{"id":419,"date":"2024-10-31T19:05:14","date_gmt":"2024-10-31T18:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/?p=419"},"modified":"2024-12-10T00:19:14","modified_gmt":"2024-12-09T23:19:14","slug":"autriche-fevrier-1934-resistance-fascisme-extraits-documents","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/autriche-fevrier-1934-resistance-fascisme-extraits-documents\/","title":{"rendered":"Autriche, f\u00e9vrier 1934 Un jalon dans la r\u00e9sistance contre le fascisme &#8211; Extraits des documents"},"content":{"rendered":"<div class=WordSection1><p class=Texte align=left style='margin-bottom:0cm;margin-bottom:.0001pt; text-align:left;text-indent:0cm;line-height:3.0pt'><span style='font-size:3.0pt; color:white'><!--more --><\/span><\/p><p class=rocmlIntertitre2art style='margin-top:0cm'><\/p><p class=rocmlIntertitre2art>Autriche, f\u00e9vrier 1934<br> Un jalon dans la r\u00e9sistance contre le fascisme&nbsp;<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\" title=\"\"><span style='font-weight:normal'><span style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\";letter-spacing:1.0pt'>[1]<\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Intertitre2 style='margin-top:0cm'><span style='font-weight:normal'>Extraits des documents cit\u00e9s dans le texte associ\u00e9 (<a href=\"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/autriche-fevrier-1934-resistance-fascisme\/\">&#9658;<\/a>),<br> reproduits selon les sources d&rsquo;origine<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Otto Bauer: Rede auf dem Parteitag de SDAPD\u00d6, 1927&nbsp;<\/span><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\";letter-spacing:1.0pt'>[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unsere andre Aufgabe besteht darin, da\u00df wir die Arbeiterklasse selbst m\u00f6glichst kampff\u00e4hig, m\u00f6glichst widerstandsf\u00e4hig machen m\u00fcssen gegen die Gefahren, die uns heute drohen. Dazu ist verschiedenes notwendig. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich eines sagen: Jeder Arbeiter und jede noch so kleine Arbeiterorganisation mu\u00df heute verstehen, da\u00df wir durch eine gewisse Gefahrenzone hindurchgehen und da\u00df wir der Gefahren, die uns drohen, uns nur erwehren k\u00f6nnen durch eine versch\u00e4rfte, verst\u00e4rkte, gestraffte Disziplin.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es unterliegt f\u00fcr mich keinem Zweifel, da\u00df der Faschismus ein Interesse daran hat, uns zu neuen gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen zu provozieren, uns vor die Gewehre und Karabiner der Polizei, der Gendarmerie und des Heeres zu locken. Das stellt uns vor allem die Aufgabe, nicht in die Falle zu laufen, die man uns stellt. Der Faschismus wird aber auch alles daransetzen, das Streikrecht der \u00f6ffentlichen Angestellten umzubringen. Jeder Streik in einem lebensnotwendigen Betrieb schlie\u00dft heute die Gefahr einer Einmengung der Faschisten in der einen oder andern Form ein, die dann die ganze Arbeiterklasse zu einem Abwehrkampf auf Leben und Tod zwingen k\u00f6nnte. Es ist ganz klar, da\u00df das besondere Vorsicht im gewerkschaftlichen Kampfe erfordert. Wenn wir diese Gefahrenzone passieren wollen, so haben wir vor allem zwei Gedanken jedem Arbeiter einzupr\u00e4gen. Der eine ist: Keine Demonstrationen, die zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen f\u00fchren k\u00f6nnen, ohne ausdr\u00fccklichen Beschlu\u00df der Gesamtheit. Der andre ist: Kein Streik in lebensnotwendigen Betrieben ohne Einverst\u00e4ndnis der gewerkschaftlichen Gesamtorganisationen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, wir nehmen dem Faschismus seine wichtigste Gelegenheit weg, wenn wir imstande sind, die politische, die gewerkschaftliche Disziplin mit solcher Strenge durchzuf\u00fchren. Eine zweite Aufgabe, die vor uns steht, ist folgende: Es ist in den letzten Wochen von Renner und andern Genossen die Frage aufgeworfen worden, ob Osterreich nach einer inneren Abr\u00fcstung, nach einer gegenseitigen Abr\u00fcstung der Parteien streben soll. Neu ist das Problem nicht. Es ist vor kurzem erst vom Genossen Deutsch auf der Reichskonferenz des Schutzbundes daran erinnert worden, da\u00df wir schon vor dem 15.&nbsp;Juli<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[3]<\/span><\/span><\/span><\/a> im Parlament gesagt haben, wenn die Gegner ernsthaft \u00fcber eine innere Abr\u00fcstung verhandeln wollen, wir sind dazu bereit. Wir haben in den Revolutionsjahren einerseits unserem Heer eine Organisation gegeben, die uns vor reaktion\u00e4ren Gefahren sch\u00fctzen sollte, und wir haben anderseits unsere Ordnerorganisation aufgestellt, aus welcher dann sp\u00e4ter der Republikanische Schutzbund hervorgegangen ist. Das waren historische Notwendigkeiten dieser Zeit der Revolution, um uns gegen monarchistische und sp\u00e4ter gegen faschistische Gefahren zu sch\u00fctzen. Ich gebe zu, da\u00df es in einer ge\u00e4nderten historischen Situation sehr wohl m\u00f6glich und zweckm\u00e4\u00dfig sein kann, die Wehrpolitik, die wir damals begr\u00fcndet haben, zu revidieren. Ich gebe zu, da\u00df unter Umst\u00e4nden auch eine innere Abr\u00fcstung ein Mittel zum Schutz der Republik und der Arbeiterklasse gegen drohende Gefahren sein k\u00f6nnte. Ich lehne also ein Streben nach einem Abr\u00fcstungsabkommen durchaus nicht unbedingt ab. Klar und einleuchtend ist nur: Eine Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Abr\u00fcstung setzt einen verst\u00e4ndigungsbereiten, verst\u00e4ndigungswilligen und verst\u00e4ndigungsreifen Gegner voraus. Niemand kann glauben, da\u00df die Regierung Seipel heute ein solcher Gegner w\u00e4re.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Deswegen halte ich es nicht f\u00fcr n\u00fctzlich, wenn man von Abr\u00fcstung redet, weil das die Tatkraft unserer Genossen auf Gebieten verkleinern k\u00f6nnte, auf denen wir diese Tatkraft leider noch nicht entbehren k\u00f6nnten. Ich glaube, wir m\u00fcssen von dieser Stelle aus unseren Genossen im Republikanischen Schutzbund sagen: Wir erwarten, da\u00df sie im Bewu\u00dftsein ihrer gro\u00dfen, schicksalsschweren, wesentlich vergr\u00f6\u00dferten Verantwortung ihre Arbeit fortsetzen, da\u00df wir aber auch hinzusetzen, da\u00df die Partei noch mehr als fr\u00fcher die Pflicht empfindet, dem Republikanischen Schutzbund bei seiner Arbeit zu helfen. Ich halte es aber auch f\u00fcr unsere Pflicht, da\u00df wir von dieser Stelle aus unseren Genossen in den Kasernen, welche all die Jahre einen immer schwerer werdenden Kampf gegen ein ganz infames System des Terrors und der Korruption im Geiste wahrer proletarischer Selbstaufopferung gef\u00fchrt haben, f\u00fcr diesen Kampf danken, ihnen sagen, was wir von ihnen erwarten, da\u00df sie auch weiterhin jede Position mit der gleichen Z\u00e4higkeit und Opferwilligkeit wie bisher verteidigen werden, so lange, bis wir ihnen von politischer Seite aus Entsatz zu bringen imstande sein werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber so wichtig, Genossen, auch all das ist, das Wichtigste ist es nicht. Das Wichtigste, um uns wirklich in unserer Kampff\u00e4higkeit zu st\u00e4rken gegen alle Gefahren, d\u00fcnkt mir dies: die Arbeiterschaft in einem geistigen und moralischen Zustand h\u00f6chster Kampff\u00e4higkeit zu erhalten. Dazu scheint es mir allerdings notwendig zu sein, einiges mit gr\u00f6\u00dfter Deutlichkeit zu sagen, zur Warnung vor sehr gef\u00e4hrlichen Gedankeng\u00e4ngen, die in den letzten Monaten und Wochen in der Partei entstanden sind. Wir haben nach dem 15.&nbsp;Juli manche Genossen kritisieren geh\u00f6rt, unsere \u201cDiktion\u201d, unsere Redeweise, die Schreibweise der Arbeiter-Zeitung, die ganze Art, wie wir sprechen und schreiben, habe den Machtwillen der Arbeiterschaft \u00fcbersteigert, die Arbeiterschaft zu Machtillusionen verleitet, habe zur Folge gehabt, da\u00df innerhalb der Arbeiterschaft sich romantischer Glaube an die Gewalt erhalten habe. Und man sagt uns: All das sei mitschuldig an der Explosion des 15.&nbsp;Juli, und anderseits habe all das die Gewaltromantik auf der andern Seite, den Faschismus, gen\u00e4hrt und gesteigert. Die Genossen, die so sprechen, haben uns gesagt, es sei h\u00f6chste Zeit, da\u00df wir die Arbeiterschaft von den Illusionen und von der Romantik zur N\u00fcchternheit des demokratischen Kampfes zur\u00fcckf\u00fchren, und diejenigen Arbeiter, die eben nicht imstande seien, romantischen Illusionen zu entsagen und sich in die n\u00fcchternen Kampfmethoden der Demokratie zu finden, diese Arbeiter, so hat man uns empfohlen, m\u00f6gen wir ruhig zu den Kommunisten gehen lassen. Der Genosse Trebitsch war nicht der erste, der diesen Gedankengang ausgesprochen hat, aber er hat ihm in seiner Brosch\u00fcre \u00fcber den 15.&nbsp;Juli und seine Lehren<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[4]<\/span><\/span><\/span><\/a> einen besonders eindrucksvollen und f\u00fcr mich besonders anfechtbaren Ausdruck gegeben. Denn, Genossen, hier stehen wir vor einer Gefahr, die viel gr\u00f6\u00dfer ist als die Gefahr aller Koalitionsvorschl\u00e4ge, vor der Gefahr, da\u00df einige Genossen in einer Stunde des Kleinmuts an das greifen, was dem gro\u00dfen K\u00f6rper unserer Partei \u00fcberhaupt erst Leben gibt, n\u00e4mlich an die Seele des Sozialismus.