00dfereien, die sich jedoch bei sorgf\u00e4ltiger Nachpr\u00fcfung als Ergebnis der Ueberm\u00fcdung und Nervenanspannung der Exekutivorgane darstellten. Ein Posten hatte aus einem kleinlichen Anla\u00df einen Schu\u00df abgegeben und ganze Postenketten hatten darauf das Feuer aufgenommen. Aber zur gleichen Zeit begann bereits die Lockerung der Alarmbereitschaft. Zahlreiche Mannschaften sind in ihre Quartiere zur\u00fcckgekehrt. Das Heerlager im Polizeipr\u00e4sidium hat aufgeh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Ruhe&quot;<br \/> Alarmzustand und Standrecht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien. 16. Febr. In den Abendstunden des Donnerstags herrschte in der Stadt Ruhe. Der allgemeine Alarmzustand und das Standrecht bleiben weiter bestehen, da immer noch mit der M\u00f6glichkeit eines neuen Aufflackerns der K\u00e4mpfe gerechnet wird. Die Entwaffnungsaktion gegen die Schutzb\u00e4ndler wird weiter fortgef\u00fchrt. Die Anzahl der Toten steht immer noch nicht fest. Nach einer privaten Sch\u00e4tzung soll der Schutzbund ungef\u00e4hr 1000 Tote in Wien und 500 Tote in den L\u00e4ndern zu beklagen haben. Die Untersuchung nach der Herkunft der Waffen der Schutzb\u00fcndler hat ergeben, da\u00df ein Teil aus dem Weltkrieg kommt, ein anderer Teil jedoch ohne Zweifel tschechoslowakischer Herkunft ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Rettungsgesellschaft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 16. Febr. Einen gewissen Anhaltspunkt bei der Absch\u00e4tzung der Verwundeten der gesamten Kampfhandlungen findet man in einem Bericht der Freiwilligen Rettungsgesellschaft, die die Zahl der Stadtausfahrten auf mehr als 500 angibt. 19 Aerzte, 11 Beamte, 60 Sanit\u00e4tsgehilfen und 20 Chauffeure als Berufspersonen und au\u00dferdem eine stattliche Reihe von Aerzten als freiwillige au\u00dferordentliche Helfer seien st\u00e4ndig in T\u00e4tigkeit gewesen, und ununterbrochen seien die 20 Rettungsautos und au\u00dferdem freiwillige Automobilisten an die bedrohten Stellen gefahren.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Grenzsperre<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Budapest, 16. Febr. Laut einer Meldung aus Oedenburg hat die \u00f6sterreichische Regierung das Ueberschreiten der \u00f6sterreichisch-ungarischen Grenze zu Fu\u00df und mit Fahrzeugen bis auf weiteres verboten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Julius Deutsch \u2013 Otto Bauer<br \/> Die F\u00fchrer bis zuletzt in der Kampflinie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Pre\u00dfburg, 16. Februar 1984. (Eigener Bericht.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzbundf\u00fchrer Dr. Julius Deutsch und der \u00f6sterreichische Nationalratsabgeordnete Otto Bauer sind hier eingetroffen. Deutsch ist durch einen Granatsplitter verwundet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die beiden sozialdemokratischen F\u00fchrer erkl\u00e4ren, da\u00df sie mit R\u00fccksicht auf ihre in den H\u00e4nden der Bundesregierung befindlichen Genossen noch keine n\u00e4heren Angaben \u00fcber die Kampftage in Wien und ihre pers\u00f6nlichen Erlebnisse machen wollen. Gegen\u00fcber unwahren Behauptungen der Regierung aber erkl\u00e4ren Deutsch und Bauer:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als der Justizminister Schuschnigg am Radio behauptete, beide Genossen seien geflohen und h\u00e4tten die Arbeiter auf den Barrikaden allein gelassen, befanden sich Deutsch und Bauer inmitten der k\u00e4mpfenden Arbeiter Wiens auf ihrem Posten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als der Vizekanzler Fey am Radio verk\u00fcndete, Deutsch und Bauer seien in Prag eingetroffen, standen beide nach wie vor in der Wiener Kampflinie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Erst als \u00fcberall die Kampfhandlungen aufgeh\u00f6rt hatten, die beiden F\u00fchrer isoliert und abgeschnitten waren, haben sie, um der unmittelbar drohenden Gefahr der Gefangennahme und der Aburteilung zu entgehen, Wien verlassen und sind auf verschiedenen Wegen zur tschechoslowakischen Grenze gelangt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der N\u00e4he von Pre\u00dfburg haben auch 47 Floridsdorfer Schutzb\u00fcndler, die sich auf dem R\u00fcckzug von Floridsdorf bis an die Grenze durchgeschlagen haben, tschechischen Boden betreten. Die Schutzb\u00fcndler sind von den tschechsichen Beh\u00f6rden entwaffnet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Uebermacht erlegen<br \/> Heimkehr der &quot;siegreichen&quot; Truppen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, den 16. Februar 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nachdem der Laaer Berg und die St\u00fctzpunkte in Floridsdorf, Kagran, Stadlau und der Karl-Marx-Hof sich ergeben haben, sind die letzten Hauptwiderstandszentren der Schutzb\u00fcndler durch die Uebermacht der Exekutive niedergek\u00e4mpft. Aeu\u00dferlich herrscht vollst\u00e4ndige Ruhe in Wien, und man sieht Artillerie, Infanterie und Polizeimannschaften abgek\u00e4mpft in ihre Kasernen einr\u00fccken. In einzelnen Gemeindebauten, die noch gestern umk\u00e4mpft waren, sind schon Handwerker an der Arbeit.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist aber durchaus noch mit neuen Zusammenst\u00f6\u00dfen zu rechnen, da gro\u00dfe Gemeindeh\u00e4userblocks noch nicht nach Waffen durchsucht werden konnten. Die Reste der Schutzbundtruppen, die sich nach Kagran und Hirschstetten zur\u00fcckgezogen haben, mu\u00dften sich am Donnerstagmittag den Regierungstruppen ergeben. Auf dem Karl-Marx-Hof und den anderen gro\u00dfen Gemeindeh\u00e4usern wehen aus zahlreichen Fenstern und von den D\u00e4chern wei\u00dfe Fahnen aus Leinent\u00fcchern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung meldet, da\u00df aus den Gemeindeh\u00e4usern in sechs Bezirken nach der Rundfunkansprache des Bundeskanzlers Abordnungen der Mietparteien bei der Polizei erschienen und ihre bedingungslose Unterwerfung unter die Staatsgewalt erkl\u00e4rt h\u00e4tten. Nach derselben Meldung soll sich der fr\u00fchere Kommandant des aufgel\u00f6sten Republikanischen Schutzbundes der Polizei gestellt haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Verm\u00f6gen der aufgel\u00f6sten Sozialdemokratischen Partei, der freien Gewerkschaften und der sonstigen sozialdemokratischen Vereine, mit Ausnahme der Krankenkassen, wird vom Staate eingezogen und als verfallen erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Von dem gefl\u00fcchteten Kommunistenf\u00fchrer Koloman Wallisch wird angenommen, da\u00df er sich nach S\u00fcdslawien in Sicherheit zu bringen trachte. Auch der sozialdemokratische B\u00fcrgermeister von Voitsberg, Steiner, ist gefl\u00fcchtet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Diktatorisches Vorgehen<br \/> Sicherung des &quot;Sieges&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Klagenfurt, 16. Febr. Der K\u00e4rtner Landeshauptmann Kernmeier, der den Nationalsozialisten nahesteht, ist vom Bundeskanzler Dr. Dollfu\u00df telegrafisch aufgefordert worden, seine Funktionen zur\u00fcckzugeben. Daraufhin hat er, wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; meldet, geantwortet, da\u00df er ein frei gew\u00e4hlter Vertreter der Bev\u00f6lkerung sei und keinen Anla\u00df finde, der Aufforderung des Bundeskanzlers nachzukommen. Das Blatt erwartet, da\u00df entweder die Bundesregierung von ihrer Autorit\u00e4t Gebrauch machen und den Landeshauptmann direkt abberufen werde, oder da\u00df der Landtag dem widers\u00e4tzlichen Landeshauptmann ein Mi\u00dftrauensvotum erteilen werde.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; mitteilt, hat gestern vormittag die christlich-soziale Fraktion des Parlaments einstimmig das energische Vorgehen der Landesregierung gegen die Aufr\u00fchrer sowie die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei gutgehei\u00dfen. Die Fraktion wird mit dem Bundeskanzler in den n\u00e4chsten Tagen in F\u00fchlung treten und ihn noch einmal der Unterst\u00fctzung der Partei bei seinem Aufbauwerk versichern. Auch sei der Gedanke erwogen worden, das Parlament wieder einzuberufen, da ja durch die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei die sozialdemokratischen Mandate ruhen m\u00fcssen und der Regierung zur Beschlie\u00dfung eines besonderen Vollmachtengesetzes eine absolute Mehrheit zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Dollfu\u00df, Beauftragter Mussolinis<br \/> Anklage gegen ihn aus der ganzen Welt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der heldenm\u00fctige Kampf der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie hat in Frankreich und England eine lebhafte Erregung ausgel\u00f6st. Die Linksgruppen stehen \u00fcberall mit ihren Sympathien auf der Seite der Freiheitsk\u00e4mpfer in Oesterreich. Aber auch die Rechtsgruppen erkennen, da\u00df Dollfu\u00df mit den Heimwehrverbrechern im Auftrage Mussolinis handelt, der ein von ihm abh\u00e4ngiges Oesterreich durch Dollfu\u00df schaffen will, um so seinen Machtbereich in das Herz Europas zu erweitern. Die Staaten der Kleinen Entente f\u00fchlen sich durch diese Aktion stark beunruhigt und schlie\u00dflich auch bedroht. Sie werden durch die Faschisierung Oesterreichs eingeklemmt in den Faschismus mussolinischer und nationalsozialistischer nationalsozialistischer Couleur. Benesch war in London und hat bestimmt bei dieser Gelegenheit auch das englische Au\u00dfenministerium auf die in Zentraleuropa durch den Staatsstreich der Heimwehren heraufbeschworene gef\u00e4hrliche Situation aufmerksam gemacht. Simon hat auch im Unterhaus auf die Anfrage des Arbeiterparteilers Attlee von den &quot;ernsten und sehr betr\u00fcblichen Ereignissen in Oesterreich&quot; gesprochen, die die eng lische Regierung genau beobachte. Auch ist es so gut wie sicher, da\u00df im V\u00f6lkerbundsrat die Lage anl\u00e4\u00dflich des Anrufens dieser Institution durch Dollfu\u00df wegen des Einbruchs der Nationalsozialisten ernstlich besprochen wird.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Attacke Fey-Starhemberg-Dollfu\u00df zieht demnach auch ihre au\u00dfenpolitischen Kreise.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die englische Regierung best\u00fcrzt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>London, 15. Febr. Im Unterhaus stellte der Abgeordnete Attlee im Namen der Opposition die Frage, ob der Au\u00dfenminister angesichts der Ereignisse in Oesterreich Schritte zur Herbeif\u00fchrung einer baldigen Sitzung des V\u00f6lkerbundes tun wolle. Simon erwiderte hierauf, da\u00df die &quot;ernsten und sehr betr\u00fcblichen Ereignisse&quot; in Oesterreich von der englischen Regierung genau beobachtet w\u00fcrden. Dem Unterhaus sei bekannt, da\u00df die \u00f6sterreichische Regierung im Zusammenhang mit der internationalen Lage beschlossen habe, den V\u00f6lkerbund anzurufen. Was die innere Lage Oesterreichs betreffe, so sei er \u00fcberzeugt, das Haus werde den Grundsatz beherzigen, da\u00df ein Land nicht berechtigt sei, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen. Der Arbeiterabgeordnete Gocks erkl\u00e4rte dazu, da\u00df Oesterreich doch in einer besonderen Lage sei und da\u00df die M\u00e4chte sich andauernd in seine Angelegenheiten einmischten. Der konservative Abgeordnete Soverville meinte, da\u00df die sozialistische Agitation alle Verwirrung in Oesterreich verursacht habe. Hierauf ert\u00f6nte lautes: &quot;Nein, nein!&quot; von den B\u00e4nken der Arbeiterpartei. Der Arbeiterparteiler Wedgwood fragte dann, ob die englische Regierung der \u00f6sterreichischen Regierung klar machen wolle, was f\u00fcr einen schlechten Eindruck das Aufh\u00e4ngen von \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten in England mache. (Rufe von der Ministerbank: O, o!) Der Arbeiterabgeordnete Bevan f\u00fcgte hinzu: &quot;Und das Niederschie\u00dfen von Frauen und Kindern!&quot; Thorns (Arbeiterpartei) fragte schlie\u00dflich: &quot;Sind die Sozialisten nicht die friedlichsten Leute der Welt?&quot; Auf die letzten Fragen wurde von der Regierung keine Antwort mehr erteilt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Amerika sagt: &quot;Dollfu\u00df schw\u00e4cht seine Lage&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Neuyork, 15. Febr. Ueber die Entwicklung der blutigen Ereignisse in Oesterreich wird von der Presse seitenlang mit gro\u00dfen Schlagzeilen berichtet. &quot;Neuyork Times&quot; bemerkt in einem Leitartikel, es sei nahezu unm\u00f6glich, aus der Ferne genau festzustellen, wer f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg verantwortlich sei. Hingegen urteilt &quot;Herald Tribune&quot;, da\u00df selbst aus den zensierten Nachrichten, die aus Oesterreich eintreffen, immer klarer hervorgehe, da\u00df Dollfu\u00df einen Fehler begangen habe. Das Vertrauen der Welt in Dollfu\u00df sei ersch\u00fcttert, und dadurch, da\u00df er nunmehr Ha\u00df gegen sich selber erzeuge, schw\u00e4che er seine Lage.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Mord an Schwerverletzten<br \/> Die Welle der Emp\u00f6rung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Pre\u00dfburg, 15. Febr. Es werden jetzt Einzelheiten \u00fcber die Hinrichtung des Schutzbundf\u00fchrers Munichreiter bekannt. Die Hinrichtung dieses Schwerverletzten durch die Wiener Exekutivbeh\u00f6rde hat die Erbitterung der Bev\u00f6lkerung ins Unerme\u00dfliche gesteigert. Munichreither, der durch mehrere Sch\u00fcsse schwer verletzt war, wurde danach auf einer Tragbahre zum Standgericht, ebenfalls auf einer Tragbahre zum Galgen geschafft, von der Bahre aus unter den Galgen gesetzt und \u2013 obwohl fast bewu\u00dftlos \u2013 erh\u00e4ngt. Auch zahlreiche Ausl\u00e4nder haben ihrer ungeheuren Emp\u00f6rung \u00fcber die bestialische Hinrichtung eines Schwerverletzten durch die Regierung Dollfu\u00df Ausdruck gegeben und erkl\u00e4rt, da\u00df damit auch die letzten Sympathien f\u00fcr das Gewaltsystem Dollfu\u00df bei ihnen geschwunden seien.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Begnadigt&quot;<br \/> Zehn Jahre Kerker<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Der am Donnerstag vom Standgericht zum Tode durch den Strang verurteilte Schutzb\u00fcndler Kalab ist zu 10 Jahren schweren Kerkers begnadigt worden. In Regierungskreisen wird jetzt zu den in Wien, Steyr und St. P\u00f6lten einberufenen Standgerichtsverhandlungen die Auffassung vertreten, da\u00df Todesurteile nur f\u00fcr die F\u00fchrer (von denen man aber doch verleumderisch behauptete, da\u00df sie geflohen seien) des Schutzbundes, nicht aber f\u00fcr die von den F\u00fchrern zur Teilnahme am Aufstand &quot;gezwungenen&quot;(Das ist eine niedertr\u00e4chtige Verleumdung der Freiheitsk\u00e4mpfer. D. Red.) Arbeiter in Frage kommen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wettrennen um Faschistengunst<br \/> <\/span><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\"; font-style:normal'>Jeder wollte der Erste sein\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das DNB. bringt folgende Enth\u00fcllungen \u00fcber das Techtelmechteln der Heimwehrf\u00fchrer mit den Nazis, das das Intrigantenspiel, das dem Fey-Putsch vorausging, in ein neues Licht setzt. Demnach haben die Heimwehrakteure zwischen Hitler und Mussolini geschwankt und sich dann so eingesetzt, wie es der Meistbietende wollte. Hier die Meldung:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Berlin, 15. Febr. Es ist bereits bekannt, da\u00df die drei \u00f6sterreichischen Machthaber Dollfu\u00df, Fey und Starhemberg sich gegenseitig mi\u00dftrauen und jeder hinter dem R\u00fcden des anderen versucht, mit den Nationalsozialisten F\u00fchlung zu nehmen. Dollfu\u00df hat vor einiger Zeit auch die F\u00fchlungnahme mit den Sozialdemokraten versucht, bis die Ereignisse ihn dann in die jetzige Richtung gedr\u00e4ngt haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bekanntlich stellte der nieder\u00f6sterreichische Heimwehrf\u00fchrer Graf Alberti, der in der Wohnung des Wiener Gauleiters der NSDAP, Frauenfeld, verhaftet und in das Konzentrationslager W\u00f6llersdorf gebracht worden war, fest, da\u00df er die Verhandlungen mit Frauenfeld im Auftrage von Starhemberg gef\u00fchrt habe. Er lie\u00df einen Aufruf an den nieder\u00f6sterreichischen Heimatschutz herausgehen, in dem er bereits feststellte, da\u00df er die Verhandlungen mit Frauenfeld im Auftrage Starhembergs gef\u00fchrt habe. Er sei nur zur\u00fcckgetreten, um dem Heimatschutz die Lage zu erleichtern. Starhemberg stritt alles ab, beschimpfte Graf Alberti und bezichtigte ihn der Anzettelung einer Verschw\u00f6rung hinter seinem R\u00fcden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die nationalsozialistische &quot;Schlesische Tageszeitung&quot; in Breslau ist nun in der Lage, eine Erkl\u00e4rung Graf Albertis \u00fcber diese Vorg\u00e4nge im Faksimile zum Abdruck zu bringen. Damit ist der schl\u00fcssige Beweis erbracht, da\u00df Starhemberg seine eigenen Untergebenen verr\u00e4t und ins Konzentrationslager schickt, wenn es ihm gerade gut erscheint, obwohl sie docj nurin seinem Auftrage handelten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Brief hat folgenden Wortlaut:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>16. Januar 1984.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>F\u00fcr den Fall meiner Verhaftung erkl\u00e4re ich, da\u00df ich die Niederlegung der Landesf\u00fchrerstelle widerrufe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Ich habe alle Besprechungen mit den Nazis mit Kenntnis und Zustimmung des Bundesf\u00fchrers gef\u00fchrt und ihm \u00fcber alles berichtet. Die Niederlegung meiner F\u00fchrerstelle in N\u00d6. erfolgte nur deshalb, um dem BF. und dem Hesch die Situation zu erleichtern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Graf Albert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;BF.&quot; ist der Bundesf\u00fchrer, &quot;Hesch&quot; der Heimatschutz und &quot;N\u00d6&quot; bedeutet Nieder\u00f6sterreich.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Wehe, wir haben gesiegt&quot;<br \/> Bis zuletzt heldenhafter Widerstand<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Februar 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung bem\u00fcht sich &quot;Siegeskundgebungen&quot; zu ver\u00f6ffentlichen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bezirk Simmering ist jetzt bis zu der von den Truppen gezogenen Sperrlinie, dem Bahndamm der Aspern-Bahn, ges\u00e4ubert worden. Das jenseits liegende Gebiet soll heute nacht ges\u00e4ubert werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bezirk Simmering zeigt \u00fcberall die Spuren der schweren K\u00e4mpfe der letzten Tage. Fast alle H\u00e4user weisen Spuren von Sch\u00fcssen auf. Besonders schwer sind die Gemeindeh\u00e4user mitgenommen, um die einzeln gek\u00e4mpft worden ist. Granaten haben tiefe L\u00f6cher in das Mauerwerk geschlagen. Maschinengewehrsalven haben \u00fcberall deutliche Spuren hinterlassen. Hier wurde Gebirgsartillerie eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Einnahme des seit Tagen schwer umk\u00e4mpften Laaer Berges vollzog sich, wie verlautet, am Donnerstagnachmittag entgegen allen Erwartungen ohne weitere Kampfhandlung. Auf die Aufforderung der Truppen zur Uebergabe r\u00e4umten die Schutzb\u00fcndler den Laaer Berg und flohen in gro\u00dfer Zahl \u00fcber Z\u00e4une und Mauern. Die Besetzung des Laaer Berges, der als strategisch wichtiger Punkt angesehen wurde, vollzog sich dann in aller Ruhe. Auch der Karl-Marx-Hof ist jetzt ohne Kampf von den Truppen besetzt worden. Die Waffensuche ist dort in vollem Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es braucht nicht alles richtig zu sein, was hier die Regierung f\u00fcr das \u00f6sterreichische Publikum zurechtmacht. Jedenfalls geht aber auch aus diesen Meldungen hervor, da\u00df die Sozialdemokraten die Positionen bis zuletzt gehalten haben und die Verteidiger sich nach verlorenen Gefechten zur\u00fcckziehen mu\u00dften. W\u00e4re es anders, dann h\u00e4tte bestimmt der Regierungsbericht auch eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Gefangenen aufgef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Das Land Tirol<br \/> Kalter Putsch im Landtag<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Innsbruck, 15. Febr. Der Donnerstag nachmittag zu einer au\u00dferordentlichen Sitzung zusammentretende Tiroler Landtag soll, wie bekannt wird, die Aufl\u00f6sung des Landtages beschlie\u00dfen. Dadurch w\u00e4re der Weg zur Einsetzung der von der Tiroler Heimatwehr geforderten autorit\u00e4ren Landesregierung freigemacht. Die neue Landesregierung d\u00fcrfte vom Bundeskanzler ernannt werden. Au\u00dfer dem bisherigen Landeshauptmann Dr. Stumpf und seinem Stellvertreter Dr. Peer sollen je ein Vertreter der Heimatwehr und der Christlich-Sozialen Arbeiterschaft sowie des Bauernbundes der neuen Landesregierung angeh\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Landesregierung hat den infolge der Aufl\u00f6sung der sozialdemokratischen Partei beschlu\u00dfunf\u00e4hig gewordenen Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck aufgel\u00f6st und den bisherigen B\u00fcrgermeister Franz Fischer zum Regierungskommissar bestellt. Weiter hat die Landesregierung die Gemeindevertretungen von H\u00fctting, W\u00f6rgl, Kirchbichl und H\u00e4ring aufgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_25\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit <br \/> Nummer 47 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[13]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Sonntag-Montag, 25.-26. Februar 1934 <\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seiten 3,4,7 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein Mitk\u00e4mpfer berichtet \u00fcber Wien<br \/> Vorgeschichte und Verlauf des B\u00fcrgerkrieges \u2013 Pers\u00f6nliches Heldentum und sachliche Fehler &#8211; Ernste Lehren f\u00fcr alle!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der nachfolgende sehr ausf\u00fchrliche, aber auch sehr inhaltsreiche Bericht \u00fcber den \u00f6sterreichischen B\u00fcrgerkrieg stammt von einem Mitk\u00e4mpfer, der nicht zu den &quot;Bonzen&quot; geh\u00f6rt. Er stand bis vor kurzem als Arbeiter im Betrieb und ist seit einiger Zeit erwerbslos. Seine Niederschrift ist unmittelbar nach den letzten Sch\u00fcssen verfa\u00dft. Es ist daher um so bewunderswerter, wie n\u00fcchtern und mit welcher Distanz der proletarische Verfasser \u00fcber die Vorg\u00e4nge urteilt. Darin unterscheidet er sich von vielen, die fern vom Schu\u00df aufgeregte illusion\u00e4re Betrachtungen \u00fcber die Kampftage und ihre M\u00f6glichkeiten anstellten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ob der Kamerad in allen Einzelheiten recht hat, bleibe dahingestellt. Jedenfalls zeigt er die sehr schwierigen Fragen milit\u00e4rtechnischer und psychologischer Art auf, die jeder zum B\u00fcrgerkrieg sich steigernde Aktion den F\u00fchrern und den Massen stellt; Fragen, die lange vor dem Ausbruch des Kampfes gekl\u00e4rt sein m\u00fcssen. Auch der B\u00fcrgerkrieg bedarf der gr\u00fcndlichsten Vorbereitung an Menschen und Material, und ist schon deshalb kein Gebiet f\u00fcr Dilettanten und gern in blutigen Worten schreibenden Literaten, weil es um Leben oder Tod, um Sieg oder Niederlage f\u00fcr das Arbeitsvolk geht. Bei so furchtbar schweren Ereignissen wie denen in Oesterreich und ihren Auswirkungen f\u00fcr die sozialistische Bewegung mu\u00df m\u00f6glichste Klarheit auch \u00fcber die Fehler der Offiziere und der Mannschaften gewonnen werden. Wenn \u00fcber manches, schon aus R\u00fccksicht auf die vielen Gefangenen, zur Zeit nur mit Zur\u00fcckhaltung gesprochen werden kann und auch unser Kamerad diese Zur\u00fcckhaltung \u00fcbt, erfordert die st\u00fcrmische Anteilnahme der Antifaschisten \u00fcberall an den Vorg\u00e4ngen in Oesterreich doch, da\u00df jetzt schon gesagt wird, was m\u00f6glich und notwendig ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=right style='text-align:right'><span lang=DE>Redaktion der &quot;Deutschen Freiheit&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><b><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>I. Die entscheidenden Tage<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Heldenm\u00fctig geschlagen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ueber die Ereignisse in Wien und Oesterreich mit der gebotenen Objektivit\u00e4t und Leidenschaftslosigkeit zu berichten, ist, wo man noch unmittelbar unter dem Eindrucke der ersch\u00fctternden Ereignisse dieser Tage steht, fast unm\u00f6glich. Es soll aber dennoch geschehen, schon aus dem Grunde geschehen, damit unsere Freunde des Auslandes, welche von ihrer b\u00fcrgerlichen Presse nur die stark und tendenzi\u00f6s gef\u00e4rbten Berichte der \u00f6sterreichischen amtlichen Stellen oder gar die unversch\u00e4mten F\u00e4lschungen durch das \u00f6sterreichische Radio erhalten haben, ein Bild der Ereignisse bekommen, wie sie sich tats\u00e4chlich abgespielt haben. Eines sei gleich vorweggenommen: die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft hat sich heldenm\u00fctig geschlagen; sie hat die Fahne der Internationale, die sie 1926 verliehen erhielt, nicht feige verraten; die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie wurde geschlagen, aber nicht vernichtet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ehrenvoller Friede verhindert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die politischen Verh\u00e4ltnisse dieses Landes lie\u00dfen die Wahrscheinlichkeit einer friedlichen L\u00f6sung des seit dem M\u00e4rz 1933 w\u00e4hrenden Verfassungskonfliktes in den letzten Wochen nicht als unwahrscheinlich erscheinen. Mu\u00dfte doch Bundeskanzler Dollfu\u00df erkennen, da\u00df trotz des ungeheuren Terrors, der auf die \u00f6ffentlichen Angestellten ausge\u00fcbt wurde, die Sozialdemokratie weder inneren K\u00e4mpfen ausgesetzt wurde noch den fortgesetzten Provokationen der Regierungsstellen hereinfiel. Mit geradezu bewunderungswerter Geduld hielt Parteimitgliedschaft Disziplin. Das im Fr\u00fchsommer \u00fcber die Nazis verh\u00e4ngte Parteiverbot bewies nur zu deutlich, da\u00df diese nicht schw\u00e4cher, sondern st\u00e4rker wurden. Dasselbe Experiment mit uns zu versuchen, schien schon aus Gr\u00fcnden der einfachsten politischen Vernunft ausgeschlossen. Dollfu\u00df wu\u00dfte genau, da\u00df er nur in der Sozialdemokratie auf Hilfe bei bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Nazis rechnen konnte, ist doch selbst die nunmehr zu so trauriger Ber\u00fchmtheit gelangte Staatsexekutive &#8209;&nbsp;Polizei, Gendarmerie, Milit\u00e4r&nbsp;&#8209; bis in die h\u00f6chsten Beamtengrade nazidurchseucht. Alle sind wohl bei der &quot;Vaterl\u00e4ndischen Front &quot; eingeschrieben; das ist aber auch alles. Wie wertvoll solche erpre\u00dfte und erzwungene Bundesgenossen sind, ist von Haus aus auszurechnen. Nur die engstirnige Verblendung der christlichsozialen Parteif\u00fchrung, die sich immer mehr und mehr in die Abh\u00e4ngigkeit der unter aristokratischer F\u00fchrung stehenden, faschistisch orientierten Heimwehr begab und wo es so weit kam, da\u00df Dollfu\u00df, vom Machtwahne berauscht, auch innerhalb der eigenen Partei eine schrankenlose Diktatur aus\u00fcben konnte, verhinderte einen ehrenvollen Frieden mit der Sozialdemokratie, welche wahrlich genug Opfer an Ansehen gebracht hatte, um dem Lande den Frieden zu erhalten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch war es Zeit zur Einkehr und Umkehr, als im Januar offenkundig wurde, da\u00df gro\u00dfe Teile der Heimwehr unter F\u00fchrung des Grafen Alberti zu den Nazi hin\u00fcber gewechselt hatten. Zu dieser Zeit hielt Dollfu\u00df seine Rede an die Arbeiterschaft, die allgemein als Weg zur Verst\u00e4ndigung betrachtet wurde, die Arbeiterschaft selbst antwortete durch ihren Parteirat, dem nur Leute aus den Betrieben, also weder Parteibeamte noch \u00f6ffentliche Mandatare, also keine &quot;Volksverhetzer&quot; oder &quot;Bonzen&quot; angeh\u00f6rten, in vers\u00f6hnlicher Form. Zwei Tage sp\u00e4ter kam wieder eine Dollfu\u00df-Rede, die von g\u00e4nzlicher Vernichtung der Partei sprach. Ein Besuch des Heimwehrf\u00fchrers Starhemberg bei Dollfu\u00df und der unglaubliche Einflu\u00df des Heimwehrf\u00fchrers und Vizekanzlers Fey, eines alten Berufsmilit\u00e4rs, des eigentlichen F\u00fchrers der Regierung, bewirkte diesen Umschwung. Die Heimwehr, zahlenm\u00e4\u00dfig schwach (bei den Wahlen des Jahres 1930 erhielt sie nicht einmal 10&nbsp;Prozent der Stimmen und hatte im Nationalrat nur 6 Mandate von 165), jedoch dank italienischen Geldes gut ausger\u00fcstet, ging zur Offensive \u00fcber; in allen Bundesl\u00e4ndern wurde die sofortige Aufl\u00f6sung der Landtage und die Einsetzung der Landeshauptleute als autorit\u00e4re F\u00fchrer unter fast ausschlie\u00dflichem Einflu\u00df eines beratenden Ausschusses von Faschisten gefordert. Tirol, das kulturell r\u00fcckst\u00e4ndigste und reaktion\u00e4rste Bundesland, ging damit voran. Steiermark und das Burgenland folgten. In allen L\u00e4ndern wurde auch die Forderung nach Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratie als erster und wichtigster Punkt gestellt. Dollfu\u00df wollte die Behandlung dieser Forderungen hinausschieben und fuhr nach Budapest; die Verhandlung \u00fcber die Forderungen der Heimwehr sollte am 12. Februar beginnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Morgen gehen wir an die Arbeit&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am 11. Februar hielt der Vizekanzler Fey in einem unbedeutenden Provinzneste eine Rede, die in die Worte ausklang: &quot;Morgen gehen wir an die Arbeit!&quot; Dieser Satz konnte nicht mehr mi\u00dfverstanden werden. So kam es am Montagvormittag in der Hauptstadt des Bundeslandes Ober\u00f6sterreich zum Zusammensto\u00df, welcher die anderen Ereignisse ausl\u00f6sen wollte. Eine Abteilung Heimwehr, welche den Ausspruch ihres F\u00fchrers nicht richtig verstanden hatte<a name=\"Fey_a\"><\/a><a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[14]<\/span><\/span><\/span><\/a>, ging zum Angriff auf das Parteihaus \u00fcber; sie wurde aber mit Maschinengewehrfeuer empfangen und in die Flucht geschlagen. Die Nachricht von den Ereignissen verbreitet sich innerhalb einer halben Stunde in ganz Oesterreich. In Wien traten die Arbeiter des Elektrizit\u00e4tswerkes in Streik und legten vorerst den Stra\u00dfenbahnverkehr still. Dies war das Zeichen f\u00fcr den Republikanischen Schutzbund zum Generalalarm. In allen bedeutenderen Orten Oesterreichs entbrannten gleich der Bundeshauptstadt sofort heftige K\u00e4mpfe zwischen der Staatsexekutive einerseits und dem Schutzbund andererseits.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Schlacht in Wien<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien tobten die K\u00e4mpfe am heftigen am Dienstag. Die gro\u00dfen Wohnhausbauten der Gemeinde Wien lagen stundenlang unter schwerstem Artilleriefeuer mit 15-Zentimeter-Haubitzen und Minenwerfern. Nur dem elenden Schie\u00dfen der Artillerie ist es zu danken, da\u00df die Geb\u00e4ude nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die Besatzung wehrte sich wahrhaft heroisch, wu\u00dften sie doch, da\u00df ihnen der Galgen drohte, wenn sie gefangen werden &#8211; denn mittlerweile wurde das Standrecht verk\u00fcndet. Als Brennpunkte des Kampfes seien angef\u00fchrt: der riesige Geb\u00e4udekomplex Sandleiten, eine kleine Stadt f\u00fcr sich; dort wurden auch in der vorgelagerten Parkanlage unserseits Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgeworfen, desgleichen in der roten Hochburg Favoriten am Laaerberg; sehr schwere K\u00e4mpfe spielten sich in dem rein proletarischen Floridsdorf und in Simmering ab; ersteres konnte erst nach zweit\u00e4gigem erbitterten Kampfe nach heftigster Artillerievorbereitung genommen werden. Das gleiche galt f\u00fcr den herrlichen Goethehof gegen\u00fcber der Reichsbr\u00fccke. Die gr\u00f6\u00dfte Heldentat wurde aber im Marxhof vollbracht. Dieser Riesenbau, von f\u00fcnf m\u00e4chtigen, gut 50 Meter hohen T\u00fcrmen gekr\u00f6nt, ist mehr als ein Kilometer lang. Dort wurde noch am Donnerstagmittag gek\u00e4mpft; Artillerie war auf der gegen\u00fcber liegenden Anh\u00f6he &quot;Hohe Warte&quot; aufgefahren und hielt den Bau ununterbrochen im schwersten Feuer. Au\u00dferdem waren gut 2000 Mann Ordnungstruppen aufgeboten; sie waren nicht in der Lage, die K\u00e4mpfer zum Schweigen zu bringen. Noch heute w\u00fcrde dort gek\u00e4mpft werden, wenn man die Frauen und Kinder (gegen 2500 an der Zahl) h\u00e4tte abziehen lassen; die Ordnungsbestie des Herrn Dollfu\u00df hielt die Bedauernswerten inmitten des Artilleriefeuers gefangen! Erst als ein Schrei der Emp\u00f6rung durch ganz Wien ging, als auch in b\u00fcrgerlichen Kreisen dieses beispiellos barbarische Verhalten aufs sch\u00e4rfste verurteilt wurde, als die Auslandspresse diese unerh\u00f6rte Lumperei anprangerte, konnten die Wohnungen und Keller ger\u00e4umt werden. Zahllose Opfer sind dort unter den Nichtk\u00e4mpfern zu beklagen. Wieviele Regimenter Schutzbund haben also diesen Bau gehalten und haben sich nicht ergeben und konnten ungehindert abziehen? Acht Mann mit drei Maschinengewehren waren die Besatzung auf dem ber\u00fchmten Mittelturm! Noch Donnerstagmittag, als an den meisten Kampfpl\u00e4tzen Ruhe eintrat, wurde von dort aus geschossen, am Nachmittag war die Besatzung spurlos verschwunden. Hut ab vor solchem Heldentum! Diese drei Maschinengewehre reichten aus, den Eisenbahnverkehr auf der Strecke nach der Tschechoslowakei vollkommen zu unterbinden. Der Bau hat sehr schwer unter dem Feuer gelitten, nur die solide Eisenbeton-Bauweise und die miserable Artillerie haben ihn davor bewahrt, ein Tr\u00fcmmerhaufen zu werden. Das Floridsdorfer Arbeiterheim wurde in Brand geschossen, das Ottakringer Arbeiterheim nach 48st\u00fcndigem schwersten Feuer im Sturm genommen, nachdem zwei Stunden vorher das Feuer unsererseits eingestellt wurde und den St\u00fcrmenden sich niemand entgegenstellte, da die K\u00e4mpfer durch die Kan\u00e4le davongingen. So lie\u00dfen sich in die Hunderte Episoden erz\u00e4hlen und werden einst mit goldenen Lettern in die ruhmvolle Geschichte der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie eingetragen werden. Auch die Provinz hielt sich \u00fcberaus tapfer, voran die steirische Arbeiterschaft des M\u00fcrz- und Murtales. In Kapfenberg und Bruck an der Mur tobten tagelange K\u00e4mpfe; nur die Artillerie vermochte die Stellungen zu ersch\u00fcttern.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Schwere Versager<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es darf nicht verhehlt werden, da\u00df Wut und Erbitterung die K\u00e4mpfer \u00fcber das Versagen der F\u00fchrung befallen hat. Zahlreiche Wiener Bezirke wurden gar nicht in den Kampf eingesetzt, da sie keine Befehle erhielten. Erst Dienstagabends begann der Verbindungsdienst zu funktionieren und frohe Hoffnung erf\u00fcllte die Parteimitgliedschaft aufs neue, um am Mittwoch eine neue Entt\u00e4uschung zu erfahren. Die Unterf\u00fchrer waren viel zu wenig selbst\u00e4ndig und verlie\u00dfen sich viel zu sehr auf die Befehle des Generalstabes, die aber nicht kommen wollten. Gut 10.000 Mann wurden auf diese Art in Wien nicht in den Kampf eingesetzt und wurden dadurch mutlos und verdrossen. Waffen und Munition gab es &#8211; aber vielfach wurden die Lagerpl\u00e4tze, welche naturgem\u00e4\u00df nur wenigen Leuten bekannt waren, gar nicht gefunden. Von den Provinzkr\u00e4ften, insbesondere des ausgezeichnet organisierten Wiener Neust\u00e4dter Gebietes, welches vor den Toren Wiens liegt, gar nicht zu reden. Dort kam es \u00fcberhaupt zu keinen ernstlichen K\u00e4mpfen, aber leider auch nicht zum dringend notwendigen Entsatze Wiens. Noch Mittwoch fr\u00fch w\u00e4re die Situation zu retten gewesen. Allerdings hat die Regierung ma\u00dfgebende Schutzbundf\u00fchrer einige Tage vorher verhaftet. Der Oberkommandant, Nationalrat Deutsch, und sein Sekret\u00e4r Heinz haben getan, was sie konnten aber es war zu wenig, trotz aller Hingabe und pers\u00f6nlicher Aufopferung. Nicht vergessen darf aber bei einer objektiven W\u00fcrdigung die vollkommene Ersch\u00f6pfung der K\u00e4mpfer werden, welche fast 72 Stunden bei gar keiner oder sehr mangelhafter Verpflegung in der grimmigen K\u00e4lte, ohne auch nur eine Viertelstunde schlafen zu k\u00f6nnen, ausgeharrt haben. Sie haben wirklich bis zum \u00e4u\u00dfersten ihre Pflicht erf\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die L\u00fcgenhetze<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Verschiedene andere Umst\u00e4nde, welche schlie\u00dflich zum Erl\u00f6schen des Kampfes gef\u00fchrt haben, seien noch erw\u00e4hnt: das Radio brachte halbst\u00fcndlich die entstellten Berichte; so da\u00df die F\u00fchrer geflohen w\u00e4ren und die Arbeiterschaft im Stiche lie\u00dfen. In einem Atemzuge wurde aber auch verk\u00fcndet, da\u00df B\u00fcrgermeister Seitz und alle Abgeordneten, Stadtr\u00e4te, Gemeinder\u00e4te, Bezirksvorsteher, Bezirksr\u00e4te und was es sonst noch an \u00f6ffentlichen Funktion\u00e4ren gibt, soweit man sie erwischte, verhaftet wurden. Immerhin trugen diese Nachrichten bei, eine gewisse Mutlosigkeit zu erzeugen; durch das bereits geschilderte Versagen der obersten F\u00fchrung erhielt diese Tatarennachricht einen Schein von Glaubw\u00fcrdigkeit. Einen au\u00dferordentlich geschickten Schachzug machte Dollfu\u00df mit dem bis Donnerstagmittag befristeten Generalpardon, die F\u00fchrer ausgenommen. Donnerstagmittag waren denn auch die Kampfhandlungen (mit Ausnahme des Marxhofes) beendet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Nein, auch die Massen!