{"id":1553,"date":"2025-07-27T22:44:40","date_gmt":"2025-07-27T20:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=1553"},"modified":"2026-01-26T00:03:14","modified_gmt":"2026-01-25T23:03:14","slug":"oesterreich-dokumente-deutsch-julius-buergerkrieg-oesterreich-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/oesterreich-dokumente-deutsch-julius-buergerkrieg-oesterreich-fr\/","title":{"rendered":"Dokuments : Julius Deutsch &#8211; Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"\n<div class=WordSection1>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<div align=center>\n<table class=MsoTableGrid border=1 cellspacing=0 cellpadding=0 style='border-collapse:collapse;border:none'>\n<tr>\n<td width=756 valign=top style='width:16.0cm;border:solid windowtext 1.0pt; padding:5.65pt 14.2pt 5.65pt 14.2pt'>\n<p class=Intertitre2 style='margin:0cm;margin-bottom:.0001pt'>Autriche 1918 &#8211; 1945<br \/> Documents&nbsp;:<br \/> <span lang=DE>Julius Deutsch &#8211; Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich<\/span><br \/> (La guerre civile en Autriche)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><\/div>\n<p class=MsoNormal align=center style='text-align:center'><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Intertitre2a><span lang=DE>Julius Deutsch&nbsp;: Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich<\/span><span lang=DE style='font-weight:normal'> (Extrait)&nbsp;<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;letter-spacing: 1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Als am Morgen des 12. Februar 1934, es war ein Montag, die Arbeiter Wiens in die Betriebe gingen, flogen wilde, aufregende Ger\u00fcchte durch die Stadt. Man erz\u00e4hlte sich, da\u00df tags vorher s\u00e4mtliche Bezirksf\u00fchrer des aufgel\u00f6sten republikanischen Schutzbundes verhaftet worden seien und da\u00df eben jetzt gro\u00dfe Waffensuchen in proletarischen Bezirken im Gange w\u00e4ren. Beide Nachrichten erwiesen sich als richtig.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Daraufhin wollten die Arbeiter einiger Gro\u00dfbetriebe die Arbeit sofort einstellen. Nur mit gro\u00dfer M\u00fche gelang es den Betriebsr\u00e4ten, die Arbeiter von diesem Schritte abzuhalten und den Ausbruch des Streiks f\u00fcrs erste zu verhindern.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>W\u00e4hrend aber noch \u00fcber die Wiener Ereignisse verhandelt wurde, platzte pl\u00f6tzlich eine neue Nachricht herein, die wie ein in ein Pulverfa\u00df geschleuderter Funke wirkte, die Nachricht : In Linz wird geschossen!<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Was war geschehen? Eine Abteilung Polizei und Bundesheer war in das Linzer Parteihaus, das &quot;Hotel Schiff&quot;, eingedrungen, um dort nach Waffen zu suchen. Die im Parteihaus anwesenden Schutzb\u00fcndler widersetzten sich; es kam zu einem blutigen Zusammensto\u00df. Die ersten Todesopfer fielen. <a name=\"DBO_a_fr\"><\/a>Nun gab es kein Halten mehr. Den K\u00e4mpfen im &quot;Hotel Schiff&quot; folgten Zusammenst\u00f6\u00dfe in der ganzen Stadt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wien wurde von den Linzer Ereignissen telephonisch verst\u00e4ndigt. Zwischen den Arbeitern der beiden St\u00e4dte hat es seit jeher eine enge Verbindung gegeben, und so war es nur selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df die Linzer ihre Wiener Genossen sofort von dem, was geschehen war, in Kenntnis setzten. Dies um so mehr, als in den dem 12. Februar vorangegangenen Tagen wiederholt Besprechungen zwischen Wiener und Linzer Vertrauensm\u00e4nnern stattgefunden hatten, die sich mit der Abwehr der fortgesetzten Provokationen und Verfolgungen durch die Regierung besch\u00e4ftigten. Die Linzer Vertrauensm\u00e4nner berichteten \u00fcber die Stimmung in den Kreisen der ober\u00f6sterreichischen Arbeiter, die das &quot;Bremsen&quot; der Parteileitung nicht mehr verst\u00fcnden. Immer wieder sagten sie, da\u00df beim n\u00e4chsten Angriff der