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Den Willen zur Macht, sagt man uns, h\u00e4tten wir zu sehr geweckt! Es waren viel gr\u00f6\u00dfere M\u00e4chte als wir, die den Willen zur Macht in den Arbeitermassen nicht nur \u00d6sterreichs, sondern der ganzen Welt geweckt haben. Diese Arbeiterklasse, die im Kriege gesehen hat, was die Macht der Bourgeoisie bedeutet hat, die in der Revolution sich der Macht, ihrer Macht, greifbar nahe geglaubt hat, diese Arbeiterklasse, die in der Folge das berauschend gro\u00dfe Schauspiel der russischen Revolution erlebt hat, sie ist nat\u00fcrlich erf\u00fcllt worden von einem starken Drange zur Macht. Und was ist geschehen? Die Arbeiterklasse stie\u00df auf die bittere Tatsache, da\u00df die Demokratie die von der Arbeiterklasse erk\u00e4mpfte, die von der Arbeiterklasse der Bourgeoisie aufgezwungene Demokratie, sich nach einem kurzen Zwischenspiel in ein Machtinstrument der Bourgeoisie verwandelt hat. So sind viele Arbeiter in allen L\u00e4ndern an der Demokratie irre geworden, so ist der gro\u00dfe Zwiespalt zwischen demokratischen und bolschewistischen Methoden in der Arbeiterklasse aufgerissen worden, der die Arbeiter so vieler L\u00e4nder verh\u00e4ngnisvoll gespalten hat. Uns in \u00d6sterreich ist es gelungen, uns das zu ersparen. Wir haben die Einheit, das kostbarste Gut der Arbeiterbewegung, wir haben das gro\u00dfe Erbe von Hainfeld in dieser Zeit bewahrt, in der die Arbeiterparteien anderer L\u00e4nder gespalten und zersplittert worden sind. Warum ist uns das gelungen? Aus vielen Gr\u00fcnden, aber auch aus folgendem Grunde: Hier in \u00d6sterreich ist es uns gelungen, die Arbeiter zu \u00fcberzeugen, da\u00df sie nicht in fernen Zeiten, sondern in dieser Generation die Staatsmacht erobern k\u00f6nnen, auf dem Boden der Demokratie und mit den Mitteln der Demokratie, wenn wir nur einig bleiben, und wenn wir nur die demokratischen Kampfmittel zu verteidigen entschlossen bleiben. Wenn ich nach der vorletzten Wahl den \u00f6sterreichischen Arbeitern zu sagen gewagt habe: Noch dreihunderttausend oder dreihundert- f\u00fcnfzigtausend Stimmen und ihr habt die Macht, wenn ihr wollt, so m\u00f6gen heute Neunmalweise dar\u00fcber spotten, in Wirklichkeit ist diese Zahl nichts andres als der schlagwortm\u00e4\u00dfige Ausdruck des Gedankens: Ihr k\u00f6nnt auf dem Boden der Demokratie mit den Mitteln der Demokratie siegen, wenn ihr wollt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da\u00df uns das gelungen ist, die \u00f6sterreichischen Arbeiter davon zu \u00fcberzeugen, das d\u00fcnkt mir zun\u00e4chst einmal auch eine Leistung f\u00fcr die Demokratie, in einer Zeit, in der die Arbeiter andrer L\u00e4nder an der Demokratie so irre geworden sind, eine vielleicht doch etwas gr\u00f6\u00dfere Leistung als gewisse demokratische Trakt\u00e4tlein. Aber vor allem war es f\u00fcr uns eine Leistung f\u00fcr die Arbeiterklasse, denn damit haben wir verh\u00fctet, da\u00df der Streit um Demokratie und Gewalt auch hier die Arbeiter spalte, auch hier die Arbeiterpartei zerrei\u00dfe in feindliche Lager. Es gibt Genossen, die dieses Gut der Einheit der Arbeiterbewegung in \u00d6sterreich als etwas so Selbstverst\u00e4ndliches genie\u00dfen, da\u00df sie nicht mehr zu begreifen scheinen, welch entsetzliche Katastrophe es w\u00e4re, wenn man so in aller Ruhe, wie man uns empfiehlt, die Arbeiterklasse sich spalten lie\u00dfe.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Da gibt es Genossen, die sagen: &quot;La\u00dft die halbkommunistischen Wildlinge zu den Kommunisten hin\u00fcbergehen. Wir werden dann um so ungest\u00f6rter unsere sch\u00f6pferische Reformarbeit fortsetzen.&quot; Glauben Sie das ja nicht! Sie werden dann keine Reformarbeit mehr fortzusetzen haben! Stellen Sie sich doch vor, wenn die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft so gespalten w\u00e4re, wie es die reichs- deutsche oder die tschechoslowakische ist: Es g\u00e4be ja dann kaum noch in einer Industriegemeinde eine verwaltungsf\u00e4hige sozialistische Mehrheit! Wie das w\u00e4re, wenn in jedem Gemeindebetrieb Sozialisten und Kommunisten um die Arbeiterschaft ringen w\u00fcrden: Es g\u00e4be keine M\u00f6glichkeit mehr f\u00fcr eine erfolgreiche Gemeindeverwaltung! Dieses rote Wien, das nicht nur in ganz \u00d6sterreich, sondern in der ganzen Welt f\u00fcr den Sozialismus wirbt, das nicht nur unser Stolz ist, sondern ein Stolz der ganzen Internationale, es w\u00fcrde nicht existieren an dem Tage, wo wir leichtfertig die \u00f6sterreichische Arbeiterschaft sich spalten lie\u00dfen!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen! Der marxistische Sozialismus ist die Synthese eines n\u00fcchternen Realismus, der die kapitalistische Welt so sieht, wie sie ist, und keine Illusionen zul\u00e4\u00dft \u00fcber das, was die Arbeiterbewegung innerhalb der kapitalistischen Welt erreichen kann, mit einem revolution\u00e4ren Enthusiasmus, der alle Teilbewegungen der Arbeiterklasse, denen der Kapitalismus so enge Schranken setzt, einm\u00fcnden l\u00e4\u00dft in den Kampf um die Aufhebung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, um die Gr\u00fcndung einer neuen Gesellschaft, Kultur, einer neuen Menschheit.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Diese gro\u00dfe Synthese, die geht \u00fcberall dort verloren, wo die Arbeiterklasse gespalten ist. Wo die Arbeiterschaft zerrissen ist, treten die Gegens\u00e4tze, die eben in der marxistischen Synthese aufgehoben sind, einander wieder unvermittelt gegen\u00fcber: auf der einen Seite eine Arbeiterpartei voll von revolution\u00e4rem Schwung, aber ohne jede F\u00e4higkeit, die Welt n\u00fcchtern zu sehen, auf der andern Seite eine Arbeiterpartei voll von n\u00fcchternem, verantwortungsbewu\u00dftem Realismus, aber ohne revolution\u00e4ren Enthusiasmus und damit ohne den gro\u00dfen Schwung, der die Arbeiterschaft begeistert und die Jugend an der Arbeiterpartei festh\u00e4lt. Sehen Sie, den Genossen, die so leichthin sagen, man k\u00f6nnte auch hier eine Spaltung riskieren, denen m\u00f6chte ich sagen, was ich sooft gegen die Kommunisten gesagt habe: Hundertmal lieber einen falschen Weg einig gehen \u2014 denn Fehler kann man dann wieder korrigieren&nbsp;&#8209; als um des rechten Weges willen uns spalten.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Genossen, denken wir doch an diese \u00f6sterreichische Arbeiterschaft, was sie erlebt hat und wie sie ist: Sie ist hindurchgegangen durch Krieg und Blockade, durch Inflation und Teuerung, hindurchgegangen durch die Stabilisierungskrise mit Arbeitslosigkeit und Lohndruck, sie hat L\u00f6hne, die halb so hoch sind wie die L\u00f6hne der Arbeiter in den andern Industriestaaten, sie leidet unter einer Arbeitslosigkeit von unvergleichlicher Gr\u00f6\u00dfe. Und da kommt man uns und klagt uns an: &quot;Ja, eure Denkweise, eure Redeweise, eure Ideologie, sie hat diese Menschen verleitet, sich von der Leidenschaft einmal hinrei\u00dfen zu lassen!&quot;<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir d\u00fcrfen stolz sein auf den n\u00fcchternen Realismus einer Ideologie, die zwar nicht verh\u00fcten konnte, da\u00df ein paar Tausend Menschen einmal in diesen Jahren von wilder, begreiflicher Leidenschaft \u00fcbermannt worden sind, die aber doch diese Massen so erzogen hat, da\u00df sie diese ganzen Jahre trotz all der ungeheuren Not ihre Kraft nicht vergeudet haben in wilden Zornesexplosionen, sondern sie verwendet haben im planm\u00e4\u00dfigen, organisierten, zielbewu\u00dften, sozialdemokratischen Kampf. Wir wollen noch mehr stolz sein auf den revolution\u00e4ren Enthusiasmus einer Ideologie, die die Massen, die furchtbarste Entt\u00e4uschungen immer wieder erlebt haben, nicht in Kleinmut, in Indifferenz hat verfallen lassen, sondern indem sie ihnen die Eroberung der Macht auf dem Boden der Demokratie als ein greifbares Ziel aufgezeigt hat, ihre Begeisterung und ihre Tatkraft geweckt hat und ihren Willen zur Organisation und zur politischen Arbeit aufs h\u00f6chste gesteigert hat. Und die, was vielleicht andern Arbeiterparteien nicht so gelungen ist wie uns, mit leidenschaftlicher Glut die Jugend dieser Arbeiterschaft angezogen hat in dieser \u00fcberaus wirrenreichen Nachkriegszeit und sie mit Begeisterung erf\u00fcllt hat und die, Genossen, was nicht das Kleinste ist, in das d\u00fcstere Elendsleben dieser Massen ein bi\u00dfchen Glanz, ein bi\u00dfchen Hoffnung, ein bi\u00dfchen Gr\u00f6\u00dfe und viel Siegeszuversicht gebracht hat. Genossen! Das werden wir uns nicht nehmen lassen, das werden wir zu verteidigen wissen, denn das w\u00e4re zu viel, was uns damit verloren ginge, wenn wir daran r\u00fchren lie\u00dfen in einer Stunde des Kleinmuts oder der Entt\u00e4uschung. Genossen! Wir stehen im Kampfe gegen den Faschismus. Solange wir in einer Gedankenwelt und bei einer Politik bleiben, die es versteht, in den Massen Begeisterung zu erzeugen, die f\u00fcr unsere gro\u00dfe Sache zu arbeiten und zu k\u00e4mpfen und zu leben versteht, aber, wenn man uns wirklich angriffe, auch zu sterben f\u00e4hig w\u00e4re, so lange furchte ich keinen Faschismus. Genossen, gewi\u00df, wir wollen an jene Hunderttausende sorgenbeladener Familienv\u00e4ter und Familienm\u00fctter in den Fabriken und in den Werkst\u00e4tten, in den Forsten und in den Bergwerken denken, gewi\u00df, sie haben ein Recht, von uns zu verlangen, da\u00df wir uns leiten lassen von Besonnenheit und Vorsicht, denn wir sind verantwortlich f\u00fcr das Schicksal von Hunderttausenden von Familien. Aber Genossen, in all der Klugheit und N\u00fcchternheit und Besonnenheit vergessen wir doch auch nicht die leuchtenden, die nach einem Ideal hungrigen Augen unserer Jugend, und verstehen wir wohl: Nur was die Massen wirklich begeistern, was dem heranwachsenden Geschlecht ein wirkliches Lebensziel geben kann, nur das ist wirklich unbesiegbar! <\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>&nbsp;<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Otto Bauer: Rede auf dem Parteitag de SDAPD\u00d6, 1928<\/span><a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[5]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber etwas