&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Hat nur die F\u00fchrung versagt? Nein, auch die Massen der Nichtk\u00e4mpfer! Das ist die sehr traurige Wahrheit, wenn man \u00fcber die Durchf\u00fchrung des Generalstreikes reden will. Schon Dienstag funktionierte wieder die Stromversorgung, aber nicht durch technische Nothilfe: die 100prozentig organisierten Arbeiter der Elektrizit\u00e4tswerke standen wieder auf ihren Pl\u00e4tzen; die Stra\u00dfenbahn begann Donnerstag zu fahren, aber nicht aus dem Willen der Streikenden heraus, sondern weil es die Regierung aus strategischen Gr\u00fcnden nicht fr\u00fcher wollte. Die Gro\u00dfbetriebe begannen ebenfalls Donnerstag zu arbeiten. Der Generalstreik &#8209;&nbsp;eigentlich richtiger Teilstreik, denn er erfa\u00dfte nur die Gro\u00dfbetriebe&nbsp;&#8209; war zusammengebrochen und eine alte Lehre wurde aufs neue best\u00e4tigt, da\u00df ein Generalstreik nur dann zum Ziele f\u00fchrt, wenn er innerhalb 24 Stunden durchgreift. Die staatlichen und st\u00e4dtischen Aemter, Post und Telefon, arbeiteten fast normal, desgleichen die Eisenbahnen, sofern nicht der Schutzbund die Bahnh\u00f6fe besetzt und unter Feuer hielt, was bei den meisten Bahnen der Fall war. Gestreikt hat die einst so ber\u00fchmte Elitetruppe der Eisenbahner nicht&nbsp;&#8209; sie allein h\u00e4tte dem Kampfe ein anderes Gesicht geben k\u00f6nnen. Warum hat also die sonst so geschlossene Arbeiterschaft der Streikparole nicht Folge geleistet?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zwei Gr\u00fcnde liegen vor: 1.&nbsp;Man wartete auf die Parole; 2.&nbsp;Furcht vor Verlust des Arbeitsplatzes. Bei 1. sieht man, was allzugute Disziplin unter Umst\u00e4nden an sch\u00e4dlichen Wirkungen haben kann; 2. in einem Lande mit fast 600.000 Arbeitslosen, also zirka 30 Prozent der arbeitsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung, wo jeder Arbeitsplatz doppelt und dreifach besetzt werden kann, ist die Durchf\u00fchrung eines Streiks nicht mehr Sache der politischen Ueberzeugung, sondern der k\u00fchl abw\u00e4genden Vernunft. Wenn Hunger Weib und Kind bedroht, wenn jahrelange Arbeitslosigkeit mit allen ihren Schrecken drohend aufsteigt, dann wird selbst der radikalste Versammlungsschreier, dem die Parteif\u00fchrung nie radikal genug war, im Ernstfalle besonnen wie ein gelernter Staatsmann. Das ist die bittere Erkenntnis, die viele nicht f\u00fcr wahr halten wollten: Streiks zu f\u00fchren ist in Zeiten normaler Wirtschaft leicht, jedoch doppelt zu \u00fcberlegen bei den derzeitigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen auf der ganzen Erde! Die Lehren, die Oesterreich daraus gezogen hat, m\u00f6gen unsere Freunde wohl beachten, denn sie wurden mit dem Blute Tausender bezahlt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><b><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>II. Die Schuldfrage<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Nach 1918<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Oesterreicher ist ein von Haus aus friedliebender und umg\u00e4nglicher Mensch, der sich nicht gerne in das Getriebe der gro\u00dfen Politik mengt. Er ist zufrieden, wenn er sein materielles Auskommen findet und h\u00e4lt sich im \u00fcbrigen an den alten Wiener Grundsatz &quot;Leben und leben lassen&quot; und &quot;Menschen san ma alle, Fehler hab\u2019n ma jeder gnua (genug).&quot; Zum Unterschiede von seinen reichsdeutschen Stammesbr\u00fcdern ist er weicher, fast m\u00f6chte man sagen, lyrischer gestimmt, vor allem der Wiener. Er ist kein Freund rascher Entscheidungen, neigt eher zu Kompromissen um des lieben Friedens willen. Der Anblick eines mi\u00dfhandelten Tieres kann ihn zur Raserei bringen; und dennoch diese blutigen Tage? Ein innerer Widerspruch tut sich da auf, dem Ausl\u00e4nder, welcher Wien und die Wiener zu kennen glaubt, ganz unverst\u00e4ndlich. Diese Tage waren auch g\u00e4nzlich un\u00f6sterreichisch und auch deren Grundursachen. Um alles zu verstehen, m\u00fc\u00dfte man schon in die Lage des Novemberumsturzes 1918 zur\u00fcckgreifen. Der Oesterreicher wird nie diese Zeit mit &quot;Revolution&quot; bezeichnen und mit Recht; die alten Gewalten der kaiserlichen Monarchie brachen nach dem vierj\u00e4hrigen Morden des Krieges wie ein ausgeh\u00f6hlter Baum von selbst zusammen. Alle b\u00fcrgerlichen Parteien hatten gr\u00fcndlich beim Volke abgewirtschaftet, waren sie doch die Hauptschuldigen, vor allem die Christlichsoziale Partei. Die einzige wirklich vorhandene Macht war die Sozialdemokratie mit ihrer straffen Organisation; ihre entschiedene Kriegsgegnerschaft hatte ihr Sympathie in weitesten Kreisen eingebracht. Alle Macht im Staate fiel uns von selbst zu, die gesamte Exekutive gehorchte bedingungslos den neuen F\u00fchrern. Die Kriegsschuldigen, die Generale, Politiker und Kriegsverdiener verkrochen sich vor dem Zorne des Volkes; die Christlichsoziale Partei, gest\u00fctzt auf die m\u00e4chtige katholische Kirche des katholischen Oesterreich, welche die r\u00fcckst\u00e4ndigen Massen der Gebirgsbauern vollkommen beherrscht, erholte sich am raschesten. Schon die ersten Wahlen des Februar 1919 brachten uns nicht die erhoffte Mehrheit; es war uns eben nicht beschieden, die Riesennot der Kriegszeit mit einem Schlage zu beseitigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Nach 1920<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>1920 brachte die notwendige Kl\u00e4rung, wir traten aus der Regierung aus und seither regieren im Bunde ausschlie\u00dflich B\u00fcrgerliche! Der Austritt aus der Regierung war eine befreiende Tat und Rettung der Parteieinheit in letzter Minute; die damals hochgehenden kommunistischen Wogen hatten uns bereits hart bedroht. Jede Wahl brachte uns trotz des zu einer Einheitsliste zusammengeschlossenen B\u00fcrgertums neue Erfolge und brachte uns der Mehrheit ziemlich nahe (zuletzt 42 Prozent aller abgegebenen Stimmen). Unsere Position wurde durch die Eroberung des Wiener Rathauses mit stets gr\u00f6\u00dfer werdender [Mehrheit ziemlich nahe (zuletzt 42 Prozent aller abgege&nbsp;<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[15]<\/span><\/span><\/span><\/a>] gebessert; eine musterhafte Finanzverwaltung, die rigorose Erfassung des Besitzes und die Verwendung der Steuergelder zu wahrhaft volkst\u00fcmlicher Aufbauarbeit, man denke nur an die 60.000 erbauten, pr\u00e4chtigen Volkswohnungen, wurde weltbekannt und war den B\u00fcrgerlichen ein Dorn im Auge.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Ausraubung Wiens<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt'><span lang=DE>Seit Jahren bem\u00fchten sich die Zentralstellen, dem roten Wiener Rathause die Einnahmen zu beschneiden und damit die Aufbauarbeit unm\u00f6glich zu machen. Solange es noch ein Parlament gab, waren alle diese Bem\u00fchungen fast erfolglos; mit Riesenschritten ging es ab M\u00e4rz 1933 abw\u00e4rts. Vor Ausbruch der proletarischen Erhebung hatte die Gemeinde Wien mehr als ein Drittel der Einnahmen an die Staatskassen zur Stopfung des riesigen Bundesdefizits begeben m\u00fcssen; dies alles geschah nicht auf Grund eines Gesetzes sondern einer Verordnung aus der Kriegszeit &quot;zur Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit wichtigen Bedarfsartikeln&quot;. Richtiger gesagt: die Gemeinde wurde einfach ausgeraubt.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal style='line-height:15.0pt'><span lang=DE>[Bundeskommiss\u00e4r nichts anfangen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>griffe<\/span><span lang=DE>&nbsp;<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[16]<\/span><\/span><\/span><\/a>]<\/span><span lang=DE> auf das von den Arbeitern \u00fcber alles geliebte rote Wien brachte die politischen Leidenschaften bedenklich zum Sieden und war eine der Ursachen des Aufstandes. Doch dar\u00fcber ein andermal.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Ruf nach Gewalt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als im M\u00e4rz 1933 das Parlament durch einen Gewaltstreich der Regierung am Zusammentritt verhindert und so der Auftakt zu den Fieberereignissen des Jahres 1934 gegeben wurde, scholl immer st\u00fcrmischer der Ruf aus der Arbeiterschaft, die Entscheidung durch die Gewalt der Waffen zu suchen; heute wird behauptet, da\u00df damals die Erhebung siegreich gewesen w\u00e4re. Vieles spricht daf\u00fcr, vieles dagegen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Was daf\u00fcr spricht, ist der Umstand, da\u00df die Staatsexekutive zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht die heutige St\u00e4rke erlangt hatte. Damals gab es nur Polizei, Gendarmerie und Milit\u00e4r als gesetzliche, jene der Heimwehr als ungesetzliche Formationen. Die Gesamtst\u00e4rke in ganz Oesterreich d\u00fcrfte zirka 30-35.000 Mann betragen haben, denen allein in Wien 20.000 gut ausgebildete Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, davon die meisten gediente Soldaten des Krieges, gegen\u00fcberstanden. Die Gesamtst\u00e4rke des Schutzbundes hat man begreiflicherweise nie erfahren; es d\u00fcrften in ganz Oesterreich 60.000 bis 70.000 Mann gewesen sein. Rein ziffernm\u00e4\u00dfig betrachtet, waren wir also zweifellos unter der Voraussetzung \u00fcberlegen, da\u00df der Aufstand in ganz Oesterreich zu gleicher Zeit losbricht. In der Bewaffnung war uns die Exekutive schon durch das Vorhandensein von Artillerie \u00fcberlegen, die auch die wirkliche Entscheidung in diesen K\u00e4mpfen gebracht hatte. Es fehlte aber auch an der notwendigen Bewaffnung; Gewehre und Maschinengewehre waren nur unzul\u00e4nglich vorhanden; auch an Munition fehlte es. Es war also zweifellos richtig, da\u00df die milit\u00e4rischen F\u00fchrer des Schutzbundes, durchweg ehemalige Offiziere, den Zeitpunkt als noch nicht gegeben erachteten und fieberhaft aufr\u00fcsteten; es war allen klar, da\u00df nur ein Wunder oder die R\u00fcckkehr zu verfassungsm\u00e4\u00dfigen Zust\u00e4nden die Austragung des Verfassungskonfliktes ohne Waffengewalt unn\u00f6tig machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber auch schwere politische Bedenken Sprachen zu diesem Zeitpunkte gegen das Losschlagen. Die Nazis, durch die Machtergreifung Hitlers in Deutschland gewaltig in ihrem Selbstgef\u00fchl gesteigert, wuchsen t\u00e4glich und hatten vor allem aus den Mittelschichten kolossalen Zulauf. H\u00e4tten wir uns in einen bewaffneten Konflikt eingelassen, dann h\u00e4tten die Nazis jederzeit als die lachenden Dritten den Kampf f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen. Wer immer gesiegt h\u00e4tte, die Nazis h\u00e4tten ihm um die Fr\u00fcchte des Sieges gebracht. H\u00e4tten wir gesiegt, dann h\u00e4tte Hitler erst recht einen Vorwand zum Einmarsche gehabt; sein Freund Mussolini h\u00e4tte nicht gez\u00f6gert, sich diesem Beispiele anzuschlie\u00dfen; die Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien h\u00e4tten versucht, sich ihren Beuteteil zu sichern. Unabsehbar w\u00e4ren die Folgen dieses Kampfes gewesen, ein neuer Weltbrand h\u00e4tte daraus entstehen k\u00f6nnen. Unseren Lesern wird vielleicht damit klar, welche ungeheure Verantwortung die Parteif\u00fchrer auf sich lasten hatten und welchem Drucke sie ausgesetzt waren. Auf der einen Seite das unzufriedene, hocherregte Proletariat, auf der anderen Seite die immer mehr ins faschistische Fahrwasser geratende Regierung und im R\u00fccken die braune Gefahr! Die vielgeschm\u00e4hten Volksverhetzer haben damals dem Vaterlande wahrlich einen wertvolleren Dienst erwiesen als alle die gro\u00dfmauligen faschistischen Heimatsch\u00fctzer.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Kurs gegen Rot<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Diese staatsm\u00e4nnische Klugheit wurde uns schlecht gelohnt. Der Kurs gegen Rot wurde trotz der immer drohender werdenden braunen Gefahr immer sch\u00e4rfer; die Regierung, wohl wissend, da\u00df wir uns niemals mit den Nazis gegen sie verb\u00fcnden k\u00f6nnen, n\u00fctzte unsere Zur\u00fcckhaltung in ihrem Kampfe gegen die Braunen in der unversch\u00e4mtesten und undankbarsten Art aus. Ja, eine Zeitlang hatte es den Anschein, als ob es zu einer Koalitionsregierung mit den Braunen kommen w\u00fcrde; nur die allzuhohen Anspr\u00fcche der Nazis machten das Gesch\u00e4ft unm\u00f6glich, Dollfu\u00df und seine Kumpane hatten inzwischen den Wert gutgepolsterter Ministersessel sch\u00e4tzen gelernt. Als nun die Nazis zu offener Gewalt griffen, als es Sprengstoffattentate gab, wurde die Nazipartei verboten. Da sie aber zahlreiche Freunde in der hohen B\u00fcrokratie, in allen Aemtern und vor allem in der Exekutive hat, wurde jede ernstliche Ma\u00dfnahme prompt verraten. Zu Weihnachten und am Beginn des neuen Jahres, als gro\u00dfe Teile des Heimatschutzes in das Lager der Nazis abgewandert waren, schien Dollfu\u00df einen Moment zu Besinnung zu kommen, da\u00df er ohne uns im Kampfe gegen die Nazis verloren w\u00e4re; er hielt eine vern\u00fcnftige Rede. Am n\u00e4chsten Tage hatte er sich eines Besseren besonnen und die Angriffe gegen uns wurden aufs neue versch\u00e4rft. <\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wettr\u00fcsten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzbund war schon im Fr\u00fchjahr aufgel\u00f6st worden; da\u00df er damit nicht beseitigt wurde, wu\u00dfte die Regierung sehr genau, ebenso war sie von den R\u00fcstungen des Schutzbundes unterrichtet; nur \u00fcber das Ausma\u00df war sie sich im unklaren. Sie traf nun ihrerseits fieberhaft Gegenma\u00dfnahmen. Die Heeresst\u00e4rke wurde vermehrt, es wurde ein Assistenzkorps durch freiwillige Werbung aufgestellt, Arbeitslose wurden zum Eintritt in die Heimwehr mit ganzer Verpflegung und einem Tagessolde aufgefordert und leisteten dem Rufe auch zahlreich Folge; viele gute Parteigenossen waren in dieser Formation, so da\u00df wir \u00fcber alle Vorg\u00e4nge genau unterrichtet waren und anderseits der Kampfeswert dieser Truppe bedenklich herabgesetzt wurde. Herrn Mussolinis Geld war also schlecht angewendet. Die Turnvereine und die sonstigen reaktion\u00e4ren Formationen, wie Frontk\u00e4mpfer, die christlichsozialen Sturmscharen, der Freiheitsbund und zum Schlusse auch die Kriegervereine wurden f\u00fcr das Freiwillige Schutzkorps aufgeboten. Die Kosten zahlte freigebig die Regierung; gro\u00dfe Teile der m\u00fchselig zusammengebrachten Trefferanleihe wurden so zum Fenster hinausgeworfen und damit die M\u00f6glichkeit wirklicher Arbeitsbeschaffung versch\u00fcttet. Mittlerweile stellte die Heimwehr in den ersten Februartagen in allen Bundesl\u00e4ndern ultimative Forderungen rein faschistischer Art; Ausschaltung aller Landtage und Bestellung eines Landesf\u00fchrers, Aufl\u00f6sung aller Parteien, vor allem der sozialdemokratischen, Reinigung der Aemter von allen Staatsfeinden, also Freimachung der Futterkrippe.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auf Tod und Leben<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Entscheidung dar\u00fcber behielt sich Dollfu\u00df f\u00fcr den 15. Februar vor. Wir wu\u00dften nunmehr: jetzt geht es auf Tod und Leben, die Spannung wuchs ins Unertr\u00e4gliche! Am 11. Februar hielt der b\u00f6se Geist der Regierung, Vizekanzler Fey, eine aufreizende Rede, die darin gipfelte: &quot;Morgen machen wir Ordnung!&quot;. <a name=\"Fey_b\"><\/a>Seine Mannen verstanden ihn sehr richtig<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[17]<\/span><\/span><\/span><\/a>, so ging eine Abteilung Heimwehr bewaffnet gegen das Linzer Parteihaus vor, wo sie mit schwerstem Feuer empfangen wurden. Das Unheil hatte damit begonnen, die weiteren Ereignisse sind bekannt und m\u00fcssen nicht mehr wiederholt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ursachen der Niederlage<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eine der Ursachen der Niederlage war der Umstand, da\u00df die Bewegung nicht von Wien aus ihren Anfang genommen hatte; die Vorf\u00e4lle in Linz kamen \u00fcberraschend und mu\u00dften nunmehr auch die Aktion in Wien ausl\u00f6sen. Zahlreiche F\u00fchrer wurden schon in der Vorwoche verhaftet, bis auf General K\u00f6rner, der als Bundesrat, und Nationalrat Deutsch, der als Abgeordneter immun war. Am Beginn des Abwehrkampfes wurde auch General K\u00f6rner in einer Sitzung des Parteivorstandes verhaftet! Dies ist bei einem so erfahrenen Milit\u00e4r wie K\u00f6rner [es ist&nbsp;<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[18]<\/span><\/span><\/span><\/a>] (er war Generalstabschef der Isonzo-Armeen im Weltkriege), das Unfa\u00dfbarste! Im \u00fcbrigen hatte man die politischen F\u00fchrer nicht lange suchen m\u00fcssen; die Prominentesten, mit B\u00fcrgermeister Seitz an der Spitze, wurden alle in dieser historischen Sitzung auf einen Haufen verhaftet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die K\u00e4mpfe spielten sich an der Peripherie ab. Das war ein Fehler. Bei gr\u00f6\u00dferen Massen kann die Artillerie verheerend und demoralisierend wirken. Der Stra\u00dfenkampf in Hunderten von Gruppen w\u00e4re vielleicht richtiger gewesen. Aber es kam \u00fcberhaupt nicht zur Durchf\u00fchrung einer einheitlichen Aktion. Erst am Dienstagabend funktionierte der Nachrichtendienst, als schon in allen Bezirken ungemein verlustreiche Einzelaktionen der entschlossenen Unterf\u00fchrer eingesetzt hatten. Zehn Bezirke mit etwa 10.000 Mann haben nicht einen Schu\u00df abgegeben, man wartete auf Befehle! Diese Kr\u00e4fte h\u00e4tten die Entscheidung schon aus dem Grunde bringen k\u00f6nnen, weil dadurch die Regierungstruppen an vielen Stellen gebunden gewesen w\u00e4ren. So konnte die Regierung ein Aufstandsgebiet nach dem anderen mit gro\u00dfer Kr\u00e4ftezahl niederk\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Provinz, vor allem Steiermark und Ober\u00f6sterreich, allen voran Linz, die rote Stadt Steyr, Kapfenberg, Bruck a. Mur und die Umgebung von Graz, k\u00e4mpften wie die L\u00f6wen. Auf sich allein gestellt, mu\u00dften sie aus dem gleichen Grunde wie die Wiener Arbeiter besiegt werden. Das gr\u00f6\u00dfte Bundesland, Nieder\u00f6sterreich, das rund 12.000 Schutzb\u00fcndler stellen sollte, kam, von unbedeutenden Einzelaktionen abgesehen, \u00fcberhaupt nicht ins Gefecht. Der Landesf\u00fchrer, Abgeordneter P\u00fcchler, wurde einige Tage vorher wegen einer kleinen Rauferei verhaftet. Wien wartete umsonst auf Entsatz.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Problem der F\u00fchrung ist nicht blo\u00df eines der Offiziere, sondern noch mehr der Unteroffiziere. Die Unterf\u00fchrer waren durchwegs kriegsgediente Leute; jedoch die wenigsten hatten wirkliche F\u00fchrerqualit\u00e4ten. Es fehlte an Selbst\u00e4ndigkeit, Entschlu\u00dfkraft und Initiative; man wartete immer auf die Befehle, die niemals kommen sollten. Dabei war kein Mangel an Waffen aller Art; Freund und Feind waren von der gl\u00e4nzenden Ausr\u00fcstung mit Maschinengewehren und Handfeuerwaffen sowie Handgranaten \u00fcberrascht. Wir waren da der Exekutive weit \u00fcberlegen. Im rein Technischen h\u00e4tte es geklappt und auch bei den taktischen Uebungen\u2026 Versagt hat auch der Verpflegungsdienst; die K\u00e4mpfer waren oft 72 Stunden ohne einen Bissen E\u00dfwaren, ohne einen warmen Schluck. Dabei herrschte bittere K\u00e4lte, Abl\u00f6sung der abgek\u00e4mpften Truppen gab es nicht, weil keine Verbindung herzustellen war; daher gab es auch keine Minute Schlaf. Die Gefangenen fielen bei der Einlieferung auf der Stelle in tiefen Schlaf. So mu\u00dfte aus vielen Unterlassungss\u00fcnden, aus echt \u00f6sterreichischer Oberfl\u00e4chlichkeit, Schlamperei und Sorglosigkeit heraus eine so heroisch k\u00e4mpfende Arbeiterarmee geschlagen werden. Der Abend des 15. Februar war der bitterste im Leben Zehntausender von Parteigenossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der fromme Miklas<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch am Montagmittag, als der Generalstreik einsetzte, schien es, als ob das Aeu\u00dferste vermieden werden k\u00f6nnte. B\u00fcrgerliche Politiker erschienen beim Bundespr\u00e4sidenten Miklas und beschworen ihn um seine Vermittlung; er lehnte rundweg ab! Herr Miklas, Ritter des Christusordens, frommer Katholik, der t\u00e4glich in der Kirche Gott um Beistand anfleht: ein Wort h\u00e4tte gen\u00fcgt, um die Waffen zu senken, um Herrn Dollfu\u00df zur Besinnung zu rufen. Dieses Wort wurde nicht gesprochen; Herr Miklas, Sie Hauptschuldiger an all den Wirren dieses Landes, Sie, der Sie unversch\u00e4mt entgegen Ihrem Eide die Verfassung gebrochen haben, Hundertemale gebrochen haben, Sie, der indirekt das Leben Tausender S\u00f6hne dieses Landes auf dem Gewissen hat: um Ihre Sterbestunde beneide ich sie nicht! Auch Ihr Gott kann Ihnen dieses Verbrechen nicht verzeihen!<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Rache der &quot;Sieger&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung, auf einen raschen Sieg hoffend und die um ihre Freiheit k\u00e4mpfenden Arbeiter als &quot;Verbrecher&quot; beschimpfend, die zu besiegen eine Musikkapelle und ein nasser Fetzen gen\u00fcge, mu\u00dfte es bald billiger geben. Am Mittwochabend erschienen die Gesandten der Gro\u00dfm\u00e4chte bei Dollfu\u00df und verlangten kategorisch, da\u00df mit dem Morden und mit den Standgerichtsurteilen Schlu\u00df gemacht wird; Dollfu\u00df versprach den K\u00e4mpfern &#8209;&nbsp;nicht aber den F\u00fchrern&nbsp;&#8209; Pardon; damit wurde weiteres und nunmehr nach der taktischen Lage auch unn\u00fctzes Blutvergie\u00dfen vermieden. Aber die Ausbeute an gefangenen K\u00e4mpfern war sehr mager; die meisten verzichteten auf die &quot;Gnade&quot; und nahmen die Waffen in die Verstecke wieder mit. Welche schlotternde Angst die Regierung vor der Arbeiterschaft noch immer hat, beweisen die Waffenpr\u00e4mien: f\u00fcr ein Maschinengewehr werden S. 50,- f\u00fcr eine Handfeuerwaffe S. 20,- bezahlt und Straflosigkeit zugesichert. Fieberhaft wird nach den versteckten Depots gesucht, Tag und Nacht werden Hausdurchsuchungen vorgenommen, der Erfolg ist sehr kl\u00e4glich. Um der Welt ihre &quot;St\u00e4rke&quot; zu beweisen, wurde alles, was irgendwie eine h\u00f6here Funktion in der Arbeiterbewegung oder in den Gewerkschaften bekleidet, verhaftet. So alle \u00f6ffentliche Mandatare, die allermeisten Gewerkschaftsf\u00fchrer, Rechtsanw\u00e4lte, Aerzte, ja sogar die Angestellten der Partei. Gegen 100 Arbeiterorganisationen, darunter s\u00e4mtliche Gewerkschaften, alle Kulturvereine welcher Art immer, sogar der Arbeiter-Tierschutzverein, wurden aufgel\u00f6st. Das Verm\u00f6gen soll eingezogen werden, bis auf jenes der Gewerkschaften. Diese sind meist auf versicherungstechnischer Grundlage aufgebaut; ein Raub dieser Gelder w\u00fcrde die kaum geb\u00e4ndigte Arbeiterschaft aufs neue aufbringen. Da wird von Staats wegen vorgesorgt, in welcher Art, ist noch nicht feststehend. Ebenso wurden die Kollektivvertr\u00e4ge durch Notverordnungen verl\u00e4ngert. Die bedeutenden Verm\u00f6genswerte der Partei und Gewerkschaften sind aber schon vor Monaten in den Besitz ausl\u00e4ndischer Arbeiterorganisationen \u00fcbergegangen; der beutehungrige Faschismus wird viele fette Brocken davonschwimmen sehen\u2026 Die ber\u00fchmten Wiener Arbeiterb\u00fcchereien wurden s\u00e4mtlich ausger\u00e4umt und &quot;sichergestellt&quot;, wahrscheinlich will man sorgf\u00e4ltig sichten, ehe man den Arbeiter wieder lesen l\u00e4\u00dft. Arbeiterbl\u00e4tter gibt es nicht mehr, die Zeitungen unter dem Regierungsdrucke bringen nur die der Regierung genehme Nachrichten. Nach den Beschimpfungen des ersten Tages bekamen aber die b\u00fcrgerlichen Bl\u00e4tter doch ein wenig Achtung vor den heldenhaften Gesinnungstreue der Wiener Arbeiterschaft und die Beschimpfungen beschr\u00e4nken sich je nach Konfession auf die &quot;Bonzen&quot; oder &quot;j\u00fcdischen F\u00fchrer&quot;, welche die Masse im Stich gelassen h\u00e4tten. Im gleichen Atem berichtet man, da\u00df mehr als tausend F\u00fchrer, darunter der gesamte Parteivorstand verhaftet ist. Auf den Kommandanten des Schutzbundes, Nat.-Rat Deutsch, richtete sich die Wut und Verleumdung ganz besonders; er w\u00e4re feige ins Ausland geflohen und h\u00e4tte die Truppe im Stich gelassen. Bis offizielle tschechische Beh\u00f6rden mitteilten, da\u00df Deutsch schwer verwundet am Donnerstagabend also nach Schlu\u00df der K\u00e4mpfe in Pre\u00dfburg angekommen sei.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Volksstimmung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Bev\u00f6lkerung stand in ihrer erdr\u00fcckenden Mehrheit auf seiten der Arbeiterschaft; auch streng b\u00fcrgerliche Menschen, welche ansonsten f\u00fcr uns nichts \u00fcbrig haben, bewunderten die Gesinnungstreue und den Idealismus der K\u00e4mpfenden. F\u00fcr die Heimwehr hat man sehr wenig \u00fcbrig; es befinden sich sehr zweifelhafte Elemente krimineller Art in ihr. So wurde in den erst\u00fcrmten Gemeindebauten gehaust wie im Feindesland, Kleider und W\u00e4sche zerschnitten, Geschirr zertr\u00fcmmert, alles kurz und klein geschlagen, wo man auch nur ein Seitz-Bild vorfand, ja selbst Kinderspielzeug wurde sinnlos vernichtet. Und dabei haben die Ordnungsst\u00fctzen gestohlen wie die Raben. Ich habe Wohnungen im Karl-Marx-Hof gesehen, die meine Behauptungen beweisen. Auf diese &quot;K\u00e4mpfer&quot; in fremden Taschen braucht sich Herr Dollfu\u00df wahrlich ebensowenig wie auf seine &quot;brave Exekutive&quot; etwas einzubilden. Wehrlose Gefangene bestialisch zu schlagen: das haben nicht einmal die Kosaken im Weltkriege getan. Auch Frauen und Kinder wurden nicht in von der Artillerie beschossenen Geb\u00e4uden gewaltsam und mit vorgehaltenem Gewehr zur\u00fcckgehalten. Dem K\u00e4mpfer hat man den ehrlichen Soldatentod durch Pulver und Blei, nicht den schimpflichen Galgen wie dem Offizier der Feuerwehr, Weissel, gegeben, der sich wie ein Mann verantwortet hat und wie ein Mann gestorben ist, um den selbst B\u00fcrgerliche Tr\u00e4nen vergossen haben. Auch \u00fcber Herrn Dollfu\u00df wird das Blut der Arbeiter kommen; schon rinnen \u00fcber den Plakaten mit seinem Bilde rote Blutspuren, au\u00dferordentlich geschickt gemacht, herab. Auf dem Blatt Papier, das er h\u00e4lt, steht gro\u00df: &quot;Arbeiterm\u00f6rder!&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Um zur gestellten Schuldfrage wieder zur\u00fcckzukommen: nach meinem Daf\u00fcrhalten war das Losschlagen weder von der politischen noch von der milit\u00e4rischen F\u00fchrung am 12. Februar gewollt, wenn auch diese Woche wahrscheinlich die Entscheidung durch die Gewalt der Waffen gebracht h\u00e4tte. Hatte doch die Regierung s\u00e4mtlichen Angeh\u00f6rigen der Brachialformationen eine Woche vorher je S. 100.- ohne weitere Begr\u00fcndung ausbezahlen lassen, was bei dieser absolut angestelltenfeindlichen Regierung unbedingt seinen Grund hatte. Dieser Betrag war Bestechung und Judaslohn zugleich. Zweifellos versagt hat die milit\u00e4rische F\u00fchrung. Inwieweit daran eine Verkettung ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde Ursache des Versagens ist, kann derzeit nicht festgestellt werden. Vieles liegt an der zweiten F\u00fchrergarnitur, welche sich ihrer Stunde nicht gewachsen gezeigt hat. Das Verschulden der politischen F\u00fchrung? Man sagt, die alten Herren der Parteif\u00fchrung waren der politischen Situation nicht gewachsen; ihre allzugro\u00dfe Besonnenheit w\u00e4re ein schwerer Fehler gewesen. Wenn man alles mit den M\u00e4rztagen 1933 r\u00fcckschauend betrachtet, so kann man keine Schuldbeweise finden. Es war richtig gehandelt, die beste taktische Situation abzuwarten, eine Zeit schien es, als ob der Gegner an seinen inneren Streitigkeiten scheitern solle. Der Faschismus wurde eben in Oesterreich auf kaltem Wege erzeugt; das Aufflammen der blutigen Februartage war der letzte Aufschrei der Emp\u00f6rung \u00fcber das verlegte und mit F\u00fc\u00dfen getretene Recht, das man so schn\u00f6de durch die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes vergewaltigt hat. Wenn der Arbeiter sehen mu\u00df, da\u00df ihm auf dem legalen Rechtsboden nirgends mehr Schutz und Hilfe in seinen gerechten Anspr\u00fcchen wird, dann mu\u00df er sein Recht mit der Waffe in der Faust zu erobern suchen. Wenn dies auch diesmal mi\u00dflungen ist, wenn noch einmal die Reaktion st\u00e4rker war und nun versucht, die Rechtsverweigerung zu verewigen: es kommt der Tag, wo das Volk sich seine ewigen Rechte von den Sternen holt, es kommt der Tag, fr\u00fcher, als es sich manche erhoffen und die anderen in Tr\u00e4umen ihres schlechten Gewissens sich mit Schrecken ausmalen: es kommt der Gerichtstag mit den blutbefleckten Schergen der Freiheit! Es wird ein f\u00fcrchterlicher Gerichtstag werden, wo ganze Rechnung f\u00fcr immer und ewig gemacht werden wird!<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> <a name=\"DF_1934_02_14_fr\"><\/a>Nummer 37 &#8211; 2. Jahrgang<\/span><\/i><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-1934-februar-deutsche-freiheit-de\/#_edn1\"><\/a><span lang=DE>&nbsp;<\/span><a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[19]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE><br \/> <\/span><i><span lang=DE>Saarbr\u00fccken, Mittwoch, den 14. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Freiheitsschlacht der Sozialdemokratie<br \/> Oesterreichs bewaffnete Arbeiter retten die Ehre und zeigen den Zukunftsweg<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>D. F. D<\/span><span class=TexteCar><span lang=DE>ie S<\/span><\/span><span lang=DE>ozialdemokratie Oesterreichs k\u00e4mpft. Mit dem politischen Generalstreik nicht nur, sondern mit der Waffe in der Hand. Sie hat wahr gemacht, was sie immer warnend angek\u00fcndigt hat: die waffenf\u00e4higen Mannschaften verteidigen die Volksrechte unter Einsatz des Lebens. Es ist in der Geschichte der Sozialdemokratie aller L\u00e4nder das erste Mal, da\u00df die sozialdemokratische Arbeiterpartei im B\u00fcrgerkrieg steht. Auch die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie hat gez\u00f6gert, bis ihr nur noch die Entscheidung blieb, kampf- und ruhmlos abzutreten, oder alle ihre au\u00dferparlamentarischen Machtmittel einzusetzen. Sie hat sich f\u00fcr den bewaffneten Widerstand entschieden. Wie der Kampf enden wird, ist zur Stunde unentschieden. Gewi\u00df aber ist, da\u00df die mutige zu allem entschlossene Haltung der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie das durch den deutschen Zusammenbruch schwer ersch\u00fctterte Vertrauen in den Ernst des Kampfwillens der Sozialisten wieder beleben wird. Auch wenn der heldenm\u00fctige Widerstand der \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten gegen \u00fcberlegen bewaffnete Polizei- und Heerestruppen mit dem milit\u00e4rischen Siege der Bundesregierung erden sollte, bleibt das Beispiel sozialistischen Heroismus, das von Oesterreich her gegeben ist, bleiben die unversiegbaren Glaubens und Kampfkr\u00e4fte, die dieses Heldentum neu in die Reihen der Sozialisten und insbesondere ihrer Jugend tragen wird. Die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie zeigt den Geist und die Moral, die f\u00fcr die harten Entscheidungen der kommenden Jahre unerl\u00e4\u00dflich sind. Sie stellt den Soldaten der faschistischen Diktatur die Soldaten der sozialistischen Freiheit entgegen: Anders als durch militante Demokratie und militanten Sozialismus werden die dr\u00e4ngenden L\u00f6sungen in den gro\u00dfen Gesellschaftskonflikten des \u00fcberlebten europ\u00e4ischen Kapitalismus nicht zu finden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten haben, wie niemand anders erwartet hat, jede Solidarit\u00e4t mit den k\u00e4mpfenden Sozialdemokraten abgelehnt und gleichzeitig erkl\u00e4rt, da\u00df sie die Regierung Dollfu\u00df &quot;mit aller Macht&quot; bek\u00e4mpfen w\u00fcrden. Daran ist soviel wahr, da\u00df die Nationalsozialisten hoffen, der Schlag des Bundeskanzlers gegen Links werde den Austrofaschismus st\u00fcrzen und den reichsdeutschen Faschsimus zur Macht bringen. Die einen wie die anderen aber hetzen mit der Verleumdung, die Sozialdemokratie befinde sich &quot;im bolschewistischen Aufstand&quot;. Das ist die gro\u00dfe L\u00fcge, die den in Oesterreich fehlenden Reichstagsbrand ersetzen soll. Wahr ist indes, da\u00df die Bundesregierung sich im Aufstand befindet gegen die von ihr beschworene demokratische Verfassung und [da\u00df] die Sozialdemokratie gegen Staatsverbrecher, die Polizei und Heer zum Staatsstreich mi\u00dfbrauchen, die Volksrechte und Volksfreiheiten verteidigt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Ziel der Sozialdemokratie ist, die legale Bundesverfassung aufrechtzuerhalten, das Ziel der Regierung und ihrer Verb\u00fcndeten aller Art ist, illegal dem Volke eine faschistische Verfassung aufzuzwingen. Das sind die beiden gro\u00dfen Gegens\u00e4tze. Innerhalb der faschistischen Front bestehen nur K\u00e4mpfe um die Verteilung der Beute. Die Austrofaschisten wollen eine \u00f6sterreichische Diktatur unter Anlehnung an Italien, die Hitlerfaschisten wollen die diktatorische Gleichschaltung mit Deutschland und die Ausschaltung aller ihrer Gegner, auch der Klerikalen, nach deutschem Muster. Beide erstreben Verfassungszust\u00e4nde, die von den jetzigen parlamentarisch-demokratischen Formen nichts mehr \u00fcbrig lassen. Beide k\u00f6nnen ihre Ziele nur durch Gewalt und Eidbruch erreichen. Die Sozialdemokratie hat von Millionen verfassungstreuen Oesterreichern das Mandat, diese Anschl\u00e4ge zu vereiteln. Wenn sie nun das Wirtschaftsleben Oesterreichs stillzulegen und die Staatsverbrecher mit Flinten und Maschinengewehren abzuwehren versucht, f\u00fchrt sie diesen Volksauftrag aus. Die Sozialdemokratie erf\u00fcllt ihre staatsb\u00fcrgerliche Pflicht. Sie ist Verfassung und Gesetz. Der Bundeskanzler und die Seinen stehen au\u00dferhalb der Gesetze. Wenn sie sich behaupten oder andere Faschisten an ihre Stelle treten sollten, so lehrt das die Sozialisten aller L\u00e4nder nur eindringlicher denn je, da\u00df jedes Recht verloren ist, wenn es gegen seine Feinde nicht mit \u00fcberlegener Gewalt gesch\u00fctzt werden kann.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die nach der ersten Kampfnacht vorliegenden amtlichen Meldungen berichten von vielen Toten und Verwundeten der Regierungstruppen und der Polizei.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wieviele Sozialdemokraten ihre Treue zum Arbeitsvolk und dessen Freiheitsidealen mit ihrem Blute und ihrem Leben besiegelten, ist noch nicht zu erfahren. Da die Bundesregierung alle Heereswaffen, auch Artillerie, eingesetzt hat, wird der B\u00fcrgerkrieg in den Reihen der Sozialdemokraten viele Tote und Verletzte gefordert haben. Die Sozialisten, die Republikaner, die Antifaschisten in aller Welt ehren diese Opfer und gr\u00fc\u00dfen \u00d6sterreichs heldenmutige Sozialdemokratie.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Keine Kapitulation!<br \/> Widerstand bis zum Letzten<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=left style='text-align:left;text-indent:0cm'><span lang=DE>Wien, den 13. Februar 1934. (Eig. Bericht.