Regierung die Arbeiterschaft nicht mehr zu halten sein w\u00fcrde. Ob nun die Parteileitung wolle oder nicht, werde es zu einem Zusammensto\u00df kommen, weil die Ma\u00dfnahmen der Regierung darauf angelegt seien, ihn herbeizuzwingen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nun war es tats\u00e4chlich zu dieser Situation gekommen, die Lawine war im Rollen und nichts vermochte sie aufzuhalten. Ob nun die Arbeiterschaft eine noch gr\u00f6\u00dfere Lammsgeduld bewiesen oder ob der Parteivorstand noch energischer &quot;gebremst&quot; h\u00e4tte\u00a0\u00a0 das alles vermochte die Entwicklung, die durch die Ma\u00dfnahmen der Regierung zwangsl\u00e4ufig gegeben war, nicht zu \u00e4ndern. Jetzt galt es, aus der der \u00f6sterreichischen Arbeiterklasse aufgezwungenen Lage die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, mochten daraus welche Folgen immer entstehen.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>F\u00fcr das Ehrgef\u00fchl der Wiener Arbeiter war es schlechthin untragbar, ihre Linzer Genossen, die wahrlich nicht durch eigene Schuld in einen tragischen Konflikt verwickelt waren, im Stiche zu lassen. Abgesehen von dem moralischen Moment der Treue, die zu halten sich die Wiener Arbeiter verpflichtet f\u00fchlten, mu\u00dfte sie auch eine k\u00fchl abw\u00e4gende, verstandesm\u00e4\u00dfige Ueberlegung an die Seite der Linzer Genossen f\u00fchren. Jeder Wiener Arbeiter wu\u00dfte, da\u00df die blutige Niederwerfung der Linzer eine r\u00fccksichtslose Strafexpedition im ganzen Bundesgebiet der Republik zur Folge haben w\u00fcrde. War Linz von der Soldateska geschlagen, dann kamen unweigerlich die anderen St\u00e4dte daran. So war denn das Geschick des \u00f6sterreichischen Proletariats untrennbar mit dem der Linzer Arbeiter verkn\u00fcpft.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Ein Betrieb in Wien nach dem anderen stellte die Arbeit ein. Licht und Stra\u00dfenbahn funktionierten nicht, auch das st\u00e4dtische Gaswerk stellte den Betrieb ein, der Generalstreik war da. Die Mitglieder des ehemaligen Republikanischen Schutzbundes sammelten sich an den ihnen f\u00fcr den Fall eines Generalstreikes angewiesenen Sammelpl\u00e4tzen. Noch waren sie nicht bewaffnet. Sie standen abwartend, lie\u00dfen den Generalstreik, die wirtschaftliche Kampfma\u00dfnahme der Arbeiterklasse, seine Wirkung tun und warteten. Wieder war es die Regierung, die den Stein ins Rollen brachte.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>In der aufs \u00e4u\u00dferste gespannten Situation, in der es jedem Menschen klar war, da\u00df die kleinste Unvorsichtigkeit zur Katastrophe f\u00fchren mu\u00dfte, fuhr die Regierung mit brutaler Faust drein. Sie setzte Polizei gegen die Streikenden in Bewegung.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Auch jetzt noch versuchten sozialdemokratische Abgeordnete zu vermitteln. Der Landeshauptmannstellvertreter von Nieder\u00f6sterreich, Oskar Helmer, wandte sich an den christlichsozialen Landeshauptmann Josef Reither und beschwor ihn, in letzter Stunde einen Versuch zu friedlicher Bereinigung des Konfliktes zu machen. Reither tat es, er wandte sich pers\u00f6nlich an den Bundeskanzler und an den Bundespr\u00e4sidenten. An dem Starrsinn der Regierung scheiterte aber auch dieser letzte Rettungsversuch. Das Verh\u00e4ngnis nahm seinen Lauf. Noch bevor es in Wien zu irgend einer Gewaltma\u00dfnahme gekommen war, verh\u00e4ngte die Regierung \u00fcber die Stadt das Standrecht. In der amtlichen Publikation, die am Montag, den 12. Februar, nachmittags erschien, hei\u00dft es : &quot;In Wien haben Teile der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter der st\u00e4dtischen Elektrizit\u00e4tswerke die Arbeit niedergelegt. Deshalb wurde auch in Wien das Standrecht verh\u00e4ngt. Die Bundesregierung hat unter Bereitstellung des gesamten Machtapparates alle Ma\u00dfnahmen getroffen, um diese planm\u00e4\u00dfigen verbrecherischen Anschl\u00e4ge bolschewikischer Elemente im Keime zu ersticken.