andres gibt es, was ich &#8209;&nbsp;das gestehe ich ganz offen&nbsp;&#8209; wirklich f\u00fcrchte. Sehen Sie, nach meiner \u00dcberzeugung haben diese Putschisten, die sich in der n\u00e4chsten Umgebung des Herrn Steidle und des Herrn Pfrimer aufhalten und ihren Generalstab bilden<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/a>, einen ganz bestimmten Plan. Diese Herren gehen von folgender Erw\u00e4gung uns: wenn es zu einem Volksentscheid, zu einem Wahlkampf kommen sollte, in dem das Volk in aller Ruhe und Klarheit \u00fcber die Wohnungspolitik entscheidet, dann spricht die gr\u00f6\u00dfte Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen sozial-demokratischen Sieg. Die Herren m\u00f6chten das st\u00f6ren und fragen sich, wie sie es st\u00f6ren k\u00f6nnen, und da kehren sie zur\u00fcck zu dem alten Mittel aller Reaktion; sie sagen sich, das g\u00fcnstigste, womit sie die Entscheidung des Volkes f\u00fcr sich, f\u00fcr die Reaktion, f\u00fcr die Mieterschutzfeinde wenden k\u00f6nnen, ist, wenn es ihnen gelingt, eine Stimmung sozialer Panik zu erzeugen, eine Stimmung, wo sie den Kleinb\u00fcrger und den Bauern einsch\u00fcchtern, ihnen Angst machen k\u00f6nnten vor dem drohenden Gespenst des Bolschewismus, des Terrors, der Anarchie. Und sehen Sie, Genossen, aus diesem Grunde bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df die Heimwehrleute ganz planm\u00e4\u00dfig die Politik machen, die Arbeiterschaft planm\u00e4\u00dfig absichtlich und bewu\u00dft zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen zu provozieren, weil sie diese Zusammenst\u00f6\u00dfe brauchen, um f\u00fcr den Fall, da\u00df das Volk in absehbarer Zeit zur Entscheidung gerufen werden sollte, jene Entscheidung von der Frage des Mieterschutzes abzulenken. Angesichts dieses Versuches, von dem ich keinen Moment zweifle, da\u00df er ganz bewu\u00dft, absichtlich und frivol unternommen wird &#8209;&nbsp;was liegt den Herren an vergossenem Menschenblut, wenn Hausherrenrenten in Frage stehen&nbsp;&#8209;, mu\u00df unsere Taktik sehr kaltbl\u00fctig sein. Nicht etwa, als ob ich zu irgendeiner Schw\u00e4che gegen\u00fcber den Heimwehrleuten, zu irgendeinem Zur\u00fcckweichen vor ihnen raten w\u00fcrde, Nein, Genossen! Aber sowenig ich irgendwie f\u00fcr ein Zur\u00fcckweichen bin, das den Fascismus ermutigen k\u00f6nnte, sosehr bin ich der Meinung, da\u00df es eine ganz wichtige Aufgabe der Partei und jedes einzelnen Vertrauensmannes ist, allen unseren Genossen verst\u00e4ndlich zu machen, da\u00df gewaltsame Zusammenst\u00f6\u00dfe mit den Heimwehren nicht unser Interesse sind. Sie haben ein Interesse an ihnen. Das ist es, was sie brauchen, um das Volk zu verwirren, um es gewaltsam vom Mieterschutz abzulenken und auf andre Dinge hin\u00fcberzuf\u00fchren. Wir nicht! Unser Interesse ist es, uns nicht ablenken zu lassen, das Volk nicht ablenken zu lassen, damit es in voller Ruhe, in voller Klarheit \u00fcber den Mieterschutz und \u00fcber nichts als den Mieterschutz entscheidet, deswegen meine ich, werden wir vor den Herren nicht zur\u00fcckweichen. Aber wir werden uns von ihnen nicht das Gesetz unseres Handelns diktieren lassen. Wir m\u00fcssen uns dar\u00fcber klar sein: gegen\u00fcber einem Gegner, dessen st\u00e4rkste Leidenschaften jetzt geweckt sind &#8209;&nbsp;denn was sonst in der Welt weckt ihre Leidenschaften, wenn nicht ein winkender Spekulationsprofit&nbsp;&#8209;, gegen\u00fcber einem Gegner, dem es deshalb weder an Entschlossenheit noch an Schlauheit noch an Verantwortungslosigkeit fehlt, kann man nicht siegen mit einer Taktik, die geleitet ist nur von der blinden Leidenschaft, sondern man kann nur dann siegen, wenn man seine Taktik so n\u00fcchtern und so besonnen bestimmt, wie ein Feldherr au seinem Tisch vor seinen Landkarten, der rechnend und w\u00e4gend \u00fcberlegt, wo Offensive, wann Defensive, wann den rechten, wann den linken Fl\u00fcgel einsetzen, der nicht in Leidenschaft, sondern in kluger Zielbewu\u00dftheit die Mittel w\u00e4hlt, die nicht dem Gegner dienen, sondern den Feind schlagen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Otto Bauer: Rede auf dem Parteitag de SDAPD\u00d6, 1929<\/span><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[7]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es gibt nur ein einziges Mittel, wenn man verhindern will, da\u00df die Republik in den B\u00fcrgerkrieg und damit in den wirtschaftlichen Ruin hineinschlittert, und dieses einzige Mittel ist die innere Abr\u00fcstung.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unsere Stellung zur Frage der inneren Abr\u00fcstung, das ist unsere Stellung zur Frage der Rolle der Gewalt im Klassenkampf. Wir haben diese Frage programmatisch auf dem Linzer Parteitag<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family: \"Garamond\",\"serif\"'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/a>, im Linzer Programm, gekl\u00e4rt, und um dieses Linzer Programm hat sich dann eine Legende gesponnen, gesponnen aus Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, aus Unwissenheit und bewu\u00dfter L\u00fcge, eine Legende, die dann so weiter gewuchert ist, da\u00df heute, wie ich wohl wei\u00df, selbst manche Parteigenossen schon unter ihrem Einflu\u00df stehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben nach dem Kriege die ungeheuerste Trag\u00f6die der internationalen Arbeiterbewegung erlebt. Wir haben gro\u00dfe Parteien, die Vorbild und Stolz f\u00fcr uns gewesen sind, zerschellen gesehen in dem gro\u00dfen Kampfe zwischen Demokratie und Diktatur. Wir haben gespalten gesehen die gro\u00dfe m\u00e4chtige deutsche Sozialdemokratie, gespalten die franz\u00f6sische sozialistische Partei, gespalten die deutsche wie die tschechische Partei in der Tschechoslowakei. Wir haben hier selbst in den ersten Jahren nach dem Umsturz auf dem Boden der Arbeiterr\u00e4te, in den Betriebsversammlungen, in den Konferenzen hart gerungen mit den Versuchungen der bolschewistischen Ideologie, auch auf einen Teil unserer eigenen Arbeitermassen. Wir waren ersch\u00fcttert von dem Kampfe der Ideen in der ganzen Welt des internationalen Sozialismus. Aber wir waren schlie\u00dflich, als wir nach Linz gingen, so weit, das; wir nach dem geistigen Ringen von Jahren, auf Grund der Erfahrungen von Jahren, nun endlich die Debatte \u00fcber die Funktion der Gewalt im politischen Kampf abschlie\u00dfen konnten und programmatisch den Erkenntnissen, zu denen wir uns durchgerungen hatten, Ausdruck geben konnten. Wir haben im Linzer Parteiprogramm \u00fcber den Weg, den wir gehen wollen, w\u00f6rtlich gesagt:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>In der demokratischen Republik beruht die politische Herrschaft der Bourgeoisie nicht mehr auf politischen Privilegien, sondern darauf, da\u00df sie mittels ihrer wirtschaftlichen Macht, mittels der Macht der Tradition, mittels der Presse, der Schule und der Kirche die Mehrheit des Volkes unter ihrem geistigen Einflu\u00df zu erhalten vermag. Gelingt es der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, diesen Einflu\u00df zu \u00fcberwinden, die manuellen und die geistigen Arbeiter in Stadt und Land zu vereinigen und der Arbeiterklasse die ihr nahestehenden Schichten der Kleinbauernschaft, des Kleinb\u00fcrgertums, der Intelligenz als Bundesgenossen zu gewinnen, so gewinnt die sozialdemokratische Arbeiterpartei die Mehrheit des Volkes. Sie erobert durch die Entscheidung des allgemeinen Wahlrechtes die Staatsmacht.<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>So werden in der demokratischen Republik die Klassenk\u00e4mpfe zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse im Ringen der beiden Klassen um die Seele der Volksmehrheit entschieden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es hat noch nie und nirgends ein sozialdemokratisches Programm der Welt so klar, so unzweideutig gesagt, welchen Weg wir gehen wollen, den Weg der Entscheidung durch das allgemeine Wahlrecht, wie es hier hei\u00dft. den Weg des Kampfes um die Mehrheit, den Weg des Kampfes um die Seele des Volkes. Es ist wirklich nur in einem Lande m\u00f6glich, in dem das Lesen nicht zu den Gewohnheiten der Politiker geh\u00f6rt, den demokratischen Charakter dieses Programms anzuzweifeln. Aber das Programm geht noch weiter. Es spricht davon, was sein wird, wenn die Sozialdemokratie die Mehrheit des Volkes f\u00fcr sich gewinnen wird und sagt:<\/span><\/p> <p class=MsoQuote><span lang=DE>Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wird die Staatsmacht in den Formen der Demokratie und unter allen B\u00fcrgschaften der Demokratie aus\u00fcben. Die demokratischen B\u00fcrgschaften geben die Gew\u00e4hr daf\u00fcr, da\u00df die sozialdemokratische Regierung unter st\u00e4ndiger Kontrolle der unter der F\u00fchrung der Arbeiterklasse vereinigten Volksmehrheit handeln und dieser Volksmehrheit verantwortlich bleiben wird. Die demokratischen B\u00fcrgschaften werden es erm\u00f6glichen, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung unter den g\u00fcnstigsten Bedingungen, unter ungehemmter t\u00e4tigster Teilnahme der Volksmassen zu vollziehen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Man kann keine sch\u00e4rfere Kennzeichnung des Gegensatzes unseres demokratischen Sozialismus von allen diktatorischen Sozialismen formulieren. Der Bolschewismus hat uns entgegengehalten: Wie, im Kampfe um die Seele der Mehrheit wollt ihr siegen? Aber bevor ihr die Mehrheit habt, wird der Fascismus seine Maschinengewehre auffahren lassen. Darauf haben wir geantwortet: Wir wollen den Weg der Demokratie gehen mit dem Stimmzettel, aber auf Geschosse aus Maschinengewehren kann freilich nicht der Stimmzettel antworten, und wenn dieser Fall eintr\u00e4te, dann w\u00e4re das der Fall, der