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Vormittagsstunden entwickelten sich neue K\u00e4mpfe in den Au\u00dfenbezirken, von wo man lebhaftes Maschinengewehrfeuer h\u00f6rt. Der R\u00fcckzug der Sozialdemokraten auf die Vorst\u00e4dte entspricht dem Plan, die innere Stadt und die b\u00fcrgerlichen Bezirke preiszugeben und sich in den proletarischen Stadtteilen festzusetzen, wo die Bev\u00f6lkerung den k\u00e4mpfenden Arbeitern einen R\u00fcckhalt im Widerstand bietet. Die Versorgung mit Elektrizit\u00e4t ist im Laufe des Vormittags zum Teil wieder erm\u00f6glicht worden, jedoch nur sehr unregelm\u00e4\u00dfig und sehr unvollkommen. Der gesamte Stra\u00dfenbahnverkehr liegt still. Die polizeilichen und milit\u00e4rischen Absperrungen nehmen noch zu. Ueberall werden Maschinengewehre in Stellung gebracht. Die Bundesregierung l\u00e4\u00dft verk\u00fcnden, da\u00df sie Herrin der Lage sei, doch trifft dies zur Stunde keinesfalls zu. Mindestens in Wien, in Linz und in dem steierm\u00e4rkischen Industriezentrum Bruck wird erbittert gek\u00e4mpft und ist der Widerstand der Sozialdemokraten ungebrochen. Die Bundesregierung versucht, durch Zweckmeldungen die Arbeiterschaft zu verwirren und einen Teil der F\u00fchrer zu diffamieren. So wurde erst gemeldet, Dr. Deutsch und Otto Bauer seien verhaftet. Dann hie\u00df es, sie seien ins Ausland geflohen. Beides ist unrichtig. Dr. Deutsch und Otto Bauer befinden sich dort, wohin sie in dieser Stunde geh\u00f6ren: bei den k\u00e4mpfenden Arbeitern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Generalstreik wird weithin durchgef\u00fchrt, allerdings sind heute Vormittag die Zeitungen, die gestern durch den Setzerstreik lahmgelegt waren, wieder erschienen. Es ist also gelungen, ein Teil des Buchdruckereipersonals aus der Streikfront loszubrechen. Gegen mittag ist es \u00fcberraschend auch in der inneren Stadt Wien zu schweren Zusammenst\u00f6\u00dfen gekommen, \u00fcber deren Charakter und Umfang im Augenblick noch nichts zu ermitteln ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Artilleriek\u00e4mpfe<br \/> Generalstreik und B\u00fcrgerkrieg<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Die Wiener Zeitungen sind am Dienstag infolge des Streiks in wesentlich kleinerem Umfang erschienen. Die beiden sozialdemokratischen Bl\u00e4tter, die &quot;Arbeiterzeitung&quot; und das &quot;Kleine Blatt&quot; sind nat\u00fcrlich nicht erschienen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Morgenstunden bietet die Umgebung der Polizeidirektion das Bild strengster Absperrung und Bewachung. Die Stra\u00dfenbahnen und die Autobusse haben den Verkehr noch nicht wieder aufgenommen. Aus der Ferne h\u00f6rt man weiterhin Kanonendonner.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Fahrkorps der Vaterl\u00e4ndischen Front ist aufgeboten worden, um einen Verbindungsdienst aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise sei es, wie die Vaterl\u00e4ndische Front mitteilt, gelungen, auch in den L\u00e4ndern die Landesleitungen und Bezirksstellen in Verbindung zu halten und dar\u00fcber hinaus einen Relaisdienst f\u00fcr das gesamte Bundesgebiet vorzusehen. Die Vaterl\u00e4ndische Front hat ferner ein Aufgebot Arbeitswilliger veranla\u00dft, und sich mit der Leitung des staatlichen Arbeitsdienstes ins Einvernehmen gesetzt, um f\u00fcr eine ausreichende technische Nothilfe Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, in allen staatlichen Betrieben wie Post, Telegraf, Bundesbahnen und dergleichen einen beschr\u00e4nkten Betrieb sicherzustellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Heimwehren haben ihre gesamten Kr\u00e4fte mobil gemacht. Die f\u00fcr Dienstag einberufene Bundesf\u00fchrertagung, an der auch die befreundeten vaterl\u00e4ndischen Organisationen h\u00e4tten teilnehmen sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt, da\u00df die Exekutive in Oesterreich am Montag den Verlust von 21 Mann zu verzeichnen hat. Die Verluste der Aufr\u00fchrer sind noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, da\u00df die Zahl der Toten und Verletzten ziemlich erheblich ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Es beginnt erst in Wien!<br \/> Die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. (Eig. Drahtb.) Bei der Verh\u00e4ngung des Standrechts in Wien, \u00fcber ganz Nieder-Oesterreich, K\u00e4rnten und die Steiermark sind die verzweifelten Versuche der \u00f6sterreichischen Arbeiterschaft, sich gegen den Heimwehrterror zu wehren, noch versch\u00e4rft worden. Im ganzen Lande erfolgen Einzelaktionen mit vielfach blutigen K\u00e4mpfen. Wien befindet sich in vollkommener Panikstimmung. Ueberall Stacheldrahtverhaue und milit\u00e4rische Kordons. Nur an bestimmten Stellen d\u00fcrfen die Stra\u00dfen passiert werden. Alle Gesch\u00e4fte sind von K\u00e4ufern \u00fcberf\u00fcllt. Jeder will sich noch schnell mit Brot, Mehl und Kerzen eindecken. Die Stadt ist erf\u00fcllt von Ger\u00fcchten \u00fcber Schie\u00dfereien und Blutvergie\u00dfen. An mehreren Stellen der Stadt sieht man Panzerwagen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am Dienstagmorgen erfuhren die Wiener Arbeiter die in der Nacht vom Kabinett beschlossene Aufl\u00f6sung der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratischen Partei. Die Meldungen \u00fcber Verhaftungen der F\u00fchrer widersprechen sich. Angeblich soll B\u00fcrgermeister Seitz festgenommen worden sein; nach andern Nachrichten ist er noch im besetzten Rathause unter polizeilicher Aufsicht. In den Randbezirken sind die Arbeiter noch vielfach Herren der Lage. Im Arbeiter-bezirk Simmering, wo sich die wichtigsten st\u00e4dtischen Werke befinden, wurde noch in den Morgenstunden heftig gek\u00e4mpft. Vor allem befindet sich das Elektrizit\u00e4tswert nach wie vor in der Hand der sozialdemokratischen Arbeiter. Polizei und Milit\u00e4r umringen die Geb\u00e4ude und erwarten Verst\u00e4rkungen des Bundesheeres, das angeblich mit Artillerie anr\u00fccken soll. Ein Hauptmann des Bundesheeres und f\u00fcnf Polizeibeamte wurden bei verschiedenen Zusammenst\u00f6\u00dfen get\u00f6tet. Die Zahl der Gesamtopfer ist bis zur Stunde nicht festzustellen. Die Erbitterung der K\u00e4mpfe w\u00e4chst st\u00e4ndig. W\u00e4hrend aus der Provinz gemeldet wird, da\u00df es hier im allgemeinen wieder ruhiger geworden sei, scheint es in Wien jetzt erst richtig loszugehen. Starhemberg hat das Aufgebot des gesamten \u00f6sterreichischen Heimatschutzes angeordnet, der an der Seite des Bundesheeres, der Gendarmerie und der Polizei gegen die sozialdemokratischen Arbeiter eingesetzt werden soll. Mit der Verh\u00e4ngung des Standrechts wurden in Oesterreich s\u00e4mtliche Schulen geschlossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die wogende Schlacht<br \/> Die blutige Fastnacht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 13. Febr. Die strengen milit\u00e4rischen Absperrungen und Kontrollma\u00dfnahmen werden in der ganzen Stadt aufrechterhalten. Der Stra\u00dfenbahnverkehr ruht vollst\u00e4ndig. Dagegen ist der Fernsprechverkehr ebenso wie Wasser- und Gaszufuhr wieder im Gange, zum Teil auch die Elektrizit\u00e4tsversorgung. Die L\u00e4den sind zum gr\u00f6\u00dften Teil bis auf die Lebensmittelgesch\u00e4fte geschlossen. Die Bev\u00f6lkerung bewahrt gro\u00dfe Ruhe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Artillerie- und Maschinengewehrfeuer sind ununterbrochen zu h\u00f6ren. Die Regierung geht jetzt mit r\u00fccksichtsloser Sch\u00e4rfe und mit allen vorhandenen milit\u00e4rischen Mitteln unter besonderem Einsatz von Artillerie und Haubitzen vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stellen, an denen in Wien noch am Vormittag gek\u00e4mpft wird, befinden sich in Ottakring, Simmering und D\u00f6bling. Im Bezirk Ottakring handelt es sich um die gro\u00dfe Wohnbauanlage Sandleiten und um das Arbeiterheim. Hier konnte am Montagabend nur ein Teilerfolg erzielt werden. Der Kampf ging unter fortdauerndem Maschinengewehr- und Minenwerferfeuer und Einsatz von Artillerie die ganze Nacht weiter.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen 8 Uhr Morgens setzte verst\u00e4rktes Artilleriefeuer aus zwei Haubitzen, zwei kleinen Gesch\u00fctzen und Minenwerfern ein. Auch um den Karl-Marx-Hof in D\u00f6bling wird noch immer heftig gek\u00e4mpft. Auch hier spielt Artillerievorbereitung die Hauptrolle. Die Gesch\u00fctze sind auf einem beherrschenden Punkt, der sogenannten Hohen Warte, aufgefahren worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach Berichten aus Graz ist aus Eggenberg noch Artilleriefeuer zu h\u00f6ren. In Bruck a. d. Mur hatten sich die Truppen bereits in den sp\u00e4ten Abendstanden der Stadt bem\u00e4chtigt. Im Laufe der Nacht sind sie jedoch ans einigen Stadtteilen wieder verdr\u00e4ngt worden. Durch Einsatz erheblicher Artilleriekr\u00e4fte ist die Wiedereinnahme dieser Teile gelungen. Aus dem obersteirischen Industriegebiet liegen in Graz Berichte nicht vor, da die Fernsprechverbindungen dorthin unterbrochen sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Gesamtverluste im Grazer Stadtgebiet wurden von den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden Montag abend auf 50 Tote gesch\u00e4tzt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Vorl\u00e4ufig&quot;\u2026.<br \/> 37 Tote<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Die Regierung hat in einem Ministerrat das Verbot der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs beschlossen. Die Verluste bei den K\u00e4mpfen in Wien werden auf Regierungsseite vorl\u00e4ufig mit 20 Toten und 60 Schwerverletzten angegeben. Der Kampf konzentrierte sich in den sp\u00e4ten Nachtstunden auf den Ostbahnhof, wo von den Truppen ein Panzerzug und Artillerie eingelegt worden sind. Die Regierung hat der Presse einen Aufruf \u00fcbermittelt, in dem erkl\u00e4rt wird, da\u00df sie Herr der Lage sei. Der Landeshauptmann und B\u00fcrgermeister von Wien, Seitz, ist verhaftet und in das Polizeigef\u00e4ngnis eingeliefert worden. Nach Meldungen aus Steiermark sind bei den dortigen Zusammenst\u00f6\u00dfen 87 Tote zu verzeichnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wechselreiche Stra\u00dfenk\u00e4mpfe<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Polizei und Milit\u00e4r ist es gelungen, das Arbeiterheim im Bezirk Ottakring zu besetzen. Daf\u00fcr flammte allerdings der Widerstand an anderen Stellen wieder auf. So hat bei der im gleichen Bezirk liegenden Wohnbauanlage Sandleiten der Kampf neuerdings begonnen. Bei einer S\u00e4uberungsaktion in Floridsdorf wurden zehn Wachbeamte und ein Stabshauptmann get\u00f6tet. Im gleichen Bezirk sind Panzerwagen eingesetzt worden. In einer der dortigen gro\u00dfen Wohnanlage der Gemeinde, im Schlingerhof, haben sich die Sozialdemokraten verbarrikadiert. Auch in Meidling m\u00fcssen drei wiederum von den Roten besetzte Gemeindeh\u00e4user erst\u00fcrmt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Umspannwerk in Ottakring ist die milit\u00e4rische Besatzung eingeschlossen und wird von Sozialdemokraten unter Feuer gehalten. In Simmering geht die S\u00e4uberungsaktion nur langsam vor sich. Der Schlachtviehhof in St. Marx ist in die H\u00e4nde der Roten gefallen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center;page-break-after:avoid'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach Meldungen aus Linz flammt dort der Kampf auf dem Freienberg wieder auf. Ueber Tirol ist das Standrecht verh\u00e4ngt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Oesterreichs Arbeiter<br \/> im Kampf um die Freiheit<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Fey gibt das Signal<br \/> Generalstreik und Standrecht<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>Wien, 12. Februar. (Eig. Meldung.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Was zu erwarten war, ist eingetroffen. Dollfu\u00df ist nach den &quot;Einerseits&quot; und &quot;Andererseits&quot; in die Klemme geraten und hat dem Vizekanzler Fey freie Hand gegeben, um den neuen Austrofaschismus einzuf\u00fchren. Nach den Methoden G\u00f6rings geht Fey vor. Seit Mittwoch voriger Woche werden systematisch die sozialdemokratischen B\u00fcros durchst\u00f6bert, die H\u00e4user der Arbeiterschaft durchsucht. Es wird nach ber\u00fchmtem Beispiel wie in Berlin vor einem Jahre gearbeitet. &quot;Katakomben&quot; werden &quot;entdeckt&quot;, die zwar nachher keine sind, aber immerhin f\u00fcr den Moment braucht man das zur Stimmungsmache. Es werden Waffenlager &quot;entdeckt&quot; und in Wirklichkeit wurde nichts gefunden. Die Reichstagsbrandpsychose soll auch in Oesterreich angefeuert werden.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Hergang<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Freitag abend im Ministerrat wurden scheidende Beschl\u00fcsse gefa\u00dft, die die Einf\u00fchrung eines diktatorischen Regiments in den Bundesl\u00e4ndern und in Wien, also in ganz Oesterreich bezwecken und die als erste Vorauslegung das Verbot und die Vernichtung der Sozialdemokratischen Partei anstrebt. Grunds\u00e4tzlich ist auch demgem\u00e4\u00df beschlossen worden, wie aus zuverl\u00e4ssiger Quelle berichtet wird. Bundeskanzler Dollfu\u00df hat zwar in diesem Kabinettsrat mit Fey ernstlich gerungen, da er mit der Erhebung der Arbeiterschaft gegen den Verfassungsbruch rechnete und weil Fey mit brutaler Gewalt die faschistische Alleinherrschaft aufrichten will. Aber zuletzt hat Dollfu\u00df keine Schritte gegen Fey unternommen und so hatte dieser freie Hand.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:18.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Verhaftungen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Laufe des Samstags wurden in Wien allein 36 f\u00fchrende Sozialisten, darunter alle Bezirksobm\u00e4nner des ehemaligen Schutzbundes, verhaftet. Das Bundeskanzleramt hat durch einen Geheimbefehl an s\u00e4mtliche Bezirkshauptmannschaften diese beauftragt, sofort Listen aller sozialdemokratischen Vertrauensm\u00e4nner anzufordern, die nach der Aufl\u00f6sung der Partei in Konzentrationslager \u00fcberf\u00fchrt werden sollen. Samstag und Sonntag h\u00e4uften sich dann auch die Aktionen gegen die Sozialdemokratie, die eindeutig erkennen lie\u00dfen, was bezweckt war, n\u00e4mlich die Vernichtung und Aufl\u00f6sung der Partei und der Arbeiterorganisationen in ihrer Gesamtheit.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die ersten Streiks<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch Samstag in sp\u00e4ter Abendstunde fand wieder eine vertrauliche Sitzung des Bundeskanzleramtes statt. Teilnahmen Dollfu\u00df, Fey, Starhemberg und ein Vertreter der monarchistischen Sturmscharen. In dieser Sitzung wurde erwogen, wie die Beschl\u00fcsse des gestrigen (also vom Freitag) Ministerrats schneller in die Tat umgesetzt werden k\u00f6nnen und welche Form f\u00fcr die &quot;Gleichschaltung&quot; gew\u00e4hlt werden solle. Schon Samstag abend wurde der Landtagsabgeordnete und sozialdemokratische Vizeb\u00fcrgermeister der nieder\u00f6sterreichischen Industriestadt Wiener Neustadt unter Mi\u00dfachtung seiner Immunit\u00e4t verhaftet. Die Arbeiterschaft von Wiener-Neustadt legte sofort die Arbeit nieder und veranstaltete auf dem Hauptplatz der Stadt eine m\u00e4chtige Kundgebung gegen den Faschismus.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Letzter Appell<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Sozialdemokratie hat gegen\u00fcber dem offenen Verfassungsbruch in der Nacht zum Montag einen Aufruf an das \u00f6sterreichische Volk gerichtet und durch Flugzettel \u00fcber ganz Oesterreich verbreitet. Der Aufruf befa\u00dft sich mit den Verfassungsbruchaktionen des Vizekanzlers Fey, der von einer &quot;Verschw\u00f6rung des republikanischen Schutzbundes gegen die Sicherheit des Staates&quot; redet, um sich damit den Vorwand f\u00fcr einen entscheidenden Schlag gegen das Wiener Rathaus und gegen die Sozialdemokratische Partei zu schaffen. Es hei\u00dft in diesem Aufruf:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Herr Fey, der die Arbeiterschaft bis aufs Blut reizt, wagt es von einem &quot;verbrecherischen Anschlag bolschewistisch-marxistischer Elemente&quot; gegen die Bev\u00f6lkerung zu reden. Die Wahrheit ist, da\u00df die Sozialdemokratie niemanden, weder B\u00fcrgern, noch Bauern, angreife. Sie halte sich aber zum Kampf mit der Waffe f\u00fcr den Fall bereit, falls Faschisten es wagen sollten, die beschworene Verfassung der Republik vernichten zu wollen. Wenn der Eid und die Verfassung gebrochen w\u00fcrden und die Freiheit in Gefahr geriete, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Fey hat auf die warnenden Stimmen der Sozialdemokratie nicht geh\u00f6rt. Er will sein Werk des Verfassungsbruches vollenden und Oesterreich in die Arme des Nationalsozialismus treiben. Denn Hitler wird der Sieger dieser Aktion sein. Ein Austro-Faschismus ist die Einbildung der Starhemberg-Fey-M\u00e4nner, hinter der keine Massen stehen, die sich lediglich mit Hilfe der Polizei- und Milit\u00e4rmacht vorl\u00e4ufig bet\u00e4tigen k\u00f6nnen. Die Herrschaften werden sich irren. F\u00fcr Oesterreich gibt es nur zwei Gruppen, die einander gegen\u00fcberstehen. Die eine ist der nationalsozialistische Faschismus nach Hitlers Muster und die andere Gruppe ist die Sozialdemokratie, die f\u00fcr Verteidigung der Verfassung und der in der Verfassung niedergelegten Rechte des gesamten \u00f6sterreichischen Volkes k\u00e4mpft. Dieser B\u00fcrgerkrieg, dessen erste Zusammenst\u00f6\u00dfe heute erfolgt sind, ist voraussichtlich nicht in den ersten Tagen und Wochen zu Ende.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Blutiger Kampf in Linz<br \/> Schwere Feuergefechte mit Artillerie- Zahlreiche Tote<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Linz an der Donau, 12. Febr. In den Morgenstunden des heutigen Montags ist es hier zu einem schweren Zusammensto\u00df zwischen der Bundespolizei und dem sozialistisch- republikanischen Schutzbund gekommen. Als die Polizei am Montag fr\u00fch vom Schutzbund die R\u00e4umung des Hauses und die freiwillige Herausgabe s\u00e4mtlicher Waffen verlangte, wurde vom Parteihaus mit scharfen Sch\u00fcssen geantwortet. Die Polizeibeamten zogen sich zur\u00fcck, gingen, nachdem Verst\u00e4rkung eingetroffen war, wiederum vor und verlangten erneut die Herausgabe der Waffen und die R\u00e4umung. Aus dem Parteihaus wurde abermals als Antwort auf die Polizei gefeuert. Die Polizei schritt nun zusammen mit milit\u00e4rischer Verst\u00e4rkung zum Sturm auf das Parteihaus. Der Kampf ist zur Stunde noch im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Linz an der Donau, 12. Febr. Der Kampf mit den sozialistischen Schutzb\u00fcndlern nimmt immer gr\u00f6\u00dfere Ausdehnung an. In verschiedenen Stadtteilen sind gegenw\u00e4rtig heftige Stra\u00dfenk\u00e4mpfe im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eine Polizeiwache im Innern der Stadt wurde von den Schutzb\u00fcndlern mit Maschinengewehren \u00fcberrascht, jedoch nach l\u00e4ngerem Kampf von Heimwehr und Polizisten wieder zur\u00fcckgenommen. Ferner soll seit den Mittagsstunden ein Feuergefecht auf dem oberhalb der Stadt gelegenen Freien Berge im Gange sein, wo sich die Sozialdemokraten im Laufe der Nacht verschanzt hatten. Ueber Linz ist das Standrecht verh\u00e4ngt worden. L\u00e4den und Restaurants sind geschlossen. Aus der Umgebung soll ein starker Zuzug von Sozialdemokraten im Gange sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten l\u00e4\u00dft sich jedoch bisher noch nicht feststellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Vor dem sozialdemokratischen Parteihaus sind zwei Alpenj\u00e4gerkompanien mit Maschinengewehren eingesetzt worden, die aus Dachb\u00f6den und Luken heraus das Haus beschie\u00dfen und den verschanzten Sozialdemokraten mit Handgranaten zu Leibe r\u00fccken. Im Parteihaus werden vier Polizeibeamte von den Sozialdemokraten als Geiseln gefangen genommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Nach noch nicht best\u00e4tigten Meldungen aus Linz hat das Milit\u00e4r nach heftigem Kampf das sozialdemokratische Parteihaus, das Hotel Schiff, im Sturm genommen. Angeblich sollen bisher 15 Tote festgestellt worden sein. (Nach anderen Meldungen wird die Zahl der Toten zwischen 20 und 50 angegeben.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen eine Schule, die z. Z. noch von Sozialdemokraten besetzt ist, ist eine gr\u00f6\u00dfere Aktion im Gange, bei der Artillerie eingesetzt worden ist.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Ruhe&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Um 18 Uhr ist die Ruhe in Linz im gro\u00dfen hergestellt worden. An einzelnen Punkten sind jedoch Zusammenrottungen noch im Gange. Trotz der starken Ausbreitung der Bewegung sind das Milit\u00e4r und die Polizei nach wie vor Herren der Lage und konnten bisher den Widerstand brechen. Eine weitere amtliche Mitteilung aus Linz besagt, da\u00df der Widerstand der Sozialdemokratie jetzt im gro\u00dfen als zusammengebrochen angesehen werden k\u00f6nne, jedoch wird aus Linz berichtet, da\u00df bewaffnete Sozialdemokraten sich immer noch an einzelnen Stellen der Stadt, am Gaswerk und an der Neuen Br\u00fccke, halten und da\u00df das Feuer auch an den Stellen, wo die Polizei die Ordnung hergestellt hat, immer wieder aufflackert. Die Lage in Linz wird daher noch nicht als endg\u00fcltig gekl\u00e4rt beurteilt. N\u00e4here Angaben \u00fcber die Verluste an Toten und Verwundeten auf beiden Seiten liegen bisher noch nicht vor. Weiter wird von Regierungsseite erkl\u00e4rt, da\u00df die meisten in Linz und Ober\u00f6sterreich von den Sozialdemokraten besetzten Pl\u00e4tze jetzt von den Truppen und der Polizei genommen worden seien. In Steyr ist es gleichfalls zu heftigen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Schutzb\u00fcndlern und der Polizei gekommen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auch in Graz<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Nach Berichten aus Graz liegt auch dort die Hauptstadt im Dunkeln. In einem Grazer Arbeiterviertel haben Schutzb\u00fcndler eine Wachstube gest\u00fcrmt und sich dort verschanzt. Sie werden gegenw\u00e4rtig von Polizei und Milit\u00e4r belagert. Bei den K\u00e4mpfen in Eggenberg sind nach den bisher vorliegenden Berichten drei Personen get\u00f6tet und 14 schwer verletzt worden. Auch der Kampf in Bruck an der Mur gestaltet sich sehr blutig und dauert noch an. Meldungen \u00fcber Einzelheiten fehlen, da der Fernsprechverkehr unterbrochen ist. Auch aus Leoben und dem ganzen obersteirischen Industriegebiet werden Zusammenst\u00f6\u00dfe gemeldet, bei denen auch Milit\u00e4r eingreifen mu\u00dfte.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Besetzung des Wiener Rathauses<br \/> Generalstreik \u2013 Die Stadt ohne Licht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 12. Febr. Das Wiener Rathaus ist in den heutigen Abendstunden von einem gr\u00f6\u00dferen Aufgebot von Truppen, Polizei und Gendarmerie besetzt worden, ohne da\u00df von sozialdemokratischer Seite ein ernsthafter Widerstand geleistet wurde. Hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Beamten verhaftet worden. Ebenso ist der Vizeb\u00fcrgermeister der Stadt Wien, Emmerling, der Leiter der gesamten st\u00e4dtischen Betriebe, in den Abendstunden verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung beabsichtigt, wie verlautet, dem sozialdemokratischen B\u00fcrgermeister von Wien, Seiz, ein Ultimatum zu stellen, entweder freiwillig zur\u00fcckzutreten und die Macht sofort der Regierung zu \u00fcbergeben, andernfalls er der Gewalt werde weichen m\u00fcssen. Weiter soll nach der Besetzung des Rathauses ein Regierungskommissar f\u00fcr Wien ernannt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ohne Licht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. Ein allgemeiner Proteststreit der Wiener Arbeiterschaft ist Montag mittag hier infolge der Vorf\u00e4lle in Linz ausgebrochen. In den Betrieben erschienen kurz vor 12 Uhr die sozialdemokratischen Betriebsr\u00e4te und teilten den Arbeitgebern mit, da\u00df die Arbeiterschaft einer allgemeinen Streikparole folgend die Arbeit Punkt 12 Uhr mittags niederlegen werde. Der gesamte Wiener Stra\u00dfenbahnverkehr ist damit um Punkt 12 Uhr zum Stillstand gekommen. Die Elektrizit\u00e4ts- und Gaswerke sind gleichfalls in den Proteststreit eingetreten. Punkt 12 Uhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Die Polizeidirektion hat eigene Strommaschinen f\u00fcr den telegrafischen und telefonischen Polizeidienst in Kraft gelegt. In dem lokalen Telefonverkehr sind gleichfalls St\u00f6rungen infolge der Ausschaltung des elektrischen Stromes eingetreten. Die Dauer des Proteststreites ist zur Stunde noch nicht zu \u00fcbersehen.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ausgestorben\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aeu\u00dferst strenge Absperrungsma\u00dfnahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Milit\u00e4r, Maschinengewehren und Drahtverhauen durchgef\u00fchrt worden. Die Stadt macht einen ausgestorbenen Eindruck. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Stra\u00dfenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden. In den Stra\u00dfen ist die Polizeikontrolle au\u00dfergew\u00f6hnlich scharf. Alle verd\u00e4chtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstra\u00dfen ist der Personenverkehr vollst\u00e4ndig gesperrt. Die Vorstellungen der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden. Alle Restaurants m\u00fcssen bis 8 Uhr abends geschlossen sein. In der Stadt herrscht vollst\u00e4ndige Ruhe, jedoch ist es in den einzelnen \u00e4u\u00dferen Arbeiterbezirken zu heftigen Zusammenst\u00f6\u00dfen und Schie\u00dfereien zwischen der Polizei und den Arbeitern gekommen, bei denen von Arbeiterseite Maschinengewehre verwendet worden sind. Die Polizeiaktion in den \u00e4u\u00dferen Stadtbezirken ist bisher noch nicht zum Abschlu\u00df gelangt. Seit den Mittagsstunden sind keine Zeitungen mehr erschienen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffneter Widerstand<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. In den Montagabendstunden haben die Unruhen in den Wiener Arbeiterbezirken wieder erheblich zugenommen. St\u00e4rkere Schie\u00dfereien sollen in den Bezirken Ottakring, Simmering und in Dornbach zur Stunde im Gange sein. Die bisherigen Polizeiangaben von 2 toten und 18 verletzten Polizisten werden bereits als \u00fcberholt bezeichnet. Polizei und Truppen sollen bisher nicht stark genug sein, um den st\u00fcndlich zunehmenden Widerstand der bewaffneten Sozialdemokraten gewachsen zu sein. Erhebliche Truppenverst\u00e4rkungen sind infolgedessen in die Vororte entsandt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Seitz, Deutsch, Renner verhaftet?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 12. Febr. In den sp\u00e4ten Abendstunden wurden der Wiener sozialdemokratische B\u00fcrgermeister Seitz und acht Stadtratsmitglieder verhaftet. Ger\u00fcchtweise verlautet, da\u00df auch die Sozialistenf\u00fchrer Deutsch und Renner sowie General K\u00f6rner verhaftet find.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Vororten Wiens dauern die Schie\u00dfereien in der Nacht an. An einigen Punkten habe die Polizei und die Truppe den Aufstand niedergeschlagen. Auf seiten der Polizei werden vier Tote gemeldet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><a name=\"DF_1934_02_15_fr\"><\/a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> Nummer 38 &#8211; 2. Jahrgang<\/span><\/i><i><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[20]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'><br \/> <\/span><\/i><i><span lang=DE>Saarbr\u00fccken, Donnerstag, den 15. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ruhmvolle Niederlage<br \/> Ende der sozialdemokratischen Freiheitsschlacht in Oesterreich \u2013 Heldentum der Arbeiter und ihrer Frauen \u2013 Der Austro-Klerikalismus eidbr\u00fcchig und m\u00f6rderisch \u2013 Ende der europ\u00e4ischen Demokratie \u2013 Heroischer Auftakt der sozialistischen Revolution<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ehrenvoll geschlagen<br \/> Das Niederwerfen der Arbeiter<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Bericht.) Um 12 Uhr mittags wird in Floridsdorf und an einigen anderen Stellen der \u00e4u\u00dferen Stadt noch gek\u00e4mpft. Auch in einigen Teilen der Provinz find noch Gefechte im Gange. Die sozialdemokratischen Gruppen, die ohne Verbindung mit andern Teilen der Front sind und die Gesamtlage daher nicht \u00fcberblicken k\u00f6nnen, setzen an manchen Stellen den Widerstand mit gro\u00dfer Erbitterung fort. Da und dort handelt es sich auch nur um \u00fcberlegte R\u00fcckzugsgefechte. Es darf aber kein Zweifel obwalten, da\u00df die Bundesregierung tats\u00e4chlich milit\u00e4risch gesiegt hat, und die K\u00e4mpfe noch im Laufe dieses Tages mit dem Niederwerfen der verfassungstreuen Sozialdemokraten enden m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Versuche, sozialdemokratische F\u00fchrer zur diffamieren, werden diesmal nicht gelingen. Ohne Widerstand verhaftet wurden nur greise Veteranen der Partei, die auf ihren politischen Posten in der inneren Stadt auf Parteibefehl aushalten mu\u00dften, wie etwa der siebzigj\u00e4hrige B\u00fcrgermeister Seitz, der schwer herzleidend im Gef\u00e4ngnislazarett liegt. Dr. Julius Deutsch und Otto Bauer haben sich f\u00fchrend und aktiv an den K\u00e4mpfen beteiligt und den Arbeitern ein Beispiel pers\u00f6nlicher Tapferkeit gegeben. Otto Bauer konnte sich nach dem Zusammenbruch seines Frontabschnittes in Sicherheit bringen. Ueber das Schicksal von Dr. Julius Deutsch, dem Gr\u00fcnder und F\u00fchrer des Schutzbundes und fr\u00fcheren Wehrminister ist zur Stunde nichts bekannt.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>D. F. Geit 48 Stunden tobt an vielen Stellen die Verteidigungsschlacht der Sozialdemokratie um die Freiheit in Oesterreich. Mit Erstaunen und auch dort, mo fie den Sozialismus ha\u00dft, mit Bewunderung blickt die Welt auf das Heldentum der \u00f6sterreichischen Arbeiter klasse. Dieses Arbeitsvolk bietet in Generalstreik und B\u00fcrgerkrieg seit Tagen ein Schauspiel von unerh\u00f6rtem Opfergeist und todbereiter Ueberzeugungstreue. Die an Truppenzahl und Waffen weit \u00fcberlegenen Kr\u00e4fte des M\u00f6rdertrios Dollfu\u00df- Frey- Starhemberg haben bisher den Widerstand nicht ganz brechen k\u00f6nnen. Alle milit\u00e4rischen Mittel, die der Friedensvertrag von St. Germain Defter reich erlaubt, sind gegen die k\u00e4mpfende Sozialdemokratie eingesetzt, auch Artillerie und Minenwerfer. Sogar Flugzeuge find zur Erkundung aufgestiegen. Da\u00df es nicht Bombenflugzeuge sein k\u00f6nnen, die reihenweise Arbeiterh\u00e4user in Tr\u00fcmmer legen w\u00fcrden, wird der fromme Bundeskanzler Dollfu\u00df gewi\u00df recht bedauern. Der Friedensvertrag hat auch Oesterreich Bombenflugzeuge versagt. Sonst w\u00fcrden ihre Gasbomben ebenso gewi\u00df Frauen und Kinder in dichtbewohnten Stadtvierteln vergiften, wie jetzt Granaten in den Arbeiterbezirken \u00f6sterreichischer St\u00e4dte Frauen und Kinder zermalmen und zerrei\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist ein grandioses Symbol des k\u00e4mpfenden Sozialismus, da\u00df die Schlacht um Wien gerade dort sich konzentrierte, wo unter sozialistischer Gemeinderegierung Wohnsiedlungen, vorbildlich f\u00fcr die ganze Welt, errichtet worden sind. In den H\u00e4userblocks und Stra\u00dfen, deren Namen die gro\u00dfen Denker und K\u00e4mpfer des Sozialismus ehren, leisten die sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndler ihren heldenhaften Widerstand. Die Gr\u00fcnfl\u00e4chen, auf denen Wiens Arbeiterkinder, die so lange in die engen H\u00f6fe der Grundst\u00fccksspekulation gesperrt waren, spielten, werden nun vom Blute ihrer V\u00e4ter ged\u00fcngt. Die Feinde sozialistischer friedlicher Aufbaupolitik schie\u00dfen die Siedlungsh\u00e4user zusammen und t\u00f6ten ihre Verteidiger. Der Ha\u00df gegen sozialistische Gemeinschaft, lange schon wach, ist aufgestanden, um sein Vernichtungswerk zu vollf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verluste sind, wie uns ein Privattelefonat mit Wien mitteilt, grauenhaft. Es fehlt in den Reihen der sozial. demokratischen Arbeiter an dem N\u00f6tigsten zur Pflege und zur Rettung der Verwundeten. Nur ein kleiner Teil ist in \u00e4rztlicher Pflege. Die Krankenh\u00e4user sind \u00fcberf\u00fcllt, soweit sie \u00fcberhaupt f\u00fcr die verwundeten Sozialdemokraten erreichbar sind. Verbandstoff ist kostbar wie Munition. Arbeiterfrauen und Arbeiterm\u00e4dchen bem\u00fchen sich im Kugelregen um die Opfer der Freiheitsschlacht. Wie hoch die Zahl der verletzten Frauen und M\u00e4dchen und Kinder ist, kann einstweilen nicht \u00fcbersehen werden. Gewi\u00df ist, da\u00df Frauen und M\u00e4dchen w\u00e4hrend ihrer Hilfe f\u00fcr Verwundete den Kugeln und Granaten zum Opfer gefallen sind. Die Arbeiter- Sanit\u00e4tskolonnen arbeiten ohne fallen sind. Die Arbeiter- Sanit\u00e4tskolonnen arbeiten ohne Pause und finden hilfsbereit Unterst\u00fctzung bei der Arbeiterbev\u00f6lkerung, die freiwillig ihre letzte Habe f\u00fcr die ruhmvoll Verwundeten hergibt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie schwer die K\u00e4mpfe sind und welche Uebermacht die Bundesregierung braucht, wenn sie ihr blutiges Staatsverbrechen vollenden will, beweist die Tatsache, da\u00df der Bundeskanzler alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aufgerufen hat, sich als Freiwillige sich in die Schlacht gegen die Sozialdemokratie einzureihen. Bundestruppen, Polizei und Gendarmerie reichen nicht aus, den Mordbefehl an der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie zu vollstrecken. Unter Bruch des Friedensvertrages verst\u00e4rkt der Bundeskanzler die Armee gegen Oesterreichs sozialdemokratische Arbeiter und vermehrt so die blutige Schmach, in die er das ungl\u00fcckliche Land gerissen hat. Arbeiter und vermehrt so die blutige Schmach, in die er das ungl\u00fcckliche Land gerissen hat.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als Arbeiterm\u00f6rder steht nun Dollfu\u00df mindestens ebenb\u00fcrtig neben den Hitler und G\u00f6ring. Die drei und ihre Kreaturen k\u00f6nnen sich br\u00fcderlich die blutbesudelten H\u00e4nde reichen. Dollfu\u00df ist den \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten im Arbeiterschlachten nur zuvorgekommen. Die Nationalsozialisten w\u00fcrden eine nicht geringere Blutarbeit geleistet haben. Wie auch Austrofaschismus und Nationalsozialismus sich unterscheiden m\u00f6gen, einig sind sie in ihrem Ha\u00df gegen jede wirklich sozialistische Neugestaltung. Der B\u00fcrgerkrieg, den Dollfu\u00df gegen die Sozialdemokratie begonnen hat, ist ein Verzweiflungsstreich auch gegen die Nationalsozialisten. Dollfu\u00df und die Seinen lassen nicht auf die Nationalsozialisten schie\u00dfen, mit denen sie viele Ber\u00fchrungspunkte haben. Dollfu\u00df hofft, sich so gegen den Nationalsozialismus behaupten zu k\u00f6nnen. Die Nationalsozialisten aber bewahren wohlwollende Neutralit\u00e4t im B\u00fcrgerkrieg, weil sie hoffen, wahrscheinlich mit Recht, da\u00df Dollfu\u00df ihnen durch seine Mordarbeit gegen den Marxismus die Tore zur Macht \u00f6ffnen wird.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bundeskanzler versucht, die Verantwortung an der gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Schlacht auf die Sozialdemokraten abzuw\u00e4lzen. Das wird ihm bei keinem Urteilsf\u00e4higen gelingen. Der Kampf ist durch den l\u00e4ngst f\u00e4lligen Heimwehrputsch und durch die gewaltsame Unterdr\u00fcckung der Sozialdemokratie, durch ihr gewaltt\u00e4tiges Hinausdr\u00e4ngen aus ihren Positionen ausgebrochen. Die klerikale \u00f6sterreichische Regierung hat bedenkenlos ihre Eide gebrochen und gewissenlos einen m\u00f6rderischen Machtkampf entfesselt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wir geben uns keinen Illusionen hin und wollen keine Illusionen hervorrufen: Oesterreichs Sozialdemokratie hat die Schlacht verloren. Die Arbeiter und mit ihnen die Bauern und der kleine Mittelstand sind niedergeschlagen. Eine ideenlose Schicht der hohen B\u00fcrokratie des degenerierten Aristokratentums und internationaler Kapitalisten steht als Sieger auf dem Schlachtfeld. Einstweilen. Keine Stunde werden sie sich ihres Erfolges freuen. Der Machtkampf wird nun zwischen der Bundesregierung Dollfu\u00df und den Nationalsozialisten erst recht entbrennen, und die Gefahr nationaler Wirren mit internationalen Folgen ist unvermindert. Die Dollfu\u00df und Fey und Starhemberg sind die fluchbeladenen Nachfolger des F\u00fcrsten Windischgr\u00e4tz, der 1848 mit seinen kroatischen Truppen die demokratischen B\u00fcrger Wiens massakrierte und den deutschen demokratischen Revolution\u00e4r Robert Blum auf der Brigittenau standrechtlich erschie\u00dfen lie\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die damals gemeuchelte Demokratie kehrte in jahrzehntelangem Ringen wieder. Nun ist sie auch in Oesterreich dahin. Eine gro\u00dfe geschichtliche Epoche ist abgeschlossen. Das B\u00fcrgertum hat die Arbeiter, die um die Reste demokratischer Rechte k\u00e4mpften, auch in Oesterreich niedergeworfen. Nun ist in ganz Europa die historische Bindung des sozialistischen Willens an die alten Formen der Demokratie vor\u00fcber: Die legale internationale Sozialdemokratie wird durch sozialrevolution\u00e4re Aktionen mit dem nahen Ziele des Volkssozialismus abgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Schlacht in Oesterreich, in der alle waffenf\u00e4higen F\u00fchrer mit den waffenf\u00e4higen Mannschaften der Arbeiterklasse zusammenstanden, ist der gro\u00dfartige Auftakt kommender revolution\u00e4rer Umgestaltungen in Europa. Die Freiheitsschlacht in Oesterreich ist ruhmvoll zu Ende. Das Ringen um die sozialistische Herrschaft \u00fcber Europa in neuen Formen und mit neuen Kampfmitteln beginnt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Widerstand bis zum \u00e4u\u00dfersten<br \/> Die letzten Gefechtsberichte<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Otto Bauer und Deutsch an der Spitze<br \/> Frische Schutzb\u00fcndler im Kampfe<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht). Das Ottakringer Arbeiterheim ist von den Sozialdemokraten erneut besetzt worden. Dem Schutzbund gelang es ferner, Polizei nebst Hilfstruppen in die Polizeikaserne in Simmering hineinzudr\u00e4ngen und einzuschlie\u00dfen. Die Kaserne wird von den Schutzb\u00fcndlern unter Feuer gehalten. Bei einem Ausfallversuch der Polizei wurden 5 Polizisten erschossen. Es wird best\u00e4tigt, da\u00df die sozialdemokratischen F\u00fchrer Otto Bauer und Julius Deutsch nicht verhaftet sind, sondern den Kampf von au\u00dferhalb leiten. Auf ihre T\u00e4tigkeit wird es vor allem zur\u00fcckgef\u00fchrt, da\u00df immer neue Schutzb\u00fcndler und sozialdemokratische Arbeiter eingesetzt werden, w\u00e4hrend die Polizei- und Milit\u00e4rkr\u00e4fte bereits Erm\u00fcdungserscheinungen aufweisen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Wir ergeben uns nicht!