&quot; Aus dieser amtlichen Verlautbarung ist der Verlauf der Ereignisse mit voller Deutlichkeit zu erkennen. Die Regierung war es, die zum Angriff \u00fcberging. Sie beantwortete einen blo\u00dfen Streik mit der Verh\u00e4ngung des Standrechtes! Man vergegenw\u00e4rtige sich, um die Frevelhaftigkeit dieses Beginnens in seiner ganzen Gr\u00f6\u00dfe zu ermessen, da\u00df am gleichen Tage auch in Frankreich ein Generalstreik durchgef\u00fchrt wurde, ohne da\u00df die franz\u00f6sische Regierung deshalb gleich das Standrecht proklamiert h\u00e4tte. Dabei war nach den Behauptungen der \u00f6sterreichischen Regierung der Streik in Wien gar kein vollst\u00e4ndiger, sondern wie man amtlicherseits immer wieder versicherte\u00a0\u00a0 nur ein Teilstreik. Wenn dem so war, wozu also die sofortige Verh\u00e4ngung des Standrechtes? Es war offenbar, da\u00df Dollfu\u00df und Fey den Streik als eine Gelegenheit erachteten, um nun, wie Fey sich ausdr\u00fcckte, &quot;ganze Arbeit&quot; zu tun. Dieser Absicht entsprachen die weiteren, sofort eingeleiteten Ma\u00dfnahmen der Regierung. Schon in den ersten Nachmittagsstunden begann die Polizei mit der Verhaftung aller sozialdemokratischen Mandatare, derer sie habhaft werden konnte. Nationalr\u00e4te, Bundesr\u00e4te, Stadtr\u00e4te und andere Gemeindefunktion\u00e4re wanderten ins Polizeigefangenenhaus. Das Rathaus wurde von Milit\u00e4r umstellt und alsbald auch der B\u00fcrgermeister Karl Seitz gewaltsam aus seiner Kanzlei geschleppt.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Nicht nur in Wien, sondern im ganzen Gebiete der Republik erfolgte gleichzeitig die Verhaftung aller Mandatare. Selbst in den entlegensten Orten wurden schon zwischen ein und zwei Uhr mittags die Abgeordneten festgenommen. Was ein weiterer Beweis daf\u00fcr ist, da\u00df die Regierung den Schlag vorbereitet hatte. Es wurde zum Beispiel in Dornbirn in Vorarlberg, wo es \u00fcberhaupt zu keinem Streik und auch zu keiner anderen Aktion der Arbeiter gekommen war, der dortige Hauptvertrauensmann, Bundesrat Anton Linder, um 13 Uhr 50 von der Gendarmerie aus seiner Wohnung geholt. Mit ihm auch alle anderen Funktion\u00e4re der Arbeiterbewegung Vorarlbergs.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Wohlgemerkt, bevor noch ein Schu\u00df in Wien gefallen war, auf die blo\u00dfe Ank\u00fcndigung des Generalstreiks hin, setzte die Regierung mit den sch\u00e4rfsten Repressalien ein, mit der Verh\u00e4ngung des Standrechtes und der Verhaftung der Vertrauensm\u00e4nner im ganzen Bundesgebiet.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>Zugleich r\u00fcckten Milit\u00e4r- und Polizeiabteilungen, bis an die Z\u00e4hne bewaffnet, in die Wiener Vorst\u00e4dte ein. Ueberall, wo die Polizei Schutzb\u00fcndler vermutete, wurden die H\u00e4user umstellt. Die Exekutivorgane drangen ein, suchten die Schutzb\u00fcndler zu verjagen, wobei von der Waffe r\u00fccksichtslos Gebrauch gemacht wurde. Die Schutzb\u00fcndler setzten sich zur Wehr, die ersten Sch\u00fcsse fielen. Das blutige Ringen begann.<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=Texte><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div><br clear=all> <\/p>\n<hr align=left size=1 width=\"33%\">\n<div id=edn1>\n<p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Julius Deutsch, Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich &#8211; eine Darstellung von Mitk\u00e4mpfern und Augenzeugen; Karlsbad, Verlagsanstalt Graphia, 1934; S.&nbsp;26.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1553\" data-postid=\"1553\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1553 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Autriche 1918 &#8211; 1945 Documents&nbsp;: Julius Deutsch &#8211; Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich (La guerre civile en Autriche) &nbsp; Julius Deutsch&nbsp;: Der B\u00fcrgerkrieg in \u00d6sterreich (Extrait)&nbsp;[1] Als am Morgen des 12. 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