einzige Fall, bei dem wir uns mit Gewalt wehren w\u00fcrden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Bolschewismus hat uns weiter entgegengehalten: Wie, wenn ihr die Mehrheit erobert habt, wollt ihr demokratisch regieren? Aber die Bourgeoisie wird eure Regierung sabotieren, Rebellionen anzetteln, sich mit dem Ausland gegen euch verschw\u00f6ren! Wir haben darauf geantwortet: Wir wollen alle B\u00fcrgschaften der Demokratie, aber nat\u00fcrlich, gegen Rebellionen einer Minderheit, gegen Hochverrat, werde sich nat\u00fcrlich auch eine sozialdemokratische Regierung mit allen Mitteln wehren, so wie auch jede andre Demokratie. Und aus diesen Antworten an den Bolschewismus hat die Legende gemacht, da\u00df wir den Weg der Gewalt, der Diktatur gehen wollen! Genossen! Ich glaube, da\u00df es notwendig war. daran zu erinnern, weil gerade dieser Gedanke des Linzer Programms uns leiten mu\u00df bei der Besprechung des Problems der Abr\u00fcstung, das das Problem der Rolle der Gewalt in unserem Kampfe ist. Genossen, wir haben die Theorie, die dieses Linzer Programm formuliert hat, in Linz selbst die Theorie der ausschlie\u00dflich defensiven Rolle der Gewalt im Klassenkampf genannt, und aus dieser Rolle folgt unsere Stellung zu den Organisationen der Gewalt. Wir haben dem Grundsatz des Linzer Programms getreu immer daran festgehalten, wir brauchen keine Gewaltorganisationen, wenn die Demokratie nicht durch gegnerische Gewaltorganisationen bedroht ist, wir k\u00f6nnen eine Gewaltorganisation nicht entbehren, solange eine solche Bedrohung durch gegnerische Gewaltorganisationen besteht.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Von diesem Standpunkt ausgehend, haben wir schon vor der Gr\u00fcndung des Republikanischen Schutzbundes gesagt, da\u00df wir diese Gr\u00fcndung unterlassen, wenn die andern ihre Gewaltorganisationen aufl\u00f6sen. Wir haben seitdem immer und immer wieder den Gegnern gesagt, da\u00df wir bereit sind, unsere Gewaltorganisation aufzul\u00f6sen, wenn ihre Gewaltorganisationen abr\u00fcsten. Wir haben uns immer wieder zur inneren Abr\u00fcstung bereit erkl\u00e4rt. Keine dieser Erkl\u00e4rungen hat irgendein Echo im b\u00fcrgerlichen Lager gefunden. Genossen, heute gen\u00fcgt es nach meiner \u00dcberzeugung nicht mehr, wenn wir unsere Bereitschaft zur inneren Abr\u00fcstung erkl\u00e4ren, sondern heute, glaube ich. m\u00fcssen wir weiter gehen, heute, glaube ich, m\u00fcssen wir die innere Abr\u00fcstung als ein Kampfziel aufstellen, das wir erk\u00e4mpfen wollen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber wenn wir das wollen, m\u00fcssen wir uns ganz klar sein, was die innere Abr\u00fcstung ist und was sie auch f\u00fcr uns an Verzicht bedeutet. Gew\u00f6hnlich redet man so, die innere Abr\u00fcstung, das sei die Entwaffnung der Bev\u00f6lkerung. Die blo\u00dfe Entwaffnung w\u00e4re ein sehr schweres, ja nach meiner Meinung sogar ein unl\u00f6sbares Problem. Schon rein technisch ist Entwaffnen nat\u00fcrlich leichter in der Stadt als auf dem Lande. Das k\u00f6nnte eine sehr einseitige Entwaffnung werden. Und weiter stellen Sie sich die Beh\u00f6rden vor, die die Entwaffnung durchzuf\u00fchren h\u00e4tten: eine Entwaffnung von der Tiroler Landesregierung oder von den steirischen Bezirkshauptmannschaften durchgef\u00fchrt, das k\u00f6nnte eine ehrliche Entwaffnung werden! Aber ich glaube gar nicht, da\u00df es auf diesem Wege \u00fcberhaupt geht. Ich glaube, wenn man zur Entwaffnung schlie\u00dflich kommen will, so mu\u00df man mit etwas ganz anderm anfangen: n\u00e4mlich mit der einfachen Aufl\u00f6sung aller dieser Wehrformationen und dem Verbot ihrer Neugr\u00fcndung. Wenn erst einmal diese Formationen aufgel\u00f6st werden, wenn erst einmal die Generalst\u00e4be verschw\u00e4nden, in denen da pensionierte Offiziere ihre Kenntnisse, die sich in fr\u00fcherer Zeit nicht immer bew\u00e4hrt haben, in der Entwerfung von Pl\u00e4nen f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg verwenden, wenn erst einmal diese Aufm\u00e4rsche verschw\u00e4nden und aufh\u00f6rten, die die Bev\u00f6lkerung t\u00e4glich beunruhigen und die den inneren Kampf mit militaristischer Denkweise erf\u00fcllen, wenn erst einmal die Organisationen mit ihrer Bet\u00e4tigung weg w\u00e4ren, dann w\u00fcrde dieses milit\u00e4rische Denken aufh\u00f6ren, dann w\u00fcrde es erst m\u00f6glich sein, gr\u00f6\u00dfere Waffenbest\u00e4nde aufzufinden und zu beschlagnahmen, und was da etwa nicht gefunden w\u00fcrde, w\u00fcrde unsch\u00e4dlich, von selbst verrosten. Das ist nach meiner \u00dcberzeugung der einzige Weg. Ich sage das mit voller Absicht, denn wenn die Partei den Kampf um die innere Abr\u00fcstung f\u00fchren will, mu\u00df sie wissen, welches Opfer f\u00fcr sie die innere Abr\u00fcstung bedeutet. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich die Aufl\u00f6sung der fascistischen Wehrformationen nicht durchsetzen, ohne da\u00df gleichzeitig der Republikanische Schutzbund aufgel\u00f6st w\u00fcrde.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Niemand t\u00e4usche sich, da\u00df der Moment, wo wir den Republikanischen Schutzbund verlieren w\u00fcrden, ein Moment schwerster Ersch\u00fctterung f\u00fcr die Arbeiterklasse und die Partei w\u00e4re, f\u00fcr alle diese Zehntausende bester Genossen, die im Schutzbund selbst t\u00e4tig sind. Wir kennen alle die T\u00e4tigkeit unserer Genossen im Schutzbund: alle Tage im opferreichsten Dienst f\u00fcr die Partei, wir sehen, wie sie nach der schwersten Tagesarbeit den Abend und die Nacht opfern, um im Wachdienst f\u00fcr die Arbeiterklasse zu dienen, wie sie nach der Wochenarbeit Sonntage opfern, um unsere Sicherheit und die Sicherheit der Republik zu bewachen, wie sie mit der gr\u00f6\u00dften Opferwilligkeit in den Kampf gehen, welche Blutopfer sie zu beklagen hatten in diesen K\u00e4mpfen. Wenn die Arbeiterklasse den Schutzbund sieht, so sieht sie in ihm den eisernen, diszipliniertesten Kern, um den sie sich schart, eine Quelle der Zuversicht: die ganze Arbeiterklasse w\u00e4re um ein wesentliches, von st\u00e4rkstem Gef\u00fchlswert erf\u00fclltes Element armer, wenn sie den Schutzbund eines Tages nicht h\u00e4tte. Ich kenne also die Krise, die die wirkliche innere Abr\u00fcstung f\u00fcr uns selbst bedeuten w\u00fcrde; und doch, in voller Kenntnis dieser Gefahren bekenne ich offen, da\u00df es gar keinen andern Weg gibt, als auf alle Gefahren hin die innere Abr\u00fcstung den widerstrebenden Gegnern aufzuzwingen, wenn die Republik vor der Katastrophe des B\u00fcrgerkrieges bewahrt werden soll. Allerdings, ich mu\u00df dazu zwei wesentliche Einschr\u00e4nkungen machen. Das erste, Genossen, ist, da\u00df die Arbeiterschaft niemals die innere Abr\u00fcstung wirklich durchf\u00fchren wird, wenn nicht wirklich ernsthaft durch die sch\u00e4rfste Kontrolle, durch unsere eigene Mitkontrolle, durch die Mitkontrolle des Republikanischen Schutzbundes Garantien daf\u00fcr geschaffen werden, da\u00df auf der andern Seite ebenso abger\u00fcstet wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das zweite aber, was ich sagen mu\u00df, ist folgendes: Geben wir uns keiner T\u00e4uschung dar\u00fcber hin: wer die Feigheit der b\u00fcrgerlichen Parteien gegen\u00fcber den Fascisten diese ganzen Jahre hindurch gesehen hat, der wei\u00df, sie werden es nicht so bald wagen, die Aufl\u00f6sung der Heimwehren zu dekretieren, das wird noch einen schweren Kampf und einen Kampf durch geraume Zeit kosten. und deswegen, Genossen, so entschieden wir uns die innere Abr\u00fcstung als Ziel setzen m\u00fcssen, so lebensgef\u00e4hrlich f\u00fcr die Sicherheit der Arbeiterklasse w\u00e4re es, wenn wir nicht ebenso entschieden entschlossen w\u00e4ren, solange die innere Abr\u00fcstung noch nicht erreicht ist, solange die Gegner noch r\u00fcsten und von der inneren Abr\u00fcstung nichts wissen wollen, unsere ganze Kraft an die St\u00e4rkung und den Ausbau des Republikanischen Schutzbundes zu setzen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und da sage ich Ihnen ganz offen, Genossen, da\u00df wir daf\u00fcr noch viel zu wenig getan haben. Man war kleinlich in der Beistellung der finanziellen Mittel f\u00fcr den Schutzbund, man hat in vielen Organisationen die Werbearbeit f\u00fcr den Schutzbund nicht genug unterst\u00fctzt. Ich glaube, es w\u00e4re gef\u00e4hrlich, wenn man von der inneren Abr\u00fcstung redet, wenn man nicht ganz klar hinzusetzen w\u00fcrde: Wir werden nie zur inneren Abr\u00fcstung kommen, wenn der Gegner etwa glaubte, da\u00df wir vorzeitig abr\u00fcsten, w\u00e4hrend er noch weiter r\u00fcstet. Im Gegenteil: wenn wir unsere Pflicht erf\u00fcllen und dem Schutzbund die Unterst\u00fctzung geben, die er braucht, dann kann der Schutzbund, dessen Mitgliedschaft schon in den letzten Wochen m\u00e4chtig gewachsen ist, in ganz kurzer Zeit ein so gewaltiges zahlenm\u00e4\u00dfiges \u00dcbergewicht \u00fcber alle fascistischen Organisationen bekommen, da\u00df dann mit den andern \u00fcber die innere Abr\u00fcstung leichter zu reden sein wird.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn aber die b\u00fcrgerlichen Parteien zu feig sind zur Aufl\u00f6sung aller Wehrformationen, dann m\u00fcssen wir den Weg suchen, das Volk selbst \u00fcber diese Frage entscheiden zu lassen. Und dann ist mir um den Ausgang nicht bange. Denn wie immer sich feige Minister und feige Parlamentarier gegen zwingende Notwendigkeiten des Landes wehren m\u00f6gen, dessen bin ich sicher: wenn das Volk zur Entscheidung \u00fcber die Fragen der inneren Abr\u00fcstung berufen w\u00fcrde, da\u00df da mehr als neunzig Prozent der Frauen und mehr als achtzig Prozent der M\u00e4nner f\u00fcr die innere Abr\u00fcstung stimmen werden.