&quot;<br \/> Die Gasarbeiter an die Regierung\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht). Besonders kritisch ist f\u00fcr die Regierung die Lage beim Gaswerk. Das Ultimatum zur Uebergabe wurde von den Arbeitern des Gaswerks mit einer Gegenerkl\u00e4rung beantwortet. Sie lie\u00dfen der Regierung mitteilen, da\u00df sie sich nicht ergeben w\u00fcrden. In dem Augenblick, wo der erste Schu\u00df gegen sie falle, und sie gezwungen seien, die Sch\u00fcsse zu beantworten, w\u00fcrden sie das ganze Gaswerk in die Luft sprengen &quot;um uns und die ganze Bev\u00f6lkerung der Stadt, die eine solche Regierung toleriert, in die Ewigkeit zu bef\u00f6rdern.&quot; Diese Ank\u00fcndigung hat ungeheure Beunruhigung hervorgerufen, und gleichzeitig den Widerstandswillen der K\u00e4mpfenden gest\u00e4rkt. Auch United Pre\u00df berichtet, da\u00df es an verschiedenen Stellen der Stadt dem Schutzbund gelungen sei, die Truppen zu umzingeln und sie schwer zu bedr\u00e4ngen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Kampf um die H\u00f6fe<br \/> Artillerie beschie\u00dft H\u00e4userblocks \u2013 Pioniere in Aktion<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Februar (Eig. Drahtbericht). Mit einem Heldenmut von weltgeschichtlicher Bedeutung setzen die Wiener Arbeiter ihren Widerstand gegen den Heimwehrterror fort. Ihre Burgen sind in den Wiener Vororten vor allem jene gro\u00dfen Bauh\u00f6fe, die dem sch\u00f6pferischen Geist der sozialdemokratischen verwalteten Wiener Gemeinde immer das h\u00f6chste Zeugnis ausstellen werden. Gegen diese H\u00f6fe hat in verschiedenen Vorst\u00e4dten das Artilleriefeuer des Bundesheeres eingesetzt. Es kam zu richtigen Sturmangriffen, so etwa gegen den Karl-Marx- Hof, der von nicht weniger als 2000 Mietsparteien bewohnt wird. Der mittlere Komplex der Bauten ist schwer von Artillerietreffern mitgenommen, aber noch immer wird aus den Wohnungen geschossen. Die eigentliche Besatzung des Geb\u00e4udes soll in den Nachtstunden zum Mittwoch angeblich wegen Munitionsmangel die Waffen gestreckt haben. Aus Floridsdorf und Ottakring werden K\u00e4mpfe gemeldet, die noch von gr\u00f6\u00dferer Furchtbarkeit waren. Auf beiden Seiten fielen zahlreiche Opfer. Der Floridsdorfer Bahnhof, der einer der Hauptst\u00fctzpunkte der Arbeiterschaft war, ist durch mehrst\u00fcndige Artilleriebeschie\u00dfung dem Erdboden gleichgemacht worden. An andern Stellen der Stadt jedoch halten die k\u00e4mpfenden Arbeiter nach wie vor ihre Position. Dies wird von Stadelau und Jedlesee gemeldet. An der Reichsbr\u00fccke versuchen Pioniere Umgehungsman\u00f6ver auf Pontons, um nicht durch Artilleriefeuer die Br\u00fccke zerst\u00f6ren zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Simmering und Favoriten, wo angeblich die Exekutive Herr der Lage ist, finden immer noch Einzelk\u00e4mpfe und Beschie\u00dfungen von Polizisten statt. Ein gro\u00dfer Teil der Gesch\u00e4fte ist geschlossen. Die Lebensmittell\u00e4den sind nahezu ausverkauft. Von den Wiener Theatern und Kinos wird berichtet, da\u00df sie ihre Pforten die ganze Woche hindurch nicht \u00f6ffnen werden. Ebenso bleiben die Schulen geschlossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>500 Tote<br \/> Die K\u00e4mpfe dauern fort<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Die K\u00e4mpfe in den einzelnen Vororten in Wien hielten in den ersten Nachtstunden weiter an. Nur in der Innenstadt verstummte das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. Aus verschiedenen Vororten Wiens werden Ansammlungen von Schutzb\u00fcndlern gemeldet, die sich zum Marsch auf die Bundeshauptstadt sammeln. Nach einer anderen Lesart soll es nicht zutreffen, da\u00df von den Vororten aus Schutzb\u00fcndler den Marsch auf Wien antreten wollen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ueber die Zahl der Toten ist bisher noch keine Klarheit vorhanden. Eine Sch\u00e4tzung lautet auf 384 Todesopfer. Im Allgemeinen Krankenhaus sollen 123 Personen ihren Verletzungen erlegen sein. Ferner hei\u00dft es, da\u00df 100 Leichen beim Anatomischen Institut eingeliefert worden seien.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aus den Bundesl\u00e4ndern liegen ebenfalls Nachrichten vor, denen zufolge die K\u00e4mpfe noch keineswegs abgeschlossen sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>London. Nach Informationen des Wiener Reutervertreters soll die Zahl der Todesopfer in ganz Oesterreich nicht unter 500 anzusehen sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wie Seitz verhaftet wurde!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Einem Schweizer sozialistischen Journalisten gelang es, mit dem B\u00fcrgermeister Seitz im Rathause Verbindung zu erhalten. Er gab folgende Erkl\u00e4rung ab:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Eine halbe Stunde nach der Besetzung des Rathauses durch Milit\u00e4r erschienen in meinem B\u00fcro zehn Polizeikommiss\u00e4re in Zivil und zwei Polizisten in Uniform unter F\u00fchrung eines Polizeirates. In diesem Augenblick befanden sich die Stadtr\u00e4te Speiser, Weber und Honay und der ehemalige Stadtrat Breitner bei mir. Der Polizeirat erkl\u00e4rte, er habe den Befehl, den B\u00fcrgermeister und die s\u00e4mtlichen Stadtr\u00e4te zu verhaften.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Er ersuchte uns, ihm, dem Polizeirat, zu folgen. Ich erkl\u00e4rte ihm, da\u00df ich seiner Anordnung nicht Folge leisten werde. Als Gew\u00e4hlter des Volkes von Wien, als B\u00fcrgermeister und Landeshauptmann des Landes Wien werde ich auf meinem Posten bleiben und da\u00df ich mich durch niemanden und durch nichts, es sei denn das Volk Wiens selbst, in der Aus\u00fcbung meiner Pflichten werde behindern lassen. Der Polizeirat erkl\u00e4rte, er m\u00fcsse in diesem Falle neue Instruktionen einholen. Er kam bald wieder und erkl\u00e4rte uns, er m\u00fcsse auf unsern Verhaftungen bestehen, zumindest m\u00fc\u00dften die anwesenden Stadtr\u00e4te ihm folgen. Die Verhaftung m\u00fc\u00dfte unter Umst\u00e4nden gewaltsam erfolgen. Inzwischen hatte die Polizei bereits zwei Autos requiriert, in denen die bei mir anwesenden Personen abgef\u00fchrt wurden. Sie waren der Polizei gefolgt, nachdem diese darauf verzichtet hatte, mich ebenfalls sofort abzuf\u00fchren. Um 20 ist das Milit\u00e4r, das das Rathaus besetzt hielt, abgezogen und wurde durch Heimwehrabteilungen ersetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie mir von einem Beamten berichtet wird, begab sich Stadtrat Danneberg (Finanzdirektor von Wien) zum Finanzminister Buresch, um Auskunft von ihm zu verlangen, wie weit die Dinge getrieben werden sollten. Als er von dort nach Hause ging, wurde er in seinem Domizil ebenfalls verhaftet.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Seitz &#8211; Renner- Breitner<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der fr\u00fchere Finanzreferent des Wiener Gemeinderates Breitner und der Landesrat Petznek, der Gatte der sogenannten &quot;roten Prinzessin&quot;, der F\u00fcrstin Windischgr\u00e4tz, einer Enkelin des Kaisers Franz Josef, sind am Dienstag verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der B\u00fcrgermeister von Wien, Seitz (er ist mindestens 70 Jahre alt), hat nach Angabe des behandelnden Arztes einen Schw\u00e4cheanfall, also keinen Schlaganfall, erlitten. Seit befand sich bis Dienstag nachmittag im Nathans. Darauf wurde er ins Polizeigef\u00e4ngnis gebracht.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat am Dienstag vormittag Minister Schmitz seine T\u00e4tigkeit als Bundeskommissar im Rathaus aufgenommen. Wie bestimmt verlautet, wurde auch B\u00fcrgermeister Seitz in Schu\u00dfhaft genommen. Auch der Pr\u00e4sident des Nationalrates Dr. Renner und der Pr\u00e4sident des Bundesrates K\u00f6rner seien verhaftet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Teilweise Wiederaufnahme des Verkehrs<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 14. Febr. Im ganzen Stadtgebiet ist die Nacht ruhig verlaufen. Auch im Floridsdorfer Gebiet, wo sich bekanntlich die Gegner noch gegen\u00fcberstehen, kam es w\u00e4hrend der Nacht zu keinen K\u00e4mpfen. Auch in den ersten Morgenstunden h\u00f6rte man nur vereinzelt das Explodieren einer schweren Mine. Erst gegen 8 Uhr nahm das Artillerie- und Minenfeuer wieder zu. Stra\u00dfenbahn und Stadtbahn verkehren wieder. Am Ring allerdings ruht noch der Verkehr, um die dort besonders in der Umgebung des Polizeipr\u00e4sidiums getroffenen Absperrungsma\u00dfregeln aufrechterhalten zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Landeshauptmann von K\u00e4rnten, Kernmayer, der dem Landbund angeh\u00f6rt, ist wie es hei\u00dft vom Bundeskanzler telegrafisch aufgefordert worden, zur\u00fcckzutreten. Dar\u00fcber wird eine Sitzung des Landbundes entscheiden, die im Laufe des heutigen Tages zusammentritt. &#8211; Kernmayer ist, nachdem Seitz in Wien beseitigt ist, der letzte Landeshauptmann, der, obwohl rechtsstehend, der Heimwehrdiktatur nicht genehm ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Echo aus Prag<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Prag werden die \u00f6sterreichischen Ereignisse mit au\u00dferordentlicher Spannung verfolgt. Die Erregung des Landes ergibt sich schon aus seiner geographischen Lage. Dauernd berichten Extrabl\u00e4tter \u00fcber die K\u00e4mpfe in Oesterreich und Wien. Die Auffassung, da\u00df der Regierung Dollfu\u00df die Schuld an den Ereignissen zuzuschreiben sei, ist nahezu allgemein. Die Vorst\u00e4nde der tschechischen und deutschen sozialdemokratischen Partei haben sich in einer gemeinschaftlichen Sympathiekundgebung f\u00fcr die Sache der k\u00e4mpfenden Arbeiter in Oesterreich erkl\u00e4rt. Ger\u00fcchte, da\u00df tschechoslowakische Arbeiterhilfskorps die \u00f6sterreichische Grenze \u00fcberschritten h\u00e4tten, oder \u00fcberschreiten wollten, werden dementiert.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Anfrage in Unterhaus<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 18. Febr. Der englische Au\u00dfenminister Simon nahm am Dienstag nachmittag zur Lage in Oesterreich Stellung und machte dem Hause Mitteilung \u00fcber die Nachrichten, die ihm von der \u00f6sterreichischen Regierung zugegangen waren. Der Abg. Mander fragte daraufhin, ob die englische Regierung bereit sei, der \u00f6sterreichischen Regierung klarzumachen, da\u00df jede Unterdr\u00fcckung verfassungsm\u00e4\u00dfiger Einrichtungen durch die \u00f6ffentliche Meinung Englands nicht unterst\u00fctzt w\u00fcrde. Simon erteilte auf diese Frage keine Antwort. Ferner stellte das Mitglied der Unabh\u00e4ngigen Arbeiterpartei Marton die Frage an Simon, ob und wann der V\u00f6lkerbund in der Lage sein werde, die \u00f6sterreichischen Schwierigkeiten au er\u00f6rtern. Simon erwiderte darauf: Ich glaube, die Lage ist so, da\u00df zwar die \u00f6sterreichische Regierung grunds\u00e4tzlich beschlossen hat, den V\u00f6lkerbund anzurufen, da\u00df sie aber Dr. Dollfu\u00df die Entscheidung \u00fcberlassen hat, in welchem Augenblick dies getan werden solle. Sobald die Anrufung erfolgt, wird, wie ich annehme, eine Sondersitzung des V\u00f6lkerbundsrates stattfinden. Auf die Frage Martons, ob der V\u00f6lkerbund nicht zu den beunruhigenden Ereignissen in Oesterreich Stellung nehmen w\u00fcrde, bevor sie ihm durch Dollfu\u00df vorgelegt werden, antwortete Simon, er sehe im Augenblick keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr den V\u00f6lkerbund, aus eigenem Antrieb in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Indessen kam es in Frankreich wieder zu einer Linksregierung, in der Paul-Boncour zwar nicht mehr Au\u00dfenminister aber als Kriegsminister weiterhin ein sehr gewichtiges Mitglied der franz\u00f6sischen Regierung geworden ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Komplikation durch die deutsche Note<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Herr Dollfu\u00df war, wie man erf\u00e4hrt, trotz des Protestes der M\u00e4chte entschlossen, den Staatsstreich zu f\u00fchren, wenn nicht just am selben Tag die deutsche Antwortnote eingetroffen w\u00e4re, die offenbar Herr Dollfu\u00df zu einem sp\u00e4teren Termin erwartet hatte. Nun hatte sich aber die internationale Lage ge\u00e4ndert, nun bedurfte Dollfu\u00df in seiner Aktion gegen Deutschland die Hilfe der Westm\u00e4chte &#8211; in diesem Augenblick konnte er es nicht wagen, den B\u00fcrgerkrieg zu entfesseln.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So unterblieb diesmal der Schlag gegen Wien. <\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So scheint der Staatsstreich in Tirol fehlzuschlagen. <\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So scheint es aber nur zur Stunde, da wir diesen Bericht verfassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am nachmittag des Montag, den 5. Februar, ist wieder Heimwehr in Innsbruck einger\u00fcckt und zur Stunde ist nicht zu \u00fcbersehen, ob die Verbrecher nicht doch den Funken des B\u00fcrgerkrieges in das Pulverfa\u00df Oesterreich schleudern.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Appell zum Generalstreik<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Arbeiterschaft war jedenfalls ger\u00fcstet, den Schlag gegen Wien mit dem Generalstreit zu beantworten. Schon am 2. Februar wurde Oesterreich mit ungeheueren Massen illegaler Flugbl\u00e4tter \u00fcberschwemmt, in der die unmittelbar drohende Gefahr eines Staatsstreiches in Wien alarmiert und der Generalstreit f\u00fcr diesen Fall angek\u00fcndigt wurde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein Aufruf der Tiroler Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>Am 4. Februar erlie\u00df die sozialdemokratische Partei Tirols folgenden Aufruf:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Versuch verblendeter Elemente, die Verfassung des Landes Tirol gewaltsam zu \u00e4ndern, hat in den Reihen der Tiroler Arbeiter und Bauern sch\u00e4rfsten Widerspruch und ungeheure Emp\u00f6rung hervorgerufen. Spontan hat sich die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit des Volkes zu Recht, Gesetz und Verfassung bekannt, und in nachdr\u00fccklichen Kundgebungen ihre Auffassung kundgetan. Das Land braucht dringend Ruhe und Frieden, um aus der ungeheuren wirtschaftlichen Not herauszukommen. Darum m\u00fcssen die Friedensbrecher, gleichviel aus welchem Lager sie stammen, entschieden zur Ordnung gerufen werden. Die Tiroler Arbeiterschaft leidet neben den Bauern am meisten unter der Not der Zeit. Sie warnt deshalb nochmals davor, die Dinge zum Aeu\u00dfersten zu treiben. Die Gegner des Selbstbestimmungsrechtes in der Jahrhunderte alten Freiheit des Tiroler Volkes m\u00f6gen ein f\u00fcr alles mal wissen, da\u00df die Tiroler Arbeiterschaft nicht duldet, da\u00df sie und ihr gutes Recht mit F\u00fc\u00dfen getreten werden. Die Gefahren sind noch nicht endg\u00fcltig gebannt. Gr\u00f6\u00dfte Wachsamkeit ist weiterhin geboten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Arbeiterschaft Oesterreichs ist entschlossen, den Staatsstreich in irgendeinem der Bundesl\u00e4nder mit dem Generalstreik zu begegnen. Wenn die Verbrecher es wagen sollten, in einem Bundesland den Staatsstreich zu unters nehmen, so wird von dort aus der Generalstreik und der B\u00fcrgerkrieg in ganz Oesterreich aufgerollt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Entscheidung r\u00fcckt heran!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Arbeiter! La\u00dft Euch nicht alarmm\u00fcde machen!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Haltet Euch bereit, um die Freiheit zu k\u00e4mpfen! Hinter dieser Regierung der Desperados steht nichts als einige tausend unsichere Bajonette. Gegen diese Regierung steht das ganze Volk!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Darum: F\u00e4llt die Entscheidung, so k\u00e4mpft mit allen Waffen, denn es geht um Eure Freiheit, es geht um Eure Kinder, es geht um Eure Zukunft!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wir wollen nicht Sklaven werden!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Frei wollen wir bleiben!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>F\u00fcr uns streitet geheiligtes, beschworenes Recht!<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=center style='text-align:center;text-indent:0cm'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mobilmachung der Heimwehr<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Heimwehr hat &#8211; man beachte das Datum! &#8211; am 27. J\u00e4nner den folgenden Mobilisierungsbefehl erlassen. Uns liegt dieser Befehl im Original der Margaretner- Heimwehr vor; er ist mit entsprechenden Varianten am selben Tag von allen Abteilungen und Unterabteilungen der Heimwehr an alle ihre Mitglieder ergangen; er lautet:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:14.2pt;text-indent:0cm'><span lang=DE>Wiener Heimatschnutz<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>J\u00e4gerbaon III<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Kompagnie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm;text-indent:0cm'><span lang=DE>Herr Kamerad (folgt der Name) \u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Die Bundesregierung ist nunmehr gewillt, unter allen Umst\u00e4nden die Entscheidung herbeizuf\u00fchren. Sie wird in den n\u00e4chsten Tagen alle Angeh\u00f6rigen der im Schutzkorps eingegliederten Wehrformationen zur aktiven Dienstleistung in das Schutzkorps einberufen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Unser Landesf\u00fchrer, Vizekanzler Major a. D. Emil Fey, als Chef des Sicherheitswesens, fordert daher alle Heimatsch\u00fctzer auf, unter m\u00f6glichster R\u00fccksstellung aller beruflichen R\u00fccksichten in dieser entscheidenden Stunde sich dem Staate durch Eintreten in das freiwillige Schutzkorps zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Diese Rufe, bzw. Befehle unseres F\u00fchrers Folge zu leisten, ist uns Margaretner Heimatsch\u00fctzern selbstverst\u00e4ndliche Pflicht, unser Gel\u00f6bnis, als freiwillige K\u00e4mpfer f\u00fcr Heimat und Volk, f\u00fcr ein freies christliches, deutsches Oesterreich, einzul\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Sie werden daher aufgefordert, sich unbedingt am Montag, den 29. d. M. um halb 8 Uhr abends im Heime 4., Hauslabgasse 2, behufs Zusammenstellung der neu aufzustellenden Formation des Schutzkorps p\u00fcnktlich einzufinden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Das unentschuldigte Fernbleiben wird als Austritt ans dem Heimatschutze ohne R\u00fccksicht auf die Dauer der Zugeh\u00f6rigkeit zum Heimatschutze angesehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>In diesen entscheidenden Stunden geh\u00f6ren alle wahren K\u00e4mpfer f\u00fcr unsere Idee in die Front.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Heil Starhemberg!&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heil Oesterreich!<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Wien, am 27. J\u00e4nner 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Der Baonskmdt.:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Karl Biedermann e. h.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dieses Dokument beweist, da\u00df die Regierung Dollfu\u00df-Fey die Heimwehr nicht aufgeboten hat, um einen von den Nazi drohenden Putsch abzuwehren, sondern um selbst eine &quot;Entscheidung&quot; herbeizuf\u00fchren &#8211; n\u00e4mlich den Staats<\/span><span lang=DE style='font-family: \"Times New Roman\",\"serif\"'>streich.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vorgeschichte des Staatsstreichs<br \/> Material aus der Illegalen \u00f6sterreichischen Wochenschrift<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Oesterreich wird illegal eine sozialdemokratische Wochenschrift &quot;Ruf zur Freiheit&quot; verbreitet. Die letzte Nummer, die uns heute erreichte, ist vom 11. Februar datiert<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[21]<\/span><\/span><\/span><\/a>. Sie bringt eingehendes Material dar\u00fcber, da\u00df der Bundeskanzler Dollfu\u00df und sein Vizekanzler Fey schon f\u00fcr Ende Januar oder Anfang Februar den Staatsstreich geplant hatten. Durch die Putschgefahr von den Nazis her sollte eine Panikstimmung der Bev\u00f6lkerung erzeugt werden, die Heimwehr sollte in Tirol &quot;revoltieren&quot; und von dort aus sollte sich die Bewegung bis nach Wien w\u00e4lzen. Gleichzeitig sollte in der Bundeshauptstadt das Rathaus besetzt und die sozialistische Landesregierung verjagt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bundeskanzler Dollfu\u00df w\u00e4hlte diesen Zeitpunkt, weil am 26. Januar gemeldet wurde, da\u00df der Sturz der franz\u00f6sischen Regierung Chautemps unmittelbar bevorstehe. Gegen\u00fcber Paul Boncour, dem Au\u00dfenminister des Kabinetts Chautemps hatte n\u00e4mlich Dollfu\u00df die Verpflichtung eingegangen, entscheidende Ma\u00dfnahmen<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[22]<\/span><\/span><\/span><\/a> gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen, um Oesterreich vor der Katastrophe des B\u00fcrgerkrieges zu bewahren. Diese Verpflichtung bindet nat\u00fcrlich die \u00f6sterreichische Regierung an die franz\u00f6sische Regierung und nicht nur an eines ihrer Mitglieder. Der jesuitische Dollfu\u00df stellte sich aber so, als h\u00e4tte er sich nur gegen\u00fcber dem Au\u00dfenminister Paul-Boncour und nicht gegen\u00fcber der franz\u00f6sischen Regierung gebunden. Und da mit Chautemps auch Paul-Boncour demmissioniert hatte, so glaubte sich Herr Dollfu\u00df dieser Verpflichtung entbunden und war entschlossen, die kurze Spanne Zeit der franz\u00f6sischen Regierungsbildung zum Staatsstreich auszun\u00fctzen, um die neue franz\u00f6sische Regierung einfach vor die vollendete Tatsache des Staatsstreiches zu stellen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der seine Plan des Herrn Dollfu\u00df war also, in der Zeitspanne zwischen der Demmission der Regierung Chautemps und der Vorstellung der neuen Regierung in der Kammer, die Wiener Rathausregierung zu st\u00fcrzen und gleichzeitig von Tirol aus den Staatsstreich \u00fcber ganz Oefterreich zu tragen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Schritt der M\u00e4chte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Gegen diesen Plan protestierten nun, wie man aus dem &quot;Prager Tagblatt&quot; vom 8. Februar<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[23]<\/span><\/span><\/span><\/a> erfuhr, der englische und der franz\u00f6sische Gesandte. Diese ungemein wichtige Meldung, die der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung auf Weisung der Pre\u00dfpolizei nat\u00fcrlich verheimlicht wurde, lautete:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 2. Februar. Gestern sprachen der englische und der franz\u00f6sische Gesandte beim Bundeskanzler vor, um ihn \u00fcber die Vorf\u00e4lle in Innsbruck zu befragen. Gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Gesandten soll sich Bundeskanzler Dr. Dollfu\u00df ge\u00e4u\u00dfert haben, da\u00df er sich angesichts der ge\u00e4nderten politischen Lage in Frankreich nicht mehr gebunden f\u00fchle, die er seinerzeit dem damaligen franz\u00f6sischen Au\u00dfenminister gegen\u00fcber eingegangen sei, n\u00e4mlich keine entscheidenden Ma\u00dfnahmen gegen die sozialdemokratische Partei zu treffen. Der franz\u00f6sische Gesandte Puaux soll dieser Auffassung des Bundeskanzlers entgegengetreten sein und gemeint haben, da\u00df der Regierungswechsel in Frankreich kein Anla\u00df sei, diese Zusicherung zur\u00fcckzunehmen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der gro\u00dfe Freiheitskampf<br \/> Namenlose Helden<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In ganz Oesterreich k\u00e4mpfen sie, die namenlosen Helden. In ganz Oesterreich verteidigen sie Freiheit, Republik und Sozialismus gegen das faschistische Verbrechen, das von Amts wegen das Oesterreich der Freiheit, das Oesterreich der sozialistischen Kultur, das kulturelle Oesterreich \u00fcberhaupt, niederschlagen will.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es sind die Arbeiter aus den Betrieben, aus den B\u00fcros. Es sind die Arbeiter auf der ganzen Linie, die ihr Leben einsetzen in diesem Kampf gegen das faschistische Verbrechen. Wer wei\u00df was von dem Mut dieser M\u00e4nner, der von ihren Gegnern zum Verbrechen gestempelt wird? Wer wei\u00df etwas von dem Heldentum, das in den Stra\u00dfen Wiens, von Graz und \u00fcberall in Oesterreich verzweifelt ringt gegen eine ungeheure Macht, gegen die Macht des Militarismus, gegen Polizei und die ganze Staatsmacht \u00fcberhaupt? K\u00e4mpft gegen das von oben dirigierte Verbrechen am \u00f6sterreichischen Volk?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Kein Dichter singt ihnen Heldenoden. Ihnen wird man keine Ruhmesdenkm\u00e4ler setzen in Stein und Erz. Jeder von ihnen wei\u00df das, der mit der Waffe in der Hand k\u00e4mpft. Nicht f\u00fcr Orden und Ehren, nicht f\u00fcr klingenden Lohn, nicht f\u00fcr Rangstufe, Titel und Bef\u00f6rderungskram, womit die Helden des Krieges sonst gek\u00f6dert werden. Diese namenlosen Helden k\u00e4mpfen nicht f\u00fcr religi\u00f6s verbr\u00e4mten mittelalterlichen Tand. Sie k\u00e4mpfen nur und setzen ihr Leben ein, da\u00df die Luft freibleibt um sie, damit sie atmen k\u00f6nnen, damit sie in Freiheit arbeiten und ihr Brot verdienen k\u00f6nnen, wovon sie leben m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Sie stehen fest, die \u00f6sterreichischen Arbeiter und Helden. Jetzt zeigt sich schon, da\u00df in diesem B\u00fcrgerkrieg nicht gek\u00e4mpft wird um Stadtteile, einzelne Geb\u00e4ude, Bahnh\u00f6fe, sondern \u00fcberall, wo die M\u00f6glichkeit besteht. Wenn ein Bahnhof erobert wurde von den Faschisten, wenn eine H\u00f6he gest\u00fcrmt wurde, dann melden die \u00f6sterreichischen Verfassungsbrecher und blutbesudelten Fey- Starhemberg-Faschisten ihren Sieg in die Welt, um dann eine Stunde sp\u00e4ter wieder der aufhorchenden Menschheit verk\u00fcnden zu m\u00fcssen, da\u00df sich die sozialistischen K\u00e4mpfer wieder an anderer Stelle gesammelt haben und erneut weiter ringen in hartem, erbittertem Kampfe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Da\u00df selbst die verfassungsbrecherische Regierung ihre Lage anf\u00e4ngt \u00e4ngstlicher zu beurteilen, geht schon daraus hervor, da\u00df der hauptfaschistische Akteur, Major Fey, einen Runderlag an s\u00e4mtliche Milit\u00e4rkommandanten und Sicherheitsbeh\u00f6rden herausgab, in dem er r\u00fccksichtslos jeden Versuch des Widerstandes mit &quot;allen Mitteln niederzuschlagen&quot; befiehlt und hinzuf\u00fcgt: Jm ganzen Bundesgebiet m\u00fcsse bis zum Dienstag abend die &quot;Ruhe wieder hergestellt sein&quot;. Daraus kann man ersehen, da\u00df es den faschistischen Verbrechern angst und bange wird, zumal sie bef\u00fcrchten m\u00fcssen, da\u00df das Milit\u00e4r auf l\u00e4ngere Zeit den ungeheuren Spannungen, denen der einzelne Soldat ausgesetzt ist, wenn er auf seinen Volksbruder schie\u00dft, nicht mehr gewachsen ist. Wenn aber schon der \u00f6sterreichische Rundfunk in Bewegung gesetzt werden mu\u00df, um Freiwillige von den ehemaligen Kriegsteilnehmern aufzubieten gegen die k\u00e4mpfende Arbeiterschaft, dann wei\u00df man, wie die Lage in Oesterreich ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>So k\u00e4mpfen Oesterreichs Sozialdemokraten gegen den Faschismus!<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>NSDAP gegen Dollfu\u00df<br \/> Kein Waffenstillstand mit den Heimwehren<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>M\u00fcnchen, 14. Febr. Wie die Landesleitung der NSDAP. mitteilt, sind die Ger\u00fcchte, wonach zwischen Heimwehr und NSDAP. Waffenstillstandsverhandlungen gef\u00fchrt wurden, unzutreffend. Der Kampf der NSDAP. gegen das System Dollfu\u00df wird kompromi\u00dflos weitergef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In ihrer Stellungnahme zu den blutigen Ereignissen in Oesterreich erkl\u00e4rt die nationalsozialistische Parteikorrespondenz, da\u00df es nur eine M\u00f6glichkeit gebe, dem Chaos in Oesterreich ein Ende zu setzen, n\u00e4mlich einen Schlu\u00dfstrich unter das Willk\u00fcrregiment Dollfu\u00df- Fey zu ziehen und dem \u00f6sterreichischen Volk selbst das Bestimmungsrecht \u00fcber sein Schicksal in die Hand zu geben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Blutopfer<br \/> Viele Hunderte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Auch die amtlichen Berichte geben jetzt zu, da\u00df die K\u00e4mpfe sehr schwere Blutopfer fordern. Die Verluste in Wien werden jetzt mit 33 Toten und 163 Schwerverletzten angegeben. In Wien ist in der Lage im Laufe des Vormittags keine wesentliche Aenderung eingetreten. F\u00fcr eine Anzahl von Bezirken sind dringend Verst\u00e4rkungen angefordert worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Ottakring explodierte durch einen Treffer ein Gasometer. In diesem Bezirke wurden Truppen von den D\u00e4chern und einem Feuerwehrturm aus beschossen, worauf die Truppen zum Sturm ansetzten. Aus einem Gemeindehaus er\u00f6ffneten die Verteidiger der Freiheit scharfes Maschinengewehrfeuer, worauf Haubitzen die Stellung unter Feuer nahmen. Bei der Besetzung eines ebenfalls in diesem Bezirk gelegenen gro\u00dfen Gemeindehause, das durch Artilleriefeuer schwer besch\u00e4digt war, wurden 50 Schutzb\u00fcndler verhaftet, bei denen man jedoch keine Munition mehr vorfand. Schutzb\u00fcndler, die verhaftet worden sind, sollen vor das Standgericht gestellt werden. Der Adjutant des Staatsverbrechers Fey, Major Wrabel, ist durch einen Schu\u00df in den Arm verletzt worden. Nach einer privaten Mitteilung ist die Frau des bekannten sozialdemokratischen Nationalrats Abgeordneten Sever bei der Erst\u00fcrmung des Arbeiterhauses in Ottakring erschossen worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Jedes Haus ist eine Festung \u2026.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach dem amtlichen Bericht wird bekannt, da\u00df in Linz nach wie vor die Arbeiterschaft weiterk\u00e4mpft. Es hei\u00dft da: &quot;gegenw\u00e4rtig wird der Bahnhof ges\u00e4ubert&quot;. Der G\u00fcterbahnhof ist noch in H\u00e4nden der Freiheitsk\u00e4mpfer, denn der amtliche Bericht k\u00fcndigt erst noch eine &quot;Aktion&quot; an. In Steyr wurde w\u00e4hrend der Kampfhandlungen ein Direktor der Steyrwerke erschossen. Auch hier ist es den milit\u00e4rischen Abteilungen und dem Heimatschutz bisher nicht gelungen, die K\u00e4mpfenden aus dem Ort herauszudr\u00e4ngen. Der amtliche Bericht k\u00fcndigt an, da\u00df man mit der &quot;S\u00e4uberung&quot; &quot;noch&quot; besch\u00e4ftigt sei. In Bruck an der Mur wurde zwar der Schlo\u00dfberg nach schwerem Artilleriefeuer von der verfassungsbrecherischen Soldateska erst\u00fcrmt, aber in den Stra\u00dfen wird nach wie vor der Kampf erbittert fortgesetzt. Jedes Haus ist eine Festung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Katzenberg (Steiermark) wurde das Gendarmeriepostenkommando von Schutzb\u00fcndlern eingeschlossen. Die Freiheitsk\u00e4mpfer sind Herren der Lage. Heeresabteilungen und starke Abteilungen der Heimwehr sind nach Katzenberg unterwegs. Der amtliche Bericht spricht davon: &quot;Zur Befreiung des Gendarmeriepostenkommandos&quot;. Daraus ist zu erkennen, da\u00df in Katzenberg und Umgebung die ganze Polizei und Gendarmerie festgelegt und entwaffnet ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Eggenberg bei Graz haben sich die Schutzb\u00fcndler in der Fabrik Wagner und im B\u00fcro der Schienenwalzwerke festgesetzt. Auch hier ist es bisher nicht gelungen, weder mit Polizei, noch mit Milit\u00e4rabteilungen die Verteidiger aus ihren Positionen herauszubringen. In Graz soll vorl\u00e4ufig noch Ruhe herrschen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Nieder\u00f6sterreich soll noch Ruhe herrschen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Judenburg fanden Barrikadenk\u00e4mpfe statt. Angeblich sollen die Barrikaden vom Bundesheer gest\u00fcrmt worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien gehen die K\u00e4mpfe weiter. Im 19. Bezirk, also im Marxhof, und im 16. Bezirk, den st\u00e4dtischen Wohnungsanlagen Sandleiten und im Arbeiterheim sowie an einigen Stellen im 11. und 21. Bezirk finden zur Zeit heftige K\u00e4mpfe statt. Die Verteidiger erwidern das Feuer der Polizei des Milit\u00e4rs und des Heimatschutzes und schlagen die Angriffe der faschistischen Verbrecher \u00fcberall zur\u00fcck. Selbst Artillerie ist eingesetzt worden. Die Freiheitsk\u00e4mpfer wehren sich mit Heldenmut.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das war die Lage in Oesterreich Dienstag vormittag. Nach einem amtlichen Bericht. Man sieht daraus, wie erbittert in ganz Oesterreich gerungen wird, und da\u00df der verbrecherische Staatsstreich der Heimwehrfaschisten unter Dollfu\u00df\u2019 Duldung trotz Aufgebot der ganzen \u00f6sterreichischen Armee, Polizei, Gendarmerie und der Heimwehr, bisher nicht vermochte, die das freie Oesterreich verteidigende Arbeiterschaft niederzuschlagen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die K\u00e4mpfe um Floridsdorf und Ottakring<br \/> Die Arbeiter nicht besiegt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. In Floridsdorf, dem jenseits der Donau gelegenen Bezirk, waren am Dienstag um 19 Uhr noch einige f\u00fcr den Verkehr nach Norden wichtige Punkte im Besitz der Sozialdemokraten, so auch das Leopoldsauer Gaswerk. Ein doppelseitiger Angriff, sowohl aus dem Innern der Stadt wie von der nieder\u00f6sterreichischen Seite her gegen diese Stellung der Sozialdemokraten ist im Gange. Von offizi\u00f6ser Seite wird erkl\u00e4rt, die beiden gro\u00dfen Gemeindebauten im &nbsp;10. Bezirk in der Quellenstra\u00dfe seien teils gest\u00fcrmt, teils auch durch die Uebergabe in den Besitz der Regierungstruppen gekommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Seit 18 Uhr ist ein neuer Kampf um das Arbeiterheim Ottakring ausgebrochen. Wie es hei\u00dft, &nbsp;sollen die Sozialdemokraten, die durch &quot;unterirdische G\u00e4nge&quot; in die Nachbarh\u00e4user gefl\u00fcchtet waren, nachdem sie von dort aus das Arbeiterheim unter Maschinengewehrfeuer genommen hatten, die schwache Polizeibesatzung wieder hinausgedr\u00e4ngt und das Heim erneut besetzt haben. Polizei geht nun erneut gegen das Arbeiterheim vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr das Heerwesen hat im Rundfunk eine Ansprache gehalten, in der er alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aufforderte, sich bei den zust\u00e4ndigen Milit\u00e4rstellen oder beim vaterl\u00e4ndischen Dienst als Freiwillige zu melden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Artillerie und Pioniere!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 18. Febr. Die Kampfhandlungen der Regierungstruppen gegen die Freiheitsk\u00e4mpfer ballen sich in den Abendstunden in dem jenseits der Donau gelegenen 21. Gemeindebezirk Floridsdorf zusammen. Die Regierung hat zur S\u00e4uberung dieses Bezirks schwere Artillerie und Pioniere eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als ernst wird die Lage in Steyr bezeichnet, wo jetzt ein motorisiertes Bataillon eingesetzt worden ist. Heimwehrabteilungen unter F\u00fchrung Starhembergs find nach Steyr im Vormarsch. Nach Artillerievorbereitung soll alsdann die Infanterie zum Sturm auf Steyr eingelegt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Im Inntal wird noch gek\u00e4mpft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Innsbruck, 18. Febr. In dem Industrieort W\u00f6rgl im Inntal sollte am Dienstag das sozialdemokratische Arbeiterheim besetzt werden. Die Arbeiterschaft versammelte sich darauf und leistete Widerstand, demgegen\u00fcber sich die in W\u00f6rgl verf\u00fcgbaren Machtmittel als zu schwach erwiesen. In dem in der N\u00e4he gelegenen Bergwerksort H\u00e4ring ist ein Teil der Bergleute in den Streik getreten. Die Streikenden sind gemeinsam mit dem Republikanischen Schutzbund von H\u00e4ring im Anmarsch auf W\u00f6rgl. Der Ort ist gegenw\u00e4rtig von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten. Von Innsbruck aus ist Heimwehr und Gendarmerie abgesandt worden. Die Lage ist kritisch.