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Karl Renner: Rede auf dem Parteitag de SDAPD\u00d6, 1929<\/span><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[9]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es haben nun die Redner fast aller Teile \u00d6sterreichs einm\u00fctig kundgetan, da\u00df sie in der Abwehr zum \u00e4u\u00dfersten entschlossen sind, sie haben einm\u00fctig kundgetan, da\u00df sie hinter Wien stehen, und sie haben einm\u00fctig der entschlossenen Haltung des Parteivorstandes zugestimmt. Ich kann dazu noch ein Geheimnis verraten: die Beschl\u00fcsse des Parteivorstandes sind ebenso einm\u00fctig gefa\u00dft worden. Ich m\u00f6chte aber nicht, da\u00df ein falscher Eindruck entsteht, ich m\u00f6chte nicht, da\u00df irgend jemand meint, die ganze \u00f6sterreichische Sozialdemokratie starre nun hypnotisiert auf die Heimwehr und sehe nicht mehr die andern Gefahren, nicht mehr den inneren Zusammenhang der Dinge.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Ich m\u00f6chte von einer andern Gefahr sprechen, unter der wir als Sozialdemokratie leiden, unter der unsere Arbeiterschaft, unter der die ganze Politik leidet und die wir nicht gering veranschlagen d\u00fcrfen. Diese andre Gefahr ist, da\u00df das B\u00fcrgertum, das uns durch die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse zu regieren berufen ist, schlecht gef\u00fchrt ist und uns nicht regieren kann.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unser B\u00fcrgertum ist von der Demokratie \u00fcberrascht worden; wir haben die Demokratie erk\u00e4mpft und wir verstehen sie zu gebrauchen. Unser B\u00fcrgertum hat sich immer darauf verlassen, da\u00df es von der k.&nbsp;u.&nbsp;k. B\u00fcrokratie regiert wird. Unser B\u00fcrgertum hat nicht so wie das franz\u00f6sische oder englische in der Behandlung staatlicher Probleme auch nur das elementarste Geschick bewiesen. Daher kommt unser Leid. Wir k\u00f6nnen nicht regieren, weil wir die Minderheit sind, und die andern nicht, weil sie es nicht verstehen. Unser B\u00fcrgertum ist fern von jeder Erkenntnis der realen Dinge. Es lebt von den Legenden, die es sich bildet. Da haben Sie die Legende von dem gro\u00dfen Staatsmann Seipel. Um das Ungl\u00fcck dieser ganzen b\u00fcrgerlichen Politik zu beurteilen, gen\u00fcgt es, auf die Erfolge dieses Mannes hinzuweisen. Er ist ausgezogen, die Sozialdemokraten zu spalten, den &quot;kommunistischen&quot; Fl\u00fcgel abzuspalten, einen Gegensatz zwischen Renner und Bauer herzustellen, die Sozialdemokratie einflu\u00dflos zu machen und zu vernichten. Was ist das Ende vom Lied? Wir sind einiger als wir jemals waren. Die christlichsoziale Partei ist in heller Aufl\u00f6sung und nicht mehr imstande, f\u00fcr den Verfassungsausschu\u00df einen Obmann zu finden. Wenn ein gro\u00dfer Staatsmann derjenige ist, der immer das Gegenteil von dem erreicht, was er anstrebt, ist Seipel ein gro\u00dfer Staatsmann. Die Christlichsozialen und die B\u00fcrgerlichen haben die Legende verbreitet, wir Sozialdemokraten seien ein Hindernis f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung. Die Sozialpolitik sei das Hindernis der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie k\u00f6nnten so herrlich wirtschaften, wenn wir sie nicht hemmen w\u00fcrden. Ich wei\u00df nicht, worin wir die Bodenkreditanstalt gehemmt haben. Sie haben gewirtschaftet, alle Wirtschaftressorts des Staates verwaltet, und das Ende vom Lied ist eine wirtschaftliche Katastrophe, der sie mit M\u00fch und Not entronnen sind, indem sich diese Antisemiten nach einem sechzigj\u00e4hrigen Kampfe gegen das Judentum unter die sch\u00fctzenden, rettenden Fittiche des Hauses Rothschild gefl\u00fcchtet haben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wenn es ein gro\u00dfer Staatsmann, ist, wer das Gegenteil dessen bewirkt, was er ank\u00fcndigt, so ist Seipel ein gro\u00dfer Staatsmann. Mit der Heimwehr haben sie gemeint, uns zu besiegen. Sie haben eine Truppe aufgestellt mit eigenen Generalen und Offizieren, und siehe, diese Truppe hat bemerkt, da\u00df die Sozialdemokraten nicht zu besiegen sind. Genossen, es ist sehr wesentlich, da\u00df wir ihnen \u00fcberall und an allen Orten entschlossen beweisen: Uns werden sie nicht besiegen. Aber die Herrschaften sagen sich: Siegen m\u00fcssen wir einmal irgendwo. Das ist beinahe eine Frage des Brotes, also kehrt euch!, marschieren wir gegen das B\u00fcrgertum! Heute wei\u00df das B\u00fcrgertum, soweit es parteipolitisch orientiert ist, da\u00df die Heimwehr uns nichts anhaben wird, da\u00df sie aber das politische Parteiensystem vollst\u00e4ndig \u00fcber den Haufen werfen kann. Wieder der entgegengesetzte Erfolg von dem, was man angestrebt hat.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das ist der Beweis daf\u00fcr, da\u00df das B\u00fcrgertum schlecht gef\u00fchrt ist, politisch schlecht gef\u00fchrt ist, denn wenn auch diese Mehrheit des B\u00fcrgertums nicht gro\u00df und nicht \u00fcberw\u00e4ltigend ist, so sehen wir, da\u00df in andern L\u00e4ndern das B\u00fcrgertum mit einer solchen Mehrheit zu regieren versteht. Aber unser B\u00fcrgertum versteht es nicht. Da es die Demokratie nicht handhaben kann &#8209;&nbsp;hoffen wir, noch nicht handhaben kann&nbsp;&#8209;, da es zu den richtigen f\u00fchrenden K\u00f6pfen nicht kommen kann, so kommt das B\u00fcrgertum notwendigerweise zu der \u00dcberzeugung, es gehe halt nur mit der Gewalt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Eine der Hauptquellen der Heimwehrmacht ist diese Schw\u00e4che und Unf\u00e4higkeit des B\u00fcrgertums. Und weil dem so ist, so ist uns manchmal ein harter Zwang auferlegt, ein staatsm\u00e4nnischer Zwang. Wir m\u00fcssen mit unserem B\u00fcrgertum manchmal Geduld haben. Auch in der Heimwehrsache m\u00fcssen wir mit unserem B\u00fcrgertum Geduld haben. Wir wissen freilich nicht und k\u00f6nnen keine Garantie daf\u00fcr \u00fcbernehmen, ob das B\u00fcrgertum imstande sein wird, vern\u00fcnftig zu werden; deshalb darf sich niemand darauf verlassen, da\u00df das B\u00fcrgertum Vernunft annehmen und begreifen wird, da\u00df die erste Voraussetzung jeder b\u00fcrgerlichen Wirtschaftsweise die Geltung von Reckt und Gesetz ist, da\u00df es diese Voraussetzung in dem Augenblick verliert, wo es uns gegen\u00fcber das Gesetz bricht und die Gewalt losbindet: denn die Gesetzlosigkeit ist zu allen Zeiten der Anfang jeder Revolution gewesen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Dieses B\u00fcrgertum wird also lernen m\u00fcssen, sich von den Legenden freizumachen, mit denen es sich selber gef\u00fcttert hat Ein deutsches Sprichwort spricht von einem L\u00fcgner, der an seinen eigenen L\u00fcgen erstickt Ich will das Sprichwort umschreiben: Es besteht die Gefahr, da\u00df das B\u00fcrgertum an seinen Legenden erstickt, da\u00df es zu keiner klaren Erkenntnis der Dinge kommt, da\u00df es sich nicht vern\u00fcnftig verh\u00e4lt, weil es seine eigenen L\u00fcgen nicht durchschaut, sondern an sie glaubt.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist tats\u00e4chlich eine der schlimmsten politischen Dinge, in welcher Weise die b\u00fcrgerliche Presse, die christlichsoziale sowohl wie die liberale, das Linzer Programm mi\u00dfdeutet hat, und es ist von gr\u00f6\u00dftem Wert, da\u00df gerade Otto Bauer heute wieder den wahren Wortlaut der Linzer Beschl\u00fcsse vorgetragen hat, da\u00df er selber, als Mitsch\u00f6pfer ersten Ranges, bekundet hat: Ja, wir wollen, solange es auf uns ankommt, nichts andres als den Sieg durch Demokratie, wir wollen im Augenblick, wo wir gesiegt haben, unsere Macht mit allen Kautelen der Demokratie aus\u00fcben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist v\u00f6llig klar, da\u00df wir nichts wollen als die Demokratie, aber ebenso klar und so unzweideutig ist es, da\u00df wir jeden Versuch einer Diktatur mit eisener Energie abwehren werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es ist jedermann, dem ersten Vertrauensmann wie dem letzten Gefolgsmann, klar, was die Diktatur bedeutet. Wenn alles auf dem Spiele steht, dann werden wir auch alles einsetzen. Aber wenn ich sage, ich werde mich nicht abschlachten lassen, so sage ich damit nicht, da\u00df ich den Gegner schlachten will. Diese einfachste Logik ist unserem guten B\u00fcrgertum nicht beizubringen. Dann kommt die Legende vom Austromarxismus, als sei der Austromarxismus ein System ganz besonderer Art. An diesen Tischen hier sitzt gestern und heute der Sozialismus von ganz Europa. Es sitzt die Labour Party hier, die deutsche Sozialdemokratie, die Schweizer Bewegung, und sie alle haben ihr vollstes Einverst\u00e4ndnis mit uns erkl\u00e4rt. Macdonald und die deutschen Sozialdemokraten, die in der Regierung sind, sitzen mit uns zusammen im Internationalen B\u00fcro. Es gibt unter den Austromarxistcn &#8209;&nbsp;ich rechne mich auch zu ihnen&nbsp;&#8209; nat\u00fcrlich verschiedene Meinungen wie \u00fcberall. Aber es ist eine bl\u00f6dsinnige Legende &#8209;&nbsp;man verzeihe mir das Wort&nbsp;&#8209;, die, ich glaube, der Mataja oder gar der Seipel erfunden hat, vom Austromarxismus als einer besonderen bolschewistischen Form der Bewegung zu faseln. Ich wei\u00df nicht, ob die Bourgeoisie die Kraft haben wird, diese Legende abzutun. Vielleicht lernt sie nur durch die Tatsache. Wir haben in den Jahren 1918, 1919 und 1920 eine Revolution vollzogen und alle Dinge umgewandelt, aber wir mu\u00dften trotzdem die bestehende Wirtschaft zusammenhalten, und da wir die bestehende Wirtschaft nicht ohne Bourgeoisie haben konnten, so haben wir halt die Bourgeoisie mitgenommen &#8209;&nbsp;es geht der Labour Party vorl\u00e4ufig auch so und allen andern&nbsp;&#8209;, nicht aus Liebe zu ihr, sondern in der Erkenntnis der wirtschaftlichen Notwendigkeit. Und nun werde ich der \u00f6sterreichischen Bourgeoisie prophezeien: Wenn sie die Politik fortf\u00fchrt, die sie bisher befolgt hat, und wenn sie nicht lernt, so wird ihr die Probe ein zweitesmal nicht erspart bleiben, und sehr bald. Dann wird die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie dank ihrer klugen und festen Politik die Mehrheit in diesem Staate bekommen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zu den bl\u00f6dsinnigen Legenden geh\u00f6rt auch die von der Obstruktion. Man tut so, als ob das eine \u00f6sterreichische Erfindung, sozusagen eine austromarxistische Institution w\u00e4re. Aber die Obstruktion ist mit jedem Parlamentarismus sozusagen chronisch verbunden. Das Parlament in England wurde durch Jahrzehnte durch die Obstruktion der Iren in Bann gehalten. Diese Obstruktion war, wie jedermann heute wei\u00df, sehr n\u00fctzlich und notwendig. Die gro\u00dfe irl\u00e4ndische Agrarreform w\u00e4re nie m\u00f6glich gewesen ohne die irische Obstruktion.