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mit allen Mitteln<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 13. Febr. Vizekanzler Major Fey hat einen Runderla\u00df an s\u00e4mtliche Milit\u00e4rkommandanten und Sicherheitsbeh\u00f6rden herausgegeben mit der Aufforderung, r\u00fccksichtslos jeden Versuch eines Widerstandes mit allen Mitteln niederzuschlagen. Die Ruhe im ganzen Bundesgebiet m\u00fcsse bis zum heutigen Dienstag abend wiederhergestellt sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach den bisherigen Berichten aus Wien sollen 24 Tote und 72 Schwerverletzte allein in dem Allgemeinen Krankens haus festgestellt worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Graz find 600 Personen verhaftet worden. Die Zahl der Toten in Graz wird mit 70 angegeben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch in V\u00f6cklabruck ist ein gro\u00dfer Unruheherd vorhanden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit.<br \/> <a name=\"DF_1934_02_16_fr\"><\/a>Nummer 39 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[24]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Freitag, den 16. Februar 1934<\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Schlachtfeld des Heldenkampfs<br \/> Kampf bis zum letzten Mann &#8211; Die Regierung l\u00e4\u00dft Frauen und Kinder erschie\u00dfen \u2013 Rachefeldzug der M\u00f6rder<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Tausende Tote<br \/> 350 Opfer im Karl-Marx-Hof<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 15. Februar. Der Wiener Korrespondent der &quot;Times&quot; sagt in einem Bericht: Die Verlustliste mu\u00df eine schreckliche H\u00f6he erreicht haben. Sch\u00e4tzungen der Sozialisten geben die Zahl ihrer Toten nur bis Dienstagabend auf nicht weniger als 1500 an, und es ist bekannt, da\u00df die Schlacht, die jetzt in Floridsdorf tobt, die blutigste von allen ist. Es hei\u00dft, da\u00df in dem Karl-Marx-Hof genannten gro\u00dfen Wohngeb\u00e4ude allein 350 Personen get\u00f6tet wurden, nicht nur Schutzb\u00fcndler, sondern auch Bewohner. Die Regierungsstreitkr\u00e4fte haben ebenfalls schwere Verluste erlitten. Im weiteren Verlauf seiner Schilderung sagt der Korrespondent: Eine derartige Zusammendr\u00e4ngung menschlichen Leidens auf engem Raum kann es in ganz Europa seit dem Kriege kaum gegeben haben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Abgeschlachtet&quot;<br \/> Die Schuld der M\u00f6rder<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(Mit der Fortsetzung von Seite 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 15. Februar. Zu den blutigen Ereignissen in Oesterreich ver\u00f6ffentlicht Reuter eine Meldung, in der es hei\u00dft, unzweifelhaft seien viele von den Toten und Verwundeten nicht am Kampf beteiligt gewesen. Ein h\u00f6herer Offizier der regul\u00e4ren Armee habe in Floridsdorf im Gespr\u00e4ch mit einem Vertreter des Reuterb\u00fcros zugegeben, da\u00df die meisten Verluste wahrscheinlich unter unschuldigen Personen zu verzeichnen seien, die nicht aus ihren von der Artillerie des Bundesheeres beschossenen Wohnh\u00e4usern entkommen konnten. Die Reutermeldung gibt der Ansicht Ausdruck, da\u00df ein Ergebnis der Abschlachtung von Nichtk\u00e4mpfern eine Zunahme der Erbitterung der Arbeiterklasse gegen die Regierung Dollfu\u00df sein werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Daily Telegraph&quot; bringt einen Aufsatz seines Korrespondenten f\u00fcr Zentraleuropa Gedye, in dem ausgef\u00fchrt wird, da\u00df man in Oesterreich nicht von einem kommunistischen Aufruhr sprechen k\u00f6nne. Der Aufruhr sei vielmehr von den Heimwehrf\u00fchrern ausgegangen, die Dr. Dollfu\u00df gezwungen h\u00e4tten, die Bestrebungen durchzuf\u00fchren, die sie in ihrem eigenen Putsch vom 13. September 1929&nbsp;<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[25]<\/span><\/span><\/span><\/a> erfolglos zu verwirklichen versucht h\u00e4tten, einen Putsch, aus den keine Todesurteile und nicht einmal Verurteilungen zu Gef\u00e4ngnisstrafen gefolgt seien. Der Korrespondent sagt, die Regierungsartillerie f\u00fchre jetzt das Ende der demokratischen Republik herbei, wenn auch f\u00fcr einen furchtbaren Preis von Menschenleben. Wenn Dr. Dollfu\u00df dieses Schlachtfeld hinter sich habe, werde er sich einem anderen von \u00e4u\u00dferster Tatkraft und Entschlossenheit erf\u00fcllten Feinde gegen\u00fcbersehen, n\u00e4mlich dem Nationalsozialismus.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Februar. (Eigener Bericht.) In der Nacht zum Donnerstag hat der Bundeskanzler Dollfu\u00df h\u00f6chst pers\u00f6nlich im Wiener Rundfunk einen Bericht \u00fcber seine Mordarbeit gegeben. Die Zahl der Toten und der Verwundeten, unter denen sich viele Frauen und Kinder befinden, hat er verschwiegen. Die furchtbare Ziffer wird amtlich niemals wahrheitsgem\u00e4\u00df bekannt- gegeben werden. Als der Bundeskanzler sprach, war der Kampf zwar milit\u00e4risch schon zugunsten des Heeres und der Polizei entschieden, wie bei deren Uebermacht niemand hatte anders erwarten k\u00f6nnen, aber die sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndler leisteten und leisten noch immer an zahlreichen Stellen heldenhaften Widerstand.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bundeskanzler brachte nicht einmal die ritterliche Geste auf, den tapferen K\u00e4mpfern freien Abzug zu gew\u00e4hren. Er machte ihnen ein verletzendes Angebot, das die gemeine Gesinnung der Bundesregierung deutlich offenbart: &quot;Wer sich von jetzt ab, 11 Uhr abends, jeder ungesetzlichen oder feindseligen Handlung strikte enth\u00e4lt, und morgen, Donnerstag, den 15. Februar von 7 Uhr fr\u00fch bis 12 Uhr mittags den Exekutivorganen stellt, kann, ausgenommen die verantwortlichen F\u00fchrer, auf Pardon rechnen.&quot; Dollfu\u00df will also die sozialdemokratischen K\u00e4mpfer aus ihren Positionen herauslocken, um sich dann diejenigen auszusuchen, die er vor seinen Standgerichten aburteilen und wenige Stunden nach dem Urteilsspruch h\u00e4ngen lassen will. Schon hat der Henker seine Arbeit begonnen und viele, viele wird der fromme Bundeskanzler Dollfu\u00df den Weg zum Galgen antreten lassen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach amtlichen Meldungen sind allein in Wien 2000 Personen festgenommen worden. Dieselbe Meldung behauptet, da\u00df die Sozialdemokraten einen Angriff mit Chlorgas geplant gehabt h\u00e4tten. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so w\u00fcrden sie sich lediglich \u00e4hnlicher Waffen wie die Regierung bedient haben, denn deren Truppen haben die Wohnblocks vergast, in denen sich die Verteidiger von Gesetz und Recht und Freiheit verschanzt hielten. Ohne R\u00fccksicht auf Frauen und Kinder sind die Regierungstruppen mit den furchtbarsten Mitteln moderner Kriegf\u00fchrung vorgegangen. Viele Frauen und Kinder befinden sich unter den Toten. Wenn es wahr ist, was die Regierung behauptet, da\u00df Frauen auch aktiv an den K\u00e4mpfe\u00ab sich beteiligt haben, und wie es hei\u00dft, &quot;also keineswegs unschuldige Opfer waren&quot;, so ist dies ein hohes Heldenlied auf die k\u00e4mpfenden Proletarierinnen. Die Regierung will aber mit ihrer Behauptung nur dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df die Frauen und Kinder, die nicht aus den umk\u00e4mpften Wohnungen hinauskommen konnten, von den Kugeln und Granaten der Regierung get\u00f6tet worden sind.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verheerungen in den Kampfgebieten sind furchtbar. Das Floridsdorfer Arbeiterheim liegt vollst\u00e4ndig in Tr\u00fcmmern. Nach einer Behauptung haben es die Verteidiger vor der Uebergabe in Brand gesteckt, nach einer andern ist das Geb\u00e4nde durch eine Explosion gesprengt worden. Die Stra\u00dfen von Floridsdorf sehen aus wie eine Stadt im Kriegsgebiet. Viele H\u00e4user sind durch Granatfeuer zerschossen und die Stra\u00dfen sind mit Schutt und Scherben bedeckt. Viele Tote konnten noch nicht beiseite geschafft werden, obwohl man immer wieder Totenautos durch die Stadt fahren sieht. Breite Blutlachen zeugen von den erbitterten K\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch in den Bezirken, in denen nach den Angaben der Regierung die Truppen und die Polizei vollst\u00e4ndig Herrin der Lage sein soll, und wo man in der Tat zahlreiche lange wei\u00dfe Fahnen aus halb zerst\u00f6rten H\u00e4usern wehen sieht, bleiben Truppenteile und Artillerie schu\u00dffertig. Mindestens in Simmering, in Meidling und in Floridsdorf gibt es noch mit unerh\u00f6rter Tapferteit verteidigte Widerstandsnester. Der einer Festung gleichende Karl-Marr-Hof ist zum Teil und einige andere H\u00e4userblocks sind noch nicht genommen, und es wird jeder Bewaffnete, der sich n\u00e4hert, von den Verteidigern beschossen. Im Karl-Marx-Hof wird um jedes Zimmer gek\u00e4mpft. Ein Teil der Schutzb\u00fcndler haben sich nach Kagran zur\u00fcckgezogen, wo sie angeblich Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgeworfen haben sollen. Die Regierung hat auf dem Bisamberg eine Batterie Haubitzen in Stellung gebracht, um den Widerstand an brechen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Bundesregierung geht mit der grausamster Brutalit\u00e4t vor, weil sie bef\u00fcrchtet, da\u00df bei einer Fortdauer der K\u00e4mpfe ihre Position gegen\u00fcber den Nationalsozialisten unhaltbar werben k\u00f6nnte. Die Truppenkonzentrationen richten sich jetzt gegen Wiener Neustadt, Kagran, Stadlau und Kirchenst\u00e4dten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Siegesbulletin&quot;<br \/> Die erste Kopfpr\u00e4mie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Das Bundeskanzleramt teilt mit: &quot;Die rote Revolte ist vollkommen niedergebrochen. Aus allen Teilen des Bundesgebiets laufen die Meldungen \u00fcber einen vollst\u00e4ndigen Zusammenbruch der roten Revolte ein. Es wird \u00fcberall normal gearbeitet und fast keinerlei Widerstand geleistet. Selbst in den Hauptzentren des bisherigen Widerstandes, wie in Obersteiermark z. B. befindet sich der Schutzbund auf der Flucht. Der Leiter des dortigen Widerstandes, der fr\u00fchere sozialistische Abgeordnete Koloman Wallisch, ist mit etwa 120 Schutzb\u00fcndlern fl\u00fcchtig und hat sich in die W\u00e4lder der Umgebung von Bruck an der Mur zur\u00fcckgezogen. Auf seine Ergreifung ist von Vizekanzler Fey eine Pr\u00e4mie von 1000 Schilling ausgesetzt worden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien hat die Er\u00f6ffnung des Artilleriefeuers auf die von den Sozialdemokraten besetzten Teile von Floridsdorf bewirkt, da\u00df sie ihre Stellung verlassen haben und auf einer Anzahl von Gemeindeh\u00e4usern wei\u00dfe Fahnen hi\u00dften. Die letzten Widerstandsnester werden r\u00fccksichtslos niedergek\u00e4mpft werden. Auch in Simmering wurde auf mehreren roten Gemeindeh\u00e4usern die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft. Die Sicherheitswache, Schutzkorps und Bundesheer haben in Linz eine vollst\u00e4ndige S\u00e4uberung vorgenommen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE style='font-family:\"Times New Roman\",\"serif\"'>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Trotzdem bleibt wahr, da\u00df noch immer tausende Schutzb\u00fcndler die Waffen nicht gestreckt haben und sich wehren bis zum letzten Mann.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Widerstand bis zum Aeu\u00dfersten&quot;<br \/> Im Gebirge<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 15. Febr. Die Agentur Sud-Est berichtet aus Wien, da\u00df es 2000 Schutzb\u00fcndlern gelungen ist, sich auf dem Laaer Berg s\u00fcdlich von Wien zu sammeln. Sie schienen reichlich \u00fcber Waffen und Munition zu verf\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach der gleichen Quelle sollen die Sozialdemokraten zahlreiche Flugschriften zur Verteilung gebracht haben, in denen zum Widerstand bis zum Aeu\u00dfersten aufgefordert und angek\u00fcndigt werde, da\u00df demn\u00e4chst 40&nbsp;000 Schutzb\u00fcndler in Wien eintreffen w\u00fcrden, um die belagerten Punkte zu verst\u00e4rken und um zu versuchen, gegen die Regierungsstreitkr\u00e4fte die Offensive zu ergreifen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Sch\u00f6nf\u00e4rberei und Rache<br \/> Halbamtliche Berichte<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>bnb. Wien, 15. Februar. Der Wiener Industriellenverband hat bekanntgegeben, da\u00df am Mittwoch in allen Betrieben, soweit sie nicht in den umk\u00e4mpften Gebieten liegen, die Arbeit bereits wieder aufgenommen worden sei. Die Generalstreikparole habe keinen Widerhall gefunden. Vielmehr seien die Belegschaften nahezu vollst\u00e4ndig wieder erschienen. Wie die halbamtliche Politische Korrespondenz meldet, st\u00fcnden in jedem Bundesland h\u00f6chstens noch die Belegschaften von ein bis zwei Betrieben im Streit; lediglich in Steiermark h\u00e4tten f\u00fcnf bis zehn Betriebe die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien ist der Direktor der St\u00e4dtischen Leichenbestattungshalle seines Amtes enthoben worden, weil es unter seiner Leitung m\u00f6glich gewesen sei, da\u00df der Republikanische Schutzbund auf dem Zentralfriedhof ein Waffenlager angelegt habe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Nieder\u00f6sterreich sind die Mandate von 4121 sozialdemokratischen Gemeindevertretern erloschen. Rund 150 Gemeindevertretungen sind aufgel\u00f6st worden. In anderen Bundesl\u00e4ndern, die weniger stark industrialisiert sind, sind die entsprechenden Ziffern geringer. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, da\u00df es der Regierung nach Aberkennung der sozialdemokratischen Mandate keine Schwierigkeiten mehr bereiten w\u00fcrde, den Nationalrat einzuberufen und auf diesem Wege eine Verfassungs\u00e4nderung auf &quot;legalem&quot; Wege durchzuf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die &quot;Reichspost&quot; macht den Vorschlag, aus dem Verm\u00f6gen der Austro-Marxisten einen Fonds zu bilden, der dann zur Wiedergutmachung der durch die K\u00e4mpfe angerichteten Sch\u00e4den zu verwenden sei.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Amtliche Greuelmeldung<br \/> Schutzb\u00fcndler &quot;massenhaft&quot; niedergemacht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie amtlich mitgeteilt wird, wurden in Thomasroith (Ober\u00f6sterreich) vier Wehrleute, die einen schwer: verlegtzten Kameraden bergen wollten, von Schutzb\u00fcndlern beschossen, so da\u00df drei von den Wehrm\u00e4nnern fielen. Als das Bundesheer in das dortige Arbeiterheim eindrang, das die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft hatte, wurde es wiederum beschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und machten alle Schutzb\u00fcndler an Ort und Stelle nieder.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Linz wurde ein Auto, in dem ein Oberleutnant eines Alpenj\u00e4gerregiments, drei Mann und der Chauffeur sa\u00dfen, beschossen. Alle f\u00fcnf Insassen des Antos wurden get\u00f6tet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Selbst diese zweifellos gef\u00e4rbte amtliche Meldung l\u00e4\u00dft erkennen, mit welcher Grausamkeit die Regierungstruppen Rache nehmen. Die entschuldigenden Angaben in der Meldung sind zweifellos nur eingef\u00fcgt worden, um das furchtbare Massakre an den Schutzb\u00fcndlern einigerma\u00dfen zu rechtfertigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Verhafteten<br \/> 50 sozialdemokratische F\u00fchrer in Oesterreich verhaftet<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Au\u00dfer dem ehemaligen B\u00fcrgermeister von Wien Seitz sind jetzt \u00fcber 50 sozialdemokratische F\u00fchrer verhaftet worden, unter denen sich der bekannte Sozialdemokrat Dr. Karl Renner, ferner der ehemalige General und Schutzbundf\u00fchrer Theodor K\u00f6rner, zwei Bundesr\u00e4te, f\u00fcnf Stadtr\u00e4te, zahlreiche Gemeinder\u00e4te und B\u00fcrgermeister, Magistratsdirektoren, der Obmann der sozialdemokratischen Parteiorganisation Frey, der Oberinspektor des Elektrizit\u00e4tswertes, der Chefredakteur des sozialistischen &quot;Kleinen Blattes&quot; befinden. Weitere Verhaftungen von sozialdemokratischen F\u00fchrern sollen bevorstehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>16 Beamte des &quot;Reichsvereins der Bankbeamten&quot; sind unter dem Verdacht verhaftet worden, Gelder aus den Depots des Reichsvereins abgehoben und dem Schutzbund zugef\u00fchrt zu haben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die zweite Hinrichtung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Nachdem das Todesurteil an dem aufst\u00e4ndischen F\u00fchrer Munichreither bereits am Nachmittag vollstreckt worden war, ist um 0,42 Uhr auch der zum Tode verurteilte Kommandant der Floridsdorfer Hauptfeuerwache, Ingenieur Weissel, hingerichtet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Gewerkschaftsinternationale<br \/> Solidarit\u00e4t,<br \/> gleichviel wie der Kampf auslaufen m\u00f6ge<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 15. Febr. Der Vorstand der Gewerkschaftsinternationale hat in Paris eine dringliche Sitzung abgehalten und in einer Entschlie\u00dfung beschlossen, alle erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um praktisch die internationale Arbeitersolidarit\u00e4t gegen\u00fcber dem \u00f6sterreichischen Proletariat zu zeigen, gleich viel wie der Kampf auslaufen m\u00f6ge. Die Entschlie\u00dfung erhebt Einspruch gegen das Vorgehen der Polizei und der Truppen gegen Frauen und Kinder sowie gegen die Repressalien gegen M\u00e4nner, die ihre Freiheiten verteidigten, Vorkommnisse, die internationale Verwicklungen hervorriefen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Zwei Urteile<br \/> Kommunisten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einer eigenen Meldung aus Wien vom 14. Februar, die durch Vermittlung eines \u00f6sterreichischen Vertrauensmannes unmittelbar aus dem Kampfgebiet stammte, haben wir berichtet:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Versuche, sozialdemokratische F\u00fchrer zu diffamieren, werden diesmal nicht gelingen. Ohne Widerstand verhaftet wurden nur greise Veteranen der Partei, die auf ihren politischen Posten in der inneren Stadt auf Parteibefehl aushalten mu\u00dften, wie etwa der siebzigj\u00e4hrige B\u00fcrgermeister Seitz, der schwer herzleidend im Gef\u00e4ngnislazarett liegt. Dr. Julius Deutsch und Otto Bauer haben sich f\u00fchrend und aktiv an den K\u00e4mpfen beteiligt und den Arbeitern ein Beispiel pers\u00f6nlicher Tapferkeit gegeben. Otto Bauer konnte sich nach dem Zusammenbruch seines Frontabschnittes in Sicherheit bringen. Ueber das Schicksal von Dr. Julius Deutsch, den Gr\u00fcnder und F\u00fchrer des Schutzbundes und fr\u00fcheren Wehrminister, ist zur Stunde nichts bekannt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das kommunistische Blatt in Saarbr\u00fccken nimmt aus dieser Meldung den vorletzten Satz heraus und f\u00e4lscht also die Tatsachen in ihr Gegenteil um. Selbst die Faschisten haben die Tapferkeit von sozialdemokratischen F\u00fchrern und Massen in Oesterreich anerkannt. Es gen\u00fcgt, die Gemeinheit einer solchen Leistung der kommunistischen Presse wiederzugeben.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Faschisten<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von S. 7)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einem Berliner Telefonat \u00fcber das Echo der \u00f6sterreichischen K\u00e4mpfe sagt die Basler &quot;National- Zeitung&quot;, da\u00df die tapfere Haltung der \u00f6sterreichischen Sozialisten, die ganz anders als die deutschen f\u00fcr ihr Ideal zu sterben wissen, weit herum, ja selbst bei Nationalsozialisten, Bewunderung errege. Offen wird ausgesprochen, da\u00df die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie, auch wenn sie jetzt von den Kanonen des Bundesheeres niederkart\u00e4tscht wird, im Gegensatz zur deutschen geistig weiter leben werde und eines Tages wieder auferstehen k\u00f6nne. Nach hier allgemein verbreiteter Ansicht ist es ganz ausgeschlossen, da\u00df das Regime Dollfu\u00df nach den furchtbaren Ereignissen, auch wenn es momentan obsiegen sollte, noch von Dauer sein k\u00f6nnte. Die allern\u00e4chste Zeit schon werde die Entscheidung bringen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ignotus:<br \/> Blutiges Gesch\u00e4ft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Helden und H\u00e4ndler stehen gegeneinander. Auf der einen Seite der heldenhafte Kampf f\u00fcr die Idee, noch ein Todeskampf der Freiheit. Auf der anderen Seite ein schmutziges und blutiges Gesch\u00e4ft. Die H\u00e4ndler siegen, die Helden sterben. Das ist \u00f6sterreichische Trag\u00f6die. Ein telefonischer Bericht, den &quot;Le Temps&quot; am 13. Februar aus Rom erhalten hat, enth\u00fcllt das Gesch\u00e4ft. &quot;Politische Kreise (in Rom) erkl\u00e4ren sich zufrieden mit den energischen Ma\u00dfnahmen der Regierung Dollfu\u00df. Sie sind der Auffassung, da\u00df der Aufstand als gescheitert betrachtet sein kann, und sie begr\u00fc\u00dfen (&quot;ils applaudissent&quot;; sie klatschen Beifall!) die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei. Man darf nicht vergessen, da\u00df Italien immer von der Auffassung ausging, da\u00df eines der besten Mittel f\u00fcr Oesterreich, den Widerstand gegen die rote sowie die hitlersche Gefahr zu leisten, die Uebernahme der faschistischen Methoden sei. Aus diesem Grunde hat Rom immer die Heimwehren ermuntert, die ihm als die repr\u00e4sentativsten Elemente des \u00f6sterreichischen Faschismus erschienen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung Dollfu\u00df macht Oesterreich zum faschistischen Vasallenstaat. Das ist der Preis, den Italien f\u00fcr den Schutz Oesterreichs gegen Hitler erhalten soll. Der franz\u00f6sische Senator Berenger, der Vorsitzende der ausw\u00e4rtigen Kommission des Senates, also ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gut informierter Politiker, schreibt sogar in einem Artikel, da\u00df Oesterreich von italienischer Seite ganz bestimmte Versprechen erhalten hat im Sinne der Besetzung irgend welcher Form des \u00f6sterreichischen Bodens durch Italien, um auf diese Weise diesen Boden gegen die deutschen Unternehmungen zu sch\u00fctzen. Italien benutzt die verzweifelte Lage Oesterreichs, um es faktisch zu seiner Provinz zu machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nun h\u00e4tte die Lage Oesterreichs gar nicht so verzweifelt werden m\u00fcssen, h\u00e4tte nicht Italien von vornherein auf die Faschisierung Oesterreichs gedr\u00e4ngt, d. h. auf die Unterdr\u00fcckung des gro\u00dfen Teils des Volkes und eben des Teiles, der f\u00fcr den Kampf gegen den Nationalsozialismus und f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs in erster Linie in Frage kam. Italien hat eine an sich nicht bedeutende Minderheit unterst\u00fctzt, die bereit war, sich als eine besondere \u00f6sterreichische Abart des Faschismus zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Massen, soweit sie hinter diesem Austrofaschismus stehen, werden noch ihre bitteren Entt\u00e4uschungen erleben. Nutznie\u00dfer des Gesch\u00e4fts hoffen die machtlustigen, reaktion\u00e4ren politischen Cliquen zu werden, die nicht imstande w\u00e4ren, ohne italienische Unterst\u00fctzung an der Macht zu bleiben. Sie hoffen es. Sie hoffen, da\u00df sie, nachdem sie sich im Marxistenblut gebadet haben, gegen die Angriffe des Nationalsozialismus immun geworden sind. Sie glauben: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr\u2026 darf bleiben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Herr Dollfu\u00df war gebunden durch die Verpflichtungen, die er dem franz\u00f6sischen Au\u00dfenminister Paul Boncour gegen\u00fcber \u00fcbernommen hatte. Er benutzte den Regierungswechsel in Frankreich, um seine Verpflichtungen zu brechen und den B\u00fcrgerkrieg, dem in Rom Beifall geklatscht wird, auszul\u00f6sen. Er hat feierlich den \u00f6sterreichischen Schritt bei dem V\u00f6lkerbund angek\u00fcndigt, hat sich durch sein Kabinett die Vollmacht zu diesem Schritte geben lassen und ist dann nach Budapest gefahren. Es wurde allgemein anerkannt, da\u00df diese Reise an sich ohne irgendwelche politische Bedeutung war. Offenbar diente sie nur dem Zweck, den Schritt bei dem V\u00f6lkerbund zu verz\u00f6gern. Italien war n\u00e4mlich gegen den \u00f6sterreichischen Schritt. In Paris ist stark die Auffassung vertreten, da\u00df Dollfu\u00df vielleicht \u00fcberhaupt auf die Anrufung des V\u00f6lkerbundes verzichten und sich allein auf den versprochenen Schutz Italiens, voraussichtlich durch die italienische Okkupation, verlassen wird. Die andere M\u00f6glichkeit ist, da\u00df Italien eine &quot;Bereinigung&quot; der inneren Lage, d. h. die Vernichtung der Sozialdemokratie und die Sicherung der faschistischen Gleichschaltung vor der Anrufung des V\u00f6lkerbundes verlangte. Auf jeden Fall wollte Dollfu\u00df vor dieser &quot;Bereinigung&quot; den V\u00f6lkerbund nicht anrufen. Er fuhr nach Budapest und seine Mitarbeiter bereiteten die Aktion gegen die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft vor.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Werden sich die Hoffnungen des Herrn Dollfu\u00df erf\u00fcllen? Wird der Mohr, der seine Schuldigkeit mit solchem Aufwand von Blut getan hat, bleiben oder gehen? Es bleibt noch die dritte Macht, mit der abgerechnet werden mu\u00df: der deutsche Nationalsozialismus. Wird nicht Italien versuchen, mit Hitler zum Kompromi\u00df in der \u00f6sterreichischen Frage zu kommen, und wird es nicht bereit sein, zu diesem Zwecke seine heutigen Werkzeuge morgen zu opfern? Italien ist auch sch\u00e4rfster Gegner des Anschlusses. Es liegt nahe, da\u00df Italien ein Kompromi\u00df mit Hitler zu erreichen versuchen wird, etwa auf der Grundlage: Oesterreich unter dem italienischen Protektorat, &quot;unabh\u00e4ngig&quot;, d. h. vom &quot;dritten Reiche&quot; getrennt, aber mit ihm eng verb\u00fcndet, und auf anderer Seite deutsche Aufr\u00fcstung, von Italien tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, vielleicht auch ein formelles deutsch-italienisches B\u00fcndnis. Wozu wird Italien dann noch den von der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit des \u00f6sterreichischen Volkes geha\u00dften Dollfu\u00df brauchen? Es wird schon f\u00fcr die italienische Provinz ein besserer Statthalter zu finden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Trotz aller Zur\u00fcckhaltung, die in Paris ge\u00fcbt wird, l\u00e4\u00dft die franz\u00f6sische Presse durchblicken, da\u00df die Besorgnisse au\u00dferordentlich stark sind. Die Faschisierung Oesterreichs unter dem italienischen Protektorat mu\u00df auch in Frankreich als ein ungeheurer Schlag gegen die franz\u00f6sische Politik empfunden werden. Auch wenn es wirklich gelingt, was noch gar nicht sicher ist, den nationalsozialistischen Anschlag auf Oesterreich abzuwehren, so erscheint auch die Perspektive eines faschistischen Blocks, der das Mitteleuropa von Meer zu Meer beherrschen w\u00fcrde, als sehr gef\u00e4hrlich. Die Kleine Entente und Polen, von Frankreich durch faschistisch begrenzten Raum abgetrennt, w\u00fcrden dann diesem Faschistenblock v\u00f6llig ausgeliefert. Namentlich w\u00fcrde dann faktisch Italien zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien liegen. Jugoslawien w\u00fcrde durch Italien, die Tschechoslowakei durch Deutschland, Ungarn und Italien auf bedrohlichste Weise umzingelt sein. Wenn man dieses Bild vor Augen hat, so sp\u00fcrt man schon die Fronten des neuen Weltkrieges.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Diese verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung kann nur durch eine wirklich energische politische Gegenoffensive aufgehalten werden, und die Mitwirkung Englands w\u00e4re f\u00fcr diese Gegenoffensive von entscheidender Bedeutung. Vorl\u00e4ufig \u00e4u\u00dfert sich die italienische Politik in Orakelspr\u00fcchen. Wird es Frankreich gelingen, die Klarheit \u00fcber die Haltung Englands herbeizuf\u00fchren? Wird es ihm gelingen, England f\u00fcr die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung seiner Bem\u00fchungen zu gewinnen? Das sind heute die Fragen, von denen unendlich viel abh\u00e4ngt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>H\u00e4ndler siegen, Helden sterben. Das unheimliche Gesch\u00e4ft geht weiter. Es ist aber neue Kraft in der Welt entstanden: Die Fahne der Freiheit, die noch einmal vom Blute der sozialistischen Arbeiter rot geworden ist. Unsere \u00f6sterreichischen Br\u00fcder haben gezeigt, wie gek\u00e4mpft wird. Diese Lehre wird ab heute den Gang der Geschichte beeinflussen. Es wird die Stunde der Helden kommen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Verzweifelt wird weitergek\u00e4mpft<br \/> Die Lage in der Provinz<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Deutsche Nachrichten-B\u00fcro meldet aus M\u00fcnchen, 14. Februar: Nach den dem \u00f6sterreichischen Pressedienst vorliegenden Nachrichten aus Oesterreich ist die Lage im ganzen Lande nach wie vor sehr ernst.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der Stadt Steyr in Ober\u00f6sterreich sind die Aufst\u00e4ndischen immer noch Herren der Lage, nachdem sie lediglich einen Teil der Stadt nach heftigem Artilleriefeuer r\u00e4umen mu\u00dften. Die Stadt ist vom Bahnverkehr abgeschnitten, da die Marxisten die Bahngleise nach St. Valentin gesprengt haben. Eine Gendarmerieabteilung wurde von den Marxisten \u00fcberfallen und lie\u00df elf Tote am Plage zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im Salzburger Bahnhof wurde am Mittwoch eine Lokomotive auf der Drehscheibe vor dem Lokomotivschuppen umgest\u00fcrzt, so da\u00df die anderen Lokomotiven nicht ausfahren konnten. Der Bahnhof wurde sp\u00e4ter von einer Abteilung des Schutzkorps besetzt. In der N\u00e4he von Puch sprengten die Marxisten einen Elektrizit\u00e4tsmast der wichtigen Bahnstrecke Salzburg-Bischofshofen, so da\u00df der Verkehr nur noch eingleisig aufrechterhalten werden kann. In Zell am See weigerten sich Angeh\u00f6rige der Heimwehren, zum Schutzkorps einzur\u00fccken und weinten, als sie dazu gezwungen wurden. In Hallein bef\u00fcrchtet man den Ausbruch von Unruhen. 90 Mann der Salzburger Garnison wurden dorthin abkommandiert.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stadt Graz war am Dienstag abend ohne Licht. Die Stra\u00dfenbahn und die Bundesbahn konnten nicht verkehren. Die Fernsprechverbindungen sind zum gr\u00f6\u00dften Teil unterbrochen. Die Stimmung auf der Regierungsseite ist \u00e4u\u00dferst gedr\u00fcckt. Der Kommandant der berittenen Polizei ist in den K\u00e4mpfen gefallen. Die Heimwehr wurde bisher lediglich zur Bewachung von Parkpl\u00e4tzen eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Eggenberg bei Graz war es am Dienstag nachmittag erneut zu schweren K\u00e4mpfen gekommen. Die Kasernen der Gendarmerie und Polizei wurden von Sozialdemokraten gest\u00fcrmt. Was sich zur Wehr setzte, wurde niedergemacht, die \u00fcbrigen gefangen genommen. Je ein Ueberfallauto der Polizei und der Gendarmerie, die zur Hilfe geeilt waren, mu\u00dften sich nach kurzem Handgemenge ergeben. Sp\u00e4ter wurden Alpenj\u00e4ger und weitere Verst\u00e4rkungen der Gendarmerie eingesetzt, worauf sich die Sozialdemokraten in der Richtung auf G\u00f6sting&nbsp;<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[26]<\/span><\/span><\/span><\/a> zur\u00fcckzogen. Auf seiten der Marxisten wurden hier in den Stra\u00dfenk\u00e4mpfen auch Minenwerfer benutzt, die unter den Regierungstruppen verheerend gewirkt haben sollen. Schlie\u00dflich wurde Artillerie eingesetzt, die die Stellungen der Marxisten die ganze Nacht \u00fcber ununterbrochen beschossen. Die Glasfabrik G\u00f6sting ist nur noch ein Tr\u00fcmmerhaufen. Bisher wurden \u00fcber 60 Tote gez\u00e4hlt. Gr\u00f6\u00dfere Unruhen werden auch aus Obersteiermark gemeldet. Im oberen Ennstal hat die Gendarmerie mehrere Tote zu verzeichnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Bruck an der Mur haben die Schutzb\u00fcndler noch immer die wichtigsten Punkte in der Hand. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise lahmgelegt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien, wo die ganze Nacht zum Mittwoch und auch am Mittwoch vormittag unausgesetzt Maschinengewehrfeuer und Kanonendonner zu h\u00f6ren war, befinden sich das Leopoldsauer Gaswerk und das Elektrizit\u00e4tswerk immer noch in den H\u00e4nden des Republikanischen Schutzbundes. Die Regierung wagt es nicht, diese st\u00e4dtischen Anlagen mit schwerem Feuer zu belegen, um diese lebenswichtigen Anlagen nicht der Gefahr der Vernichtung auszusetzen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>In den Wiener Vororten<br \/> Ottakring &#8211; Meidling &#8211; Floridsdorf<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Februar.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Kampfhandlungen haben am Mittwochvormittag wieder in gr\u00f6\u00dferem Umfange eingesetzt. Die K\u00e4mpfe erstrecken sich jetzt haupts\u00e4chlich auf den Abschnitt Floridsdorf. Die Regierungstruppen nahmen nach l\u00e4ngerer Artillerievorbereitung die Gartenstadt sowie einen gr\u00f6\u00dferen Gemeindebau.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Floridsdorf soll gegenw\u00e4rtig von allen Seiten von den Regierungstruppen eingeschlossen sein. Den Schutzb\u00fcndlern soll ein um 12 Uhr ablaufendes Ultimatum gestellt worden sein, die Waffen abzuliefern und sich zu ergeben, andernfalls das gesamte Gebiet, in dem sich die Schutzb\u00fcndler verschanzt haben, vollst\u00e4ndig mit Artillerie zusammengeschossen w\u00fcrde. Aus St. P\u00f6lten sind am Vormittag die Artillerie und Regierungstruppen eingetroffen und sofort in Floridsdorf in den Kampf eingelegt worden. Die Zahl der Schutzb\u00fcndler in Floridsdorf wird halbamtlich mit 3000 Mann angegeben. Schwere K\u00e4mpfe sollen gegenw\u00e4rtig auch an der Philadelphiabr\u00fccke im Gange sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch aus Ottakring werden K\u00e4mpfe gemeldet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In den Mittagsstunden des Mittwoch wird von amtlicher Seite (daher braucht es auch nicht so ganz zu stimmen) mitgeteilt, da\u00df der letzte Kampfabschnitt, der noch in gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00dfe im Besitz der Schutzb\u00fcndler war, n\u00e4mlich die Stellungen in Floridsdorf, von ihnen ger\u00e4umt worden sind und sich nunmehr vollst\u00e4ndig im Besitze der Regierungstruppen befinden. Die Schutzb\u00fcndler haben sich in Floridsdorf ergeben und die wei\u00dfe Fahne gehi\u00dft. Auch die K\u00e4mpfe an der Philadelphiabr\u00fccke sind gegen Mittag zu Ende gegangen. Auch in den anderen Kampfabschnitten sind die Schutzb\u00fcndler im R\u00fcckzug. Aus einzelnen Arbeiterh\u00e4usern sind bereits wei\u00dfe Fahnen gehi\u00dft. Bei der Besetzung wurden Mengen von Waffen und Munition aufgefunden. Im 12. Bezirk ergab sich ebenfalls eine gro\u00dfe Anzahl von Schutzb\u00fcndlern. Da die Polizei zum Abtransport der Gefangenen nicht ausreichte, wurden die in der Umgebung liegenden Magazine besetzt und die Gefangenen dort sofort eingesperrt. Die Truppen haben am Vormittag eine systematische Durchsuchung s\u00e4mtlicher roten Gemeindeh\u00e4user vorgenommen, die von den sozialdemokratischen Gemeindeverwaltungen seit Jahren mit \u00f6ffentlichen Mitteln als strategische St\u00fctzpunkte f\u00fcr einen etwaigen B\u00fcrgerkrieg hergerichtet waren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Gaswerk Leopoldsau an der Grenze von Floridsdorf, das bisher ununterbrochen von Schutzb\u00fcndlern besetzt war, ist ebenfalls in die H\u00e4nde der Regierungstruppen gefallen. Im Judenhof, ebenfalls in Floridsdorf, versuchten sich die Schutzb\u00fcndler zun\u00e4chst in Stellungen einzugraben. Das Polizeikommissariat im Bezirk Floridsdorf, das seit Beginn des Aufstandes inmitten des Schutzfeldes sowohl von seiten der Regierungstruppen wie auch der Schutzb\u00fcndler lag, hatte schon in den Vormittagsstunden Luft bekommen, so da\u00df es zum erstenmal seit diesen Tagen verlassen werden konnte. Bei dieser Einzelaktion sollen 100 Gefangene gemacht worden sein. Die Leiche des am Dienstag get\u00f6teten Bezirkshauptmannes Friedrich wurde in Floridsdorf gefunden. Im Schlingerhof (Floridsdorf), der von den Regierungstruppen mit Minen beschossen worden war, sind jetzt 50 Tote aufgefunden worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Meidling haben die Schutzb\u00fcndler noch den Wiener Berg besetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Im Bezirk Meidling setzten heute mittag Regierungstruppen zum Angriff auf das Meidlinger Gemeindehaus, einen ausgedehnten Geb\u00e4udekomplex, an, in dem sich die Schutzb\u00fcndler verschanzt hatten. Die Regierungstruppen beschossen das Geb\u00e4ude zwei Stunden lang mit Maschinengewehren. Schlie\u00dflich wurde ein Panzerwagen eingesezt. Vor Er\u00f6ffnung des Feuers war den Frauen und Kindern gestattet worden, mit ihren Sachen das Gemeindehaus zu verlassen. Von den Schutzb\u00fcndlern wurde aus allen Fenstern das Feuer heftig erwidert. Eine Frau wurde durch Querschl\u00e4ger get\u00f6tet. Der Kampf ist zur Stunde noch im Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Kr\u00f6nung<br \/> 36 sozialdemokratische Verb\u00e4nde und Vereine aufgel\u00f6st<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Die amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Das Bundeskanzleramt hat die Aufl\u00f6sung von insgesamt 36 sozialdemokratischen Vereinen verf\u00fcgt. Darunter befinden sich s\u00e4mtliche Zentralorganisationen der \u00f6sterreichischen sozialdemokratischen Partei, einschlie\u00dflich der freien Gewerkschaften, deren Spitzenverband, der Bund der Freien Gewerkschaften \u00d6sterreichs, ebenfalls der Aufl\u00f6sung verfallen ist. Die \u00fcbrigen sind die sozialistischen Arbeitervereine, die Touristen- und Sportvereinigungen sowie die gesellschaftlichen Vereinigungen, die unmittelbar der sozialdemokratischen Partei angegliedert waren.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Held Munichreither<br \/> Der Schwerverwundete geh\u00e4ngt\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Das vom Standgericht gegen den Schutzb\u00fcndler Karl Munichreither verh\u00e4ngte Todesurteil ist um 16.41 Uhr durch den Strang vollzogen worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Drei Stunden nach dem ungeheuerlichen Urteil des Wiener Standgerichtes wurde im Namen des Verfassungsbruches, im Namen des Staatsstreichs der Schutzbundf\u00fchrer Munichreither &quot;gerichtet&quot;. Der Schwerverwundete mu\u00dfte also die Rache der entmenschten Soldateska sehr schnell \u00fcber sich ergehen lassen. Eine Ungeheuerlichkeit, die die ganzen verbrecherischen Methoden der \u00f6sterreichischen Gewaltmenschen und Faschisten der gro\u00dfen Oeffentlichkeit enth\u00fcllt. Das ist kein Richten, das ist grausamer barbarischster Mord.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzb\u00fcndler Munichreither war ein Held. Er wurde von der Meute der Reaktion kaltbl\u00fctig und wohl\u00fcberlegt gemordet. Wie das die christlichen Heuchler, die in Oesterreich triumphieren wollen, mit ihrer Religion in Einklang bringen, bleibt allen religi\u00f6s und menschlich Empfindenden unerkl\u00e4rlich. Munichreither ist tot. Die k\u00e4mpfende Arbeiterschaft der ganzen Welt wird ihn und die Helden des Kampfes um Wien in ewiger Erinnerung behalten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auf der Tragbahre\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Der Senat des Standgerichtes, der aus drei Oberlandesgerichtsr\u00e4ten zusammengesetzt ist, trat heute zum ersten politischen Standgerichtsproze\u00df zusammen. Gegen zehn Mitglieder des Sozialistischen Schutzbundes ist Anklage auf Aufruhr im Sinne des Standrechtes erhoben worden. Zwei der Angeklagten, die bei den letzten K\u00e4mpfen schwere Verletzungen erlitten hatten, mu\u00dften auf Tragbahren in den Sitzungssaal gebracht werden, sie wurden jedoch vom Gericht f\u00fcr verhandlungsf\u00e4hig erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bei den Angeklagten handelt es sich \u00fcberwiegend um erwerbslose Arbeiter. Ein Abschlu\u00df der Verhandlung ist f\u00fcr heute noch nicht zu erwarten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Weitere Standgerichte zusammengetreten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 14. Febr. Am Nachmittag sind drei weitere Standgerichte zusammengetreten. Angeklagt ist u. a. der Kommandant der Hauptfeuerwache in Floridsdorf, Ingenieur Weizel. Von dieser Wache wurde die Polizei wiederholt beschossen, wobei zehn Wachbeamte, darunter der Stabshauptmann Friedrich, get\u00f6tet wurden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 7 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Labour bekundet Solidarit\u00e4t<br \/> Helft durch Taten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der britische Gewerkschaftskongre\u00df und die britische Labourpartei haben einen Hilfsaufruf ver\u00f6ffentlicht. In ihm sieht die organisierte britische Arbeiterschaft nunmehr ein, da\u00df &quot;die \u00f6sterreichische Regierung nicht einmal behaupten kann, von mehr als einem kleinen Bruchteil des Volkes gest\u00fctzt zu werden.&quot; Die Abwehr gegen den Nationalsozialismus sei zur Entschuldigung f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Freiheit und der parlamentarischen Demokratie gemacht worden. Die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft habe ihr Aeu\u00dferstes zur Vermeidung eines B\u00fcrgerkrieges getan. Die \u00f6sterreichische Regierung habe darauf bestanden, sie zu provozieren. Deshalb erkl\u00e4rt die britische Arbeiterbewegung von neuem ihre Solidarit\u00e4t mit den \u00f6sterreichischen Arbeitern und deren F\u00fchrern. Der Aufruf schlie\u00dft mit der Bitte um Unterst\u00fctzungsgelder f\u00fcr die Opfer der \u00f6sterreichischen Arbeiterklasse. Der &quot;Daily Herald&quot;, das britische Arbeiterblatt, schlie\u00dft seinen Leitartikel zu diesem Aufruf mit dem Satze: &quot;L\u00e4nder, die bisher geneigt waren, hilfsbereit gegen\u00fcber Oesterreich zu sein, werden sich nun eine neue Ansicht \u00fcber einen Staat bilden, in welchem die M\u00e4nner und Frauen des Volkes nicht die Freiheit haben, ihre Seelen ihr eigen zu nennen.&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein geschichtliches Dokument<br \/> Wortlaut des Verbots der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Verordnung der Bundesleitung vom 12. Februar, wodurch der Sozialdemokratischen Partei die Bet\u00e4tigung verboten wird, hat folgenden Wortlaut:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 1. Der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs wird jede Bet\u00e4tigung verboten. Die bestehenden Organisationen dieser Partei sind aufgel\u00f6st; die Bildung neuer sozialdemokratischer Organisationen ist verboten. Es ist jedermann untersagt, sich irgendwie au\u00dferhalb dieser Organisationen f\u00fcr diese Partei zu bet\u00e4tigen. Das Tragen von Abzeichen dieser Partei ist untersagt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 2. Auch die Aus\u00fcbung eines Mandats im Sinne der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs gilt als Bet\u00e4tigung f\u00fcr die Sozialdemokratische Partei und unterliegt dem Verbot des \u00a7 1.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>\u00a7 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften des \u00a7 1 werden unbeschadet der allf\u00e4lligen strafrechtlichen Verfolgung von der politischen Bezirksbeh\u00f6rde bzw. Bundespolizei mit Geldstrafe bis zu 2000 Schilling oder mit Arrest bis zu sechs Monaten bestraft. Diese Strafen k\u00f6nnen auch nebeneinander verh\u00e4ngt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ernster Konflikt in Aussicht&quot;<br \/> Der &quot;Sieger&quot; Dollfu\u00df<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 15. Febr. Die Vorg\u00e4nge in Oesterreich bilden weiter eines der Hauptthemata der franz\u00f6sischen Presse.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In einem Artikel des &quot;Journal&quot; wird einleitend bemerkt, trotz der vorbeugenden Verhaftung einiger F\u00fchrer h\u00e4tten die Sozialdemokraten sehr beachtliche Kampfdisziplin bewiesen. Da\u00df sie \u00fcber Waffen verf\u00fcgten, sei ein Beweis f\u00fcr die &quot;Wirksamkeit&quot; der Abr\u00fcstung und Kontrolle. England vertrete den Standpunkt, da\u00df der V\u00f6lkerbundsrat, wenn ihm der Streit vorgelegt werde, zun\u00e4chst einmal wissen m\u00fcsse, was Deutschland zu sagen habe, gerade als ob Deutschland etwas zu sagen habe, wenn die Ereignisse zu seinen Gunsten arbeiten, solange Italien nicht freim\u00fctig mit der Kleinen Entente zusammenarbeite und solange England nicht auf die Pontius Pilatus-Rolle verzichte. Es sei h\u00f6chste Zeit, eine entschiedene franz\u00f6sische Leitung zum Zusammenschlu\u00df der Energie und des gesunden Menschenverstandes aufzurufen. Der franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Barthou habe da eine sch\u00f6ne Rolle vor sich.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der sozialistische &quot;Populaire&quot; schreibt, Bundeskanzler Dollfu\u00df habe durch seinen Gewaltstreich Oesterreich Hitler ausgeliefert. Wenn das \u00f6sterreichische Proletariat unterliege, w\u00fcrden sich die \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten mit Unterst\u00fctzung der deutschen Nationalsozialisten leicht der Regierungsgewalt bem\u00e4chtigen. Die Sozialdemokratie sei die einzige demokratische St\u00fctze in Oesterreich. Dadurch, da\u00df Dollfu\u00df sie verr\u00e4terischerweise angegriffen und zur Erhebung gezwungen habe, habe er die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs verraten. Da Italien niemals zulassen werde, da\u00df Deutschland Oesterreich mit Beschlag belege, sei ein ernster Konflikt in Aussicht.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;Le Jour&quot; schreibt, selbst wenn die besiegten Sozialdemokraten nicht zu den Hitleranh\u00e4ngern \u00fcberlaufen, w\u00fcrden Dollfu\u00df und seine Verb\u00fcndeten mit den M\u00e4nnern in Berlin sich um ihre Diktatur streiten m\u00fcssen. Italien scheine an der Brennergrenze Truppen ausammenzuziehen. W\u00fcrde sich aber das \u00f6sterreichische Nationalgef\u00fchl, das bisher den Anschlu\u00df verschm\u00e4hte, sich nicht noch mehr gegen die Schutzherrschaft der Welschen auflehnen? W\u00fcrde es sich nicht lieber den Br\u00fcdern im Norden hingeben?<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die ersten Fl\u00fcchtlingsberichte<br \/> &quot;Bis zu Ruinen zerschossene H\u00e4user&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Dem Deutschen Nachrichtenb\u00fcro wird aus Pre\u00dfburg gemeldet: Von Teilnehmern an den K\u00e4mpfen der beiden letzten Tage in Oesterreich erh\u00e4lt man hier eine Reihe von Tatsachenberichten, die in einer ganzen Reihe von F\u00e4llen mit den amtlichen Verlautbarungen der Wiener Regierung nicht im Einklang stehen. Besonders heftig tobten darnach die K\u00e4mpfe bis in die sp\u00e4ten Nachmittagsstunden vom Dienstag um die ausgedehnten Wohnungsbauanlagen der Gemeinde Wien. Diese Wohnhausanlagen beherbergen Zehntausende von Mietern, meist Arbeiter, darunter auch zahlreiche Nationalsozialisten, die sich am Kampfe nicht beteiligten, trotzdem aber die Geb\u00e4ude nicht verlassen konnten, weil sie teils durch die schwerbewaffneten Schutzb\u00fcndler, teils durch die Belagerung durch das Milit\u00e4r daran gehindert wurden. Unter den Hunderten von Toten und Verletzten, die in diesem riesigen Geb\u00e4udekomplex eingeschlossen sind, befinden sich auch zahlreiche unschuldige, an den K\u00e4mpfen \u00fcberhaupt nicht beteiligte Opfer, die selbst Antimarxisten waren. Nachdem eines der vielen H\u00e4user am Dienstagnachmittag von Polizei und Milit\u00e4r besetzt war, ergab sich, da\u00df es bereits vollkommen zusammengeschossen und s\u00e4mtliche Insassen entweder tot oder schwer verletzt waren. Erst dann gelang es den Regierungstruppen, dieses zur Ruine zerschossene Geb\u00e4ude zu besetzen. Unausgesetzt fuhren dann auch Sanit\u00e4tsautos und Leichenwagen vor, um die Opfer fortzuschaffen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Besonders heftig tobten die K\u00e4mpfe um das marxistische Arbeiterheim Ottakring, das ebenfalls als Festung ausgebaut war. Es verlautet ger\u00fcchtweise, da\u00df die Explosion des Gasometers durch einen Fehlschu\u00df der Regierungsartillerie verursacht wurde. Nicht minder heftig waren die K\u00e4mpfe um die gr\u00f6\u00dfte Gemeindewohnbauanlage in Heiligenstadt und um den Bahnhof dieses Vorortes. Die Polizei st\u00fcrmte am Dienstag mehrmals den Bahnhof, der im Laufe des Tages \u00f6fters den Besitzer wechselte. Auf beiden Seiten mu\u00df es Dutzende von Toten und Verwundeten gegeben haben. Der Karl-Marx-Hof, dieser einer m\u00e4chtigen nat\u00fcrlichen Festung gleichende Wohnbaukomplex, wurde am Dienstag in den Nachmittagsstunden unter Artilleriefeuer genommen. Die Marxisten erwiderten das Feuer heftig. Einige Geb\u00e4udeteile wurden vom Artilleriefeuer umgelegt. Was alles unter den Tr\u00fcmmern liegt, l\u00e4\u00dft sich noch nicht feststellen. Auch hier sind zahlreiche Nichtmarxisten dem Kampf zum Opfer gefallen. In den Dienstagvormittagsstunden fuhr in gedeckter Stellung eine Batterie von Feldhaubitzen an, die den Schlingerhof unter Feuer nahm.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffnete Aktion?<br \/> Italien und Oesterreich<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 15. Febr. Havas berichtet aus Rom: Entgegen gewissen ausl\u00e4ndischen Nachrichten, wonach die italienische Regierung bei den Regierungen in London und Paris wegen eines milit\u00e4rischen Eingreifens zugunsten der \u00f6sterreichischen Regierung sondiert habe, scheine es, da\u00df Italien weder mit Gewalt noch anderswie in die \u00f6sterreichischen Ereignisse einzugreifen gedenke, die ausschlie\u00dflich in den Bereich der Innenpolitik geh\u00f6rten. Jedenfalls lie\u00dfe sich, so erkl\u00e4re man, eine Unterst\u00fctzung Oesterreichs von au\u00dfen her nur rechtfertigen, wenn Oesterreich von au\u00dfen her milit\u00e4risch bedroht w\u00e4re. Nichts aber erlaube die Annahme, da\u00df diese Frage f\u00fcr den Augenblick ins Auge gefa\u00dft werden k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach einer r\u00f6mischen Meldung der Radioagentur erkl\u00e4re man dort hinsichtlich der Eventualit\u00e4t eines bewaffneten Eingreifens Italiens, da\u00df Italien jedenfalls nicht zu einer isolierten Aktion schreiten werde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit <br \/> <a name=\"DF_1934_02_17_fr\"><\/a>Nummer 40 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[27]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Samstag, den 17. Februar 1934 <\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 1 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Gegenrevolution und Kriegsgefahr<br \/> Europ\u00e4ische Folgen der \u00f6sterreichischen Blutarbeit gegen die Sozialdemokratie<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Mitteleurop\u00e4ische Explosion<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Paris, 16. Februar.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>A. Sch. Wenn die Banden Feys und Starhembergs das ganze Wien besetzen werden, wird die Faschisierung des deutschen Mitteleuropa restlos durchgef\u00fchrt werden. Aber es wird kein endg\u00fcltiger Sieg des Faschismus sein. Erst jetzt wird sich die ganze Schw\u00e4che und Faulheit des Systems Dollfu\u00df-Fey-Starhemberg erweisen. In wenigen Tagen werden die blutbefleckten Sieger, die Gallifets in Lederhosen, von neun Zehnteln des \u00f6sterreichischen Volkes abgelehnt und veranla\u00dft, sich mit dem echten, dem hitlerschen Faschismus auseinandersetzen m\u00fcssen. Ohne jede Massengrundlage im Lande, mit dem zerfetzten Staatsapparat, innenpolitisch ausgeh\u00f6hlt, au\u00dfenpolitisch auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen, wird der Heimwehrfaschismus das blutende Land und den angriffslustigen, gierig auf seine Beute lauernden Hitlerfaschismus vor sich [\u2026]&nbsp;<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[28]<\/span><\/span><\/span><\/a> den Anfang der mitteleurop\u00e4ischen Explosion. Der Abschlu\u00df bedeutet den Krieg, wie auch der Kampf um die \u00f6sterreichische Erbschaft, einmal zwischen Deutschland, Italien und der Kleinen Entente entbrannt, zum Krieg f\u00fchren mu\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der deutsche Faschismus wollte die &quot;S\u00fcd-Nord&quot;-Richtung von Schleswig bis Sizilien durchsto\u00dfen und f\u00fcr seine B\u00fcndnispl\u00e4ne offenhalten, auf solche Weise die &quot;West-Ost-Richtung der europ\u00e4ischen Politik durchbrechen, Frankreich von seinen Verb\u00fcndeten im Osten trennen. Jetzt hat er diese &quot;Nord-S\u00fcd&quot;-Richtung vor sich, kann aber ihre inneren Gegens\u00e4tze nicht bew\u00e4ltigen. Der Traum Hitlers, sich in Braunau feiern zu lassen oder gar im Stefansdom in Wien zum deutschen &quot;Volkskaiser&quot; proklamiert zu werden, kann teuer bezahlt werden. Jetzt wird ganz Europa erfahren, und selbst die konservative englische und franz\u00f6sische Presse mu\u00df das heute gestehen, da\u00df die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie der letzte Schutzwall des Friedens in Mitteleuropa war. Mit der Besitzergreifung Oesterreichs schl\u00e4gt sich die Gegenrevolution in den Krieg um. Die Heimwehrfahne \u00fcber dem Wiener Rathaus bedeutet nicht den Anfang der faschistischen Stabilisierung, sondern die Heraufsetzung des roten Hahnes auf das Dach des faschistischen Mitteleuropa. Das in Oesterreich einmal gest\u00f6rte europ\u00e4ische Gleichgewicht kann mit den Mitteln der kapitalistischen Au\u00dfenpolitik nicht mehr hergestellt werden. Der \u00fcber die Leichen der \u00f6sterreichischen Arbeiter marschierende Heimwehrfaschismus ist der Brandstifter Europas. Zum zweiten Male wird der europ\u00e4ische Krieg in den K\u00e4mpfen um die Donau vorbereitet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Bewaffnete Intervention?<br \/> &quot;F\u00fcr den Augenblick&quot; nicht &#8211; Die Lage beunruhigend<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 16. Febr. Der offizi\u00f6se &quot;Petit Parisien&quot; tritt dem Ger\u00fccht eines bevorstehenden milit\u00e4rischen Eingreifens Italiens bzw. der vier M\u00e4chte, die durch den Vertrag von 1922 die Unabh\u00e4ngigkeit Oesterreichs garantiert haben (Frankreich, England, Italien, Tschechoslowakei), entgegen. Dieses Ger\u00fccht beruhe f\u00fcr den Augenblick auf keiner ernsten Grundlage. Es sei gegenw\u00e4rtig nur von der Anrufung des V\u00f6lkerbundes die Rede, die durch den Bundeskanzler auch noch nicht offiziell vorgenommen worden sei. Immerhin sei die Lage beunruhigend. Sie besch\u00e4ftige in starkem Ma\u00dfe auch das englische Kabinett, das bisher in der \u00f6sterreichischen Frage eine gewisse Gleichg\u00fcltigkeit zur Schau getragen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Kein Einmarsch<br \/> Aber\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Prag, 16. Febr. Zu den Ereignissen in Oesterreich erkl\u00e4rte Minister Dr. Krofta, da\u00df die Nachrichten und Ger\u00fcchte, wonach die Tschechoslowakei in Oesterreich einmarschieren w\u00fcrde, um dort Ordnung zu machen, nicht zutr\u00e4fen. Wenn aber irgendein Staat die Grenze \u00fcberschreite oder in die \u00f6sterreichischen Verh\u00e4ltnisse eingreifen w\u00fcrde, so w\u00fcrde die tschechoslowakische Regierung nicht schweigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Gro\u00dfe diplomatische Aktion?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Paris, 16. Febr. Dem &quot;Matin&quot; wird aus Rom gemeldet: Man f\u00fchle dort, da\u00df die Niederzwingung des Aufstandes in Oesterreich nicht das Problem l\u00f6se, das darin bestehe, das Ansehen und die Unabh\u00e4ngigkeit des Staates restlos wiederherzustellen. Man wisse, da\u00df die Hitlersche Propaganda das Spiel nicht verloren gebe, im Gegenteil, das Nationalsozialismus werde die Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen auszubeuten suchen und verssuchen, den Volksha\u00df f\u00fcr sich auszunutzen. Aus all diesen Gr\u00fcnden sei Rom der Ansicht, da\u00df es h\u00f6chste Zeit sei, eine internationale Verst\u00e4ndigung und Aktion zu unternehmen, um in Oesterreich die Zentralregierungsmacht zu st\u00e4rken und Deutschland einzusch\u00fcchtern. Der Meinungsaustausch der letzten beiden Tage scheine zu einer gemeinsamen feierlichen Erkl\u00e4rung der M\u00e4chte f\u00fchren zu sollen. England, Frankreich und Italien w\u00fcrden gemeinsam ihren entschiedenen Willen betonen, die Wiener Regierung zu st\u00fctzen und nicht zuzulassen, da\u00df der Sicherheit der kleinen \u00f6sterreichischen Republik Abbruch getan werde. Was die Inanspruchnahme des V\u00f6lkerbundes anbetreffe, so scheine Italien, obwohl es dieses nicht als das beste Mittel, zu einem positiven Ergebnis zu kommen, betrachte, sich mit einer Anrufung des V\u00f6lkerbundes einverstanden erkl\u00e4ren, wenn die \u00f6sterreichische Regierung dies wolle.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das &quot;Echo de Paris&quot; wirft \u00fcbrigens die Frage auf, ob es nicht angebracht w\u00e4re, da\u00df angesichts des Z\u00f6gerns der \u00f6sterreichischen Regierung eine andere Macht als gerade Oesterreich den notwendigen Antrag beim V\u00f6lkerbund stelle.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vandervelde an den V\u00f6lkerbund<br \/> Eingreifen des V\u00f6lkerbundes gefordert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Genf, 16. Febr. Der Pr\u00e4sident der 2. Internationale hat an den Generalsekret\u00e4r des V\u00f6lkerbundes ein Telegramm gerichtet, worin der V\u00f6lkerbund ersucht wird, unverz\u00fcglich in den Konflikt zwischen der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie und der Exekutive einzugreifen, der eine \u00f6ffentliche Bedrohung des Friedens darstelle und internationale Verhandlungen nach sich ziehen k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Henderson hat gewarnt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 16. Febr. Dr. Hugh Dalton, der in der letzten Arbeiterregierung Unterstaatssekret\u00e4r des Aeu\u00dfern war, sagte am Donnerstagabend in einer Rede: Als Henderson noch Staatssekret\u00e4r des Aeu\u00dfern war, richtete er an die \u00f6sterreichische Regierung eine ruhige Warnung, die besagte, wenn die Regierung einen B\u00fcrgerkrieg hervorrufe, werde sie mit einer ung\u00fcnstigen Haltung der britischen Regierung zu rechnen haben. H\u00e4tte die jetzige Regierung gemeinsam mit der franz\u00f6sischen Regierung eine solche Warnung ergehen lassen, so h\u00e4tte dem Blutvergie\u00dfen in Wien Einhalt getan werden k\u00f6nnen. Dalton f\u00fcgte hinzu, Hendersons Warnung sei privatim erfolgt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Hinrichtungsorgie&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. London, 16. Febr. In der Presse, deren Hauptinteresse nach wie vor den \u00f6sterreichischen Vorg\u00e4ngen gilt, wird allgemein die Hoffnung ausgesprochen, da\u00df es nicht zu der von den Sozialisten vorausgesagten &quot;Hinrichtungsorgie&quot; kommen werde. Der diplomatische Korrespondent des &quot;Daily Telegraph&quot; erf\u00e4hrt, die britische Regierung habe in der diskretesten und freundschaftlichsten Weise dem Bundeskanzler und der \u00f6sterreichischen Regierung gegen\u00fcber der Hoffnung Ausdruck gegeben, da\u00df diese Milde zeigen werde. Die neue franz\u00f6sische Regierung habe, wie es hei\u00dft, in Wien \u00e4hnliche Ratschl\u00e4ge gegeben. Gro\u00dfbritanniens Rat sei im Verlaufe diplomatischer Er\u00f6rterungen gegeben worden und habe keinen formellen Schritt bedeutet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>12. Februar 1934<br \/> Von Marius Alter<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>(mit der Fortsetzung von S. 2)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>An demselben Tage, an dem die Pariser Arbeiter in der langersehnten Einheitsfront den friedlichen Demonstrationsstreik von imponierender Wucht durchf\u00fchrten, bricht ein anderer Generalstreik auf Tod und Leben aus. Nein, er wird eigentlich schon mit der Gewi\u00dfheit des heldenhaften Unterganges von der \u00f6sterreichischen Arbeiterschaft unternommen. Die tragische Stunde der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie kommt heran \u2013 der niedertr\u00e4chtige Faschismus der Mussolini-Heimwehren holt zum Schlage aus. Der Austro-Marxismus, der stets auf Vorposten der 2. Internationale stand, rettet diesmal wirklich in heldenhaftem Todeskampfe die Ehre des deutschen, ja des gesamten europ\u00e4ischen Proletariats. Die Artilleriegeschosse der Mussolini-Banden zerst\u00f6ren die Wohnbauten, die sich die Wiener Arbeiterschaft in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut hatte. Aber die Maschinengewehre des Schutzbundes antworten ihnen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Versagen deutscher Arbeiterf\u00fchrer am 20. Juli 1932 und bei anderen Gelegenheiten hat die \u00f6sterreichische Arbeiterklasse mit in diese Katastrophe hineingerissen. Aber einen neuen 20. Juli erlebt sie an ihrem 12. Februar nicht. Der Fleck der kampflosen Kapitulation, der die deutsche Arbeiterklasse brannte, wird an diesem Tage ausgetilgt. Schwerer ja noch als die physische war die moralische Niederlage des deutschen Proletariats gewesen. Und mehr noch als das Sinken seiner Kampfkraft in der Krise hatte die Verwirrung des Bewu\u00dftseins seine Niederlage verursacht. Auch die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft mu\u00df physisch in einem ungleichen Kampfe unterliegen. Da sie in seelischer Einheit mit sich selbst und in starkem Glauben an die Wahrheit der sozialistischen Idee von momentaner Uebermacht bezwungen wird, kann ihr Endkampf nicht vergebens sein.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der 12. Februar 1934 sah die Einheitsfront der Pariser Arbeiter und den Heldenkampf der Kommune von Wien. Von diesem Tage wird ein neuer Abschnitt in der Geschichte der europ\u00e4ischen Arbeiterbewegung beginnen. Die Fehler der Vergangenheit werden ges\u00fchnt, die Schw\u00e4chen des Glaubens \u00fcberwunden werden, die Zerrissenheit wird einem starken, in sich einigen Bewu\u00dftsein weichen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Pariser Kommune, die 1871 unter dem Stiefel des Milit\u00e4rs verr\u00f6chelte, erlebte ihre Auferstehung im Petersburger und Moskauer Sowjet. Die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie wird wieder auferstehen in der revolution\u00e4ren marxistischen Einheitspartei, die dem Faschismus den Todessto\u00df versehen wird. Nach dem entsetzlichen Kollaps der deutschen Arbeiterbewegung von 1933 war die Aufrichtung einer neuen Fahne notwendig, eine neue Tat mu\u00dfte geschehen, an der sich die Gegenwart aufrichten, von der die Zukunft melden kann. Ein neuer Mythos mu\u00dfte geschaffen werden, um ihn all den eklen L\u00fcgen-Mythen der Faschisten entgegenzustellen. Im Herbst 1933 wurde der Eine Dimitroff zum weithin sichtbaren Sinnbild. Jetzt aber ist endlich die Klasse selbst wieder k\u00e4mpfend, wenn auch noch nicht siegend, auf den Plan der gro\u00dfen Geschichte getreten. So m\u00fc\u00dfte es mit dem Teufel zugehen, wenn dies k\u00e4mpfende Ende nicht zugleich der Beginn w\u00fcrde f\u00fcr die Epoche des Gegenschlags. Es geht mit dem Teufel, denn es geht mit dem Faschismus zu! Aber noch immer ist eine mit der Zukunft im Bunde stehende Klasse mit solchen Teufeln fertig geworden! H\u00f6her z\u00e4hlt im Haushalt der Geschichte die Niederlage im Kampfe, selbst als der zuf\u00e4llige und nicht erk\u00e4mpfte Sieg. Jawohl, Du lieber k\u00e4mpfender Genosse und S\u00e4nger der Wiener Arbeiterschaft&nbsp;: &quot;Das Gesetz der Zeit steht im Manifest und im 18. Brumaire!&quot;<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[29]<\/span><\/span><\/span><\/a> und wir gr\u00fc\u00dfen Euch \u00fcberall, wo ein sozialistisches Herz schl\u00e4gt, Euch, &quot;Bauvolk der kommenden Welt, Euch Arbeiter von Wien!&quot;<span class=MsoEndnoteReference>&nbsp;<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[30]<\/span><\/span><\/a><\/span>.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Marsch nach Ebensee<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Stadt Ebensee im Salzkammergut ist vom Schutzbund besetzt worden In den fr\u00fchen Morgenstunden \u00fcberfielen Schutzb\u00fcndler die Polizei und, ohne da\u00df ein Schu\u00df fiel, gelang es ihnen, die gesamten Polizeikr\u00e4fte von etwa 15 bis 20 Mann zu entwaffnen und einzusperren, daraufhin besetzten sie die Salzwerke und die Textilfabrik, wo sie die Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit zwangen. Dann wurden die Stra\u00dfen zwischen Gmunden und Ebensee verbarrikadiert. Die Bergstra\u00dfe, die an einer Felswand vorbeif\u00fchrt, wurde durch eine Sprengung der Bergwand versch\u00fcttet. Das Postamt ist besetzt worden. Regierungstruppen befinden sich auf dem Marsch nach Ebensee, doch erwartet man, da\u00df sie auf hartn\u00e4ckigen Widerstand sto\u00dfen werden, da die Schutzb\u00fcndler ausgezeichnet bewaffnet sind und sich in einer strategisch vorteilhaften Lage befinden. Auf der einen Seite ist das sogenannte Feuervogelgebirge, w\u00e4hrend auf der andern Seite von Ebensee der Traunsee liegt. Die verschiedenen Bergstra\u00dfen sind von Maschinengewehrnestern auf beiden Seiten der Wege besetzt, so da\u00df herannahende Truppen ins Kreuzfeuer genommen werden k\u00f6nnen\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Vierzig Minen!<br \/> Auf einen einzigen Geb\u00e4udekomplex<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Mit wahrer Tapferkeit und mit welchem eisernen Widerstandswillen von den sozialdemokratischen Schutzb\u00fcndlern gek\u00e4mpft wurde, zeigt die Tatsache, da\u00df gegen den Schlingerhof im 21. Bezirk vierzig Minen geworfen wurden, ehe er sich ergab. Man erw\u00e4ge, da\u00df diese grauenhafte Kampfhandlung der Regierungstruppen sich gegen einen Hausblock abspielte, in dem sich viele hunderte Frauen und Kinder aufhielten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Im belagerten Karl-Marx-Hof, der von \u00fcber 2000 Familien bewohnt ist, vergiftete sich w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe eine Mutter mit ihrem Kind, weil sie die furchtbaren Ereignisse nicht mehr ertragen konnte. Der als Schwerverwundeter zum Galgen geschleppte Schuzb\u00fcndler Munichreither hinterl\u00e4\u00dft Frau und drei Kinder. In der Floridsdorfer Kampfzone soll ein Raubm\u00f6rder die Gelegenheit zu einem pers\u00f6nlichen Racheakt ben\u00fczt haben, indem er ein Ehepaar aus dem Hinterhalt erscho\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nach b\u00fcrgerlichen Pressemeldungen sollen bis Donnerstag: vormittag bei mehreren Polizeikommissaren und Wachstuben 34 Maschinengewehre, 1000 Gewehre, mehr als 40&nbsp;000 Schu\u00df Munition und eine gro\u00dfe Anzahl von Handgranaten abgeliefert worden sein.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;S\u00e4uberung&quot; und Raub<br \/> Nach deutschem Vorbild<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 16. Febr. Wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; meldet, gibt die Generaldirektion der Bundesbahnen einen Dienstbefehl aus, wonach s\u00e4mtliche Bahnbeamten die sozialdemokratischen Mandate innehaben, sich sofort bei ihren vorgesetzten Dienststellen zu melden haben. Gegen die Beamten werden eventuell ein Strafverfahren eingeleitet oder der Antrag auf Strafverfolgung durch die zust\u00e4ndigen Gerichte gestellt. Die Bediensteten w\u00fcrden zur effektiven Dienstleistung nicht zugelassen, sondern sofort suspendiert oder in den dauernden Ruhestand versetzt. Es besteht in Regierungskreisen die Absicht, zur Gutmachung der durch die Ereignisse der letzten Tage entstandenen wirtschaftlichen Sch\u00e4den in Wien und einzelnen Bundesgebieten die Privatverm\u00f6gen der gefl\u00fcchteten oder verhafteten sozialdemokratischen F\u00fchrer, die ein Mitverschulden an den Ausschreitungen trifft, einzuziehen. Der Besitz der sozialdemokratischen Gewerkschaften soll der Regierung verfallen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Sch\u00fcsse aus Nervosit\u00e4t<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>bnb, Wien, 16. Febr. Gegen Mitternacht kam es am Donnerstag in drei verschiedenen Stadtteilen zu Schie\u00dfereien, die sich jedoch bei sorgf\u00e4ltiger Nachpr\u00fcfung als Ergebnis der Ueberm\u00fcdung und Nervenanspannung der Exekutivorgane darstellten. Ein Posten hatte aus einem kleinlichen Anla\u00df einen Schu\u00df abgegeben und ganze Postenketten hatten darauf das Feuer aufgenommen. Aber zur gleichen Zeit begann bereits die Lockerung der Alarmbereitschaft. Zahlreiche Mannschaften sind in ihre Quartiere zur\u00fcckgekehrt. Das Heerlager im Polizeipr\u00e4sidium hat aufgeh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Ruhe&quot;<br \/> Alarmzustand und Standrecht<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien. 16. Febr. In den Abendstunden des Donnerstags herrschte in der Stadt Ruhe. Der allgemeine Alarmzustand und das Standrecht bleiben weiter bestehen, da immer noch mit der M\u00f6glichkeit eines neuen Aufflackerns der K\u00e4mpfe gerechnet wird. Die Entwaffnungsaktion gegen die Schutzb\u00e4ndler wird weiter fortgef\u00fchrt. Die Anzahl der Toten steht immer noch nicht fest. Nach einer privaten Sch\u00e4tzung soll der Schutzbund ungef\u00e4hr 1000 Tote in Wien und 500 Tote in den L\u00e4ndern zu beklagen haben. Die Untersuchung nach der Herkunft der Waffen der Schutzb\u00fcndler hat ergeben, da\u00df ein Teil aus dem Weltkrieg kommt, ein anderer Teil jedoch ohne Zweifel tschechoslowakischer Herkunft ist.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Rettungsgesellschaft<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Wien, 16. Febr. Einen gewissen Anhaltspunkt bei der Absch\u00e4tzung der Verwundeten der gesamten Kampfhandlungen findet man in einem Bericht der Freiwilligen Rettungsgesellschaft, die die Zahl der Stadtausfahrten auf mehr als 500 angibt. 19 Aerzte, 11 Beamte, 60 Sanit\u00e4tsgehilfen und 20 Chauffeure als Berufspersonen und au\u00dferdem eine stattliche Reihe von Aerzten als freiwillige au\u00dferordentliche Helfer seien st\u00e4ndig in T\u00e4tigkeit gewesen, und ununterbrochen seien die 20 Rettungsautos und au\u00dferdem freiwillige Automobilisten an die bedrohten Stellen gefahren.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Grenzsperre<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Budapest, 16. Febr. Laut einer Meldung aus Oedenburg hat die \u00f6sterreichische Regierung das Ueberschreiten der \u00f6sterreichisch-ungarischen Grenze zu Fu\u00df und mit Fahrzeugen bis auf weiteres verboten.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 2 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Julius Deutsch \u2013 Otto Bauer<br \/> Die F\u00fchrer bis zuletzt in der Kampflinie<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Pre\u00dfburg, 16. Februar 1984. (Eigener Bericht.)<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzbundf\u00fchrer Dr. Julius Deutsch und der \u00f6sterreichische Nationalratsabgeordnete Otto Bauer sind hier eingetroffen. Deutsch ist durch einen Granatsplitter verwundet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die beiden sozialdemokratischen F\u00fchrer erkl\u00e4ren, da\u00df sie mit R\u00fccksicht auf ihre in den H\u00e4nden der Bundesregierung befindlichen Genossen noch keine n\u00e4heren Angaben \u00fcber die Kampftage in Wien und ihre pers\u00f6nlichen Erlebnisse machen wollen. Gegen\u00fcber unwahren Behauptungen der Regierung aber erkl\u00e4ren Deutsch und Bauer:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als der Justizminister Schuschnigg am Radio behauptete, beide Genossen seien geflohen und h\u00e4tten die Arbeiter auf den Barrikaden allein gelassen, befanden sich Deutsch und Bauer inmitten der k\u00e4mpfenden Arbeiter Wiens auf ihrem Posten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als der Vizekanzler Fey am Radio verk\u00fcndete, Deutsch und Bauer seien in Prag eingetroffen, standen beide nach wie vor in der Wiener Kampflinie.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Erst als \u00fcberall die Kampfhandlungen aufgeh\u00f6rt hatten, die beiden F\u00fchrer isoliert und abgeschnitten waren, haben sie, um der unmittelbar drohenden Gefahr der Gefangennahme und der Aburteilung zu entgehen, Wien verlassen und sind auf verschiedenen Wegen zur tschechoslowakischen Grenze gelangt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der N\u00e4he von Pre\u00dfburg haben auch 47 Floridsdorfer Schutzb\u00fcndler, die sich auf dem R\u00fcckzug von Floridsdorf bis an die Grenze durchgeschlagen haben, tschechischen Boden betreten. Die Schutzb\u00fcndler sind von den tschechsichen Beh\u00f6rden entwaffnet worden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Uebermacht erlegen<br \/> Heimkehr der &quot;siegreichen&quot; Truppen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, den 16. Februar 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nachdem der Laaer Berg und die St\u00fctzpunkte in Floridsdorf, Kagran, Stadlau und der Karl-Marx-Hof sich ergeben haben, sind die letzten Hauptwiderstandszentren der Schutzb\u00fcndler durch die Uebermacht der Exekutive niedergek\u00e4mpft. Aeu\u00dferlich herrscht vollst\u00e4ndige Ruhe in Wien, und man sieht Artillerie, Infanterie und Polizeimannschaften abgek\u00e4mpft in ihre Kasernen einr\u00fccken. In einzelnen Gemeindebauten, die noch gestern umk\u00e4mpft waren, sind schon Handwerker an der Arbeit.