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Obstruktionsfrage ist ein Problem der Taktik und Gesch\u00e4ftsordnung und ist durchaus nicht etwas unserem Lande besonders eigent\u00fcmliches. Unsere Obstruktion in der Mietenfrage war nichts andres als der Versuch, die andern vor einem Fehler und vor einem wirtschaftlichen Unsinn zu beh\u00fcten und ich sage im voraus, wenigstens f\u00fcr meine Person: die Nationalratsfraktion der Sozialdemokraten wird sich immer und unter allen Umst\u00e4nden das Recht vorbehalten, die b\u00fcrgerlichen Parteien vor einem Unsinn und vor Fehlern zu beh\u00fcten, selbst f\u00fcr den Fall, da\u00df wir Obstruktion machen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen eine Mehrheit nicht schlechthin fehlen lassen, wenn sie aber borniert ist und absolut Fehler begehen will, gut denn, dann wollen wir es nicht hindern\u00a0 &#8209;&nbsp;unter der Bedingung, da\u00df das Volk selber entscheidet. Das ist ein ganz richtiger demokratischer Ausweg, das verlangen wir, so soll es sein. Eine organische Mehrheit, die so wie unsere Minderheit aus einer geschlossenen Weltauffassung hervorgeht, h\u00e4tte das Recht, eine parlamentarisch zusammengekaufte oder zusammengef\u00fcgte Mehrheit aber hat das moralische Recht nicht, uns zu verwehren, unsere Einwendungen mit allem Nachdruck zu machen. Auch diese Legende, diese Illusion mu\u00df man dem B\u00fcrgertum nehmen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Und nun noch die Illusion einer Verfassungsreform oder eines Staatsstreiches. Eine Verfassungsreform? Du lieber Himmel! Sie meinen, die Sozialdemokraten werden sich eine Verfassungs\u00e4nderung unter allen Umst\u00e4nden gefallen lassen. Aber es ist der einm\u00fctige Wille des Parteivorstandes und wie man sieht, der einm\u00fctige Wille des Parteitages, also der ganzen \u00f6sterreichischen Arbeiterklasse, da\u00df eine Verfassungsrevision, die an die Grundrechte der Arbeiterklasse r\u00fchrt, nicht mit unseren Stimmen Gesetz werden kann. Nun kommt die Idee mit dein kalten Staatsstreich, mit dem neuen \u00a7&nbsp;14. Soll man sich wirklich damit herstellen? Es ist m\u00f6glich, da\u00df es in dem B\u00fcrgertum wirklich Menschen gibt, die nicht wissen, was die \u00f6sterreichische Arbeiterklasse ist. Jetzt haben sie Herrn Schober bestellt als Wahrer der b\u00fcrgerlichen Interessen. Er hat als junger Polizeibeamter in Wien gedient und er hat eine gewisse Erfahrung, welcher Energie die Arbeiterklasse im Kampfe um Rechte f\u00e4hig ist. Ich glaube nicht, da\u00df diese Erfahrungen vergebens gewesen sind. Aber wie immer das sein soll, es ist f\u00fcr uns v\u00f6llig klar, da\u00df ein sogenannter kalter Staatsstreich uns gar nicht \u00fcberrumpeln wird. An dem Tage, wo die Verfassung gebrochen wird, an dem Tage gibt es keine Verfassung. Gibt es keine Verfassung, so gibt es keine verfassungsm\u00e4\u00dfige Beh\u00f6rde und kein verfassungsm\u00e4\u00dfiges Recht mehr. Man wird uns nicht einreden, da\u00df, wenn einer in der Herrengasse oder auf dem Ballhausplatz in dem Regierungsgeb\u00e4ude sitzt, er deshalb das Recht hat. Es gibt kein Recht zu regieren und zu verordnen, au\u00dfer auf Grund der Verfassung. Und deshalb werden diese Dinge einfach nicht sein. Ich sage das nicht, um Drohungen auszusto\u00dfen, sondern als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, um Legendenbildungen zu zerstreuen. Unser B\u00fcrgertum mu\u00df sich einmal M\u00fche geben, ein bi\u00dfchen was zu lernen. Vor allem andern hat es jetzt erfahren, was die \u00f6sterreichische Arbeiterklasse ist, und es ist ganz recht so, da\u00df sie es erfahren hat. Ihre ganze Entschlossenheit, die aus Ihrem Verhalten auf dem Parteitag und au\u00dferhalb desselben spricht, diese Entschlossenheit war danach angetan, den Herren zu zeigen, da\u00df die Arbeiterschaft eine granitene Mauer um die Volksrechte bildet, und da\u00df keine Macht da ist, die diese Mauer erst\u00fcrmen wird. Aber auf der andern Seite ist es unsere Pflicht, nicht nur zu r\u00fcsten und bereit zu sein und zu sagen: Es wird ja doch zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung kommen. Das w\u00e4re ganz falsch, das hie\u00dfe die Heimwehr und den Mechanismus der Gewalt sehr \u00fcbersch\u00e4tzen. Es ist nicht so, da\u00df das der einzige Ausweg sein mu\u00df. Das kann gewi\u00df so kommen, und also r\u00fcsten wir uns und halten wir uns bereit; aber es mu\u00df nicht so kommen. Und es ist unsere Pflicht, den andern den Ausweg zu zeigen, und das tun wir, indem wir sagen: Wir fordern die einverst\u00e4ndliche Abr\u00fcstung. \u00dcber diese Forderung sollen sie nicht hinwegkommen; es ist der Grundgedanke aller Verfassungen, da\u00df das Recht und nicht die Gewalt gilt. Vor jeder Verfassungsreform mu\u00df gesagt werden, da\u00df es keine privaten Gewalten gibt. Wir werden diese Forderung zur Geltung bringen m\u00fcssen; wenn sie das ablehnen, so ist nat\u00fcrlich nichts andres zu tun, als weiter zu r\u00fcsten und bereit zu sein, so lange, bis unsere \u00dcbermacht ihnen beweist, da\u00df sie abr\u00fcsten m\u00fcssen. Die Herren sollen es nur versuchen, sie werden am Ende selber einsehen, da\u00df sie nicht weiter tonnen, und es wird ihnen nichts andres \u00fcbrigbleiben, als Neuwahlen auszuschreiben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das aber ist der Moment, von dem ich gesprochen habe. Wo das B\u00fcrgertum die Probe zum zweitenmal zu bestehen haben wird. Bei diesen Neuwahlen werden wir mit den Parolen der Abr\u00fcstung im Innern, dem Aufbau der Wirtschaft, der Ausgestaltung der Sozialversicherung auf legalem und demokratischem Wege siegen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Aufruf des Parteivorstandes der SDAP\u00d6, 19. Dezember 1931<\/span><a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[10]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Arbeiter! Genossen und Genossinnen!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Was vorauszusehen war, ist geschehen: Die Hochverr\u00e4ter vom 13. September sind freigesprochen worden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Es war ein wohlgesiebtes Klassengericht, das sie freigesprochen hat: nicht ein einziger Arbeiter sah auf der Geschwornenbank!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Regie hat vorz\u00fcglich geklappt. Alle, die Bezirkshauptleute und Gendarmerie-kommandanten, die als Zeugen einvernommen wurden, mit dem Herrn Landeshauptmann Rintelen an der Spitze, waren bem\u00fcht, f\u00fcr die Verr\u00e4ter an der Republik Stimmung zu machen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Zwei Tote liegen in Voitsberg auf der Bahre. Auch das war notwendig, um die Geschwornen f\u00fcr den Freispruch zu gewinnen!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die Putschisten haben die Regierung f\u00fcr abgesetzt, die Verfassung f\u00fcr aufgehoben erkl\u00e4rt. Sie haben Bezirkshauptmannschaften und Gemeinde\u00e4mter besetzt. Sie haben Gemeindepolizisten und Gendarmen entwaffnet, Abgeordnete verhaftet und Geiseln ausgehoben, sie haben Arbeiterwohnungen beschossen und sind in Arbeiterwohnungen eingebrochen. Sic haben zwei brave Arbeiter ermordet. All das bleibt straflos!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Denn diese Republik ist verraten und verkauft von denen, denen ihre Sicherheit anvertraut ist!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir verstehen, Genossen und Genossinnen, eure Gef\u00fchle. Wir teilen sie. Aber eben deshalb mahnen wir euch pflichtgem\u00e4\u00df, auch angesichts dieser aufreizenden Tatsache eure kaltbl\u00fctige Besonnenheit zu bewahren. Das Ungl\u00fcck des 15.&nbsp;Juli darf sich nicht wiederholen. Wir wollen nicht in ziellosem Ausbruch der Wut unseren Gef\u00fchlen Ausdruck geben. Wir haben eine andere Antwort zu geben.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Verrat vom 13.&nbsp;September ist unbestraft geblieben. Dadurch ermutigt, r\u00fcsten die Aristokraten, die Generale, die Kapitalisten, die an der Spitze der Heimwehren stehen, zu einem neuen Putsch. T\u00e4glich verk\u00fcndet Starhemberg die nahende &quot;Revolution&quot;. Darauf, da\u00df die Staatsgewalt die Republik verteidigen werde, k\u00f6nnen wir uns nicht mehr verlassen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir werden unsere Freiheit das n\u00e4chstemal selbst verteidigen m\u00fcssen! Die Vorbereitungen unserer Abwehr schleunigst zu vollenden &#8209;&nbsp;das mu\u00df unsere Antwort auf das Urteil von Graz und auf die Sch\u00fcsse von Voitsberg sein!