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es ist aber durchaus noch mit neuen Zusammenst\u00f6\u00dfen zu rechnen, da gro\u00dfe Gemeindeh\u00e4userblocks noch nicht nach Waffen durchsucht werden konnten. Die Reste der Schutzbundtruppen, die sich nach Kagran und Hirschstetten zur\u00fcckgezogen haben, mu\u00dften sich am Donnerstagmittag den Regierungstruppen ergeben. Auf dem Karl-Marx-Hof und den anderen gro\u00dfen Gemeindeh\u00e4usern wehen aus zahlreichen Fenstern und von den D\u00e4chern wei\u00dfe Fahnen aus Leinent\u00fcchern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung meldet, da\u00df aus den Gemeindeh\u00e4usern in sechs Bezirken nach der Rundfunkansprache des Bundeskanzlers Abordnungen der Mietparteien bei der Polizei erschienen und ihre bedingungslose Unterwerfung unter die Staatsgewalt erkl\u00e4rt h\u00e4tten. Nach derselben Meldung soll sich der fr\u00fchere Kommandant des aufgel\u00f6sten Republikanischen Schutzbundes der Polizei gestellt haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Verm\u00f6gen der aufgel\u00f6sten Sozialdemokratischen Partei, der freien Gewerkschaften und der sonstigen sozialdemokratischen Vereine, mit Ausnahme der Krankenkassen, wird vom Staate eingezogen und als verfallen erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Von dem gefl\u00fcchteten Kommunistenf\u00fchrer Koloman Wallisch wird angenommen, da\u00df er sich nach S\u00fcdslawien in Sicherheit zu bringen trachte. Auch der sozialdemokratische B\u00fcrgermeister von Voitsberg, Steiner, ist gefl\u00fcchtet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Diktatorisches Vorgehen<br \/> Sicherung des &quot;Sieges&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Klagenfurt, 16. Febr. Der K\u00e4rtner Landeshauptmann Kernmeier, der den Nationalsozialisten nahesteht, ist vom Bundeskanzler Dr. Dollfu\u00df telegrafisch aufgefordert worden, seine Funktionen zur\u00fcckzugeben. Daraufhin hat er, wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; meldet, geantwortet, da\u00df er ein frei gew\u00e4hlter Vertreter der Bev\u00f6lkerung sei und keinen Anla\u00df finde, der Aufforderung des Bundeskanzlers nachzukommen. Das Blatt erwartet, da\u00df entweder die Bundesregierung von ihrer Autorit\u00e4t Gebrauch machen und den Landeshauptmann direkt abberufen werde, oder da\u00df der Landtag dem widers\u00e4tzlichen Landeshauptmann ein Mi\u00dftrauensvotum erteilen werde.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wie das &quot;Neuigkeits-Weltblatt&quot; mitteilt, hat gestern vormittag die christlich-soziale Fraktion des Parlaments einstimmig das energische Vorgehen der Landesregierung gegen die Aufr\u00fchrer sowie die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei gutgehei\u00dfen. Die Fraktion wird mit dem Bundeskanzler in den n\u00e4chsten Tagen in F\u00fchlung treten und ihn noch einmal der Unterst\u00fctzung der Partei bei seinem Aufbauwerk versichern. Auch sei der Gedanke erwogen worden, das Parlament wieder einzuberufen, da ja durch die Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratischen Partei die sozialdemokratischen Mandate ruhen m\u00fcssen und der Regierung zur Beschlie\u00dfung eines besonderen Vollmachtengesetzes eine absolute Mehrheit zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seite 3 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Dollfu\u00df, Beauftragter Mussolinis<br \/> Anklage gegen ihn aus der ganzen Welt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der heldenm\u00fctige Kampf der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie hat in Frankreich und England eine lebhafte Erregung ausgel\u00f6st. Die Linksgruppen stehen \u00fcberall mit ihren Sympathien auf der Seite der Freiheitsk\u00e4mpfer in Oesterreich. Aber auch die Rechtsgruppen erkennen, da\u00df Dollfu\u00df mit den Heimwehrverbrechern im Auftrage Mussolinis handelt, der ein von ihm abh\u00e4ngiges Oesterreich durch Dollfu\u00df schaffen will, um so seinen Machtbereich in das Herz Europas zu erweitern. Die Staaten der Kleinen Entente f\u00fchlen sich durch diese Aktion stark beunruhigt und schlie\u00dflich auch bedroht. Sie werden durch die Faschisierung Oesterreichs eingeklemmt in den Faschismus mussolinischer und nationalsozialistischer nationalsozialistischer Couleur. Benesch war in London und hat bestimmt bei dieser Gelegenheit auch das englische Au\u00dfenministerium auf die in Zentraleuropa durch den Staatsstreich der Heimwehren heraufbeschworene gef\u00e4hrliche Situation aufmerksam gemacht. Simon hat auch im Unterhaus auf die Anfrage des Arbeiterparteilers Attlee von den &quot;ernsten und sehr betr\u00fcblichen Ereignissen in Oesterreich&quot; gesprochen, die die eng lische Regierung genau beobachte. Auch ist es so gut wie sicher, da\u00df im V\u00f6lkerbundsrat die Lage anl\u00e4\u00dflich des Anrufens dieser Institution durch Dollfu\u00df wegen des Einbruchs der Nationalsozialisten ernstlich besprochen wird.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Attacke Fey-Starhemberg-Dollfu\u00df zieht demnach auch ihre au\u00dfenpolitischen Kreise.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die englische Regierung best\u00fcrzt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>London, 15. Febr. Im Unterhaus stellte der Abgeordnete Attlee im Namen der Opposition die Frage, ob der Au\u00dfenminister angesichts der Ereignisse in Oesterreich Schritte zur Herbeif\u00fchrung einer baldigen Sitzung des V\u00f6lkerbundes tun wolle. Simon erwiderte hierauf, da\u00df die &quot;ernsten und sehr betr\u00fcblichen Ereignisse&quot; in Oesterreich von der englischen Regierung genau beobachtet w\u00fcrden. Dem Unterhaus sei bekannt, da\u00df die \u00f6sterreichische Regierung im Zusammenhang mit der internationalen Lage beschlossen habe, den V\u00f6lkerbund anzurufen. Was die innere Lage Oesterreichs betreffe, so sei er \u00fcberzeugt, das Haus werde den Grundsatz beherzigen, da\u00df ein Land nicht berechtigt sei, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen. Der Arbeiterabgeordnete Gocks erkl\u00e4rte dazu, da\u00df Oesterreich doch in einer besonderen Lage sei und da\u00df die M\u00e4chte sich andauernd in seine Angelegenheiten einmischten. Der konservative Abgeordnete Soverville meinte, da\u00df die sozialistische Agitation alle Verwirrung in Oesterreich verursacht habe. Hierauf ert\u00f6nte lautes: &quot;Nein, nein!&quot; von den B\u00e4nken der Arbeiterpartei. Der Arbeiterparteiler Wedgwood fragte dann, ob die englische Regierung der \u00f6sterreichischen Regierung klar machen wolle, was f\u00fcr einen schlechten Eindruck das Aufh\u00e4ngen von \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten in England mache. (Rufe von der Ministerbank: O, o!) Der Arbeiterabgeordnete Bevan f\u00fcgte hinzu: &quot;Und das Niederschie\u00dfen von Frauen und Kindern!&quot; Thorns (Arbeiterpartei) fragte schlie\u00dflich: &quot;Sind die Sozialisten nicht die friedlichsten Leute der Welt?&quot; Auf die letzten Fragen wurde von der Regierung keine Antwort mehr erteilt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Amerika sagt: &quot;Dollfu\u00df schw\u00e4cht seine Lage&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Neuyork, 15. Febr. Ueber die Entwicklung der blutigen Ereignisse in Oesterreich wird von der Presse seitenlang mit gro\u00dfen Schlagzeilen berichtet. &quot;Neuyork Times&quot; bemerkt in einem Leitartikel, es sei nahezu unm\u00f6glich, aus der Ferne genau festzustellen, wer f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg verantwortlich sei. Hingegen urteilt &quot;Herald Tribune&quot;, da\u00df selbst aus den zensierten Nachrichten, die aus Oesterreich eintreffen, immer klarer hervorgehe, da\u00df Dollfu\u00df einen Fehler begangen habe. Das Vertrauen der Welt in Dollfu\u00df sei ersch\u00fcttert, und dadurch, da\u00df er nunmehr Ha\u00df gegen sich selber erzeuge, schw\u00e4che er seine Lage.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Mord an Schwerverletzten<br \/> Die Welle der Emp\u00f6rung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Pre\u00dfburg, 15. Febr. Es werden jetzt Einzelheiten \u00fcber die Hinrichtung des Schutzbundf\u00fchrers Munichreiter bekannt. Die Hinrichtung dieses Schwerverletzten durch die Wiener Exekutivbeh\u00f6rde hat die Erbitterung der Bev\u00f6lkerung ins Unerme\u00dfliche gesteigert. Munichreither, der durch mehrere Sch\u00fcsse schwer verletzt war, wurde danach auf einer Tragbahre zum Standgericht, ebenfalls auf einer Tragbahre zum Galgen geschafft, von der Bahre aus unter den Galgen gesetzt und \u2013 obwohl fast bewu\u00dftlos \u2013 erh\u00e4ngt. Auch zahlreiche Ausl\u00e4nder haben ihrer ungeheuren Emp\u00f6rung \u00fcber die bestialische Hinrichtung eines Schwerverletzten durch die Regierung Dollfu\u00df Ausdruck gegeben und erkl\u00e4rt, da\u00df damit auch die letzten Sympathien f\u00fcr das Gewaltsystem Dollfu\u00df bei ihnen geschwunden seien.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Begnadigt&quot;<br \/> Zehn Jahre Kerker<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Febr. Der am Donnerstag vom Standgericht zum Tode durch den Strang verurteilte Schutzb\u00fcndler Kalab ist zu 10 Jahren schweren Kerkers begnadigt worden. In Regierungskreisen wird jetzt zu den in Wien, Steyr und St. P\u00f6lten einberufenen Standgerichtsverhandlungen die Auffassung vertreten, da\u00df Todesurteile nur f\u00fcr die F\u00fchrer (von denen man aber doch verleumderisch behauptete, da\u00df sie geflohen seien) des Schutzbundes, nicht aber f\u00fcr die von den F\u00fchrern zur Teilnahme am Aufstand &quot;gezwungenen&quot;(Das ist eine niedertr\u00e4chtige Verleumdung der Freiheitsk\u00e4mpfer. D. Red.) Arbeiter in Frage kommen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wettrennen um Faschistengunst<br \/> <\/span><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\"; font-style:normal'>Jeder wollte der Erste sein\u2026<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das DNB. bringt folgende Enth\u00fcllungen \u00fcber das Techtelmechteln der Heimwehrf\u00fchrer mit den Nazis, das das Intrigantenspiel, das dem Fey-Putsch vorausging, in ein neues Licht setzt. Demnach haben die Heimwehrakteure zwischen Hitler und Mussolini geschwankt und sich dann so eingesetzt, wie es der Meistbietende wollte. Hier die Meldung:<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>dnb. Berlin, 15. Febr. Es ist bereits bekannt, da\u00df die drei \u00f6sterreichischen Machthaber Dollfu\u00df, Fey und Starhemberg sich gegenseitig mi\u00dftrauen und jeder hinter dem R\u00fcden des anderen versucht, mit den Nationalsozialisten F\u00fchlung zu nehmen. Dollfu\u00df hat vor einiger Zeit auch die F\u00fchlungnahme mit den Sozialdemokraten versucht, bis die Ereignisse ihn dann in die jetzige Richtung gedr\u00e4ngt haben.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Bekanntlich stellte der nieder\u00f6sterreichische Heimwehrf\u00fchrer Graf Alberti, der in der Wohnung des Wiener Gauleiters der NSDAP, Frauenfeld, verhaftet und in das Konzentrationslager W\u00f6llersdorf gebracht worden war, fest, da\u00df er die Verhandlungen mit Frauenfeld im Auftrage von Starhemberg gef\u00fchrt habe. Er lie\u00df einen Aufruf an den nieder\u00f6sterreichischen Heimatschutz herausgehen, in dem er bereits feststellte, da\u00df er die Verhandlungen mit Frauenfeld im Auftrage Starhembergs gef\u00fchrt habe. Er sei nur zur\u00fcckgetreten, um dem Heimatschutz die Lage zu erleichtern. Starhemberg stritt alles ab, beschimpfte Graf Alberti und bezichtigte ihn der Anzettelung einer Verschw\u00f6rung hinter seinem R\u00fcden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die nationalsozialistische &quot;Schlesische Tageszeitung&quot; in Breslau ist nun in der Lage, eine Erkl\u00e4rung Graf Albertis \u00fcber diese Vorg\u00e4nge im Faksimile zum Abdruck zu bringen. Damit ist der schl\u00fcssige Beweis erbracht, da\u00df Starhemberg seine eigenen Untergebenen verr\u00e4t und ins Konzentrationslager schickt, wenn es ihm gerade gut erscheint, obwohl sie docj nurin seinem Auftrage handelten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Brief hat folgenden Wortlaut:<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>16. Januar 1984.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>F\u00fcr den Fall meiner Verhaftung erkl\u00e4re ich, da\u00df ich die Niederlegung der Landesf\u00fchrerstelle widerrufe.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Ich habe alle Besprechungen mit den Nazis mit Kenntnis und Zustimmung des Bundesf\u00fchrers gef\u00fchrt und ihm \u00fcber alles berichtet. Die Niederlegung meiner F\u00fchrerstelle in N\u00d6. erfolgte nur deshalb, um dem BF. und dem Hesch die Situation zu erleichtern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-left:1.0cm'><span lang=DE>Graf Albert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&quot;BF.&quot; ist der Bundesf\u00fchrer, &quot;Hesch&quot; der Heimatschutz und &quot;N\u00d6&quot; bedeutet Nieder\u00f6sterreich.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Wehe, wir haben gesiegt&quot;<br \/> Bis zuletzt heldenhafter Widerstand<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien, 15. Februar 1934.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung bem\u00fcht sich &quot;Siegeskundgebungen&quot; zu ver\u00f6ffentlichen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bezirk Simmering ist jetzt bis zu der von den Truppen gezogenen Sperrlinie, dem Bahndamm der Aspern-Bahn, ges\u00e4ubert worden. Das jenseits liegende Gebiet soll heute nacht ges\u00e4ubert werden.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Bezirk Simmering zeigt \u00fcberall die Spuren der schweren K\u00e4mpfe der letzten Tage. Fast alle H\u00e4user weisen Spuren von Sch\u00fcssen auf. Besonders schwer sind die Gemeindeh\u00e4user mitgenommen, um die einzeln gek\u00e4mpft worden ist. Granaten haben tiefe L\u00f6cher in das Mauerwerk geschlagen. Maschinengewehrsalven haben \u00fcberall deutliche Spuren hinterlassen. Hier wurde Gebirgsartillerie eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Einnahme des seit Tagen schwer umk\u00e4mpften Laaer Berges vollzog sich, wie verlautet, am Donnerstagnachmittag entgegen allen Erwartungen ohne weitere Kampfhandlung. Auf die Aufforderung der Truppen zur Uebergabe r\u00e4umten die Schutzb\u00fcndler den Laaer Berg und flohen in gro\u00dfer Zahl \u00fcber Z\u00e4une und Mauern. Die Besetzung des Laaer Berges, der als strategisch wichtiger Punkt angesehen wurde, vollzog sich dann in aller Ruhe. Auch der Karl-Marx-Hof ist jetzt ohne Kampf von den Truppen besetzt worden. Die Waffensuche ist dort in vollem Gange.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es braucht nicht alles richtig zu sein, was hier die Regierung f\u00fcr das \u00f6sterreichische Publikum zurechtmacht. Jedenfalls geht aber auch aus diesen Meldungen hervor, da\u00df die Sozialdemokraten die Positionen bis zuletzt gehalten haben und die Verteidiger sich nach verlorenen Gefechten zur\u00fcckziehen mu\u00dften. W\u00e4re es anders, dann h\u00e4tte bestimmt der Regierungsbericht auch eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Gefangenen aufgef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Das Land Tirol<br \/> Kalter Putsch im Landtag<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Innsbruck, 15. Febr. Der Donnerstag nachmittag zu einer au\u00dferordentlichen Sitzung zusammentretende Tiroler Landtag soll, wie bekannt wird, die Aufl\u00f6sung des Landtages beschlie\u00dfen. Dadurch w\u00e4re der Weg zur Einsetzung der von der Tiroler Heimatwehr geforderten autorit\u00e4ren Landesregierung freigemacht. Die neue Landesregierung d\u00fcrfte vom Bundeskanzler ernannt werden. Au\u00dfer dem bisherigen Landeshauptmann Dr. Stumpf und seinem Stellvertreter Dr. Peer sollen je ein Vertreter der Heimatwehr und der Christlich-Sozialen Arbeiterschaft sowie des Bauernbundes der neuen Landesregierung angeh\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Landesregierung hat den infolge der Aufl\u00f6sung der sozialdemokratischen Partei beschlu\u00dfunf\u00e4hig gewordenen Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck aufgel\u00f6st und den bisherigen B\u00fcrgermeister Franz Fischer zum Regierungskommissar bestellt. Weiter hat die Landesregierung die Gemeindevertretungen von H\u00fctting, W\u00f6rgl, Kirchbichl und H\u00e4ring aufgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:12.0pt;margin-right:0cm;margin-bottom: 0cm;margin-left:0cm;margin-bottom:.0001pt;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*&nbsp;&nbsp;*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm;line-height:12.0pt'><span lang=DE>*<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><i><span lang=DE>Deutsche Freiheit <br \/> <a name=\"DF_1934_02_25_fr\"><\/a>Nummer 47 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;<\/span><\/i><a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing:1.0pt'>[31]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><i><span lang=DE><br \/> Saarbr\u00fccken, Sonntag-Montag, 25.-26. Februar 1934 <\/span><\/i><\/p>\n<p class=Intertitre4a><b><span lang=DE>*** Seiten 3,4,7 ***<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4 style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size: 16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ein Mitk\u00e4mpfer berichtet \u00fcber Wien<br \/> Vorgeschichte und Verlauf des B\u00fcrgerkrieges \u2013 Pers\u00f6nliches Heldentum und sachliche Fehler &#8211; Ernste Lehren f\u00fcr alle!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der nachfolgende sehr ausf\u00fchrliche, aber auch sehr inhaltsreiche Bericht \u00fcber den \u00f6sterreichischen B\u00fcrgerkrieg stammt von einem Mitk\u00e4mpfer, der nicht zu den &quot;Bonzen&quot; geh\u00f6rt. Er stand bis vor kurzem als Arbeiter im Betrieb und ist seit einiger Zeit erwerbslos. Seine Niederschrift ist unmittelbar nach den letzten Sch\u00fcssen verfa\u00dft. Es ist daher um so bewunderswerter, wie n\u00fcchtern und mit welcher Distanz der proletarische Verfasser \u00fcber die Vorg\u00e4nge urteilt. Darin unterscheidet er sich von vielen, die fern vom Schu\u00df aufgeregte illusion\u00e4re Betrachtungen \u00fcber die Kampftage und ihre M\u00f6glichkeiten anstellten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ob der Kamerad in allen Einzelheiten recht hat, bleibe dahingestellt. Jedenfalls zeigt er die sehr schwierigen Fragen milit\u00e4rtechnischer und psychologischer Art auf, die jeder zum B\u00fcrgerkrieg sich steigernde Aktion den F\u00fchrern und den Massen stellt; Fragen, die lange vor dem Ausbruch des Kampfes gekl\u00e4rt sein m\u00fcssen. Auch der B\u00fcrgerkrieg bedarf der gr\u00fcndlichsten Vorbereitung an Menschen und Material, und ist schon deshalb kein Gebiet f\u00fcr Dilettanten und gern in blutigen Worten schreibenden Literaten, weil es um Leben oder Tod, um Sieg oder Niederlage f\u00fcr das Arbeitsvolk geht. Bei so furchtbar schweren Ereignissen wie denen in Oesterreich und ihren Auswirkungen f\u00fcr die sozialistische Bewegung mu\u00df m\u00f6glichste Klarheit auch \u00fcber die Fehler der Offiziere und der Mannschaften gewonnen werden. Wenn \u00fcber manches, schon aus R\u00fccksicht auf die vielen Gefangenen, zur Zeit nur mit Zur\u00fcckhaltung gesprochen werden kann und auch unser Kamerad diese Zur\u00fcckhaltung \u00fcbt, erfordert die st\u00fcrmische Anteilnahme der Antifaschisten \u00fcberall an den Vorg\u00e4ngen in Oesterreich doch, da\u00df jetzt schon gesagt wird, was m\u00f6glich und notwendig ist.<\/span><\/p>\n<p class=Texte align=right style='text-align:right'><span lang=DE>Redaktion der &quot;Deutschen Freiheit&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><b><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>I. Die entscheidenden Tage<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Heldenm\u00fctig geschlagen<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ueber die Ereignisse in Wien und Oesterreich mit der gebotenen Objektivit\u00e4t und Leidenschaftslosigkeit zu berichten, ist, wo man noch unmittelbar unter dem Eindrucke der ersch\u00fctternden Ereignisse dieser Tage steht, fast unm\u00f6glich. Es soll aber dennoch geschehen, schon aus dem Grunde geschehen, damit unsere Freunde des Auslandes, welche von ihrer b\u00fcrgerlichen Presse nur die stark und tendenzi\u00f6s gef\u00e4rbten Berichte der \u00f6sterreichischen amtlichen Stellen oder gar die unversch\u00e4mten F\u00e4lschungen durch das \u00f6sterreichische Radio erhalten haben, ein Bild der Ereignisse bekommen, wie sie sich tats\u00e4chlich abgespielt haben. Eines sei gleich vorweggenommen: die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft hat sich heldenm\u00fctig geschlagen; sie hat die Fahne der Internationale, die sie 1926 verliehen erhielt, nicht feige verraten; die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie wurde geschlagen, aber nicht vernichtet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ehrenvoller Friede verhindert<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die politischen Verh\u00e4ltnisse dieses Landes lie\u00dfen die Wahrscheinlichkeit einer friedlichen L\u00f6sung des seit dem M\u00e4rz 1933 w\u00e4hrenden Verfassungskonfliktes in den letzten Wochen nicht als unwahrscheinlich erscheinen. Mu\u00dfte doch Bundeskanzler Dollfu\u00df erkennen, da\u00df trotz des ungeheuren Terrors, der auf die \u00f6ffentlichen Angestellten ausge\u00fcbt wurde, die Sozialdemokratie weder inneren K\u00e4mpfen ausgesetzt wurde noch den fortgesetzten Provokationen der Regierungsstellen hereinfiel. Mit geradezu bewunderungswerter Geduld hielt Parteimitgliedschaft Disziplin. Das im Fr\u00fchsommer \u00fcber die Nazis verh\u00e4ngte Parteiverbot bewies nur zu deutlich, da\u00df diese nicht schw\u00e4cher, sondern st\u00e4rker wurden. Dasselbe Experiment mit uns zu versuchen, schien schon aus Gr\u00fcnden der einfachsten politischen Vernunft ausgeschlossen. Dollfu\u00df wu\u00dfte genau, da\u00df er nur in der Sozialdemokratie auf Hilfe bei bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Nazis rechnen konnte, ist doch selbst die nunmehr zu so trauriger Ber\u00fchmtheit gelangte Staatsexekutive &#8209;&nbsp;Polizei, Gendarmerie, Milit\u00e4r&nbsp;&#8209; bis in die h\u00f6chsten Beamtengrade nazidurchseucht. Alle sind wohl bei der &quot;Vaterl\u00e4ndischen Front &quot; eingeschrieben; das ist aber auch alles. Wie wertvoll solche erpre\u00dfte und erzwungene Bundesgenossen sind, ist von Haus aus auszurechnen. Nur die engstirnige Verblendung der christlichsozialen Parteif\u00fchrung, die sich immer mehr und mehr in die Abh\u00e4ngigkeit der unter aristokratischer F\u00fchrung stehenden, faschistisch orientierten Heimwehr begab und wo es so weit kam, da\u00df Dollfu\u00df, vom Machtwahne berauscht, auch innerhalb der eigenen Partei eine schrankenlose Diktatur aus\u00fcben konnte, verhinderte einen ehrenvollen Frieden mit der Sozialdemokratie, welche wahrlich genug Opfer an Ansehen gebracht hatte, um dem Lande den Frieden zu erhalten.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch war es Zeit zur Einkehr und Umkehr, als im Januar offenkundig wurde, da\u00df gro\u00dfe Teile der Heimwehr unter F\u00fchrung des Grafen Alberti zu den Nazi hin\u00fcber gewechselt hatten. Zu dieser Zeit hielt Dollfu\u00df seine Rede an die Arbeiterschaft, die allgemein als Weg zur Verst\u00e4ndigung betrachtet wurde, die Arbeiterschaft selbst antwortete durch ihren Parteirat, dem nur Leute aus den Betrieben, also weder Parteibeamte noch \u00f6ffentliche Mandatare, also keine &quot;Volksverhetzer&quot; oder &quot;Bonzen&quot; angeh\u00f6rten, in vers\u00f6hnlicher Form. Zwei Tage sp\u00e4ter kam wieder eine Dollfu\u00df-Rede, die von g\u00e4nzlicher Vernichtung der Partei sprach. Ein Besuch des Heimwehrf\u00fchrers Starhemberg bei Dollfu\u00df und der unglaubliche Einflu\u00df des Heimwehrf\u00fchrers und Vizekanzlers Fey, eines alten Berufsmilit\u00e4rs, des eigentlichen F\u00fchrers der Regierung, bewirkte diesen Umschwung. Die Heimwehr, zahlenm\u00e4\u00dfig schwach (bei den Wahlen des Jahres 1930 erhielt sie nicht einmal 10&nbsp;Prozent der Stimmen und hatte im Nationalrat nur 6 Mandate von 165), jedoch dank italienischen Geldes gut ausger\u00fcstet, ging zur Offensive \u00fcber; in allen Bundesl\u00e4ndern wurde die sofortige Aufl\u00f6sung der Landtage und die Einsetzung der Landeshauptleute als autorit\u00e4re F\u00fchrer unter fast ausschlie\u00dflichem Einflu\u00df eines beratenden Ausschusses von Faschisten gefordert. Tirol, das kulturell r\u00fcckst\u00e4ndigste und reaktion\u00e4rste Bundesland, ging damit voran. Steiermark und das Burgenland folgten. In allen L\u00e4ndern wurde auch die Forderung nach Aufl\u00f6sung der Sozialdemokratie als erster und wichtigster Punkt gestellt. Dollfu\u00df wollte die Behandlung dieser Forderungen hinausschieben und fuhr nach Budapest; die Verhandlung \u00fcber die Forderungen der Heimwehr sollte am 12. Februar beginnen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Morgen gehen wir an die Arbeit&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Am 11. Februar hielt der Vizekanzler Fey in einem unbedeutenden Provinzneste eine Rede, die in die Worte ausklang: &quot;Morgen gehen wir an die Arbeit!&quot; Dieser Satz konnte nicht mehr mi\u00dfverstanden werden. So kam es am Montagvormittag in der Hauptstadt des Bundeslandes Ober\u00f6sterreich zum Zusammensto\u00df, welcher die anderen Ereignisse ausl\u00f6sen wollte. Eine Abteilung Heimwehr, welche den Ausspruch ihres F\u00fchrers nicht richtig verstanden hatte<a name=\"Fey_a_fr\"><\/a><a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[32]<\/span><\/span><\/span><\/a>, ging zum Angriff auf das Parteihaus \u00fcber; sie wurde aber mit Maschinengewehrfeuer empfangen und in die Flucht geschlagen. Die Nachricht von den Ereignissen verbreitet sich innerhalb einer halben Stunde in ganz Oesterreich. In Wien traten die Arbeiter des Elektrizit\u00e4tswerkes in Streik und legten vorerst den Stra\u00dfenbahnverkehr still. Dies war das Zeichen f\u00fcr den Republikanischen Schutzbund zum Generalalarm. In allen bedeutenderen Orten Oesterreichs entbrannten gleich der Bundeshauptstadt sofort heftige K\u00e4mpfe zwischen der Staatsexekutive einerseits und dem Schutzbund andererseits.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Schlacht in Wien<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In Wien tobten die K\u00e4mpfe am heftigen am Dienstag. Die gro\u00dfen Wohnhausbauten der Gemeinde Wien lagen stundenlang unter schwerstem Artilleriefeuer mit 15-Zentimeter-Haubitzen und Minenwerfern. Nur dem elenden Schie\u00dfen der Artillerie ist es zu danken, da\u00df die Geb\u00e4ude nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die Besatzung wehrte sich wahrhaft heroisch, wu\u00dften sie doch, da\u00df ihnen der Galgen drohte, wenn sie gefangen werden &#8211; denn mittlerweile wurde das Standrecht verk\u00fcndet. Als Brennpunkte des Kampfes seien angef\u00fchrt: der riesige Geb\u00e4udekomplex Sandleiten, eine kleine Stadt f\u00fcr sich; dort wurden auch in der vorgelagerten Parkanlage unserseits Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgeworfen, desgleichen in der roten Hochburg Favoriten am Laaerberg; sehr schwere K\u00e4mpfe spielten sich in dem rein proletarischen Floridsdorf und in Simmering ab; ersteres konnte erst nach zweit\u00e4gigem erbitterten Kampfe nach heftigster Artillerievorbereitung genommen werden. Das gleiche galt f\u00fcr den herrlichen Goethehof gegen\u00fcber der Reichsbr\u00fccke. Die gr\u00f6\u00dfte Heldentat wurde aber im Marxhof vollbracht. Dieser Riesenbau, von f\u00fcnf m\u00e4chtigen, gut 50 Meter hohen T\u00fcrmen gekr\u00f6nt, ist mehr als ein Kilometer lang. Dort wurde noch am Donnerstagmittag gek\u00e4mpft; Artillerie war auf der gegen\u00fcber liegenden Anh\u00f6he &quot;Hohe Warte&quot; aufgefahren und hielt den Bau ununterbrochen im schwersten Feuer. Au\u00dferdem waren gut 2000 Mann Ordnungstruppen aufgeboten; sie waren nicht in der Lage, die K\u00e4mpfer zum Schweigen zu bringen. Noch heute w\u00fcrde dort gek\u00e4mpft werden, wenn man die Frauen und Kinder (gegen 2500 an der Zahl) h\u00e4tte abziehen lassen; die Ordnungsbestie des Herrn Dollfu\u00df hielt die Bedauernswerten inmitten des Artilleriefeuers gefangen! Erst als ein Schrei der Emp\u00f6rung durch ganz Wien ging, als auch in b\u00fcrgerlichen Kreisen dieses beispiellos barbarische Verhalten aufs sch\u00e4rfste verurteilt wurde, als die Auslandspresse diese unerh\u00f6rte Lumperei anprangerte, konnten die Wohnungen und Keller ger\u00e4umt werden. Zahllose Opfer sind dort unter den Nichtk\u00e4mpfern zu beklagen. Wieviele Regimenter Schutzbund haben also diesen Bau gehalten und haben sich nicht ergeben und konnten ungehindert abziehen? Acht Mann mit drei Maschinengewehren waren die Besatzung auf dem ber\u00fchmten Mittelturm! Noch Donnerstagmittag, als an den meisten Kampfpl\u00e4tzen Ruhe eintrat, wurde von dort aus geschossen, am Nachmittag war die Besatzung spurlos verschwunden. Hut ab vor solchem Heldentum! Diese drei Maschinengewehre reichten aus, den Eisenbahnverkehr auf der Strecke nach der Tschechoslowakei vollkommen zu unterbinden. Der Bau hat sehr schwer unter dem Feuer gelitten, nur die solide Eisenbeton-Bauweise und die miserable Artillerie haben ihn davor bewahrt, ein Tr\u00fcmmerhaufen zu werden. Das Floridsdorfer Arbeiterheim wurde in Brand geschossen, das Ottakringer Arbeiterheim nach 48st\u00fcndigem schwersten Feuer im Sturm genommen, nachdem zwei Stunden vorher das Feuer unsererseits eingestellt wurde und den St\u00fcrmenden sich niemand entgegenstellte, da die K\u00e4mpfer durch die Kan\u00e4le davongingen. So lie\u00dfen sich in die Hunderte Episoden erz\u00e4hlen und werden einst mit goldenen Lettern in die ruhmvolle Geschichte der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie eingetragen werden. Auch die Provinz hielt sich \u00fcberaus tapfer, voran die steirische Arbeiterschaft des M\u00fcrz- und Murtales. In Kapfenberg und Bruck an der Mur tobten tagelange K\u00e4mpfe; nur die Artillerie vermochte die Stellungen zu ersch\u00fcttern.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Schwere Versager<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Es darf nicht verhehlt werden, da\u00df Wut und Erbitterung die K\u00e4mpfer \u00fcber das Versagen der F\u00fchrung befallen hat. Zahlreiche Wiener Bezirke wurden gar nicht in den Kampf eingesetzt, da sie keine Befehle erhielten. Erst Dienstagabends begann der Verbindungsdienst zu funktionieren und frohe Hoffnung erf\u00fcllte die Parteimitgliedschaft aufs neue, um am Mittwoch eine neue Entt\u00e4uschung zu erfahren. Die Unterf\u00fchrer waren viel zu wenig selbst\u00e4ndig und verlie\u00dfen sich viel zu sehr auf die Befehle des Generalstabes, die aber nicht kommen wollten. Gut 10.000 Mann wurden auf diese Art in Wien nicht in den Kampf eingesetzt und wurden dadurch mutlos und verdrossen. Waffen und Munition gab es &#8211; aber vielfach wurden die Lagerpl\u00e4tze, welche naturgem\u00e4\u00df nur wenigen Leuten bekannt waren, gar nicht gefunden. Von den Provinzkr\u00e4ften, insbesondere des ausgezeichnet organisierten Wiener Neust\u00e4dter Gebietes, welches vor den Toren Wiens liegt, gar nicht zu reden. Dort kam es \u00fcberhaupt zu keinen ernstlichen K\u00e4mpfen, aber leider auch nicht zum dringend notwendigen Entsatze Wiens. Noch Mittwoch fr\u00fch w\u00e4re die Situation zu retten gewesen. Allerdings hat die Regierung ma\u00dfgebende Schutzbundf\u00fchrer einige Tage vorher verhaftet. Der Oberkommandant, Nationalrat Deutsch, und sein Sekret\u00e4r Heinz haben getan, was sie konnten aber es war zu wenig, trotz aller Hingabe und pers\u00f6nlicher Aufopferung. Nicht vergessen darf aber bei einer objektiven W\u00fcrdigung die vollkommene Ersch\u00f6pfung der K\u00e4mpfer werden, welche fast 72 Stunden bei gar keiner oder sehr mangelhafter Verpflegung in der grimmigen K\u00e4lte, ohne auch nur eine Viertelstunde schlafen zu k\u00f6nnen, ausgeharrt haben. Sie haben wirklich bis zum \u00e4u\u00dfersten ihre Pflicht erf\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die L\u00fcgenhetze<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Verschiedene andere Umst\u00e4nde, welche schlie\u00dflich zum Erl\u00f6schen des Kampfes gef\u00fchrt haben, seien noch erw\u00e4hnt: das Radio brachte halbst\u00fcndlich die entstellten Berichte; so da\u00df die F\u00fchrer geflohen w\u00e4ren und die Arbeiterschaft im Stiche lie\u00dfen. In einem Atemzuge wurde aber auch verk\u00fcndet, da\u00df B\u00fcrgermeister Seitz und alle Abgeordneten, Stadtr\u00e4te, Gemeinder\u00e4te, Bezirksvorsteher, Bezirksr\u00e4te und was es sonst noch an \u00f6ffentlichen Funktion\u00e4ren gibt, soweit man sie erwischte, verhaftet wurden. Immerhin trugen diese Nachrichten bei, eine gewisse Mutlosigkeit zu erzeugen; durch das bereits geschilderte Versagen der obersten F\u00fchrung erhielt diese Tatarennachricht einen Schein von Glaubw\u00fcrdigkeit. Einen au\u00dferordentlich geschickten Schachzug machte Dollfu\u00df mit dem bis Donnerstagmittag befristeten Generalpardon, die F\u00fchrer ausgenommen. Donnerstagmittag waren denn auch die Kampfhandlungen (mit Ausnahme des Marxhofes) beendet.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>&quot;Nein, auch die Massen!&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Hat nur die F\u00fchrung versagt? Nein, auch die Massen der Nichtk\u00e4mpfer! Das ist die sehr traurige Wahrheit, wenn man \u00fcber die Durchf\u00fchrung des Generalstreikes reden will. Schon Dienstag funktionierte wieder die Stromversorgung, aber nicht durch technische Nothilfe: die 100prozentig organisierten Arbeiter der Elektrizit\u00e4tswerke standen wieder auf ihren Pl\u00e4tzen; die Stra\u00dfenbahn begann Donnerstag zu fahren, aber nicht aus dem Willen der Streikenden heraus, sondern weil es die Regierung aus strategischen Gr\u00fcnden nicht fr\u00fcher wollte. Die Gro\u00dfbetriebe begannen ebenfalls Donnerstag zu arbeiten. Der Generalstreik &#8209;&nbsp;eigentlich richtiger Teilstreik, denn er erfa\u00dfte nur die Gro\u00dfbetriebe&nbsp;&#8209; war zusammengebrochen und eine alte Lehre wurde aufs neue best\u00e4tigt, da\u00df ein Generalstreik nur dann zum Ziele f\u00fchrt, wenn er innerhalb 24 Stunden durchgreift. Die staatlichen und st\u00e4dtischen Aemter, Post und Telefon, arbeiteten fast normal, desgleichen die Eisenbahnen, sofern nicht der Schutzbund die Bahnh\u00f6fe besetzt und unter Feuer hielt, was bei den meisten Bahnen der Fall war. Gestreikt hat die einst so ber\u00fchmte Elitetruppe der Eisenbahner nicht&nbsp;&#8209; sie allein h\u00e4tte dem Kampfe ein anderes Gesicht geben k\u00f6nnen. Warum hat also die sonst so geschlossene Arbeiterschaft der Streikparole nicht Folge geleistet?<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zwei Gr\u00fcnde liegen vor: 1.&nbsp;Man wartete auf die Parole; 2.&nbsp;Furcht vor Verlust des Arbeitsplatzes. Bei 1. sieht man, was allzugute Disziplin unter Umst\u00e4nden an sch\u00e4dlichen Wirkungen haben kann; 2. in einem Lande mit fast 600.000 Arbeitslosen, also zirka 30 Prozent der arbeitsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung, wo jeder Arbeitsplatz doppelt und dreifach besetzt werden kann, ist die Durchf\u00fchrung eines Streiks nicht mehr Sache der politischen Ueberzeugung, sondern der k\u00fchl abw\u00e4genden Vernunft. Wenn Hunger Weib und Kind bedroht, wenn jahrelange Arbeitslosigkeit mit allen ihren Schrecken drohend aufsteigt, dann wird selbst der radikalste Versammlungsschreier, dem die Parteif\u00fchrung nie radikal genug war, im Ernstfalle besonnen wie ein gelernter Staatsmann. Das ist die bittere Erkenntnis, die viele nicht f\u00fcr wahr halten wollten: Streiks zu f\u00fchren ist in Zeiten normaler Wirtschaft leicht, jedoch doppelt zu \u00fcberlegen bei den derzeitigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen auf der ganzen Erde! Die Lehren, die Oesterreich daraus gezogen hat, m\u00f6gen unsere Freunde wohl beachten, denn sie wurden mit dem Blute Tausender bezahlt.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><b><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>II. Die Schuldfrage<\/span><\/b><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Nach 1918<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Oesterreicher ist ein von Haus aus friedliebender und umg\u00e4nglicher Mensch, der sich nicht gerne in das Getriebe der gro\u00dfen Politik mengt. Er ist zufrieden, wenn er sein materielles Auskommen findet und h\u00e4lt sich im \u00fcbrigen an den alten Wiener Grundsatz &quot;Leben und leben lassen&quot; und &quot;Menschen san ma alle, Fehler hab\u2019n ma jeder gnua (genug).