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir wollen keinen B\u00fcrgerkrieg. Wir haben seit dreizehn Jahren die gr\u00f6\u00dften Opfer gebracht, ihn zu vermeiden. Wir wollen auch jetzt noch, in letzter Stunde, alles tun, um zu verh\u00fcten, da\u00df kostbares Menschenblut vergossen wird. Aber wir sind keine feigen Hunde, die sich von einer kleinen Minderheit bewaffneter Banditen niederwerfen lassen. Wenn sie uns entrechten und versklaven wollen, dann werden wir uns wehren! Dann, Genossen, auf den Tr\u00fcmmern des geschlagenen Faschismus, wird das wahre Volksgericht \u00fcber die Faschisten tagen. Dann kommt die Stunde der S\u00fchne f\u00fcr alles frevlerisch vergossene Arbeiterblut!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Darum keine Unbesonnenheiten, keine Wutausbr\u00fcche, keine nutzlosen Demonstrationen an diesem Tag! Wir werden unsere Kr\u00e4fte nicht vergeuden. Wir werden sie zusammengeballt halten f\u00fcr die entscheidende Stunde!<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei \u00d6sterreichs.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Otto Bauer \u00fcber die Ereignisse vom 12.&nbsp;Februar 1934<\/span><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[11]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Im April 1932 hatten die Landtags- und Gemeindewahlen ein sprunghaftes Anwachsen des Nationalsozialismus in \u00d6sterreich gezeigt. Die Gro\u00dfdeutschen, seit dem erzwungenen R\u00fccktritt Schobers in Opposition, und die Nationalsozialisten verlangten die Neuwahl des Nationalrates. Die Christlichsozialen hatten vor der Neuwahl panische Angst. H\u00e4tten wir uns in jenem Augenblick bereit gezeigt, im Nationalrat gegen die Ausschreibung von Neuwahlen zu stimmen, und h\u00e4tten wir zugleich der Regierung Buresch, die noch im Amte war, zugesichert, da\u00df wir sie in \u00e4hnlicher Weise tolerieren w\u00fcrden, wie die deutsche Sozialdemokratie die Regierung Br\u00fcning toleriert hat, so h\u00e4tten wir die Bildung einer Koalitionsregierung der Christlichsozialen und der Landb\u00fcndler mit den Heimwehren vielleicht verh\u00fcten k\u00f6nnen. Wir haben dies nicht getan. Wir hielten Neuwahlen f\u00fcr n\u00fctzlich, damit die Nationalsozialisten in das Parlament einz\u00f6gen und die Notwendigkeit, zu den konkreten wirtschaftlichen und politischen Fragen Stellung zu nehmen, ihre Demagogie demaskiere. Wir f\u00fcrchteten nach den Erfahrungen der deutschen Sozialdemokratie in die Situation der Tolerierungspolitik zu geraten. Wir glaubten, da\u00df nur eine forsche Oppositionspolitik der Sozialdemokratie verh\u00fcten k\u00f6nne, da\u00df die durch die Wirtschaftskrise verelendeten und erbitterten Massen zu den Nationalsozialisten abstr\u00f6men. Die Folge unserer Haltung war, da\u00df sich die Christlichsozialen mit den Heimwehren koalierten und Dollfu\u00df seine Regierung mit Fey bildete. Wir hatten bei den Wahlen im Herbst 1930 die erste Koalitionsregierung der Christlich- sozialen mit den Heimwehren, die Regierung Vaugoin-Starhemberg besiegt; wir haben im Jahre 1932, durch diese Erfahrung irregef\u00fchrt, verkannt, da\u00df in einem Zeitpunkt, in dem der Faschismus in Deutschland in st\u00fcrmischem Aufstiege war, die Teilnahme der Faschisten an der Regierungsgewalt in \u00d6sterreich weit gef\u00e4hrlicher werden mu\u00dfte. Unsere Haltung nach den Wahlen von 1932 war also vielleicht ein Fehler; es war eine &quot;linke Abweichung&quot;.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir haben noch einen solchen Fehler gemacht. Als die Regierung Dollfu\u00df-Fey einen zweist\u00fcndigen Proteststreik der Eisenbahner, der am 1.&nbsp;M\u00e4rz 1933 stattgefunden hatte, mit Ma\u00dfregelungen von Eisenbahnern beantwortete, suchten wir dies am 4.&nbsp;M\u00e4rz durch einen Antrag im Parlament zu verhindern. Da die Regierung nur eine Mehrheit von einer Stimme hatte, kam es auf jede Stimme an. Wir verloren aber eine Stimme dadurch, da\u00df Renner als Pr\u00e4sident des Nationalrates den Vorsitz f\u00fchrte und deshalb nicht mitstimmen konnte. Wir glaubten, es vor den Eisenbahnern nicht verantworten zu k\u00f6nnen, durch Renners Stellung als Pr\u00e4sidenten bei der Abstimmung zu unterliegen und damit hunderte Eisenbahner der Ma\u00dfregelung preiszugeben. Deshalb hat Renner wegen eines Konflikts mit den Christlichsozialen auf meinen Rat seine Pr\u00e4sidentenstelle niedergelegt. Darauf haben auch der christlichsoziale und der gro\u00dfdeutsche Vizepr\u00e4sident demissioniert. Am folgenden Tage erk\u00e4mpfte Hitler in Deutschland seinen gro\u00dfen Wahlsieg; wir hatten im Eifer, die von der Ma\u00dfregelung bedrohten Eisenbahner zu sch\u00fctzen, nicht bedacht, welch unmittelbaren Einflu\u00df die Umw\u00e4lzung in Deutschland auf \u00d6sterreich \u00fcben konnte. So haben wir durch Renners Demission der Regierung Dollfu\u00df den Vorwand zur Ausschaltung des Parlaments geliefert. Das war unzweifelhaft ein Fehler, &#8209;&nbsp;auch das eine &quot;linke Abweichung&quot;.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Das Parlament war ausgeschaltet. Die Diktatur etablierte sich. Der Versuch, am 15.&nbsp;M\u00e4rz die Arbeit des Parlaments wieder aufzunehmen, wurde von Dollfu\u00df gewaltsam verhindert. Wir h\u00e4tten darauf am 15.&nbsp;M\u00e4rz mit dem Generalstreik antworten k\u00f6nnen. Nie waren die Bedingungen f\u00fcr einen erfolgreichen Kampf so g\u00fcnstig wie an jenem Tage. Die deutsche Gegenrevolution, die sich eben damals st\u00fcrmisch vollzog, hatte in \u00d6sterreich die Massen aufger\u00fcttelt. Die Arbeitermassen erwarteten das Signal zum Kampf. Die Eisenbahner waren damals noch nicht so zerm\u00fcrbt wie elf Monate sp\u00e4ter. Die milit\u00e4rische Organisation der Regierung war damals weit schw\u00e4cher als im Februar 1934. Damals h\u00e4tten wir vielleicht siegen k\u00f6nnen. Aber wir sind damals vor dem Kampf zur\u00fcckgeschreckt. Wir glaubten noch, durch Verhandlungen zu einer friedlichen L\u00f6sung kommen zu k\u00f6nnen. Dollfu\u00df hatte versprochen, da\u00df er binnen kurzem, Ende M\u00e4rz oder anfangs April, mit uns \u00fcber eine Verfassungs- und Gesch\u00e4ftsordnungs-Reform verhandeln werde; wir waren damals noch t\u00f6richt genug, einem Versprechen Dollfu\u00df&rsquo; zu trauen.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Wir sind dem Kampf ausgewichen, weil wir dem Lande die Katastrophe eines blutigen B\u00fcrgerkriegs ersparen wollten. Der B\u00fcrgerkrieg ist elf Monate sp\u00e4ter trotzdem ausgebrochen, aber unter f\u00fcr uns wesentlich ung\u00fcnstigeren Bedingungen. Es war ein Fehler, &#8209;&nbsp;der verh\u00e4ngnisvollste unserer Fehler. Und diesmal war es eine &quot;rechte Abweichung&quot;.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>War unsere Politik zu &quot;links&quot; oder zu &quot;rechts&quot;? Es gibt keine Strategie, die lehren w\u00fcrde, da\u00df man den Sieg unter allen Umst\u00e4nden im Angriff oder unter allen Umst\u00e4nden in der Verteidigung erk\u00e4mpfen, die Entscheidung immer auf dem linken oder immer auf dem rechten Fl\u00fcgel herbeif\u00fchren k\u00f6nne. Die Probleme proletarischer Taktik in Zeiten st\u00fcrmischer Entwicklung sind allzu kompliziert, als da\u00df sie sich auf den Gegensatz von &quot;links&quot; und &quot;rechts&quot; reduzieren lie\u00dfen. Die Fehler, die wir begangen haben, waren einmal &quot;linke&quot; und das andere Mal &quot;rechte&quot; Abweichungen von dem Weg, von dem wir jetzt nachtr\u00e4glich, in Kenntnis der sp\u00e4teren Ereignisse, vermuten k\u00f6nnen, da\u00df er richtig gewesen w\u00e4re.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Aber so wenig wir Fehler leugnen wollen, die wir begangen haben, &#8209;&nbsp;w\u00e4re die \u00f6sterreichische Gegenrevolution nach dem Siege des Faschismus in Deutschland \u00fcberhaupt zu verh\u00fcten gewesen? H\u00e4tte eine andere Politik, eine andere Taktik sie verh\u00fcten k\u00f6nnen? W\u00e4ren wir, wenn wir uns nach den Aprilwahlen von 1932 zu einer &quot;Tolerierungspolitik&quot; gegen\u00fcber der Regierung Buresch entschlossen h\u00e4tten, nicht erst recht auf die Bahn der deutschen Sozialdemokratie geraten? H\u00e4tte, wenn Renner am 4.&nbsp;M\u00e4rz seine Pr\u00e4sidentenstelle nicht niedergelegt h\u00e4tte, die durch den Umsturz in Deutschland geschreckte Regierung nicht einen anderen Vorwand zur Ausschaltung des Parlaments gefunden? H\u00e4tte, wenn wir am 15.&nbsp;M\u00e4rz 1933 losgeschlagen h\u00e4tten, der B\u00fcrgerkrieg nicht die Koalition der Schwarzen mit den Braunen herbeigef\u00fchrt, die damals ja noch nicht so verfeindet waren wie jetzt, und dadurch Hitler zum Herrn \u00d6sterreichs gemacht?<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Die ungarische Sozialdemokratie hat im Jahre 1919, die italienische bis zum Jahre 1922 eine &quot;linke&quot;, revolution\u00e4re, dem Kommunismus verwandte Politik getrieben, &#8209;&nbsp;sie endete in beiden L\u00e4ndern mit einer Katastrophe. Die deutsche Sozialdemokratie hat umgekehrt einen sehr staatsm\u00e4nnischen, sehr nationalen, sehr &quot;rechten&quot; Weg gew\u00e4hlt, &#8209;&nbsp;sie ist gleichfalls geschlagen worden. Wir haben in \u00d6sterreich zwischen dem italienisch-ungarischen und dem deutschen Extrem einen mittleren Weg zu gehen versucht, &#8209;&nbsp;wir sind gleichfalls geschlagen.<\/span><\/p> <p class=Intertitre2><span lang=DE>Karl Renner \u00fcber die Ereignisse vom 12.&nbsp;Februar 1934<\/span><a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-family:\"Imprint MT Shadow\"; font-weight:normal'><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:12.0pt;font-family:\"Imprint MT Shadow\";letter-spacing:1.0pt'>[12]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der sozialdemokratische Parteivorstand ist zum letztenmal Donnerstag, den 8.&nbsp;Februar, versammelt. Wohl dar\u00fcber unterrichtet, da\u00df der Schlag f\u00fcr Mittwoch geplant ist, beraumt er die n\u00e4chste Sitzung auf Montag an, entschlossen, auf keinen Fall selbst das Signal zum B\u00fcrgerkrieg zu geben, sondern den Angriff von oben abzuwarten und der Regierung die Verantwortung zu \u00fcberlassen. Trotz der Ungunst der \u00e4u\u00dferen und inneren Umst\u00e4nde, ohne viel Hoffnung auf den Sieg, ist man zur Verteidigung der republikanischen Verfassung und damit der eigenen politischen Existenz entschlossen, aber blo\u00df zur Verteidigung. Folgt ihr auch ein nennenswerter Teil des B\u00fcrgertums und der Bauernschaft, so ist die Republik gerettet, bleibt man allein, so ist der Kampf aussichtslos. Aber er mu\u00df um der Ehre der Fahne willen aufgenommen werden.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Der B\u00fcrgerkrieg<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>Unverhoffte Vorf\u00e4lle st\u00f6ren alle Erwartungen. Die im h\u00f6chsten Grade erregte Arbeiterschaft liest am Sonntag die Ank\u00fcndigungen Feys und Sch\u00f6nburgs, das Interview Starhembergs, ein Interview Funders, das auf dasselbe hinausl\u00e4uft, sie liest auch, da\u00df in Paris der Generalstreik verk\u00fcndet ist. Sie h\u00e4lt Disziplin, obschon diese durch die Ausschaltung des Parlaments, durch die Aufl\u00f6sung des Schutzbundes, durch die Verfolgung der &quot;Arbeiter-Zeitung&quot;, durch die Verhaftung der Schutzbundf\u00fchrer auf die h\u00e4rteste Probe gestellt ist. Sie h\u00e4lt sie, soweit unter diesen Erschwernissen die Beschl\u00fcsse sie erreichen. Aber in Linz, wo am Montagmorgen eine Waffensuche im dortigen Arbeiterheim ausbricht, setzt sich die Arbeiterschaft im Heim zur Wehr, die ersten Sch\u00fcsse fallen. Das Unheil ist im Lauf: Ehe der Parteivorstand zusammentreten kann, bricht auch in Wien der Streik aus, und zwei Tage vor der Zeit l\u00e4uft wie ein Uhrwerk der Aktionsplan der Regierung ab. Noch vor der Stunde seines Zusammentretens sind die Mitglieder des Parteivorstandes verhaftet, ebenso alle sozialdemokratischen Mandatare des Bundes und der Gemeinde Wien, alle namhaften Vertrauensm\u00e4nner der Gewerkschaften. Die politische Partei ist aufgel\u00f6st, alle ihre wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Vereinigungen ebenso, alles Verm\u00f6gen, das irgendwie mit der Arbeiterbewegung zusammenh\u00e4ngt, beschlagnahmt. Der Sicherheitsminister Fey f\u00fchrt das Kommando in Wien, Milit\u00e4r, Polizei, Heimatschutz und Schutzkorps sind aufgeboten, und in dreit\u00e4gigem Kampf wird die Erhebung niedergeworfen. Die Gef\u00e4ngnisse und Konzentrationslager f\u00fcllen sich mit Tausenden der Vork\u00e4mpfer der \u00f6sterreichischen Arbeiterklasse, das Standgericht f\u00fchrt viele von ihnen zum Tode.<\/span><\/p> <p class=Texte><span lang=DE>\u00d6sterreich ist damit reif gemacht, in seiner inneren Politik dem Vorbild des italienischen Faschismus zu folgen.<\/span><\/p> <h1>Notes<\/h1> <\/div> <div><br clear=all> <hr align=left size=1 width=\"33%\"> <div id=edn1> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span class=MsoEndnoteReference><span style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[1]<\/span><\/span><\/span><\/a>.&nbsp;Nous reproduisons ce texte avec l\u2019accord du responsable du site 321ignition.free.fr.<\/p> <\/div> <div id=edn2> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[2]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, abgehalten in Wien, 29.&nbsp;Oktober bis 1.&nbsp;November 1927, Wiener Volksbuchhandlung, 1927, S.&nbsp;103&#8209;130 (hier S.&nbsp;123&#8209;130).<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Abgedruckt in:<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Otto Bauer: Werkausgabe Band&nbsp;5, Europa Verlag, 1978, S.&nbsp;467&#8209;492 (hier S.&nbsp;486&#8209;492).<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn3> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[3]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Am 30.&nbsp;Januar 1927 wurde in Schattendorf, einem Ort im Burgenland, eine Gruppe von Angeh\u00f6rigen des Republikanischen Schutzbundes beschossen. Ein Mann und ein Kind wurden t\u00f6dlich verwundet. Die T\u00e4ter wurden verhaftet, der Prozess begann in Wien am 5.&nbsp;Juli und endete am 14.&nbsp;Juli mit einem Freispruch. Am 15.&nbsp;Juli kam es vor dem Justizpalast zu Demonstrationen sozialdemokratischer Arbeiter. Berittene Polizei wurde gegen die Arbeiter eingesetzt. Die Menge st\u00fcrmte den Justizpalast, Aktenberge wurden in Brand gesetzt und die Flammen griffen auf das Geb\u00e4ude \u00fcber. Auch eine Polizeiwache und das Redaktionsgeb\u00e4ude der christlichsozialen <i>Reichspost<\/i> brannten. Die Polizei er\u00f6ffnete das Feuer, mindestens 89&nbsp;Personen wurden get\u00f6tet, darunter f\u00fcnf Polizisten, mehr als 600&nbsp;Personen wurden schwer, mehr als tausend leicht verletzt. Es kam auch im Wiener Bezirk Hernals zum Sturm auf mehrere Polizeistellen, wobei zwei Personen get\u00f6tet wurden.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn4> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[4]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Oskar Trebitsch: Der 15.&nbsp;Juli und seine rechte Lehre, Wien, Bugra Verlag, 1927.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn5> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[5]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, abgehalten in Wien, 14.&nbsp;bis 17.&nbsp;September 1928, Wiener Volksbuchhandlung, 1928, S.&nbsp;18&#8209;27 (hier S.&nbsp;26&#8209;27).<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Abgedruckt in:<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Otto Bauer: Werkausgabe Band&nbsp;3, Europa Verlag, 1976, S.&nbsp;667&#8209;694 (hier S.&nbsp;693&#8209;694).<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn6> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Richard Steidle war Bundesf\u00fchrer der Heimwehr, neben ihm z\u00e4hlten Walter Pfrimer, Ernst R\u00fcdiger Starhemberg und Emil Fey zu wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten. Am 7.&nbsp;Oktober 1928 organisierte der steirische Heimatschutz einen Aufmarsch in Wiener Neustadt, ein Industrieort in Nieder\u00f6sterreich. Die Sozialdemokratie hatte in Wiener Neustadt traditionell vorherrschenden Einfluss.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn7> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[7]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, abgehalten in Wien, 8.&nbsp;bis 10.&nbsp;Oktober 1929, Wiener Volksbuchhandlung, 1929, S.&nbsp;18&#8209;31 (hier S.&nbsp;26&#8209;29).<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Abgedruckt in:<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Otto Bauer: Werkausgabe Band&nbsp;5, Europa Verlag, 1978, S.&nbsp;523&#8209;548 (hier S.&nbsp;539&#8209;544).<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn8> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\" title=\"\"><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE><span class=MsoEndnoteReference><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[8]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, abgehalten in Linz, 30.&nbsp;Oktober bis 23.&nbsp;November 1926, Wiener Volksbuchhandlung, 1926.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn9> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[9]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs, abgehalten in Wien, 8.&nbsp;bis 10.&nbsp;Oktober 1929, Wiener Volksbuchhandlung, 1929,\u00a0 S.&nbsp;34&#8209;36 (vollst\u00e4ndig).<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn10> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[10]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutsch\u00f6sterreichs (Hg.): Jahrbuch der \u00d6sterreichischen Arbeiterbewegung, Wiener Volksbuchhandlung, 1931, S.&nbsp;26&#8209;27 (vollst\u00e4ndig).<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Am 12.&nbsp;September 1931 unternahm Walter Pfrimer, einer der wichtigsten Heimwehrf\u00fchrer, einen Putschversuch, um die Heimwehren an die Macht zu bringen. Das Unternehmen scheiterte und Pfrimer floh nach Marburg. Im Dezember fand ein Gerichtsverfahren statt, das mit Freispruch endete.<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn11> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[11]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Otto Bauer: Der Aufstand der \u00f6sterreichischen Arbeiter &#8211; Seine Ursachen und Wirkungen, Deutsche. Sozialdemokratische Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei (Hg.), Prag, 1934, S.&nbsp;24&#8209;26. Der Text ist mit 19.&nbsp;Februar 1934 datiert.<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Abgedruckt in:<\/span><\/p> <p class=MsoEndnoteText><span lang=DE>Otto Bauer: Werkausgabe Band&nbsp;3, Europa Verlag, 1976, S.&nbsp;957&#8209;997 (hier S.&nbsp;987&#8209;990).<\/span><\/p> <\/div> <div id=edn12> <p class=MsoEndnoteText><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\" title=\"\"><span lang=DE><span lang=DE style='font-size:10.0pt;font-family:\"Garamond\",\"serif\"'>[12]<\/span><\/span><\/a><span lang=DE>.&nbsp;Karl Renner: Nachgelassene Werke &#8211; Band&nbsp;2 &#8211; \u00d6sterreich von der Ersten zur Zweiten Republik, Wiener Volksbuchhandlung, 1953, S.&nbsp;137&#8209;138.<\/span><\/p> <\/div> <\/div>\n <!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-419\" data-postid=\"419\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-419 themify_builder tf_clear\">\n    <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,29,10],"tags":[],"class_list":["post-419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article-histoire","category-autriche","category-francais-histoire","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=419"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rocml.org\/References-ML\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}