&quot; Zum Unterschiede von seinen reichsdeutschen Stammesbr\u00fcdern ist er weicher, fast m\u00f6chte man sagen, lyrischer gestimmt, vor allem der Wiener. Er ist kein Freund rascher Entscheidungen, neigt eher zu Kompromissen um des lieben Friedens willen. Der Anblick eines mi\u00dfhandelten Tieres kann ihn zur Raserei bringen; und dennoch diese blutigen Tage? Ein innerer Widerspruch tut sich da auf, dem Ausl\u00e4nder, welcher Wien und die Wiener zu kennen glaubt, ganz unverst\u00e4ndlich. Diese Tage waren auch g\u00e4nzlich un\u00f6sterreichisch und auch deren Grundursachen. Um alles zu verstehen, m\u00fc\u00dfte man schon in die Lage des Novemberumsturzes 1918 zur\u00fcckgreifen. Der Oesterreicher wird nie diese Zeit mit &quot;Revolution&quot; bezeichnen und mit Recht; die alten Gewalten der kaiserlichen Monarchie brachen nach dem vierj\u00e4hrigen Morden des Krieges wie ein ausgeh\u00f6hlter Baum von selbst zusammen. Alle b\u00fcrgerlichen Parteien hatten gr\u00fcndlich beim Volke abgewirtschaftet, waren sie doch die Hauptschuldigen, vor allem die Christlichsoziale Partei. Die einzige wirklich vorhandene Macht war die Sozialdemokratie mit ihrer straffen Organisation; ihre entschiedene Kriegsgegnerschaft hatte ihr Sympathie in weitesten Kreisen eingebracht. Alle Macht im Staate fiel uns von selbst zu, die gesamte Exekutive gehorchte bedingungslos den neuen F\u00fchrern. Die Kriegsschuldigen, die Generale, Politiker und Kriegsverdiener verkrochen sich vor dem Zorne des Volkes; die Christlichsoziale Partei, gest\u00fctzt auf die m\u00e4chtige katholische Kirche des katholischen Oesterreich, welche die r\u00fcckst\u00e4ndigen Massen der Gebirgsbauern vollkommen beherrscht, erholte sich am raschesten. Schon die ersten Wahlen des Februar 1919 brachten uns nicht die erhoffte Mehrheit; es war uns eben nicht beschieden, die Riesennot der Kriegszeit mit einem Schlage zu beseitigen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Nach 1920<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>1920 brachte die notwendige Kl\u00e4rung, wir traten aus der Regierung aus und seither regieren im Bunde ausschlie\u00dflich B\u00fcrgerliche! Der Austritt aus der Regierung war eine befreiende Tat und Rettung der Parteieinheit in letzter Minute; die damals hochgehenden kommunistischen Wogen hatten uns bereits hart bedroht. Jede Wahl brachte uns trotz des zu einer Einheitsliste zusammengeschlossenen B\u00fcrgertums neue Erfolge und brachte uns der Mehrheit ziemlich nahe (zuletzt 42 Prozent aller abgegebenen Stimmen). Unsere Position wurde durch die Eroberung des Wiener Rathauses mit stets gr\u00f6\u00dfer werdender [Mehrheit ziemlich nahe (zuletzt 42 Prozent aller abgege&nbsp;<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[33]<\/span><\/span><\/span><\/a>] gebessert; eine musterhafte Finanzverwaltung, die rigorose Erfassung des Besitzes und die Verwendung der Steuergelder zu wahrhaft volkst\u00fcmlicher Aufbauarbeit, man denke nur an die 60.000 erbauten, pr\u00e4chtigen Volkswohnungen, wurde weltbekannt und war den B\u00fcrgerlichen ein Dorn im Auge.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Ausraubung Wiens<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt'><span lang=DE>Seit Jahren bem\u00fchten sich die Zentralstellen, dem roten Wiener Rathause die Einnahmen zu beschneiden und damit die Aufbauarbeit unm\u00f6glich zu machen. Solange es noch ein Parlament gab, waren alle diese Bem\u00fchungen fast erfolglos; mit Riesenschritten ging es ab M\u00e4rz 1933 abw\u00e4rts. Vor Ausbruch der proletarischen Erhebung hatte die Gemeinde Wien mehr als ein Drittel der Einnahmen an die Staatskassen zur Stopfung des riesigen Bundesdefizits begeben m\u00fcssen; dies alles geschah nicht auf Grund eines Gesetzes sondern einer Verordnung aus der Kriegszeit &quot;zur Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit wichtigen Bedarfsartikeln&quot;. Richtiger gesagt: die Gemeinde wurde einfach ausgeraubt.<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal style='line-height:15.0pt'><span lang=DE>[Bundeskommiss\u00e4r nichts anfangen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte style='text-indent:0cm'><span lang=DE>griffe<\/span><span lang=DE>&nbsp;<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[34]<\/span><\/span><\/span><\/a>]<\/span><span lang=DE> auf das von den Arbeitern \u00fcber alles geliebte rote Wien brachte die politischen Leidenschaften bedenklich zum Sieden und war eine der Ursachen des Aufstandes. Doch dar\u00fcber ein andermal.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Ruf nach Gewalt<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als im M\u00e4rz 1933 das Parlament durch einen Gewaltstreich der Regierung am Zusammentritt verhindert und so der Auftakt zu den Fieberereignissen des Jahres 1934 gegeben wurde, scholl immer st\u00fcrmischer der Ruf aus der Arbeiterschaft, die Entscheidung durch die Gewalt der Waffen zu suchen; heute wird behauptet, da\u00df damals die Erhebung siegreich gewesen w\u00e4re. Vieles spricht daf\u00fcr, vieles dagegen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Was daf\u00fcr spricht, ist der Umstand, da\u00df die Staatsexekutive zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht die heutige St\u00e4rke erlangt hatte. Damals gab es nur Polizei, Gendarmerie und Milit\u00e4r als gesetzliche, jene der Heimwehr als ungesetzliche Formationen. Die Gesamtst\u00e4rke in ganz Oesterreich d\u00fcrfte zirka 30-35.000 Mann betragen haben, denen allein in Wien 20.000 gut ausgebildete Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, davon die meisten gediente Soldaten des Krieges, gegen\u00fcberstanden. Die Gesamtst\u00e4rke des Schutzbundes hat man begreiflicherweise nie erfahren; es d\u00fcrften in ganz Oesterreich 60.000 bis 70.000 Mann gewesen sein. Rein ziffernm\u00e4\u00dfig betrachtet, waren wir also zweifellos unter der Voraussetzung \u00fcberlegen, da\u00df der Aufstand in ganz Oesterreich zu gleicher Zeit losbricht. In der Bewaffnung war uns die Exekutive schon durch das Vorhandensein von Artillerie \u00fcberlegen, die auch die wirkliche Entscheidung in diesen K\u00e4mpfen gebracht hatte. Es fehlte aber auch an der notwendigen Bewaffnung; Gewehre und Maschinengewehre waren nur unzul\u00e4nglich vorhanden; auch an Munition fehlte es. Es war also zweifellos richtig, da\u00df die milit\u00e4rischen F\u00fchrer des Schutzbundes, durchweg ehemalige Offiziere, den Zeitpunkt als noch nicht gegeben erachteten und fieberhaft aufr\u00fcsteten; es war allen klar, da\u00df nur ein Wunder oder die R\u00fcckkehr zu verfassungsm\u00e4\u00dfigen Zust\u00e4nden die Austragung des Verfassungskonfliktes ohne Waffengewalt unn\u00f6tig machen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Aber auch schwere politische Bedenken Sprachen zu diesem Zeitpunkte gegen das Losschlagen. Die Nazis, durch die Machtergreifung Hitlers in Deutschland gewaltig in ihrem Selbstgef\u00fchl gesteigert, wuchsen t\u00e4glich und hatten vor allem aus den Mittelschichten kolossalen Zulauf. H\u00e4tten wir uns in einen bewaffneten Konflikt eingelassen, dann h\u00e4tten die Nazis jederzeit als die lachenden Dritten den Kampf f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen. Wer immer gesiegt h\u00e4tte, die Nazis h\u00e4tten ihm um die Fr\u00fcchte des Sieges gebracht. H\u00e4tten wir gesiegt, dann h\u00e4tte Hitler erst recht einen Vorwand zum Einmarsche gehabt; sein Freund Mussolini h\u00e4tte nicht gez\u00f6gert, sich diesem Beispiele anzuschlie\u00dfen; die Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien h\u00e4tten versucht, sich ihren Beuteteil zu sichern. Unabsehbar w\u00e4ren die Folgen dieses Kampfes gewesen, ein neuer Weltbrand h\u00e4tte daraus entstehen k\u00f6nnen. Unseren Lesern wird vielleicht damit klar, welche ungeheure Verantwortung die Parteif\u00fchrer auf sich lasten hatten und welchem Drucke sie ausgesetzt waren. Auf der einen Seite das unzufriedene, hocherregte Proletariat, auf der anderen Seite die immer mehr ins faschistische Fahrwasser geratende Regierung und im R\u00fccken die braune Gefahr! Die vielgeschm\u00e4hten Volksverhetzer haben damals dem Vaterlande wahrlich einen wertvolleren Dienst erwiesen als alle die gro\u00dfmauligen faschistischen Heimatsch\u00fctzer.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der Kurs gegen Rot<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Diese staatsm\u00e4nnische Klugheit wurde uns schlecht gelohnt. Der Kurs gegen Rot wurde trotz der immer drohender werdenden braunen Gefahr immer sch\u00e4rfer; die Regierung, wohl wissend, da\u00df wir uns niemals mit den Nazis gegen sie verb\u00fcnden k\u00f6nnen, n\u00fctzte unsere Zur\u00fcckhaltung in ihrem Kampfe gegen die Braunen in der unversch\u00e4mtesten und undankbarsten Art aus. Ja, eine Zeitlang hatte es den Anschein, als ob es zu einer Koalitionsregierung mit den Braunen kommen w\u00fcrde; nur die allzuhohen Anspr\u00fcche der Nazis machten das Gesch\u00e4ft unm\u00f6glich, Dollfu\u00df und seine Kumpane hatten inzwischen den Wert gutgepolsterter Ministersessel sch\u00e4tzen gelernt. Als nun die Nazis zu offener Gewalt griffen, als es Sprengstoffattentate gab, wurde die Nazipartei verboten. Da sie aber zahlreiche Freunde in der hohen B\u00fcrokratie, in allen Aemtern und vor allem in der Exekutive hat, wurde jede ernstliche Ma\u00dfnahme prompt verraten. Zu Weihnachten und am Beginn des neuen Jahres, als gro\u00dfe Teile des Heimatschutzes in das Lager der Nazis abgewandert waren, schien Dollfu\u00df einen Moment zu Besinnung zu kommen, da\u00df er ohne uns im Kampfe gegen die Nazis verloren w\u00e4re; er hielt eine vern\u00fcnftige Rede. Am n\u00e4chsten Tage hatte er sich eines Besseren besonnen und die Angriffe gegen uns wurden aufs neue versch\u00e4rft. <\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Wettr\u00fcsten<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Der Schutzbund war schon im Fr\u00fchjahr aufgel\u00f6st worden; da\u00df er damit nicht beseitigt wurde, wu\u00dfte die Regierung sehr genau, ebenso war sie von den R\u00fcstungen des Schutzbundes unterrichtet; nur \u00fcber das Ausma\u00df war sie sich im unklaren. Sie traf nun ihrerseits fieberhaft Gegenma\u00dfnahmen. Die Heeresst\u00e4rke wurde vermehrt, es wurde ein Assistenzkorps durch freiwillige Werbung aufgestellt, Arbeitslose wurden zum Eintritt in die Heimwehr mit ganzer Verpflegung und einem Tagessolde aufgefordert und leisteten dem Rufe auch zahlreich Folge; viele gute Parteigenossen waren in dieser Formation, so da\u00df wir \u00fcber alle Vorg\u00e4nge genau unterrichtet waren und anderseits der Kampfeswert dieser Truppe bedenklich herabgesetzt wurde. Herrn Mussolinis Geld war also schlecht angewendet. Die Turnvereine und die sonstigen reaktion\u00e4ren Formationen, wie Frontk\u00e4mpfer, die christlichsozialen Sturmscharen, der Freiheitsbund und zum Schlusse auch die Kriegervereine wurden f\u00fcr das Freiwillige Schutzkorps aufgeboten. Die Kosten zahlte freigebig die Regierung; gro\u00dfe Teile der m\u00fchselig zusammengebrachten Trefferanleihe wurden so zum Fenster hinausgeworfen und damit die M\u00f6glichkeit wirklicher Arbeitsbeschaffung versch\u00fcttet. Mittlerweile stellte die Heimwehr in den ersten Februartagen in allen Bundesl\u00e4ndern ultimative Forderungen rein faschistischer Art; Ausschaltung aller Landtage und Bestellung eines Landesf\u00fchrers, Aufl\u00f6sung aller Parteien, vor allem der sozialdemokratischen, Reinigung der Aemter von allen Staatsfeinden, also Freimachung der Futterkrippe.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Auf Tod und Leben<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Entscheidung dar\u00fcber behielt sich Dollfu\u00df f\u00fcr den 15. Februar vor. Wir wu\u00dften nunmehr: jetzt geht es auf Tod und Leben, die Spannung wuchs ins Unertr\u00e4gliche! Am 11. Februar hielt der b\u00f6se Geist der Regierung, Vizekanzler Fey, eine aufreizende Rede, die darin gipfelte: &quot;Morgen machen wir Ordnung!&quot;. <a name=\"Fey_b_fr\"><\/a>Seine Mannen verstanden ihn sehr richtig<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[35]<\/span><\/span><\/span><\/a>, so ging eine Abteilung Heimwehr bewaffnet gegen das Linzer Parteihaus vor, wo sie mit schwerstem Feuer empfangen wurden. Das Unheil hatte damit begonnen, die weiteren Ereignisse sind bekannt und m\u00fcssen nicht mehr wiederholt werden.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Ursachen der Niederlage<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Eine der Ursachen der Niederlage war der Umstand, da\u00df die Bewegung nicht von Wien aus ihren Anfang genommen hatte; die Vorf\u00e4lle in Linz kamen \u00fcberraschend und mu\u00dften nunmehr auch die Aktion in Wien ausl\u00f6sen. Zahlreiche F\u00fchrer wurden schon in der Vorwoche verhaftet, bis auf General K\u00f6rner, der als Bundesrat, und Nationalrat Deutsch, der als Abgeordneter immun war. Am Beginn des Abwehrkampfes wurde auch General K\u00f6rner in einer Sitzung des Parteivorstandes verhaftet! Dies ist bei einem so erfahrenen Milit\u00e4r wie K\u00f6rner [es ist&nbsp;<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[36]<\/span><\/span><\/span><\/a>] (er war Generalstabschef der Isonzo-Armeen im Weltkriege), das Unfa\u00dfbarste! Im \u00fcbrigen hatte man die politischen F\u00fchrer nicht lange suchen m\u00fcssen; die Prominentesten, mit B\u00fcrgermeister Seitz an der Spitze, wurden alle in dieser historischen Sitzung auf einen Haufen verhaftet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die K\u00e4mpfe spielten sich an der Peripherie ab. Das war ein Fehler. Bei gr\u00f6\u00dferen Massen kann die Artillerie verheerend und demoralisierend wirken. Der Stra\u00dfenkampf in Hunderten von Gruppen w\u00e4re vielleicht richtiger gewesen. Aber es kam \u00fcberhaupt nicht zur Durchf\u00fchrung einer einheitlichen Aktion. Erst am Dienstagabend funktionierte der Nachrichtendienst, als schon in allen Bezirken ungemein verlustreiche Einzelaktionen der entschlossenen Unterf\u00fchrer eingesetzt hatten. Zehn Bezirke mit etwa 10.000 Mann haben nicht einen Schu\u00df abgegeben, man wartete auf Befehle! Diese Kr\u00e4fte h\u00e4tten die Entscheidung schon aus dem Grunde bringen k\u00f6nnen, weil dadurch die Regierungstruppen an vielen Stellen gebunden gewesen w\u00e4ren. So konnte die Regierung ein Aufstandsgebiet nach dem anderen mit gro\u00dfer Kr\u00e4ftezahl niederk\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Provinz, vor allem Steiermark und Ober\u00f6sterreich, allen voran Linz, die rote Stadt Steyr, Kapfenberg, Bruck a. Mur und die Umgebung von Graz, k\u00e4mpften wie die L\u00f6wen. Auf sich allein gestellt, mu\u00dften sie aus dem gleichen Grunde wie die Wiener Arbeiter besiegt werden. Das gr\u00f6\u00dfte Bundesland, Nieder\u00f6sterreich, das rund 12.000 Schutzb\u00fcndler stellen sollte, kam, von unbedeutenden Einzelaktionen abgesehen, \u00fcberhaupt nicht ins Gefecht. Der Landesf\u00fchrer, Abgeordneter P\u00fcchler, wurde einige Tage vorher wegen einer kleinen Rauferei verhaftet. Wien wartete umsonst auf Entsatz.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Das Problem der F\u00fchrung ist nicht blo\u00df eines der Offiziere, sondern noch mehr der Unteroffiziere. Die Unterf\u00fchrer waren durchwegs kriegsgediente Leute; jedoch die wenigsten hatten wirkliche F\u00fchrerqualit\u00e4ten. Es fehlte an Selbst\u00e4ndigkeit, Entschlu\u00dfkraft und Initiative; man wartete immer auf die Befehle, die niemals kommen sollten. Dabei war kein Mangel an Waffen aller Art; Freund und Feind waren von der gl\u00e4nzenden Ausr\u00fcstung mit Maschinengewehren und Handfeuerwaffen sowie Handgranaten \u00fcberrascht. Wir waren da der Exekutive weit \u00fcberlegen. Im rein Technischen h\u00e4tte es geklappt und auch bei den taktischen Uebungen\u2026 Versagt hat auch der Verpflegungsdienst; die K\u00e4mpfer waren oft 72 Stunden ohne einen Bissen E\u00dfwaren, ohne einen warmen Schluck. Dabei herrschte bittere K\u00e4lte, Abl\u00f6sung der abgek\u00e4mpften Truppen gab es nicht, weil keine Verbindung herzustellen war; daher gab es auch keine Minute Schlaf. Die Gefangenen fielen bei der Einlieferung auf der Stelle in tiefen Schlaf. So mu\u00dfte aus vielen Unterlassungss\u00fcnden, aus echt \u00f6sterreichischer Oberfl\u00e4chlichkeit, Schlamperei und Sorglosigkeit heraus eine so heroisch k\u00e4mpfende Arbeiterarmee geschlagen werden. Der Abend des 15. Februar war der bitterste im Leben Zehntausender von Parteigenossen.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Der fromme Miklas<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Noch am Montagmittag, als der Generalstreik einsetzte, schien es, als ob das Aeu\u00dferste vermieden werden k\u00f6nnte. B\u00fcrgerliche Politiker erschienen beim Bundespr\u00e4sidenten Miklas und beschworen ihn um seine Vermittlung; er lehnte rundweg ab! Herr Miklas, Ritter des Christusordens, frommer Katholik, der t\u00e4glich in der Kirche Gott um Beistand anfleht: ein Wort h\u00e4tte gen\u00fcgt, um die Waffen zu senken, um Herrn Dollfu\u00df zur Besinnung zu rufen. Dieses Wort wurde nicht gesprochen; Herr Miklas, Sie Hauptschuldiger an all den Wirren dieses Landes, Sie, der Sie unversch\u00e4mt entgegen Ihrem Eide die Verfassung gebrochen haben, Hundertemale gebrochen haben, Sie, der indirekt das Leben Tausender S\u00f6hne dieses Landes auf dem Gewissen hat: um Ihre Sterbestunde beneide ich sie nicht! Auch Ihr Gott kann Ihnen dieses Verbrechen nicht verzeihen!<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Rache der &quot;Sieger&quot;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Regierung, auf einen raschen Sieg hoffend und die um ihre Freiheit k\u00e4mpfenden Arbeiter als &quot;Verbrecher&quot; beschimpfend, die zu besiegen eine Musikkapelle und ein nasser Fetzen gen\u00fcge, mu\u00dfte es bald billiger geben. Am Mittwochabend erschienen die Gesandten der Gro\u00dfm\u00e4chte bei Dollfu\u00df und verlangten kategorisch, da\u00df mit dem Morden und mit den Standgerichtsurteilen Schlu\u00df gemacht wird; Dollfu\u00df versprach den K\u00e4mpfern &#8209;&nbsp;nicht aber den F\u00fchrern&nbsp;&#8209; Pardon; damit wurde weiteres und nunmehr nach der taktischen Lage auch unn\u00fctzes Blutvergie\u00dfen vermieden. Aber die Ausbeute an gefangenen K\u00e4mpfern war sehr mager; die meisten verzichteten auf die &quot;Gnade&quot; und nahmen die Waffen in die Verstecke wieder mit. Welche schlotternde Angst die Regierung vor der Arbeiterschaft noch immer hat, beweisen die Waffenpr\u00e4mien: f\u00fcr ein Maschinengewehr werden S. 50,- f\u00fcr eine Handfeuerwaffe S. 20,- bezahlt und Straflosigkeit zugesichert. Fieberhaft wird nach den versteckten Depots gesucht, Tag und Nacht werden Hausdurchsuchungen vorgenommen, der Erfolg ist sehr kl\u00e4glich. Um der Welt ihre &quot;St\u00e4rke&quot; zu beweisen, wurde alles, was irgendwie eine h\u00f6here Funktion in der Arbeiterbewegung oder in den Gewerkschaften bekleidet, verhaftet. So alle \u00f6ffentliche Mandatare, die allermeisten Gewerkschaftsf\u00fchrer, Rechtsanw\u00e4lte, Aerzte, ja sogar die Angestellten der Partei. Gegen 100 Arbeiterorganisationen, darunter s\u00e4mtliche Gewerkschaften, alle Kulturvereine welcher Art immer, sogar der Arbeiter-Tierschutzverein, wurden aufgel\u00f6st. Das Verm\u00f6gen soll eingezogen werden, bis auf jenes der Gewerkschaften. Diese sind meist auf versicherungstechnischer Grundlage aufgebaut; ein Raub dieser Gelder w\u00fcrde die kaum geb\u00e4ndigte Arbeiterschaft aufs neue aufbringen. Da wird von Staats wegen vorgesorgt, in welcher Art, ist noch nicht feststehend. Ebenso wurden die Kollektivvertr\u00e4ge durch Notverordnungen verl\u00e4ngert. Die bedeutenden Verm\u00f6genswerte der Partei und Gewerkschaften sind aber schon vor Monaten in den Besitz ausl\u00e4ndischer Arbeiterorganisationen \u00fcbergegangen; der beutehungrige Faschismus wird viele fette Brocken davonschwimmen sehen\u2026 Die ber\u00fchmten Wiener Arbeiterb\u00fcchereien wurden s\u00e4mtlich ausger\u00e4umt und &quot;sichergestellt&quot;, wahrscheinlich will man sorgf\u00e4ltig sichten, ehe man den Arbeiter wieder lesen l\u00e4\u00dft. Arbeiterbl\u00e4tter gibt es nicht mehr, die Zeitungen unter dem Regierungsdrucke bringen nur die der Regierung genehme Nachrichten. Nach den Beschimpfungen des ersten Tages bekamen aber die b\u00fcrgerlichen Bl\u00e4tter doch ein wenig Achtung vor den heldenhaften Gesinnungstreue der Wiener Arbeiterschaft und die Beschimpfungen beschr\u00e4nken sich je nach Konfession auf die &quot;Bonzen&quot; oder &quot;j\u00fcdischen F\u00fchrer&quot;, welche die Masse im Stich gelassen h\u00e4tten. Im gleichen Atem berichtet man, da\u00df mehr als tausend F\u00fchrer, darunter der gesamte Parteivorstand verhaftet ist. Auf den Kommandanten des Schutzbundes, Nat.-Rat Deutsch, richtete sich die Wut und Verleumdung ganz besonders; er w\u00e4re feige ins Ausland geflohen und h\u00e4tte die Truppe im Stich gelassen. Bis offizielle tschechische Beh\u00f6rden mitteilten, da\u00df Deutsch schwer verwundet am Donnerstagabend also nach Schlu\u00df der K\u00e4mpfe in Pre\u00dfburg angekommen sei.<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre4a style='line-height:18.0pt'><span lang=DE style='font-size:16.0pt;font-family:\"Arial\",\"sans-serif\";font-style:normal'>Die Volksstimmung<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Die Bev\u00f6lkerung stand in ihrer erdr\u00fcckenden Mehrheit auf seiten der Arbeiterschaft; auch streng b\u00fcrgerliche Menschen, welche ansonsten f\u00fcr uns nichts \u00fcbrig haben, bewunderten die Gesinnungstreue und den Idealismus der K\u00e4mpfenden. F\u00fcr die Heimwehr hat man sehr wenig \u00fcbrig; es befinden sich sehr zweifelhafte Elemente krimineller Art in ihr. So wurde in den erst\u00fcrmten Gemeindebauten gehaust wie im Feindesland, Kleider und W\u00e4sche zerschnitten, Geschirr zertr\u00fcmmert, alles kurz und klein geschlagen, wo man auch nur ein Seitz-Bild vorfand, ja selbst Kinderspielzeug wurde sinnlos vernichtet. Und dabei haben die Ordnungsst\u00fctzen gestohlen wie die Raben. Ich habe Wohnungen im Karl-Marx-Hof gesehen, die meine Behauptungen beweisen. Auf diese &quot;K\u00e4mpfer&quot; in fremden Taschen braucht sich Herr Dollfu\u00df wahrlich ebensowenig wie auf seine &quot;brave Exekutive&quot; etwas einzubilden. Wehrlose Gefangene bestialisch zu schlagen: das haben nicht einmal die Kosaken im Weltkriege getan. Auch Frauen und Kinder wurden nicht in von der Artillerie beschossenen Geb\u00e4uden gewaltsam und mit vorgehaltenem Gewehr zur\u00fcckgehalten. Dem K\u00e4mpfer hat man den ehrlichen Soldatentod durch Pulver und Blei, nicht den schimpflichen Galgen wie dem Offizier der Feuerwehr, Weissel, gegeben, der sich wie ein Mann verantwortet hat und wie ein Mann gestorben ist, um den selbst B\u00fcrgerliche Tr\u00e4nen vergossen haben. Auch \u00fcber Herrn Dollfu\u00df wird das Blut der Arbeiter kommen; schon rinnen \u00fcber den Plakaten mit seinem Bilde rote Blutspuren, au\u00dferordentlich geschickt gemacht, herab. Auf dem Blatt Papier, das er h\u00e4lt, steht gro\u00df: &quot;Arbeiterm\u00f6rder!&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Um zur gestellten Schuldfrage wieder zur\u00fcckzukommen: nach meinem Daf\u00fcrhalten war das Losschlagen weder von der politischen noch von der milit\u00e4rischen F\u00fchrung am 12. Februar gewollt, wenn auch diese Woche wahrscheinlich die Entscheidung durch die Gewalt der Waffen gebracht h\u00e4tte. Hatte doch die Regierung s\u00e4mtlichen Angeh\u00f6rigen der Brachialformationen eine Woche vorher je S. 100.- ohne weitere Begr\u00fcndung ausbezahlen lassen, was bei dieser absolut angestelltenfeindlichen Regierung unbedingt seinen Grund hatte. Dieser Betrag war Bestechung und Judaslohn zugleich. Zweifellos versagt hat die milit\u00e4rische F\u00fchrung. Inwieweit daran eine Verkettung ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde Ursache des Versagens ist, kann derzeit nicht festgestellt werden. Vieles liegt an der zweiten F\u00fchrergarnitur, welche sich ihrer Stunde nicht gewachsen gezeigt hat. Das Verschulden der politischen F\u00fchrung? Man sagt, die alten Herren der Parteif\u00fchrung waren der politischen Situation nicht gewachsen; ihre allzugro\u00dfe Besonnenheit w\u00e4re ein schwerer Fehler gewesen. Wenn man alles mit den M\u00e4rztagen 1933 r\u00fcckschauend betrachtet, so kann man keine Schuldbeweise finden. Es war richtig gehandelt, die beste taktische Situation abzuwarten, eine Zeit schien es, als ob der Gegner an seinen inneren Streitigkeiten scheitern solle. Der Faschismus wurde eben in Oesterreich auf kaltem Wege erzeugt; das Aufflammen der blutigen Februartage war der letzte Aufschrei der Emp\u00f6rung \u00fcber das verlegte und mit F\u00fc\u00dfen getretene Recht, das man so schn\u00f6de durch die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes vergewaltigt hat. Wenn der Arbeiter sehen mu\u00df, da\u00df ihm auf dem legalen Rechtsboden nirgends mehr Schutz und Hilfe in seinen gerechten Anspr\u00fcchen wird, dann mu\u00df er sein Recht mit der Waffe in der Faust zu erobern suchen. Wenn dies auch diesmal mi\u00dflungen ist, wenn noch einmal die Reaktion st\u00e4rker war und nun versucht, die Rechtsverweigerung zu verewigen: es kommt der Tag, wo das Volk sich seine ewigen Rechte von den Sternen holt, es kommt der Tag, fr\u00fcher, als es sich manche erhoffen und die anderen in Tr\u00e4umen ihres schlechten Gewissens sich mit Schrecken ausmalen: es kommt der Gerichtstag mit den blutbefleckten Schergen der Freiheit! Es wird ein f\u00fcrchterlicher Gerichtstag werden, wo ganze Rechnung f\u00fcr immer und ewig gemacht werden wird!<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=MsoNormal><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div><br clear=all> <\/p>\n<hr align=left size=1 width=\"33%\">\n<div id=edn1>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217046<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn2>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217055<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn3>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Siehe&nbsp;<\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#Ruf_1934_02_11\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn4>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[4]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Der Satz ist fehlerhaft widergegeben. Es mu\u00df hei\u00dfen &quot;keine entscheidenden Ma\u00dfnahmen&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><span lang=DE>Siehe&nbsp;<\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#PT_1934_02_03\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn5>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[5]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#PT_1934_02_03\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn6>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217064<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn7>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[7]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Die Jahreszahl ist falsch Es handelt sich um eine Putschversuch, den der Landesleiter des Steirischen Heimatschutzes, Walter Pfrimer, am 12. und 13. September 1931 unternahm. Er lie\u00df 14.000 Angeh\u00f6rige der Heimwehr mobilisieren und proklamierte die Machtergreifung im Staat. Der Heimatschutz besetzte einen gro\u00dfen Teil der Obersteiermark. Nach Vorbild des italienischen Faschismus als Marsch auf Wien geplant, r\u00fcckten aber nur 600 Mann bis Amstetten vor. Der Putsch brach vor allem wegen der fehlenden Unterst\u00fctzung durch die Heimwehrverb\u00e4nde der anderen Bundesl\u00e4nder zusammen.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn8>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;G\u00f6sting ist der 13. Stadtbezirk der steirischen Landeshauptstadt Graz.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn9>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[9]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217073<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn10>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[10]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Hier eine Zeile in der Quelle unleserlich.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn11>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[11]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;Das Gesetz der Zeit steht im Manifest und im 18. Brumaire!&quot; ist eine Zeile aus einem von Fritz Br\u00fcgel geschriebenen Lied.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><i><span lang=DE>https:\/\/theodorkramer.at\/site\/assets\/files\/1047\/fbr_iv_45.pdf<\/span><\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn12>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[12]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;1927 schrieb Fritz Br\u00fcgel das Lied &quot;Die Arbeiter von Wien&quot; In manchen Liedb\u00fcchern findet es sich auch unter dem Titel &quot;Wir sind das Bauvolk&quot;. <\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>&quot;Bauvolk der kommenden Welt, Euch Arbeiter von Wien!&quot; ist die erste Zeile des Textes.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><i><span lang=DE>https:\/\/genius.com\/Erich-weinert-ensemble-arbeiter-von-wien-annotated<\/span><\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn13>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[13]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217137<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn14>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[14]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;\u2026welche den Ausspruch ihres F\u00fchrers nicht richtig verstanden hatte&quot;&nbsp;: die Formulierung ist unklar. Siehe <\/span><a href=\"#Fey_b\"><span lang=DE>weiter unten<\/span><\/a><span lang=DE>.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn15>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[15]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Die Worte in Klammern [] sind durch einen Setzfehler wiederholt.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn16>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[16]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;So im Original.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn17>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[17]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;<\/span><span lang=DE>Seine Mannen verstanden ihn sehr richtig&quot;&nbsp;: diese Formulierung trifft auf die tats\u00e4chliche Bedeutung der Rede von Fey zu, im Unterschied zu dem was <\/span><a href=\"#Fey_a\"><span lang=DE>weiter oben<\/span><\/a><span lang=DE> steht.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn18>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[18]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;So im Original.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn19>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[19]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217046<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn20>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[20]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217055<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn21>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[21]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Voir <\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#Ruf_1934_02_11\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn22>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[22]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;La phrase est mal retranscrite. <span lang=DE>Il faut lire &quot;keine entscheidenden Ma\u00dfnahmen&quot;.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><span lang=DE>Voir <\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#PT_1934_02_03\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn23>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[23]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<\/span><a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/dokumente-oesterreich-februar-1934-vorgeschichte-de\/#PT_1934_02_03\"><span lang=DE>Dokumente : \u00d6sterreich &#8211; 12. Februar 1934 &#8211; Die unmittelbare Vorgeschichte<\/span><\/a><span lang=DE> .<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn24>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[24]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217064<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn25>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[25]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;La date est erron\u00e9e Il s&rsquo;agit d&rsquo;une tentative de putsch men\u00e9e par le chef r\u00e9gional du Heimatschutz styrien, Walter Pfrimer, les 12 et 13 septembre 1931. Il a fait mobiliser 14.000 membres de la Heimwehr et a proclam\u00e9 la prise du pouvoir dans l&rsquo;\u00c9tat. Le Heimatschutz occupa une grande partie de la Haute-Styrie. Pr\u00e9vue comme une marche sur Vienne, sur le mod\u00e8le du fascisme italien, elle n&rsquo;a cependant avanc\u00e9 que de 600 hommes jusqu&rsquo;\u00e0 Amstetten. Le putsch s&rsquo;est effondr\u00e9 principalement en raison du manque de soutien des associations de d\u00e9fense de la patrie des autres L\u00e4nder.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn26>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[26]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;G\u00f6sting est le 13e arrondissement de Graz, la capitale de la Styrie.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn27>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[27]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217073<\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn28>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[28]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Ici, une ligne illisible dans la source.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn29>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[29]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;Das Gesetz der Zeit steht im Manifest und im 18. <\/span>Brumaire!&quot; est une phrase d&rsquo;une chanson \u00e9crite par Fritz Br\u00fcgel.<\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><i>https:\/\/theodorkramer.at\/site\/assets\/files\/1047\/fbr_iv_45.pdf<\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn30>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[30]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;En 1927, Fritz Br\u00fcgel a \u00e9crit la chanson &quot;Die Arbeiter von Wien&quot; (Les ouvriers de Vienne). Dans certains recueils de chansons, on la trouve \u00e9galement sous le titre \u00ab Wir sind das Bauvolk \u00bb (Nous sommes le peuple de b\u00e2tisseurs). <\/p>\n<p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>&quot;Bauvolk der kommenden Welt, Euch Arbeiter von Wien!&quot; est la premi\u00e8re ligne du texte.<\/span><\/p>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><i><span lang=DE>https:\/\/genius.com\/Erich-weinert-ensemble-arbeiter-von-wien-annotated<\/span><\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn31>\n<p class=MsoEndnoteText align=left style='text-align:left'><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[31]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<i>https:\/\/collections.fes.de\/historische-presse\/periodical\/zoom\/217137<\/i><\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn32>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[32]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;&quot;\u2026welche den Ausspruch ihres F\u00fchrers nicht richtig verstanden hatte&quot;&nbsp;: la formulation n&rsquo;est pas claire. <\/span>Voir <a href=\"#Fey_b\">plus loin<\/a>.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn33>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[33]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Les mots entre parenth\u00e8ses [] sont r\u00e9p\u00e9t\u00e9s en raison d&rsquo;une erreur de composition.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn34>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[34]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Ainsi dans l&rsquo;original.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn35>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[35]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;&quot;Ses hommes l&rsquo;ont tr\u00e8s bien compris&quot; : cette formulation correspond \u00e0 la signification r\u00e9elle du discours de Fey, contrairement \u00e0 ce qui est \u00e9crit <a href=\"#Fey_a\">plus haut<\/a>.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=edn36>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[36]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;<\/span>Ainsi dans l&rsquo;original.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1542\" data-postid=\"1542\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1542 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: F\u00e9vrier 1934 &#8211; Articles dans &quot;Deutsche Freiheit&quot; &nbsp; Deutsche Freiheit. Nummer 37 &#8211; 2. Jahrgang&nbsp;[1] Saarbr\u00fccken, Mittwoch, den 14. Februar 1934 *** Seite 1 *** Freiheitsschlacht der Sozialdemokratie Oesterreichs bewaffnete Arbeiter retten die Ehre und zeigen den Zukunftsweg D. F. Die Sozialdemokratie Oesterreichs k\u00e4mpft. Mit dem politischen Generalstreik nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,36,9],"tags":[],"class_list":["post-1542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article-document","category-autriche-documents","category-francais-document","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}